Kategorie: Bücher

(Blogtour) Die magischen Wesen aus „Das steinerne Schloss“ von Anna Weydt

(Blogtour) Die magischen Wesen aus „Das steinerne Schloss“ von Anna Weydt

Die magischen Wesen aus „Das steinerne Schloss“ von Anna Weydt

Ahoi ihr Lieben!

Willkommen zum letzten Stopp der Blogtour. Ich stelle euch heute die magischen Wesen aus „Das steinerne Schloss“ von Anna Weydt vor!

 

Magische Wesen

Greif

Ein Greif ist ein mythologisches Geschöpf, das bereits in vielen Büchern eine Heimat gefunden hat. Seidenschnabel aus der Harry Potter Reihe dürfte eines der bekanntesten Exemplare sein. In der Rollenspielreihe „Das schwarze Auge“ ist der Gott Praios eine Greif. Greife haben einen Vogelkopf, Flügel und einen Löwenkörper. Es gibt Abwandlungen in denen nur die Hinterläufe die eines Löwen sind. Sind die Hinterbeine die von Pferden – wie bei Seidenschnabel – spricht man von einem Hippogreif.

http://kulturschnitte.de/Rollenspiel/Bobbel/alveran.htm

Mit ihren Flügeln erobern sie den Himmel und mit ihren scharfen Pranken haschen sie nach ihrer Beute. Überall werden Greife als majestätische und mächtige Geschöpfe bewundert. Sie gelten als intelligent, stolz und eigensinnig. Gelingt es einem Menschen, die Gunst eines Greifen zu erlangen, so darf er vielleicht eine Runde auf dem breiten Rücken mitfliegen.

Sie hörte Krallen über den Boden schaben, und kurz darauf schob sich ein gefiederter Kopf in ihr Sichtfeld. Eilig wollte sie sich abwenden, doch die goldenen Augen des Greifen bannten sie an Ort und Stelle. Sie bewegte sich nicht, und auch er verharrte einen Herzschlag lang. Dann begann er sich an ihrer Hand zu reiben. Dabei schnurrte er so laut wie ein alter Dieselmotor und knabberte mit seinem Schnabel an ihrer Hand. Charlie grub ihre Finger in den fedrigen Kopf, was den Greifen nur noch lauter schnurren ließ.

Protagonistin Charlie begegnet im Buch recht früh einem Vertreter dieser Rasse und lernt: „Die Weibchen haben bunte [Federn], die Männchen schwarze.“ Greife sind der menschlichen Sprache nicht mächtig, sind jedoch intelligent genug, um Menschen zu verstehen und durch ziepen, zwicken und kuscheln zu kommunizieren.

 


Ghul

Ein schattenartiges Wesen mit stacheligem Schwanz, das krabbelt und kriecht oder auf seinen hufigen Hinterläufen geht. Sein Biss kann für normale Menschen tödlich sein, wenn er nicht sofort behandelt wird. Dieser Kreatur will man weder tags noch nachts begegnen!

Über den Lärm hinweg hörte sie sein Geifern, roch den faulen Hauch, der ihn umgab. Wie in Zeitlupe sah sie das Wesen auf allen Vieren mit verdrehtem Gang bis zur Kante des Bahnsteigs rennen – und abspringen. (…) Gleich würde der Ghul über sie herfallen, sie zerreißen, mit seinem stacheligen Schwanz würgen, wie er es schon im Altenheim hatte tun wollen.

Ghule gelten in der persisch-arabischen Mythologie als sehr gefährliche Dämonen, finden sich jedoch in vielen Kultur- und Mythologiekreisen wieder. Durch die „Geschichten aus tausenduneiner Nacht“ erlangten sie weltweite Popularität und bevölkern seither zahlreiche Bücher, Filme und Serien. Wie Zombies haben sie oft großen Hunger auf Menschenfleisch und gelten als eher einfältig. Jedoch sind Ghule im Gegensatz zu Zombies oder Wiedergängern nie Menschen gewesen.


Hydra

Das Wesen war eine Schlange – zumindest, wenn man davon absah, dass es mehr als sieben Köpfe besaß, die sie alle mit einer Intensität anstarrten, die ihr angst und bange werden ließ.

Die vielen Augen der Hydra zogen sich zu schmalen Schlitzen zusammen. „Dir steht die Wahl nicht frei, Trägerin. Du kannsssst dich entscheiden: Entweder du kommsssst mit, oder deiner Familie wird essss schlecht ergehen.“

Auch die Hydra ist ein Wesen aus der griechischen Mythologie. Für jeden Kopf, den man ihr abschlägt, wächst einer nach. Will man das wirklich ausprobieren, wenn man keine Superkräfte wie Hercules hat? Jedenfalls ist die Hamburger Hydra auch in dieser Erzählung keine freundliche Gestalt, sondern arbeitet gegen unsere Helden Charlie.

 


Harpye

Harpyen gibt es auch in Hamburg! Von Griechenland aus haben sich diese Vogelwesen inzwischen überall ausgebreitet. Scharfe Klauen, Flügel und ihr elsterngleiches Wesen machen sie zu hartnäckigen Feinden. Wer einen Schatz aus ihren gut bewachten Nestern stibitzen will, sollte sich vor diesen launischen Kreaturen hüten! Ihr natürlichen Erzfeinde sind die Greifen.

Behutsam bahnte sie sich ihren Weg über die verschmolzenen Metallgegenstände, die den Boden und die Wände des Nestes bildeten. (…) Stattdessen flogen sie hinein und heraus. /

Sie hatte sich mit ihren Vogelkrallen an den Rand des Nestes gekrallt. (…) Ihr Blick aus reptilienartigen Augen (…). Das Wesen hatte in etwa die Größe eines Menschen. Mit Ausnahme des menschlichen Kopfs glich die Harpyie ansonsten aber eher einem Vogel.

Wusstet ihr, dass Harpyen in „Das steinerne Schloss“ wie Fledermäuse über Kopf schlafen? Irgendwie niedlich. Zumindest solange bis sie aufwachen! Ihre Flügel können sie zumindest für kurze Zeit in menschliche Arme verwandeln, um besser Dinge greifen zu können.

„Was tut ihr hier?“, fragte sie mit einer Stimme wie der Wind selbst. Sie klang so fremd, dass Charlie ein kalter Schauer über den Rücken lief.


Weitere Wesen

In Anna Weydst Buchwelt wimmelt es nur so von Kreaturen! Natürlich kann nicht jedes Wesen eine wichtige Rolle einnehmen und viel Platz im Buch klauen, denn schließlich geht es um unsere menschliche, aber besondere Charlie! Vorenthalten möchte ich sie euch dennoch nicht. Einigen magischen Wesen werdet ihr nur begegnen, wenn ihr das Buch selbst lest…

Baby-Kraken?

[Die Kreatur] ähnelte einem Oktopus. Einem Oktopus, der extrem viele, extrem scharfe Zähne zu haben schien. (…) Das Vieh war total auf sie fixiert(…) und streckte seine Tentakel nach ihr aus. Er riss sein Maul auf, und Charlie stockte der Atem: Hinter der vorderen Reihe Zähne rotierten in seinem Rachen fünf weitere.

Ich möchte eins! Ob das ein Baby-Kraken ist?

Drachen

Sie gehören zu den bedrohlichsten Kreaturen der Welt in „Das steinerne Schloss“.

Ein Kreischen durchbrach die Stille der Nacht. Es klang wie tausend Stimmen, gefangen in einer. (…) „Das war ein Drache. Verflucht, das macht es uns schwerer. Drachen sind ein ganz anderes Kaliber als Ghule und Vampire.“

Vor ihnen stand ein einzelner Mann auf der Straße. Er war wie aus dem Nichts erschienen, hatte seine Finger in die Gürtelschlaufen gehängt und starrte sie aus rot glühenden Augen an.

Fee

Feen spielen in „Das steinerne Schloss“ keine allzu große Rolle. Sie sind klein und verstecken sich gerne in Bücherregalen. Sie sind liebreizend und flirten gern.

Irrlicht

„(…) Irrlichter haben nur dann einen freien Willen, wenn sie in der Nähe eines Moores sind. Ansonsten sind sie wie schwebende Glühbirnen.“

 

„Das steinerne Schloss“ lohnt sich nicht nur wegen Magie, ein bisschen Romantik und Action, sondern auch um die beeindruckende Riege an magischen Kreaturen besser kennen zu lernen. Zu viel wollte ich nämlich nicht verraten, denn einige dieser Kreaturen spielen wichtige Rollen im Buch.


Gewinnspiel:

Natürlich gibt es auch ein Gewinnspiel! Es läuft vom 13.09 bis zum 18.09 um 23:59 Uhr. Die Gewinner werden am 19.09 von Anna Weydt bekannt gegeben (Teilnahmebedingungen).

Was müsst ihr tun? Besucht diesen Beitrag von Anna Weydt und macht den Test, welcher euer magische Begleiter sein wird. (Den Test findet ihr hier.)

Die Beiträge zur Blogtour


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Das Buch

  • Autorin: Anna Weydt
  • Titel: Das steinerne Schloss
  • Verlag: books2read
  • Genre: Urban Fantasy
  • 323 Seiten, Ebook: 0,99€
  • auf amazon* anschauen

Worum geht’s?
Die Hamburger Studentin Charlie vergisst den Talisman ihres Großvaters eigentlich nie. Als es trotzdem eines Abends passiert, werden sie und ihr Dozent von einer schattenartigen Kreatur gejagt und verletzt. Ein mysteriöser junger Mann, der auf einem Greif reitet, kommt ihnen zu Hilfe. Damit wird Charlie in eine magische Parallelgesellschaft und einen uralten Kampf verwickelt, in dem sie selbst noch eine große Rolle spielen soll. Doch jeder verbirgt Geheimnisse und hat eigene Interessen und Charlie scheint der Schlüssel zu sein – wem kann Charlie vertrauen?


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[Rezension] Dein Paradies wächst von Julia von Rein-Hrubesch

[Rezension] Dein Paradies wächst von Julia von Rein-Hrubesch

Von der lieben Julia von Rein-Hrubesch habe ich bereits „Das Flüstern der Pappeln“ gelesen. Schon da mochte ich ihre Art mit Worten zu malen und in wenigen Seiten eine Geschichte zu erzählen, die reichhaltiger ist als manch 600 Seiten Wälzer. Mit „Dein Paradies wächst“ legt sie eine phantastische Erzählung vor, auf die ich mich schon sehr gefreut habe.

Julia von Rein-Hrubesch: Dein Paradies wächst


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  • Titel: Dein Paradies wächst
  • Autorin: Julia von Rein-Hrubesch
  • Verlag: TWENTYSIX
  • Genre: Novelle, Phantastik
  • 60 Seiten, Taschenbuch: 6,99€
  • auf amazon* kaufen

Worum geht’s?
Wir begleiten ein mysteriöses Wesen, der wartet und Leute beobachtet und wartet. Er beobachtet ein junges Mädchen, das fast jeden Tag an den Strand kommt, um aus einem Buch zu lesen. Bald gesellt sich ein herrenloser Hund zu ihr. Beide wissen nicht von dem Beobachter, von den Geheimnissen des anderen und nicht, dass es schon zu spät sein könnte.


 

Meine Meinung:

Wie beschreibt man ein Buch, das gerade mal 60 Seiten hat, ohne zu viel zu verraten? Wie beschreibe ich die vielen Gefühle und Gedanken, die diese Lektüre ausgelöst hat? Binnen einer Zugfahrt hatte ich dieses Geschichte verschlungen. Sie hat nachgehallt.

Ich denke ich beginne damit, wieder Julias wunderbaren Schreibstil hervorzuheben. Ich liebe ihre Art, Geschichten zu erzählen. Mit wenigen präzise gesetzten Worten ein Universum vor dem inneren Auge zu malen. Sätze, die im Gedächtnis bleiben. Sätze, die man mehrmals lesen möchte. Viel zwischen den Zeilen und doch eindeutig.

Die Menschen denken, sie sinken in die Tiefe. Dabei steigen sie hinauf.

Diese Geschichte ist ungewöhnlich, phantastisch und doch vielleicht irgendwo alltäglich. Durch die Augen des mysteriösen Beobachters gehen wir dem Schicksal und dem Leben eines Mädchens auf den Grund. Obwohl wir nur 60 Seiten dafür haben, entsteht ein kleiner Mensch. Ein Leben. Eine Geschichte.

Winziges Wehmütströpfchen sind ein paar Editierfehler, die bei der Endkorrektur wohl durchgeflutscht sind.

Bei dieser Rezension weiß ich wirklich nicht genau, was ich schreiben soll. Die Geschichte hat mich tief berührt, mich bewegt und nachdenklich gemacht. Ich will darüber reden, rätseln und philosophieren. Ich möchte sie nochmal lesen, um nach Details zu suchen, nach Hinweisen, um das Puzzle zu vervollständigen. Ganz klar: Wer eine linear erzählte Geschichte mit klassischen Fantasyelementen lesen will, bei der am Ende alle offenen Fragen geklärt sind, der sollte sich eine andere Lektüre suchen. Denn Julias Geschichte ist anders, besonders.

Auch, wenn die Andeutungen zunehmen, wenn vieles im Nachhinein zusammenpasst, bleiben einige Teile des Bildes weiß. Man fragt sich, was passiert ist. Und als ich das Buch beendet hatte, habe ich mich erstmal verwirrt gefühlt. „Hä?„, dachte ich und wusste trotzdem, dass es schön war. Traurig-schön. Berührend. Aufwühlend. Es war nicht so wirr, dass man es mit Stirnrunzeln zuklappt und sich fragt, was der Autor geraucht hat. Es war bizarr, ungewöhnlich und inspirierend. Eine kreative Art und Weise, eine Geschichte zu erzählen. Eine unvollständige Perspektive.

Mein Fazit:

Du willst eine ungewöhnliche Geschichte, die berührt? Eine Geschichte mit bildhafter Sprache, die nachdenklich und ruhig ist? Ein literarischer Ausflug, der berührt und so ganz anders ist? Dann greife beherzt zu. Man muss sich darauf einlassen können. Mich hat „Dein Paradies wächst“ überrollt wie eine Welle. Ich wurde aufgewühlt und denke immer noch viel über diese 60 Seiten und ihre Bedeutung nach. Das Buch hat mich bewegt und ergriffen. Und es gehört – so seltsam es auch ist – jetzt schon zu meinen Jahresfavoriten. Ich würde mir wünschen, dass viele Leute es lesen. Denn ich möchte mit jemandem über dieses Buch philosophieren können.

Weitere Meinungen:

 


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[Rezension] Psyche? Hat doch jeder! von Lena Kuhlmann

[Rezension] Psyche? Hat doch jeder! von Lena Kuhlmann

Eine bloggende Psychotherapeutin? Irgendwie schäme ich mich ja schon, dass ich noch nicht früher über Lena Kuhlmann von freudmich gestolpert bin. Im Urlaub hat mir eine Bekannte von dem Buch vorgeschwärmt:

„Sag mal, Babsi, du studierst doch auch Psychologie, oder? Was hältst du von diesem Buch? Ich fand das soooo toll!

Ich habe mir den Klappentext durchgelesen, ein bisschen reingeblättert und war ziemlich angetan. Ein Psychologie Buch? Von einer jungen Autorin? Nicht über-esoterisch? Nicht reißerisch gegen Internet oder die Jugend von heute? Heureka!

Kaum war ich zuhause, flatterte auch schon eine Mail von der bezaubernden Anabelle (Stehlblüten) herein, die bei Eden Books ein Praktikum macht und bei dem Buch an mich denken musste. So habe ich dann ein Rezensionsexemplar und ein Buch zum Verlosen bekommen. Dankeschön!

Warum zur Hölle auf dem Bild oben eine Banane liegt und wie ihr ein Exemplar von diesem Buch gewinnen könnt, verrate ich euch am Ende des Beitrags!

Lena Kuhlmann: Psyche? Hat doch jeder!


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  • Titel: Psyche? Hat doch jeder
  • Autorin: Lena Kuhlmann
  • Verlag: Eden Books
  • Genre: Sachbuch, Psychologie
  • 256 Seiten, Ebook: 12,99€ | Paperback: 16,95€
  • auf amazon* anschauen

 

Worum geht’s?
Psychotherapeutin und Bloggerin Lena Kuhlmann will aufklären, hartnäckige Vorurteile aus der Welt schaffen und informieren. Über Psychotherapeuten, Depressionen, psychische Erkrankungen und alles drumherum. Liegt man apathisch und auf der Couch und spricht nur von seinen Eltern? Denkste! Wie spannend und vielseitig Psychologie ist und warum Schokolade zwar lecker ist, aber eben leider keine Depressionen heilt – all das erklärt Lena Kuhlmann in diesem Buch.


~Videorezension folgt~

Meine Meinung:

Vorneweg: Ich fange in ca. einem Monat meinen Master in Psychologie an – für mich standen in dem Buch fast ausschließlich Dinge, die ich schon wusste. Für die meisten mag das Buch aber vor allem neue Erkenntnisse und Aha-Effekte beinhalten. 😉

Wir beginnen mit den Basics: Wie ist die Psychologie entstanden, welche Richtungen gibt es und wie unterscheiden die sich. Im zweiten Themenbereich geht es um Psychotherapeut, Psychologe, Psychosomatiker, Heilpraktiker. Behandlung mit oder ohne Medikamenten, Hilfe für Betroffene und Angehörige und die gängingen Krankheitsbilder. Zum Schluss gibt es noch einen Blick hinter die Kulissen der Psychotherapeuten.

Was mir besonders gut gefällt: Neben den Klassikern – Freud, Piaget, Bandura – bezieht Lena Kuhlmann auch soziale Medien, aktuelle Studien und Entwicklungen mit ein,  ohne sie zu verurteilen (wie es Manfred Spitzer gerne tut). Hintergrundwissen und Studien finde ich auch bei Sachbüchern unverzichtbar.

Für mich ist das einfach ein Zeichen von Qualität, denn viele Bücher rund ums Thema Geist und Gehirn sind gerne mal esoterische Meinungsbilder ohne wirkliche Fakten. In diesem Buch finden wir stattdessen Fachwissen, Fakten, angereichert mit persönlichen Erfahrungen aus dem Psychotherapie-Alltag.

Du psycho, ich psycho, alle psycho.

Nicht zu ausführlich und doch ausführlich genug werden die verschiedenen Therapierichtungen, die Geschichte der Psychologie und einzelne Krankheitsbilder beleuchtet. Das Buch dient als Überblick und schneidet die meisten Themen nur an. Zwar verstecken sich viele Weisheiten, hilfreiche Gedankenanstöße und einige Therapieansätze darin, aber wer sich genauer über ein bestimmtes Störungsbild informieren will, der muss noch weitere Bücher kaufen.

Dieses Buch sagt alles, was ich in meiner Litcamp Session angesprochen habe, nochmal geordneter, ein bisschen ausführlicher und kompakt zum Nachlesen. Im Bachelor Psychologie hat man unter anderem Wahrnehmungspsychologie, Motivation & Emotion, Entwicklungspsychologie, Psychopathologie, Gesundheitspsychologie und klinische Psychologie. Papageno-Effekt, Werther-Effekt, Übetragung, Kleiner Albert… Alle diese Bereiche werden im Buch zumindest angeschnitten und einige Worte dazu gesagt. Das finde ich für ein Buch mit knapp 256 Seiten echt beachtlich! (Lena Kuhlmann kann sich definitiv kürzer fassen als ich, hihi!)

Serotonin beim Lesen!

Und deswegen macht mich dieses Buch auch so rundum zufrieden und glücklich. Als Betroffene von Depressionen und Psychologie Studentin kann ich dieses Buch guten Gewissens absegnen und weiterempfehlen. Denn es klärt auf und baut Vorurteile ab, räumt mit Missverständnissen auf und gibt genug Einblick in die Marterie um ein Grundgefühl zu bekommen.

Dazu ist es schön gestaltet, sinnvoll und übersichtlich in kleine Wissenshäppchen gegliedert und gut geschrieben. Neben vollendeten Tatsachen gibt Lena Kuhlmann kein Allheilmittel – denn das gibt es nicht – sondern gibt viele Gedankenanstöße.

Da ich auch schon viele fragwürdige Bücher von Psycholog*innen gelesen habe bzw. seltsame Meinungen und Persönlichkeiten getroffen habe, bin ich zuversichtlich, dass Lena Kuhlmann mit ihrem Buch und ihrem Blog gute Arbeit leistet. Hirn, Herz und Gefühle stehen in diesem Buch im Vordergrund, nicht die Person hinter dem Buch.

Außerdem teile ich viele Ansichten der Autorin – denn sie schreckt nicht davor, auch ganz klar die Probleme beim Namen zu nennen: Die ewig langen Wartezeiten, die miesen Bedingungen bei der Ausbildung zum Psychotherapeuten. Genauso wie sie wünsche ich mir, dass die Menschen irgendwann so selbstverständlich und regelmäßig zum Psychologen gehen können wie zum Hausarzt. Denn immer erst dann helfen, wenn es eigentlich schon richtig schlimm ist – da sind wir uns wohl alle einig – ist nicht so prickelnd. Auch VR Brillen zur Angstexposition kann ich mir gut vorstellen!

Versprochen ist versprochen

Kommen wir nun zum Hintergrund des doch leicht befremdlichen Fotos und zum Gewinnspiel!

Schrauben locker? Nicht mehr alle Tassen im Schrank? Vollkommen Banane? – Ja, die Gegenstände auf dem Foto wirken neben dem Buch auf den ersten Blick etwas deplatziert und willkürlich. Andererseits haben wir ziemlich viele Synonyme fürs „verrückt sein“ – aber hey, wer von euch würde sich als vollkommen normal bezeichnen?

Außerdem ist die Bananen tatsächlich ein kleiner Insider für alle, die in Bamberg studieren und die Vorlesung bei Professor Carbon besuchen. Seine Folien zur Gestaltpsychologie inklusive mühevoll ausgewählter Schnappschüsse von Bananen (wegen dem nervigen Copyright bei Stockfotos etc!) sind wohl legendär. Banane im Dunkeln, Banane hinterm Wasserglas, Banane von oben, Banane in rot, Banane in schwarz-weiß… Liebe Grüße an dieser Stelle!

Das Gewinnspiel ist diesmal exklusiv auf Instagram zu finden!

Fazit:

Danke Lena Kuhlmann! Dieses Buch war dringend überfällig. Verständlich, unterhaltsam, kompakt – die wichtigsten Basics, das wichtigste Wissen über psychologische Grundlagen in einem schmucken Buch verpackt. Ich würde mir wünschen, dass dieses Buch zum Kanon gehört. Jedenfalls, wenn ich mir die Leute anschaue, die noch Witze über Suizide machen oder Menschen mit psychischen Erkrankungen raten „Sie sollen sich zusammenreißen“.

Allgemeinwissen für jeden. Jeeeeeeedeeeeen. Ja, auch für dich. Wer sich schon mit Psychologie und psychischen Erkrankungen auseinandergesetzt hat oder gar Psychologie studiert, der wird in dem Buch eher bestätigend nicken und laut „Ja“ ausrufen, als Neues zu lernen. Aber das ist auch mal ganz schön. Volle Punktzahl von mir für dieses Buch!

Zusätzlich möchte ich mich dem Ende des Buches anschließen und diesen Beitrag nicht mit einem Punkt, sondern mit einem Zeichen der Mental Health Bewegung und der Hoffnung abschließen ;

Weitere Meinungen:


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[Rezension] Du wolltest es doch von Louise O’Neill

[Rezension] Du wolltest es doch von Louise O’Neill

Vorneweg vielen Dank an den Carlsen Verlag, die mir dieses Buch überraschend als Rezensionsexemplar zugeschickt haben. „Du wolltest es doch“ von Louise O’Neill ist kein leichter Lesestoff. Vermutlich hat es deswegen ein bisschen gedauert, bis ich dieses Buch beenden konnte. In dem Buch geht es um Vergewaltigung und Victim Shaming, weswegen ich hier eine Triggerwarnung aussprechen möchte.

Louise O’Neill: Du wolltest es doch


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  • Titel: Du wolltest es doch (eng. Asking for it)
  • Autorin: Louise O’Neill
  • Übersetzerin: Katarina Ganslandt
  • Verlag: Carlsen Verlag
  • Genre: Jugendbuch, Drama
  • 368 Seiten, Ebook: 12,99€ | gebunden: 18€
  • auf amazon* kaufen

Worum geht’s?
Emma ist in ihrer Clique die Hübscheste, fast alle Jungs drehen sich nach ihr um. Sie und ihre Mädels feiern Partys, checken Jungs ab und versuchen das langweilige Leben in der irischen Kleinstadt spannender zu gestalten. Erwachsen werden ist nicht leicht und unter der Oberfläche brodelt es bei allen. Alkohol, Jungsgeschichten, Parties – ganz normal. Doch als Emma eines Abends von einem Kerl eine kleine weiße Pille entgegen nimmt, ändert sich alles. Am nächsten Morgen wacht sie in zerissenen Kleidern vor ihrem Elternhaus auf. Sie kann sich an nichts erinnern, doch die Fotos und Geschichte die darauf von ihr kursieren, werden nicht so schnell vergessen.


~Videorezension folgt~

Meine Meinung:

Das Buch beginnt seicht und oberflächlich. Wir lernen Emmas Mädelsclique kennen – reiche, priviligierte Mädchen, die sich aus Langweile betrinken und Herzen brechen. So scheint es. Bald wird aber klar, dass alle von ihnen Probleme haben. Dass alle Geheimnisse haben und leiden. Und dass sie nicht wie echte Freundinnen offen darüber reden können. Emma erzählt als Ich-Erzählerin in der Gegenwart von den Ereignissen und ihrer Familie. Wir sind in ihrem Kopf und bekommen all ihre Gedanken mit. Vor allem die schlechten. Wie sie über ihre „Freundinnen“ denkt, wie berechnend und kalt sie manchmal ist.

Das mag abschreckend und unsympathisch wirken und gleichzeitig wirkt es für mich real und nah. Nicht – weil ich mich sonderlich gut mit Emma identifizieren kann. Aber weil es zeigt, was für ein zerissener Mensch sie ist. Wie sehr sie ihre Fassade wahren will und doch nicht ausbrechen kann. Sie ist das hübsche und beliebte Partygirl – das kann sie, dessen ist sie sich sicher. All ihre anderen Eigenschaften sind in den Hintergrund getreten, irgendwann bevor die Geschichte beginnt. Ausgebrannt die Träume, erschreckend leer und pessimistisch. Einiges liegt im Dunkeln, anderes ist offensichtlicher – wie die kaltschnäuzige, oberflächliche Beziehung von Emma und ihrer Mutter.

Emma hat sich angepasst und ihr Herz in sich eingesperrt. Sie ist das traurige Produkt einer oberflächlichen Gesellschaft, einer Familie, die mit zwei Maßen misst, ein Kleinstadtmädchen in einem Korsett. Von allen Seiten wird sie auf ihr Äußeres reduziert. Vielleicht setzt sie es nicht zuletzt deswegen auch als Waffe ein. Um Jungs herumzubekommen, um sich stark und selbstsicher zu fühlen. Um eine Macht oder Sicherheit zu spüren, die sie sich durch keine andere Quelle mehr holen kann.

Das Mädchen

Die zweite Hälfte spielt ein Jahr nach dem Ereignis. Und von der Emma vom Anfang des Buches ist nicht mehr viel übrig. Wir erfahren, was in der Zwischenzeit passiert ist, wie die Charaktere es unterschiedlich verarbeiten. Was es mit ihnen macht. Es ist wesentlich fesselnder, wichtiger und schmerzhafter als die erste Hälfte. Das Wort „Mitleid“ bekommt eine neue Dimension, denn beim Lesen habe ich wirklich gelitten. Und ich hätte so viel sagen und machen wollen. War enttäuscht, als es niemand gesagt oder gemacht hat. Es war berechenbar, aber doch grausam.

Mehr als die erste Hälfte, hat mich die zweite Hälfte emotional am Schopf gepackt. Meine eigene Moral hinterfragt. In meiner Teenagerzeit war ich das graue Mäuschen – ich war in dem Sinne eine Ali, und vielleicht hätte ich ebenso eklig reagiert wie manche von Emmas Klassenkameradinnen.

Ich hab mir oft gewünscht, ich wäre das schöne, begehrte Mädchen, das Drinks ausgegeben bekommt. Das angetanzt und von Jungs umschwärmt wird. „Sei doch froh über die Aufmerksamkeit“ habe ich damals gedacht. Und erst viel später gemerkt, wie eklig sich das anfühlen kann, wie widerlich es ist, als Stück Fleisch gehandelt zu werden. Die Diskussionen, die Entwicklungen auf Facebook und Twitter. Die Zeitungsbericht, die Dreistigkeit der Medien, die in dem Buch dargestellt werden. All das ist so real, dass es wehtut.

Dass die Leute zuerst hinterfragen, was es mit den Angeklagten macht, nicht mit den Opfern. Dass es darum geht, Leben zu ruinieren. „Du wolltest es doch“ – der Titel sagt es schon.

Aber es ist wichtig und nötig, dass wir uns das bewusst machen. Dass wir unsere eigene Sozialisation, unsere Urteile und Meinungen hinterfragen. Und so vielleicht dafür sorgen, dass – wie die Autorin es sich im Nachwort wünscht – keine solchen Fälle mehr gibt.

*Spoiler* (Markiere um zu lesen)

Das Ende lässt mich ziemlich zerknittert zurück. Die Geschichte fühlte sich real an und ich kann Emma am Ende der Geschichte sehr gut verstehen. Die Reaktionen der Figuren im Buch sind teilweise wirklich widerlich und es fühlt sich so real an. Weil es vermutlich so schon passiert ist.

Und es widert mich so sehr an, dass – egal ob Vergewaltigung oder nicht – scheinbar niemand den bloßen Akt diese Fotos von Emma online zu stellen, verurteilt. Die widerlichen Hassmails, das widerliche Verhalten von Emmas Eltern. Dass irgendwo auch nachvollziehbar ist? So etwas zu lesen tut weh. Es ist Fiktion, aber es tut trotzdem weh.

Ich glaube, ich hätte gerne noch eine Aussprache mit den Freundinnen gelesen. So ist es wirklich hoffnungslos und zermürbend, da niemand sich wirklich mit Emma auseinandersetzt.

*Spoiler Ende*

Mein Fazit:

Das Buch zeigt ungeschönt das Innenleben einer jungen Frau, die kaltblütig geworden ist und die unnahbar und unsympathisch wirkt. Das macht sie aber in meinen Augen echt und ehrlich, denn ihre Geschichte hat sie geformt. Es ist eine Geschichte, die es so ähnlich oft auf der Welt geben wird. Die in diesem Buch eine schreckliche Wendung erhält. Einiges bleibt im Dunkeln, vieles ungesagt. Das Buch ist für mich realistisch und dadurch umso grausamer. Auf den ersten Blick geht es vielleicht „nur“ darum, dass auch freizügige Mädchen genauso wenig Schuld an einer Vergewaltigung haben, wie graue Mäuschen.

Aber zwischen den Zeilen kann man viel mehr herauslesen, über unsere Gesellschaft und über das Heranwachsen. Es tut richtig weh, gerade die zweite Hälfte ist wie ein großer Splitter. Dieses Buch ist wichtig. Jedoch würde ich es nicht unkommentiert Jugendlichen zu lesen geben. Allerdings finde ich es – wie bereits The Hate U Give oder Dumplin‘ – sehr gut, wenn es vielleicht Einzug in den ein oder anderen Deutschunterricht hält.

So wichtig das Thema auch ist, so wichtig ich die Geschichte und Protagonistin Emma fand – den Schreibstil, die wiederholten Stilmittel und die Erzählweise fand ich stellenweise etwas zäh und langatmig. Die zweite Hälfte war fesselnder, spannender und das Ende hat zu dieser Geschichte gepasst. Wer eine leichte Lektüre, eine mutmachende Geschichte lesen möchte, der sollte dieses Buch nicht anrühren.

Weitere Meinungen:

 


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[Interview] Sagen Sie jetzt Nichts, Herr Spang!

[Interview] Sagen Sie jetzt Nichts, Herr Spang!

[Interview] Sagen Sie jetzt Nichts, Herr Spang!

Hallodriho ihr Halunken!

Ihr habt noch nicht genug von Benjamin Spang? Dann bekommt ihr jetzt zur Abwechslung mal ein Interview ohne viele Worte. Sagen Sie jetzt Nichts, Herr Spang – inspiriert von der Interviewreihe der Süddeutschen Zeitung.

Den Beitrag zur Blogtour und ein ausführlicheres Interview findet ihr *hier*

Unterstütze die Crowdfunding Kampagne zu Blut gegen Blut 2!


Sagen Sie jetzt Nichts, Herr Spang!

1. Blut gegen Blut 2 im Vergleich zu Teil 1 – was hat sich getan?

2. Wie sieht Ihrer Meinung nach ein echter Vampir aus?

3. Was mögen Sie am meisten an Katrina und Helena?

4. Blut gegen Blut wird verfilmt!

5. … mit Robert Pattinson als Katrina und Kristen Stewart als Helena!

Haha, ja das ist Absicht! 😀

6. Wie fühlen Sie sich, wenn Sie an die gerade laufende Crowdfunding-Kampagne denken?

7. Die Kampagne ist erfolgreich!


Damit das letzte Bild tatsächlich wahr wird, brauchen wir weiterhin EUCH! Vielen Dank für das Interview lieber Benjamin!

Ich hoffe, euch hat der Beitrag heute auch so gut gefallen wie mir. Hihihi.

[Rezension] Zeitlose – Doras Erwachen von Eva-Maria Obermann

[Rezension] Zeitlose – Doras Erwachen von Eva-Maria Obermann

Ich respektiere die liebe Eva nicht nur als großartige Autorin und Bloggerkollegin, sondern zähle sie auch als Freundin. Nachdem ich bei einer Leserunde Band 1 der Zeitlose Reihe gelesen hatte, war klar: Ich muss wissen, wie es weitergeht! Das Buch von der lieben Eva übrigens als Rezensionsexemplar geschenkt bekommen, aber leider bin ich erst jetzt dazu gekommen, es zu lesen.
Ob es den ersten Teil übertreffen konnte? Die Leseprobe zum Buch habe ich übrigens anlässlich des Erscheinens vertont.

Eva-Maria Obermann: Zeitlose 2 – Doras Erwachen


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  • Autorin: Eva-Maria Obermann
  • Titel: Zeitlose – Doras Erwachen (Band 2 der Zeitlose Trilogie)
  • Verlag: Schwarzer Drachen Verlag
  • Genre: Urban Fantasy, Romantik
  • 314 Seiten, Taschenbuch: 14,90€ | Ebook: 6,90€
  • auf amazon* anschauen

Worum geht’s?

Dora ist nach den Ereignissen um Nathan, Fiona, Simeon und Nancea aus dem ersten Band sehr verwirrt. Sie weiß nicht mehr, was ihre Träume oder Gefühle sind und wer sie selbst ist. Oder wer sie sein möchte? Mit der Hilfe ihrer besten Freundin Anna und deren Partner Carl, versucht sie ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Doch anstatt von Nancea zu träumen sieht Dora nachts nun die Bilder und Geschichten anderer Frauen, die ebenfalls von Nancea träumten. Und die meisten von ihnen starben eines schrecklichen Todes. Dora spürt, dass es noch nicht vorbei ist und als sie den Mädchen auf den Grund geht, muss sie sich unweigerlich wieder mit Nathan auseinandersetzen. Außerdem steht Oscar vor der Tür und will eine zweite Chance. Unverhoffte Hilfe findet sie in einem kleinen mysteriösen Buchladen in den Gassen Mannheims…


 

Meine Meinung:

Der erste Band endete zwar nicht mit einem fiesen Cliffhanger, aber ich war doch sehr neugierig, wie es weitergeht. Einige Fragen blieben ungeklärt und vor allem Doras Leben war ordentlich durcheinander gewürfelt. Damit hatte sie in der ersten Hälfte auch ordentlich zu kämpfen. Panikattacken, soziale Isolation, depressive Züge – Dora hatte es nicht leicht, doch ihre liebenswerte Mitbewohnerin Anna und deren Freund Carl waren stets an ihrer Seite um Dora aufzubauen.

Nach allem, was Dora durchmachen musste, fiebert man mit ihr und wünscht sich so sehr, dass sich alles zum Guten wendet. Im ersten Teil war ich definitiv für ihren Oscar, doch im zweiten Teil merkte man deutlich, dass er aufdringlich ist und Dora nicht den Freiraum lässt, den sie braucht. Auch Nathan war keine große Hilfe, denn wenn er auftrat, brachten seine Handlungen Dora noch mehr durcheinander.

 

Turbulente Träumerei

Anstatt von Nancea und Simeon zu träumen, wurde Dora nun von anderen Visionen heimgesucht. Körperlich einnehmende und viel zu reale Träume von den Mädchen, die ihr Schicksal teilten und meist eines unglücklichen Todes starben. Mädchen, die es nicht geschafft hatten, Nancae und Simeon zu retten oder loszulassen, die von den Träumen aufgefressen oder in den Wahnsinn getrieben wurden. Dora spürt, dass diese Träume wieder etwas bedeuten, doch sie verschließt sich, will flüchten. Ihre Verletzlichkeit und ihre Erschöpfung wurde hier deutlich, jedoch hat mich in der ersten Hälfte des Buches ihr Unwillen etwas zu verändern, sich Hilfe zu holen (außer von Freundin Anna) oftmals aufseufzen lassen. Sie versank in Gedankenspiralen und Selbstmitleid, sodass es Dora selbst und mir als Leserin irgendwann ein wenig auf die Nerven ging.

Aber sobald Dora über die Schwelle von Elisabeths Buchladen stolperte, nahm das Buch Fahrt auf. Dora erwachte aus ihrer Ohnmacht und begann, endlich wieder zu forschen, zu hinterfragen und zu agieren. Die vielen Offenbarungen und neuen Erkenntnisse, die Entwicklung der Träume und ihrer Bedeutung fand ich total spannend. Immer wieder Erinnerungsschnipsel gemischt mit dem langsame Vortasten – das war superspannend. Dass dabei Doras Privatleben – also Oscar, der um eine zweite Chance bettelte; ihre Freundin Anna und deren Probleme; die Uni – nicht komplett ausgeblendet wurde, fand ich sehr gut und realistisch. Außerdem hat es die Spannung nochmal gekitzelt, wenn Dora nicht weiterforschen konnte, sondern sich anderen Dingen widmen musste.

Das Leben kommt einem eben oft dazwischen.

Das Finale war wiedereinmal grandios konstruiert – wie es sich langsam zugespitzt hat, dann die Offenbarung wie ein Knall und ein Showdown. Das Ende vom zweiten Band ist deutlich fieser als von Band 1. Denn mit all den gewonnen Erkenntnissen und den großen Schritten in die richtige Richtung ist Dora nicht nur erwacht, sondern voll in Aktion. Und das ist einfach nur cool!

Einfach traumhaft!

Evas Schreibstil ist eine angenehme Abwechslung. Sie schafft es gefühlvoll und intensiv zu schreiben, ohne Kitsch und Überdramatisierung. Auch Alltagshandlungen, Essen, Gerüche, Sinneseindrücke webt sie mit Leichtigkeit in die Geschichte ein, zeichnet lebendige Charaktere und Bilder im Kopf.

Während es in Band 1 vor allem um Nancea und Simeon ging, lernen wir in Band 2 die eigentliche Heldin Dora besser kennen. Und ihre Entwicklung ist wirklich großartig. Wie sie ihren Weg geht, sich sucht, zweifelt, liebt und auch mal schlechte Entscheidungen trifft – das fand ich großartig. Aber es wird auch klar, dass die Unterstützung guter Freunde unabdingbar ist. Und solche Freunde wie Anna und Carl kann man sich einfach nur wünschen. Deswegen hat es mich sehr gefreut, dass auch die beiden ihre Zeiten im Buch hatten. Die Probleme und Sorgen der anderen Charaktere gingen nicht unter, auch wenn Dora oft mit sich selbst beschäftigt war. Die innige Zuneigung und das Band der Freundschaft zwischen Anna und Dora wurde deutlich.

Originelle Entwicklungen

Für eine traumhafte Urban Fantasy/Romantasy Geschichte geht „Zeitlose“ neue Pfade. Mannheim und unsere Zeit als Schauplatz sind der Anker, der uns nach den traumhaften Sequenzen daran erinnert, dass wir es hier mit Menschen zu tun haben. Realen Menschen, die lieben, leiden und sterben. Dora ist eine erwachsene Frau mit Zielen, Wünschen, aber auch Verpflichtungen. Die treten keinesfalls in den Hintergrund, nur weil übersinnliche Träume oder Ereignisse sie heimsuchen. Die Arbeits- bzw. Uni-Welt hat nicht so viel Verständnis und lässt nicht so viel Zeit für Nachforschungen und Träumereien. Realistik in einem sonst verträumten Roman. Und soll ich euch was sagen? Das finde ich sehr gut. Viel zu oft läuft Urban Fantasy nach einem Schema ab, dass mit Auftreten den Love Interests oder der Schwierigkeiten alles egal wird – Arbeit, Miete, Essen, Familie, alte Freunde, Wäsche waschen. Nur, weil wir Magie haben, löst sich das Ganze in „Zeitlose“ nicht von Zauberhand auf, sondern bereitet den Charakteren eben zusätzlich Probleme. Diese Prise Realismus macht „Zeitlose“ für mich zu einer erwachsenen und besonderen Reihe.

Wer ungewöhnliche romantische Urban Fantasy Geschichten mit Träumen und Geheimnissen mag, kommt voll auf seine Kosten. Alle Fans von klischeehafter Liebe-auf-den-ersten-Blick und dem linearen Schema von Liebesgeschichten mit viel Fluff, Gepimper und Gesülze sollten lieber die Finger von „Zeitlose 2“ lassen.

Fazit:

Die erste Hälfte war durch Doras innere Konflikte ein klitzekleines Bisschen zäh, aber ab der zweiten Hälfte nahm die Geschichte wie gewohnt Fahrt auf und das rasant. Evas sanfter, malerischer Schreibstil, ihre gefühlvollen und aufmerksamen Beschreibungen machen das Buch zu einem Lesegenuss! Das Ende lässt mich neugierig und aufgekratzt zurück. Ich kann es kaum erwarten, bis Band 3 erscheint!

Weitere Meinungen:

 


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Gewinnspiel zu Personal Paradise von Melanie Schober

Gewinnspiel zu Personal Paradise von Melanie Schober

Hallöchen ihr Lieben! Es ist Zeit für ein Gewinnspiel zu Personal Paradise von Melanie Schober.

Melanie Schober ist eine österreichische Zeichnerin und Mangaka, die eingefleischten Mangafans vermutlich schon länger ein Begriff ist. Mit „Brave Brother“ erzählt sie die Vorgeschichte von Westside Leader Mike und wie aus einem rebellischen Jungen der Kopf einer Gang wurde. Auch erfahren wir mehr über seine Freundschaft zu Danny und die Verbindung, die er und der mysteriöse Andy haben. Anlässlich dieses zweibändigen Prequels wurden auch die alten Bände von Personal Paradise neu aufgelegt und erhielten ein einheitliches, weißes Cover und einen schicken Schuber.

Worum geht es in Personal Paradise?

Wir befinden uns in einer nicht näher benannten Stadt in der nahen Zukunft. Die Schere zwischen Arm und Reich ist enorm und die Stadt in vier Bereiche aufgeteilt, die von Gangs beherrscht werden, die in ihrem Gebiet für Recht und Ordnung sorgen sollen (oder zumindest die Kriminalität einigermaßen eindämmen). Doch die meisten davon sind Jugendliche, hin und hergerissen zwischen Liebe, Verpflichtungen und Zugehörigkeit.

Zustätzlich leben unter den Menschen die „NHI“s, die besondere Fähigkeiten haben und an ihren tattoo-artigen Malen zu erkennen sind. Je nach Fähigkeit werden sie ausgebeutet oder ausgegrenzt, doch es gibt unter ihnen solche, die aufbegehren und für mehr Gleichberechtigung kämpfen wollen.

Inmitten dieser chaotischen Welt begleiten wir in jedem Band verschiedene Charaktere, jedoch mit wiederauftretenden Figuren, denn wenn sich die Schwester des Westside Gangleaders in den Leader der Northside verguckt, ist Ärger vorprogrammiert.

Bei der Signierstunde von Melanie Schober im Comix Art Bayreuth
In welcher Reihenfolge muss man die Bände lesen?

Die Neuauflage ist durchnummeriert, aber im Prinzip sind alle Bände bis auf „Killer Kid 1 & 2“ und „Brave Brother 1 & 2“ in sich abgeschlossen.

  • Personal Paradise

Anna ist keiner Gang zugehörig und damit eine Außenseiterin. Als sie auf den seltsamen NHI Julian trifft, ziehen die beiden den Hass von Bianca, der Freundin von Northside.-Leader Niko auf sich. Doch Niko und Julian haben eine gemeinsame Vergangenheit.

  • Personal Paradise: Miss Misery

Northside Leader Niko gerät in die Fänge der rivalisierten Westside und deren Leader Mike ist fest entschlossen Niko umzulegen. Doch seine Schwester Marianne, die den verletzten Niko hütet, entdeckt langsam, dass der vermeintliche Snob auch gute Seiten hat.

  • Personal Paradise: Assassin Angel

Ein Mörder geht um. Genauer gesagt bestraft Johanna im Auftrag ihres gestorbenen Vaters, dessen Geist sie begleitet, Sünder. Doch der durchtriebene Andy filmt die Tat und zwingt seine Exfreundin zu ihm zurückzukehren, sonst verpetzt er sie an Westside Leader Mike. Um aus der Misere zu entkommen, versucht Jo sich mit Mike anzufreunden. Doch das behagt dem eifersüchtigen Andy gar nicht.

  • Personal Paradise: Killer Kid 1 & 2

Wir hüpfen ein paar Jahre in die Zukunft. Einige Paare sind zusammen, einiges hat sich in der Stadt verändert. Der Auftragskiller Yoru wird auf Niko angesetzt, doch das Attentat läuft schief und er entführt gezwungenermaßen dessen jüngere Schwester Daniela. Die ist eine ziemliche Rotzgöre, aber hat ihr Herz am rechten Fleck und das scheint auch den abgebrühten Yoru nicht kalt zu lassen. Wären da nicht die Agenten und Nikos Leute, die ihm nach dem Leben trachten.

  • Personal Paradise: Brave Brother 1 & 2

Wie wurde Mike zum Gangleader der Westside? Wie wurde aus Marianne die toughe junge Frau? Welche Geschichte verbindet Andy, Danny und Mike? Ein Prequel, das einige Jahre vor den Ereignissen der anderen Bände spielt.

Was mag ich an der Reihe?

Aufmerksame Leser*innen meines Blogs wissen: Babsi mag gute Genremix. Genau das bekommt man bei Personal Paradise. Zwar sind in den ersten drei Bänden Liebesgeschichten ein Hauptthema, aber auch Romantikmuffel kommen auf ihren Genuss. Denn es mischen sich Action, Dystopie, Drama und Gesellschaftskritik. Purer Lesegenuss! Es ist spannend, lustig, süß und dramatisch und die diversen und vielschichtigen Aspekte sorgen für Abwechslung und Tiefgang. In den Mangas findet man Süchte, Gewalt, Abhängigkeit oderpsychische Erkrankungen sowie verschiedene Formen der Liebe. Damit ist Melanie in der Mangaszene definitiv Vorreiterin in puncto Diversity! Die Charaktere sind alle liebenswert, lebendig und dreidimensional. Und sie sind nicht schwarz-weiß, sondern haben alle ihre Laster, Motive und Beweggründe.

Einer meiner liebsten Charaktere ist der undurchschaubare, manipulative und charismatische Andy. Bisher haben wir nur Bruchstücke aus seiner Vergangenheit mitbekommen, die jedoch verständlicher machen, warum er so handelt, wie er handelt. Außerdem ist sein Character Design ziemlich cool.

Der Zeichenstil von Melanie Schober ist einzigartig, detailreich und dennoch klar. Ich mag den Wiedererkennungswert, die schrillen Outfits und Frisuren und die kreativen Ideen. Egal ob niedliche Comics, ernsthafte Szenen, Schmuddelkram (tihihi) oder Werbeplakate wie für die Rollstuhlbasketball-WM in Hamburg zeichnet sie allerlei Sachen, die man sich auch als Nicht-Manga/Comic-Leser zu Gemüte führen sollte.

Außerdem durfte ich sie schon privat kennen lernen und sie ist unfassbar lieb, leidenschaftlich bei der Sache, sympathisch und bodenständig!

Ihre Comicstrips sind unfassbar witzig und bald wird es von ihr eine neue Geschichte aus dem Personal Paradise Universum geben, diesmal online. Dafür solltet ihr definitiv Melanies Patreon Seite und ihren Twitter Account im Auge behalten.

Gewinnspiel:

So, nun endlich zu dem Punkt, warum ihr alle hier seid: Dem Gewinnspiel. Alles was ihr tun müsst? Entweder unter diesem Beitrag oder unter dem Video kommentieren, welchen Charakter aus Personal Paradise ihr am liebsten mögt bzw. welcher davon euch neugierig macht oder interessiert.

Der/Die Gewinner*in erhält:

Personal Paradise Brave Brother 2.0
Eine Autogrammkarte von Melanie Schober
1x Überraschungs-Charm (siehe Abbildung)

Das Gewinnspiel ist beendet. Ich musste ein zweites Mal auslosen, da sich die ursprüngliche Gewinnerin leider nicht gemeldet hat. Gewonnen hat: Tanjas bunte Welt!

 

Teilnahmebedingungen:
– Teilnahmeschluss ist der 01.09 um 23:59 Uhr
– Der/Die Gewinner*in wird zufällig ausgelost und per Privatnachricht benachrichtigt
– Das Gewinnspiel hat nichts mit Youtube oder WordPress zu tun
– Der Rechtsweg ist ausgeschlossen
– Gewinnberechtigt sind alle User über 18 Jahren mit Wohnsitz in Österreich, Deutschland oder der Schweiz (ab 14 Jahre mit Einverständniserklärung der Eltern)
– Es handelt sich um einen Sachgewinn, eine Auszahlung ist nicht möglich
– Für die Benachrichtigung und den Versand benötige ich eure Email-Adresse und Anschrift. Diese wird nicht anderweitig verwendet und im Anschluss an das Gewinnspiel gelöscht.
– Jede Person erhält nur ein Los, ein Mehrfachteilnahme wird nicht gewertet

Viel Glück!

[Blogtour] Blut gegen Blut 2 von Benjamin Spang

[Blogtour] Blut gegen Blut 2 von Benjamin Spang

Herzlich Willkommen zur Blogtour zu Blut gegen Blut 2 von Benjamin Spang

Werbung unbezahlt

Hallöchen, ihr lieben Süßkekse!

Wie, ihr kennt Benjamin Spang noch nicht? Unerhört! Seine Insta-Stories und Tweets sind  zum Kaputtlachen und machen unfassbar gute Laune. Zufällig ist er auch noch ein sehr guter Autor! Aktuell findet das Crowdfunding zu seinem neuen Dark Fantasy Roman „Blut gegen Blut 2“ statt und für mich war klar: Das muss ich unbedingt auch haben, denn Blut gegen Blut 1 hat mich total begeistert!

Bei mir gibt es im Rahmen der feierlichen Blogtour nicht nur einen Teil des Gewinnspiels, sondern auch eine exklusive Kurzgeschichte!

Warum sollte man das Crowdfunding unterstützen?

Beim Crowdfunding auf startnext könnt ihr euch für euer Geld Dinge vorbestellen, z.B. den Roman als Hardcover oder als Taschenbuch. Für euren Beitrag könnt ihr euch sogenannte „Dankeschöns“ sichern, auch das Ebook, Postkarten, Notizbücher und vieles mehr. Wenn das Fundingziel erreicht wird, kann die Produktion beginnen und ihr bekommt automatisch euer Dankeschön zugesendet, sobald es fertig ist. Sollte das Fundingziel nicht erreicht werden, bekommt ihr euer Geld zurück. Wenn euch keines von den Dankeschöns zusagt oder ihr aktuell nicht so viel Geld habt, könnt ihr einen selbstgewählten Freibetrag spenden oder die Kampagne in den sozialen Netzwerken teilen, liken und verbreiten. Es gibt auch Widgets, die ihr auf euren Blog oder eure Homepage packen könnt.

Die Kampagne:

www.startnext.com/blutgegenblut2


Bruderliebe

von Benjamin Spang (Spin-Off-Geschichte zu “Blut gegen Blut 2”)

 

Ich werde auf dich aufpassen, versprochen!

Das hatte er ihr gesagt.

Aber sein Versprechen hatte er nicht gehalten. Und seit diesem Tag, an dem seine Schwester nicht mehr da war, war er innerlich zerrissen.

Rache war verpönt in der Vereinigung des Feuers, aber er sehnte sich nach ihr. So sehr, dass er den Mistkerlen, die seine Schwester vor einigen Wochen entführt hatten, in diesem Moment auflauerte.

Dryll wagte es, noch etwas mehr über den Felsen zu blicken, um zu erkennen, ob es wirklich nur diese drei Vampire waren, die da mitten im Wüstensand um ein Feuer saßen. Wenige Schritte von ihrem Lager entfernt standen drei Mok. Mit dicken Zotteln behaarte Reittiere, deren Schnauzen man vor lauter Haaren kaum erkennen konnte. Es war in etwa so groß wie ein Pferd und wurde von den Vampiren als Reit- und Zugtier verwendet. Und tatsächlich stand gleich neben den angeleinten Tieren ein Karren aus Holz. Kisten waren darauf zu sehen. Dryll machte sich keine Hoffnungen, seine Schwester dort zu finden und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die drei Vampire am Lagerfeuer.

Sie waren Handlanger von Faedora, einer gefährlichen Frau, die Jagd auf die Kinder der Vereinigung des Feuers machte. Sie hatte seine Schwester und er bekam eine Gänsehaut bei dem Gedanken. Ob sie noch lebte? Ob sie vielleicht in einem Kerker im Unterschlupf dieser Hexe gefangen war? Viel eher war sie bei irgendwelchen Experimenten mit Blutmagie gestorben.

Dryll musste es herausfinden. Er brauchte Gewissheit.

Vorsichtig verließ er seine Deckung, um hinter einen weiteren Felsen zu schleichen, der näher am Lagerfeuer war. Wenn der das Gespräch belauschen konnte, würde er vielleicht herausbekommen, was sie vorhatten.

Neben dem mit der schwarzen Kapuze auf dem Kopf saß einer mit schmalem Gesicht und kurzen, lockigen Haaren. Er zog an einer etwas dickeren Zigarette und bließ den weißen Rauch aus den Nasenlöchern. Dann blickte er zu dem dritten Vampir in der Runde. Groß, muskulös und mit einem vernarbten und entstellten Gesicht. Es sah aus, als hätte man seinen Kopf mit tausend Schwerthieben zerteilt und dann wieder, ungerade, zusammengesetzt. Der Schein des Lagerfeuers tanzte über seine schwulstigen Narben.

“Ständig müssen wir irgendeine seltsame Scheiße machen. Ich meine, was ist das bitte wieder für ein Auftrag?”

“Was genau hast du nicht verstanden?”

“Alles!”

“Wir bringen das Mädchen aus Fotosz zu ihr. Mehr ist es nicht. Also hör auf, dich zu beschweren. Der Auftrag mit den tausend Zutaten, für die wir durch das halbe Land reisen mussten, war wesentlich nerviger.”

“Hoffentlich ist sie wenigstens hübsch.”

“Wir sollen ihr kein Haar krümmen, hat sie gesagt. Also lass deine Finger bei dir, verstanden? Wir finden sie, fesseln sie und liefern sie ab. Fertig.”

Der Vampir zog noch einmal an seiner Zigarette und warf sie dann in die Flammen, bevor er den Qualm genüsslich aus dem Mund pustete.

“Gute Kräuter, muss ich schon sagen. Aus Lunis nehme ich an?”

“Ja, woher sonst? Den Mist aus den anderen Städten würde ich niemals kaufen. Minderwertig und geschmacklos.”

“Wir sollten jetzt schlafen”, unterbrach der Vampir mit der schwarzen Kapuze.

“Gute Idee, schwarzer Mann! Aber erstmal muss ich noch die Wüste bewässern. Vielleicht wächst ja durch meine Pisse hier mal ein Kraut, dass man auch rauchen kann, wer weiß?”

Der Vampir mit den Locken kehrte dem Lagerfeuer den Rücken zu und kam in Drylls Richtung, ging dann eber einige Schritte weiter entfernt hinter einen Felsen, so dass Dryll ihn von seiner Position aus beobachten konnte.

Noch einmal blickte er über die Kante zu den beiden anderen Vampiren am Lagerfeuer. Diese waren damit beschäftigt, ihren Schlafplatz herzurichten, weshalb Dryll seine Aufmerksamkeit auf den richtete, der sich gerade erleichterte. Vielleicht konnte er ihn überzeugen, ihm mehr zu verraten?

Mit bedachten Schritten über den Sand, der hier und da von steinigem Untergrund unterbrochen wurde, schlich er sich von hinten an ihn heran. Er würde einen bestimmten Griff an seine Kehle anwenden, die es seinem Opfer erlauben würde zu sprechen, einen Hilferuf jedoch unmöglich machte.

Nur noch einen Schritt war er von ihm entfernt, lockerte seine Finger, ging in die Hocke und konzentrierte sich für eine Sekunde. Dann sprang er aus dem Stand auf den Vampir, der sich in dem Moment umdrehte und Dryll mit voller Wucht den Ellbogen gegen die Schläfe rammte und ihn in eine tiefe Schwärze schickte.

“Allesamt Stopp!”

Drylls Kopf schmerzte. Er hörte weitere Stimmen, konnte aber nicht entziffern, was sie sagten. Er atmete tief ein und wieder aus. Wo war er? Seine Hände. Er konnte sie nicht bewegen. Seine Füße auch nicht. Durch seinen Mund ging ein Seil, das ihn daran hinderte zu sprechen.

Die Vampire! Die Handlanger Faedoras! Hatten sie ihn gefesselt?

“Sie ist wach, Freunde!”, rief eine Stimme. Es war der Vampir mit den schwarzen Locken, der ihm den Ellbogen gegen den Kopf gerammt hatte.

Aber wer ist Sie?

Dryll öffnete die Augen und versuchte zu realisieren, wo er sich befand. Er brauchte ein paar Sekunden, um zu begreifen, dass er auf einem Karren lag, mit Blick auf die Holzlatten der Außenwand, durch deren Lücken er auf eine grün bewachsene Landschaft blicken konnte. Wo genau sie sich befanden, konnte er nicht sagen, aber auf jeden Fall nicht mehr in der Schwarzen Wüste.

Ein Poltern unterhalb seiner Füße erklang. Dann sprang jemand auf den Karren. Dryll schloss sofort wieder die Augen.

“Finde das Messer, bevor es zu unserem Verhängnis wird!”, rief eine dunkle Stimme von hinten. “Ich traue es der Kleinen ebenso zu wie dem Gykaner neben ihr. Beide würden uns umbringen, wenn sie das Messer in die Finger bekämen!”

“Das wäre noch schön, im Vergleich zu dem, was Sie mit uns anstellen würde, wenn wir gleich mit leeren Händen ankämen”, antwortete eine kratzige Stimme.

Der Vampir ging an Dryll vorbei.

“Hier ist es nicht. Und hier habe ich es auch nicht abgelegt”, rief er. Dann eine kurze Pause. Der Vampir machte weitere Schritte.

“Ich kann euch versichern, dass es nicht hier hinten ist, okay?”, sagte er mit gereiztem Tonfall.

Wenn Dryll sich nicht täuschte, stand der Vampir jetzt genau neben ihm.

“Hey, ihr beiden!”

Er trat ihn leicht mit seinem Fuß, aber Dryll reagierte nicht.

“Ich weiß, dass du wach bist, komm schon. Hältst du mich für so dumm?”

Dryll rührte sich nicht. Solange sie dachten, er wäre nicht bei Bewusstsein, hatte er den Vorteil eines möglichen Überraschungsmoments auf seiner Seite.

“Na gut. Können wir drei uns darauf einigen, dass, wenn ihr mein Messer hier tatsächlich irgendwo hier finden solltet und ihr euch damit befreien könnt und euch in einem passenden Moment von hinten anschleicht, ihr es zuerst mir in den Rücken rammt? Ja? Das wäre sonst wirklich ungerecht meinen beiden …” er machte eine kurze Pause “… Arbeitskollegen gegenüber. “Ich hätte fast Freunde gesagt!”, rief er und lachte laut. 

Jetzt lachten auch die beiden anderen Vampire, während der Typ vom Karren hinabsprang, die Klappe schloss und wieder nach vorne ging.

“Bevor ich euch Bastarde ‘Freunde’ nenne, treibe ich es mit der Hexe!”, sagte er. Es folgte ein knappes Ächzen, was darauf deuten ließ, dass er auf sein Reittier gestiegen war.

Wer war die andere Gefangene? Er drehte sich blitzschnell, in der Hoffnung, es wäre seine Schwester. Doch dann blickte er auf den Rücken einer jungen Frau mit schwarzen, schulterlangen Haaren, die in einem schmutzigen Nachthemd steckte und an der Wand des Karrens gegenüber lag. Sofort drehte er sich wieder auf die Seite mit Blick nach außen auf die vorbeiziehende Landschaft. Wer war sie? Würde sie ihm vielleicht dabei helfen können, die Vampire zur Strecke zu bringen und seine Schwester zu finden?

Doch bevor er diesem Gedanken weiter nachging, musste er sich auf sich selbst konzentrieren. Allem anschein nach waren sie auf dem Weg zu ihr. Zu Faedora, der Bluthexe.

Drylls Pulsschlag beschleunigte. Er konnte sich nichts Schrecklicheres vorstellen, als dieser Frau gegenüberzutreten.

 

In “Blut gegen Blut 2” erfährst du, wie es mit Dryll weitergeht!

 


Gewinnspiel

Hilf Katrina, die richtigen Buchstaben zu sammeln und gewinne 2 x ein fettes “Blut gegen Blut – Paket” mit Teil 1 und Teil 2 als Hardcover sowie vielen tollen Extras!

In welche Richtung drehen sich die Zahnräder?

Gehe vom ersten Zahnrad aus und arbeite dich vor. Dreht sich das Zahnrad mit den beiden Buchstaben nach oben oder nach unten? Notiere den entsprechenden Buchstaben und besuche auch die anderen Blogs, um das Lösungswort herauszufinden!

Teilnahmebedingungen:
Hast du alle Blogs der Blogtour besucht und alle Buchstaben korrekt, ergeben diese ein Lösungswort. Sende dieses an: benjamin.spang@gmail.com. Unter allen Einsendungen wird der Gewinner ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen! Teilnahmeschluss ist der 09. September 2018.


Du willst mehr?

Weitere Kurzgeschichten, Interviews und die anderen Teile des Rätsels findest du bei den anderen der Blogtour:

Unterstütze Benjamin und Blut gegen Blut 2!

[Rezension] Ich fühle so tief ich kann von Liane Cornelius

[Rezension] Ich fühle so tief ich kann von Liane Cornelius

Ich war ziemlich überrascht, als mich die E-Mail erreichte, in dem mir „Ich fühle so tief ich kann“ von Liane Cornelius als Rezensionsexemplar angeboten wurde. Von der Autorin hatte ich nie zuvor gehört, aber sie hatte sich die Mühe gemacht meinen Blog genau anzusehen und mir eine liebe und persönliche Mail zu schreiben. Außerdem hat Liane mir Zeit gelassen, ihr Buch zu lesen und war nicht ungeduldig und unhöflich. Eine angenehme Abwechslung zu den lieblosen Massenmails à la „Lieber Blogger…“.

Außerdem klang dieses Buch wirklich interessant – ob es mir gefallen hat?

Liane Cornelius – Ich fühle so tief ich kann


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  • Autorin: Liane Cornelius
  • Titel: Ich fühle so tief ich kann (396 Seiten)
  • Genre: Entwicklungsroman
  • BOD, Taschenbuch: 15,99€ | Ebook: 11,99€
  • auf amazon*

 

Worum geht’s?
Liane „Lilly“ ist in der Mitte ihres Lebens angelangt und hat viel mitgemacht. Vier OPs braucht es noch, damit sie wieder schmerzfrei gehen kann. Als Physiotherapeut Andreas in ihr Leben tritt, ahnen beide noch nicht, dass ihre Begegnung weitreiche Folgen haben wird. Liane ist verletzt und hat Angst, fallen gelassen zu werden. Andreas hingegen ist manipulativ, sexsüchtig und eiskalt hinter seiner freundlichen Fassade. Doch der Kontakt der beiden entwickelt sich zu einem tiefgründigen Austausch und sie lernen sich tiefer kennen als ihnen lieb ist.


 

Meine Meinung:

Ich kannte aus der Mail nur den groben Inhalt, den Klappentext und die psychologischen Themen, die im Buch angeschnitten werden. Als ich das Buch dann anfing war ich vom Aufbau und der Geschichte doch recht überrascht. Auch, wenn am Ende der Hinweis kommt, dass alle handelnden Figuren frei erfunden sind, liest es sich wie eine Art Biografie, ein Tagebuch. Denn wir als Leser sind untrennbar mit Lillys Gedanken verbunden, erleben und fühlen durch sie. Der Schreibstil passt dazu und ist persönlich gefärbt und reich an Sinneseindrücken. Das fand ich schön!

Zwischen den Passagen, die ihren schwierigen Alltag behandeln, streuen sich Erinnerungen an ihre Kindheit. Spannend und sehr nah erleben wir, was Lilly mitmachen musste und wie sie die Frau wurde, die sie im Buch ist.

Nach und nach decken wir ihre Gedanken, Gefühle und Narben auf. Während Andreas zuerst unnahbar und irrational erscheint, erreicht die seltsame, beinahe magisch anmutende und ungewöhnliche Beziehung der Beiden tiefe Gefielde. Fast schon phantastisch mutet die telepathische Kommunikation an. Die Gespräche und Liebeleien finden oft nur in Lillys Kopf statt und eine Zeit lang wissen wir nicht, ob sie sich das vielleicht nur einbildet. Schließlich ist Andreas nur selten physisch so ehrlich, so offen und so ruchlos wie seine „Seele“.

Das Cover ist simpel gehalten und sieht ordentlich aus. Ich persönlich hätte die Schrift noch ein bisschen konstrastreicher gemacht. Aber das sind nur Äußerlichkeiten.

An dieser Stelle eine kleine Warnung: Das Buch spricht Themen wie Missbrauch, Suizid und psychische sowie physische Gewalt an.

Wir fühlen wirklich so tief es geht, explorieren und grübeln mit Lilly was mit ihr und Andreas los ist. Als Hobby Psychologen arbeiten wir mit den Bröckchen Interaktion, mit Gesten und wenigen Worten und versuchen herauszufinden, welche Puzzleteile Andreas erklären. Der reale Alltag um Lillys Krankheit wird damit oft zur Oase der Ruhe, aber auch zur Nebensache. Denn sie ist eigentlich glücklich mit Tony verheiratet und Andreas hat seine Freundin Laura.

Außerkörperliche Erfahrung…

Zugegeben, am Anfang wirkte die esoterische, rein geistige Beziehung der Beiden etwas abstrus, absurd auf mich. Zwei Seelenverwandte, die im Geiste miteinander kommunizieren und sich berühren und Gefühle auslösen. Das habe ich nicht erwartet und es hat ein bisschen gebraucht, mich darauf einzulassen. Einfach, weil ich dieses „phantastische“ Element nicht erwartet habe.

Die Beziehung von Andreas und Lilly – generell alle von Andreas‘ Beziehungen – scheinen im Machtgefüge etwas verrutscht, sicher nicht ideal oder gesund zu sein. Aber das stellt die Autorin auch nicht so dar. Es ist klar, dass diese Form der Kommunikation, diese Beziehung etwas Seltsames, Intensives aber auch Belastendes darstellt. Dass es sich um zwei schwer verletzte und traumatisierte Personen handelt, die sich gegenseitig mit seltsamen Methoden versuchen über Wasser zu halten.

Lässt man sich jedoch darauf ein, bekommt man als Leser*in ein spannendes Spiel serviert, ein Ringen und Zerren, ein interessantes Bild zweier Menschen und immer wieder psychologische Anekdoten und Informationen.

Liane Cornelius kann diese Form der Visualisierung wunderbar beschreiben. Wie man z.B. seine „Angst“ als Figur zeichnet und diese in die Ecke des Raumes stellt. Solche gedanklichen Bilder werden oft eingesetzt, um Genesungsprozesse zu unterstützen und komplexe Sachverhalte wie Gefühle greifbarer zu machen. Auch Entspannungsübungen und Traumreisen werden so eingesetzt und man merkt im Buch, dass Liane die richtigen Worte für solche Sachverhalte finden kann.

Wehmutstropfen

Ein größeres Manko für mich war das fehlende(?) Lektorat. Das Buch ist im Selfpublishing bei Book on Demand erschienen und man merkt leider an manchen Stellen, dass kein professionelles, umfassendes Lektorat bzw. Korrektorat stattgefunden hat. Weniger an Rechtschreib- oder Grammatikfehlern („Wochen-Ende“), sondern an Formulierungen oder einzelnen Szenen, die ich nach meinem Empfinden in so einem Durchgang gestrichen hätte. Letztlich hat es den Lesefluss nicht so sehr gestört, aber es ist eben doch hier und da aufgefallen.

Fazit:

Dieses Buch ist definitiv etwas Besonderes und hat mich an vielerlei Stellen überrascht. Wer eine seichte Liebesgeschichte oder Erotikschmonzette sucht, ist hier falsch. Viel mehr geht es mehr um Gefühle, Traumata und die Bewältigung der Erfahrungen. Die Beziehung von Lilly und Andreas ist interessant, manchmal seltsam und erschreckend. Nachdem ich mich auf den „esoterischen“ Austausch der beiden Seelen eingelassen habe, war das Buch spannend und interessant, sehr nah und sehr gefühlvoll. Von mir gibt es deshalb vier Seesterne.

Ein wirklich süßes Extra: Auf der Homepage von Liane könnt ihr einen Test machen, ob das Buch etwas für euch sein könnte! Den Test habe ich erst nach dem Lesen entdeckt, aber mir wurde die Leseprobe empfohlen. Hihihi.

Weitere Meinungen:


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[Rezension] Najaden: Das Siegel des Meeres von Heike Knauber

[Rezension] Najaden: Das Siegel des Meeres von Heike Knauber

Heike Knauber: Najaden – Das Siegel des Meeres

Najaden? Meerwesen? Count me in!
Schon als ich das Buch in der Verlagsvorschau gesehen habe, war ich richtig heiß darauf und habe es gleich als Rezensionsexemplar angefragt. Vielen Dank nochmal an den blanvalet Verlag, dass ihr es mir zugeschickt habt.
Eigentlich wollte ich das Buch bereits im Juni beendet haben. Da im Juli der Mastertest anstand, habe ich mir die letzten 50 Seiten aber für danach aufgehoben, weswegen die Rezension erst jetzt erscheint.


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  • Autorin: Heike Knauber
  • Titel: Najaden – Das Siegel des Meeres
  • Verlag: Blanvalet Verlag
  • Paperback: 15€ | Ebook: 11,99€  (608 Seiten)
  • auf amazon* kaufen

Worum geht’s?
Die Sultanssöhne Sayaf und Khayam erobern im Namen ihres Vaters Länder und Inseln. Immer auf der Suche sind sie dabei nach einem Siegel des Meeres, mit dem sie die Dürre und das Sandmeer aufhalten können, das ihre Ländereien langsam verschluckt. Sie vermuten es beim Oberhaupt einer Gilde und entführen dessen Familie, darunter auch die junge Meliaé. Gleichzeitig versucht der Fürst der Najaden (im Wasser lebende magiebegabte Gestaltwandler) sie zu retten. Doch Abu Sayaf ist ungewöhnlich sanft zu Meliaé und auch, wenn sie versucht ihn zu hassen, verspürt sie eine gewisse Faszination ihm gegenüber. Doch Meliaé verbirgt ein Geheimnis, von dem nicht einmal sie etwas weiß – und es könnte die Welt ins Chaos stürzen…


Meine Meinung:

 

Meerjungfrauen? Magie? Fantasy? Das klingt nach einer perfekten Mischung für mich! Und schaut euch mal das schöne Cover an! Bisher haben mich leider die meisten Bücher mit Thema Meerwesen, Nixen, Najaden maßlos enttäuscht. Nicht so Heike Knaubers orientalisch angehauchtes Fantasy Abenteuer!

Zugegeben, als die Geschichte beginnt ist Meliaé noch ein junges Mädchen und der Umgang mit dem älteren Abu Sayaf war etwas befremdlich. Aber zum Glück gelingt es Heike Knauber die Geschichte immer dann herumzureißen, wenn man befürchtet in ein seltsame Romantasy Klischees zu stürzen. Bevor es also pädophil gruselig werden kann, gibt es einen Zeitsprung, sodass Meliaé in der zweiten Hälfte des Buches alt genug ist.

Generell hat mir an dem Buch sehr gut gefallen, dass es zwar gewisse Klischees oder Motive aus der griechischen und orientalischen Mythologie übernimmt, z.B. die Dschinns, Zentauren oder die Najaden, aber etwas ganz Eigenes schafft. Wer zähennägelaufrollende, toxische Romanzen und ein Stockholm Syndrom erwartet, wird – der Autorin sei dank – beim Lesen eines Besseren belehrt. Denn auch wenn die Beziehung von Abu Sayaf und Meliaé sehr komplex ist und es ein schief hängendes Machtverhältnis gibt, driften wir nicht in eine missbräuchliche Richtung ab. Grenzen werden gewahrt und die Beziehung der beiden wandelt sich auf eine nachvollziehbare Weise von einer anfänglichen Feindschaft zu einer Art Zweckbündnis. Vielleicht sogar zu mehr? Immer wenn ich dachte gleich wird es romantisch-kitschig, kam etwas dazwischen – ein richtiger Kracher, der die Geschichte nochmal in eine andere Richtung gedreht hat.

Es waren keine harten Plottwists, die die Story komplett auf den Kopf stellen, aber spannende Wendungen, die man an der Stelle nicht erwartet hätte. In diesem Buch läuft vieles schief, Pläne gehen nicht auf und neue Konfliktparteien treten auf. Das hat dafür gesorgt, dass das Buch durchgehend spannend war und man auch bei 608 Seiten nicht müde geworden ist.

Schöne Sprache!

Auch Heike Knaubers Schreibstil überzeugt. Wortgewandt, mit vielen Details und liebevoll beschreibt sie ihre Welten, ihre Charaktere und zeichnet eine ganz besondere Welt. In meinem Kopf sind Schlachtschiffe und Paläste entstanden, raubeinige Krieger, reichbeschmückte Fürsten und die kämpferische Meliaé. Auch wenn meiner Meinung nach das Wort „schakalköpfig“ noch ein paar mal hätte gestrichen werden können. 😉

Sowohl die ruhigeren und romantischen Momente, als auch die grausamen und actionreichen Szenen wurden in einem passenden Tempo erzählt. Ich hatte das Gefühl, dass die Geschichte eine sehr gute Balance hatte. Ein bisschen seichte Flussfahrt, bevor die nächsten Stromschnellen kommen.

Das Ende kam dann doch etwas abrupter und obwohl es actionreich war, war es mir fast ein wenig zu chaotisch. Außerdem betrübt mich der Ausgang ein bisschen, wenngleich man ja vielleicht auf weitere Geschichten aus der Welt warten darf? Jedenfalls würde ich spoilern, wenn ich mehr dazu sage!

Kleine Meerjungfrau?

Wir lernen Meliaé als junges Mädchen kennen. Behütet, naiv, sturköpfig. Aber auch besorgt, liebevoll und emotional. Durch den Zeitsprung erfahren wir jedoch auch von der fürsorglichen, erwachsenen Meliaé, die wesentlich berechnender und entschlossener ist. Eine tolle Charakterentwicklung, auch wenn sie mir manchmal fast ein wenig ZU aufopferungsvoll und sozial gegenüber anderen war.

Abu Sayaf, der jüngere Sultanssohn, ist ein vielschichtiger Charakter, der mir sehr gut gefallen hat. Seine Verpflichtungen, seine Gefühle, seine Erziehung und viele Dinge spielen in seine Handlungen und seinen Entwicklung mit ein. Er ist durchaus wohlwollend und freundlich, kann aber auch hart und entschlossen sein. Ich mochte die Graustufen und weil ich ihn mir ein bisschen wie Jason Momoa vorgestellt habe, war ich doch ein wenig verschossen in ihn.

Miltiades, der Najaden Fürst, agiert eher im Hintergrund, ist ein kühler Kopf und wirkt sehr geheimnisvoll, da wir nicht so viel über ihn erfahren. Ich muss sagen, ich fand ihn wahnsinnig interessant und hätte gerne mehr über ihn erfahren. In anderen Situationen wollte ich ihm aber auch einen Ziegelstein über den Kopf ziehen.

Das Buch hat durchaus grausame, gewalthaltige und düstere Szenen, als auch Sex, Krankheiten und Verderben. Ich liebe „erwachsene“ Fantasy, da ich mich an den Jugendfantasybüchern mit rosaroter Kitschbrille satt gelesen habe. Dennoch sollte man wissen, dass dieses Buch kein blubberfrohes Kleine-Meerjungfrauen-Abenteuer ist, sondern durchaus düstere und ernste Themen hat.

 

Mein Fazit:

Für mich war „Najaden“ ein absoluter Glücksgriff! Leseurlaub an Bord eines Schiffes, das sowohl schöne Strände als auch gefährliche Wasser besegelt hat. Spannung, Romantik, Dramatik – alles hat sich angenehm abgewechselt, die fantastischen Elemente und Wendungen waren gut eingesetzt. Der Schreibstil war gut und ich möchte unbedingt mehr von Heike Knauber lesen! Ich bin rundum zufrieden. So schreibt man gute Meerwesen-Bücher!

Weitere Meinungen:


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