Schlagwort: romantasy

Ela Bellcut #ProjektArbeitstitel

Ela Bellcut #ProjektArbeitstitel

Ela Bellcut #ProjektArbeitstitel

Nach Carina Schnell habe ich nun die Ehre noch eine liebe Schwester aus dem Nornennetz zu interviewen: Ela Bellcut, die bald ihr Debüt veröffentlicht!

Gedanken, Träume, Wünsche und immer wieder diese Leere, die nur das geschriebene Wort füllen kann. Einfach mal an nichts denken, einfach mal nur sein, die Gedanken vergessen, die Fragen, die endlosen Vorwürfe und Selbstzweifel, all das fortgespült von dem Kratzen über das Papier, von dem Klackern der Tasten, von der ruhigen Musik Iron&Wine’s …

Hey, freut mich, dass ihr zu diesem Beitrag gefunden habt. Ich veröffentliche unter dem Pseudonym Ela Bellcut und mein erstes Buch „Aderunita I – das Seelenband“ (Contemporary Fantasy) steht aktuell in den Startlöchern und wird im Juni 2019 erscheinen.

1989 wurde ich im wunderschönen Mecklenburg-Vorpommern geboren. und lebe seit 2008 in Hamburg. Ich bin ein laufendes kreatives Chaos. Mithilfe von To-Do-Listen und diversen Notizbüchern versuche ich, irgendwie mein Leben als Fotografin und Autorin zu händeln.
Angefangen habe ich mit Gedichten, Kurzgeschichten und Texten als Filmkritikerin für eine Onlineplattform. Am liebsten ziehe ich mich ins Grüne zurück, verbringe Zeit mit meiner Katze oder widme mich meinen kreativen Ideen, die in allen möglichen Richtungen ausarten.
Seit 2017 bin ich Mitglied im Nornennetz und dort als Presse- und Ratsschwester tätig.

 

Aderunita und andere Projekte

 

Welche Projekte sind gerade in Arbeit? Erzähl uns doch ein bisschen davon!
Seitdem 2016 die erste Version des ersten Teils meiner Fantasy-Reihe abgeschlossen ist, habe ich bereits an Band 2-4 gearbeitet und parallel auch ein Sequel zum 2. Band geschrieben. Damals war mir einfach das Schreiben wichtiger und nun hab ich vier Manuskripte in den Händen, die ich allerdings weiter chronologisch veröffentlichen werden – sprich: Band 2 wird demnächst überarbeitet und wandert dann zu meiner Lektorin Saskia Weyel (http://zeilenrausch-lektorat.de/).

Wie schauen die Pläne für dein Projekt aus?
„Aderunita I – Das Seelenband“  wird im Juni veröffentlicht und die BuchBerlin dieses Jahr wird dann meine erste Messe mit eigenem Buch sein. Dort werde ich wieder mit dem Nornennetz vertreten sein – also kommt gerne vorbei und quatscht mich an.

Magst du uns verraten, was für Ideen evtl. noch in der Schublade schlummern?
Neben meiner Fantasy Reihe schreibe ich gerne Horror/Thriller oder nehme an Ausschreibungen teil. Aktuell steht die nächste Anthologie von einigen Autorinnen Kolleginnen zum Thema „Heldinnen“ auf dem Plan. Dort geht es um zwei kleine Mädchen, die ihren „Dämonen“ bzw. dem wahrgewordenen Grauen in Form eines Monsters im Schrank gegenübertreten müssen. Es wird eine Mischung aus Horror und Drama. Indem Sina und Lea gemeinsam gegen Vorurteile, Depressionen und Ängste kämpfen.

 

Schreiballtag

 

Was ist deine größte Herausforderung im Schreibprozess?
Bei mir war es: Einfach mal machen! Einfach das Buch zu Ende schreiben – sich wirklich Zeit nehmen mit einem festgesetzten Plan und es durchziehen. Und es dann auch zu veröffentlichen! Sich trauen!

Probeleser, Lektoren oder Korrektoren zu finden, ist eigentlich ganz einfach (so zumindest bei mir – da ich parallel zur Fertigstellung schon meine SoMe-Präsenz aufgebaut habe.)
Bei der Verlagssuche hab ich nicht wirklich Erfahrung. Während des Arbeitsprozess hab ich zwar 10 Bewerbungen an größere Verlage rausgeschickt, aber ich denke, da Fuß zu fassen, ist ohne eine Agentur beinahe utopisch … Und Kleinverlage waren bei mir nie von Interesse, da die Kosten/Nutzenrechnung für mich zu wenig Vorteile bot (ggf. Einschränkungen beim Lektorat, nicht das Cover, was ich will und dafür Werbung selbst machen – da kann ich auch gleich SP machen – so mein Gedanke und kann dann Bilder reinbringen, die mir wichtig sind).

Zudem komme ich aus dem Werbebereich. Aktionen überlegen, Promoten ist für mich mit Spaß verbunden und keine Hürde.

Hast du eine Schreibroutine?
Ich habe mit dem Schreiben angefangen, da war ich noch Filialleitung in einem Fotostudio – 6 Tage Woche. Da war das Schreiben nebenbei echt hart. Meist jeden Abend 2-3 Stunden nach der Arbeit. Das ging beinahe 2 Jahre, aber dann war mir das alles zu viel und mein Brotjob wurde mir gefühlt immer lästiger. Ich wollte nur noch schreiben.
Letztes Jahr hab ich dort gekündigt und mir einen Teilzeitjob gesucht, sodass ich 2-3 Tage in der Woche Zeit für meine Geschichten habe. Aktuell läuft es super so.
Ich hab die Sicherheit über die Runden zu kommen und kann mich dennoch kreativ voll ausleben. In heißen Phasen des Lektorats oder Korrektorats kommt das Privatleben dennoch oft zu kurz.

Welchen Tipp würdest du deinem Vergangenheits-Ich geben, das gerade mit dem Schreiben anfängt?
Zieh es durch und schreib es zu Ende – Überabreiten geht immer noch. (Kurzer Einwurf: Ich hab mit 16 angefangen, genau diese Idee zu formulieren – die ich jetzt erst mit 29 veröffentliche :D)

 

Motivation

 

Hast du Vorbilder bzw. Menschen, die dich inspirieren und motivieren?
Ganz klar meine Autoren-Kolleginnen bei Instagram oder beim Nornennetz. Der Austausch mit anderen ist mir mega wichtig – denn das Autorendasein ist dann nicht so ein großes Ideal wie J.K.Rowling (an die man in der Vorstellung nie rankommen wird). Ich denke mir seitdem: Ach komm, das kannst du auch – lass dich nicht aufhalten.
Oft werden kreative Berufe nur belächelt. Als ich Fotografin wurde, war das bereits so. Aber die Fotografie ist ein Handwerk, man hat einen Gesellenbrief und es ist einfach etwas etablierter – als Autorin hatte ich immer den Eindruck, dass da nur gegenwind kommt, nach dem Motto: „Ach so groß wird man nie …“. Das hat mich lange aufgehalten bei meiner Veröffentlichung.

Der Austausch mit anderen und zu sehen: das sind auch alles nur Menschen mit ggf. Selbstzweifel – hat mich dran glauben lassen, dass ich es schaffen kann. Und auch im Entstehungsprozess wüsste ich nicht, was ich ohne Autorinnen wie Adriana Silver, Anne Granert, Katrin Ils oder Elenor Avelle  – als Motivation machen würde …
Aber die größte Unterstützerin ist immer noch meine Mutter.

Was sind deine Wünsche und Ziele für die Zukunft?
Den Kontakt zu anderen Autor*innen beibehalten –  ggf. noch ausbauen. Und natürlich viele Leser begeistern und dass die Message, die in der Serie vorherrscht: Kümmert euch mehr um unsere Umwelt –vor allem in den jungen Köpfe eindringt und die Reihe vielleicht dahingehend etwas bewirkt.

Was war dein schönster Autor*innen-Moment bisher?
Das ist echt schwer! Die Mitglieder des Nornennetzes kennenzulernen oder auch andere Autor*innen die man nur per SoMe kennt, war jedes Mal super. Die erste Messe mit dem Netzwerk unvergesslich … Hm … aber ja, es ist wie die erste Liebe – der erste beste Moment war meine erste Buchmesse: LBM 2017. Mein erstes Buch war in der ersten Version fertiggeschrieben. 2017 hab ich erst mit Social Media angefangen und hab mich vor allem beim Blog Vom Schreiben leben belesen. Annika Bühnemann gibt dort super viele Tipps und auch Einblicke ins Marketing – ich wollte sie unbedingt kennenlernen. Bei der LBM war es dann soweit. Eigentlich fangirle ich nie, aber bei Annika war ich voll aufgeregt und wir machten Selfies + Autogramm und verbrachten dann noch ein paar Stunden zusammen. Comiccongelände besichtigt, zusammen gegessen, sie fragte mich nach meinem Buch, gab mir Tipps – ich hab mich bis dahin nie so fame gefühlt.

 

Eine kleine Kostprobe…

Da gibt’s meine absolute Lieblingsstelle im Buch, die man trotz fehlender Vorgeschichte hoffentlich versteht. Sie ist aus einem meiner eigenen Träume entstanden(gekürzt Seite 67-71):

Natura erwachte schlagartig. Ihr Herz hämmerte wie eine Horde Schlagbohrer. Sie sah sich um und stellte betrübt fest, dass sie allein war.

Es war dunkel, nur der Mond warf sein silbriges Licht auf ihre Umgebung.

Irgendetwas war anders. Irgendwie fremd. Als hätte sich die Atmosphäre verändert.

Aber nichts wirkte außergewöhnlich. Alles war still.

Zu still, wie sie begriff. Sie hörte kein einziges Geräusch. Nicht einmal die üblichen Klänge des Waldes oder des Meeres. Diese Nichtexistenz von Geräuschen ließ ihr Zuhause gruselig erscheinen.

Obwohl das Landhaus wie immer wirkte, hatte Natura das Gefühl, die vertrauten Schatten würden in ihren Konturen verschwimmen. Wären verzerrt. Lebendig. Würden sie beobachten, als läge irgendetwas auf der Lauer und wartete nur auf sie. Etwas zutiefst Dunkles. Sie konnte es zwar nicht sehen, aber fühlen.

Ihre Umgebung war beängstigend.

Der Wald ragte schwarz um sie herum auf. Die Schatten pulsierten.

Dann spürte sie den Sog. Den Sog, den sie auch am Morgen verspürt hatte. Er zog sie von neuem zu den Klippen.

Natura drehte sich nochmals zu der Weide um, an der sie eingenickt war. Es kam ihr vor, als wäre da jemand, der sie zurückhalten wollte. Allerdings sah sie nichts außer den wabernden Schatten, die sich wie zu einem inneren Herzschlag bewegten.

Sie bekam eine Gänsehaut. Ihr Adrenalinspiegel schoss in die Höhe und die Angst schnürte ihr die Kehle zu. Sie musste hier weg!

Blind vor Panik tauchte Natura in die Dunkelheit der Bäume ein. Dort hielt sie für einige Sekunden inne. Es war, als wäre sie über eine unsichtbare Grenze getreten, denn es erklangen wieder Geräusche.

Allerdings waren diese jetzt wirklich gruselig und machten dem Namen Geisterwald alle Ehre. Das Ächzen der Äste klang wie Schreie, Wehklagen. Wie etwas, das sie seit ihrer Kindheit kannte, plötzlich vollkommen fremd für sie sein konnte, verstand sie nicht. Aber sie konnte nicht leugnen, dass es ihr davor graute, diese sonst vertrauten Schritte zu gehen.

Es gab aber kein Zurück. Den Sog, der sie zu den Klippen zog, konnte sie nicht bezwingen.

Natura stolperte benommen weiter und als sie sich erneut umblickte, hatte sie den schreienden Wald bereits hinter sich gelassen.

Auch hier kam ihr alles fremd vor. Sie stand an einem Baum am Rand des Waldes und ließ ihren Blick über die in Dunkelheit gehüllten Steilklippen gleiten. Nichts wirkte wie gewohnt.

Unvermittelt hörte sie einen flachen Atem. Zuerst dachte sie, die über ihr stöhnenden Bäume würden das Geräusch verursachen. Aber der Atem wurde lauter und schien näherzukommen.

Sie blickte sich um, suchte nach der Quelle des Geräuschs. Komischerweise wirkten ihre Sinne mit einem Mal bis aufs Äußerste geschärft. Sie hörte alles viel näher, als es tatsächlich war. Denn das Keuchen gehörte zu einem Mann, den sie schemenhaft zwischen den Bäumen des Waldabschnitts ihr gegenüber erblickte. Er war gut zwanzig Meter von ihr entfernt und rannte zum Klippenvorsprung.

Alles passierte wie in Zeitlupe.

Der Mann passierte die letzten Bäume und strebte der schmalen Landzunge entgegen. Hinter ihm kam ein schwarzer Schatten zum Vorschein. Ein Wiehern. Ein schwarzes Pferd mit weißem Stern auf der Stirn. Natura erkannte ihre Stute Aurora. Und den Mann: Es war Phil – ihr Vater.

Verdammte Scheiße, was tun die denn hier?

Allmählich beschlich Natura das Gefühl, dass sie träumte. Alles kam ihr seit mittags wie ein unendlicher Traum vor. Und nicht von der guten Sorte. Die Begegnung mit Charlie, dieser verwirrende Nachmittag und jetzt das hier. Aber alles, was sie erlebte, fühlte sie, als wäre es real.

So was kann ich nicht träumen  außer ich bin Alice und das ist das Wunderland …

 

 


Ela Bellcut

 

Das Buch „Aderunita I – Das Seelenband“ ist im Juni erschienen. Ihr könnt es auf amazon* kaufen.

 

Eine Übersicht aller Teilnehmer*innen findet ihr bei #ProjektArbeitstitel – Was ist das?


mit * gekennzeichnete Links sind affiliate Links des amazon Partnerprogramms. Falls ihr ein Produkt über den Link kauft, entstehen für euch keinerlei Mehrkosten, ich erhalte jedoch einen kleinen Anteil als Provision.

Katania de Groot #ProjektArbeitstitel

Katania de Groot #ProjektArbeitstitel

Katania de Groot #ProjektArbeitstitel

Ich freue mich sehr, #ProjektArbeitstitel mit einer so wunderbaren und coolen Person zu eröffnen: Katania de Groot! Ihr Debut „Wolfkisses: Ankunft der Jäger“ erscheint übrigens in genau einer Woche. Höchste Eisenbahn also, Katania näher kennen zu lernen!

Hallo! Ich bin Katania. Ich komme aus der Nähe von Erlangen und schreibe eigentlich schon immer. Nur, dass ich es offiziell mache, ist erst ein Jahr her.

 

Wolfkisses und andere Projekte

 

Welche Projekte sind gerade in Arbeit? Erzähl uns doch ein bisschen davon!
Gerade fertig und in Druck ist der erste Band von Wolfkisses. Einer Wolfwandler-Dark-Romantasy-Reihe. Mich hat geärgert, dass Männer in Romance eigentlich immer übergriffig dargestellt wurden. Noch mehr, wenn sie in irgend einer Form paranormal sind. Das war etwas, dass ich anders machen wollte. So entstand der Plot für Sofie und Luke. Dazu kam dann der von Becca und Alex, in den ich mich vielleicht ein bisschen zu sehr verliebt habe.

Wie schauen die Pläne für dein Projekt aus?
Der erste Wolfkisses Teil, Ankunft der Jäger, erscheint am 20. Mai. Wenn alles so läuft, wie ich mir das vorstelle, soll hier halbjährlich ein neuer Teil erscheinen. Auf Steampunk und Dystopie werdet ihr noch etwas warten müssen. Ich will beide Geschichten erst vollständig fertig haben und konzentriere mich aber aus Zeitgründen vor allem auf die Wölfe.

Magst du uns verraten, was für Ideen evtl. noch in der Schublade schlummern?
Einiges! Ich plotte gerade eine Steampunk-Piraten Geschichte mit paranormalen Meereslebewesen, von der ich noch nicht so wirklich sicher bin, wo sie mit hinführen wird. Bis jetzt haben wir da Piraten-Sirenen-Dämonen. Dann gibt es da noch diese »King Arthur trifft auf Robin Hood Dystopie« auf die ich mich total freue.

 

Schreiballtag

 

Was ist deine größte Herausforderung im Schreibprozess?
Das ständige Wechselbad zwischen »Boar ist das geiler Scheiß« und »Das kann man doch niemanden lesen lassen« Ich hab ungefähr das Selbstvertrauen einer Kartoffel und das ist es, was mir den ganzen Prozess teilweise recht schwer macht.

Hast du eine Schreibroutine?
Ich würde sagen halbberuflich?  Ich habe das Glück sehr viel Zeit zum Schreiben zu haben und diese auch zu nutzen. Allerdings verdiene noch nichts damit. Aber selbst, wenn ich gerade nicht schreibe, arbeite ich im Hintergrund meiner Gedanken an Plot, Figuren, Dialogen. Es ist eigentlich immer präsent.

Welchen Tipp würdest du deinem Vergangenheits-Ich geben, das gerade mit dem Schreiben anfängt?
Lass dich nicht kleinreden. Du hast etwas zu sagen? Dann sag es auch.

 

Motivation

Hast du Vorbilder bzw. Menschen, die dich inspirieren und motivieren?
Ich habe einige Autorinnen, mit denen ich mich austausche. Darunter Katrin Ils, Jill Noll und Kathy Wild. Dazu kommen viele liebe Autoren auf Twitter, das Gemeinsamkeitsgefühl, das dort entsteht, hat mir unglaublich geholfen und dank der LitCamps konnte ich so viel lernen. Austausch ist etwas, dass ich jedem empfehlen kann.

Was sind deine Wünsche und Ziele für die Zukunft?
Vermutlich ähnliche, wie jeder andere Autor auch. Irgendwann würde ich gerne vom Schreiben leben können und irgendwann vielleicht sogar anderen Autoren unter die Arme greifen.

Was war dein schönster Autor*innen-Moment bisher?
Ich habe meinen Testleserinnen das Manuskript ausgedruckt und zugesendet und als es zurückkam, und die Kommentare gelesen hab. Die Gefühle die ich hervorrufen wollte scheinen genau an den richtigen Stellen auch angekommen zu sein. Man könnte sagen, ich hab ein Bild mit Worten gemalt und meine Testleser konnten zu der Melodie tanzen.

 

Eine kleine Kostprobe…

Es ist ein Teil der Szene die ich schon in Leipzig bei #9lesen vorgetragen habe. Ich mag sie sehr gerne.

»Es riecht nach nassem Hund.« Die barsche Stimme im Nebenraum war ihm unbekannt. »Nach fremdem, nassem Hund. Wieso erzählst du mir nicht, was er hier zu suchen hat?«
»Ich habe es dir schon gesagt. Zwei Mal. Aber ich erkläre es dir auch gerne noch ein drittes Mal. Er war hier um mich abzuholen. Wegen eines Jobs.«
»Du hättest mich anrufen können, ich hätte dich gefahren.« Der Fremde knurrte, die Drohung darin jagte Luke einen Schauer über den Rücken.
»Und ich dachte, ich hätte dir ausreichend klargemacht, dass ich nichts mehr mit dir oder deinen Speichelleckern zu tun haben will.« Die Lautstärke in Sofies Stimme nahm zu. Sie hatte keine Angst vor ihrem Gegenüber. Etwas, das Luke von sich nicht sagen konnte. Die Clanmacht tobte in ihm. Verzweifelt versuchte sie, ihn zum Gehen zu bewegen, drängte ihn, den Laden und die Stadt zu verlassen. Und zwar, bevor King ihn bemerkte.
»Entschuldigung?«, sagte Luke und verfluchte sich im gleichen Moment selbst dafür. »Sofie, du hast die Notizen liegenlassen.« Er klammerte sich an das Klemmbrett und betete, dass der Schutz durch die Arbeit ausreichte, obwohl er seinen zweiten Besuch nicht angemeldet hatte.
Sofie kam aus dem Hinterzimmer zum Tresen.
»Danke, Luke.« Sofie griff über die Theke und legte ihre Hand auf seine.

Er zuckte zusammen, als der fremde Wolf den Raum betrat. King musterte ihn abfällig, dann beugte er sich zu Sofie herab und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange. Für einen Moment schloss Luke die Augen. Seine Fingernägel gruben sich in die Handballen, wo sie deutliche Spuren hinterließen.
Jede von Kings Handlungen drückte Missbilligung aus. Der kurze Kuss gehörte genauso dazu, wie die Tatsache, dass er den Wolf in Luke komplett ignorierte.
Luke sank in sich zusammen, damit er möglichst klein und ungefährlich wirkte. Klein, ungefährlich, unscheinbar. Bloß nicht auffallen. Sein Mantra bei jeder Begegnung mit einem Fremden.
King schritt an dem Tresen vorbei und Luke drückte sich gegen ein Pflanzenregal, um ihm möglichst viel Platz zu lassen. Einen Moment blieb der Ranghöhere neben ihm stehen und musterte ihn. Luke senkte den Blick, gab so auch in der menschlichen Gestalt seinen Nacken frei um seine Unterlegenheit deutlicher zu betonen. Es gab hier keine Gefahr für den Warith, nur Bestätigung. King schnaubte abfällig, ehe er den Weg zum Ausgang fortsetzte.
Erst als die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war, wagte Luke, sich zu bewegen. Er sah auf. Sofie musterte ihn.

»Es tut mir leid, ich hätte gehen sollen.«
Mit wenigen Schritten umrundete sie die Theke und griff nach seinen Händen. »Beruhig dich. Es ist alles in Ordnung.«
»Das war dein Freund?« Seine Stimme versagte mitten in der Frage.
»Mein Ex-Freund und ja, er und bevor du fragst: Ja, sein Benehmen ist der Grund dafür, dass ich nicht mit Werwölfen ausgehe.«
Luke lachte auf. »Jede Wölfin würde dir erklären, dass er ein äußerst guter Fang ist.«
»Wenn man darauf steht, als Besitz oder Trophäe angesehen zu werden, vielleicht. King ist so sehr Wolf, dass er immer vergisst, dass ich ein Mensch und kein Wolf bin. Ich kann nicht immer gegen ihn kämpfen. Ich will keinen Mann, dessen Gene dafür sorgen, dass er versucht, mich zu dominieren. Damit will ich nicht leben-«, sie lächelte gequält, »Ich bin eine eigenständige Person und ich will nicht darum kämpfen müssen, es zu sein.«


Katania de Groot

 

Das Buch „Wolfskisses: Ankunft der Jäger“ erscheint am 20.05.2019 im Selfpublishing. Ihr könnt es bei amazon* bereits vorbestellen.

 

Eine Übersicht aller Teilnehmer*innen findet ihr bei #ProjektArbeitstitel – Was ist das?


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[Rezension] Sépharial – Verwoben von Jana Tomy

[Rezension] Sépharial – Verwoben von Jana Tomy

[Rezension] Sépharial – Verwoben von Jana Tomy

Endlich ist es soweit! Vor wenigen Tagen erschien „Sépharial – Verwoben“, das Debüt meiner guten Freundin, Schreibkollegin und Mit-Podcasterin Jana Tomy. Gemeinsam haben wir bei 9lesen in Leipzig auf der Bühne gestanden und dieser Abend wurde gekrönt, indem Denise vom Gedankenreich Jana nach ihrer Lesung gesagt hat: „Ich will dein Buch!“. Und nun ist es soweit. Ich bin so stolz und glücklich!

Ich habe ein Ebook vom Gedankenreich Verlag als Rezensionsexemplar vorab zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank! Natürlich werde ich mich trotzdem um Objektivität bemühen, aber ein bisschen fangirlen muss ich wohl doch.


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  • Autorin: Jana Tomy
  • Titel: Sépharial – Verwoben
  • Verlag: Gedankenreich Verlag
  • Genre: Romantasy
  • 466 Seiten, Ebook: 2,49€ | TB: 15,90€ | geb.: 20,90€
  • Teil 1 von vorraussichtlich 2
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Lathalia ist die Tochter eine reichen Familie und lebt einer Welt, die voll von Schnee und Kälte ist. Das Haus ist mehr ein goldener Käfig, doch als der Soldat Nikion in ihr Leben tritt, verändert sich alles. Doch der Frieden soll nicht lange dauern, denn die Kollegen ihres Vaters werden nach und nach bestohlen.
Fanai ist ein Dieb, der in einer Welt voll Sonne und Staub lebt. Er kämpft sich jeden Tag aufs Neue durch, um seine Lieben zu beschützen. Eines Tages beauftragt ihn ein geheimnisvoller Mann mit dem Diebstahl von besonderen Steinen, mit denen man ferne Welten bereisen kann: die Sépharial. Fanai sieht darin die Chance, sich und seine Schwester endlich befreien zu können. Doch er kann nicht ahnen, dass er damit nicht nur sein Leben, sondern das Schicksal mehrerer Welten riskiert.


Meine Meinung:

Zuerst möchte ich etwas über die Aufmachung sagen. Bisher habe ich ja „nur“ das Ebook, aber auch das ist so schön gestaltet! Neben dem schmucken Cover gibt es im Buch zahlreiche Grafikspielereien. So sind die Kapitel mit Mustern verziert. Ich liebe solche Details. Auch das Hardcover wird unter dem Schutzumschlag eine wunderschöne Gestaltung haben wie die Fotos bereits verraten. Ich freue mich schon auf meine signierte Ausgabe, die ich mir schon lange vorbestellt habe.

Aber nun zu den inneren Werten des Buches!

Janas Schreibstil lässt sich locker und flüssig, die Beschreibungen sind wunderschön und detailreich. Aber man wird nie davon erschlagen oder ausgebremst. Wunderbar!

Bei Hofe…

Im Buch wechseln sich die Perspektiven unserer beiden Protagonisten Lathalia und Fanai ab. Zwischendurch sind kurze Briefe und Manuskripte von Marial, der lange Zeit vor den beiden gelebt hat, aber auch etwas mit den magischen Kristallen zutun hatte.

Jana Tomy, 2019 (Foto von Chris Burchert)

Jana kann wirklich nichts dafür, dass ich schon zig Bücher gelesen habe, bei denen Mädchen aus gutem Hause unzufrieden mit ihrer Situation sind. Am liebsten würde ich die ganzen Tändeleien „bei Hof“ immer überspringen. Das ging mir bei der Grischa Trilogie und zahlreichen anderen Büchern schon so. Ränkespiele, Kleiderproben, Streitigkeiten mit den Eltern über die Etikette – das hat den Anfang für mich ein klitzekleines Bisschen zähflüssig werden lassen. Absoluter Lichtblick waren die Begegnungen und Dialoge mit Nikion, die das ganze etwas aufgelockert haben!

Nikion war so geduldig, zuvorkommend und nett, dass ich ein bisschen sauer war, wie gemein Lathalia oft zu ihm ist. Nikion mochte ich über das ganze Buch über sehr gern. Er war warm, klug und irgendwo auch unsicher und verletzlich. Das ließ ihn auf mich total sympathisch wirken. Gleichzeitig weiß ich nie so ganz genau, ob er nicht doch etwas Größeres im Schilde führt.

Lathalia war mir insgesamt oft sehr unsympathisch. Viele ihrer Entscheidungen waren impulsiv, rücksichtslos und egoistisch. Auch, wenn sie sich im Laufe des Buches weiterentwickelt hat, wurde ich nicht warm mit ihr. Die Geschichte mit ihrem Bruder war traurig und hat der ganzen Familie nochmal einen interessanten Twist gegeben. Aber so ganz hat es mich emotional nicht abgeholt. Und Lathalias Mutter war so klischeehaft bösartig und streng, dass ich ab und zu die Augen verdrehen musste.

Araja, die Freundin und Dienerin von Lathalia, war mir ein bisschen zu blass. Sie hatte nicht so viele Szenen und wirkte sonst etwas generisch, mechanisch.

Bei den Dieben…

Fanais Welt hat mir viel besser gefallen als das Schneereich. Vermutlich weil wir bei Lathalia die Mauern des Hauses kaum verließen und bei Fanai einen Einblick in die ganze Welt bekommen. Wie die soziale Ordnung ist, welche Regeln und Gepflogenheiten herrschen. Fanai wurde als Kind vom Verbrecherkönig Marorck aufgenommen, der seine Eltern getötet hat. Seine einzige Verwandte, seine Schwester, lebt nichtsahnend bei einer Adoptivfamilie. Um sie zu schützen und ihr ein gutes Leben zu ermöglichen, lebt und arbeitet Fanai. Unterstützt wird er dabei von Marorcks Tochter Kjanja, die ganz anders ist als ihr Vater.

Diese ganzen interessanten Beziehungen und Dynamiken haben Fanais Abschnitte spannend gemacht. Bei ihm ging es oftmals actionreich und turbulent zu, was mir besser gefallen hat als Lathalias Gestreite mit ihrer Mutter.

Kjanja hat mehr Interesse und Sympathie in mir geweckt als Lathalia. Die Bedingungen unter denen sie aufwachsen musste, mit denen sie leben muss und die Leidenschaft und ihr gutes Herz machen sie zu einem meiner Lieblingscharaktere des Buches. Umso wütender macht es mich, wie Fanai und Lathalia sie an manchen Stellen ausnutzen und ihre Gefühle Fanai gegenüber als Mittel benutzen. Sie hat Besseres verdient.

Es knistert!

Wie ihr vielleicht am Genre gesehen oder am Cover erkannt habt: Es handelt sich bei „Sépharial – Verwoben“ um romantische Fantasy und – wie könnte es anders sein – Lathalia und Fanai kommen sich näher. Und das, obwohl Lathalia eigentlich Nikion lieben sollte! Schon bei ihrer ersten Begegnung waren sie fasziniert voneinander. Immer wieder bewundern sie *Hier Eigenschaft einfügen* am anderen. Fanai bewundert z.B. oftmals Lathalias Mut und ihre Klugheit, wo ich nur laut seufzen bzw. nicht zustimmen könnte. Dass ich Lathalia echt nicht mochte, hat leider auch ein bisschen dafür gesorgt, dass bei mir die Funken über dieses Pairing nicht so übergesprungen sind. Manchmal war es mir auch eine Spur zu kitschig, aber ich weiß, dass das vielen Leser*innen gefällt. (Obwohl ich vergleichsweise viele Bücher mit Liebesgeschichten lese, darf es bei mir nie zu romantisch sein. Hahaha)

Allerdings mochte ich die „subtile“ Romantik. Dass sie nicht auf Seite 70 bereits übereinander herfallen und ständig in brünftiger Hitze standen. Sondern dass es vorallem eine sich entwickelnde Beziehung war. Ich hätte mir noch etwas mehr Zeit, mehr Gespräche gewünscht, denn letztendlich war mir diese tiefe Verbundenheit bzw. Liebe zu schnell erreicht. Verknallt sein, gerne. Aber Liebe, für die man bereit ist, alles aufzugeben? Hmmm.

Positiv anzumerken ist außerdem, dass Fanai sehr respektvoll und behutsam mit Lathalia umgeht und ihre Grenzen achtet. Keine toxischen Bad Bod Boyfriends also, juchu!

Abenteuer!

Ich mochte auch die Thematik um die Sépharial-Kristalle. Gleichgewicht, Einklang mit der Natur. Und die Gier der Menschen, die das Leben anderer zerstört und schwerer macht.

Das Ende entwickelt nochmal eine spannende Dynamik und lässt auf einen Nachfolgeband hoffen. Trotzdem ist es kein fieser Cliffhanger. Gerade der letzte Brief taucht alles nochmal in ein anderes Licht, was mich allerdings etwas skeptisch macht. Ich bin gespannt, wie Jana diese Geschichte zu Ende bringen wird und werde den zweiten Band auf jeden Fall auch lesen.

Es gab viele Dinge, die mich gestört haben. Vieles davon waren Kleinigkeiten oder meine Marotten. Doch insgesamt hatte ich Freude an der Geschichte und beim Lesen.

 

Fazit:

Wer Romantasy, fantastische Welten und klassische Abenteuer mag, der darf bei diesem Buch gerne zugreifen! Jana Tomy entführt mit ihrem geschmeidigen Schreibstil in zwei besondere Welten. Mit Fanai und Lathalia erleben wir unterschiedliche Perspektive und Blickpunkte, was das Buch nochmal abwechslungsreicher macht. Über ein paar Längen und die schnelle Verliebtheit kann man deswegen leicht hinwegsehen. Es gibt garantiert keine übersexy Bad Boys, die übergriffig werden, sondern eine interessante Beziehung, in der beide Charaktere voneinander lernen. An ein paar Stellen ist sicherlich noch Luft nach oben, aber Jana hat ein solides Debüt abgeliefert!

 

Weitere Meinungen:
  • Lesen im Mondregen
  • Du hast eine Rezension zu „Sépharial“ geschrieben? Schreib mir gerne einen Kommentar, dann füge ich dich hier ein!

 


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[Rezension] Zeitlose – Doras Erwachen von Eva-Maria Obermann

[Rezension] Zeitlose – Doras Erwachen von Eva-Maria Obermann

Ich respektiere die liebe Eva nicht nur als großartige Autorin und Bloggerkollegin, sondern zähle sie auch als Freundin. Nachdem ich bei einer Leserunde Band 1 der Zeitlose Reihe gelesen hatte, war klar: Ich muss wissen, wie es weitergeht! Das Buch von der lieben Eva übrigens als Rezensionsexemplar geschenkt bekommen, aber leider bin ich erst jetzt dazu gekommen, es zu lesen.
Ob es den ersten Teil übertreffen konnte? Die Leseprobe zum Buch habe ich übrigens anlässlich des Erscheinens vertont.

Eva-Maria Obermann: Zeitlose 2 – Doras Erwachen


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  • Autorin: Eva-Maria Obermann
  • Titel: Zeitlose – Doras Erwachen (Band 2 der Zeitlose Trilogie)
  • Verlag: Schwarzer Drachen Verlag
  • Genre: Urban Fantasy, Romantik
  • 314 Seiten, Taschenbuch: 14,90€ | Ebook: 6,90€
  • auf amazon* anschauen

Worum geht’s?

Dora ist nach den Ereignissen um Nathan, Fiona, Simeon und Nancea aus dem ersten Band sehr verwirrt. Sie weiß nicht mehr, was ihre Träume oder Gefühle sind und wer sie selbst ist. Oder wer sie sein möchte? Mit der Hilfe ihrer besten Freundin Anna und deren Partner Carl, versucht sie ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Doch anstatt von Nancea zu träumen sieht Dora nachts nun die Bilder und Geschichten anderer Frauen, die ebenfalls von Nancea träumten. Und die meisten von ihnen starben eines schrecklichen Todes. Dora spürt, dass es noch nicht vorbei ist und als sie den Mädchen auf den Grund geht, muss sie sich unweigerlich wieder mit Nathan auseinandersetzen. Außerdem steht Oscar vor der Tür und will eine zweite Chance. Unverhoffte Hilfe findet sie in einem kleinen mysteriösen Buchladen in den Gassen Mannheims…


 

Meine Meinung:

Der erste Band endete zwar nicht mit einem fiesen Cliffhanger, aber ich war doch sehr neugierig, wie es weitergeht. Einige Fragen blieben ungeklärt und vor allem Doras Leben war ordentlich durcheinander gewürfelt. Damit hatte sie in der ersten Hälfte auch ordentlich zu kämpfen. Panikattacken, soziale Isolation, depressive Züge – Dora hatte es nicht leicht, doch ihre liebenswerte Mitbewohnerin Anna und deren Freund Carl waren stets an ihrer Seite um Dora aufzubauen.

Nach allem, was Dora durchmachen musste, fiebert man mit ihr und wünscht sich so sehr, dass sich alles zum Guten wendet. Im ersten Teil war ich definitiv für ihren Oscar, doch im zweiten Teil merkte man deutlich, dass er aufdringlich ist und Dora nicht den Freiraum lässt, den sie braucht. Auch Nathan war keine große Hilfe, denn wenn er auftrat, brachten seine Handlungen Dora noch mehr durcheinander.

 

Turbulente Träumerei

Anstatt von Nancea und Simeon zu träumen, wurde Dora nun von anderen Visionen heimgesucht. Körperlich einnehmende und viel zu reale Träume von den Mädchen, die ihr Schicksal teilten und meist eines unglücklichen Todes starben. Mädchen, die es nicht geschafft hatten, Nancae und Simeon zu retten oder loszulassen, die von den Träumen aufgefressen oder in den Wahnsinn getrieben wurden. Dora spürt, dass diese Träume wieder etwas bedeuten, doch sie verschließt sich, will flüchten. Ihre Verletzlichkeit und ihre Erschöpfung wurde hier deutlich, jedoch hat mich in der ersten Hälfte des Buches ihr Unwillen etwas zu verändern, sich Hilfe zu holen (außer von Freundin Anna) oftmals aufseufzen lassen. Sie versank in Gedankenspiralen und Selbstmitleid, sodass es Dora selbst und mir als Leserin irgendwann ein wenig auf die Nerven ging.

Aber sobald Dora über die Schwelle von Elisabeths Buchladen stolperte, nahm das Buch Fahrt auf. Dora erwachte aus ihrer Ohnmacht und begann, endlich wieder zu forschen, zu hinterfragen und zu agieren. Die vielen Offenbarungen und neuen Erkenntnisse, die Entwicklung der Träume und ihrer Bedeutung fand ich total spannend. Immer wieder Erinnerungsschnipsel gemischt mit dem langsame Vortasten – das war superspannend. Dass dabei Doras Privatleben – also Oscar, der um eine zweite Chance bettelte; ihre Freundin Anna und deren Probleme; die Uni – nicht komplett ausgeblendet wurde, fand ich sehr gut und realistisch. Außerdem hat es die Spannung nochmal gekitzelt, wenn Dora nicht weiterforschen konnte, sondern sich anderen Dingen widmen musste.

Das Leben kommt einem eben oft dazwischen.

Das Finale war wiedereinmal grandios konstruiert – wie es sich langsam zugespitzt hat, dann die Offenbarung wie ein Knall und ein Showdown. Das Ende vom zweiten Band ist deutlich fieser als von Band 1. Denn mit all den gewonnen Erkenntnissen und den großen Schritten in die richtige Richtung ist Dora nicht nur erwacht, sondern voll in Aktion. Und das ist einfach nur cool!

Einfach traumhaft!

Evas Schreibstil ist eine angenehme Abwechslung. Sie schafft es gefühlvoll und intensiv zu schreiben, ohne Kitsch und Überdramatisierung. Auch Alltagshandlungen, Essen, Gerüche, Sinneseindrücke webt sie mit Leichtigkeit in die Geschichte ein, zeichnet lebendige Charaktere und Bilder im Kopf.

Während es in Band 1 vor allem um Nancea und Simeon ging, lernen wir in Band 2 die eigentliche Heldin Dora besser kennen. Und ihre Entwicklung ist wirklich großartig. Wie sie ihren Weg geht, sich sucht, zweifelt, liebt und auch mal schlechte Entscheidungen trifft – das fand ich großartig. Aber es wird auch klar, dass die Unterstützung guter Freunde unabdingbar ist. Und solche Freunde wie Anna und Carl kann man sich einfach nur wünschen. Deswegen hat es mich sehr gefreut, dass auch die beiden ihre Zeiten im Buch hatten. Die Probleme und Sorgen der anderen Charaktere gingen nicht unter, auch wenn Dora oft mit sich selbst beschäftigt war. Die innige Zuneigung und das Band der Freundschaft zwischen Anna und Dora wurde deutlich.

Originelle Entwicklungen

Für eine traumhafte Urban Fantasy/Romantasy Geschichte geht „Zeitlose“ neue Pfade. Mannheim und unsere Zeit als Schauplatz sind der Anker, der uns nach den traumhaften Sequenzen daran erinnert, dass wir es hier mit Menschen zu tun haben. Realen Menschen, die lieben, leiden und sterben. Dora ist eine erwachsene Frau mit Zielen, Wünschen, aber auch Verpflichtungen. Die treten keinesfalls in den Hintergrund, nur weil übersinnliche Träume oder Ereignisse sie heimsuchen. Die Arbeits- bzw. Uni-Welt hat nicht so viel Verständnis und lässt nicht so viel Zeit für Nachforschungen und Träumereien. Realistik in einem sonst verträumten Roman. Und soll ich euch was sagen? Das finde ich sehr gut. Viel zu oft läuft Urban Fantasy nach einem Schema ab, dass mit Auftreten den Love Interests oder der Schwierigkeiten alles egal wird – Arbeit, Miete, Essen, Familie, alte Freunde, Wäsche waschen. Nur, weil wir Magie haben, löst sich das Ganze in „Zeitlose“ nicht von Zauberhand auf, sondern bereitet den Charakteren eben zusätzlich Probleme. Diese Prise Realismus macht „Zeitlose“ für mich zu einer erwachsenen und besonderen Reihe.

Wer ungewöhnliche romantische Urban Fantasy Geschichten mit Träumen und Geheimnissen mag, kommt voll auf seine Kosten. Alle Fans von klischeehafter Liebe-auf-den-ersten-Blick und dem linearen Schema von Liebesgeschichten mit viel Fluff, Gepimper und Gesülze sollten lieber die Finger von „Zeitlose 2“ lassen.

Fazit:

Die erste Hälfte war durch Doras innere Konflikte ein klitzekleines Bisschen zäh, aber ab der zweiten Hälfte nahm die Geschichte wie gewohnt Fahrt auf und das rasant. Evas sanfter, malerischer Schreibstil, ihre gefühlvollen und aufmerksamen Beschreibungen machen das Buch zu einem Lesegenuss! Das Ende lässt mich neugierig und aufgekratzt zurück. Ich kann es kaum erwarten, bis Band 3 erscheint!

Weitere Meinungen:

 


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Zeitlose 2 – Doras Erwachen erscheint heute!

Zeitlose 2 – Doras Erwachen erscheint heute!

Das Abenteuer um Dora, Nathan und CO. geht weiter!

Nebst den Göttern von Liza Grimm feiern heute auch die Träumer rund um Dora & Co. Release! Der zweite Band von „Zeitlose“ erscheint heute beim Schwarzer Drachen Verlag. Meine Rezension zum ersten Band findet ihr hier.

„Zeitlose 2 – Doras Erwachen“ von Eva-Maria Obermann

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[Rezension] Shadow and Bone von Leigh Bardugo

[Rezension] Shadow and Bone von Leigh Bardugo

Das Lied der Krähen“ war 2017 in aller Munde. Ich habe es auch hier liegen und möchte es unbedingt lesen. Es spielt in einer russisch-skandinavisch angehauchten Fantasywelt von Autorin Leigh Bardugo, in der es sog. „Grisha“ gibt, die magische Fäigkeiten haben. Im englischen wird dieses Universum als „Grishaverse“ bezeichnet. Zwar lässt sich die Krähen-Duologie unabhängig lesen, aber es wurde mir mehrfach empfohlen, die ursprüngliche Trilogie um Alina Starkov zu lesen. Spätestens nach dem Interview mit Leigh Bardugo bei Bookplanetarium war ich ziemlich angetan.

In der heutigen Rezension geht es um „Shadow and Bone“ von Leigh Bardugo.

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Ich habe mich selbst zu Weihnachten mit einem wunderschönen Schuber* beschenkt (Leider sind die deutschen Hardcover so gut wie vergriffen und Band 3 erschien nicht als Taschenbuch, weshalb ich zur englischen Variante gegriffen habe). Dem Schuber liegt außerdem ein Poster mit der Weltkarte bei.


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Da ich die Bücher auf Englisch gelesen habe, sind mir nicht alle deutschen Begrifflichkeiten bekannt. Ich hoffe, das ist nicht allzu schlimm.

Worum geht’s?
Eine an Russland und Skandinavien angelehnte Fantasy-Welt. Es gibt normale Menschen und die magisch begabten Grisha. Alina und ihr Freund Mal dienen in der Armee des Zars von Ravka. Alina ist Kartografin, Mal ein Fährtenleser. Gemeinsam mit ihrer Einheit sollen sie die Ödsee – ein schattenhaftes, verfluchtes Meer voller Monster – überqueren. Die Überfahrt ist gefährlich und schwächt das von Feinden umgebene Land. Dennoch wagt die Einheit einen Versuch und gerät prompt in Schwierigkeiten. Alina entdeckt in ärgster Not eine besondere Fähigkeit – könnte sie selbst eine Grisha sein? Noch dazu eine, der es gelingen könnte den Schattenriss zu verschließen. Ein mächtiger Grisha im Dienste des Zaren, den alle nur „Den Dunklen“ nennen nimmt Alina direkt mit zum Hof, um ihre Fähigkeiten zu trainieren und sie zu stärken. Zuerst ist Alina von den schillernden Veränderungen am Zarenhof und ihrem Schicksal nicht überzeugt, aber sie beginnt ihr Herz nicht nur für Veränderungen zu öffnen. Doch kann sie dem Dunklen wirklich vertrauen? Wird es ihr gelingen die Ödsee ein für alle mal zu schließen und ihr eigenes Land zu retten? Und was geschieht mit ihrem Sandkastenfreund Mal, von dem sie seit ihrer Abreise nichts mehr gehört hat?

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Meine Meinung:

Ich fühlte mich sofort in den Bann der Welt gezogen. Leigh Bardugos Schreibstil führt einen sanft in die Geschichte hinein, die Welt wird sachte aufgebaut und im Verlauf erklärt. Nur manchmal musste ich zur Karte und einer Liste mit Begriffen zurückblättern, um nachzusehen was genau gemeint war.

Die Geschichte klingt runtergebrochen unspektakulär: Mädchen, das in Jugendfreund verliebt ist, entdeckt mächtige Kräfte und wird an den Königshof gebracht, wo sie lernt und über sich hinauswachsen muss. Dort gibt es neue Bekanntschaften, Intrigen und Gefahren und einen weiteren Kandidaten, der ihr Herz stehlen könnte. Je näher die Entscheidungsschlacht rückt, desto mehr Verschwörungen tun sich auf.

Leigh Bardugo schafft es, dieses schlichte Fantasy-Setting in ein schickes Gewand zu verpacken. Dennoch ist die Grundgeschichte nicht unbedingt der stärkste Punkt des Buches, denn es bleibt anfangs zu seicht, zu „Kleine-Mädchen-Traum-wird-wahr“. Wird man am Anfang direkt mit Alina und Mal in die Ödsee geworfen und muss den schrecklichen Monstern ins Gesicht sehen, so flacht es danach stark ab. Man muss als Leser doch einige mühselige Trainingssequenzen und Hofgeschnatter, sowie Ankleidungsszenen über sich ergehen lassen, ehe es wieder actionreicher wird. Bis zum Finale hin bleibt es dann allerdings spannend und man möchte unbedingt wissen, wie es für Alina ausgehen wird. Der Plottwist war nicht komplett unvorhersehbar, aber ich fand die Umsetzung gut gemacht. Leigh Bardugo scheut jedenfalls nicht davor, ihre Charaktere auch ordentlich in den Dreck zu schubsen und leiden zu lassen. Am Ende bleiben noch einige Fragen offen, die sich hoffentlich in den nächsten Bänden klären. Ich bin jedenfalls heilfroh, den ganzen Schuber hierzuhaben, denn ich habe das Buch in einem Tag durchgesuchtet.

Alina Starkov, unsere Protagonistin, ist ein Waisenmädchen, das heimlich in ihren besten Freund Mal verliebt ist. Sie denkt, sie sei mehr als nur gewöhnlich, lässt sich aber davon nicht einschüchtern, sondern geht ihren Weg als Kartografin der Armee des Zaren. Sie ist jung und ein wenig naiv, aber weder strunzdumm, noch total überlegen, als sie ihre besonderen Kräfte entdeckt. Einfach irgendwie angenehm. Sie wird vom Dunklen, vom Zaren und vielen als Heldenfigur instrumentalisiert und findet das anfangs gar nicht so unangenehm. Vom Tellerwäscher zum Millionär, danach sehnen wir uns alle insgeheim, oder? Alina sagt meistens, was sie denkt, ist dabei aber nicht unsensibel, sondern jugendlich forsch. Zwar hatte ich bis zum Ende nicht das Gefühl, dass ich sie besonders gut kenne, aber sie ist eine Heldin, mit der sich viele junge Mädchen identifizieren können.

Maljen, Alinas Sandkastenfreund, ist ein netter, gutaussehender Kerl. Zuerst bemerkt er Alinas Schwärmerei für ihn nicht. Da er während einem Großteil des Buches nicht direkt vorkommt, bleibt auch er ein wenig blass. In der englischen Ausgabe war jedoch hinten als Extra ein Brief von ihm für Alina angehängt. Er ist ein aufrichtiger, tapferer und guter Kerl, den man gerne und schnell mag. Ich wünsche mir etwas mehr Ecken und Kanten für Band 2!

Der Dunkle ist so gesehen wohl der interessanteste Charakter. Sein Ruf, die Geschichten, die sich um ihm spinnen und die Pläne, die er schmiedet. Dadurch, dass wir nur stückchenweise erfahren, was er will und welche Ziele er verfolgt, wirkt er interessant. Er ist der dunkle, erwachsene Teil, der im Gegensatz zu Alina einen angenehmen Kontrast bildet.
Die Nebencharaktere waren  ziemlich stereotyp. So hatte man bei Hof die klassische, zickige Rivalin, das nette Dienstmädchen, einige Alibi-Freundinnen und urige Lehrmeister. Der Antagonist gefiel mir gut, so machten seine Handlungen und Ziele durchaus Sinn, sind aber moralisch fragwürdig, genau wie seine Methoden.

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Wenn man nur die Charaktere und die Grundgeschichte nimmt, dann hat man ein mittelmäßiges Buch. Aber ich möchte euch den größten Pluspunkt nicht vorenthalten: Das Setting und den Weltenbau. Die Welt ist detailreich, die Schnipsel über Magie, über Verstärker, Folklore und verschiedene Grisha-Fertigkeiten machen dieses Buch zu einem besonderen Schmankerl. Die Karten, die Topographie, die Länder – alles ist gut durchdacht und nicht nur als Kulisse für eine Liebesgeschichte hingeklatscht worden. Wir haben nicht die klassischen Elfe-Zwerge-Drache-Fantasy Welt, sondern etwas ganz Eigenes. Eine Welt, die ähnlich wie Hogwarts oder Mittelerde, einzigartig fantastisch ist und Lust auf Mehr macht. Politische Beziehungen, gesellschaftliche Phänomene wie das Verehren von Alina als Heilige aufgrund ihrer Fähigkeiten – all das sind kleine Details, die die Welt zum Leben erwecken und es so unfassbar spannend machen. Die Welt lebt und interagiert mit den Charakteren. Anders als z.B. bei „Throne of Glass“ oder „Auf immer gejagt“ hatte ich hier das Gefühl, dass die Geschichte genau in diesem Setting spielen muss, um zu funktionieren. Für mich ist das bei Fantasy ein gutes Zeichen!

„Shadow and Bone“ war Leigh Bardugos Debut und man merkt ihm sicherlich einige Kinderkrankheiten an, aber ich habe mich vor allem in die wunderbare Welt, in Ravka, die wahre See, in Fjerda und Kerch verliebt. Der Schreibstil liest sich flüssig, ist angenehm und abwechlslungsreich. Spannende Szenen und Kämpfe könnten für meinen Geschmack durchaus noch etwas knackiger werden, aber ansonsten habe ich nicht mehr viel zu meckern. Neben Sarah J Maas ist Leigh Bardugo eine der gefeierten Fantasy-Autorinnen des aktuellen Jahres – der Auftakt zu beiden Reihen hat mir gut gefallen und ich kann trotz einiger Minuspunkte bei Shadow and Bone nicht weniger Seesterne vergeben als bei Throne of Glass. Denn bisher gefällt mir Leigh Bardugos Welt und die Geschichte besser! Schnell, wo ist Band 2?

Fazit:

Die Geschichte ist eine klassische Helden-Romantasy-Reise ohne groß mit den Erwartungen zu brechen. Das Buch als Ganzes hat mich aber komplett abgeholt, was nicht zuletzt an Leigh Bardugos tollem, flüssigen Schreibstil liegt. Umgehauen hat mich die umfangreiche und liebevoll gezeichnete Fantasy-Welt, die Leigh Bardugo hier erschaffen hat. Eine Welt, die inspiriert und zum Träumen anregt. Weltenbau der ganz großen Art! Ich habe unglaublich Lust auf weitere Bücher aus dieser Welt und sehe sehr viel Potenzial für weitere Geschichten aus dem Grisha-Universum. Eine klare Leseempfehlung für Fantasy-Fans!

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Weitere Stimmen zum Buch:


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Interview Mary Cronos #03 – Schottische Mythologie

Interview Mary Cronos #03 – Schottische Mythologie

Ich darf euch zu einem neuen Interview begrüßen! Mary Cronos, die mir schon für zwei Videos Rede und Antwort gestanden hat, hat mir ein paar Fragen zu ihrem neuen Buch beantwortet. Zum Release von „Houston Hall – Schatten der Vergangenheit“ wollen wir uns ein bisschen genauer ansehen, was diesen Titel so besonders macht. Tauchen wir also ab in die faszinierende Welt der schottischen Mythologie…

Schottische Mythologie spielt eine wichtige Rolle in deinem Buch – griechische oder nordische Mythologie, das sieht man häufiger. Wie bist du auf genau dieses Thema gestoßen?

Mary: Als diese Geschichte vor vielen Jahren (beinah so alt wie Nafishurs Idee) geboren wurde, da wusste ich noch gar nicht, wo sie spielen sollte. Zu dieser Zeit war sie noch viel, viel allgemeiner gehalten. Aus heutiger Sicht erschreckend simpel. Als ich dann einen passenden Ort finden wollte, war mir nur klar, dass die Geschichte nach UK gehört. Ich schloss die Augen und zeigte blind auf einen Ort (zum Glück habe ich nicht die Nordsee getroffen): Dirleton. Damit war mit wachsender Komplexität der Geschichte klar, dass es um schottische/keltische Mythologie gehen muss.

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Dirleton Castle © visitscotland.com

 

Warst du schonmal in Schottland?

Bisher leider noch nicht. Für Houston Hall habe ich das große Glück gehabt, eine liebe Freundin auf Schottlandreise zu haben, die sich einen Tag nimmt, um meine Locations für mich kennenzulernen. So habe ich trotzdem Flyer, Fotos und Berichte von der Gegend, die unschätzbar wertvoll für mich waren.

Nichts desto trotz steht Schottland auf meiner Reise-Liste und wird von mir hoffentlich so bald als möglich besichtigt.

Hast du auch schottische Märchen und Sagen gelesen?

Ich habe tatsächlich viele Sagengestalten kennengelernt während meiner Recherchen. Einige davon haben es in mein Buch geschafft: Zum Beispiel die Baobhan Sith und die Ceasg, oder auch die Kelpies und Selkies.

Ganze Märchen oder Sagen habe ich nicht gelesen. Wohl aber von einigen Geschichten gehört, die ich gerne noch lesen würde. Sollte es zu Houston Hall einen zweiten Teil geben, dann würde ich eine solche gern deutlicher einbinden. Und bis es soweit ist, habe ich zum Glück noch einen Moment, um mich zu entscheiden.

Die meisten Wesen und auch Legenden, von denen ich las, sind eng mit dem Meer oder den Wäldern verbunden – in jedem Fall mit der Natur. Es scheint beinah so, als gäbe es nichts, das keine Bedeutung hat: Bestimmte Elemente, Farben, Bäume, Gesteine, Tiere. Das ist unglaublich inspirierend.

Unter Selkies und Kelpies kann ich mir noch grob etwas vorstellen, aber was sind Ceasg und Baobhan Sith?

Eine Ceasg würden wir wohl am ehesten als eine Meerjungfrau bezeichnen. Es gibt viele Wesen, die man in der Nordsee gesehen haben will. Die Kelpies und Selkies gehören auch dazu. Aber die Ceasg scheint von allen die freundlichste Gestalt zu sein. Halb Frau, halb Lachs, erfüllt sie dem, der sie fängt, drei Wünsche. Man kann sich vorstellen, dass es dementsprechend schwer ist, eine Ceasg zu fangen. Im Gegensatz zu den anderen Wesen habe ich zu ihr verhältnismäßig wenig gefunden. Um so spannender fand ich den Gedanken, mit ihrer Legende zu arbeiten und sie noch etwas … auszuschmücken.

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© Nsey Benajah on Unsplash

Kelpies sind – vor allem im Kontrast zur Ceasg – ziemlich niederträchtige Geschöpfe. Sie sind halb Pferd, halb Fisch (manchmal auch nur Pferd) und bieten Wanderern heimtückisch ihre Hilfe an, um das Wasser zu überqueren. Nimmt der Wanderer die „Hilfe“ an, war das seine letzte Entscheidung. Denn die netten Tierchen ertränken ihren Reiter und fressen ihn im Anschluss.

Selkies sind auch eher friedlich. Sie sind Robben, die an Land kommen können, ihr Fell ablegen und dann zu Menschen werden. Die meisten Selkiegeschichten, die ich gelesen habe, waren ziemlich traurig und haben mich irgendwie an Arielle erinnert.

Zuletzt wäre da noch die Baobhan Sith. Sie ist die schottische Version eines Vampirs. Diese besondere Version ist in vielen Punkten anders: Es gibt nur weibliche Baobhan Sith. Ein gebissener Mann stirbt, eine gebissene Frau wird verwandelt. Die Baobhan Sith sollen außergewöhnlich schön und harmlos aussehen und meist grün tragen – als Sinnbild ihrer Naturverbundenheit. Sie scheinen keineswegs Einzelgängerinnen zu sein. Der Blutdurst und die Jagd bei Nacht sind uns dafür aber nur zu vertraut.

Welche Parallelen bestehen z.B. zur europäischen Mythologie und worin liegen die Unterschiede?

Eine sehr gute Frage. Ich fürchte, dass ich im Grunde nicht qualifiziert genug bin, um mich dazu kompetent zu äußern. Also kann ich Dir nur meine persönlichen Entdeckungen verraten.

„Europäische Mythologie“ ist ein schwieriger Begriff. Das heutige Europa gab es so nicht, als all die Mythen und Legenden entstanden und tradiert wurden. Es gab die keltische und die germanische Mythologie, die römische und griechische. In der antiken Welt von Athen und Rom gab es vor allem die Götterfamilie, den Olymp. Hier haben die Römer fleißig bei den Griechen geklaut. Als sich das Römische Reich dann weiter ausbreitete und erst auf die Germanen und später die Kelten stieß, vermischten sich die verschiedenen Religionen und Legenden. Dann mischte sich noch das Christentum dazwischen und letztlich geschah, was auch heute passiert: Ein Kult eignete sich Ideen eines anderen Kults an. Eine Kultur bereichert sich an den Geschichten der anderen.

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© Sweet Ice Cream Photography on Unsplash

Ich habe so viele Artikel gelesen, in denen von Gottheiten die Rede ist, die jeweils einer ursprünglich anderen Religion zuzuordnen sind. So ist es auch bei den Sagengestalten. Gerade die Inselkelten trugen ihre Geschichten weiter. Die Namen veränderten sich leicht, aber die Geschichten blieben.

Im übrigens war das eine Besonderheit, wie ich finde: Im alten Rom oder in Griechenland wurden Mythen und Legenden von großen Geschichtsschreibern niedergeschrieben. Die Sagen der Kelten sind vor allem mündlich tradiert worden. Das erklärt auch die vielen Variationen der Geschichten. Außerdem kann man die Anderwelt der Kelten nicht mit dem Jenseits der Antike vergleichen. Aber das führt zu weit. 😊

Welches mythologische Wesen findest du am faszinierendsten?

Oh, das ist schwer. Das kann ich gar nicht so ohne weiteres sagen. Vier habe ich Dir ja eben vorgestellt. Jedes einzelne von ihnen ist spannend und ich wüsste zu gern mehr über diese Wesen.

Und dabei sind das nur die wenigen, die ich in Houston Hall erwähne. Es gibt noch so viele mehr. Allein die verschiedenen Versionen von Kobolden sind klasse!

Wie schon erwähnt, fasziniert mich die Ceasg. Schon allein, weil ich zu ihr die wenigsten Informationen gefunden habe. Die Baobhan Sith ist aber mindestens genauso interessant. Knuffig finde ich auch die Pucas. Wobei mich der Name irgendwie an ein Pokemon erinnert. Ein Puka ist eine Art Kobold. Er kann die Gestalt wechseln und manchmal beherrscht er auch die Sprache der Menschen. Er treibt vor allem (eher harmlosen) Schabernack, ab und an ringt er sich aber auch durch, Menschen zu warnen und ihnen so zu helfen.

 

Gibt es eine andere Mythologie, die du unbedingt in einem deiner nächsten Werke unterbringen möchtest?

Unzählige! Wir Fantasyautoren hoffen immer noch, wirklich und wahrhaft neues zu erfinden. Und doch musste ich immer wieder feststellen, dass ich nicht die erste war, die sich bestimmte Dinge ausgedacht hat. All die verschiedenen Mythologien, Sagen, Legenden, Religionen auf der Welt bieten Stoff für unzählige weitere Bücher.

Als jemand, der beinah zwanzig Jahre ihres Lebens mit toten Sprachen zugebracht hat, bin ich gewillt, der römischen und griechischen Mythologie später mehr Zeit zu widmen. Dann könnte ich mir immerhin sagen, dass der Latein- und Alt-Griechisch-Unterricht nicht vollkommen umsonst war. 😛

 

Vielen Dank für das spannende Interview, liebe Mary!

Apropos: Wer mitliest, die Beiträge teilt und in den sozialen Medien den Hashtag #ReiseNachHoustonHall benutzt, hat die Chance auf ein prall gefülltes Goodie-Paket! Enthalten sind eine Leseprobe, Lesezeichen, Anthonys Lieblingstee, das Badesalz einer Ceasg im Houston Hall-Design und einer Weihnachtsleckerei aus Beatrix‘ Küche.

Und für die, die aufs Ganze gehen wollen: Am Ziel unserer Reise wird es ein Quiz geben – am 02.01. Wer vorher gut aufgepasst hat, hat dort die Chance, zusätzlich zu den tollen Goodies auch noch ein signiertes Printexemplar zu gewinnen! Also passt gut auf und kommt mit. Es lohnt sich!houstonhall

Die Blogtour:

 

Das Buch:

Houston Hall: Schatten der Vergangenheit“ erscheint am 02.01.2018 als Ebook* für 4,99€ und als Taschenbuch* für 16,99€ bei  feelings ebooks.
Inhalt: Der vom Leben gebeutelte Anthony lebt allein auf einem großen Anwesen in Schottland und sucht eine neue Haushälterin. Er findet sie in Mary, die mehr über sein mystisches Familiengeheimnis zu wissen scheint. Als schließlich jemand vor den Toren von Houston Hall steht, der eigentlich tot sein müsste, muss sich Anthony mit Marys Hilfe seiner gefährlichen Vergangenheit stellen. (Genre: Romantasy)

 


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[Rezension] Victoria Scott – Dante Walker: Seelensammler

[Rezension] Victoria Scott – Dante Walker: Seelensammler

Kennt ihr die Videospielreihe „Devil May Cry“ um den weißhaarigen und coolen Halbdämon Dante? Nein?

Dann habt ihr was verpasst. Ich bin nahezu konditioniert alles was nach Dante und Dämon klingt zu inspizieren. So oder so ähnlich landete auch „Dante Walker“ auf meiner Wunschliste und ich konnte ein Exemplar über tauschticket ergattern!

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Victoria Scott – Dante Walker: Seelensammler

Worum geht’s?

Dante Walker, ein cooler, abgebrühter ehemals 17-Jähriger ist Seelensammler des Teufels. Für den Big Boss in der Hölle stempelt er Seelen ab, verführt und verleitet die Menschen zum Sündigen. Und er ist gut in seinem Job. Sein nächster Auftrag könnte ihn an die Spitze seiner Karriere katapultieren, doch der Fall erweist sich als schwierig. Die siebzehnjährige Charlie Cooper, ein unschuldiges Mauerblümchen mit einem Herz aus Gold. Knapp neun Tage bleiben ihm, um ihre Seele in den Besitz der Hölle zu bringen. Doch das Leben, das Charlie ihm zeigt, bringt seinen Entschluss ins Wanken. Und warum ist der Teufel an einem so unscheinbaren Mädchen interessiert? Bald muss Dante erkennen, dass er es mit Himmel und Hölle aufnehmen muss, wenn er sich und Charlie beschützen will.

Band 2 „Dante Walker – Seelenretter“ ist bereits erschienen.

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Meine Meinung:

Das Cover wirkt cool und düster, passend zu höllischen Dämonen. Für mich wirkt es jedoch wesentlich erwachsener und dunkler als der eigentliche Inhalt des Buches. Dennoch finde ich die Gestaltung gelungen, die Farben würden Dante jedenfalls sehr gut gefallen.

Der Schreibstil ist locker, jugendlich und frech. Die Autorin lässt Dante aus der Ich-Perspektive erzählen. Seine Kommentare sind bissig, seine Gedanken manchmal fies-gemein bis niedlich. Das Buch liest sich locker und angenehm, manchmal war es mir jedoch ein wenig zu langatmig. Dennoch mochte ich Dantes Sarkasmus, seine Kommentare und seine seltsame Gehirnwelt.

Vom Inhalt hatte ich mir etwas anderes erwartet. Das Buch wirkt in seiner Aufmachung sehr erwachsen, der Klappentext verspricht eine außergewöhnliche Geschichte. Stattdessen bekommen wir eine Teenie-Romanze. Bad Boy trifft engelgleiches Mädchen, sie schafft es durch ihre reine, fehlerfreie Art ihn zum Nachdenken anzuregen. Hölle, Teufel, Dämonen? Das Element gibt der Geschichte zwar einen interessanten Twist und bringt Spannung, war für meinen Geschmack aber zu öde, zu wenig böse, zu wenig Hölle.

Die Charaktere haben mir solala gefallen.

  • Erzähler Dante Walker ist ein cooler Bad Boy und mit fünfzehn wäre ich sicher auf ihn abgefahren. Heute möchte ich ihn manchmal tätscheln, manchmal liebevoll ohrfeigen, weil er sich aufführt wie ein pubertierender Idiot. Sein Schicksal konnte mich jedoch nicht so mitreißen, dennoch war er mir der liebste Charakter im Buch. Und „cool“ ist er für mich leider nicht wirklich, dazu reichen schnieke Klamotten und rote Chucks nicht. Sorry, da nehme ich lieber den Devil May Cry Dante.  Positiv merke ich jedoch an, dass er als Kerl echt in Ordnung ist und ehrlich um Charlie bemüht. Da habe ich schon wesentlich ekligere Love Interests gehabt.
  • Zielobjekt Charlie hingegen bleibt blass, unerreichbar. Sie ist so naiv und rein und unschuldig, dass man mehrfach die Augen verdrehte. An ihr ist scheinbar nichts Schlechtes, keine Grautöne. Sie wird als graue Maus beschrieben, die am Ende durch innere Schönheit strahlt und die bei genauem Hinsehen glatt ein Engel sein konnte. Aber ihre Einzigartigkeit und Freundlichkeit, ihre reine Seele ist es, die Dante zum Nachdenken bringt… *Gähn*
  • Die Nebencharaktere Annabelle, Blue und die Ziehmutter von Charlie sowie Dantes Kumpel Max wirken austauschbar. Zwar hat man hier und da den ein oder anderen Charakterzug, aber sonst bleiben sie klischeehaft und dienen nur dem Zweck. Eine beste Freundin, die immer den Schubs in die Richtung gibt. Ein Kumpel, der als Liebesrivale auftritt. Ein paar Dilemmata und fertig.

Das Ende. Nun ja, ich denke, ich empfand es als sehr weit hergeholt. Es war klar, dass es so oder so ähnlich enden würde. Ein paar Probleme beseitigt, ein paar Neue kommen hinzu. Für mich wirkte es sehr generisch und konstruiert, deus ex machina. Es gibt keinen bösen Cliffhanger aber dennoch ist die Geschichte um Charlie und Dante noch nicht zu Ende.

Mein Fazit:

Meh. Das Buch ist für mich weder besonders schlecht noch besonders gut. Ich habe etwas anderes erwartet und war deshalb ein wenig enttäuscht, nur eine klischeehafte Teenie-Romanze vorzufinden. Die Charaktere sind blass und öde. Dante wirkt nur etwas lebendiger, weil wir die Geschichte durch seine Augen erleben. Zwar ließ sich das Buch gut und schnell lesen, aber mehr als eine kurzweilige Unterhaltung konnte es nicht bieten. Ich glaube aber, dass mein jüngeres Ich das Buch gut gefunden hätte. Für jüngere Leser oder Fans von unspektakulären übernatürlichen Romanzen ist die Geschichte dennoch zu empfehlen. Von mir gibt es drei Seesterne.

Werde ich Band 2 lesen? Vielleicht.

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Weitere Stimmen zum Buch:


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Babsi schreibt #1 Wie die Idee zu mir fand

Babsi schreibt #1 Wie die Idee zu mir fand

„Save Our Souls“ lautet der Arbeitstitel meines Herzprojektes. Einer Geschichte, die ich Anfang des Jahres beenden konnte und die nun mitten in der Überarbeitung steckt. Eine Leseprobe gibt es hier. Aufgesetzt habe ich die Geschichte allerdings schon mehrmals, teils auch wirklich weit geschrieben. Noch länger begleitet mich die Idee – oder besser gesagt die beiden Protagonisten:

Victoria, ein Medium, das Geister sehen und mit ihnen kommunizieren kann und Nero, ein launischer Teufel aus der Hölle, der sich gerne in die Angelegenheiten von Menschen einmischt.

Woher kamen die beiden? Wie kam ich auf ihre Geschichte?

Ich habe in meiner Jugend, zwischen 13 und 16, unglaublich viel gelesen. Durchschnittlich zwei Bücher pro Woche – mindestens. Harry Potter, Bis(s) zum Morgengrauen, Chroniken der Unterwelt. Nebenzu auch Mangas wie Naruto, One Piece und Vampire Knight. Ich habe Charmed und Supernatural im TV verfolgt. Gezockt habe ich auch, am liebsten Witcher und Devil May Cry. Warum ich genau diese Titel nenne? Weil sie alle etwas mit der Enstehungsgeschichte zu tun haben.

Viele von uns mögen die rebellischen, bösen Jungs, die anecken, Tabus brechen und Schwierigkeiten selbstbewusst entgegen treten. Gleichzeitig war ich in dem Alter vor allem von Liebesgeschichten und Romantasy angezogen. Ich habe alles gelesen, was mir in die Finger kam. Wer sich in dem Genre auskennt, weiß, dass die meisten Geschichten sich sehr ähneln. Das stört mich z.B. heute viel mehr als damals.
Angefangen ernsthaft zu schreiben habe ich mit Fanfictions. Ich stieß irgendwie darauf und begann auch schlechte, sehr schauderhafte Liebesgeschichten zu schreiben zwischen erdachten Charakteren (OCs) und beispielsweise Charaktere aus One Piece oder Naruto. Ich habe wirklich viel geschrieben und es hat unfassbar viel Spaß gemacht. Aber es hat mir nicht gereicht nur über bereits existente Charaktere in einer bereits fertigen Welt zu schreiben.

„Aber, wenn das so und so wäre…“ „Wenn das so wäre und nicht so…“ „Wenn Edward kein glitzernder Waschlappen, sondern ein mächtiger und düsterer Typ wäre“ „Wenn eine weibliche Protagonistin kein unbeschriebendes Blatt, sondern tough und intelligent wäre…“ „Mir fehlt etwas an dieser Geschichte, es wäre doch viel cooler, wenn…“ „Hier fehlt mir das und das…“ „Also nur Romantik ist öde, ich möchte mehr Action“

Ich wollte eine Geschichte erzählen, die es so noch nicht gab. Die zwar viele Elemente meiner liebsten Bücher und Geschichte hatte, aber eben anders war. Von diesen Gedanken kam ich nie los und daraus wurde irgendwann Victoria geboren. Ich erinnere mich daran, dass sie zuerst einen japanischen Namen hatte und Halb-Deutsche, Halb-Japanerin sein sollte, weil ich so ein krasser Japan-Fan war. Meine FFs und sie waren damals von allen möglichen Klischees geprägt, die man sich so über Fanfiktion-Schreiber erzählt. *hust* Aber die Grundzüge waren nicht komplett für die Tonne.
Ich habe die Geschichte oft angefangen, oft durchdacht und halbherzig einige Szenen geschrieben. Weil ich innerlich nicht zufrieden mit dem stereotypen Mädchen war. Und weil das Gegenüber, heute Nero, nicht fest war. Ich wollte einen mächtigen Typen, cool, böse und unabhängig. Jemand, der nicht sofort der Protagonistin verfällt und ein weichgespülter Wischi-Waschi Typ ist. Aber gewalttätige Rapefiction wollte ich auch nicht schreiben. (Wobei einige meiner FFs teils ungünstige Beziehungsmuster hatten… durch Twilight etc. dachte ich damals, dass sowas wie „Nachstellen“ wirklich romantisch ist… Ja, dafür haue ich heute auch noch gerne meinen Kopf uffe Tischplatte)

Hierbei sollte ich vielleicht auch erwähnen, dass die Geschichte sehr lange als Romantasy gedacht war. Davon bin ich vor zwei, drei Jahren abgekommen, da sich andere Charaktere auch weiterentwickelt haben und klarer geworden sind. Zum Beispiel Victorias Mitbewohnerin die Dämonenjägerin Dawn oder die Lamia-Dame Sasha. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt. Mit mir und meinem Alter haben sich also meine Charaktere auch weiterentwickelt und haben sich schließlich von mir gelöst.

Victoria wurde erwachsener, unabhängiger und weniger self-insert. Nero hingegen wechselte mehrmals die Spezies, wurde dreidimensionaler, komplexer und geheimnisvoller. Sie haben wirklich einen Prozess durchgemacht, ebenso wie ihre Geschichte. Heute kann ich sagen, dass es kein Mädchentraum mehr ist, in dem ein dunkler Ritter eine sensible Maid aus ihrer öden Welt befreit.

Heute ist es wirklich nahe dran an dem, was ich gewollt habe. Ein Mix aus diversen Genres: Action, Horror, Übernatürliches und ein bisschen Drama und Romantik. Mit lebendigen Charakteren und verzwickten Dilemmata. (Also ich hoffe, dass es mir gelungen ist).

Und ich glaube mein jüngeres Ich würde die Geschichte auch gut finden. 😉


Euch hat dieser Beitrag gefallen? Was würdet ihr gerne noch über meine Geschichte wissen?

Beitragsbild: https://pixabay.com/photo-525958/