Schlagwort: literatur

[Lesechallenge] Wir lesen Frauen

[Lesechallenge] Wir lesen Frauen

[Lesechallenge] Wir lesen Frauen

Wie viele Autorinnen stehen bei euch im Regal? Greift ihr bewusst eher zu Autoren eines bestimmten Geschlechts? Achtet ihr überhaupt nicht darauf? Meidet ihr z.B. Krimis von Personen mit weiblichem Namen?
Egal welcher Fraktion ihr angehört, Frauen sind in der Literatur sind unterrepräsentiert. Literaturpreise, Feuilleton, Lehrplan, Literaturlisten – hauptsächlich Männer. Und Spoiler: Das liegt nicht daran, dass Männer besser schreiben.

Die #WirLesenFrauen Challenge, die Eva-Maria Obermann am 8. Februar ausgerufen hat, richtet das Augenmerk besonders auf Autorinnen. Und das ist großartig! Alle Infos über die Challenge, Inspiration, Ideen und Hintergrundwissen gibt es bei Evas Blog Schreibtrieb!

(Titelbild (c) Eva-Maria Obermann)


Wir lesen Frauen

(Ich werde alle Bücher von Autorinnen mitzählen, die ich von Februar 2019 bis Dezember 2019 gelesen habe und die Liste fleißig updaten!)

  • Sachbuch zum Thema Feminismus

Scarlett Curtis: The future is female (Rezension folgt)

 

  • Buch aus einer Autorinnenvereinigung

Katrin Ils: Splitter der Nacht

 

  • Buch einer WoC

Rupi Kaur: milk and honey & the sun and her flowers

 

  • Essayband einer Autorin

 

  • Buch einer deutschsprachigen Autorin

K.C. Atkins: New York Bastards – In deinem Schatten
Ava Reed: Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen
Laura Kneidl: Water & Air (Rezension folgt)

 

  • Buch einer nicht-europäischen und nicht-amerikanischen Autorin

Kanae Minato: Schuldig

 

  • Sachbuch einer Autorin
  • Preisgekröntes Buch einer Autorin  –

 

  • Buch einer SP-Autorin

Magret Kindermann: Und dein Leben, dein Leben

 

  • Literaturklassiker einer Autorin

 

  • Gegenwartsroman einer Autorin

Sarah Kuttner: Kurt

 

  • Buch über eine trans Frau, geschrieben von einer (trans) Frau

(c) Chris Murray // Unsplash

Vielen Dank liebe Eva für diese tolle Challenge! Welche tollen Menschen noch alle mitmachen, seht ihr auf der Übersichtsseite.

 

 

Babsis Leipziger Buchmesse 2019

Babsis Leipziger Buchmesse 2019

Babsis Leipziger Buchmesse 2019

In kompakter Videoform gibt es meine Messeeindrücke natürlich wie immer auf meinem Youtube Kanal:

 

Mittwoch: Wiedersehensfreude und Aufbau

Nornennetz Stand

Die Anreise begann für mich bereits am Mittwoch. In Erfurt hüpfte ich in den Zug, in dem schon Elenor Avelle saß. Gemeinsam rollten wir fleißig Lose für den Messestand des Nornennetzes. Anne Zandt sammelte uns mit dem Auto vom Bahnhof ein und über viele Treppen ging es zur Nornen-Messe-WG im vierten Stock eines schönen Altbaus. Hier wurde erstmal begrüßt, geplaudert und dann persönliche Gegenstände und Ausrüstung für den Messestand in verschiedene Häufchen sortiert. Wir rollten weiter fleißig Lose für den Kelch und dann ging es los zum Messegelände. Efeu sprießen lassen, Bücher ordentlich präsentieren und Gewinne für die Verlosungen sortieren. Unter einem fast vollen Mond tuckerten wir schließlich wieder heimwärts, freudig gespannt auf den Messebeginn.

Donnerstag: Es ist sehr voll hier!

Am Donnerstag war ich ziemlich erschlagen von den einströmenden Massen. Die erste Nacht in einem fremden Bett mit mehreren Leuten im Zimmer ist immer etwas holprig und so fühlte ich mich kaum ausgeruht. Für jeden Messetag hatte ich mir Programm aufgeschrieben – am Donnerstag habe ich nichts davon geschafft. Ich war so erschöpft und überfordert, dass ich morgens einfach nur meinen Kaffee umklammerte und versuchte, mich zu sammeln. Zum Glück war der Standdienst bei den Nornen eine Konstante und meine Schwestern total lieb und rücksichtsvoll. Am Stand konnte ich mich außerdem langsam „klimatisieren“ und an die ganzen neuen Eindrücke gewöhnen. Viele liebe Leute kamen am Stand vorbei, um mich zu besuchen und zu knuddeln.

Nornentalk & Phantastik Leseabend

So langsam setzte dann die Nervosität ein, denn gemeinsam mit Anne Zandt, Michelle Janßen und Eleonore Laubenstein, würde ich bei der Phantastik Leseinsel 2 eine 30-minütige Diskussionsrunde moderieren. Wir sprachen die Fragen nochmal in Ruhe durch, aber ich war natürlich trotzdem aufgeregt. Aber es saßen viele liebe Freund*innen im Publikum, die es ganz leicht machten, sich zu konzentrieren und nicht vor Nervosität einzugehen. Obwohl wir schneller mit den Fragen durch waren als geplant und ich ein bisschen improvisieren musste, lief alles gut und wir konnten die wichtigsten Punkte ansprechen. Es wird den Beitrag auch wieder als Transkript bzw. zum Nachhören geben, sobald ich mehr weiß, verlinke ich euch das auch gerne hier.

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Danach ging es nach einer kurzen Pause direkt zur Verleihung des Seraph Phantastikpreises. Mit Stella Delaney und Nora Bendzko waren zwei Nornen auf der Shortlist, für die ich natürlich feste die Daumen gedrückt habe. Das Rennen gemacht haben Bernhard Hennen, Birgit Jaeckel und Kris Brynn. Gemeinsam mit ein paar lieben Freundinnen brachen wir dann auch schon auf zum Phantastik Leseabend, an dem ebenjene Gewinner*innen neben anderen Phantastik-Autor*innen lesen würden (Die liebe Jenny hat mich übrigens eingeladen, danke!). Für Essen blieb jedoch keine Zeit, da wir sonst viel zu spät gekommen wären. Vor Ort gab es nur kleine Knabbereien und ich wollte nicht zwischendurch raus und mir gegenüber beim Imbiss was holen. Der Abend war wirklich fabelhaft, auch wenn mir zur Pause die Puste ausging. Ich hätte gerne noch länger zugehört, aber der Magen hing in den Kniekehlen und ich war total platt. Gemeinsam mit Nora ging es nach Hause in die Messe WG, kurz unter die Dusche und ab ins Bett.

Freitag: 9lesen

Der Freitag begann etwas besser ausgeschlafen. Heute fühlte ich mich den Massen besser gewappnet. Mit der Verlosungsbox der #MesseFürDaheim vom Nornennetz ging es los in Halle 1 und 3. Die #MesseFürDaheim Box wurde vom Nornennetz auf je drei Kanälen verlost und ich traf einige liebe Freundinnen, die mir Goodies dafür spendeten. Für mich selbst habe ich bei den vielen tollen Künstler*innen natürlich auch was gekauft.

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Nach einer weiteren Runde Standdienst mit Lose verteilen, glückliche Gewinner beschenken und guten Gesprächen ging es für mich zur Bloggerparty von Tolino. Die liebe Julia hatte mich eingeladen und bei Popcorn und Eistee gab es weitere gute Gespräche und neue Bekanntschaften. Dazu gab es eine total süße, prallgefüllte Goodiebag mit Tee, Keksen(die haben nicht lange überlebt), Notizbuch, Stickern, Badezusatz und vielen anderen süßen Kleinigkeiten. Danke!

Allerdings hatte ich noch einen wichtigen Termin: Das erste Jubiläum von 9lesen! Nach Stärkung mit leckerem Flammkuchen startete die Veranstaltung im vollbesetzten Café Eigler. Der einzige Wehmutstropfen dieser Location waren die geteilten Räume. Aber der Livestream funktionierte, die Stimmung war trotz Müdigkeit gut, die Texte abwechslungsreich und die Bilanz des Abends positiv. Wir hoffen, weiterhin wachsen zu können und euch einen bunten Mix aus unveröffentlichten und veröffentlichten Autor*innen sowie verschiedenen Genres bieten zu können! Vielen Dank an alle, die da waren.

Samstag: ES IST WIRKLICH SEHR VOLL HIER

Es ist bei jeder Messe dasselbe Spiel: Kaum hat man sich einigermaßen an die Menschenmassen gewöhnt, kommt das Wochenende und wenn man Donnerstag denkt „Wow, ist das voll hier!“, wird man Samstag eines besseren belehrt. Dieses Mal habe ich gemerkt, dass ich mit so vielen Reizen und Eindrücken schlecht umgehen kann. Ich werde schnell müde, gereizt und bin überfordert. Deswegen weiß ich die Pressetage auf der Frankfurter Buchmesse umso mehr zu schätzen. Ich wünschte, in Leipzig gäbe es auch wenigstens einen solchen Tag. Denn es ist wirklich schwierig, sich zu den Veranstaltungen zu kämpfen, die man sehen will oder die Stände genauer anzuschauen.

Ich hatte direkt morgens Standdienst beim Nornennetz und hatte mir danach einige Dinge vorgemerkt. Ich habe mich todesmutig in Halle 1 begeben und dort die liebe Melanie Schober wiedergetroffen und mir das vorbestellte Buch „Drawing Dilemmas“ abgeholt. Anschließend plauderten wir noch und dann ging es für mich in Halle 5 zur Bloggerlounge wo ich an meiner Kaffeetasse hing und mit lieben Menschen plauderte – froh um die Ruhe und den Sitzplatz. Anschließend tuckerte ich, getragen vom Menschenstrom, noch etwas durch die Hallen, ohne bestimmte Dinge anzuschauen.

Abends fuhren wir dann mit den Nornen zum großen Nornen-Messe-Essen. Wir waren alle total müde, aber nach einer Stärkung ging die Müdigkeit in Heiterkeit über (Nach müde kommt blöd) und wir haben sehr viel gelacht. Ein wunderschöner Abend, mit dem wir uns für den letzten Messetag wappnen konnten.

Sonntag: Ich will nicht, dass es vorbei ist

Bizarr, wenn man eigentlich total k.o. und hinüber von der Messe ist und am letzten Tag doch nicht will, dass es aufhört. Kaum hat man sich ein bisschen eingewöhnt und einen Überblick verschafft, ist es schon wieder vorbei. Sonntag stand deswegen wieder im Zeichen der Menschen. Ich lauschte am Nornennetz Stand Lesungen und dachte endlich daran, Selfies zu machen! Nach dem Abbau ging es dann noch kurz mit ein paar Lieblingsmenschen essen, bevor ich erschöpft in den Zug purzelte.

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Mein Fazit

Die Leipziger Buchmesse 2019 war wunderschön und reich an wundervollen Begegnungen und Gesprächen mit lieben Menschen. Allerdings hat sie mir auch knallhart meine Grenzen gezeigt. Während ich auf der Frankfurter Buchmesse noch meine Antidepressiva nahm war das die erste Messe ohne Medikamente. Wie bereits erwähnt, merkte ich, dass mein Atem wieder kürzer war. Dass mich vieles überforderte, verängstigte und anstrengte. Weniger als noch in meinen schlimmen depressiven Phasen, aber mehr als mit den antriebs- und stimmungssteigernden Medikamenten. Diese Erinnerung klebt bittersüß in meinem Hinterkopf.

Ich wachse, Ich gedeihe…

Aber es ist eine Lektion über mich und meine Grenzen, die mich lehrt, mir weniger vorzunehmen, mich mehr treiben zu lassen und gut auf mich zu achten. Das habe ich auf der Leipziger Buchmesse geschafft – aber die nagende, selbstkritische Stimme war noch da. „Ich schaffe nicht genug“, „Ich muss doch mehr Energie haben“ – wenn ich dieses fiese Nervtöterchen noch besser in den Griff bekomme, dann werde ich eine gute Balance finden. Vor allem aber freue ich mich, dass ich so viele tolle Menschen getroffen habe, die auch Verständnis dafür hatten, wenn ich nicht sonderlich gesprächig war. Ich bin dankbar, lerne und wachse und ich zehre von den schönen Erfahrungen, den Umarmungen, den lieben Worten und den Menschen, die mich mögen und akzeptieren.

Beim Sichten der Fotos habe ich gemerkt, dass ich mit vielen Menschen keine Fotos gemacht habe. Natürlich ist es schöner zu quatschen als Selfies zu schießen, aber manchmal bin ich doch etwas traurig, dass es kein gemeinsames Bild gibt. Memo an Zukunftsbabsi: Mehr Fotos mit Menschen!

Danke liebe LBM19, dass ich bei dir nach Hause kommen und all diese wunderbaren Menschen treffen kann!

 


Weitere Messerückblicke:

 

Weißkittelphobie? Ärzte und Psychiater in der Literatur

Weißkittelphobie? Ärzte und Psychiater in der Literatur

Weißkittelphobie? Ärzte und Psychiater in der Literatur

 

Da ich selbst Psychologie studiere und Psychotherapeutin werden will, kämpfe ich nicht nur gegen die hartnäckigen Vorurteile rund um psychische Erkrankungen, sondern auch gegen die Vorbehalten gegenüber Psycholog*innen, Psychiater*innen und Ärzt*innen. Mit der „Weißkittelphobie“, genauer gesagt dem „Weißkittelsyndrom“, gibt es sogar den wissenschaftlichen Beweis, dass allein das charakteristische Kleidungsstück den Blutdruck höher treiben kann. Da muss der Onkel Doktor noch nicht mal die Spritze zücken, damit es den Patient*innen Angst und Bange wird.

Zahnarztbesuche – unangenehm, für manche Leute ist der jährliche Kontrolltermin mit Panikattacken verbunden oder nur in Begleitung oder Vollnarkose auszuhalten. Viele Menschen meiden Krankenhäuser, Arztpraxen wirken seltsam steril und die gelegentlichen Schreie und Horrorgeschichten über die lokale „Irrenanstalt“ sorgen für den Rest.

Warum verspüren wir Angst oder Unbehagen?

Einerseits hat es etwas mit dem Beruf an sich zu tun. Krankheiten, Tod, Blut, Verletzungen, Leidensgeschichten. Was Ärzte und Pflegepersonal tagtäglich mitansehen müssen, strapaziert die Nerven. Es sind Schicksale, die mit dem Krankenwagen eingeliefert werden, Schicksale, die stundenlang in Notoperationen zusammegeflickt werden und Schicksale, die mit niederschmetternden Diagnosen klarkommen müssen. Anders als bei einem Friedhof – wo der Drops gelutscht, der Frieden wiederhergestellt ist – geht im Krankenhaus das Leben ab. Der Kampf, das Drama, all die Gefühle. So etwas färbt einen Ort sicherlich.

Damit die Behandlung gut läuft, müssen die Arbeitenden auch abliefern. Mit kühlem Kopf, professionell und sauber Arbeiten. Blutbad beseitigen, Leiche weg, nächster Patient. Diese Hektik, der Prozess und die fehlende Zeit für Wehklagen, Trauer oder Wut wirkt befremdlich. Dabei ist es eine der größten Leistungen von Pflegepersonal und Ärzt*innen! Gefühle eben aufzuschieben und nicht zu heulen, während man den nächsten Patient behandeln muss. Gefühle aufschieben, nicht wegschieben.

Trotzdem hat es etwas Gruseliges, dieser präzise getaktete Ablauf eines Krankenhauses. Die sterile, unpersönliche Fassade.

Macht und Hilflosigkeit

Wie viele andere Ängste auch, fürchten wir Menschen vor allem, was wir nicht beeinflussen und kontrollieren können. Unsere Gesundheit, unser Todeszeitpunk. Wir können vieles zur Prävention oder Vorbeugung tun, aber Schicksalsschläge kommen aus dem Nichts. Als Behandelnde haben Ärzt*innen und Kolleg*innen jedoch Wissen, Mittel und demnach auch Macht, diese zu beeinflussen. Unser Wohlbefinden, unser Leben, liegt buchstäblich in ihren Händen.

Sie haben (scheinbar) die Macht uns umzubringen, unseren Tod zu vertuschen, uns für unzurechnungsfähig zu erklären und in die Klapse einzuweisen. Wem glaubt man im Zweifelsfall eher? Dem weißen Kittel.

Mit diesem Motiv habe ich tatsächlich auch in meinem eigenen Projekt „Save Our Souls“ gespielt. Als Kind ist Victoria in einer Klinik den Psychiatern, die übermenschliche Fähigkeiten erforschen und züchten wollen, hilflos ausgeliefert. Dabei wollte ich eigentlich vermeiden, ein so negatives Bild von Kliniken zu zeichnen! Deshalb habe ich auch einen Gegenpol eingebaut, denn Victoria gelingt es nur mit der Hilfe einer fähigen Psychologin ihr Traum zu bewältigen. Das ganze spielt lange vor den Ereignissen meiner Bücher. Gilt das als Spoiler? Ups!

Little Albert, Milgram, Stanford Prison Experiment, die Stoffmamas etc.

Gerade die Psychologie kann sich nicht mit Ruhm bekleckern, so sind doch einige der berühmtesten Experimente mindestens moralisch bedenklich. So wurde am jungen Albert die Entstehung von Angsterkrankungen untersucht, indem man ihm die Angst vor Nagetieren ankonditionierte (Watson & Rayner, 1920).

Harlow untersuchte bei Affenbabys das Bindungsverhalten, indem die Präferenz für eine Stoffmutter oder eine Drahtmutter getestet wurde. Auch, wenn es die Nahrung bei der Drahtmutter gab, kuschelten sich die Affen an die Stoffmutter – was beweist, dass die Bindung eines Kindes an seine Mutter eben nicht nur durch die Versorgung mit Nahrung begründbar ist. Eine wichtige Erkenntnis, die viele Äffchen traumatisiert oder sogar tot zurückgelassen hat (Harlow, 1957). Tierexperimente sind leider auch in der Psychologie immer noch häufig.

Ebenso berüchtigt sind das Stanford Prison Experiment (Zimbardo, 1971), indem Probanden in „Wächter“ und „Insassen“ aufgeteilt wurden oder das Milgram Experiment(Milgram, 1961), in dem Probanden Elektroschocks verteilen sollten. Beide setzten sich mit dem Einfluss von Macht und Authorität auseinander und sorgten neben interessanten Erkenntnissen glücklicherweise auch für Richtlinien für psychologische Studien.

Beispiele aus Literatur & Medien

 

Psychiatrie-Horror

Die zweite Staffel American Horror Story „Asylum“ spielt in einer Anstalt in den 50er-60er Jahren, wo die Behandlung von psychischen Erkrankungen noch nicht sehr weit entwickelt und teils sehr rabiat war. Sowohl die Behandlungsformen (Elektroschocks, Schläge mit dem Gürtel, Drogen, Lobotomie) als auch die Ärzte und behandelnden Nonnen sind grauenhafte Albtraumgestalten. Sie benutzen ihre Macht, um Insassen zu quälen und zu züchtigen. Heilung? Liebe? Respekt? Fehlanzeige!

Hannibal Lecter, der wohl bekannteste Kannibale, ist/war von Beruf Psychiater, der seinen Beruf und seine Expertise benutzt hat, um sich sein täglich „Brot“ zu verdienen.

Auch in Filmen wie „Verrückt“ mit Wynona Ryder und Angelina Jolie oder „Einer flog übers Kuckucksnest“ mit Jack Nicholson sieht der Psychiatrie Alltag ziemlich chaotisch und düster aus. Lichtblicke gibt es bei „Veronica beschließt zu sterben“ von Paulo Coelho.

Die traurige Wahrheit ist, dass es in den frühen Zeiten der Psychiatrie oft harsch zu ging – weil man es einfach nicht besser wusste. „Verrückte“ waren Ausgestoßene, die ruhiggestellt werden sollten. Es gab kaum Gesprächstherapie, kaum Verständnis und dennoch waren die meisten Behandler*innen wohl keine Horrorgestalten. Dennoch prägen diese teilweise wahren Begebenheiten die Folklore und dienen gerne als Motiv für Gruselgeschichten, Horrorfilme und -videospiele.

Dr. Harleen Frances Quinzel

Harleen Quinnzel behandelte den Joker, verliebte sich und wurde ihm zuliebe zur berüchtigten Harley Quinn. Je nach Comic-, Serien oder Filmadaption wird „ihre Entstehung“ anders beschrieben. In „Suicide Squad“ springt sie für den Joker in einen Bottich mit Chemikalien, ein ander Mal erhält sie ihre besonderen Kräfte durch ein Serum von Poison Ivy. Sie ist eher für ihre Person bekannt, als ihre Funktion als Psychiaterin. Dennoch verhilft sie dem größten Feind Batmans zur Flucht, indem sie ihre Position ausnutzt.

Dr. House

Dr. House ist ein unkonventioneller, ruppiger, aber brillianter Zeitgenosse aus der gleichnamigen Serie. Er ist durchaus ein Antiheld, durch seine schräge und direkte Art und seinen Medikamentenabusus. Zudem ist er auch in zwischenmenschlichen Beziehungen sehr manipulativ und lässt sich nicht gerne helfen. Dennoch würden sich viele von seinen Kollegen und auch wir als Zuschauer*innen in seine Behandlung begeben, mit dem Wissen, dass er die größten Chancen hat, uns zu heilen.

Dr. Malcolm Cowe

Gespielt von Bruce Willis in „The Sixth Sense“ ist Dr. Malcolm Cowe ein engagierter und liebevoller Kinderpsychologie, der sich um den jungen Cole kümmert, der angeblich Geister sehen kann. Während sein eigenes Leben aus den Fugen gerät, gelingt es ihm zumindest, Cole zu unterstützen.

Kriminalromane & Thriller

Kay Scarpetta ist Ärztin und Forensikerin und ermittelt in den Büchern von Patricia Cornwell. Sie ist perfektionistisch und diszipliniert, arbeitet für das Gute. Ihr scharfer Verstand und ihr kühler Kopf helfen ihr bei der Lösung von Kriminalfällen und machen sie zu einer spannenden Heldin.

In Sebastian Fitzeks Büchern tummeln sich allerlei Ärzte und Psychiater. So ist in „Das Paket“ Psychiaterin Emma Stein das traumatisierte Opfer, Dr. Roth hingegen kühl und berechnend. Psychologische Themen sind spannend und dienen vielen (Krimi-)Autor*innen als Motiv. Es wird mit Wahrnehmung, Fiktion und Realität gespielt und eben dem Machtmotiv. Wenn selbst Fachfrauen wie Dr. Emma Stein sich unsicher sind, ob es eine Halluzination oder echt ist, wie sollen wir das dann als Leser*in wissen? Das sorgt für Hochspannung!

Meine Beobachtung:

Während Ärzt*innen oftmals auch eine Heldenrolle einnehmen, sind Psychiater*innen und Psycholog*innen oftmals entweder böse oder zumindest unfähig. „Gute“ Psychiater*innen und Psycholog*innen sind zumindest in den populären Werken noch selten. Trotzdem haben auch Ärzt*innen noch ein Imageproblem: Hyperintelligent, sozial eher nicht so kompetent, oft abhängig von Medikamenten oder Drogen.

Während bei Ärzt*innen der Berufsalltag durchaus im Vordergrund stehen kann, geht es bei Psycho-Docs eher um Geheimnisse, Kriminalfälle oder gestörte Wahrnehmungen. Die Narrative gleichen sich, aber Geschichten um psychische Gesundheit werden oft düsterer und hoffnungsloser gezeichnet. Ich mache mir jedenfalls öfter Gedanken über dieses Thema und die Repräsentation in den Medien. Auch deshalb sind mir Bücher wie die von Irvin D. Yalom oder Lena Kuhlmann wichtig. Deshalb liegen mir Blogbeiträge und Infos zu „meinem“ zukünftigen Beruf so am Herzen. Um zu zeigen, dass es eben nicht nur düster-manipulative Quacksalber*innen gibt.

Was denkt ihr zu diesem Thema? Habt ihr andere Beispiele?


Beitragsbild Piron Guillaume // andere Bilder von Unsplash

Psycho oder was? Psychische Erkrankungen Literatur vs. Realität

Psycho oder was? Psychische Erkrankungen Literatur vs. Realität

Psycho oder was? Ist der Schizophrene immer der Serienmörder?

So, das Video zu meiner Session vom Literaturcamp in Heidelberg ist online und endlich präsentiere ich euch auch den Beitrag in verschriftlicher Form.

Ich war sehr aufgeregt und habe einige Dinge vergessen, die ich eigentlich erzählen wollte. Die tolle Diskussion, die aus dem Thema entstanden ist, ist absolut sehenswert. Schaut euch das Video unbedingt an!

(Nur eine kleine Warnung vorweg, da Themen wie Suizid und psychische Erkrankungen besprochen werden. Wenn euch diese Themen sehr nahe gehen, genießt das Video und den Beitrag bitte mit Vorsicht.)

Schizophrenie

=/= mehrere Persönlichkeiten.

Schizophrenie beschreibt – je nach Unterdefinition – schubweise auftretende Phasen, in denen es zu auditorischen, visuellen, taktilen Halluzinationen kommt. Am häufigsten kommt es dabei zu einem Verfolgungs- oder Vergiftungswahn. Das heißt, in diesen Phasen, denkt man, dass man z.B. von der Regierung verfolgt wird oder dass eine Geheimorganisation einen vergiften will. Ferner kann es sein, dass man Stimmen hört, die einem einreden, dass Person XY böse ist oder man denkt, dass man Implantate/Käfer o.Ä. unter der Haut hat.

Wie genau die Halluzinationen oder das Wahnkonstrukt aussieht, wie stark und wie häufig die Schübe auftreten, ist unterschiedlich.

Ihr könnt euch vermutlich vorstellen, dass man sich zurückzieht, dass man vorsichtig oder sogar aggressiv wird, wenn man glaubt, verfolgt zu werden. Aber nicht alle Menschen mit einer schizophrenen Störung richten diese Angst und Aggression nach außen. Leider kommt es häufig auch vor, dass diese Personen sich umbringen, weil die Belastung zu groß wird. In klaren Phasen sind sich diese Menschen übrigens oft durchaus bewusst, wie irrational und komisch ihr wahnhaftes Verhalten war.

Foto von Marten Newhall

Dennoch kann man in den Schubphasen wenig gegen die Halluzinationen tun, da sie von chemischen Prozessen im Gehirn (z.B. Dopaminüberschuss) herrühren. Wichtig in der Therapie ist deshalb die Frühwarnzeichen zu erkennen und im Falle einer einsetzenden Phase frühzeitig mit Medikamenten zu wirken.

Was ist denn dann multiple Persönlichkeit?

Schizophrenie und eine multiple Persönlichkeitsstörung, heute in der Literatur hauptsächlich beschrieben als „dissoziative Persönlichkeitsstörung“, sind klar voneinader abzugrenzen.

Eine „Dissoziation“ ist ein „Abschalten“ der bewussten, kognitiven Kontrolle. Man kann positiv dissoziieren z.B. wenn man als Künstler in einen Flow kommt oder ein tolles Buch liest und die Welt um sich herum vergisst. Bei Traumata kann es vorkommen, dass man getriggered wird und dadurch „abschaltet“, sich also im Nachhinein nicht wirklich daran erinnert, was man genau während der Zeit der Dissoziation gemacht hat.

Forscher streiten sich inwiefern und wie stark Dissoziation möglich ist, ob wirklich mehrere Persönlichkeiten unabhängig voneinander existieren können. Generell geht man heute davon aus, dass es keine richtig klaren Cuts, bzw. Schalter gibt, die das eigentliche Selbst komplett in den Hintergrund drängen. Es wird also bezweifelt, dass es wirklich Personen gibt, die mehrere klar trennbare Persönlichkeiten haben. Dennoch gibt es viele Personen, die davon berichten und Bücher darüber geschrieben haben.

Ein abgeschwächter Mechanismus der Dissoziation wäre z.B. das Phänomen, das viele Leute nach dem Tod eines Angehörigen für einige Wochen „funktionieren“ und professionell und kühl alles Organisatorische abwickeln und erst nach der Beerdigung wirklich in das Trauern hineinfallen. Das zeigt auch, dass viele Prozesse, die psychische Erkrankungen mit sich bringen, bis zu einem gewissen Grad funktional und von der Natur angelegt sind.


Depression

Man geht davon aus, dass die Hälfte der Menschheit in ihrem Leben zumindest eine depressive Episode hat.

Eine depressive Episode ist eine zeitlich begrenzte Phase, in der die Symptomatik einer Major Depression erfüllt ist. Treten solche Phasen häufiger auf, z.B. mit 25, mit 30, mit 34, so spricht man von einer „rezidivierenden“ depressiven Störung. Sind hingegen nicht alle Kriterien erfüllt, aber es ist eine andauernde gedrückte Stimmung ohne Besserung spricht man von einer „Dysthimie„.

Davon abzugrenzen ist eine „manisch-depressive Störung“, die heute eher als bipolare Störung bekannt ist.

Typisch für Depressionen sind eine negative Sicht, eine „schwarze Brille“ und ein schwarz-weiß Denken. Es gibt nur das eine extrem oder das andere. Dadurch entstehen toxische Glaubenssätze, die die Person wieder und wieder verinnerlicht.

„Ich möchte wieder früher als 12 Uhr mittags aufstehen. Mir gelingt es, ein bisschen früher aufzustehen. Aber: Wenn ich nicht um 6 Uhr auf der Matte stehe, ist das nichts wert.“

„Ich bin nicht gut in der Schule/Uni/im Beruf, ich tauge zu nichts!“

Kogn. Triade nach Beck (1992)

Die ersten Schritte bei einer Therapie wären je nach Verlauf, Intensität und spezifischer Lebensgeschichte die Selbstbeobachtung, das Aushebeln der fatalisierenden Gedanken und das Hinterfragen der eigenen Überzeugungen.

Bin ich wirklich ein Versager, nur weil ich schlecht in der Schule bin?

Dann würde man ansetzen mehr positive, Energie schenkende Verhaltensweisen in den Alltag einzubauen. Sog. „Skills“, die in stressigen Zeiten entlasten, die der Erholung und dem Auftanken dienen. Reicht das nicht, müssen Stressoren gezielt angegangen und reduziert werden, auch wenn das bedeuten kann, den Job zu kündigen, den Eltern Paroli zu bieten oder Kontakte abzubrechen.

Ein bisschen ausführlicher habe ich über diese Themen auch in meinen zwei Videos zum World Suicide Prevention Day 2017 berichtet (Teil 1 Symptomatik und Teil 2 Behandlung).

Medikamente

Viele sehen den Einsatz von Psychopharmaka skeptisch. Zu unterschiedlich und unberechnbar die Wirkung. In der Realität sind Medikamente jedoch oft unerlässlich. Therapie gelingt nur, wenn die Person stabil genug ist, wenn sie genug Energie hat. Und da psychische Erkrankungen zumeist im Gehirn durch Hormone verstärkt werden, muss oft zuerst medikamentös nachgeholfen werden.

Inzwischen hat die Forschung auch allerlei Präparate entwickelt, die nicht süchtig machen und eine gute Wirkungsbalance haben. Natürlich kann es zu Nebenwirkungen kommen, deswegen sollte man nicht unreflektiert Pillen schlucken, aber wenn man die Wahl zwischen „leichter Sonnenbrand zu bekommen“ und „Depressionen“ hat, entscheiden sich die meisten wohl für Ersteres.

Zumal die Medikamente oftmals abgesetzt werden können, wenn Stabilität vorliegt und die Therapie gut verlaufen ist. Dafür sollte sich niemand schämen müssen.

Wenn man eine schwere Grippe hat, nimmt man auch Antibiotikum, weil der Körper sich alleine nicht so effektiv gegen die Erreger wehren kann.

 

Uwe Hauck, der fleißig mitdiskutiert hat, hat mir sein Buch übrigens im Anschluss an die Session geschenkt. Vielen vielen Dank für die Offenheit und die spannende Diskussion.

Seine Erfahrungen #ausderklapse könnt ihr in seinem Buch „Depression abzugeben“* nachlesen.

 

Suizid

Suizid, Selbstmord, Freitod. Je nach Wort schwingt bereits eine gewisse Bewertung mit. Suizid kann die schlimmste Folge einer psychischen Erkrankung sein – wenn kein anderer Ausweg gesehen wird, wenn das Leben unertragbar erscheint. Es kann eine Kurzschlussreaktion aufgrund akuter Belastung sein oder eine gereifte Entscheidung.

Ist jemand, der aktive Sterbehilfe in Angriff nimmt in einem psychischen Ausnahmezustand oder entscheidet er sich aufgrund seiner Bilanz des Lebens (z.B. 95 Jahre alt + unheilbarer Krebs) dafür?

Dann gibt es den seltenen, leider aber umso erschütternderen Fall des erweiterten Suizids, wenn Eltern ihre Kinder mit in den Tod nehmen.

Ich kenne mich mit dem Thema nicht gut genug aus, um ausführlich davon zu berichten. Es gibt definitiv die Möglichkeit der Unterbringung in Forensik oder eine Schuldminderung bzw. -unfähigkeit. Ob Mord oder Totschlag vorliegt, können nur Richter oder Gutachte beurteilen.

Letztendlich kann man eine Person, die die Entscheidung bereits getroffen hat, nicht mehr helfen. Viele Personen im Umfeld eines durch Suizid verstorbenen Menschens geben sich selbst die Schuld, auch Therapeut*innnen. Aber – niemand von uns kann hellsehen. Wir können offen und positiv mit der Person umgehen, aber wenn der Entschluss gefallen ist, dann kann nichts und niemand die Person mehr davon abhalten. In diesem „Scheuklappen“-Zustand helfen Worte nicht weiter. Entweder die Person entscheidet sich, sich Hilfe zu holen oder es doch noch einmal mit dem Leben zu versuchen, oder nicht.

Viele Leute, die von der Golden Gate Bridge gesprungen sind, berichten, noch während dem Fall gemerkt zu haben, wie sehr sie eigentlich Leben wollen. Oftmals sind Todesgedanken nicht der Wunsch nach dem Ende der Existenz. Sie sind eher ein Warnzeichen „So wie es mir jetzt geht, möchte ich nicht weiterleben„. Daraus kann man schlussfolgern, dass man sein Leben beendet oder etwas in seinem Leben ändert. Unterschieden wird auch zwischen passiven und aktiven Todesgedanken. Spätestens bei aktiven Suizidgedanken, sollte man sich Hilfe holen.


Therapeutisches Arbeiten

„Wow du studierst Psychologie? Kannst du dann Gedanken lesen?“

„Nee, aber bei dir weiß ich schon: Da gibt’s nicht viel zu lesen…“

Diese unhöfliche Antwort würde ich gerne immer geben. Meistens spreche ich es nicht aus. Die meisten Menschen, die noch nie in Therapie waren oder Bekannte haben, stellen sich Psycholog*innen, Psychiater*innen und Therapeut*innen nach wie vor als manipulierende, hyperintelligente Seelendoktoren vor, die mit einem Blick genau wissen, was vor sich geht.

Vier Würfel Zucker im Kaffe stehen für eine gestörte Kindheit – oder so. Ich weiß nur, wenn jemand vier Würfel Zucker in seinen Kaffee gibt, dass ich das ziemlich ekelhaft finde.

Jetzt kommt etwas, das euch vielleicht schockieren wird, aber:

Psycholog*innen und Co. sind auch nur Menschen.

Es gibt gute, engagierte Leute, es gibt emotional verstumpfte Vollidioten, esoterische Alternativdenker und wissenschaftliche Lexikonleser. Es gibt selbsverherrlichende Narzissten, die in ihrer Helferrolle Gott spielen und es gibt aufopferungsvolle Menschen, die an ihrem Helferkomplex zugrunde gehen, wenn sie merken, dass ihre Arbeit keine Früchte trägt.

Was man als Psycholog*in meiner Meinung nach vor allem macht: Fragen stellen.

Wann Therapie?

Nicht jede psychologische Störung oder Auffälligkeit muss/sollte behandelt werden. Ein Therapieauftrag ist gegeben, wenn Leidensdruck herrscht. Also, wenn die Person selbst unter ihrer Krankheit leidet und diesen Zustand verändern will.

Extremer wäre Selbst- oder Fremdgefährdung – nur in solchen Fällen können Personen auch gegen ihren Willen in eine Psychiatrie eingewiesen werden (Und das auch nur zeitlich begrenzt).

Gutachter*innen und Psycholog*innen geraten oft auch in Kritik, wenn jemand freigelassen wird, der zuvor bereits eine Straftat begangen hat oder zwangseingewiesen wurde. Wie gesagt – keiner von uns kann Gedanken lesen. Im Idealfall sieht man den Betroffenen ein bis zweimal die Woche für eine Stunde. Was der oder diejenige in der therapiefreien Zeit macht, bleibt uns verborgen, wenn Pflegepersonal oder Patient selbst nicht darüber reden möchte. Letztlich entstehen diese Gutachten nur auf dem beobachteten Verhalten, dem Gesagten – auch wenn man ein mulmiges Bauchgefühl hat, kann man Leute nicht einfach ohne handfeste Anhaltspunkte einsperren.

Und alle psychisch kranken Menschen unter Generalverdacht zu stellen und 24 Stunden zu überwachen, würde daran auch nichts ändern und wäre für den Genesungsprozess fatal.

Psychologie im Wandel der Zeit

Lobotomie und Elektroschocks, Festhalten gegen den eigenen Willen – das meiste davon gehört glücklicherweise der Vergangenheit an. Dennoch bestimmt unsere Gesellschaft was „krank“ und was „gesund“ ist.

Aus heutiger Sicht gilt in der Psychologie: Behandlungsbedarf gibt es nur, wenn man leidet. Wenn ich also rosa Elefanten sehe und diese mich nicht bedrohen, zu Straftaten animieren, belasten oder stören, muss ich deswegen keine Therapie machen.

Wissenswert ist wohl auch, erst 1987/1991 wurde Homosexualität als psychische Erkrankung aus dem DSM/ICD gestrichen. Ziemlich spät, oder? In den USA sind sog. Conversion Therapy leider immer noch Gang und Gäbe. Im Prinzip wird dort versucht, Personen des LGBTQ Spektrums ihre persönlichen Neigungen und Empfindungen „wegzureden“.

ICDSM-was?

Das „ICD“ (=International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) ist das Diagnosewerk für Mediziner*innen. In Kapitel 5 finden sich psychische Erkrankungen. Zur Abrechnung durch die Krankenkassen sind Diagnosen nach der Codierung dieses Grundlagenwerkes unabdingbar. Die aktuelle Version ICD ist der ICD-10. Die neueste Version soll 2020 erscheinen.

Das „DSM“ (= Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) ist ein amerikanisches Klassifikationssystem und beinhaltet nur psychische Erkrankungen. Die aktuellste Version ist DSM-5, welche 2014 auf deutsch erschien.

Trans*Personen in Deutschland müssen ebenfalls zum Psychologen, wenn sie eine Geschlechtsumwandlung vornehmen wollen. Fakt ist, viele Psycholog*innen sind nicht geschult oder haben keine Berührungspunkte mit dem Thema, was einige negative Erfahrungen von Trans*Personen zeigen. Theoretisch findet sich noch immer eine Diagnose unter dem Namen „Geschlechtsidentitätsstörung“ im ICD-10, die hoffentlich in der nächsten Überarbeitung rausfliegen wird.

Zum Schluss:

  • Man muss nicht auf einer Couch liegen.
  • Psycholog*innen haben Psychologie studiert, Psychotherapeut*innen haben zusätzlich dazu eine Ausbildung durchlaufen, Psychiater*innen haben Medizin mit psychiatrischem Schwerpunkt studiert. Heilpraktiker*innen haben nicht studiert und müssen nur ein paar Wochenendkurse absolvieren, um sich den Zusatz Therapeut zu holen.
  • In einer psychologischen Klinik, Psychiatrie gibt es offene Stationen, auf denen sich jeder frei bewegen kann. Nur auf geschlossenen/behüteten Stationen gibt es Einschränkungen.
  • Sigmund Freud ist längst überholt, die Kindheit spielt trotzdem eine wichtige Rolle in der Entstehung und und Aufrechterhaltung von Verhalten.
  • Ihr könnt jederzeit euren Psychologen wechseln.
  • Nur weil ein Psycholog*in ein nichtsnutziger Vollidiot ist, sind nicht alle therapeutischen Angebote nutzlos.
  • Psychologie und Gesprächstechniken sind kein abstruses Geheimwissen – jeder kann sich selbst zu jedem Thema einlesen, um ein besseres Verständnis zu bekommen.
  • Man ist nicht schwach, wenn man sich Hilfe holt.

Buchempfehlungen:


Letzten Endes konnten wir alle Themen nur anschneiden. Über jeden dieser Punkte könnte man vermutlich eine eigene Session halten und hätte immer noch nicht alles Wichtige gesagt. Die Borderline-Störung, Angststörungen, PTBS und Suchterkrankungen sind aufgrund der begrenzten Zeit komplett unter den Tisch gefallen. Vielleicht beim nächsten Litcamp! 😉

Vielen Dank an alle, die da waren und mitdiskutiert haben. Und vielen Dank an dich, dass du diesen Beitrag bis zu Ende gelesen hast. Lass mir gerne deine Gedanken und Anmerkungen da!

Tüdelü, eure Babsi


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[Rezension] Das Flüstern der Pappeln von Julia von Rein-Hrubesch

[Rezension] Das Flüstern der Pappeln von Julia von Rein-Hrubesch

Lange schon wollte ich dieses Buch endlich mein Eigen nennen. Bei #9lesen habe ich mir endlich ein Exemplar gekauft und es gleich von Julia signieren lassen. Dankeschön für die liebe Widmung und die tolle Lesung! <3 Gemeinsam mit Janna von KejasBlogbuch und Wörterkatze habe ich das Buch dann letztendlich gelesen.


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  • Autorin: Julia von Rein-Hrubesch
  • Titel: Das Flüstern der Pappeln
  • Genre: Entwicklungsroman
  • Selfpublish (CreateSpace), Ebook: 1,99€ | TB: 5,99€ (166 Seiten)
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Hennie kehrt nach dem Studium und einigen Jobs im Ausland wieder zurück auf den elterlichen Hof in der Einöde. Ihre Oma Hedi ist bettlägerig und kann sich kaum noch artikulieren. Das Verhältnis mit der Mutter ist schwierig. Doch dann erfährt Hennie von Briefen, die zurückgeschickt wurden. Briefe, die vermuten lassen, dass ihre Großmutter ihrem Mann untreu war. Während sie wöchentlich die Briefe mit ihrer Großmutter liest, beginnt sich auch in Hennie etwas zu verändern.


 

Meine Meinung:

Ich weiß gar nicht so richtig, was ich schreiben kann. Denn das, was das Buch mit mir gemacht hat, lässt sich schwer beschreiben.

Zuersteinmal beschreibt uns die Geschichte eine Situation, die vielen bekannt vorkommen dürfte: Eine junge Frau kommt aus dem Ausland zurück zu ihren Eltern und der schwerkranken Großmutter und weiß nicht so recht, was sie will und wie es weitergehen soll. Henriette, genannt Hennie, legt dabei fast schon depressiv anmutende Züge vermuten. Wir werden direkt in die Geschichte hineingeworfen, zu einem Zeitpunk, bei dem bereits etwas passiert ist. Die Briefe, die zurückkommen und die sie jede Woche von der Post holt, um sie Oma Hedi vorzulesen. Briefe aus einer anderen Zeit, einem anderen Leben – enthalten sind Gefühle, Erlebnisse und Erinnerungen, die nur angedeutet werden und auch für Henni schwer greifbar sind.

Das Briefe lesen wird zur Therapie

Mit den Briefen arbeitet es in Hennie, zusätzlich wirft ihr Leben Konflikte auf, unausgesprochene Holzsplitter, die inzwischen zu tief unter der Haut sind, um sie schmerzlos zu entfernen. Der Konflikt mit der Mutter, der Vater zwischen den Stühlen, die Orientierungslosigkeit und den scheinbaren Verlust von wahrer Freude und Hennis Kreativität. Die Briefe sind die Steine, die die ruhige Seeoberfläche in Bewegung bringen und so etwas lostreten.

Diese kleine Momentaufnahme einer Familie, einer Weiterentwicklung ist Julia von Rein-Hrubesch meisterlich gelungen. Durch die Kürze wirken die Grüblereien nicht erschlagend, sondern philosophisch. Sie regen auch bei mir etwas an, vielleicht weil ich gerade in einer ähnlichen Situation wie Henni stecke. DacPGZ0W4AAILDa

„Ich erwarte nichts von dir. Das habe ich nie.“

 

Auch die Bilder, die Metaphern, die leisen Andeutungen und das Ende wirken nach, bleiben im Gedächtnis, wecken Sehnsucht. Ein bisschen schmerzt das Gefühl von Vergänglichkeit, als das Buch vorbei ist und man sich auch als Leser nach den Pappeln zurücksehnt. Das Ende hat mich überrascht, aber aus irgendeinem Grund hat es sich nicht so befreiend angefühlt, wie ich erhofft hatte. Wie gesagt, meine Gefühle für dieses Buch lassen sich schwer einordnen.

Der Schreibstil ist kraftvoll, nachdenklich, bildgewaltig und schafft es dennoch, auf dem Punkt zu bleiben und nicht in ein nerviges Gefasel abzudriften. Ich möchte mehr von Julias Gedanken, mehr von ihren Worten und Erzählungen und bin schon sehr gespannt, welchen Ton weitere Geschichten von ihr anschlagen werden.

Die Geschichte hat etwas in mir ins Rollen gebracht und ich habe auch in den Lesepausen oft darüber nachgedacht. Das bewerte ich als ziemlich positiv, denn ich liebe es, wenn Bücher mich bewegen, wenn sie mich rühren und wenn sie eine Bereicherung für mich sind.

 

Fazit:

Das Buch ist Poesie in Geschichtenform, Lebensweisheiten und Philosophie so leicht wie eine Sommerbrise. Gleichzeitig erreichen wir in den knapp 160 Seiten eine ungewöhnlich berührende Tiefe. Für mich ist das Buch Kunst. Der Inbegriff von guter Gegenwartsliteratur und Entwicklungserzählung. Ich kann nicht benennen, was es war, aber am Ende hat mir irgendetwas gefehlt, weshalb ich einen halben Seestern abziehe.4,5seesterne

Weitere Meinungen:

 


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[Rezension] Die Kieferninseln von Marion Poschmann

[Rezension] Die Kieferninseln von Marion Poschmann

Auf dieses Buch wurde ich durch den Deutschen Buchpreis 2017 aufmerksam. Meistens kann mich deutsche Literatur, die im Feuilleton diskutiert wird, nicht begeistern. Experimentelle, „hohe“ Literatur – so schön die Sprache ist, wenn die Geschichte öde ist, kann ich nichts damit anfangen. „Die Kieferninseln“ war eines der wenigen Bücher der Shortlist, die mich dennoch neugierig machte.

Durch das Portal NetGalley bekam ich freundlicherweise ein Ebook als Rezensionexemplar zur Verfügung gestellt.

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  • Autorin: Marion Poschmann
  • Titel: Die Kieferninseln
  • Verlag: Suhrkamp
  • Genre: Erzählung, Reise?
  • Gebunden*: 20€, Ebook*: 16,99€

Worum geht’s?
Gilbert bricht nach einem Traum überstürzt auf, lässt seine Frau zurück und macht sich auf den Weg nach Japan. Dort möchte er den Spuren des großen Dichters Basho folgen, dem malerischen Naturpfad hin zu den berühmten Kieferninseln folgen, um mit sich selbst und der Welt ins Reine zu kommen. Unterwegs begegnet er dem Studenten Yosa, den er vom Selbstmord abhalten kann. Gemeinsam reisen sie ein Stück des Weges und besuchen unter anderem den berüchtigten Aokigahara, ein Wald am Grunde des Bergs Fuji, in den sich besonders viele Leute zurückziehen um ihrem Leben ein Ende zu setzen.

 

Meine Meinung:

Die Geschichte klang melancholisch und interessant, obwohl mal wieder ein Herr mittleren Alters aufbricht weil er scheinbar eine midlife crisis hat. Ich liebe Japan und ich studiere Psychologie, weshalb mich Charaktere wie Yosa immer irgendwie interessieren und meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das Cover besticht durch ein simples, aber schönes Wellendesign im Stil des großen Malers Hokusai. Das Buch ist nicht besonders dick und ich habe es unterwegs auf meinem E-Reader gelesen.

Marion Poschmanns Schreibstil ist hochwertig, malerisch und

poetisch, lässt sich aber dennoch sehr gut lesen. Man merkt deutlich, dass man es nicht unbedingt mit reiner Unterhaltungsliteratur zu tun hat – spätestens wenn man auf die Seite stößt, auf der lauter Bäume aufgezählt werden. Dennoch verdreht man selten die Augen aufgrund überkandidelten Blablas.

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Hihi, das erinnert mich an meine verzweifelten Versuche im NaNoWriMo die 50.000 Wörter zu knacken.

Inhaltlich war ich ein wenig überrascht wie schnell und spontan Gilbert aufbrach und worüber er im Lichte seiner Situation nachdachte. Sein nüchterner und doch verträumter Blick auf die japanische Kultur beweist viel Fingerspitzengefühl und doch eine genaue Beobachtungsgabe. Immer wieder werden Anekdoten und Informationen über den Dichter Basho und die japanische Kultur eingestreut, die von guter Recherche bzw. Erfahrung der Autorin sprechen. Niemals wird dabei jedoch das Land der aufgehenden Sonne in den Dreck gezogen, es ist vielmehr eine Analyse und ein Vergleich mit der europäischen Kultur. Gilbert zieht für sich seine Schlüsse.

Der Student Yosa erscheint wie eine blasse, kümmerliche Gestalt, den Gilbert zumindest gedanklich weniger fürsorglich behandelt als vielleicht nötig, wenn man mit jemandem spricht, der sich auf die Gleise legen wollte. Dennoch bilden die beiden ein interessantes Gespann und es ergibt sich eine interessante Dynamik. Immer wieder sind kleine Haikus eingebaut, die die beiden dichten oder die vom großen Dichter Basho höchstselbst stammen.

Interessant ist auch das Forschungsthema zur Bartkultur, die Gilbert immer im Hinterkopf behält und dem Leser gerne einen Einblick in die verschiedenen Darstellungen und kulturellen Bedeutungen von Bärten gibt. Als Mitglied der BartBroAuthors war dies ein weiterer Punkt an dem Buch, der mich zum Schmunzeln brachte. Und ein wenig japanische Mystik kommt hinzu. Thematisch wäre das Buch also genau meins gewesen. Ganz überzeugen konnte es mich dennoch nicht. Die feine Sprache und die schöne Symbolik können manche Ungereimtheiten nicht überdecken. Gilberts Motive, seine Gedanken erschließen sich mir nicht wirklich – vielleicht weil wir sehr unterschiedliche Menschen sind. Letztlich lässt mich das Buch mit ein paar Fragen, einem Stirnrunzeln und ein wenig Fernweh zurück.Vielleicht habe ich auch irgendeine Symbolik nicht ganz verstanden, wer weiß.

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Fazit:

Es hat mich unterhalten, aber nicht von den Socken gehauen. Für mich war das Buch eine gelungene Abwechslung, ein poetischer Ausflug nach Japan, eine etwas andere Sicht auf das Land der Gegensätze. Die Sprache und die Erzählung sind wunderschön, aber die Geschichte an sich bleibt für mich ein wenig zu blass. Dennoch kann ich mir vorstellen, das Buch nochmal zu lesen, vielleicht um etwas mehr zu entdecken als beim ersten Lesen. Das Buch bekommt 3,5 Seesterne von mir.

3,5seesterne

Weitere Stimmen zum Buch:


 

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Ich fahre zum #litcamp17

Ich fahre zum #litcamp17

Ich vermute mal, die meisten haben meine euphorischen Triumphschreie schon durchs Land hallen hören, aber falls nicht:

Ich bin dieses Wochenende (24.06-25.06) auf dem Literaturcamp in Heidelberg!

Ich werde Freitag Abend anreisen und Montag Mittag wieder heimfahren. Ihr dürft mich gerne jederzeit anquatschen, ich bin selbst etwas verplant und durchaus ein bisschen scheu beim ersten Kontakt, aber ich freue mich schon ganz viele liebe Gesichter zu sehen!

Vor 11 Uhr morgens nur bitte langsam und deutlich sprechen, da mein Gehirn morgens eine Weile zum Hochfahren braucht. 😉

[Rezension] Zeitlose – Simeons Rückkehr von Eva-Maria Obermann

[Rezension] Zeitlose – Simeons Rückkehr von Eva-Maria Obermann

Ich habe ein Buch beendet und ich bin wieder mal ein bisschen verliebt. *seufzt glücklich*

Und zwar handelt es sich bei diesem Schätzchen um „Zeitlose – Simeons Rückkehr“ von der famosen Eva-Maria Obermann, die als schreibtrieb, selbst bloggt.

Das Buch ist im „Schwarzer Drachen Verlag*“ erschienen und kostet als Taschenbuch* 9,90€ und als Ebook* 4,99€. Das Genre lässt sich nicht so leicht festlegen, denn es ist eine verträumte, fantastische Geschichte mit Spuren von Romantik. Irgendwie Urban Fantasy, aber irgendwie doch etwas ganz Eigenes. (Über L-Choice kaufen)

Ich habe das Buch auf lovelybooks im Rahmen einer Leserunde als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen lieben Dank dafür!

Hier ist die Rezension in Videoform!

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Diese Rezension ist wie immer spoilerfrei 🙂

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Meine Katze möchte sich nicht fotogen neben das Buch setzen 🙁

Worum geht’s?

Dora hat seltsame Träume, die sich anfühlen wie die Realität. Aber sie weiß, dass es nicht ihre Realität ist, denn sie lebt im 21. Jahrhundert, studiert, arbeitet in einem Kindergarten und ist in einer glücklichen Beziehung mit Oscar. In den Träumen hingegen ist sie Nancea, eine einfach Magd in einer mittelalterlich anmutenden Welt. Und sie verliebt sich dort in Simeon. Als Dora dann im realen Leben einen Mann trifft, der genau so riecht und dieselben Augen hat wie Simeon, ist sie vollends verwirrt. Was bedeuten ihre Träume und was bedeutet das schreckliche Ende, das Nancea und Simeon im Traum ereilt für Dora in der Wirklichkeit?

Das Buch ist in sich abgeschlossen, aber es wird mindestens noch zwei weitere Bände geben. Die Geschichte an sich geht nämlich noch weiter, aber es gibt keine fiesen Cliffhanger.

  • Meine Meinung:

Das Cover ist sehr schön und unterstreicht die verträumte, mystische Atmosphäre des Buchs. Einzig die Schriftart und Platzierung des Verlagslogos finde ich nicht ganz so gut.

Ich mag es, wenn Bücher sich nicht eindeutig in ein Genre einordnen lassen. Bereits früh beim Lesen wurde klar, dass wir hier eine philosophisch anmutende Geschichte mit fantastischen und romantischen Elementen haben. Es geht auch um Selbstfindung, Träume und Wünsche. Dass Eva-Maria Obermann sich viel mit Literatur beschäftigt merkt man, denn man fliegt – getragen vom luftig, wolkigen Schreibstil – ganz lockerleicht durch die Geschichte hindurch. Dabei mangelt es nie an Sprachgewandheit oder Augenzwinkern. Die Traumszenen wechseln sich fabelhaft mit den Szenen aus Doras Alltag ab, sodass man selbst in den spannenden Strudel und der Frage nach der Realität und dem Ursprung dieser Vermischung hineingezogen wird.

Ich bin kein Freund von Kitsch und allzu viel Schnulzereien – ich bin als Single sehr zufrieden und brauche keine Beziehung, um mit meinem Leben zufrieden zu sein. Aber Eva schafft hier etwas sehr Gemeines. Sie beschreibt die Liebe, das Zusammensein so umfangreich, liebevoll und unterschwellig, dass einem ganz warm ums Herz wird und man sich in jemandes Arme kuscheln möchte. Das Buch ist gefühlsbetont, aber ohne einem die Emotionen ins Gesicht zu klatschen. Der Schreibgrundsatz „Show, don’t tell“ ist meiner Meinung nach wunderbar gelungen, denn es wirkt nie überladen und plump sondern immer wie ein feiner Hauch, ein leichtes Kribbeln. Es ist definitiv ein Wohlfühl-Buch und auch beim Zuklappen am Ende hatte ich ein Lächeln auf den Lippen. (Obwohl ich gespannt auf Band 2 bin)

Dennoch mangelte es auch nicht an Spannung, Geheimnissen und einer kleinen Portion Action. So wohltuend und balsamierend die schönen Szenen waren, so schmutzig und schmerzhaft waren die Szenen, in denen Nancea oder Dora leiden mussten. Ich habe richtig mitgefiebert.

Die Charaktere haben mir gut gefallen, lediglich das „Böse“, war mir eine Spur zu eindimensional, auch wenn die Beweggründe schon Sinn ergeben haben.

Dora, unsere Protagonistin, war sehr sympathisch in ihrer neugieren Art, ihrer Nachdenklichkeit und ihrem Wunsch einerseits Nancea zu helfen, aber andererseits ihren eigenen Weg zu gehen. Obwohl Dora und Nancea durch die Geschichte hindurch verbunden waren, wirkten beide eigenständig und lebendig, auch wenn sie einige Ähnlichkeiten teilten.

Simeon war ein strahlender Charakter mit einem goldenen Herz und seine Leidenschaft und seine Hingabe für Nancea war absolut hinreißend.

Nathan, der mysteriöse Mann, brachte ein wunderbare Portion Düsternis und Gefährlichkeit in die Geschichte. Dennoch zeigte er seine nachdenkliche Seite und eine Tiefe und Entschlossenheit, die ihn durchaus sympathisch machten.

Oscar & Jonathan waren absolute Goldschätze! Ich möchte sie adoptieren und verhätscheln und drücken. *Mutterinstinkt aktiviert*

Ich fand auch toll, dass Eva einige Inhalte aus dem Studium und ein bisschen Literaturwissenschaft eingewoben hat, ohne dass es großartig aufgefallen ist.

Was hat mir nicht so gut gefallen? Das Böse in der Geschichte, aber hierzu will ich nicht spoilern, deswegen sage ich an dieser Stelle nicht mehr dazu. Die Geschichte hätte sich beim Ende ruhig noch ein bisschen mehr Zeit lassen können, finde ich. Im Buch wurde viel reflektiert und nachgedacht und das bleibt am Ende ein bisschen zurück bzw. wir werden vermutlich auf weitere Bände vertröstet.

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Du sollst in die Kamera schauen, Kater! Mhm, so wird das nichts mit der Grumpy Cat Nachfolge!

Eine Meinung reicht euch nicht? Dann werft doch einen Blick auf den Blog der lieben   Buchstabenträumerin und lest ihre  Rezension!

  • Fazit:

Von mir gibt es für „Zeitlose – Simeons Rückkehr“ eine klare Leseempfehlung. Das Buch war wunderbar geschrieben, die Geschichte war interessant und spielte mit allerlei Elementen aus verschiedenen Genres. Für mich war es ein tolles Lesevergnügen und ich freue mich sehr auf den nächsten Band und weitere Projekte von Eva. Am Besten fand ich die Story, den Schreibstil und den Erzählstil. Die Figuren waren gut gezeichnet und sympathisch, einige Abzüge gibt es jedoch – der ein oder andere Charakter war für meinen Geschmack ein bisschen zu klischeehaft. Da ist noch Luft nach oben!

Eine fluffige, süße, philosophische, vielseitige, fantastische, romantische Geschichte, die einen richtig in den Bann zieht. Dafür gibt es von mir 4,5 Seesterne.

4,5seesterne

Weitere Stimmen zum Buch:


*via Affiliate-Link, den ich freiwillig angebe. Es entstehen für euch keinerlei Mehrkosten, falls ihr ein Produkt über diesen Link kauft. Diese Links kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

Rückblick: Das Literaturcamp Bonn 2017

Rückblick: Das Literaturcamp Bonn 2017

Tut mir leid, dass ich in letzter Zeit kaum längere, vernünftige Beiträge für den Blog verfasse und nur ganz dröge meine Videos ohne Kommentar verlinke. Ich gelobe baldige Besserung! (Ich habe einige Themen, über die ich noch schreiben möchte, aber die Muße ist gerade im Urlaub)

Auch für das Literaturcamp in Bonn habe ich ein paar Fotos und Aufnahmen gemacht. Dennoch gibt es noch ein paar Worte von mir direkt unter dem Video. 😉

Aktuell genieße ich eine kleine Auszeit bei meinen Eltern und meinem Kater und traumhaften Wetter und lasse mir die Sonne auf den weißen Bauch scheinen. Das Wochenende war ich auf dem Literaturcamp in Bonn – mein allererstes Barcamp.

Ich wusste zwar, dass ich zumindest drei Leute aus meinem Verein BartBroAuthors treffen würde und so nicht ganz allein sein würde, aber ich war trotzdem nervös.

Neue Menschen, spontane Workshops, Vorträge und Diskussionen? Da geht mein introvertierter Popö auf Grundeis! Generell habe ich keine Probleme mit sowas, aber ich weiß gerne, was mich erwartet. Aber dank dem vielversprechenden Glückskeks im Hotel und der angenehmen Stimmung in der Bonner Innenstadt fühlte ich mich ermutigt.

Früh morgens habe ich dann die liebe Jana vom Bahnhof abgeholt und zusammen machten wir uns dann auf. Wir wurden sofort freundlich begrüßt und im Foyer tummelten sich schon einige Literatur-Menschen, die alle noch etwas ruhig waren und auf Kaffee warteten. Dann ging es los. Ich war total gespannt und freute mich total, einige bekannte „twitter Namen“ auf den schicken Umhängeschildern zu lesen und nun endlich ein Gesicht zu vielen Leuten zu haben. Andere kannte ich gar nicht, aber mein vierter (oder fünfter?) Name wäre nicht Barbarazzi, wenn ich nicht sofort auf twitter und Facebook nachgeschaut hätte!

Die Vorstellungsrunde zog sich ein wenig und danach ging es zur Sessionplanung! Und zack war da eine Riesenschlange von Leuten mit tollen Ideen und Themen, sodass ich mir gar keine Sorgen machen musste, auch vor einer Gruppe zu sprechen, die mich als angehende Autorin mit meinen 23 Jahren und keinem einzigen zu Ende geschriebenen Buch, überhaupt nicht ernst nehmen würde. Es gab so viele tolle Sessions, dass ich mich oft ärgerte, nicht den praktischen Zeitumkehrer von Hermine aus Harry Potter 3 zu besitzen. 🙁 Meine persönlichen Highlights waren jedoch die Vorträge zum Vorlesen von Almut Schnerring und die interaktive Runde für Netzwerken für Autoren von Jasmin Zipperling (und das liegt nicht daran, dass ich Angst vor ihrer Schere hatte oder mit Kinderschokolade bestochen wurde…).

Es hat jedenfalls unfassbar viel Spaß gemacht und mir gefiel die freundliche, entspannte Stimmung sehr gut. In den Pausen habe ich es leider nicht geschafft, mit allen Leuten zu quatschen, die ich auch anquatschen wollte. Und nach dem langen, aber spannenden Tag bin ich kurz in den Hotelpool und dann einfach ins Bett gefallen.

Auch den ganzen nächsten Tag war ich noch geflasht von den vielen Eindrücken und bin Zucker- und Koffeinvorräte auffrischend von einem Sitzplatz im Zug zum nächsten gewandert.

Danke an alle, die dabei waren und das Event möglich gemacht haben! Ich bin vollauf begeistert und hoffe, viele weitere Litcamps besuchen zu können.

p.s.: Ja, ich hab noch kein Ticket für Heidelberg und ja, ich liege auf der Lauer wie ein hungriger Tiger!

Übrigens gibt es noch weitere, ausführliche und tolle Blogbeiträge zum Litcamp! Hier lang: