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[Rezension] Zeitlose – Doras Erwachen von Eva-Maria Obermann

[Rezension] Zeitlose – Doras Erwachen von Eva-Maria Obermann

Ich respektiere die liebe Eva nicht nur als großartige Autorin und Bloggerkollegin, sondern zähle sie auch als Freundin. Nachdem ich bei einer Leserunde Band 1 der Zeitlose Reihe gelesen hatte, war klar: Ich muss wissen, wie es weitergeht! Das Buch von der lieben Eva übrigens als Rezensionsexemplar geschenkt bekommen, aber leider bin ich erst jetzt dazu gekommen, es zu lesen.
Ob es den ersten Teil übertreffen konnte? Die Leseprobe zum Buch habe ich übrigens anlässlich des Erscheinens vertont.

Eva-Maria Obermann: Zeitlose 2 – Doras Erwachen


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  • Autorin: Eva-Maria Obermann
  • Titel: Zeitlose – Doras Erwachen (Band 2 der Zeitlose Trilogie)
  • Verlag: Schwarzer Drachen Verlag
  • Genre: Urban Fantasy, Romantik
  • 314 Seiten, Taschenbuch: 14,90€ | Ebook: 6,90€
  • auf amazon* anschauen

Worum geht’s?

Dora ist nach den Ereignissen um Nathan, Fiona, Simeon und Nancea aus dem ersten Band sehr verwirrt. Sie weiß nicht mehr, was ihre Träume oder Gefühle sind und wer sie selbst ist. Oder wer sie sein möchte? Mit der Hilfe ihrer besten Freundin Anna und deren Partner Carl, versucht sie ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Doch anstatt von Nancea zu träumen sieht Dora nachts nun die Bilder und Geschichten anderer Frauen, die ebenfalls von Nancea träumten. Und die meisten von ihnen starben eines schrecklichen Todes. Dora spürt, dass es noch nicht vorbei ist und als sie den Mädchen auf den Grund geht, muss sie sich unweigerlich wieder mit Nathan auseinandersetzen. Außerdem steht Oscar vor der Tür und will eine zweite Chance. Unverhoffte Hilfe findet sie in einem kleinen mysteriösen Buchladen in den Gassen Mannheims…


 

Meine Meinung:

Der erste Band endete zwar nicht mit einem fiesen Cliffhanger, aber ich war doch sehr neugierig, wie es weitergeht. Einige Fragen blieben ungeklärt und vor allem Doras Leben war ordentlich durcheinander gewürfelt. Damit hatte sie in der ersten Hälfte auch ordentlich zu kämpfen. Panikattacken, soziale Isolation, depressive Züge – Dora hatte es nicht leicht, doch ihre liebenswerte Mitbewohnerin Anna und deren Freund Carl waren stets an ihrer Seite um Dora aufzubauen.

Nach allem, was Dora durchmachen musste, fiebert man mit ihr und wünscht sich so sehr, dass sich alles zum Guten wendet. Im ersten Teil war ich definitiv für ihren Oscar, doch im zweiten Teil merkte man deutlich, dass er aufdringlich ist und Dora nicht den Freiraum lässt, den sie braucht. Auch Nathan war keine große Hilfe, denn wenn er auftrat, brachten seine Handlungen Dora noch mehr durcheinander.

 

Turbulente Träumerei

Anstatt von Nancea und Simeon zu träumen, wurde Dora nun von anderen Visionen heimgesucht. Körperlich einnehmende und viel zu reale Träume von den Mädchen, die ihr Schicksal teilten und meist eines unglücklichen Todes starben. Mädchen, die es nicht geschafft hatten, Nancae und Simeon zu retten oder loszulassen, die von den Träumen aufgefressen oder in den Wahnsinn getrieben wurden. Dora spürt, dass diese Träume wieder etwas bedeuten, doch sie verschließt sich, will flüchten. Ihre Verletzlichkeit und ihre Erschöpfung wurde hier deutlich, jedoch hat mich in der ersten Hälfte des Buches ihr Unwillen etwas zu verändern, sich Hilfe zu holen (außer von Freundin Anna) oftmals aufseufzen lassen. Sie versank in Gedankenspiralen und Selbstmitleid, sodass es Dora selbst und mir als Leserin irgendwann ein wenig auf die Nerven ging.

Aber sobald Dora über die Schwelle von Elisabeths Buchladen stolperte, nahm das Buch Fahrt auf. Dora erwachte aus ihrer Ohnmacht und begann, endlich wieder zu forschen, zu hinterfragen und zu agieren. Die vielen Offenbarungen und neuen Erkenntnisse, die Entwicklung der Träume und ihrer Bedeutung fand ich total spannend. Immer wieder Erinnerungsschnipsel gemischt mit dem langsame Vortasten – das war superspannend. Dass dabei Doras Privatleben – also Oscar, der um eine zweite Chance bettelte; ihre Freundin Anna und deren Probleme; die Uni – nicht komplett ausgeblendet wurde, fand ich sehr gut und realistisch. Außerdem hat es die Spannung nochmal gekitzelt, wenn Dora nicht weiterforschen konnte, sondern sich anderen Dingen widmen musste.

Das Leben kommt einem eben oft dazwischen.

Das Finale war wiedereinmal grandios konstruiert – wie es sich langsam zugespitzt hat, dann die Offenbarung wie ein Knall und ein Showdown. Das Ende vom zweiten Band ist deutlich fieser als von Band 1. Denn mit all den gewonnen Erkenntnissen und den großen Schritten in die richtige Richtung ist Dora nicht nur erwacht, sondern voll in Aktion. Und das ist einfach nur cool!

Einfach traumhaft!

Evas Schreibstil ist eine angenehme Abwechslung. Sie schafft es gefühlvoll und intensiv zu schreiben, ohne Kitsch und Überdramatisierung. Auch Alltagshandlungen, Essen, Gerüche, Sinneseindrücke webt sie mit Leichtigkeit in die Geschichte ein, zeichnet lebendige Charaktere und Bilder im Kopf.

Während es in Band 1 vor allem um Nancea und Simeon ging, lernen wir in Band 2 die eigentliche Heldin Dora besser kennen. Und ihre Entwicklung ist wirklich großartig. Wie sie ihren Weg geht, sich sucht, zweifelt, liebt und auch mal schlechte Entscheidungen trifft – das fand ich großartig. Aber es wird auch klar, dass die Unterstützung guter Freunde unabdingbar ist. Und solche Freunde wie Anna und Carl kann man sich einfach nur wünschen. Deswegen hat es mich sehr gefreut, dass auch die beiden ihre Zeiten im Buch hatten. Die Probleme und Sorgen der anderen Charaktere gingen nicht unter, auch wenn Dora oft mit sich selbst beschäftigt war. Die innige Zuneigung und das Band der Freundschaft zwischen Anna und Dora wurde deutlich.

Originelle Entwicklungen

Für eine traumhafte Urban Fantasy/Romantasy Geschichte geht „Zeitlose“ neue Pfade. Mannheim und unsere Zeit als Schauplatz sind der Anker, der uns nach den traumhaften Sequenzen daran erinnert, dass wir es hier mit Menschen zu tun haben. Realen Menschen, die lieben, leiden und sterben. Dora ist eine erwachsene Frau mit Zielen, Wünschen, aber auch Verpflichtungen. Die treten keinesfalls in den Hintergrund, nur weil übersinnliche Träume oder Ereignisse sie heimsuchen. Die Arbeits- bzw. Uni-Welt hat nicht so viel Verständnis und lässt nicht so viel Zeit für Nachforschungen und Träumereien. Realistik in einem sonst verträumten Roman. Und soll ich euch was sagen? Das finde ich sehr gut. Viel zu oft läuft Urban Fantasy nach einem Schema ab, dass mit Auftreten den Love Interests oder der Schwierigkeiten alles egal wird – Arbeit, Miete, Essen, Familie, alte Freunde, Wäsche waschen. Nur, weil wir Magie haben, löst sich das Ganze in „Zeitlose“ nicht von Zauberhand auf, sondern bereitet den Charakteren eben zusätzlich Probleme. Diese Prise Realismus macht „Zeitlose“ für mich zu einer erwachsenen und besonderen Reihe.

Wer ungewöhnliche romantische Urban Fantasy Geschichten mit Träumen und Geheimnissen mag, kommt voll auf seine Kosten. Alle Fans von klischeehafter Liebe-auf-den-ersten-Blick und dem linearen Schema von Liebesgeschichten mit viel Fluff, Gepimper und Gesülze sollten lieber die Finger von „Zeitlose 2“ lassen.

Fazit:

Die erste Hälfte war durch Doras innere Konflikte ein klitzekleines Bisschen zäh, aber ab der zweiten Hälfte nahm die Geschichte wie gewohnt Fahrt auf und das rasant. Evas sanfter, malerischer Schreibstil, ihre gefühlvollen und aufmerksamen Beschreibungen machen das Buch zu einem Lesegenuss! Das Ende lässt mich neugierig und aufgekratzt zurück. Ich kann es kaum erwarten, bis Band 3 erscheint!

Weitere Meinungen:

 


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[Rezension] Hanover’s Blind von Kia Kahawa (XL Leseprobe)

[Rezension] Hanover’s Blind von Kia Kahawa (XL Leseprobe)

Heute gibt es mal einen etwas anderen Beitrag – und zwar eine Rezension zu einer XL Leseprobe! Nämlich zu „Hanover’s Blind“ von Kia Kahawa.

Warum nicht zum ganzen Buch? – Weil das Buch noch gar nicht erschienen ist!


  • Autorin: Kia Kahawa
  • Titel: Hanover’s Blind

Worum geht’s?
Adam möchte seinen Platz im Leben finden. Einen ersten Schritt macht er als er alleine nach Hannover in eine fremde WG zieht. Er ist hungrig nach Leben, hungrig nach Liebe, nach Erfahrungen. Was niemand weiß: Adam hat eine Sehbehinderung und ist fast blind – das versucht Adam aber mit allen Mitteln zu verheimlichen, um nicht ausgeschlossen zu werden oder eine Sonderbehandlung zu bekommen. Aber kann das auf Dauer gut gehen?


Kia Kahawa: Hanover’s Blind

Zum ersten Mal erfuhr ich von diesem Projekt als Kia mir auf der LBM18 ihr Exposé zeigte. Und nun ist es soweit, das Buch steht in den Startlöchern – Kia ist als Selfpublisherin bereits erfahren, aber Hanover’s Blind ist etwas besonderes. Deswegen ist auch die Veröffentlichung etwas anders als bei ihren anderen Büchern. Es gibt nämlich eine große Crowdfunding Kampagne, damit das Buch sowohl als Taschenbuch als auch als Hardcover herauskommen kann – vielleicht sogar mit Illustrationen? Ich würde mich freuen, wenn ihr bei der Aktion auf startnext vorbeischaut.

Es gibt auch einen Buchtrailer:

Meine Meinung:

Das erste Kapitel beginnt an Hannovers Bahnhof – mit Adam kommen wir an, hören Geräusche und lernen ihn und die Umgebung kennen. Erste Hinweise auf seine Geschichte, seine Beweggründe und seine Persönlichkeit. Besonders schön – das Kapitel beginnt mit einem „Nein“ und endet mit einem „Ja“. Ein wundervolles kleine Detail. Kias Beschreibungen sind fließend, humorvoll und sind gut eingebettet in die Handlung. Wir werden als Leser nicht von Emotionen erschlagen und trotzdem formt sich ein Bild vor unserem inneren Auge. Ein Bild, das ein bisschen anders ist als üblich, denn wir sehen nicht durch Adams Augen – wir hören, riechen, fühlen und schmecken durch ihn.

Im zweiten Kapitel

begleiten wir Adam in die WG zu Muriel und Johanna – die auf den ersten Blick sehr liebevoll und aufgeschlossen wirken. Natürlich ist es einerseits ein bisschen doof, dass er nicht erzählt, dass er eine Sehbehinderung hat, andererseits wirken seine Motive glaubwürdig und es erzeugt natürlich Spannung und viele mögliche Fettnäpfchen, auf dich ich mich als Leserin schon diebisch freue. Locker und amüsant geht es weiter und auf Adams Weg gibt es direkt ein paar kleine Schlaglöcher.

Und Kia schafft es fabelhaft Adams gemischte Gefühle rüberzubringen. Ein Feuerwerk nur zu hören, während andere staunen. Das schmerzt. Und während ich mich jetzt auch nach Sandelholz-Karamell und einem „White Lady“ sehne, geht die XL Leseprobe zu ende.

Kias Schreibstil liest sich flüssig, es steckt viel Humor, viel Wortwitz, aber auch Sehnsucht in dieser Geschichte.

Ich möchte weiterlesen, wissen wie es weitergeht, wie Adams Weg aussieht. Insgesamt hat das Buch 180 Seiten, eine Novelle – aber allein in diesen drei Kapiteln steckte schon viel an Geschichte und Gefühlen drin, die Lust auf mehr machen!

Fun fact: Adam und mein erstes Wort als Babys stimmen überein! 😀

Ohne Augenlicht wäre mein Leben… (c) Kia Kahawa

Ich will es haben!

Ihr auch? Dann schaut bei startnext.com/hanovers-blind vorbei – ihr könnt zwischen Ebook, Taschenbuch und Hardcover wählen – denn nur, wenn wir zusammen anpacken, kann dieses besondere Projekt um Adam wirklich zum Leben erwachen! Und erzählt und teilt den Link gerne – es müssten sich (Stand 13.06) nur noch 44 Personen ein Hardcover bestellen, damit Hanover’s Blind gedruckt werden kann!

 

Weitere, spannende Beiträge zu Hanover’s Blind:

 

Vielen Dank liebe Kia, das ich bei diesem tollen Projekt mitwirken und vorab eine Leseprobe lesen durfte!

[Rezension] Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden von Genki Kawamura

[Rezension] Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden von Genki Kawamura

Als ich dieses Buch in der Verlagsvorschau erblickt habe, wusste ich – das muss ich lesen! Japanischer Autor, bildschönes Cover und etwas mit Katzen. Das kann ja nur gut sein, oder? Vielen Dank an C.Bertelsmann & das Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar!

Genki  Kawamura: Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden


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  • Autor: Genki Kawamura, übersetzt von Ursula Gräfe9783570103357_1508505235000_xxl
  • Titel: Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden
  • Verlag: C. Bertelsmann
  • Genre: Erzählung, philosophisch; 190 Seiten
  • gebunden: 18€ | Ebook: 14,99€
  • auf amazon* anschauen

Worum geht’s?
Ein 30-jähriger Postbote bekommt eine Hiobsbotschaft: Er hat einen Hirntumor und nur noch wenige Zeit zu leben. Verzweifelt schleppt er sich zurück zu seiner Wohnung wo ihn ein Doppelgänger in Hawaiihemd und Shorts erwartet – der Teufel höchstpersönlich! Und der wartet mit einem scheinbar verlockenden Angebot auf – der Postbote kann leben. Für jeden Tag mehr Zeit, verschwindet jedoch etwas von der Welt. Kein Problem bei all dem unnützen Plunder der heutigen Gesellschaft… oder?


 Meine Meinung:

 

Was für eine Prämisse! Für mich ist der schlimmste Plan, den ein Erzbösewicht anstreben kann weder Weltherrschaft noch die totale Vernichtung der menschlichen Rasse – es wäre tatsächlich so etwas in die Art wie 20180526_172820„alle Katzen der Welt ausrotten“. Für mich also ein absolut gruseliger Gedanke.

Teufel in Büchern finde ich jedes Mal aufs Neue sehr spannend. Mir gefällt die Symbolik, die Rolle, die sie einnehmen. Auch hier ist der Teufel absolut sympathisch, schräg und putzig. Seine Absichten sind nicht per se böse, es ist mehr ein Wetten und Kabbeln mit Gott. Ein aberwitziger Konflikt, in den unser Protagonist hineingeworfen wird.

Er selbst hat eine vernichtende Diagnose bekommen und wie jeder von uns, lässt er sein Leben Revue passieren und möchte unbedingt einige Dinge erledigen, die ihm keine Ruhe lassen. Die Exfreundin nochmal treffen, die eiskalte Beziehung zu seinem Vater kitten, Dinge erleben, Filme sehen, Bücher lesen. Von großen Träumen und Abenteuern sieht er ab, ihm geht es viel mehr um die kleinen Dinge – die zwischenmenschlichen Beziehungen. Auch der Kater namens „Weißkohl“ (heimlicher Held des Buches) muss ja irgendwie versorgt werden. Oder will der Teufel im Austausch für einen Tag Leben irgendwann auch die Katzen verschwinden lassen? Katzen, die der verstorbenen Mutter des Protagonistin sehr viel bedeutet haben…

Generell sind die vorkommenden Charaktere alles andere als langweilige Platzhalter! Der Postbote, die Exfreundin, die Eltern, der Kater – alle wirken lebendig und liebevoll.

So tauchen wir in eine kurzweilige, philosophische Geschichte ein. Einen Mikrokosmos in einer beliebigen japanischen Stadt, in einem beliebigen Leben. Ein Einzelschicksal, das uns berührt und das uns irgendwie irgendwo selbst betrifft. Was würde ich tun, wenn ich nur noch wenige Tage zu leben hätte? Eine bedeutsame Frage, die in vielen Filmen und Büchern aufgegriffen und verarbeitet wurde. Dennoch bleibt das Buch von Genki Kawamura leicht, auch bei all der Nachdenklichkeit. Zwar wird einem manchmal ganz weh ums Herz, aber das Buch hat mich nicht runtergezogen. Es hat mich berührt, aber nicht in tiefe Trauer gestürzt.

Beim Lesen fühlte ich mich entspannt, geborgen und die Geschichte hat mich ein wenig geerdet, meine Zeit entschleunigt und mir ein Lächeln auf die Lippen gezaubert. Was wirklich wichtig ist, im Grunde unserer Herzens wissen wir das meist sehr gut. Aber ab und zu braucht es einen kleinen Stupser, um zu verstehen.20180525_224727

Ursula Gräfe hat es übrigens wunderbar geschafft die malerische japanische Sprache in ein ebenso schönes, sanftes Deutsch zu übersetzen. Das Buch liest sich vom Schreibstil wie eine leichte Frühlingsbrise und für mich macht sie einen wunderbaren Job!

Einziger Wermutstropfen sind für mich tatsächlich das Cover und der Preis. 18€ für knapp 200 Seiten erscheinen mir recht viel. Ich weiß nicht, ob ich das Buch tatsächlich direkt als gebundene Ausgabe gekauft hätte, wenn ich es nicht als Rezensionsexemplar bekommen hätte. Zusätzlich ist das Kirschblütencover zwar wunderschön, passt aber nicht wirklich zum Inhalt sondern nur zum Herkunftsland des Autors.

Die Geschichte ist anhand der Tage aufgebaut und direkt aus der Ich-Perspektive des Protagonisten erzählt.

Mein Fazit:

Ein malerisches und nachdenkliches Buch, das sich sehr angenehm liest. Das Thema und die Frage nach dem, was wirklich wichtig ist, sind nicht neu, aber dennoch ist Genki Kawamura mit dieser Geschichte ein sanftes, philosophisches Debüt gelungen. Es hat mich nicht komplett vom Hocker gehauen, aber ich habe es sehr gerne gelesen. Vor allem die liebevollen Charaktere und der schöne Erzählstil machen den Charme des Buches aus.

4seesterne

 

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[Rezension] Scream Run Die von Tanja Hanika

[Rezension] Scream Run Die von Tanja Hanika

Scream Run Die von Tanja Hanika

Nachdem ich von Tanjas Buch „Zwietracht“ begeistert war, hat sie mir auf dem Litcamp 2017 in Heidelberg ihr Buch „Scream Run Die“ geschenkt. Vielen Dank dafür und entschuldige, dass ich erst so spät dazu gekommen bin, es zu lesen und zu rezensieren.


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  • Autorin: Tanja Hanika
  • Titel: Scream Run Die
  • Genre: Horror, Slasher, blutig
  • 122 Seiten, Taschenbuch: 7,99€ | Ebook: 2,99€
  • auf amazon* kaufen

Worum geht’s?
Milton überfährt auf dem Highway eine seltsame Kreatur. Um den Unfall geheim zu halten, verstaut er das Wesen in seinem Kofferraum und fährt zu seinen Freunden, die eine Hausparty veranstalten. In der Abgeschiedenheit, provoziert von Alkohol und Langeweile, probieren sie Gläserrücken mit einem Ouija Brett aus unds müssen bald erkennen, dass sie von jemandem oder etwas verfolgt werden…


Meine Meinung

Das Buch inklusive Survival Tipps des Killers verspricht eine spannende Hetzjagd auf eine Gruppe Jugendlicher.

Leider war es für mich kein fesselndes Erlebnis. Die 122 Seiten reichen nicht, um eine emotionale Verbindung zu den Charakteren aufzubauen, man leidet und bibbert nicht mit ihnen, sondern zuckt lediglich mit den Schultern, wenn sie aufgeschlitzt werden. Manche Handlungen und Entscheidungen, sowie die Motive des Killers waren auch einfach nicht wirklich glaubwürdig und nachvollziehbar.

Tanja Hanika spielt gezielt mit einigen typischen Horrorfilmklischees – Jugendliche allein zuhaus, Gläser rücken, die durchtrennten Stromkabel, das mysteriöse Wesen im Kofferraum, der maskierte Killer. Bei mir hat das leider aber weder für ein Schmunzeln, noch für Schauer gesorgt.

Ich bin eher der Fan von psychologischem Horror, was nicht heißt, dass ich es nicht auch mal blutig und klassisch mag. Aber bei diesem Buch ist der Funke leider nicht übergesprungen, vielleicht weil ich so viel in diesem Genre unterwegs bin.

Ich hätte mir mehr Zeit gewünscht, die Charaktere kennen zu lernen, mehr Zeit für das Versteckspiel mit dem Killer, mehr von der bedrohlichen Atmosphäre und Ausweglosigkeit oder noch blutigere Kills. So bleibt das Buch leider für packenden Psychohorror zu harmlos und für einen gedärmereichen Slasher zu seicht.

Tanja Hanikas Schreibstil und ihre Ideen sind gut, womöglich hatte ich nach Zwietracht einfach etwas zu hohe Erwartungen. Die Begeisterung beim Schreiben, die Extras und die Liebe zum Detail merkt man Tanja aber absolut an. In meinem Exemplar des Buches war wirklich der Glückskeks-Spruch versteckt, der im Buch erwähnt wird und ich war richtig geflasht, als mir der beim Lesen in den Schoß gefallen ist. Die Tipps des Killers sind unterhaltsam und Pflicht für alle Horror-Neulinge.

Fazit:

Mich konnte das Buch leider nicht vollends überzeugen. Die guten Ideen sind leider durch die Kürze nicht richtig ausgenutzt worden, sodass die Spannung ihren potenziellen Gipfel nicht erreichen kann. Tanjas Schreibstil ist gut und bei Zwietracht hat sie bewiesen, dass Horror ihr liegt, aber „Scream, Run, Die“ war für mich leider kein Highlight. Ich würde das Buch eher Leser*innen empfehlen, die sich sonst nicht an Horror heranwagen und sich zur Abwechslung mal trauen möchte. Ich vergebe 2,5 bis 3 Seesterne.

 

Weitere Meinungen:


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[Rezension] Hummeln fliegen auch bei Regen von Andrea Kraft

[Rezension] Hummeln fliegen auch bei Regen von Andrea Kraft

Andrea Kraft: Hummeln fliegen auch bei Regen

Ich hatte das Buch erstmals auf Facebook gesehen. Ich weiß leider nicht mehr wer, aber eine Bloggerin warb für das Buch ihrer Freundin Andrea Kraft, das ursprünglich im Selbstverlag erschien und nun bei Goldmann verlegt wurde. Als ich das Buch beim Bloggerportal entdeckt habe, habe ich es spontan angefragt und ein gratis Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank!


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  • Autorin: Andrea Kraft758_21185_178207_6.jpg
  • Titel: Hummeln fliegen auch bei Regen
  • Verlag: Goldmann
  • Genre: Entwicklunsroman, (ChicLit)
  • 416 Seiten, Taschenbuch: 10€ | Ebook:  8,99€
  • Buch auf amazon* kaufen | Buch über LChoice* in eine Buchhandlung in der Nähe bestellen

Worum geht’s?
Hannah, 35, kämpft mit Depressionen und Angststörungen. Nach einem Klinikaufenthalt hat sie sich frisch von ihrem Ehemann getrennt und versucht nun, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Als sie in einem alten Traumtagebuch blättert, beschließt sie zum ersten Mal ganz alleine in den Urlaub zu fahren und hofft damit, Stück für Stück, ihr Leben zurückzugewinnen. Gelingt es ihr, mit der Vergangenheit abzuschließen?


~Videorezension folgt~

Meine Meinung:

Psychische Gesundheit und mentales Wohlbefinden sind zwei Themen, die mich nicht nur im Studium beschäftigen, sondern über die ich auch gerne lese. Ermutigende Geschichten von Leuten, die am Boden waren und sich zurückgekämpft haben. Vielleicht habe ich einfach schon zu viele Bücher aus dieser Richtung gelesen? „Hummeln fliegen auch bei Regen“ hat bei mir nämlich leider mehr für Augenrollen & Aufstöhnen, als für Aha-Momente & Schmunzeln gesorgt.

Das Buch beginnt damit, das wir einen der spannendsten Teile einfach direkt überspringen: Den Tiefpunkt von Hannahs Psyche und die darauffolgende Zeit in der Klinik. Stattdessen springen wir zu dem Zeitpunkt, an dem Hannah bereits aus der Klinik entlassen ist und sich von ihrem Mann Ben scheiden lässt. Dann fahren wir zur Selbstfindung nach Mallorca, essen Feigen und trinken Kaffee auf einer Finca.

Auch wenn die Depressionen und die Angststörung im Buch durchaus ihren Platz haben, hat man nie das Gefühl, dass Hannah wirklich am Boden oder verzweifelt ist. Wenn sie sich dann irgendwie nach langem Hin und Her doch traut, dann klappt alles eigentlich ganz gut.
Keine schlechte Botschaft! Wären viele Dinge nicht so unglaubwürdig.
Die meisten Umstände des Romans wirkten für mich zu sehr konstruiert: Die geheimnisvolle Fremde Beate, die auf ihrer Toilette sicher ein ganzes Esoterik und Lebensweisheitenbücherregal stehen haben muss. Das Erbe, das es Hannah ermöglicht, sich Auszeiten und unzählige Taxifahrten und sahnige Cappuccinos zu gönnen. Der alte Schulfreund, der super charmante Mails schreibt.

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Hannah als Protagonistin hat mich nicht für sich begeistern können. Anstatt wie 35 wirkte sie ein Teenie-Girl und wusste so gar nicht, was sie wollte oder was ihr gut tat. Sie hat keine eigene Meinung und bleibt blass, ihre Witze zünden bei mir nicht. Trotz ihrer psychischen Belastungen waren ihr Verhalten und ihre Denkweise für mich nervig und auch ihre Vergangenheit konnte bei mir keinerlei Mitgefühl auslösen. Die Konflikte hatten im Buch einfach zu wenig Platz und konnten sich nicht glaubhaft entwickeln und entfalten. Dann verhält sie sich ziemlich dumm, indem sie ihre Medikamente überdosiert und ziemlich oft zu tief ins Glas schaut. Sie möchte sich von den Männern und Fehlern ihrer Vergangeheit lösen und lässt sich mit Lukas und den Mails wieder auf den gleichen Mist rein und „verliebt“ sich natürlich direkt wieder. Es wirkt, als müsste nur, der „richtige“ Mann kommen, dann wären die Probleme wie weggewischt. Außerdem scheint sie nach ihrem Klinikaufenthalt zwar Medikamente zu nehmen, aber keine ambulante Therapie wahrzunehmen oder jemals mit einem Arzt zu sprechen.

Oma Beate war einfach nur seltsam. Sie taucht stalkermäßig an allen möglichen Orten auf, bedrängt Hannah und hält ihr dann stundenlange Vorträge mit Lebensweisheiten, die man in blumigen Geschenkbüchern nachlesen kann, die sich im ein oder anderen Haushalt auf dem Klo finden lassen. Oder bei „nachdenkliche Sprüche“ auf Facebook… Auch, wenn sie für Hannah eine gewisse Mentorenrolle übernahm, klatschte sie uns ihr „Expertenwissen“ lieblos auf den Tisch. Und dann stalkt sie auch noch die Telefonnummer. Okay…! Danke, ich lese dann mal weiter im Klo-Buch.

Hannahs Freundinnen wirkten ebenfalls blass, wie Platzhalter, die bestimmten Klischees entsprachen. Was für lockeren Humor sorgen sollte, sprudelte vor „ChicLit“-Klischees und Fremdschäm-Sitautionen. Ich komme mir selten reif und erwachsen vor mit meinen 24 Jahren – aber im Gegensatz zu diesem chaotischen Vierergespann fühle ich mich wie eine Expertin für „Erwachsenendinge“.DXxDSX0XcAA9QrB

Da ich bereits viele Bücher mit ähnlicher Prämisse gelesen habe, kann ich nicht umhin, ein bisschen zu vergleichen.
Wo „Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner für ein breites Schmunzeln gesorgt hat, war der einzige Gesichtsmuskel der sich beim Humor dieses Buch bewegte, der Muskel, der eine Augenbraue hochzieht. Wenig feinsinnig, sondern mehr im Stile von „Sex and the City“ gackert Hannah mit ihren Freundinnen wie Hühner auf der Stange. Während Matt Haig Lebensweisheiten in philosophische Geschichten einbettet, klatscht uns die Stalker Oma Beate einfach zwei Seiten Text hin, weil sie ja so viel Lebenserfahrung hat. Und eine sympathischere Protagonistin, die trotz psychischen Problemen und Hindernissen ihr Glück findet, gibt es bei „Für jede Lösung ein Problem„.

Letztlich kann ich nur den durchschnittlichen Schreibstil und das niedliche Design des Buches loben. Es lässt sich flott und gut lesen und die kleinen Hummeln am Anfang eines jeden Kapitels sind wirklich putzig. Gegen Ende habe ich die Seiten mehr überflogen als gelesen.

Da ich selbst meinen Roman überarbeite, hatte ich vermutlich ein kritischeres Auge als sonst auf den Schreibstil, aber mir sind viele unnötige Adjektive, überladene Sätze und Redundanzen aufgefallen. Und ein Logikfehler, denn als Beate und Hannah zum ersten Mal gemeinsam Essen ist es Abend und eine Stunde später Nachmittag.

Kurzum: So ziemlich alles, was das Buch transportieren will, haben andere Romane wesentlich besser gelöst. Der Roman von Andrea Kraft ist sicherlich keine schlechte Lektüre, gerade für Leute, die bisher eher weniger zum Thema gelesen haben. Aber: Für mich besitzt es kaum Erinnerungswert und nicht genug Tiefgang. Zudem leider auch nichts, was es einmalig oder besonders machen kann. Schade!

Fazit:

Auch wenn das Buch ganz nette Momente hatte und sich ganz gut lesen ließ – mich konnte es leider nicht überzeugen. Der Humor zündete nicht, die Funken sprangen nicht über. Hannah war für mich keine beeindruckende Frau, die sich mit 35 zurück ins Leben kämpft, sondern geistig auf dem Stand einer kindischen 19-Jährigen. Die Lebensweisheiten, die uns dröge hingeklatscht werden, finden sich an jedem Postkarten-Ständer am Bahnhof und auch die niedlichen Hummeln können das Buch nicht mehr retten. Für mich leider einer der schlechteren Vertreter des Genres.

2seesterne

Weitere Stimmen zum Buch:


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[Rezension] Der Circle von Dave Eggers

[Rezension] Der Circle von Dave Eggers

Ich durfte Ende letzten Jahres dem bayerischen Buchclub „Bücherbrezn“ beitreten und wir haben uns für das erste Treffen 2018, unter dem Thema „Preisträger“, Der Circle von Dave Eggers vorgenommen.

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Bücherbrezn <3

(Danke an JD & Gizem, dass ich mir das Buch von euch ausleihen durfte. <3)


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Dave Eggers: Der Circle

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  • Titel: Der Circle
  • Autor: Dave Eggers | Übersetzer: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
  • Verlag: KiWi
  • Genre: nahe Zukunft, gesellschaftskritisch, Cyberdrama/SciFi (560 Seiten)
  • über amazon* kaufen (TB: 10,99€ | Ebook: 9,99€)
  • über LChoice** in eine Buchhandlung in deiner Nähe bestellen

Worum geht’s?
Mae wird beim modernen Business-Giganten „Circle“ eingestellt. Vernetzbarkeit, ständige Erreichbarkeit, Online-Bewertungen und Digitalisierung. Mit TruYou, das alle sozialen und privaten Konten vereint hat das Unternehmen den Markt erobert. Videoaufnahmen aus aller Welt werden zugänglich, Personen aufzuspüren und wird durch ständige Ortung erleichtert, Tracker messen Puls, Schlaf, Gesundheit. Alles wird „sozial“, greifbar, überwachbar, alles wird geshared, geliked, kommentiert und geteilt. Zuerst ist Mae etwas überrumpelt, aber sie braucht das Geld für ihren an MS erkrankten Vater. Ihr Exfreund Mercer zeigt ihr deutlich, dass er negativ über all diese Überwachungskultur denkt. Bald wird sie immer tiefer in den Circle verwickelt und muss sich bald fragen, ob „Circle“ alles zum Guten oder zum Schlechten verändern wird.

Meine Meinung:

Das Buch wurde hochgelobt, mit Preisen bestückt und als das „Schöne neue Welt“ als „1984“ unserer Generation gelobt. Da ich die ersten beiden – zu meinem eigenen Bedauern – noch nicht gelesen habe, kann ich darüber nicht urteilen. Aber die Thematik ist ähnlich.

Technik, soziale Medien, ständige Erreichbarkeit, gläserne Menschen – all das sind auch Themen der heutigen Zeit, mehr noch als vielleicht vor fünf Jahren. In Instastories berichten viele über ihren Alltag, auf twitter wird der Gedankenmüll abgeladen, Influencer regen uns zum Kauf von Produkten an, amazon und Google stimmen die Werbung auf uns Nutzer ab. Neue Technologie bringt viele Vorteile, macht vieles einfacher und bequemer, aber sie hat meistens auch Schattenseiten. In früheren Zeiten wurde das Fernsehen verteufelt, dann der Computer, heute die Videospiele und die Smombies. Heute liebe ich twitter, aber vor mehreren Jahren hätte ich nicht gedacht, dass aus mir mal ein Social Media Mensch wird, der im Internet einen Blog betreibt und allerlei Mist postet. Eltern, Lehrer, Gesellschaft: Immer wieder wird vor den Folgen gewarnt.
Deutschland ist sehr skeptisch und oft hintendran was neueste Technik und das Internet angeht. Ein Teil dieses Skepsis ist aber durchaus berechtigt und hätte den Charakteren von „Der Circle“ definitiv gut getan.

Zuerst wirkt das Unternehmen streng, wie jedes andere Großraumbüro. Mit Sportplätzen, Veranstaltungen und internen Kursen und Clubs wie ein modernes, reiches Unternehmen. So stellt man es sich bei Google oder Apple vor. Jedem noch so kleinen Zahnrädchen im Betrieb wird versichert, wie wichtig und wie individuell es ist. Bewertungen und Feedback halten die Motivaton oben und die Gemeinschaft wird gelebt und gefeiert. Aber Menschen sind Menschen und unterliegen menschlichen Lastern. Gier, Neid, Neugier, Wut, Eifersucht, Hass. Keine Transparenz der Welt kann diese Schattenseiten ausmerzen. Anfangs ist Protagonistin Mae überfordert von all dem „Social“ und all dem „Media“, aber sie arbeitet sich ein, freundet sich mit anderen Circlern an, gerät in den Strudel der charismatischen Chefs, die alle nur „Die drei Weisen“ nennen.

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Der Kontakt zu ihrer Familie schwindet, die Bande nach außen zerbröckeln, denn der Circle ist eine eigenen Welt und alle, die nicht in den Circle wollen oder Kritik äußern passen nicht hinein. Privatsphäre? Nö. Wozu, wenn wir alles teilen und nichts verurteilen? Aber der Circle verurteilt.
Zum Beispiel Maes Exfreund Mercer, der dem ganzen Nichts abgewinnen kann und lieber allein und offline in seiner Werkstatt Kunstwerke aus Holz anfertigt. Der Circle verurteilt Maes Freundin Annie für deren Urururururgroßvater, der einen schwarzen Sklaven hatte. Der Circle verurteilt fehlende Partizipation am Circle.

Und während Mae all das verstören sollte, beginnt sie zu einem der wichtigsten Rädchen der Geschichte zu werden. Das hat auch mit dem geheimnisvollen Kalden zu tun. Mae: Wahnsinnige oder Visionärin? Die Frage müssen wir uns als Leser*in am Ende des Buches selbst stellen. Ich persönlich habe mir ganz viele lilafarbene „WASLÄUFTNURFALSCHMITEUCH?!“-Markierungen gemacht. 😀

Protagonistin Mae macht mich persönlich so wahnsinnig, durch ihre bockige, intolerante Art. Sie glaubt, dass ihr Weg der Richtige ist, vielmehr, dass es nur schwarz und weiß gibt und will nur das Gute am Circle sehen. Jegliche Kritik, jegliche Bedenken mäht sie gnadenlos nieder, will für Offenheit stehen und ist doch verlogen und selbstdarstellerisch. Natürlich macht sie das Buch zu dem, was es ist, sorgt für den verstörenden Effekt, zeigt den Reiz und den Sog von Gemeinschaften und Anerkennung in Form von Likes, Shares etc. – aber sie ist trotzdem einfach nur grauenvoll.

Mercer und Maes Eltern sind die wenigen Charaktere außerhalb des Circles die wir kennen lernen. Sie gehören zu den Wenigen, die Kritik äußern. Fundierte Kritik und Argumente, die auf taube Ohren stoßen. Sie sind die Exempel, die uns klar machen, zu was all das im schlimmsten Fall führen kann. Weil wir sie besser verstehen als Mae oder den sektenhaften Circle, leiden wir mit ihnen.

Durch die ausufernden Beschreibungen des Circle, Maes Tätigkeiten und den Strukturen hat das Buch einige Längen. Es ist kein Buch, das besonderen Lesespaß bereitet, auch wenn es nicht schlecht geschrieben und durchaus spannend ist.

Im Vergleich zum Film ist das Ende im Buch besser gelungen, viele Momente waren eindringlicher und verstörender. Selbst Emma Watson konnte Mae nicht sympathisch machen. Die Massendynamik und die Örtlichkeiten wurden im Film gut dargestellt, ließen sich aber auch leichter mit Bildern zeigen als in Worten.

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Fazit:

Das Buch regt zum Nachdenken an, verstört und lässt uns unseren eigenen Umgang mit Daten und Social Media überdenken. Wie weit will ich andere an meinem Leben teilhaben lassen? Das Buch hat einige Längen und Hauptcharakter Maes unsympathische, intolerante Art sorgten bei mir für genervtes Aufstöhnen. Insgesamt ist das Buch jedoch sehr interessant, aktuell und definitiv einen Blick wert. Aber wirklich Freude hatte ich beim Lesen nicht. Die 3,5 Seesterne haben eher eine Tendenz zur 3.

 

3,5seesterne

 

Weitere Stimmen zum Buch:

 


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[Rezension] Deutsch sein und schwarz dazu von Theodor Michael

[Rezension] Deutsch sein und schwarz dazu von Theodor Michael

Februar ist Black History Month, der Kultur und Geschichte von Menschen mit schwarzer Hautfarbe gedenkt und feiert. Ein Monat, um sich bewusst zu werden, wie wenig man als deutsche Kartoffel darüber weiß und nur ein Monat für die komplette Geschichte der Menschheit. Ich wollte diese Gelegenheit dennoch dazu nutzen, mich mehr mit dem Thema auseinander zu setzen. Dafür habe ich die Biografie eines Deutschen gelesen, der den zweiten Weltkrieg überlebt hat – wie viele andere Deutsche. Und dessen Geschichte dennoch unbekannt und unwirklich erscheint, weil wir eben über diese Seite der Geschichte kaum nachgedacht haben.

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  • Autor: Theodor Michael9783423348577
  • Titel: Deutsch sein und schwarz dazu – Erinnerungen eines Afro-Deutschen
  • Verlag: dtv
  • Genre: Biografie, Zeitzeugenbericht (224 Seiten)
  • über amazon*: Taschenbuch 9,90€ | Ebook 7,99€
  • über LChoice**: Taschenbuch vor Ort kaufen

 

Worum geht’s?
In diesem Buch beschreibt Theodor Michael sein Leben. Er wurde 1925 als Sohn eines Kameruners und einer Deutschen geboren und wuchs mit seinen Geschwistern in Berlin auf. Er hat viel erlebt, war beim Zirkus, wurde von verschiedenen Familien großgezogen und überlebte den zweiten Weltkrieg mit all seinen Schrecken und Gefahren. Theodor studierte, gründete seine eigene Familie und wirft in dieser Lektüre einen bewegenden Blick zurück als ein Zeitzeuge eines ereignisreichen und zugleich schrecklichen Jahrhunderts.

 

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Meine Katze hat sich sehr gefreut, dass ich das Buch in fast einem Rutsch durchgelesen habe, ohne mich groß zu bewegen. 😉
Meine Meinung:

Mit 224 Seiten ist das Buch wahrlich nicht dick, dennoch ist es schon länger her, dass ich ein Buch innerhalb von 24 Stunden beendet habe.

Theodor Michael beginnt ganz am Anfang bei seiner Geburt und gliedert verschiedene Aspekte und Thematiken seines Lebens in kleine Blöcke von 2-3 Seiten, die sich sehr schnell lesen lassen und trotzdem zusammenhängend sind. Durch den reflektierenden Schreibstil, ständige Andeutungen und Ausblicke auf spätere Ereignisse fliegt man durch die Seiten und möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Ehrlich, schonungslos und ohne unnötige Ausschmückungen schildert Theodor Michael seinen Werdegang, seine Probleme und seine Gedanken. Er wird in Deutschland geboren, spricht deutsch und gerade als kleiner Junge, versteht er kaum, warum er von anderen seltsam beäugt wird. Erst später schämt er sich für die demütigenden Völkerschauen, auf der dunkelhäutige Menschen in Baströckchen als unzivilisierte Wilde zur Schau gestellt werden.

Aber er muss lernen, damit umzugehen. Wie man Polizeikontrollen hinter sich bringt, wie man Situationen deeskaliert, wie man gehorsam ist und möglichst wenig auffällt. Lange muss er Wünsche und Träume zurückstellen. Was für andere selbstverständlich ist, wird ihm meist verwehrt, für vieles muss er kämpfen. Besonders bedrücken und ängstlich stimmen einen beim Lesen die Anfänge und schließlich die Hochphase des Nationalsozialismus und der zweiten Weltkrieg. Zwar entgeht Theodor dem Konzentrationslager, aber er wird in ein Arbeitslager gepfercht und leidet, funktioniert wie eine Maschine, um irgendwie zu leben. Als Leser mag man denken, dass mit dem Sieg der Aliierten der Horror vorbei ist, aber es gibt weiterhin Missgunst, Vorurteile und die harten Nachkriegsjahre hinterlassen ihre Spuren.
Zeitzeugenberichte verdeutlichen eindringlicher als jedes Geschichtsbuch die Auswirkungen großer politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen. Währungsreform, Besatzungszonen – all diese abstrakten Begriffe erwecken mit Theodor Michaels Worten zum Leben und man wird sich der Konsequenzen bewusst, die diese für die einzelnen Menschen hatte.

Theodor hat nicht aufgegeben, er reflektiert, interpretiert und kann durch den zeitlichen Abstand einen nüchternen Blick auf sein schwieriges, aber durchaus schönes Leben werfen. Er schreibt nicht verbittert, voller Hass, sondern hoffnungsvoll und mild. Mild, selbst, im Umgang mit Menschen, die grausam waren und ihm Unrecht taten. Seine Frau und er, seine Kinder und Enkel leben seine Vision. Harmonie bedeutet nicht, niemals zu streiten, sondern den anderen zu akzeptieren und gemeinsam eine Lösung zu suchen. Welche Schwierigkeiten Theodor, seine Geschwister, seine Familie und seine Mitmenschen erleben musste, welche Entbehrungen, Verluste, welche Momente des Glücks – all das bewegt und ist unglaublich interessant und man kann nicht anders, als am Ende der Lektüre vollsten Respekt vor diesem Mann und seinem Leben zu haben.

 

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Es liegt nicht an den Diskriminierten etwas gegen die Diskriminierung zu tun, sondern an den Diskriminierenden und denen, die meist nur zusehen und rumstehen, anstatt sich ein Herz zu fassen und Vorurteilen und Hass mutig entgegen zu treten.
Empathie und einander verstehen ist so wichtig. Sich mit anderen, ihren Gedanken, Schicksalen und Gefühlen auseinanderzusetzen ist nicht immer angenehm oder leicht, aber unumgänglich, wenn man sich persönlich weiterentwickeln will. Und, um zu verhindern, dass Hass, Ausgrenzung, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit erneut in dem Ausmaß um sich greifen wie zu Zeiten des Nationalsozialismus.

Das Buch fesselt durch seine Geschichte und den schmucklosen Schreibstil, jedoch wird Theodors zweite Lebenshälfte weniger ausführlich behandelt. Dabei hätte ich mir gewünscht auch davon etwas mehr zu erfahren, wie es mit den Kindern und seiner Ehefrau Friedel war. Das ist mein einziger Wermutstropfen.

 

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Fazit:

Insgesamt spreche ich für das Buch eine absolute Leseempfehlung aus. In der Schule hing mir der 2. Weltkrieg zwar zum Hals heraus, aber es ist so wichtig, sich stetig mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ehrlich, ungeschönt und dennoch mit der Weisheit eines ganzen Lebens erzählt Theodor Michael seine Geschichte, die stellvertretend für viele Schicksale steht. Auch, wenn es hauptsächlich seine Erinnerungen sind, hätte ich gerne noch etwas mehr über das Leben seiner Kinder und seiner Frau Friedel gelernt und über deren Ansichten und Gefühle. Ansonsten ist das Buch eine interessante, lehrreiche und spannende Lektüre, die sich schnell lesen lässt.

4seesterne

 

 


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Lesemonat Januar 2018

Lesemonat Januar 2018

Ahoi!

So, der Januar ist schon vorbei und ich bin mit tollen Büchern ins Jahr 2018 gestartet.

Ich habe das Jahr mit „Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal Teil I“ von Robert McCammon begonnen. Ein historischer Thriller, ein richtiger Schmöker und absolut fesselnd. Für Teil 2 habe ich im Februar vermutlich keine Zeit, aber ich möchte schnellstmöglich herausfinden, was in diesem kleinen amerikanischen Städtchen vorgeht und ob es Matthew gelingt, den Fall aufzuklären.

Dann konnte ich nicht widerstehen, als das Ebook zu Liza Grimms „Die Götter von Asgard“ erschien, obwohl ich eigentlich auf das Taschenbuch warten wollte. Für mich definitiv ein super Buch, das mir eine sehr lange Wartestunde beim Arzt versüßt hat.

Außerdem habe ich eine vierteilige Manga Reihe beendet. „Skull Party“ von Melanie Schober, die auch Personal Paradise zeichnet. Ich liebe ihren Zeichenstil, ihre düster-ernsten Themen und wie sie ihre Charaktere konstruiert. Außerdem hat sie einen ähnlichen Humor wie ich. Skull Party kann meiner Meinung nach nicht mit Personal Paradise mithalten, war aber dennoch ein tolles Leserlebnis.

Dann ist ein Graphic Novel eingezogen, nämlich „Drachenläufer“ von Khaled Hosseini. Eine bewegende, teilweise ziemlich bedrückende Geschichte über Freundschaft, Schuldgefühle und eine Kindheit in Afghanistan.

Meinen Lesemonat im Videoformat gibt es hier:

 

Insgesamt war es ein wundervoller Lesemonat und ein guter Start ins neue Jahr.
Was habt ihr bisher so gelesen?

[Rezension] Drachenläufer von Khaled Hosseini

[Rezension] Drachenläufer von Khaled Hosseini

Ähem, ich war mal wieder im Jokers Buchladen und habe bei den rabattierten Büchern und Graphic Novels zugeschlagen. Im Januar habe ich auch dieses Schätzchen gekauft. (Alle Neuzugänge aus dem Januar seht ihr hier)

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  • Titel: Drachenläufer
  • Autor: Khaled Hosseini
  • Illustratoren: Fabio Celani, Mirka Andolfo
  • Verlag: Bloomsbury Berlin
  • bei Jokers zum Schnäppchenpreis kaufen | neu auf amazon* kaufen

Worum geht’s?
Kabul in den 70ern – Amir und Hassan sind Freunde, obwohl sie auf unterschiedlichen Gesellschaftsstufen stehen. Hassan und sein Vater sind Hausdiener von Amirs Familie. Dennoch toben die beiden Jungen, lassen Drachen steigen und genießen die Zeit zusammen. Doch mit wachsenden Unruhen im Land wackelt auch die Freundschaft der beiden und Amir verrät seinen Freund Hassan. Schließlich fliehen Amir und sein Vater in die USA und Amir fasst dort Fuß. Jahre später beschließt Amir jedoch in das von den Taliban und Kriegen gebeutelte Afghanistan zurückzukehren, um seine Schuld bei Hassan zu begleichen…

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Meine Meinung

Das Buch ist komplett farbig, die Zeichnungen sind wunderschön und unterstreichen die Atmosphäre in fröhlichen Szenen durch bunte, kräftige Farben und in ernsten Momenten durch einzelne Farbakzente.

Obwohl in den Darstellungen auf explizite Gewalt verzichtet wird, reichen die Andeutungen aus um einem manchmal das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Die Geschichte dieser Freundschaft ist bewegend, emotional und tragisch. Dennoch bleibt der Papierdrachen ein Symbol – ein Hoffnungsschimmer, ein Wunsch nach Freiheit und Spaß. Wir lernen beim Lesen etwas über Afghanistan, über die Menschen und Kultur des Landes. Khaled Hosseini verarbeitet in dieser Geschichte eigene Kindheitserfahrungen, wie viel davon biografisch ist, bleibt offen. Manche Szenen sind schrecklich und man wünscht sich, dass sie nicht wahr sind.

Wir lesen von Gewalt, von sozialer Ungerechtigkeit, von Verrat, Krieg und abscheulichen Menschen, aber wir lesen auch von Hoffnung, von Wachstum, Freundschaft und Aufopferungsbereitschaft. Es ist unmöglich die Geschichte aus der Hand zu legen, wenn man einmal angefangen hat, denn es ist unfassbar bewegend und spannend. Aber ich musste auch oft schlucken und durchatmen, weil mich die Inhalte so berührt haben. Ich wollte aufstehen, schreien und in die Geschichte springen, um die teils bodenlosen Ungerechtigkeiten nicht einfach passieren zu lassen. Ich wollte in die Geschichte springen und die Charaktere in den Arm nehmen, ihnen Mut zu sprechen.DSC00109Mein Hauptkritikpunkt ist wohl, dass das Graphic Novel sehr kurz ist. Ich habe den Roman, der als Vorlage diente, nicht gelesen, aber ich hätte gerne mehr aus Hassans und Amirs Kindheit gelesen, mehr über die politischen Entwicklungen. Da wir Amir direkt begleiten, fehlen uns natürlich Puzzlestücke aus Hassans Geschichte. Das bedrückt Amir, genau wie uns als Leser.

Am Ende hatte ich ein paar Tränchen in den Augenwinkeln. Es war definitiv keine leichte Kost, aber das Format Graphic Novel hat diese Geschichte auf eine wunderschöne, schmerzliche, aber gerade noch erträgliche Weise vermittelt. Es ist ein kleiner Ausschnitt aus einem Leben, das uns nur einen Bruchteil der Geschichte eines Landes, einer Kultur und das Schicksal unzähliger Menschen zeigt und dennoch einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Ich hab nach dem Lesen noch viel über die Geschichte nachgedacht. Warum Charaktere taten, was sie eben taten.

Mein Fazit:

Das wunderschön gezeichnete Graphic Novel bietet der emotionalen Geschichte ein ideales Medium, hätte an mancher Stelle jedoch ausführlicher und informativer sein können. Keine leichte Kost, kein Werk, nach dem man gut gelaunt und fröhlich ist, aber ein Werk, das uns über Freundschaft und Menschlichkeit nachdenken lässt. Von mir gibt es abschließend 4 Seesterne.

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[Rezension] Die Götter von Asgard von Liza Grimm

[Rezension] Die Götter von Asgard von Liza Grimm

Jennifer aka Liza Grimm ist einfach so eine sympathische, quietschbunte Frohnatur. Ich habe auf dieses Buch hingehyped und konnte letzten Endes nicht auf das Taschenbuch warten, ich MUSSTE das Ebook haben! Wie ihr vielleicht wisst, bin ich ein großer Fan von Jennis Kanal und ihre Projekten. Ihre fröhliche und offene Art haben es auf der FBM 2017 auch ganz einfach gemacht, mit ihr ins Gespräch zu kommen – auch wenn ich ganz dolle Herzklopfen hatte. 😀 Ich werde aber versuchen, das Buch so objektiv wie möglich zu bewerten und nicht minder streng zu sein als mit den anderen Büchern.


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Liza Grimm – Die Götter von Asgard

  • Titel: Die Götter von Asgard
  • Autorin: Liza Grimm
  • Verlag: Droemer Knaur
  • Genre: (Urban) Fantasy, nordische Mythologie
  • Ebook*: 4,99€ (Einführungspreis)  | Taschenbuch*:  12,99€ (ab 01.03.2018)

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Worum geht’s?
Die Studentin Ray ist ziemlich unzufrieden mit ihrer aktuellen Situation. Als die geheimnisvolle Kára ihr also die Möglichkeit eröffnet, in eine andere Welt hineinzuschnuppern, überlegt Ray nicht lange. Dass damit Asgard, nordische Götter, Thor, Loki, Odin, Walküren, Nornen und Tyr gemeint sind – damit hat Ray jedoch nicht gerechnet. Plötzlich ist sie jedoch mittendrin in einer alten Prophezeihung. Denn das Erscheinen eines neuen Helden soll das Ende der bekannten Götterwelt bedeuten. Ray soll genau diese Heldin werden und gerät damit zwischen die Fronten und muss sich auf eine abenteuerliche Reise durch verschiedene Welten begeben, die von märchenhaften, aber auch gefährlichen Kreaturen bevölkert wird.

Wie immer alles spoilerfrei. <3

Meine Meinung:

Nordische Mythologie ist sehr cool und vor allem Dank den Marvel Comics wieder voll im Trend. Dass wir uns in diesem Buch aber nicht nur auf die plakativen Brüder Loki und Thor konzentrieren, merken wir gleich zu Beginn als die Nornen den Schicksalsfaden spinnen. Dann schwenken wir zur nichtsahnenden Ray, die einem gleich sympathisch ist, weil in ihrem Leben eben nicht alles perfekt läuft und sie ganz normale Probleme und Sorgen hat. Deswegen ist es zwar etwas überraschend, aber durchaus verständlich, dass sie einwilligt, mit der fremden Kára nach Berlin zu gehen.

Ab dann geht es Schlag auf Schlag und Ray und uns als Lesern bleibt kaum Gelegenheit zu verschnaufen. Loki, Tyr, Walküren – wir nehmen alles mit. Mal mit Verwirrung und Gefahr, dann wieder mit etwas mehr Humor. Nach dem turbulenten Anfang blieb die Spannung für mich im Mittelteil manchmal etwas auf der Strecke. Für meinen Geschmack hätten gewissen brenzlige und gefährliche Szenen noch mehr ausgereizt werden können bzw. gravierendere Nachwirkungen haben können. Ray hat das Meiste doch ganz gut weggesteckt und viele Konflikte wurden rasch wieder gelöst. Die Krux an Prophezeihungen ist, dass man eben ungefähr weiß, was den Protagonisten bevorsteht und dass sie diese vermutlich erfüllen. Das gibt uns als Leser eine Sicherheit, die manchmal die Spannung etwas dämpft, da wir wissen, dass ein Ereignis vermutlich glimpflich ausgeht. Es ist schwer, da noch große Unsicherheiten zu erzeugen, das weiß ich.

Mir haben deswegen gerade die Szenen mit den Hexen, Nixen und Werwölfen gut gefallen, da sich hier gezeigt hat, wie bedrohlich die übernatürliche Welt sein kann. Ich bin eben ne olle Horrortante, sowas mag ich. Manche Sorgen und Zweifel wurden zu schnell zerstreut, manche Mysterien hätte man ruhig ungeklärt lassen können. Ein paar wenige Stellen waren mir – trotz Göttern und Heldensagen – auch ein bisschen zu dramatisch-pathetisch. Für die Romantik hätte ich mir hingegen noch ein oder zwei zusätzliche Szenen gewünscht, um Intimität zu erzeugen und die Zuneigung jenseits von gemeinsamen Kampfszenen zu intensivieren.

Gegen Ende hin wurde es wieder flotter, spannender, gefährlicher und das gefiel mir gut. Auch, dass Elemente ganz vom Anfang des Buches wieder aufgegriffen wurden! Sowas zeugt einfach davon, dass Charaktere und die Welt gut durchdacht sind.

Ray hat mir als Protagonistin gut gefallen – sie war ein bisschen naiv, geflasht, dann misstrauisch, mal ängstlich, mal mutiger. Manchmal wirkte sie ein bisschen wankelmütig, gegen Ende wurde sie immer selbstsicherer. Dafür, dass mir manche Szenen im Hauptteil nicht ausreichend bedrohlich waren, war das am Ende fast schon ein bisschen zu mutig. Aber sie hatte ja auch Unterstützung. Auch, dass sie sich recht schnell verknallt hat, war mir ein bisschen zu plötzlich? Große Pluspunkte gab es aber für ihr großes Herz, ihre Sturheit und Gewieftheit.

Kára, die Walküre, ist eine liebenswürdige, kluge und starke Frau und holte gleich eine Menge Sympathiepunkte. Sie glaubt von der ersten Sekunde an daran, dass in Ray mehr schlummert und begegnet ihr mit viel Geduld.

Loki, wie die Autorin ihn darstellt, ist ein liebenswürdiger Schelm. Ein gewiefter und hinterlistiger Geck, der gerne Spaß auf Kosten anderer hat und dabei trotzdem irgendwie sympathisch bleibt.

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Tyr ist ein heldenhafter Gott zum Anschmachten. Er blieb für mich leider neben Thor einer der blasseren Charaktere, auch wenn man ihn aufgrund seiner freundlichen und geduldigen Natur ins Herz schließen musste!

Generell muss ich ein großes Lob dafür aussprechen, wie die Götter einerseits aufgrund ihres Wissens und ihrer Fähigkeiten erhaben waren, andererseits aber sehr liebenswürdig wirkten, weil ihnen auch Missgeschicke passiert sind und sie eben nicht gegen alles immun waren. Als Loki in eine Tür gerannt ist, musste ich losprusten, das war so schön unerwartet! Das Buch hebt sich durch die teils ulkige Stimmung angenehm von anderen pathetisch anmutenden Heldenreisen aus dem Fantasygenre ab.

Liza Grimms Schreibstil lässt sich wunderbar flüssig lesen. Die Beschreibungen sind malerisch und magisch. Nur manchmal waren die Formulierungen etwas dramatischer als sie hätten sein müssen. Viele kleine Anekdoten sorgten für Schmunzeln und es ist Liza ganz wunderbar gelungen, Ray und ihre Gedanken darzustellen.

Das Ende ist definitiv interessant und bietet Raum für Fanfiction, Spekulationen und vielleicht weitere Geschichten aus diesem Universum? Ich freu mich auf mehr Märchenhaftes von Fräulein Grimm. 😉

Fazit:

Nicht alle Aspekte des Buches haben mich vollkommen überzeugen können, aber ich hatte unglaublich Spaß beim Lesen und durfte mit Ray und den Göttern von Asgard ein tolles Abenteuer bestreiten und nebenbei viel über die nordische Mythologie lernen. Ich glaube, das Buch ist wunderbar auch für jüngere Leser geeignet. Für meinen Geschmack hätte es an manchen Stellen ruhig noch ein bisschen düsterer zugehen dürfen. Von mir bekommt das Buch aufgrund einiger kleiner Kritikpunkte 4 Seesterne!

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p.s.: Bluebert, der Blobfisch, war extrem angetan von der Nixe.

Weitere Stimmen zum Buch:


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