Kategorie: Psychologie

Video: Depressionen #fuckdepression #WSPD17

Video: Depressionen #fuckdepression #WSPD17

Heute ist #WorldSuicidePreventionDay – Statistisch gesehen stirbt alle 40 Sekunden ein Mensch durch Suizid.

Bei vielen Leuten sind Depressionen ein Grund. Aber Depressionen sind gut behandelbar und es macht mich traurig, wenn die Krankheit nicht ernst genommen wird, wenn Leute das Gefühl haben, sich für ihre Empfindungen schämen zu müssen.

Ich habe zwei Videos zu diesem Thema vorbereitet. Im ersten Teil geht es um das Krankheitsbild, wie sich Leute mit Depressionen fühlen, was es bedeutet, daran zu leiden.

Im zweiten Teil geht es um die Behandlung, die Entstehung aber auch die Prävention von Depressionen.

Du bist nicht allein. Du bist mehr als deine Krankheit.

Mein Körper ist gut so! (Bodyshaming & Bodypositivy)

Mein Körper ist gut so! (Bodyshaming & Bodypositivy)

Und mal wieder ein Thema abseits von Schreiben und Büchern. Das heißt nicht ganz, denn in Büchern gibt es auch Beispiele von Beidem.

milde Triggerwarnung: Ich erwähne Beleidigungen und Essstörungen

Ausschlaggebend dazu war dieser Tweet von der lieben Anabelle:

Nun, natürlich könnte man argumentieren, dass nur die Meinung des männlichen Charakters wiedergespiegelt wird. Und viele normalgewichtige oder korpulentere Frauen bauen sich scheinbar daran auf, dass „Nur Hunde mit Knochen spielen“. Dieses Zitat entstammt einem sog. „New Adult“ Buch – ich bin immer noch nicht ganz happy damit, das als Genre zu bezeichnen, denn im Prinzip ist es romantische bis erotische Alltagsliteratur. „New Adult“, NA, steht dabei nur für das Alter der Protagonisten, ebenso wie bei „Young Adult“, YA. Jedoch fällt mir oft auf, dass im Bereich der erotischen Literatur rundere Frauen von ihren Love Interests in den Himmel gelobt werden, weil sie eben einen kleinen Rettungsring haben und normal essen können. Als seien alle Frauen, die kleine Busen oder einen flacheren Bauch haben damit automatisch hässlich und essgestört. Ich weiß ja nicht, aber ich finde das keine so tolle Sichtweise.

Tschin Tonik merkte auch noch etwas Wichtiges an. Stimmt – Männer in diesen Büchern können meistens nur diese eine Frau perfekt, wunderschön und interessant finden. Alle anderen Frauen sind oft dumm, hässlich und uninteressant. Freundschaft unmöglich zugunsten des Love Interests?

 


Lasst mich ein wenig ausholen.

Als ich 13, 14 war – pummelig, Zahnspange, Brille und Pickel – war für mich auch der einzige Weg mich einigermaßen wohl zu fühlen Abwärtsvergleiche anzustellen. „Ja, XY ist noch fetter als ich“ oder „Wenigstens hab ich Brüste“. Und manchmal erwische ich mich noch bei solchen automatischen fiesen Gedanken. Einerseits sehen wir gertenschlanke Models auf dem Lauftsteg und makellose trainierte braungebrannte Körper in Zeitschriften, andererseits versuchen wir Ottonormalbürger mit breiten Hüften, kleiner Oberweite, kurzen Beinen oder rundem Hintern uns dagegen zu wehren. Zurecht! Denn Körperformen sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Aber müssen wir dazu ständig bodyshaming betreiben?!

Ein kleines Beispiel:

  • Eine dicke Person bestellt sich im Restaurant einen Burger mit Pommes. Vielleicht habt ihr euch auch schon mal bei dem Gedanken erwischt, dass ihr der Person eher zu einem Salat als Beilage geraten hättet.
  • Eine dünne Person bestellt einen Salat. Vielleicht verdreht ihr die Augen und denkt, sie sollte sich eine Scheibe von der oberen Person abschneiden.

Wenn ihr nicht so denkt – wunderbar, ihr seid sensibel und bedacht, nicht über Personen zu urteilen, die ihr nicht kennt. Wenn euch im ersten Moment dieser Gedanke in den Kopf schießt, dann seid aber nicht beunruhigt. Oftmals fallen uns die fiesen, gehässigen Sachen zuerst ein – d.h. aber nicht, dass wir diesen spontanen Gedanken hilflos ausgeliefert sind. Im Gegenteil: Auch ich denke manchmal fiese Sachen – vielleicht weil man von der Gesellschaft oder seinem Umfeld in eine bestimmte Weise konditioniert wurde. Im zweiten Schritt kommt aber der Verstand, die Logik – über die man sehr wohl Kontrolle hat.

  • „Womöglich hat die dicke Person einen schweren Arbeitstag hinter sich, hat mächtig geschuftet und jede Menge Hunger und gönnt sich diese Portion Pommes“ oder sie hat Lust auf einen leckeren Burger mit Pommes
  • „Vielleicht hat die dünne Person schon einen Snack gehabt und hat einfach keinen Hunger mehr“ oder sie hat Lust auf einen leckeren Salat

Und selbst wenn die dicke Person nur fettige Sachen in sich hineinstopft und die dünne Person penibel auf ihre Figur achtet: Es geht euch nichts an. Es kann euch egal sein.
Seid ihr in der Position über diese Personen zu urteilen? – Nein.

Bodyshaming gibt es in beiden Richtungen. Ich denke daran, dass dicke Leute oftmals belächelt, veräppelt oder sogar beleidigt werden, besteht kein Zweifel. Wenn ich ins Fitnessstudio gehe(wohlgemerkt reines Frauenstudio), kommen auch von manchen Frauen skeptische oder verachtende Blicke. Aber, wenn ich mit meiner schlanken Freundin rede, die in meinen Augen aussieht wie eine wunderschöne kleine Elfe und perfekt ist, wie sie ist, dann höre ich von ihr auch oft, dass ihr gesagt wird, sie solle zulegen oder habe zu kleine Brüste. Das macht mich betroffen.

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Das auf dem Foto bin ich mit 14 – ich hatte mir das Kleid neu bei EMP bestellt. Ich war als Kind zwar normalgewichtig aber seit meiner Pubertät habe ich ein paar Kilo zu viel auf den Rippen. Eine Tatsache, mit der ich sehr lange und bis heute noch manchmal kämpfe. Ich hatte das Foto damals auf lokalisten (Herrje bin ich alt) hochgeladen, da ich das neue Kleid präsentieren wollte. Es war  kaum einen Tag online, da meinten ein paar Kerle Kommentare abgeben zu müssen. „Was für Krautstampfer!“, bezogen auf meine Beine und ein Kommentar, über den ich heute ehrlich gesagt ziemlich lachen muss: „Du bist so fett, du brauchst ein Schaf als Tampon.

Nett, oder? Das sollte man nicht zu einer 23-jährigen sagen und schon gar nicht zu einer 14-jährigen. Das tut verdammt weh. Und es hat meine Wahrnehmung nachhaltig beeinflusst und dafür gesorgt, dass ich oft Süßigkeiten mit einem schlechten Gewissen gegessen habe und heimlich – was eher das Gegenteil bewirkte als das, was die Leute damit intendierten. Meine Eltern haben mir auch oft gesagt, dass ich bei meiner Ernährung aufpassen muss. Das werfe ich ihnen nicht vor: Sie wollten nur mein Bestes.

Studien haben jedoch gezeigt, dass Kinder, denen man von klein auf sagt, dass sie zu dick sind (unabhängig von ihrem Gewicht als Kind) später eher übergewichtig werden. Um das zu veranschaulichen könnt ihr auch diesen Artikel hier lesen, wenn ihr mögt. (Ich finde leider die Studie nicht mehr, aber ich werde sie verlinken sobald ich sie gefunden habe)

Was ich damit aber vor allem sagen möchte: Wenn man Kindern und Jugendlichen schon von klein auf einen teils ungesunden, negativen Fokus vermittelt, dann hat das bleibende Folgen. Egal ob man sie als „fette Sau“ oder als „Hungerhaken“ bezeichnet. Im schlimmsten Fall folgen Essstörungen, meistens aber zumindest ein ungesundes Verhältnis zum eigenen Körper und zum Essen. Der eigene Körper ist der eigene Körper. Gegen meine Fettverteilung kann ich nicht viel tun. Was ich beeinflussen kann ist die Ernährung und da sollte man ansetzen. Vermittlen, dass Gemüse vielseitig und lecker ist. Chips und Schokolade sollten keine Tabus und kein Frustmittel sein, sondern genossen werden, wenn man sie sich erlaubt.

In der Psychologie, vorrangig in der Behandlung von Essstörungen eingesetzt, lehrt man die sogenannte „Set Point Theory„, die wissenschaftlich nicht ganz unumstritten ist. Diese Theorie geht davon aus, das jeder erwachsene Mensch ein Grundgewicht hat, um das er – ähnlich einer Sinuskurve – schwankt. Um von diesem Grundgewicht dauerhaft abzuweichen müsste man entweder extrem viel oder extrem wenig essen.

setpointtheory

Hier mal skizzenhaft abgebildet. Diese Theorie soll Betroffenen helfen zu erkennen, dass sie letztendlich zwar die Ernährung, aber nicht ihren Körper beeinflussen können z.B. die Stoffwechselgeschwindigkeit, Darmbakterien oder ob sich das Fett an den Hüften anlegt oder am Bauch. Es soll aber auch keine Entschuldigung für ein ungesundes Essverhalten sein, denn die Ernährung kann man beeinflussen.

In der Forschung ist das Thema Ernährung und Gewicht nach wie vor umstritten und alle paar Jahre gibt es einen Perspektivenwechsel bzw. andere Ratschläge ob nun ungesättigte Fette oder Kohlenhydrate oder wer auch immer die bösen sind.

Dass der eigene Körper ein wichtiges Thema ist, brauche ich nicht extra hervorzuheben. Die Medien, die Werbung, die Kuchenrezepte hinter der 14-Tage-Super-Duper-Diät in Frauenzeitschriften, die erschreckenden ProAna Foren, die teilweise extremen Formen der Bodypositivy…


Um den Bogen zurück zum Bodyshaming zu schlagen – ich habe gertenschlanke Freunde, die essen wie ein Pferd. Ich esse sicherlich manchmal zu fettig und zu viel und zu süß, in der Regel achte ich aber auf viel Obst und Gemüse und treibe regelmäßig Sport – dennoch bin ich übergewichtig. Und meistens mag ich meinen Körper trotzdem, denn ich fühle mich wohl. Der Körper ist komplex und zumindest die Knochenstruktur – da sind wir uns alle einig – ist gegeben. Wenn ich jetzt 50kg abnehmen würde, würde ich aussehen wie ein ungesundes Skelett. Es gibt aber eben auch Menschen, die von Natur aus kleiner und schmächtiger gebaut sind. Das ist eben so und damit sollten wir uns abfinden.

Fat-shaming ist oftmals offensiver, vielleicht etwas präsenter, aber das heißt nicht, dass auch dünne Leute nicht mit skinny-shaming zu kämpfen haben. Und es ist so ätzend, dass Frauen das Gefühl haben müssen, sich durch „Männer“ bestätigen zu lassen, dass „echte Männer“ auf Kurven stehen. Bodypositivy sollte dadurch entstehen, dass man sich selbst akzeptiert wie man ist und nicht durch die Abwertung und den ständigen Vergleich mit anderen (auch wenn das auf den ersten Blick vielleicht die einfachere Methode ist).

Anstatt also andere Menschen aufgrund ihrer Figur zu dissen, zu shamen und abzuwerten, sollten wir eeeendlich akzeptieren, dass jeder seine eigene Lebensweise hat.

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Quelle: Sarah & Catherine Satrun

Ja, ich bin bodypositive, auch als „Moppelchen“ – ich mag mich und das war und ist ein harter Weg. Ein paar Kilo weniger würden mir nicht schaden, aber ich möchte mich dazu nicht komplett verbiegen. Ich finde mich gut. Dennoch würde ich meinen Kindern nicht vermitteln wollen, dass ich das Nonplusultra, die Perfektion in Person oder das einzige Schönheitsideal bin. Ich möchte natürlich, dass Menschen einen gesunden Bezug zu ihrem Körper haben. Das heißt aber auch, auf sich zu achten: ein wenig Sport zu treiben und sich ausgewogen zu ernähren. Und ich muss keine schlankeren Frauen verurteilen und verachten, um mich selbst als wertvoll und begehrenswert wahrzunehmen.

Ich habe diesen Blogeintrag vor allem aus meiner Perspektive geschrieben und ich identifiziere mich als Frau. Dass dieses Thema bei allen Geschlechtern existiert und bei manchen auch eher totgeschwiegen wird, sollte man nicht außer Acht lassen.

Nun ich denke in Büchern darf man auch gerne Charaktere zeichnen, die ungünstige, schädliche oder eklige Denkweisen haben – vermutlich denken viele Autor*innen auch gar nicht über die Konsequenzen von „kleinen Bemerkungen“ nach. Vielleicht rege ich mich auch unnötig auf, ich weiß es nicht. Ich selbst habe in meinem Buch z.B. Sasha eine erklärte Männerhasserin, die bestimmt als sog. „Feminazi“ durchgehen würde. Allerdings reagieren meine anderen Charaktere entsprechend auch entsetzt oder kritisch auf ihre Aussagen – und ich hoffe, dass der Leser somit angehalten wird, darüber nachzudenken. In Liebesromanen wo der Fokus auf zwei Charakteren liegt, die intime Gespräche miteinander führen, ist es natürlich nicht so einfach, eine Stimme der Vernunft das Gesagte hinterfragen zu lassen – die weibliche Protagonistin soll sich schließlich bestätigt, umgarnt und umschmeichelt fühlen. Auf jeden Fall ist etwas, was ich mir für zukünftige Bücher aus dem Genre wünsche: Reflektiertheit.
Wenn nicht durch die Charaktere, dann im Nachhinein oder vorneweg. Das gilt nicht nur für Körperformen, sondern auch für das bereits von mir angesprochene Thema der sexuellen Dominanz bzw. Gewalt, wie ihr hier nachlesen könnt.

Aber natürlich kann das nicht nur die Aufgabe von Autor*innen sein. Leser*innen, Blogger*innen, Lektor*innen. Wir alle sind gefragt, damit Bücher weiterhin alle möglichen Freiheiten haben können, aber diese nicht stillschweigend heruntergeschluckt und gerade von jungen Leser*innen für bare Münze genommen werden.


Was denkt ihr? Rege ich mich unnötig über Kleinigkeiten auf? Haben dicke Leute es verdient, geshamed zu werden, weil sie zu viel essen und zu wenig dagegen tun? Sind Bücher Fiktion und dürfen das?

Ein weiterer guter Beitrag zu diesem Thema kommt von Pialalama.

Ich möchte mit diesem Beitrag niemanden angreifen oder verletzen, falls ihr eine Formulierung ungünstig findet, dann sagt mir das bitte.

Ich wünsche euch einen schönen Restsonntag,
eure Babsi

 

Was wirklich zählt…

Was wirklich zählt…

Triggerwarnung: Suizid

Titebild by Ian Schneider on Unsplash

In der Prüfungsphase bin ich nervlich immer ein bisschen angeschlagen. Ich mache mir selbst viel Druck, da ich mein Studium gut schaffen will. Hinzu kommt eine unfassbar große Menge an Fachwissen, die ich mir einverleiben darf. Vieles davon lerne ich nur für die Prüfung – danach brauche ich es vermutlich nie wieder. In solchen Momenten werde ich oft ein bisschen wehleidig und jammere viel, zweifle daran, warum ich überhaupt studiere und nicht einfach das mache, was mir Spaß macht – schreiben, bloggen, Youtube und jeden Tag ausschlafen. Das ist natürlich auch Arbeit, aber ich fühle mich besser währenddessen. Vermutlich weil man etwas erschafft und direkt ernten kann, was man gesäht hat.

„Stacking up problems that are so unnecessary
Wish that I could slow things down
I wanna let go, but there’s comfort in the panic

And I drive myself crazy“

  • Heavy (Linkin Park ft. Kiiara)

Ich war noch nie jemand, der Schule viel abgewinnen konnte. Ich hatte das Glück nie viel lernen zu müssen, weil ich mich auch so durchmogeln konnte. Schlechte schriftliche Noten habe ich durch mündliche Beiträge ausgeglichen, denn ich diskutiere gerne, trage Informationen vor und gebe Wissen weiter. Fakten stumpf auf ein platt Papier zu replizieren und einen Punkt abgezogen zu bekommen, da man anstatt des gesuchten Fachbegriffs ein gleichwertiges Synonym hingeschrieben hat – dem habe ich nie viel abgewinnen können.

Dass sich das im Studium leider nicht grundsätzlich ändert, entmutigt mich immer wieder. Ich würde mich selbst als kreativen und einigermaßen sensiblen Menschen beschreiben – ich mag es Leuten zuzuhören und gemeinsam mit ihnen Probleme zu lösen und kreative Wege zu finden, wie sie mit ihrer aktuellen Situation besser klarkommen. Das möchte ich später als Psychologe auch unbedingt umsetzen. Aber das ist es, was ich wirklich will. Was für mich zählt. Deshalb habe ich mein Studium auch noch nicht hingeworfen. Ich habe ein Ziel vor Augen, das für mich zählt.

Dafür muss ich einige Dinge lernen, die meiner Meinung nach weniger relevant sind – welche Sitzposition in einem Bewerbungsgespräch offener wirkt, wie man Arbeits-, Organsisations- und Wirtschaftspsychologie unterscheidet, welcher Pausenrhythmus Arbeiter besonders effektiv macht…

Im Licht der vergangenen Tage wirken solche Sachen banal und unwichtig.

Wie viele von euch mitbekommen haben, hat sich der Sänger von Linkin Park Chester Bennington mit 41 Jahren das Leben genommen. Er hat seine Traumata in seinen Songs verarbeitet, offen über seine psychischen Probleme geredet – und hat dennoch nun diesen Schritt getan. Als Außenstehender wird man niemals verstehen, was letztendlich in genau dieser Situation genau dieser Person, den letzten Impuls gegeben hat. Niemand kann hineinschauen, niemand kann von sich behaupten vielleicht anders gehandelt zu haben, denn – auch wenn man Erfahrungen mit suizidalen Gedanken, Depressionen oder gar einem Selbstmordversuch gemacht hat – jeder Kopf ist anders. Wir können mitfühlen, wie sehr es schmerzen muss, aber wir werden es niemals auf genau dieselbe Weise spüren wie die betroffene Person selbst.

 

 

Aber es macht mich dennoch betroffen und traurig. Auch, wenn ich als Psychologe nicht den Mediziner-Eid ablege, so schreibt man es sich doch auf die Fahne, wenn man in die klinische, therapeutische Richtung gehen möchte. Jedes solche Schicksal wirkt dann wie ein verlorener Kampf. Das Leben ist kostbar. Aber wir alle wissen, wie schwer und hart es manchmal sein kann. Selbst psychisch gesunde Menschen werden irgendwann in ihrem Leben, zumindest für einen winzigen Augenblick, daran gedacht haben, wie es wäre zu sterben. Im Angesicht solcher Tragödien werden die Dinge des Alltags unglaublich klein. Noten, Abschlüsse, Besitztümer. Das alles macht das Leben vielleicht manchmal schöner, aber auch schwerer. Man besinnt sich zurück. Und ist es nicht tragisch, dass man dazu so eine schreckliche Nachricht braucht?

„I wanna heal, I wanna feel, what I thought was never real
I wanna let go of the pain I’ve felt so long

I wanna heal, I wanna feel, like I’m close to something real
I wanna find something I’ve wanted all along
Somewhere I belong“

  • Somewhere I belong (Linkin Park)

Was wirklich zählt, sind die Menschen um uns herum. Familie, Freunde, Leute, mit denen wir Interessen, gute Zeiten und schlechte Zeiten teilen. Das zu tun, was man liebt – auch wenn es manchmal erfordert, dass man sinnlose Formulierungen in seinen Kopf prügelt. Darüber zu schreiben und mit lieben Menschen zu reden, hilft mir meine Last weiterzutragen. Was hilft euch in finsteren Momenten? Es tut gut, sich das irgendwo festzuhalten – immer ein Notizbuch parat, in das ihr Fotos, Kinokarten, Autogramme, Bilder o.Ä. kleben könnt. Dinge, die euch daran erinnern, dass es schonmal bessere Zeiten gab und wieder geben wird. Denn wenn der kleine Teufel auf der Schulter einem böse, vernichtende Dinge ins Ohr flüstert, vergisst man gerne, was man bisher erlebt und erreicht hat. „Glücklich sein“ wirkt dann wie ein ferner, nie dagewesener Begriff und man beginnt alles zu hinterfragen.

In der Prüfungsphase zweifele ich oft. An meiner Intelligenz, meinem Wert als Mensch, meiner Disziplin, meinen Fähigkeiten und ob ich überhaupt dafür geeignet bin, Leuten zu helfen, wo ich mir doch so oft selbst nicht helfen kann. Aber das ist nur die eine Seite. Die andere Seite, die gerne in Vergessenheit gerät, die weiß, was ich alles bewirken kann. Ich möchte gar nicht Mutter Theresa werden oder Wunder vollbringen, ich möchte tun, woran ich glaube und den Menschen um mich herum, Zeit und Liebe schenken. Und wenn ich mal strauchele weiß ich, sind sie für mich da.

Danke, dass ich mir das von der Seele schreiben durfte.


Wenn ihr euch selbst vom Gewicht der Welt erschlagen fühlt, als würde alles keinen Sinn mehr machen, als wärt ihr nur eine Last, als wärt ihr allein, niemand würde euch verstehen, niemand könne euch helfen – dann, bitte ich euch, sucht euch Hilfe. Streck nochmal die Hand aus. Die Entscheidung für den Tod ist endgültig, die Entscheidung für das Leben niemals.

Telefonnummern der Telefonseelsorge:

  • 0800/111 0 111
  • 0800/111 0 222
  • 116 123

Die Telefonseelsorge bietet sowohl Beratung per Mail, als auch per Chat, wenn ihr nicht anrufen möchtet.

Wenn ihr euch in akuter Gefährdung befindet, vielleicht Angst habt, vor dem, was ihr euch selbst antun könntet, könnt ihr außerdem die 110 wählen oder euch in der Notaufnahme vorstellen. Niemand wird euch in irgendeine Station einsperren, in der ihr kein Tageslicht seht. Auch wenn es im Krankenhaus manchmal hektisch und rabiat zugeht, wird euch Hilfe zuteil.

Tipps für einen klaren Kopf

Tipps für einen klaren Kopf

Na, genießt ihr das verlängerte Wochenende? Den freien Tag am Tag der Arbeit? Oder habt ihr euch für heute vorgenommen eure To Do Liste abzuarbeiten?

Alltagsstress, hungrige Plotbunnys, Termine, Fristen, Arbeit, soziale Kontakte – das kann einem schon Mal über den Kopf wachsen. Wenn man fit und motiviert ist, verteilt man allerlei Zusagen und merkt wenig später, dass es alles doch ein bisschen viel wird. Oder es kommen einfach alle Termine zusammen, dann ist das Kind krank, die Waschmaschine streikt und die Kollegin ist im Urlaub!

Das Leben liebt es uns Herausforderungen und Steinchen in den Weg zu legen!

Hier sind meine Tipps um einen klaren Kopf zu behalten, sich selbst zu motivieren und bei Laune zu halten (Nicht alles klappt immer, aber immer öfter):

  • Aufräumen

Ja, niemand von uns mag Hausarbeit wirklich gerne.

Ihr mögt euch vielleicht denken: „Wenn ich eh schon Stress habe kann ich doch das am ehesten sausen lasse?!“ – Meh.

Es ist wichtig Ordnung auf den Schreibtisch zu bringen, denn in einer ordentlichen, angenehmen Umgebung arbeitet es sich leichter. Und damit man mit der Säuberungs-Aktion nicht prokrastiniert sollte man das vorher erledigen. Es gibt tolle Stifteboxen und Ordnersysteme um das kreative Chaos einigermaßen in den Griff zu bekommen. Niemand spricht von spiegelnden Oberflächen und Staubfreiheit. In einem ordentlichen Umfeld fällt es nur leichter auch die Gedanken zu ordnen. Also hebt die Socken und Shirts vom Boden und verfrachtete sie in den Wäschekorb, bringt den Müll raus, die leeren Chipstüten und Coladosen weg, spült die Kaffeetassen und ihr werdet danach stolz auf euch sein.

Am Besten funktioniert das mit einem guten Soundtrack oder einem spannenden Hörbuch oder Hörspiel auf den Ohren.

  • Die 10 Minuten Regel

Diese Regel ist nicht auf meinem Mist gewachsen und ich weiß leider nicht mehr, wo ich sie aufgeschnappt habe, aber für mich ist es einer der besten Tipps zum Anfangen. Ihr habt keine Lust auf eine Aufgabe oder könnt euch nicht so richtig konzentrieren? Stellt euch eine Stoppuhr (am Besten ohne Alarm) auf 10 Minuten. Dann setzt ihr euch an die zu erledigende Aufgabe und arbeitet zehn Minuten konzentriert daran. Zehn Minuten lang. Klingt machbar, oder? Zehn Minuten, das schafft doch jeder!

Der Clou kommt aber erst jetzt – meistens werdet ihr nach zehn Minuten im Arbeitsflow sein, sodass ihr gar nicht unbedingt merkt, wenn die Stoppuhr abläuft. Oder vielleicht fällt es euch nicht mehr so schwer, weiterzumachen, da ihr angefangen habt. – Bravo, dann hat es geklappt!

Ihr starrt förmlich auf die Stoppuhr und könnt euch gar nicht konzentrieren? Die zehn Minuten waren ein reiner Krampf? Dann hat es jetzt vermutlich keinen Sinn sich mit dieser Aufgabe auseinanderzusetzen. Probiert es in ein bis zwei Stunden noch mal und lasst die Aufgabe ruhen.

  • Planen und Sortieren

Schreibt euch die Aufgaben auf, die vor euch liegen. Anschließend überlegt ihr, was dringend ist und was nicht. Ich markiere mir das ganze immer in Ampelfarben. Rot muss schleunigst abgehakt werden, grün hat Zeit. Ihr könnt die Aufgaben zusätzlich auch noch nach Zeitaufwand und Schwierigkeit einteilen. Drei rote Punkte wären demnach eine extrem aufwändige, aber wichtige Arbeit z.B. eine Hausarbeit. Anschließend schreibe ich mir die Aufgaben nochmal auf einen Post-it.

Fangt mit einer kürzeren, leichteren Aufgabe an, die ihr gut bewältigen könnt (auch, wenn sie vielleicht nicht soo dringend ist). Das verleiht euch den nötigen Schwung, um euch an die größeren Aufgaben zu wagen!

Denkt auch daran, euren Tag nicht nur mit Pflichten und Arbeit vollzupacken! Als Belohnung für einen arbeitsreichen Tag könnt ihr euch z.B. abends eine Stunde Serie oder Buch gönnen und die Füße hochlegen.

  • Pausen und Puffer

Pausen sind wichtig. Und diese sollte man möglichst nicht am selben Ort verbringen, an dem man arbeitet! Und wenn ihr mit dem Stuhl nur in eine andere Richtung schaut. Brotzeit, viel Trinken, ein bisschen Bewegung zwischen durch. Ebenso wie ihr eure Arbeitszeit plant, solltet ihr auch feste Pausen einplanen und diese einhalten.

Schreibt ihr eine Seminararbeit, arbeitet ihr an einem Projekt oder lernt ihr? Dann sind Pufferzeiten bzw. Puffertage sehr wichtig. Wir alle haben Tage, an denen wir schlecht geschlafen haben, uns nicht konzentrieren können und einfach einen Durchhänger haben. Bezieht das in eure Planung mit ein und schiebt euch eine feste Anzahl an „Nicht-Arbeitstagen“ mit in euren Plan. Diese müssen nicht fix sein und ihr könnt sie zur Hälfte oder ganz abstreichen, wenn ihr z.B. vormittags Kopfschmerzen habt und erst nachmittags durchstarten könnt!

Das gilt übrigens auch für den „Feierabend“ – setzt euch eine feste Zeit z.B. zwischen 9 und 20 Uhr, in der ihr arbeitet. Davor und danach und in den Pausen bleiben die Finger weg. Packt eure Dokumente außer Sichtweite!

  • Mentale Einstellung

Oh nein jetzt muss ich das auch noch machen„, „Pfui ich hab gar keine Lust“ – nicht alle Aufgaben sind angenehm. Manchmal muss man einfach durch. Dann hilft es natürlich, wenn man nicht die ganze Zeit darüber nachdenkt, wie doof man die Aufgabe findet. Es hilft daran zu denken, was danach kommt. Der Stolz, wenn man eine Aufgabe geschafft hat. Die Freizeit oder die Belohnung, die einen vielleicht erwartet. Am Besten macht man sich nervige Aufgaben so angenehm wie möglich: einen leckeren Tee, Snacks, eine Belohnung wenn man die Aufgabe erledigt hat.

Was, wenn es mal nicht läuft?

  • Wie wäre es mit einem Arbeitsplatzwechsel? – Nein, nicht gleich den Job wechseln. Wenn eure Aufgabe es euch erlaubt, dann probiert doch mal ob es in der Natur oder in einem Café besser klappt?
  • Frische Luft und Natur. Jauuu, die Kinnars müssan anne frische Lufd! Ich bin ein Dorfkind und auch heute ziehe ich noch viel Kraft daraus, zwischendurch einfach auf einer Parkbank zu sitzen und den Fluss und den Wind in den Bäumen anzuschauen.
  • Mit Soundtrack zur Motivations- und Konzentrationsverstärkung? Es gibt viele Playlists auf Youtube oder Spotify die bessere Konzentration versprechen. Ob euch instrumental, Rock oder Naturgeräusche helfen – versucht es mal. Ich habe eine Oldschool-Rockmusik-Playlist – dabei lerne ich am Besten!
  • Exkurs aus der kognitiven Psychologie:

Wenn ihr lernt und dabei Kaffee trinkt, hilft es, in der Prüfungssituation auch Kaffee zu trinken. Der Geruch, der Geschmack – all das versetzt euch zurück in die Lernsituation und kann helfen die gelernten Informationen abzurufen. Ähnliche Situationen erleichtern den Abruf. Wer im Prüfungsraum lernen kann, kann das natürlich auch versuchen! Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: Wenn ihr beim Lernen herumlauft, an vielen Orten lernt und unterschiedliche Medien benutzt habt ihr mehr Hinweisreize, sogenannte Cues, die euch helfen können auf das gespeicherte Wissen abzugreifen!

  • Manchmal läuft es nicht. Dann helfen keine schlauen Tipps, keine Musik, keine Schokoladen-Zufuhr oder keine Koffein-Infusion. Denkt immer daran: Das Leben sollte trotz Arbeit lebenswert bleiben. Flauten und Durchhänger sind normal. Es kommen wieder bessere Zeiten, also lasst euch nicht entmutigen!

  • Nina hat mir zusätzlich dieses Video empfohlen, wenn man zwischendurch von Aufgabe zu Aufgabe wechselt. Super, finde ich:

  • Schreibratte empfiehlt, zwischendurch das Gesicht mit kaltem Wasser zu waschen! Sehr gut! Im Sommer habe ich immer ein Erfrischungsspray dabei – die gibt es inzwischen in jeder Drogerie

Ich hoffe, ihr habt vielleicht den ein oder anderen Tipp gefunden, der euch hilfreich erscheint. Nichts hiervon ist allgemeingültig. Menschen sind sehr verschieden, entsprechend muss jeder seine eigene Routinen und Methoden finden, um in den Workflow zu kommen.

 

Tüdelü,

eure Babsi

Studieren und Zweifeln (Mein Psychologie-Studium)

Studieren und Zweifeln (Mein Psychologie-Studium)

Junge Studenten wissen im ersten Jahr alles, im zweiten zweifeln sie, im dritten fangen sie an zu lernen. – Deutsches Sprichwort

Als Studentin im sechsten Semester, bzw. im dritten Jahr, kann ich in diesem Zitat zumindest ein bisschen Wahrheit erkennen. Ich hab mein Psychologie-Studium mit unglaublich großen Erwartungen begonnen. Psychologie war das, was mich interessierte, worin ich gut war – es war „meins„. Ich hatte natürlich gehört, dass am Anfang viele trockene Themen abgehandelt werden. Dass ich im fünften Semester mich immer noch nach Tiefe und Praxisbezug sehne, hätte ich allerdings nicht gedacht. In den Prüfungen bin ich unterdurschnittlich, gurke immer so um eine 3,0 rum, egal ob ich vier Wochen oder vier Tage gelernt habe. Das löst natürlich Frust aus.

Ich hatte noch nie besonders viel Ehrgeiz, ich wollte einfach meinen Weg gehen und es war und ist nicht mein Ziel in allem die Beste zu sein. Aber ich dachte, ich käme ein bisschen besser klar. Ich dachte, mich sollten ausnahmslos alle Inhalte im Psychologie Studium begeistern und interessieren.

Aber das war eine wunderschöne Illusionsseifenblase, die endlich zerplatzt ist.

Wie in der Schule bin ich im praktischen und mündlichen Bereich einfach deutlich besser, in schriftlichen Prüfungen für die Bulimie-Lernen und Auswendig-Wissen statt Verständnis gefragt sind, bin ich nicht gut. War ich nie. Vieles interessiert mich nicht und es fällt mir nicht leichter für Forschungsmethoden zu pauken als für mein verhasstes Physik. Obwohl ich mein  Ziel – den Bachelor und danach den Master – klar vor Augen habe. Das hat mich im letzten Jahr ziemlich entmutigt und mir die Lust am Studieren genommen.

Ich hatte und habe Zweifel daran, ob es das Richtige für mich ist. Ob ich den Master wirklich machen möchte. Zwischenzeitlich dachte ich daran, das mit dem Studium einfach sein zu lassen, aber ich mag es nicht aufzugeben und ich bin trotzig. Manchmal lasse ich mich von meiner inneren Stimme, dem Kritiker, übermannen, aber manchmal ziehe ich auch Kraft aus seinem Protest, indem mein Kampfgeist erwacht. Den Bachelor breche ich so kurz vor Schluss sicher nicht ab. Die Rückmeldung von Praktika, Freunden und Bekannten schenkt mir Kraft und Mut, dass ich mich nicht falsch entschieden habe. Außerdem versprechen zumindest ein paar Inhalte im sechsten Semester mehr Praxisbezug und spannende Inhalte.

Ich werde vielleicht nie der akademische Typ sein, Uni macht mir nicht so viel Spaß, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich lerne auch nicht so viel, wie ich mir erhofft hatte. Einerseits, weil ich bereits ein ganz solides Wissen habe, andererseits weil viele Dinge in der Psychologie beinahe selbstverständlich sind und im Bachelor nur mit Studien untermauert werden. Ich weiß nicht, wo es mich hinverschlagen wird. Ob ich den Master durchziehe, ob ich Therapeutin werde oder in eine ganz andere Richtung gehe.

Diese Selbstzweifel sind jedenfalls ätzend. Bis jetzt habe ich nur wenige Entscheidungen bereut und habe meinen Hintern schon über höhere Hindernisse gewuchtet. Ich will mich nicht dauernd fragen und mir nicht das Hirn zermartern ob ich geeignet bin oder nicht. Ich hoffe, ich kann den Erzählungen Glauben schenken, dass es im Master mehr Praxis und mündliche Prüfungsleistungen geben soll. Vielleicht gibt mir das auch mal den Kick, den ich brauche, um an mich zu glauben.

Eine Freundin sagte mir einmal, meine  ruhige, gelassene Ausstrahlung färbe positiv auf sie ab. Eine andere betonte, dass ich gut zuhöre und gute Ratschläge gebe. In meinen Praktika bekam ich gute Rückmeldungen und viel Lob. Das ist es, was ich später machen möchte! Menschen helfen. Aktiv nach einer Lösung zu suchen.

Und ich möchte mich so oft ohrfeigen, wenn ich wieder zu lange Trübsal geblasen habe. Wir Psychologen sagen immer so lapidar, man sollte sich seine Erfolge und glücklichen Momente aufschreiben. Ich denke mir selbst oft „Boah, ja, ich weiß, halt’s Maul“ – aber oft sollte ich es mir eigentlich selbst auf die Stirn tättowieren, weil ich schon wieder so selbstmitleidig und jammer-meckerig war und vollkommen außer Acht lasse, was ich bisher so geschafft habe.

Ich werde niemals die perfekte Psychologin für jeden sein – a) weil es Perfektion nicht gibt und b) weil Menschen eben Menschen sind und nicht jeder Topf zu jedem Deckel passt.

Ebenso wie es natürlich ist, viele Dinge ohne Beweis zu glauben, ist es auch nicht weniger natürlich, an anderen trotz der Beweise zu zweifeln.

Luc de Clapiers, Marquis de Vauvenargues

Ich will mich weniger auf die Zahlen auf Papier konzentrieren, aber das ist schwer, wenn man ein paar gute Noten brauchen könnte. Ich würde meinen Master gerne in einer anderen Stadt machen. Dazu brauche ich gute Noten, weil das Bachelor-Master-System es halt so vorsieht, die Unis hart aussortieren und das oft nur nach Note. Danach möchte ich raus hier, so schön die Stadt und so entspannt die Uni-Atmosphäre hier ist. Ich mag Kleinstädte nicht. Ich brauche Extreme. Entweder Großstädte oder Einöde, alles dazwischen regt mich nach einer Weile auf.

Ich interessiere mich auch für viele Richtungen. Kriminologie, Medienpsychologie, die therapeutische Laufbahn, Kinder- und Jugendpsychologie und habe ständig Angst, die falsche Wahl zu treffen, wenn ich mich für einen Master oder einen bestimmten Schwerpunkt entscheide. Aber ich bin 23. Wenn ich den Master fertig mache, bin ich vielleicht 26. Die Lebenserwartung einer Frau liegt ungefähr bei 80 und wenn die da oben in naher Zukunft nicht einen dritten Weltkrieg starten oder ich morgen von einem Blumentopf erschlagen werde, habe ich genügend Zeit in jeden dieser Bereiche reinzuschnuppern und vieles umzusetzen! Vielleicht schreibe ich auch einen Bestseller und habe ausgesorgt? Oder ich finde zufällig einen anderen Beruf, der mich einfach nur glücklich macht? Ich weiß nicht, woher diese Angst kommt, dass der Lebenslauf nicht geradlinig ist und ein paar Lücken enthält. Vermutlich weil es unberechenbar und teils außerhalb der eigenen Kontrolle liegt.

Und es nervt so sehr, wenn ich gerade angst- und zweifelsfrei bin und darüber nachdenke, wie ich mich gebe und wie ich jammere und heule, wenn ich in das Loch kugele und nicht rauskomme, weil ich wie ein Käfer auf dem Rücken liege, obwohl meine Arme kräftig genug wäre, um mich hinauszuziehen.

  • Deswegen halte ich das hier mal für mich fest:

Du kriegst das schon hin. Mehr machen, weniger nachdenken. Und vor allem: Hör auf, Ereignisse zu bewerten, bevor sie geschehen sind!

Selbstzweifel sind nunmal da, sie werden wiederkommen und es ist gut, auch mal inne zu halten und sich selbst zu hinterfragen. Jemand, der nie zweifelt, ist in meinen Augen sehr zweifelhalt. (Oh mann, ich werfe 1ct in die unterste Wortwitz-Schublade) Man darf es halt nicht übertreiben. Zweifeln ja, aber nicht verzweifeln.

Was macht man also, wenn man zweifelt und sich ständig hinterfragt? – Nun, wenn ihr ein Patentrezept habt, verratet es mir!

Ich mache jetzt brav die Übungen, die ich eventuell späteren Klienten aufgebe: Meine Erfolge und Errungenschaften in meinem Lieblingsnotizbuch festhalten und in schwierigen Zeiten reinschauen. Fein säuberlich als Liste, jeweils mit Grund, warum ich so stolz darauf bin. Daneben habe ich einen Hello Kitty Glitzer Sticker geklebt. Auf der anderen Seite ist ein Foto von Freunden und mir, auf denen wir alle das Gesicht verziehen wie Blobfische, vereint im Mut zur Hässlichkeit. Und auf der nächsten Seite ist eine Karte von meiner Mama, die sie mir zum Lernen für die Abiprüfungen vor fünf Jahren geschenkt hat:

„Prüfungen kann man wiederholen, Partys nicht“.

[Rezension] Sarah Kuttner – Mängelexemplar

[Rezension] Sarah Kuttner – Mängelexemplar

Hallo meine Lieben!

Heute gibt’s was auf die Ohren. Die Video Rezension werde ich so bald wie möglich nachdrehen! (Hier ist sie) .Ich habe während meiner zwei Tage im Krankenhaus bewusst kein W-LAN genutzt, sondern habe mich auf Bücher bzw. Hörbücher konzentriert. (Gut, ich hing ständig mit dem Handy auf twitter und habe Selfies von meiner Nase gemacht, aber psssst). Und „Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner war dabei!

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  • Sprecherin: Sarah Kuttner
  • Dauer: 317 Minuten
  • Ich habe das Hörbuch in der NEON Ausgabe* gehört

Mein Tipp: Aktuell gibt es das Hörbuch reduziert auf jokers für 4,99€ in zwei Versionen: Version Argon* und NEON Version*.

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Worum geht’s?
Großstädterin und Lebefrau Karo Hermann verliert ihren Job, muss ein paar Freunde aussortieren und fällt daraufhin in ein tiefes Loch. Schlummernde Konflikte und Emotionen wollen Aufmerksamkeit, Karo muss sich mit sich beschäftigen. Sie weint auf einmal viel und dann ist da die Angst. Ungewohnt, eine neue Herausforderung, die Karo schnellstens aus dem Weg räumen will. Aber das braucht Mut und Kraft. Wer hält auch in schweren Zeiten zu ihr? Wir begleiten sie auf ihrem Weg, mit Therapie und Psychopharmaka und hoffen, dass Karo ihr Happy End findet.

Meine Meinung;

Sprecher:

An diesem Punkt gehe ich beim Hörbuch jetzt nicht auf das Design ein, sondern auf die Sprecherin ein. Der Schreibstil schreit nach einer quirligen Person, die viele Emotionen darstellen kann und der man den blubbernden Schreibstil abnimmt. Wer passt da besser als Autorin und Allroundtalent Sarah Kuttner? Für mich die beste Wahl!

Schreibstil:

Der quirlige, bunte sehr anschauliche und mit ulkigen Vergleichen gespickte Schreibstil von Mängelexemplar eignet sich sehr gut für ein Hörbuch und ich kann mir sogar vorstellen, dass er als Hörbuch besser und lebhafter wirkt. Zum Lesen stelle ich mir das auf Dauer nämlich ein bisschen anstrengend vor. Die Sprache ist sehr bunt, blumig und flippig gehalten, sehr eigen und ist bestimmt nicht jedermanns Sache. Karo erzählt aus Ich-Perspektive und berichtet viel aus ihrer Gedankenwelt, aber auch wie sie die anderen Charaktere sieht.

Inhalt:

„Depression ist ein fucking Event!“, schallt uns der erste Satz entgegen. Karo Hermann, Großstädterin mit überschießender Energie und einem ständig vor sich hin quasselnden Kopf, verliert ihren Job, in ihrem Freundeskreis und der Beziehung kriselt es. Für die fröhliche, selbstironische Karo brechen härtere Zeiten an. Traurigkeit, Leere und die Angst. Diagnose: Depression. Dann die Panikattacke. Das tiefe Loch bzw. das Fehlen von Gefühlen ist komplett neu für sie. Plötzlich muss die selbstständige Frau sich Hilfe suchen und sich auf andere verlassen. Wir begleiten sie durch das erste Jahr hindurch, sehen Freunde kommen und gehen, sehen das Auf und Ab und können auch bei der Therapie Mäuschen spielen. Dabei zeigt sich, dass Karos fröhliche Fassade vor allem einem dient: Dem Selbstschutz. Negative Gefühle? Etwas Neues für Karo. Sich mit sich selbst, ihrem Leben und ihrem Umfeld so intensiv auseinander zu setzen bringt viele Probleme mit sich und Karo hofft nur eins: Ihr Happy End zu finden und die Depression schnellstmöglich mit Therapie zu bekämpfen und hinter sich zu lassen. Aber so einfach funktionieren Depressionen nun mal nicht.

Selbst Karo ist bei ihren Erzählungen sehr bemüht alles humorvoll und lustig darzustellen, sodass selbst ihre dunklen Momente mit einem gewissen Abstand betrachtet werden. Hier hätte ich mir manchmal noch ein bisschen mehr Ernsthaftigkeit gewünscht, ansonsten wurde das Thema schön sarkastisch und mit viel Humor behandelt. Etwas komplett Neues ist das Thema nicht, aber der Umgang und die Herangehensweise von Sarah Kuttner haben mir gut gefallen.

Charaktere:

Da die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird bekommen wir hauptsächlich Karo mit. Da gibt es noch den Popstar-Psychiater, Psychotherapeutin Anette, Philip, David, Max und Karos Familie und Freunde. Der Fokus liegt klar auf Karo und ihrem Innenleben, die anderen Charaktere sind sehr realistisch und reagieren unterschiedlich aufs Karos Krankheit. Wahre Freunde bleiben, falsche gehen und manche Leute begleiten einen nur ein Stück lang.

Mir gefiel die Entwicklung von Karo sehr gut, ihre Überlegungen und die Entwicklungen und Erfahrungen, die sie gemacht hat. Sie war manchmal etwas dickköpfig und man schüttelte den Kopf, aber das sollte man.Karo sagt mehrmals selbst von sich, das sie anstrengend ist. Und das stimmt, aber sie ist auch liebenswert und kreativ und eben ein richtiger Mensch mit guten und schlechten Seiten.

Ich frage mich, ob und wie viel autobiografisches von Sarah Kuttner in Karo steckt, denn es fühlte sich an als gäbe es Karo wirklich so natürlich kam es rüber.

Ende:

Das Ende war perfekt. Von vielen Geschichten zu dem Thema Depression war das ein realistisches Ende ohne zu sehr in Extreme abzudriften. Toll!

Fazit:

Als Hörbuch kann ich die Geschichte uneingeschränkt empfehlen! Mit 317 Minuten ist es wunderbar für längere Zug oder Autofahrten geeignet und das Thema ist durch die humorvolle Aufbereitung nicht zu belastend. Dennoch leiden und hoffen wir mit Karo und vielleicht kann der ein oder andere eine Lehre für sich daraus ziehen. Es bringt einem unbewusst viel über die Krankheit und die nötigen Soft Skills bei. Ich finde, jeder sollte es gehört oder gelesen haben! Von mir gibt es 4,5 Seesterne, da ich Karos Erzählstil doch manchmal etwas zu anstrengend fand. 😉

45seesterne

Weitere Meinungen:

 


*Diese Links kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

Babsis ungewöhnlicher Charakterfragebogen

Babsis ungewöhnlicher Charakterfragebogen

Viele haben sich gewünscht, dass ich ein bisschen mehr Inhalte & Erfahrungen aus meinem Psychologie Studium einbinde und diese mit dem Schreiben verknüpfe. Ich möchte später wahrscheinlich eine therapeutische Laufbahn einschlagen, am liebsten eine eigene Praxis. Heimelig, gemütlich, vielleicht keine Couch, aber ein Sessel. Wohlfühlatmosphäre in der man sorglos und offen reden kann. Nun gehört zu dem Job aber natürlich nicht nur gutes Zureden und kluge Ratschläge – es geht auch darum,  nachzufragen, zu hinterfragen und auch unangenehme Fragen zu stellen.

Das dient vor allem der Exploration des Problems. Denn: Je besser man seine Situation kennt, je genauer man die eigenen Mechanismen, Impulse und Automatiken versteht, desto besser kann man handeln.

Ein fiktives Beispiel um das anschaulicher zu machen:

Frau XY berichtet von negativer Stimmung und Niedergeschlagenheit.

So. Das ist scheiße. Nun reicht diese Information aber nicht, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Wir haken also nach. Wie äußert sich das? In welchen Situationen tritt das Gefühl auf? Gibt es Auslöser? Was denkt Frau XY warum sie sich so fühlt? Wann fühlt sie sich nicht so?

Dadurch erfahren wir, dass Frau XY sich in Gesellschaft fremder Personen unwohl und unsicher fühlt und im Nachhinein ins Grübeln gerät. Sie ist überzeugt, dass andere Personen sie für hässlich, unlustig und dumm halten müssen und steigert sich in diese Selbstzweifel hinein. Ist sie jedoch unter Freunden, die sie lange kennt, kann sie ungezwungen und glücklich sein und hinterfragt danach auch nicht so  sehr, was die anderen wohl über sie denken.

Allein dadurch, das wir also viele Fragen gestellt haben, nachgebohrt haben und uns nicht mit einem Blickwinkel und einer Theorie zufrieden geben, erhalten wir ein detailiertes Bild. Damit ist es aber nicht getan. Wir fragen weiter: Warum fühlt sie sich bei ihren Freunden wohl? Warum denkt sie, dass fremde Personen schlecht über sie denken? Hat sie negative Erfahrungen gemacht? Hat sie positive Erfahrung gemacht? usw.

Erst, wenn das Problem möglichst umfassend beleuchtet wurde, wird versucht, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. Im Falle von Frau XY würde man vielleicht versuchen, am Selbstwertgefühl zu arbeiten, Gesprächssituationen zu üben und ihr Selbtsbewusstsein zu stärken.


Aber mit möglichen Therapie- und Beratungsgesprächen will ich mich heute gar nicht lange aufhalten. Das ist kompliziert, umfangreich und sehr individuell. Mir geht es heute um die Fragen. Ich bin überzeugt davon, dass gut ausgearbeitete Charaktere eine Bereicherung für Bücher sind. Tolle Charaktere können einen gewöhnlichen, unspektakulären Plot aufmischen; Schlechte Charaktere können hingegen fantastische Welten und spannende Abenteuer zerstören.

Es gibt zahlreiche Vorlagen und tolle Steckbriefe für die Charakter-Erstellung. Sehr umfangreich und meiner Meinung nach eine sehr gute Hilfe bietet der Charakterbogen von Jacqueline Vellguth. Generell hat sie tolle Beiträge zur Charakterentwicklung und auch sie hat eine Kollektion von Fragen, die man seinen Charakteren stellen kann.

Aber genug Vorgeplänkel, hier kommt nun mein ganz eigener Interview-Leitfaden für intensiven Austausch mit den eigenen Buchcharakteren. Man kann nie genug Fragen stellen! (Nicht alle Fragen sind immer 1 zu 1 auf jedes Gerne, jeden Charakter und jede Zeitperiode zu übertragen, aber es kann auch interessant zu sein, sich zu fragen, was wäre, wenn…)

Babsis ungewöhnlicher Charakterfragebogen

  1. Wovon bekommst du kalte Füße?
  2. Wie lange brauchst du um einzuschlafen?
  3. Was macht einen guten Morgen für dich aus?
  4. Worauf bist du in deinem Leben stolz?
  5. Was liegt neben deinem Bett/auf deinem Nachttisch?
  6. Wenn etwas schief geht, woran liegt das/wen machst du dafür verantwortlich?
  7. Was für Buch/Filmgenres magst du gerne?
  8. Bist du offen gegenüber neuen technischen Errungenschaften?
  9. Wenn dir jemand leidenschaftlich von einer Idee erzählt, wie reagierst du darauf?
  10. Welche Körperstelle berührst du am häufigsten?
  11. Welchen Feiertag magst du am liebsten/wenigsten?
  12. Eine Situation ist neu und unbekannt. Wie verhältst du dich?
  13. Wenn du einer unwissenden Person etwas erklärst, bist du geduldig?
  14. Jemand provoziert/beleidigt dich. Wie reagierst du?
  15. Wenn etwas schiefläuft, gibst du dir die Schuld?
  16. Du erhältst negative Kritik. Wie gehst du damit um?
  17. Du siehst etwas Niedliches/Ergreifendes. Deine Reaktion?
  18. Warum gibt es das Böse?
  19. Wofür lohnt es sich zu leben?
  20. Hast du eine Morgenroutine?
  21. Wenn niemand dich beobachtet, was tust du dann? (z.B. in der Nase popeln?)
  22. Wie reagierst du auf detailierte Gespräche über Körperflüssigkeiten, medizinische Eingriffe oder Exkremente?
  23. Wann ist eine Person bei dir unten durch?
  24. Wie viele Chancen verdient eine Person?
  25. Wofür entschuldigst du dich am meisten?
  26. Welche Shows/Serien schaust du auf Youtube/Streaming-Seiten/im Fernsehen?
  27. Wenn ein Wunder geschieht und alle Probleme sich lösen, wie würde das aussehen? Woran würdest du das merken?
  28. Jemand hat einen Popel/Fleck im Gesicht/Klopapier am Schuh. Was tust du?
  29. Wie würdest du beim Marshmallow Test abschneiden?
  30. Ist die Bindung zu anderen Charakteren eher sicher oder unsicher?
  31. Was würdest du dir nie verzeihen?
  32. Bestellst du lieber Nachtisch oder ein zweites Getränk?
  33. Welche Social Media Plattform würdest du verstärkt nutzen/welche nutzt du am häufigsten?
  34. Gibt es ein/en Anblick/Geruch/Geräusch, bei dem du tiefen, inneren Frieden verspürst?
  35. Welche Alltagsaufgabe/Hausarbeit empfindest du als besonders lästig?
  36. Wo hast du deine Soße am Liebsten? Mitten drauf, daneben, verteilt, gar keine Soße?
  37. Wenn du ein Tier wärst, welches Tier wärst du?
  38. Welches Wort benutzt du am häufigsten?
  39. Was für einen Urlaub möchtest du machen? Strandurlaub, Städtereise, Erlebnisreise, Wellness?
  40. Glaubst du an Horoskope, Sternzeichen, Mondkalender, Prophezeihungen etc.?
  41. Was ist dein „guilty pleasure„?
  42. Was findest du gut/schlecht, obwohl die Mehrheit einer anderen Meinung ist?
  43. Wenn dich jemand um Rat fragt, du aber nicht weiterweißt, was tust du?
  44. Liest du das Kleingedruckte bei Verträgen bzw. die AGB?
  45. Was stört dich an dir selbst am meisten?
  46. In welcher Zeit würdest du gerne leben?
  47. Was macht einen Menschen für dich sofort sympathisch?
  48. Was muss jemand mitbringen, um kompetent zu wirken?
  49. Stöberst du gerne im Supermarkt oder rauscht du gleich zur Kasse?
  50. Stören dich ungerade Zahlen, Eselsohren, Knitterfalten in Klamotten, schief hängende Bilder?
  51. Kontrollierst du vor dem Verlassen des Hauses, ob der Herd aus ist oder ob du den Schlüssel eingesteckt hast?
  52. Welche Eigenschaft an dir würdest du gerne ändern?
  53. Was findest du wirklich ungerecht?
  54. Grüßt du die Putzfrau?
  55. Denkst du, irgendeine gesellschaftliche Gruppe ist weniger wert?
  56. Warum entstehen Krankheiten?
  57. Du musst/kannst einen ganzen Tag im Bett verbringen. Wie findest du das und womit beschäftigst du dich?
  58. Ohne welchen Gegenstand verlässt du niemals das Haus?
  59. Welche Geschäfte & Läden magst du am liebsten?
  60. Bist du experimentierfreudig?
  61. Lebst du deine Sexualität aus?
  62. Was ist für dich ein Hindernis, das du überwinden willst?
  63. Hörst du üblicherweise auf die Ratschläge anderer?
  64. Rechfertigst du dich häufig?
  65. Was ist deine Art Stress abzubauen?
  66. Du bist für einen Tag in einer unbekannten Stadt und betreibst Sightseeing. Lieber eine Attraktion weniger sehen und dafür eine Kaffeepause einlegen?
  67. Eine lärmende Kindergartengruppe betritt dasselbe Zugabteil wie du. Was tust/denkst du?
  68. Jemand lächelt dich an. Lächelst du zurück?
  69. Was bedeutet für dich „in Würde altern“ bzw „in Würde sterben“?
  70. Interessierst du dich für Kunst?
  71. Welchen Stellenwert hat Gesundheit für dich?
  72. Eine Person auf der Straße starrt dich an. Warum?
  73. Welcher Beruf ist deiner Meinung nach völlig unterbezahlt und welcher völlig überbezahlt?
  74. Ein dicker Junge isst einen Hamburger. Was ist dein erster Gedanke?
  75. Glaubst du an das Gute im Menschen?
  76. Was ist für dich das Schlimmste, das ein Mensch tun kann?
  77. Vor welcher Todesart fürchtest du dich am meisten?
  78. Das Internet funktioniert nicht, die Technik streikt. Was tust du?
  79. Was für ein Körperteil findest du besonders anziehend?
  80. Änderst du oft deine Meinung?
  81. Wie wichtig sind Traditionen und Rituale für dich?
  82. Wie viel Zeit steckst du in dein Äußeres?
  83. Womit belohnst du dich für eine gute Leistung?
  84. Du steckst im Aufzug fest. Was tust du?
  85. Du hörst seltsame Geräusche vom Dachboden. Denkst du schnell an Geister?
  86. Was findest du absolut lächerlich?
  87. Du spielst „Die Sims“. Was machst du hauptsächlich? Baust du Häuser, zeugst du Kinder, löscht du die Leiter aus dem Pool?
  88. Glaubst du, dass Träume wahr werden können?
  89. Kann man alles lernen bzw. meistern, wenn man nur hart genug dafür übt und kämpft?
  90. Wann betrachtest du einen Kampf/Streit als verloren?
  91. Wirst du eher wütend oder eher traurig?
  92. Spülst du das Geschirr gleich nach dem Essen ab oder lässt du es stehen?
  93. Was sammelst du bzw. was kannst du nur schwer weggeben oder wegwerfen?
  94. Bei welcher Aktivität/Person vergeht die Zeit wie im Flug?
  95. Die neue Staffel deiner Lieblingsserie ist nur illegal im Internet zu sehen. Schaust du trotzdem oder wartest du auf die legale Veröffentlichung?
  96. Glaubst du daran, dass eine höhere Macht oder Organisation dich beobachtet?
  97. Lachst du, wenn Leute hinfallen oder ausrutschen?
  98. Lieber Schulmedizin oder Naturheilkunde?
  99. Machst du öfter mal krank obwohl du gar nicht krank bist?
  100. Welches ist die Knabberei deiner Wahl beim Filme schauen?

 

Warum ich Psychologie studiere und wie es mich beim Schreiben beeinflusst

Warum ich Psychologie studiere und wie es mich beim Schreiben beeinflusst

Ich studiere Psychologie im 5. Semester Bachelor. Warum? Weil mich Menschen und ihre Beweggründe faszinieren. Weil ich finde, dass seelische Wunden oft schwerer behandelbar sind und leichter übersehen werden, aber oft länger schmerzen als körperliche Verletzungen. Und weil ich mit ca. 15 Jahren nach einem Nervenzusammenbruch bei einer Psychologin war, deren Unfähigkeit und mangelnde Sensibilität bis zum Himmel stank. Nach drei Sitzungen habe ich beschlossen, so eine kompetenzfreie Person nicht mit Zeit und Geld würdigen zu wollen. Ich war fertig, aber ich habe auch gemerkt, dass in schwierigen Zeiten wahre Freunde und meine Familie zu mir stehen. Etwas hat „Klick“ gemacht und ich konnte mich selber am Kragen packen und aus der Grube ziehen. Es fing an als „trotziger“ Gedanke.

Das kann doch jeder besser als diese Zimtziege„, habe ich gedacht, „Das kann ich besser!

Ich kannte nun das dunkle Loch, in das Menschen fallen können und im Laufe meines Lebens habe ich auch viele andere hineinfallen sehen. Die Überlegung war lange vorher da, aber – und dafür muss ich dieser inkompetenten Frau wohl danken – der Entschluss, Psychologie zu studieren fiel in dieser Zeit. Bis es dann soweit war, vergingen einige Jahre und ich machte auch ein Frewilliges Soziales Jahr in einer psychiatrischen Klinik (um sicherzugehen, dass ich mit psychisch kranken Menschen wirklich umgehen und ihnen helfen kann). Heute bin ich hier, schreibe bald meine Bachelorarbeit und arbeite an meinem ersten Buch.

Psychologie und Schreiben – wie hängt das zusammen?

Ich habe schon immer gerne anderen zugehört und geholfen, ich sage zu selten Nein und denke manchmal erst zuletzt an bzw. zu negativ über mich. Ich denke aber generell viel nach, habe Fantasie und frage mich, was andere Menschen erleben und denken. Das sind wichtige Mermale für Psychologen und alle, die mit Menschen arbeiten wollen. Aber auch für Autoren.

Psychologie ist nicht, wie viele denken, begrenzt auf psychische Erkrankungen und Kliniken. Und Sigmund Freuds Theorien sind längst überholt und stark überarbeitete Elemente sind nur rudimentär in der heutigen Tiefenpsychologie zu finden. Aber: Psychologie ist überall. Im Supermarkt wenn die günstigen Sachen unten stehen, in Autocockpits mit neuer Benutzeroberfläche, in der Neurologie, in Werbeanzeigen, in Bewerbungsverfahren, in Coachings, in Konflikten, in unserer täglichen Wahrnehmung. Grundlegende Modelle zu Sender-Empfänger, Stressentstehung oder Aufmerksamkeit werden der Psychologie zugerechnet. Im Bachelorstudium lernt man deswegen vor allem Grundlagen. Wie funktioniert Wahrnehmung, wie Informationsverarbeitung, was sind Gründe für Fehler in diesen Systemen, warum verwenden Menschen Heuristiken, was reguliert die Amygdala, ab welchem Alter entwickeln Kinder die Theory of mind, welche Diagnostik-Verfahren gibt es etc. etc. … – praktisch Relevantes habe ich im „reinen“ Studium, also durch Vorlesungen, bisher weniger gelernt. Das Wissen kommt vor allem aus den dazugehörigen Praktika und anwendungsbezogenen Seminaren.

Gedanken lesen, Leute analysieren und ihr ganzes Leben auseinander nehmen kann kein Psychologe, den ich kenne. Wenn jemand drei Stück Zucker in seinen Kaffee tut, weiß ich nicht ob seine Eltern ihn vernachlässigt haben, ob seine Geschmacksnerven verkümmert sind oder ob er ein süßes Schleckermaul ist. Ich weiß nur, dass er drei Stück Zucker in seinen Kaffee gibt und dafür wahrscheinlich einen Grund hat (und dass ich das widerlich finde). Vielmehr geht es in der Psychologie, meiner Erfahrung nach, darum, die richtigen Fragen zu stellen. Gibt es auch Momente, in denen Sie sich nicht traurig fühlen? Warum stört Sie die Interaktion mit XY, können sie mir dafür ein konkretes Beispiel geben? Was tut Ihnen gut? Was müsste sich ändern, damit Sie sich besser fühlen?

Wenn ich Bücher lese, dann sind neben der Geschichte und dem Schreibstil für mich vor allem die Charaktere wichtig. Sie müssen Motive, Gründe haben und sollten dreidimensional sein, keine platten Konstrukte auf Papier. Sie können silbernes Haar haben, das im Licht wie Mondschein glitzert, aber wenn sie die emotionale und logische Reichweite einer Erdnuss haben hilft das alles nicht. Ich versuche in meinen Büchern großen Wert darauf zu legen, dass jeder Charakter seine eigene Geschichte hat. Frei nach dem Motto „Der Antagonist ist der Held in seiner eigenen Geschichte“. Das gilt aber auch für die beste Freundin der Heldin oder den Bruder oder den Typ von nebenan. Wenn ein Charakter eine gewisse Rolle spielt, braucht er in meinem Kopf neben einem Gesicht auch Eigenschaften, die ihn charakterisieren. Natürlich baue ich gerne Erfahrungen aus meinem Studium und den Praktika mit ein.

Wie verhält sich jemand mit einer posttraumatischen Belastungsstörung, welche Symptome können sich wann zeigen und wodurch ausgelöst werden? Wie denkt jemand, der eine Essstörung hat? Wie nimmt jemand die Welt wahr, wenn er an Depressionen leidet?

Dafür muss man nicht unbedingt Psychologie studieren, es gibt genug Fachbücher, die einem das Wissen vermitteln können. Was am meisten hilft, ist: Menschen um sich herum beobachten und wahrnehmen. Gespräche führen, Dinge und Einstellungen zu hinterfragen. Offen gegenüber Menschen und Interessen zu sein, die einem selbst fremd, dumm oder schlichtweg gleichgültig sind. Ist die oberflächliche Tussi mit den gemachten Fingernägeln wirklich einfach ein gemeiner, zickiger Mensch oder wurde sie in der Vergangenheit verletzt und gibt sich nun wie eine Löwin? Sind die feierwütigen Nachbarn wirklich nur laute, nervige Menschen oder führen sie im Rausch bei Rotwein und Gras auch tiefe, philosophische Gespräche? Was für Träume und Ziele haben sie? Warum lieben sie das, was sie lieben? Warum mag ich das vielleicht nicht? Was macht uns gleich und was unterscheidet uns?

Ich stelle Fragen, bleibe neugierig und versuche jeden Menschen losgelöst mit der größtmöglichen Offenheit gegenüber all seinen Eigenarten zu betrachten.

Einfühlungsvermögen, Fantasie, Offenheit, Interesse, Flexibilität.

Das sollte ein guter Psychologe meiner Meinung nach mitbringen. Stempel reichen nicht aus und wer blind nach Lehrbuch sein Manual runterspult wird den Menschen nie auf die Art helfen können, wie jemand der tiefer blickt.

Für einen Autor sind diese Eigenschaften ebenso wichtig, wenn er ein Buch schreiben möchte, das tiefgründig, bunt und vielschichtig ist.

Es spielt ineinander und sich mit der menschlichen Psyche und ihrer Geschichte auseinanderzusetzen bereichert nicht nur ein mögliches Buch, sondern auch einen selbst.