Schlagwort: krimi

Magret Kindermann #ProjektArbeitstitel

Magret Kindermann #ProjektArbeitstitel

Magret Kindermann #ProjektArbeitstitel

Die liebe Magret Kindermann, die ich euch heute bei #ProjektArbeitstitel vorstellen möchte, hat ein Händchen für schöne, nachdenkliche Worte und besondere Texte.

Ich bin Magret und schreibe Geschichten, seitdem ich das Schreiben lernte.

2011 oder 12 veröffentlichte ich in einem Blog Geschichten über Begegnungen beim Bahnfahren. Die waren oft eine Mischung aus Fiktion und Wahrheit. Ich erinnere mich an ein Paar, dessen Liebesgeschichte ich über Monate hinweg immer weiter erzählte, jedes Mal mit anderen Personen bestückt. Bis zum Schluss, denn leider trennten sie sich. Durch diesen Blog schrieb ich zum ersten Mal regelmäßig und mir wurde bewusst, dass ich so besser wurde. Aber erst Ende  2015 begann ich ernsthaft mit dem Schreiben und damit mit meinem Debüt. Diesen Sommer veröffentlichte ich mein viertes Buch, das erste in einem Verlag. Der New-Adult-Roman „Killing Zombies and Kissing You“ erschien im GedankenReich Verlag.

 

Die Feindin des Todes und andere Projekte

 

Welche Projekte sind gerade in Arbeit? Erzähl uns doch ein bisschen davon!
Zum ersten Mal schreibe ich Fantasy. Das ist ein Genre, das ich eigentlich gar nicht ausstehen kann. Aber das Prinzip finde ich toll und das will ich umsetzen. Aber mal gucken, ich bin nämlich kein Plotter oder Worldbuilder. Vielleicht setze ich das Projekt auch total in den Sand. Dazu kommt, dass ich momentan fast nur mit einer Hand tippe, weil mein Baby nur auf mir schlafen will. Erschwerte Bedingungen also.

Es geht um den Tod, der sich in ein Mädchen verliebt. Es ist eine Welt, in der kein Gott angebetet wird, sondern der Tod, voller Furcht vor dessen Macht. Also wird das Mädchen gemieden, selbst von ihrer Familie. Es verführt den Tod, sich sein Herz einzusetzen, um sich der Liebe ganz hingeben zu können, denn sie hofft auf sein Mitleid. Das tut er, doch die neuen intensiveren Gefühle machen ihn rasend. Aus Eifersucht tötet er den Verlobten der inzwischen jungen Frau und macht sie unsterblich, um sie für immer behalten zu können. Damit hat er allerdings gesorgt, dass sie damit eine Waffe gegen ihn hat. Zum ersten Mal hat der Tod eine Feindin …

Eigentlich ist dieses Projekt nur die Vorgeschichte eines weiteren Fantasy-Romans, in der sie ebenfalls eine Rolle spielt. Hoffentlich stolpere ich da nicht in etwas hinein, das mich jahrelang verfolgt. Der Arbeitstitel lautet sehr unkreativ: Der Tod und das Mädchen.

Wie schauen die Pläne für dein Projekt aus?
Es gibt keine Pläne. Beziehungsweise momentan lautet der Plan, wenigstens ab und zu ein bisschen zu schreiben. Durch das Baby bin ich zwangsläufig in einer Pause und ich denke, bis zum nächsten Sommer wird nicht viel passieren. Bisher habe ich 749 Wörter, alle mit einer Hand geschrieben.

Magst du uns verraten, was für Ideen evtl. noch in der Schublade schlummern?
Ich hab Bock auf einen Krimi, sowas zwischen Agatha Christie, Gone Girl und Tana French. Außerdem hab ich noch was Experimentelles mit dem Arbeitstitel „Zuckerschock“ angefangen. Das wird wohl was Kürzeres und dafür Hartes. Ach ja, eine Fortsetzung meiner Novelle „Tulpologie“ wartet auch noch. Sie spielt in den 70ern und Marlene ist in einer Beziehung, in der sie sich hundertprozentige Ehrlichkeit schwören. Das wird „Himmelogie“ heißen.

Was hast du aus deinen bisherigen Veröffentlichungen gelernt?
Ich kann das. Wirklich, diese Erkenntnis ist bereichernd und machte für mich einen gigantischen Unterschied aus. Mein Debüt schrieb ich, um mal ein Buch geschrieben zu haben. Um nichts zu bereuen. Weiter schrieb ich, weil ich erkannte, dass ich gut bin und dass Bücher schreiben gar nicht so unmöglich schwer ist.

Welche Unterschiede gibt es zwischen deiner ersten Veröffentlichungen und deinen jetzigen Projekten?
Ich traue mich mehr, Regeln zu brechen, aber auch, welche einzuhalten. Insgesamt bin ich selbstsicherer geworden. Ich denke weniger daran, was die Leser über mich denken, stattdessen will ich was Echtes, Wahres erschaffen. Es geht beim Werk nicht mehr um mich, die Autorin dahinter, sondern um die Geschichte.

Die Genres fliegen bei mir wild durcheinander. Am liebsten werde ich nicht in welche eingeordnet. Aber dazu kann man sagen, dass ich mir eingestehe, mich mit dem Schreiben mehr dem Geschmack der Masse anzupassen. Ich glaube – und es ist mir unangenehm, das zuzugeben –, dass ich früher zu eingebildet war, um weniger intellektuell zu schreiben. Jetzt habe ich erkannt, dass eine Geschichte über Zombies und Liebe nicht weniger intelligent oder künstlerisch sein muss. Im Gegenteil, eine solche Mischung ist richtig geil.

 

Schreiballtag

 

Was ist deine größte Herausforderung im Schreibprozess?
Am schwersten fällt mir das Weiterschreiben nach einer langen Pause. Dann traue ich mich nicht mal, das Projekt zu öffnen, und finde es scheiße. Ist es erst mal geöffnet, finde ich es plötzlich klasse und es geht wieder. Aber in der Zwischenzeit fühlt es sich an wie Versagen.

Hast du eine Schreibroutine?
Mein Debüt „Zwei Königinnen“ schrieb ich innerhalb eines Jahres in Vollzeit. Ich nahm mir 1.500 Wörter täglich vor, einen Tag die Woche hatte ich frei. Ich war zwischendurch aber auch mal in Griechenland und Budapest zur Selbstfindung. Das Schreiben ging überraschend flott, im Sommer war ich fertig und korrigierte schon. Die „Tulpologie“ und „Und dein Leben, dein Leben“, schrieb ich zwischendurch, das war Wahnschreiberei, fast am Stück. „Killing Zombies and Kissing You“ schrieb ich irgendwie zweigeteilt, denn der Beginn meiner Schwangerschaft brachte mich aus dem Konzept. Das Interesse des Verlages rüttelte mich Monate später wach und ich schrieb den Rest. Bisher gibt es also keinerlei Routine für mich. Ich kriege das Schreiben gut unter, weil ich keine Serien gucke, denke ich. Aber der Alltag mit Baby wird mir nun zeigen, was es heißt, wirklich nicht schreiben zu können.

Welchen Tipp würdest du deinem Vergangenheits-Ich geben, das gerade mit dem Schreiben anfängt?
Mach dir nicht so viele Gedanken, wie ein Buch zu sein hat. Und sei gewissenhafter und nicht so ungeduldig.

 

Motivation

 

Hast du Vorbilder bzw. Menschen, die dich inspirieren und motivieren?
Ich mag, wie Jennifer Lawrence mit ihrem Erfolg umgeht, wie Muhammad Ali überzeugt Werbung für sich selbst machte, wie furchtlos sich Freddie Mercury sich seinem kreativen Wahn hingab, wie schamlos ehrlich Anaïs Nin schreibt und wie zärtlich Milan Kundera dies tut.

Was sind deine Wünsche und Ziele für die Zukunft?
Noch tausend Geschichten schreiben können und dass diese gelesen und verkauft werden, denn ich will auf jeden Fall vom Schreiben leben können. Das sollte ich in den nächsten fünf Jahren schaffen können, oder?

Was war dein schönster Autor*innen-Moment bisher?
Meine erste Buchmesse in Leipzig, denn dort traf ich Menschen, die diese seltsame, schreibwütende Seite an mir sehr gut von sich selbst kannten. Ich war nicht mehr allein damit. Und ich dachte, ich bin der einzige Mensch, der so tickt.

 

 

Eine kleine Kostprobe…

Da öffnete das Neugeborene ein Auge. Neugierig beugte er sich über es. Er hatte schon mit Säuglingen zu tun gehabt, aber da waren sie meistens schon tot gewesen. Seine Schwester hatte drei Kinder bekommen, doch nach den Geburten hatte man ihn nicht eingeladen. Den Tod hält man lieber auf Abstand, selbst wenn er der Bruder war. Dieses Kind war anders. Dieses war am Anfang seines Lebens, an Tag Null.

»Niemand ist gerade so weit von mir entfernt wie du«, sagte er.

»Was sagt er?«, flüsterte die Alte.

»Lauter!«, sagte die Köchin.

Der Tod hob den Kopf und betrachtete das Wesen mit dem einen blauen Auge vor sich. An schönen Tagen war das Moor genauso blau, doch diese Tage waren selten. Er hob seine Hand über den Korb. Die Augen der Frauen wurden größer. Der Tod machte hilflos eine Handbewegung, als würde er Salz über das Mädchen streuen.

»Bist du überhaupt eine gute Fee?«, fragte die Köchin und stemmte einen Arm in die Hüfte. Es musste der sein, mit dem sie immer die Eier aufschlug, denn der Bizeps war deutlich zu sehen.

»Er hat’s gesagt!«, rief die Alte. »Mich trifft keine Schuld, ich habe überall gesucht und er hat’s gesagt.«

»Ich bin die beste gute Fee, die ihr hättet finden können und das gerade war erstklassige Magie. Macht man jetzt überall so, hat euer Moorloch wohl noch nicht erreicht.«

Die Köchin blickte ihn länger an. »Wir haben auch nur dich. Also mach fertig, drei Gaben und so und dann raus hier.«

Der Tod hatte sich wieder dem Mädchen genähert. Hallo, hallte es in seinem Kopf. Erschrocken fuhr er zusammen. Es hatte nicht wirklich das Wort benutzt, aber es war die Bedeutung dessen gewesen, das Kind hatte ihn begrüßt. Und es sagte noch mehr. Es sagte: Guck mal. Mit dem zweiten Auge, das es öffnete, zeigte es dem Tod seine Seele.

Tränen stießen ihm in die Augen. Ergriffen wischte er sie sich weg und schniefte. Die Seele war zwar jung und ungestüm, doch sie war stark und hatte eine Ruhe, die ihn in die Knie zwang. Während ganz Jui an nichts Übermenschliches als den Tod glaubte, begann eben dieser an Götter zu glauben.

»Darf ich es halten?«, fragte er.

Da lächelte selbst die Köchin.

Mit Fingern, die sonst eher zupackten und würgten, hob er das Neugeborene aus dem Hängekorb und hielt es sich an sein flatterndes Herz. Die Seele des Kindes flocht ein Band aus ihrer Selbst und schnürte es um das Organ des Todes, das sich sofort beruhigte. Die Körperwärme des Kindes ließ ihn schwindeln. Er spürte den starken Drang, am Köpfchen zu riechen. Durfte er das? Das wäre sicher merkwürdig.

»Also gut, drei Gaben«, sagte er und wiegte das Geschöpf in seinen Armen. »Ich wünsche dir, dass die, die dich am meisten lieben, immer an deiner Seite bleiben. Ich wünsche dir, dass du die Ruhe im Sturm bist. Ich wünsche dir, dass du erkennst, was du suchst, was du willst und was du brauchst.« Er drückte einen Kuss auf die winzige Stirn und das Kind schloss schnell die Augen.

»Das war schön«, seufzte die Geburtshelferin, die mit blutigen Händen auf einem Schemel saß und das Putzen vergessen hatte.

 


Magret Kindermann

 

Ihre bisherigen Veröffentlichungen:

  • Zwei Königinnen“ (Februar 2017)
    • Soft Sci-Fi, SP bei Twentysix – auf amazon* kaufen
  • Tulpologie“ (Oktober 2017)
    • Novelle, SP bei Twentysix – auf amazon* kaufen
  • Und dein Leben, dein Leben“ (März 2018)
    • Novelle, philosophischer Thriller, SP bei Twentysix – auf amazon* kaufen
  • Killing Zombies and Kissing You“ (Juli 2019)
    • New Adult, Endzeit + Romance, im GedankenReich Verlag

Eine Übersicht aller Teilnehmer*innen findet ihr bei #ProjektArbeitstitel – Was ist das?


mit * gekennzeichnete Links sind affiliate Links des amazon Partnerprogramms. Falls ihr ein Produkt über den Link kauft, entstehen für euch keinerlei Mehrkosten, ich erhalte jedoch einen kleinen Anteil als Provision.

Nina C. Hasse #ProjektArbeitstitel

Nina C. Hasse #ProjektArbeitstitel

Nina C. Hasse #ProjektArbeitstitel

Eine der allerersten Rezensionen auf diesem Blog schrieb ich zum ihrem Buch! Heute bei #ProjektArbeitstitel Nina C. Hasse!

Hallo zusammen! Ich bin Nina, wohne in Münster und schreibe hauptsächlich Steampunk-Geschichten.

Etwa seit meinem 13. Lebensjahr schreibe ich mit dem Ziel, zu veröffentlichen. Bis dahin sollten aber noch einige Jahre ins Land gehen. Meinen Debütroman „Ersticktes Matt“, einen Steampunk-Krimi & der 1. Band der Floodlands-Reihe, habe ich nach fünfjähriger Schreibzeit im Sommer 2016 veröffentlicht.

 

Ad Lucem und andere Projekte

 

Welche Projekte sind gerade in Arbeit? Erzähl uns doch ein bisschen davon!
Oh, an Projekten mangelt es nicht! (Aber bei welchem Autor tut es das schon?) Aktuell arbeite ich an zwei Romanen. Zum einen natürlich den 2. Band der Floodlands-Reihe, in dem Gesichtsanalytiker Remy Lafayette wieder in der Pfahlbautensiedlung im East River auf Mörderjagd geht.

Und zum anderen ein Steampunk-Abenteuer, das den Arbeitstitel „Ad Lucem“ trägt und das ich gerne mit „Lara Croft meets Jules Verne“ anteasere. Wer Abenteuer, Schatzsuche, Indiana Jones usw. mag, wird dort bestimmt auf seine Kosten kommen.

Und exklusiv für meine Unterstützer bei Patreon schreibe ich noch an einem dritten, vielleicht etwas seltsam anmutenden Projekt. Es heißt „Die Schatten von Manhattan“ und handelt von einer Bande Straßenkatzen, die sich im New York der 1920er Jahre herumtreibt. Ein richtiges Catventure, sozusagen 😊

Und eine Veröffentlichung steht auch kurz bevor: In den vergangenen Monaten habe ich auch viel Zeit mit der Hafermann-Anthologie „Erntenacht“ verbracht, die am 6. Oktober erscheint. Insgesamt 17 Autoren haben sich in Kurzgeschichten deutscher Folklore beschäftigt. Ich freue mich sehr darauf, wenn ihr das Buch in einigen Tagen in den Händen halten dürft. Es war und ist ein großartiges Projekt, an dem wir Autor*Innen viel Freude hatten und ich hoffe, dass euch bald ebenso viel Vergnügen beim Lesen beschert.

Wie schauen die Pläne für dein Projekt aus?
Im kommenden Jahr möchte ich auf jeden Fall den 2. Band der Floodlands veröffentlichen, das ist aktuell meine Priorität Nr. 1. Dieser wird wieder im Self-Publishing erscheinen. Mit „Ad Lucem“ würde ich es gerne einmal bei einem Verlag versuchen, um mich in der Hinsicht breiter aufzustellen und noch einmal einen anderen Blickwinkel auf den Literaturbetrieb zu erhalten. Mal sehen, ob und wie das klappt.

Magst du uns verraten, was für Ideen evtl. noch in der Schublade schlummern?
Ich habe vor Kurzem den ersten Halbsatz eines Klappentextes geträumt und war sofort Feuer und Flamme, diese Idee zu Papier zu bringen. Bisher schwirren in meinem Kopf ein paar Figuren und das Setting umher, aber das ist alles sehr vage und braucht noch ein wenig Zeit zum Reifen. Zwei Schlagworte kann ich aber schon verraten: Steampunk (wer hätte es gedacht?) und Raumfahrt.

Was hast du aus deinen bisherigen Veröffentlichungen gelernt?
Dass es immer länger dauert, als man anfangs glaubt. Ich kann Zeit nicht sehr gut einschätzen, v. a. wenn es sich um langfristige Projekte handelt. Das hat mich oft aus der Bahn geworfen, weil ich es frustrierend fand, wenn ich das Gefühl hatte, es geht nicht zügig genug voran. Mittlerweile bin ich da entspannter – zumindest ein wenig. Ich möchte die bestmögliche Geschichte schreiben, zu der ich zu diesem Zeitpunkt in der Lage bin, und dafür brauche ich Zeit, Durchhaltevermögen und eine Menge Geduld. Ich bin kein schneller Schreiber, der ein oder mehrere Bücher pro Jahr veröffentlicht. Das zu akzeptieren, ist ein Prozess, der immer noch andauert.

Welche Unterschiede gibt es zwischen deinem 1. Buch und dem jetzt?
Ich gehe den Schreibprozess anders an, habe einen ausführlicher ausgearbeiteten Plot als beim ersten Buch. Ich weiß, was ich zu tun habe, um ein Manuskript fertigzustellen. Aber ich würde nicht sagen, dass es dadurch einfacher geworden ist. Plötzlich treten ganz andere Sorgen auf: Was, wenn ich nicht in der Lage bin, nochmal eine Geschichte zu schreiben, die an den Erstling heranreicht? Was, wenn ich die Erwartungen meiner Leser nicht erfüllen kann? Erzähle ich immer wieder die gleiche Geschichte, nur in anderer Form? Diese Gedanken hatte ich beim Debütroman nicht, meine eigene Erwartungshaltung an mich selbst war damals schon hoch, durch das positive Feedback von Leser*Innen, die nun auf ein neues Buch warten, ist sie jedoch noch einmal gestiegen. Ich hoffe, dass zukünftige Geschichten den Erwartungen der Leser*Innen und meinen eigenen gerecht werden.

 

Schreiballtag

 

Was ist deine größte Herausforderung im Schreibprozess?
So simpel wie schwierig: das Anfangen. Nicht der Anfang einer Geschichte – der geht mir meist recht leicht von der Hand (und wird dann noch etwa tausendmal umgeschrieben) –, sondern der Beginn jeder Schreibsession. Ich bin ein Meister der Prokrastination. Wenn ich erst einmal angefangen habe, läuft es meistens wie geschmiert und ich mag gar nicht mehr aufhören. Aber anfangen …

Hast du eine Schreibroutine?
Ich arbeite als freiberufliche Lektorin und habe daher den ganzen Tag mit Literatur zu tun. Wenn ich mich um die Manuskripte meiner Autor*Innen kümmere, bleibt das Schreiben häufig auf der Strecke. Vor Kurzem habe ich daher die Entscheidung getroffen, zukünftig weniger Manuskripte im Lektorat anzunehmen, um meinen eigenen Projekten wieder mehr Zeit und Raum zu geben. Ich bin daher derzeit dabei, mir eine neue Schreibroutine anzugewöhnen, muss aber noch herausfinden, wie es für mich am besten funktioniert.

Welchen Tipp würdest du deinem Vergangenheits-Ich geben, das gerade mit dem Schreiben anfängt?
Bleib dran – auch wenn’s oft schwerfällt. Und arbeite einen Plot aus, verdammt nochmal! Du bist kein Discovery Writer.

 

Motivation

 

Hast du Vorbilder bzw. Menschen, die dich inspirieren und motivieren?
Da gibt es einige. Vom literarischen Können würde ich hier Simon Beckett, Alan Bradley und – obwohl es mittlerweile ein Klischee ist – auch J. K. Rowling nennen. Auf Neil Gaimans Output bin ich einigermaßen neidisch und Liz Gilbert finde ich wahnsinnig inspirierend. Und dann gibt es noch eine fiktive Figur, die ich schon seit Teenager-Zeiten als Vorbild ansehe: Jessica Fletcher aus der Krimi-Serie „Mord ist ihr Hobby“. Meine kriminalistischen Ambitionen stufe ich als einigermaßen gering ein, aber diese Figur hat mich nachhaltig beeindruckt und inspiriert mich bis heute. Ihr verdanke ich zum Teil auch meine Liebe zum Genre des Kriminalromans.

Was sind deine Wünsche und Ziele für die Zukunft?
Regelmäßig schreiben, veröffentlichen und gelesen werden.

Was war dein schönster Autor*innen-Moment bisher?
Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, es gab und gibt so viele schöne Momente. Ein einzelner Tweet jemandem, der eine meiner Geschichten mochte, versüßt mir den ganzen Tag. Aber mein schönstes Erlebnis war wohl der Thementag zu „Ersticktes Matt“ an der Akademie für Kommunikation in Stuttgart im vergangenen November. Die Schüler*Innen haben sich wahnsinnig viel Mühe gegeben, die Designstudent*Innen hatten Bilder und Collagen zu meinem Roman angefertigt, es gab Diskussionsrunden und am Abend durfte ich noch eine Lesung halten. Es war unglaublich aufregend und wahnsinnig bereichernd. Das ist auf jeden Fall ein Erlebnis, an das ich mich immer wieder gerne zurückerinnere und das mich immer wieder motiviert, wenn es mal nicht so gut läuft.

 

Eine kleine Kostprobe…

Sehr gerne! Hier könnt ihr exklusiv die ersten Wörter von „Ad Lucem“ lesen. Es handelt sich allerdings um die Rohfassung, daher kann sich noch einiges ändern.

Der Alarm schrillte in einer Lautstärke, die Tote wecken konnte, und es hätte Faedra nicht gewundert, wenn sich die Mumien der Ägyptischen Abteilung nebenan in ihren gläsernen Särgen regten. Dies war nun wirklich das letzte Geräusch auf der Welt, das sie hören wollte. Denn im Moment baumelte sie kopfüber an einem Seil, etwa fünfzehn Fuß über dem Boden des Museums, die Hände nach der Abdeckung eines Schaukastens ausgestreckt.

Soviel zu: unbemerkt rein und wieder raus in unter sechs Minuten. Eine neue Bestzeit konnte sie jetzt wohl vergessen.

»Otis«, zischte sie. Wo zur Hölle war der Kauz, wenn man ihn brauchte? »Otis, komm her!«

Keine Spur von dem Vogel.

In Ordnung, Fae, bleib ruhig.

Die Dublin Metropolitan Police würde mindestens zehn Minuten brauchen, um zum Museum zu gelangen, und wenn sie Glück hatte, weitere drei bis fünf, bis man sie hier entdeckte. Der Nachtwächter war ihr geringstes Problem, nicht umsonst hatte sie den heutigen Abend für die Umsetzung ihres Plans gewählt. Freitagnacht hatte Carl Dienst. Carl war mindestens Mitte siebzig, verschlief den Großteil seiner Schicht und schlurfte so langsam durch die Gänge, dass sie ihm rückwärts auf einem Bein hüpfend entkommen wäre. Die Polizei hingegen war ein anderes Kaliber.

Sie atmete einmal tief durch, konzentrierte sich auf das Rauschen des Blutes in ihren Ohren, spürte, wie es von dem kräftig klopfenden Herzen durch ihre Adern gepumpt wurde. So lebendig hatte sie sich schon lange nicht mehr gefühlt.

Noch elf Minuten, vielleicht zehneinhalb.

Jetzt oder nie!

Mit einer schnellen Handbewegung löste sie den Diamantschneider von ihrem Gürtel, setzte ihn auf dem Glasdeckel auf, wie sie es bereits bei der Glaskuppel auf dem Dach gemacht hatte, und zog einen präzisen Kreis um die Mitte herum. Dann hob sie die Platte behutsam heraus und legte sie auf dem Rand der Vitrine ab.

»Otis«, rief sie erneut, doch der Kauz blieb verschwunden. Verflixt nochmal! Eigentlich sollte er sie vorwarnen, sobald sich Menschen näherten, doch falls er sich von einer Maus hatte ablenken lassen, war sie auf sich allein gestellt.

Sie zog sich noch ein wenig tiefer, langte in den Kasten und entnahm die enthaltenen Schmuckstücke. Eilig stopfte sie sie in einen schwarzen Samtbeutel. Zum Bestaunen war später noch genug Zeit, nun musste sie hier verschwinden. Wo zur Hölle blieb Otis?

Sie löste den Diamantschneider von der Scheibe, befestigte ihn wieder an ihrem Gürtel und verstaute das Säckchen in ihrer Hüfttasche. Mit Schwung richtete sie sich an dem Seil auf. Für einen Augenblick hatte der Schwindel sie im Griff, dann klärte sich ihr Blick wieder.

Sechs Minuten. Maximal.

Ein Geräusch an der Tür ließ sie aufmerken.

»Wer ist da?«, fragte eine Stimme, die eher verärgert als ängstlich klang.

Sie presste die Lippen aufeinander. So schnell hatte sie nicht mit dem alten Nachtwächter gerechnet. Hätte er nicht draußen auf die Polizei warten können?


Nina C. Hasse

 

Bisherige Veröffentlichungen:

  • Ersticktes Matt (Floodlands, Band 1), auf amazon* kaufen
  • Der Traum vom Fliegen (Floodlands Kurzkrimi), auf amazon* kaufen

Die Hafemann Anthologie „Erntenacht“ erscheint am 7. Oktober 2019.

 

Eine Übersicht aller Teilnehmer*innen findet ihr bei #ProjektArbeitstitel – Was ist das?


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Nadine Föhse/Ruhrpottmutti #ProjektArbeitstitel

Nadine Föhse/Ruhrpottmutti #ProjektArbeitstitel

Nadine Föhse/Ruhrpottmutti #ProjektArbeitstitel

Heute habe ich wieder eine wunderbare Autorin für euch und sie heißt, wie unsere Montagskandidatin, ebenfalls Nadine. Im Internet ist Nadine Föhse aber hauptsächlich als „Ruhrpottmutti“ unterwegs und arbeitet auch als Lektorin.

Hallo! Ich bin Nadine, online besser bekannt als „Ruhrpottmutti“.

Im Grunde schreibe ich schon seit meinem achten Lebensjahr. Angefangen habe ich mit kurzen „Horror“-Geschichten – ob die allerdings wirklich so gruselig waren, wage ich heute zu bezweifeln. In meiner Jugend wurde das Schreiben von mir sträflich vernachlässig. Dann habe ich 2011 angefangen, Germanistik zu studieren und die Sprache rückte wieder mehr in den Fokus. Seit meinem Bachelor-Abschluss 2016 (ja, ich habe ewig gebraucht!) träume ich davon, endlich mal ein eigenes Werk zu veröffentlichen. Und jetzt ist es ganz bald wirklich endlich soweit! Wie aufgeregt ich bin, könnt ihr euch sicher ausmalen.

 

Zweifelhafte Wahrheiten und andere Projekte

 

Welche Projekte sind gerade in Arbeit? Erzähl uns doch ein bisschen davon!
Grundsätzlich würde ich sagen, dass all meine Projekte in die Sparte Jugendbuch / New Adult passen. Aktuell in Arbeit sind zwei Projekte. Zum einen der Roman Zweifelhafte Wahrheiten. Es geht um Isabel, eine junge Abiturientin, die bei einem Konzert ihrer Lieblingsband dessen Sänger kennenlernt. Er nimmt Kontakt zu ihr auf und sie freundet sich mit ihm und seinen Kumpels an. Ihrer Schulfreundin Michelle gefällt das zwar gar nicht, aber davon lässt Isabel sich nicht beirren. Dann verliebt sich plötzlich einer ihrer neuen Freunde in sie. Das Chaos ist also vorprogrammiert!

Das zweite Buch läuft unter dem Arbeitstitel #queer und behandelt – wie der Name schon sagt – eine queere Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Männern. Sie müssen durchaus das ein oder andere Hindernis überwinden, um wirklich glücklich miteinander werden zu können.

Wie schauen die Pläne für dein Projekt aus?
Zweifelhafte Wahrheiten liegt gerade bei der weltbesten Lektorin und meinen Probelesern und wird nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen. Die Veröffentlichung ist im Selfpublishing geplant. Das E-Book erscheint am 30. Juni und das Taschenbuch kurz darauf. Auch #queer soll noch in diesem Jahr erscheinen, am liebsten bereits am 31. Juli als E-Book und entsprechend kurze Zeit später als Taschenbuch.

Magst du uns verraten, was für Ideen evtl. noch in der Schublade schlummern?
Zweifelhafte Wahrheiten soll lediglich der erste Band einer Reihe werden, die in diesem und im kommenden Jahr weitergeführt wird. Außerdem ist noch eine Kurzgeschichtensammlung in Überlegung. Auf meinem Handy schlummern zusätzlich noch gefühlt 1000 weitere Ideen für Krimis und Jugendbücher, zum Beispiel Der Bauernmörder vom Rhein-Erft-Kreis, ein Krimi, der bisher nur einen Titel hat!

 

Schreiballtag

 

Was ist deine größte Herausforderung im Schreibprozess?
Puh, das ist wirklich eine schwierige Frage. Ich veröffentliche ja selbst. Von daher kommen auf mich unter Garantie andere Herausforderungen zu als auch Autor*innen, die im Verlag veröffentlichen. Einerseits muss ich mich als Selfpublisherin um alles selbst kümmern, andererseits habe ich natürlich auch alle Fäden in der Hand. Den Überblick zu behalten, finde ich teilweise echt nicht so einfach. Das könnte aber auch damit zu tun haben, dass ich Mutter einer kleinen Tochter bin, die mich natürlich sehr braucht. Da Zeit zum Schreiben zu finden, ist auch schwierig.

Hast du eine Schreibroutine?
Bis dato schreibe ich neben Muttersein und Brotjob. Allerdings bin ich im Hauptberuf als Lektorin und Texterin selbstständig – das heißt, dass ich sowieso bei freier Zeiteinteilung von zu Hause arbeite. Es ist rein beruflich betrachtet nicht schwierig, das Schreiben einzubinden. Das größere „Problem“ stellt mein Privatleben dar. Ich kann generell vorwiegend abends arbeiten und eben auch schreiben, wenn mein Mann daheim ist. Das heißt, die Zeit für Job und Schreiben ist begrenzt. Deshalb muss ich besonders effektiv arbeiten und manchmal einfach auf Knopfdruck kreativ sein. Eine klassische Routine gibt es also nicht – ich schreibe immer, wenn ich Zeit habe.

Welchen Tipp würdest du deinem Vergangenheits-Ich geben, das gerade mit dem Schreiben anfängt?
Bleib dran!

 

Motivation

 

Hast du Vorbilder bzw. Menschen, die dich inspirieren und motivieren?
Mich inspirieren wahnsinnig viele Menschen, privat wie in der Öffentlichkeit. Was das Schreiben angeht, finde ich Jacky Vellguth sehr motivierend. Dank ihrem Projekt 12in12 habe ich angefangen, 2019 als mein Schreibjahr zu definieren, in dem ich vier Bücher in zwölf Monaten veröffentliche, also 4in12.

Was sind deine Wünsche und Ziele für die Zukunft?
Irgendwann würde ich wirklich gern vom Schreiben leben können. Aber das sagt wahrscheinlich jede Autorin und jeder Autor. Doch es ist wahr: Das Hobby nutzen zu können, um den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, ist ein Lebenstraum! Abgesehen davon möchte ich es schaffen, dieses Jahr wirklich vier Bücher zu veröffentlichen. Das wird sportlich, aber ich gebe nicht auf.

Was war dein schönster Autor*innen-Moment bisher?
Der schönste Moment bisher war definitiv der, als ich die ersten Reaktionen auf mein Manuskript bekam. Ich habe von zwei Probeleserinnen bereits Feedback bekommen und beide finden die Geschichte insgesamt toll. Das ist schon irre, das schwarz auf weiß zu lesen!

 

Eine kleine Kostprobe…

Auszug aus Zweifelhafte Wahrheiten

Nachdem das Konzert zu Ende war, schlenderten die Freundinnen noch zum Merchandise-Stand. Dort standen bereits Andi und der Sänger der Band, Phil, und unterhielten sich entspannt mit ein paar Fans. Isa stöberte durch das Sortiment am Stand und entschied, einen Jutebeutel zu kaufen. Einen schwarzen, natürlich!

»Hey, na, hat’s euch gefallen?«, fragte plötzlich Andi. Isa sah zu ihm hoch, er war bestimmt zwanzig Zentimeter größer als sie. »Hi, ihr wart super!«, antwortete sie, während sie das Geld für ihren Beutel herauskramte. Die Zeit nutzte Michelle, um an ihr vorbei zu huschen und Andi in ein Gespräch zu verwickeln.

»Oh mein Gott, es war so toll! Ihr seid so toll! Ehrlich, es hat so einen Spaß gemacht!«, hörte Isa sie begeistert rufen, während sie ihr Wechselgeld einsteckte. Sie verdrehte ob des Überschwangs heimlich die Augen. »Danke«, hörte sie Andi antworten.

»Freut uns, dass ihr Spaß hattet«, schaltete sich nun auch Phil ein. »Hatten wir! Sagt mal, würdet ihr meinen neuen Beutel vielleicht unterschreiben? So richtig promimäßig?«, fragte Isa grinsend. Auch Andi grinste.

»Klaro. Auch wenn ich uns nicht unbedingt für Promis halte«, lachte Andi.

»Nicht? Das heißt, wir sehen euch nicht demnächst im Fernsehen, wie ihr kleine Tiere und Geschlechtsteile größerer Tiere esst?«

Phil musste lachen. »Auf gar keinen Fall!«, rief er aus, während er schwungvoll auf dem Beutel unterschrieb.

»Schade, Mensch. Das hätte ich mir glatt angeguckt!«, erwiderte Isa. Sie sah zu Phil hoch und zwinkerte. Er grinste sie breit an. Isa merkte, wie ihr die Wärme in die Wangen kroch und sie langsam rot wurde.

Plötzlich mischte Michelle sich ungeduldig ein. »Isa, wir müssen sofort los! Sonst verpassen wir unseren Zug! Mein Vater killt mich, wenn ich die letzte Bahn verpasse!«, erklärte sie und zog Isa am Arm. »Mist!«, rief Isa, riss Phil förmlich ihren Jutesack aus der Hand und stürmte mit einem bedauernden »Ciao, Jungs!« nach draußen.

 


Nadine Föhse

 

Ihr Buch erscheint vorraussichtlich am 30. Juni 2019.

 

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[Rezension] Und dein Leben, dein Leben von Magret Kindermann

[Rezension] Und dein Leben, dein Leben von Magret Kindermann

[Rezension] Und dein Leben, dein Leben von Magret Kindermann

Dieses Buch stand schon etwas länger in meinem Regal und ganz weit oben auf meiner Leseliste, da ich Magret Kindermann persönlich kenne sehr gerne mag. Ihre Art, die Welt zu betrachten, zu sprechen und die Dinge zu sehen ist sehr besonders und ich war neugierig, ob sich das auch in ihren Büchern widerspiegelt.


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  • Titel: Und dein Leben, dein Leben
  • Autorin: Magret Kindermann
  • Genre: sanfte Psychothrillernovelle(?)
  • 107 Seiten, Ebook: 1,49€ | TB: 9,99€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Krimiautorin Carmen lebt in einem Bootshaus abseits der Zivilisation in der Nähe eines Waldes, wo sie eine Leiche gefunden hat. Sie genießt die Einsamkeit und lässt ihrer Fantasie in ihren Manuskripten freien Lauf. Einziger Begleiter ist ihr Hund, mit dem sie gerne ausgedehnte Waldspaziergänge macht. Eines Tages wird sie jedoch bewusstlos geschlagen und sitzt plötzlich in ihrem eigenen Haus gefangen einem Fremden gegenüber, der von sich sagt, er seie ein Serienmörder.


Meine Meinung:

Ich liebe das simple und doch schicke Cover mit den dunklen Wellen, die mich an den See aus der Geschichte erinnern. Dieses Buch ist eines dieser Bücher, über die ich einerseits ganz viel und gar nicht reden möchte. Es ist eine dünne Novelle, die man verschlingt und in einem Rutsch durchlesen kann und möchte. Dementsprechend kann ich auch nicht viel über den Inhalt oder die Charaktere sprechen ohne etwas vorweg zu nehmen.

Die Prämisse des Buches ist düster und bedrohlich, doch wir lassen uns ein bisschen Zeit Carmen und ihr Leben kennen zu lernen. Warum sie so lebt, wie es ihr geht und warum sie so fasziniert von Verbrechen ist. Als leidenschaftliche Zuschauerin von Aktenzeichen XY und True Crime Sendungen kann ich diese bizarre Faszination am Tod und den dunkelsten Seiten der Menschen gut nachvollziehen. Auch wenn Krimiautorin Carmen ihr täglich Brot damit verdient, jagen ihr die Tatortfotos, ihre eigenen Werke und das tiefe Abtauchen in die Materie im einsamen Bootshaus manchmal Schauer ein.

Magret Kindermann philosophiert gerne und denkt außerhalb gesellschaftlicher Konventionen und Normen. Das überträgt sie auch wunderbar auf die Geschichte. Da wir alles aus Carmens Kopf heraus betrachten und sie viel mit sich allein ist, passt das wunderbar. Wir tauchen die Zehenspitze in die düstere Gedankenwelt von Carmen, die ein Bild von einer Geschichte vor Augen hat, das sie nicht ganz fassen kann. Die Story, die ihr bestes Buch bilden soll, das sie doch nicht schreiben kann.

Schatten und Licht.

Die oberflächlichen Gespräche mit den Leuten aus dem Ort am anderen Ufer des Sees, ihre Belanglosigkeiten aber auch ihre Heiterkeit stehen im Kontrast zur düsteren Carmen.

Und dann kommt der Tag, an dem sie bewusstlos geschlagen wird und einem Fan ihrer Arbeit gegenüber sitzt. Ein Serienmörder, gelassen und doch bedrohlich. Eine Zwickmühle aus Angst, Faszination und Neugier. Wir fiebern mit Carmen und lauschen dem interessanten Austauschs einer Mörderin auf Papier und eines realen Mörders. Die Luft ist klirrend kalt und die Seiten fliegen vorbei, während man dem Spiel der beiden folgt. Kann Carmen entkommen? Wird sie überleben? Hat dieser Mann etwas mit ihr zu tun? Wir decken Geheimnisse aus Carmens Vergangenheit auf, während der Mörder ein Rätsel bleibt. Wird er sie umbringen? Was hat er vor? Warum Carmen? Nicht ganz greifbar und mit vielen Fragezeichen, aber so ein faszinierender Charakter!

Ich mochte auch die Geschichte in der Geschichte, die Carmen dem Mörder vorliest. Generell liebe ich es, wenn in Büchern über Bücher und das Schreiben gesprochen wird.

Ich kann gar nicht so genau benennen was mich so in den Bann zieht. Der melancholisch, nachdenkliche Schreibstil? Die schrulligen Figuren? Diese bedrohliche Geschichte? Vermutlich ein Mix aus allem. Und ein Mix, der Magret Kindermann wirklich gelungen ist. Etwas vom Tod klebt an der Geschichte, dunkel und schwer wie der See. Auch das Genre einzuordnen fällt mir schwer. Es ist schon ein Psychothriller, aber ohne Blut, ohne Hektik, sondern langsam und bedrohlich wie eine Schlange im Gras.

So gerne würde ich mehr über dieses Buch erzählen, aber es ist schwierig, in Worte zu fassen welche Emotionen und Gedanken das Buch in mir losgetreten hat. Fies!

 

Fazit:

Ein kleines Kunstwerk! Dieses Buch muss man einfach selbst gelesen haben, um die Magie zu verstehen. Für alle, die einen kühlen Schauer suchen. Menschliche Abgründe und Untiefen, die einen zum Nachdenken anregen. Leise Töne, interessante Gedanken statt Action und Blut. Gute Gespräche, schöne Wörter und eine Geschichte, die im Nacken kitzelt. Dafür gibt es die volle Anzahl Seesterne!

Weitere Meinungen:

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#SPBuch Adventskalender – 12 – Nina C. Hasse

#SPBuch Adventskalender – 12 – Nina C. Hasse

#SPBuch Adventskalender – 12 – Nina C. Hasse

(Werbung wegen Namensnennung)

Heute darf ich die liebe Nina C. Hasse im Adventskalender begrüßen!

Die liebe Nina war eine der ersten Personen, der ich damals auf twitter gefolgt bin und die mich auf meiner ersten Frankfurter Buchmesse als Autorin begrüßt und unter ihre Fittiche genommen hat. Aber sie ist nicht nur eine unglaublich liebe Person, sondern auch Autorin und Lektorin!

Übrigens, ihr Buch „Ersticktes Matt“ habe ich bereits hier auf meinem Blog rezensiert. Es ist eine der ersten Rezensionen, die ich hier geschrieben habe und ist noch ganz anders aufgebaut als meine jetzigen Rezis.

Auf Ninas Website erfahrt ihr mehr über ihre Bücher und die Arbeit als Lektorin. Auf ihrem Blog gibt es persönlichere Beiträge und auch die spannende Create & Inspire Interviewreihe.


 

  1. Hallo Nina! Wie bist du zum Schreiben gekommen? Und wie entstand die Idee, einen Steampunk-Krimi zu schreiben?

Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, wann ich mit dem Schreiben begonnen habe. Ich weiß aber noch, dass ich bereits in der Grundschule Geschichten zu Bildern aus Zeitschriften geschrieben habe, teilweise mit verkehrt herum geschriebenen Buchstaben. Als ich 16 Jahre alt war, habe ich so richtig ernsthaft mit dem Schreiben begonnen. Damals war der Wunsch zu veröffentlichen schon da, allerdings habe ich das meiste für die Schublade geschrieben, darunter einen halben Fantasy-Roman und einen über die Hexenverfolgung in Salem.

Der Steampunk-Krimi war ursprünglich ein normaler Krimi – ganz ohne Steampunk. Allerdings habe ich beim Schreiben recht schnell gemerkt, dass der Roman in unserer »normalen« Welt nicht funktionierte. Ich bin dann recht zufällig auf Steampunk gestoßen  und dachte mir »Hey, das ist cool, damit will ich mich näher beschäftigen«. Ich habe den bis dato verfassten Roman dann noch einmal neu geschrieben und plötzlich funktionierte die Geschichte wesentlich besser.

 

  1. Dein Steampunk-Krimi „Ersticktes Matt“ spielt in einer überfluteten Welt in New York – was hat dich zu diesem Setting inspiriert?

Ehrlich gesagt, war auch das wieder Zufall. Ich hatte jetzt die Steampunk-Version meiner Geschichte, dennoch fehlte noch das gewisse Etwas. Im Urlaub sah ich eine Dokumentation über den Klimawandel und den Anstieg der Meeresspiegel und sogleich setzte mein Kopfkino ein. Also habe ich die Geschichte noch einmal umgeschrieben, die Floodlands entwickelt und Story und Figuren daran angepasst. Erst nach drei verschiedenen Fassungen hatte ich dann endlich ein rundes Bild.

 

  1. Feiern die Menschen in den Floodlands und der Stadt auch noch Weihnachten? Fährt der Weihnachtsmann vielleicht im Schnellboot statt im Schlitten?

Natürlich wird auch in meiner Version von New York Weihnachten gefeiert und auch die Menschen in den Floodlands feiern ihren Möglichkeiten entsprechend, wenn sie dem christlichen Glauben anhängen. Mit Santa bin ich persönlich nie so wirklich warm geworden, aber ich könnte mir Madelines Ehemann Antoni sehr gut als Weihnachtsmann verkleidet vorstellen.

  1. Du arbeitest sowohl als Autorin als auch als Lektorin – beeinflusst das dein eigenes Schreiben?

Auf jeden Fall! Mit jedem Manuskript, das ich im Lektorat bearbeite, lerne ich auch etwas für mein eigenes Schreiben dazu. Die vielen Fragen, die ich den Autoren im Manuskript stelle, versuche ich auch in meinem eigenen anzuwenden. Auf ein Lektorat kann ich meinerseits leider auch nicht verzichten. Man kann seine Texte zwar bis zu einem gewissen Grad überarbeiten, aber nicht selbst lektorieren. Irgendwann setzt die Betriebsblindheit dann doch ein.

Allerdings bin ich mittlerweile sehr sensibel für gern genutzte Formulierungen wie das allseits bemühte „Achselzucken“, „lächelte“, „blickte“ usw. Die fallen mir besonders auf, wenn ich sie in mein Manuskript schreibe. In der Rohfassung lasse ich sie oftmals stehen, spätestens der Überarbeitung fallen sie dann aber meist zum Opfer. 😀

  1. Selbst Schreiben und Lektorieren – das sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Was macht dir in diesen zwei unterschiedlichen Prozessen denn am meisten Spaß?

Im Schreibprozess mag ich das Plotten am liebsten. Dieses Gefühl, wenn noch alles möglich ist, du die Figuren und eine ganze Welt um sie herum erschaffen kannst, ist manchmal ziemlich überwältigend, aber herrlich.

Beim Lektorieren mag ich auch das erste Lesen des Textes besonders, bei dem ich die Geschichte erst einmal selbst entdecken darf und nur erste Anmerkungen zu Figuren/Spannungsbogen/etc. mache. Dann habe ich das Gefühl, meinen Autorenkollegen am nächsten zu sein.

 

  1. Wie verbringst du Weihnachten am liebsten? Feiert ihr groß mit der Familie mit brennenden Tannen, angekokeltem Truthahn und Gezanke? Oder läuft alles besinnlich und friedlich ab?

Weihnachten ist bei uns eindeutig ein Familienfest, das seit ich denken kann gleich abläuft. Heiligabend verbringen wir bei Oma und Opa, mit Bescherung und leckerem Essen. Am 1. Weihnachtstag kommen dann Tanten und Cousinen dazu. Es ist immer fast schon kitschig-harmonisch und wir genießen diese Zeit gemeinsam sehr, weil wir eine recht große Familie sind und nur selten alle zusammenkommen.

  1. Was ist deine liebste Weihnachtsleckerei? (Falls du ein altes Familiengeheimrezept für umwerfend gute Plätzchen hast, gerne her damit!)

Ich liebe Zimtsterne und Lebkuchen, die ich aber immer kaufe. Ich bin koch- und backtechnisch nur so semi-begabt. Meine Oma macht superleckere Kokosmakronen, die ich dieses Jahr auch gerne selbst einmal ausprobieren möchte. Drückt mir bitte die Daumen, dass ich dabei nicht die Küche in Brand setze!

Hier das Rezept:

  • 4 Eiweiß
  • 200g feiner Zucker
  • 1 Messerspitze Zimt
  • 2 Tropfen Bittermandel Backöl
  • 200g Kokosraspeln

Das Eiweiß zu Schnee schlagen, der so fest ist, dass ein Schnitt mit einer Messerspitze sichtbar bleibt. Nach und nach mit einem Esslöffel Zucker, Zimt und das Backöl unterschlagen. Danach langsam die Kokosraspeln unterheben. Mithilfe zweier Teelöffel kleine Teighäufchen auf Backoblaten setzen und bei leichter Hitze (je nach Ofen etwa 100° – 130°C) auf einem Backblech für etwa 35 Minuten backen. *yummy*

  1. Hast du ein aktuelles Projekt, an dem du arbeitest bzw. vielleicht in den Startlöchern zur VÖ? Und kannst/magst du uns mehr darüber erzählen?

In den Startlöchern zur Veröffentlichung leider noch nicht, aber ich arbeite natürlich am 2. Teil der Floodlands-Reihe. Und jetzt im NaNoWriMo habe ich ein Projekt geschrieben (bzw. schreibe es noch), das ich im Alter von 17 Jahren begonnen und irgendwann auf Eis gelegt habe. Die Geschichte hat mich allerdings nie losgelassen und bekommt jetzt endlich einen neuen Anstrich und ein funkelndes Steampunk-Gewand. Ausnahmsweise wird es mal kein Krimi, sondern ein Abenteuerroman, den ich gerne mit „Lara Croft trifft Jules Verne“ beschreibe. Wer also Abenteuer, Archäologie, Schatzsuche, Indiana Jones und Steampunk mag, kann sich unter dem Hashtag #AdLucem bei Twitter und Instagram schon einmal einen ersten Eindruck verschaffen. Ach, und eine Pinterest-Pinnwand gibt es natürlich auch – wie für alle meine Projekte.

  1. Was wünscht du dir für 2019 und worauf freust du dich im neuen Jahr besonders?

In erster Linie wünsche ich mir Gesundheit und ein wunderbares Jahr für mein gesamtes (digitales) Umfeld, meine Familie und Freunde und natürlich auch für mich. In Bezug auf meine schriftstellerische Tätigkeit hoffe ich, zwei Romane so weit fertig zu schreiben, dass sie in absehbarer Zeit veröffentlicht werden können.

Besonders freue ich mich auf eine Europareise, die ich im Sommer gerne machen würde, auf die Geburt meiner zweiten Großcousine und auf viele tolle Begegnungen mit lieben Menschen – online wie offline. Und natürlich auf spannende Abenteuer mit meinen Figuren.

Vielen Dank für das tolle Interview, liebe Nina!

Wenn ihr euch das Buch kaufen möchtet, dann ist der Dezember die beste Gelegenheit. Denn die liebe Nina spendet pro verkauftem Buch 1€ an den Bund Naturschutz. Tolle Sache!


Weitere Adventskalender-Stationen:


Titelbild von tolino media

Der Adventskalender ist eine unbezahlte Kooperation mit tolino Media, Books on Demand und verschiedenen Selfpublisher*innen. Unter dem Hashtag #SPbuch finden sich Leseempfehlungen und weitere Selfpublishing-Autor*innen.

[Rezension] Gedankenspeicher von Hannes Niederhausen

[Rezension] Gedankenspeicher von Hannes Niederhausen

[Rezension] Gedankenspeicher von Hannes Niederhausen

Gemeinsam mit dem sympathischen Hannes Niederhausen habe ich in Leipzig bei 9lesen auf der Bühne gestanden. Seine Kurzgeschichten sind amüsant, vielseitig und oft unerwartet. Als er mich fragte, ob ich seine SciFi-Krimi-Novelle lesen möchte, habe ich deswegen gleich „Ja!“ gerufen. Vielen Dank für das Printexemplar, Hannes! Wie mir sein Buch gefallen hat? Das erfahrt ihr hier!


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  • Autor: Hannes Niederhausen
  • Titel: Gedankenspeicher
  • Genre: SciFi, Krimi Noir
  • 114 Seiten, TB: 7,99€ | Ebook: 2€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Die nahe Zukunft: Ein Konzern baut auf dem Mond in Bergwerken Wasser ab, um es teuer an die Erde zu verkaufen. Sie locken mit einem hohen Preisgeld, sollte man 5 Jahre Arbeit dort durchhalten. Doch Menschen verschwinden und sterben auf seltsame Art und Weise. Detektiv Karl Panzer heuert als Kumpel undercover auf dem Mond an, um den Machenschaften des Konzerns auf den Zahn zu fühlen. Abgeschottet von der Außenwelt ermittelt er auf der Station und weiß nicht, wem er da draußen im All trauen kann.


Meine Meinung:

Hannes Niederhausen hat einen angenehmen, bildhaften und dennoch unaufgeregten Erzählstil. Die Beschreibungen der Raumstation, des Bergwerks und der technischen Gerätschaften sind interessant und leicht verständlich – auch für SciFi-Skeptiker wie mich.

Normalerweise lese ich Science Fiction nicht wirklich gerne, der kriminalistische Aspekt hat mich jedoch interessiert. Mit knapp 114 Seiten bleibt natürlich kaum Platz einen wirklich ausgeklügelten, mehrschichtigen Kriminalroman zu schreiben. Dennoch erfuhren wir mehr über Hauptcharakter Karl Panzer und seine Vergangenheit. Nun würden viele sagen: Sich alleine und ohne Rückendeckung auf den Mond in die Höhle des Löwen schießen zu lassen, ist eine ziemlich dämliche Idee. Ist es auch. Panzers Gedankengänge waren nachvollziehbar, aber seine Handlungen und seine Art zu ermitteln kamen mir doch sehr plump vor. Dazu das nicht aufgearbeitete Trauma.

Auch, wenn die Enthüllung am Ende durchaus plötzlicher und anders kam als erwartet, war für mich bereits früh abzusehen, was wirklich geschieht. Das hätte man vielleicht noch etwas geschickter verschleiern können, denn so war es keine wirkliche Überraschung. Die Idee hinter dem Geheimnis wiederum finde ich viel spannender und hätte mir gerade da noch etwas mehr Einblicke gewünscht. So blieb es leider eine recht kurzweilige Erzählung, die Potenzial für einen längeren Roman gehabt hätte.

Die Atmosphäre auf dem Mond und in der Station, das futuristische Gruseln ist sehr gut gelungen. Die Raumstation hatte etwas Beklemmendes und Feindliches und das ist sehr gut rüberkommen. Ich glaube, ich wäre nach Tag 1 abgehauen.

Fazit:

Die Geschichte bietet kurzweilige Unterhaltung, einen angenehmen Schreibstil und interessante Ideen. Fans von kurzen Kriminalgeschichten und Science Fiction Novellen dürfen beherzt zugreifen.

Weitere Meinungen:

Du hast eine Rezension zu „Gedankenspeicher“ geschrieben? Sag mir gerne Bescheid, damit ich dich hier verlinken kann.


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[Rezension] Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal (Teil I) von Robert McCammon

[Rezension] Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal (Teil I) von Robert McCammon

Dieses Ebook habe ich bei NetGalley angefragt, weil es sich ziemlich spannend anhörte. Danke an NetGalley also für dieses Schätzchen! Aus dem Klappentext wurde nicht ganz ersichtlich ob es in diesem Buch tatsächlich fantastische Elemente gibt. Und nachdem ich Teil I gelesen habe, tappen auch wir Leser noch im Dunkeln. 😉


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  • Titel: Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal Teil I
  • Autor: Robert McCammon
  • Verlag: Luzifer
  • Genre: historischer Krimi, Thriller
  • gebunden*: 19,95€ | Ebook*: 7,99€
  • Reihenfolge: Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal Teil I; Teil II. Im Englischen gibt es bereits mehrere Teile der Matthew Corbett Reihe. „Speaks the Nightbird“ (auch anfangs Teil 1 und 2, inzwischen Doppelband) wurde in Deutschland in Teil I und Teil II gespalten.

 

Worum geht’s?
Die neue Welt – Es ist noch nicht lange her, seit Amerika besiedelt wurde. Die kleinen Kolonien haben es schwer, auch wenn sich einige Hafenstädte bereits etablieren konnten. 1699: Richter Woodward und sein Gerichtsdiener Matthew Corbett werden ins düstere Fount Royal gerufen. Es gab zwei Morde, viele Brände und Missernten. Die Dorfbewohner sind sich einig: die Rachel Howarth ist schuldig, denn sie ist eine Hexe des Teufels, die das Dorf verflucht hat! Im Dorf stoßen Woodward und Corbett auf viel Aberglauben, allerlei Geheimnisse und widersprüchliche Aussagen. Auch haben die Hexenprozesse von Salem Wellen geschlagen – es herrschen in Fachkreisen viele Zweifel an der Existenz von Hexen. Doch vieles spricht gegen die junge Frau. Als der Richter krank wird, droht die Situation zu eskalieren. Matthew glaubt an Rachels Unschuld, doch das Holz für den Scheiterhaufen wird bereits gefällt…

Vorweg noch eine kleine Triggerwarnung (Bereich zwischen den Strichen markieren, um zu lesen): | In dem Buch gibt es Szenen und detaillierte Beschreibungen von den Krankheitszuständen (Beulenpest) der Menschen und Schlachtungen z.B. von Schildkröten, sowie relativ explizite Sexszenen mit „Tieren“ bzw. dem „Teufel“. |

 

Meine Meinung:

Als ich das Buch anfing war ich zuerst etwas erschlagen von den vielen Beschreibungen. Kutschen, Kleider, Umgebungen und Leute. Was anfangs noch etwas störend war, wurde jedoch immer besser in die Geschichte eingewoben. Wir befinden uns in einer anderen Zeit. In der Kolonialzeit in Amerika – noch geben sich die Indianer den englischen und spanischen Kolonialisten nicht geschlagen. Es gibt kein elektrisches Licht, keine Züge – nur Kutschen und Kerzenlicht. Und das Wetter in Fount Royal mutet so trüb an wie man sich einen regnerischen Tag in London vorstellt. Kaum kommen Matthew Corbett und Richter Woodward an ihrer ersten Wegstation an – einem Farmhaus, in dem sie vor einem Unwetter Schutz suchen wollen – hat mich die Geschichte in ihren Bann gezogen. Von da an, ging es rasant weiter, obwohl sich viel Zeit beim Erzählen gelassen wurde. Fount Royal, die verschiedenen Einwohner und die Spannung bauen sich unglaublich auf. Es dauert einige Zeit bis wir das erste Mal auf die Frau treffen, die der Hexerei beschuldigt wird. Wir bekommen vom Bürgermeister, vom Lehrer, vom Arzt und von den Dorfbewohnern bereits viele Informationsschnipsel zugeworfen. Wem kann man glauben, wer hat einfach zu tief ins Glas geschaut und wer lässt sich von der allgemeinen Panik anstecken? Den Reverend und ihren Mann soll sie ermordet haben – was niemand gesehen hat.

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Gesehen haben wollen sie nur einige Leute beim Akt mit abscheulichem Wesen und dem Teufel. Heutzutage würde man vermutlich einen Drogentest bei den Leuten machen. Aber damals war es anders. Und tatsächlich – die Geschichten decken sich auf unheimliche Weise. Aber nur aufgrund von Aussagen eine Frau zum Scheiterhaufen verteilen? Mich hat das Thema sehr berührt und aufgewühlt und ich war dankbar für Richter Woodwards kühlen Kopf und Matthews Neugier und klaren Verstand, sonst hätte ich den EReader in der Mitte zerrissen. Die Aberwitzigkeit, die Ungerechtigkeit macht uns wütend und wir fiebern mit Matthew mit und beten, dass er einen Hinweis findet, diese Frau zu entlasten. Nicht alle im Dorf sind gegen sie, aber je mehr Informationen ans Licht kommen, desto leichter fällt es zu glauben, dass es in Fount Royal wirklich nicht mit rechten Dingen zugeht. Der drohende Scheiterhaufen und die kleinen Informationskrümel, die uns teilweise neue Fragen aufwerfen, die schreiende Ungerechtigkeit und der Wunsch zu wissen, was wirklich passiert – all das verstrickt der Autor zu einem unglaublich spannenden Plot. Bei ca. 40% habe ich auf die Uhr geschaut und mich erschrocken: Es war 3:33 Uhr (kein Witz) und ich hatte ca. 3 Stunden wie gefesselt gelesen. Dann habe ich mal nachgeschaut wie viele Seiten das Buch hat. Kein Wunder, dass ich erst bei 40% war, es ist ein knapp 500 Seiten dicker Wälzer. Und trotzdem bin ich durchgeflogen wie auf einem Hexenbesen! Huiuiui!

Auch wenn mir die Beschreibung an einiger Stelle weiterhin etwas zu ausufernd waren, ich war spätestens nach den ersten beiden Kapiteln wie gefesselt, so spannend war das Buch. Teilweise ziemlich erschütternd, einfach durch die direkten, ungeschönten Beschreibungen von Krankheiten und Hygienezuständen. Matthew Corbett, der Titelheld, ist ein neugieriger Bursche. Er ist ehrenhaft und aufrichtig, beinahe schon ein wenig zu sehr. Aber er macht Fehler, vergisst Dinge und kommt zu falschen Schlüssen – was ihn umso sympathischer macht. Richter Woodward wirkt anfangs eher wie eine Witzfigur, aber wir merken, dass er ein kluger, besonnener Mann ist, der mit seinen eigenen Dämonen kämpfen muss. Dann gibt es noch den furchtbaren Bürgermeister und Gründer von Fount Royal, Bidwell, dem man einfach die Schaufel ins Gesicht kloppen möchte – aber auch er wirkt in sich stimmig. Die Charaktere sind interessant und vielfältig, nur manchmal vergaß ich bei den vielen Namen, wer gemeint war.

Janna sollte das lesen!“, hab ich mir zwischendurch gedacht. Düster und absolut spannend.

Auch das Cover ist ansprechend gestaltet. Zwar ist die englische Originalversion in einem Band gefasst, aber ich finde es nicht schlimm, dass der Luzifer Verlag die Geschichte auf zwei Teile aufgespalten hat. Nur der Cliffhanger macht eben Lust auf mehr, denn wir sind mittendrin, als Teil I endet. Nicht so, dass ich anfgefangen habe zu weinen und mein Herz aus der Brust sprang, aber so, dass ich mir direkt Teil 2 kaufen will… immer ein gutes Zeichen!

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Mein Fazit:

Was soll ich sagen: wir haben glaubwürdige Charaktere, ein interessantes, gut recherchiertes Setting, sehr viel Spannung und eine mitreißende Geschichte. Manchmal war der Schreibstil etwas ausschweifend, aber alles in allem, kann ich kaum mäkeln, weshalb ich guten Gewissens 5 Seesterne vergeben kann.

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Andere Stimmen zum Buch:

 


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Neuzugänge September & Oktober

Neuzugänge September & Oktober

Weil der Oktober so vollgepackt war mit Arbeit und Terminen, habe ich meine Neuzugänge aus dem September einfach mitvorgemerkt – ihr bekommt also einen riiiiesigen Neuzugänge Beitrag. Auch der Lesemonat September wird nachträglich noch nachgeholt.

  • Hikaru Miyoshi – Inspector Akane Tsunemori

Der Manga zu einer meiner liebsten Animeserien: Psycho-Pass. Spannender, futuristischer Cyperpunk-Thriller. Kazé | TB: 6,95€ | Ebook: 4,99€ (auf amazon*)

  • Melanie Schober – Skull Party

Die Regierung kontrolliert die Bevölkerung mit Drogen. Doch natürlich halten nicht alle die Köpfe still. Carlsen Manga | TB: 6,95€ | Ebook: 5,99€ (auf amazon*)

  • Ban Zarbo – Kamo, Pakt mit der Geisterwelt

Ein herzkranker Junge erhält die Chance sein Leben zu verlängern, wenn er einen Pakt mit einem Geist eingeht. Tokyopop | TB: 4,95€ | Ebook: 3,99€  (auf amazon*)

  • V. E. Schwab – Vier Farben der Magie

Vier verschiedene Welten, vier verschiedene Londons. Einer der wenigen, der durch die Welten wechseln kann, nimmt eines Tages einen Gegenstand mit, der alle Welten ins Verderben stürzen kann. Fischer Tor Verlag | TB: 9,99€ | Ebook: 9,99€ (auf amazon*)

  • Leigh Bardugo – Das Lied der Krähen

Außergewöhnliche Missionen brauchen außergewöhnliche Leute. Sechs talentierte und grundverschiedene Außenseiter brechen in ein Hochsicherheitsgefängnis ein, um den Frieden zu wahren. Droemer Knaur Verlag | Softcover: 16,99€ | Ebook: 14,99€ (auf amazon*)

  • S. Bottlinger – Der Fluch des Wüstenfeuers

Eine junge Magierin möchte das Siegel brechen um ihre Kräfte zu befreien und dem Harem des Königs zu entkommen. Sie landet jedoch im Gefängnis, aus dem noch nie zuvor jemand ausgebrochen ist. Klett-Cotta | Softcover: 16,95€ | Ebook 13,99€ (auf amazon*)

  • Ransom Riggs – Tales of the peculiar

Millard Nullings‘ gesammelte und illustrierte Geschichten der besonderen Kinder, ein wichtiges Werk voller versteckter Hinweise für alle besonderen Kinder. Dutton Books | geb.: 9,99€ | Ebook: 12,99€ (auf amazon*)

  • Manfred Lütz – Wie Sie unvermeidlich glücklich werden

Unvermeidlich glücklich? Geht nicht? Geht doch, sagt Manfred Lütz und will uns zeigen, wie. Rezension. Penguin Verlag | TB: 10,-€ | Ebook: 8,99€ (auf amazon*)

  • Michael Schmidt-Salomon – Hoffnung Mensch: Eine bessere Welt ist möglich

Faith in humanity restored? Der Autor dieses Buches möchte aufzeigen, warum Menschen gar nicht so schlecht sind und uns Hoffnung machen. Piper Verlag | TB: 10,99€ | Ebook: 8,99€ (auf amazon*)

  • Yeonmi Park – Mut zur Freiheit

Yeonmi Park wuchs in Nordkorea auf und ihr gelang die Flucht. Sie musste viel durchmachen und hat viel verloren. Das ist ihre Geschichte. Goldmann Verlag | TB: 9,99 | Ebook: 8,99€ (auf amazon*)

  • Lydia Benecke – Auf dünnem Eis

Was treibt Menschen dazu, andere zu töten? Die Psychologie des Bösen verbunden mit spannenden Kriminalfällen. bastei lübbe Verlag |TB: 10,-€| Ebook: 8,49€ (auf amazon*)

  • Mark Benecke – Mordspuren

Der bekannte Kriminalbiologe berichtet von einigen spektakulären Fällen. bastei lübbe Verlag |TB: 10,-€| Ebook: 8,49€  (auf amazon*)

  • Stephan Harbort – Killerfrauen

Morden Frauen anders als Männer? Der Autor war lange Zeit in einem Frauenknast beschäftigt und hat viel zu erzählen. Knaur Verlag | TB: 9,99€ | Ebook: 8,99€ (auf amazon*)

  • Jill Noll – Eine Ewigkeit ohne dich

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen einem Mädchen und einem mysteriösen Wesen. TB: 9,99€ | Ebook: 2,99€ (auf amazon*)

  • Nike Leonhard – Codex Aureus: Steppenbrand

Die Prophezeihung preist ihn als Helden an, aber das Blatt kann sich schnell wenden. TB: 4,99€ | Ebook: 0,99€ (auf amazon*)

  • Nicole Neubauer – Scherbennacht

Ein Drogenfahnder wird erschossen aufgefunden. Hat er seine Nase in die falsche Angelegenheit gesteckt oder holte ihn ein Fehler aus seiner Vergangenheit ein? Komissar Waechter ermittelt. Rezension. blanvalet Verlag | TB: 9,99€ | Ebook: 8,99€ (auf amazon*)

 

Da ist ziemlich viel eingezogen bei mir, aber im Winter ist es auch einfach am gemütlichsten im Bett zu lesen. Habt ihr schon etwas von der Liste gelesen?

Tüdelü,

eure Babsi


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[Rezension] Scherbennacht von Nicole Neubauer

[Rezension] Scherbennacht von Nicole Neubauer

Ein Buch von der überaus reizenden Nicole Neubauer zu lesen stand schon seit langem auf meiner To Do Liste. Als das Bloggerportal dann ihren neuesten Krimi „Scherbennacht“ als Rezensionsexemplar anbot, habe ich mich dann einfach mal dafür beworben und glücklicherweise eins abstauben können! Vielen Dank dafür!

Ich habe das Buch zusammen mit der lieben Janna von KeJas Blogbuch gelesen und wir haben beide ganz schön mit Hannes, Michael und Elli gelitten und fleißig gerätselt, wer der Mörder ist.

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Nicole Neubauer – Scherbennacht (Kommissar Waechter 3)

Worum geht’s?
„Scherbennacht“ ist der dritte Teil der Reihe um Kommissar Waechter und sein Team. Es ist nicht nötig, die anderen Bände zu lesen, um die Ereignisse des Buches zu verstehen. (Ich werde die Vorbände aber auf jeden Fall nachlesen! 😉 )

Ein Drogenfahnder der Polizei wird erschossen auf einem abgelegenem Grundstück vorgefunden. Die Joggerin, die die Leiche gefunden hat, gehört zu einer speziellen Eingrifftruppe der Polizei, die bei Krawallen und Demonstrationen für Ordnung sorgt. Der Fall ist verzwickt, die Ermittlungen führen bis in die Vergangenheit des Kollegen und seinen schwerwiegendesten Fehler als Polizist. Hat die Vergangenheit ihn eingeholt oder hat er seine Nase in die falschen Angelegenheiten gesteckt? Zusätzlich muss sich Kommissar Waechter auch mit seinem Kollegen Hannes auseinandersetzen, der nach langer Abwesenheit wieder in den Dienst zurückkehrt und alles andere als stabil ist. Das sommerliche München fungiert dabei als Kochtopf und es sind weitaus mehr Personen involviert, als ursprünglich angenommen.

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Meine Meinung:

Das Cover besticht durch seine schöne Farbgebung, die Schlichtheit und den Verzicht von großen Grusel-Effekten und Blut und hebt sich dadurch angenehm von anderen Vertretern des Genres ab.

Nicole Neubauers Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen, die Dialoge sind glaubhaft und interessant, die Szenerie wird eher weniger beschrieben und wir bleiben näher am Geschehen als am Drumherum. Es geht vor allem um die Beziehungen und Gedanken der Charaktere. Ich würde mir an manchen Stellen ruhig etwas mehr Beschreibung und Ausgestaltung wünschen, aber das ist ja Geschmackssache.

Der Inhalt besticht durch seine mehreren Handlungsebenen und Probleme. Einerseits haben alle Ermittler reale Probleme und Sorgen, die sie bei den Ermittlungen und im Alltag beschäftigen und behindern. Angenehm ist jedoch, dass beides in Balance gehalten wird und die Spannung niemals abbricht, denn wenn die Ermittlungen stocken, so sorgt garantiert das Privatleben der Polizisten für Abwechslung und Spannung. Nicole Neubauer lässt ihre Figuren ganz schön schuften! Durch die vielseitigen Charaktere, die vielen Grautöne und Nuancen lässt uns Nicole Neubauer lange im Dunkeln tappen, bevor wir erahnen können, wer welche Fäden in der Hand hat. Am Ende sitzen wir mit Kommissar Waechter buchstäblich in einem Scherbenhaufen und fragen uns, wie sich die Geschichte verändert hätte, wenn an einigen Punkten des Weges nur eine Kleinigkeit anders gelaufen wäre. Das trägt maßgeblich zur Spannung bei und ist viel wirkungsvoller, langlebiger und fesselnder als so mancher blutiger Schlachtkrimi um Serienmörder. Auch wenn der Fall am Ende gelöst wird, so sind viele Probleme aufgetreten, die es erst noch zu Lösen gilt. Und darauf müssen wir als Leser leider bis zum nächsten Band warten. Mindestens genauso fies wie ein Cliffhanger!

Die Charaktere sind das Kernstück eines guten Buches und sind für mich oftmals der Punkt, mit dem eine Geschichte fällt oder siegt. Nicole Neubauer hat interessante, humorvolle Charaktere, die weder übertrieben düster und ernst, noch Clowns sind, bei denen man sich fragt, wie sie es in die Polizei-Laufbahn verschlagen hat. Scharfsinn, Menschlichkeit und die interessanten, wechselhaften Grautöne machen das Team um Kommissar Waechter zu einer liebevollen Gruppe, deren Erfolg und Scheitern einem wirklich am Herzen liegt. Auch um den Toten, der im Buch ja nicht mehr aktiv vorkommt, wird eine interessante Geschichte gewebt, die nicht klar vorschreibt, was für eine Person der Verstorbene war. Wie im echten Leben gibt es vielerlei Facetten und dem Leser obliegt es am Ende, welchen Aspekten er mehr Gewicht schenkt. Ähnlich sieht es auch mit der Moral der Charaktere aus. So haben wir neben Waechters Team um Hannes, Elli und den Hüter des Schweigens auch die Sondereinsatztruppe um Sunny, Patrick, Milan und die anderen Jungs. Als einzige Frau hat es Sunny sehr schwer und wir lernen sie sowohl als kalt und berechnend, aber auch als liebevolle Freundin kennen. Durch diese wirklich lebendigen Charaktere fällt es uns als Leser auch schwer ein Urteil zu fällen. Wer hat den Mord begangen? Wer hat Datensätze manipuliert? Am Ende gibt es eine klare Antwort – zumindest auf die einfachen Fragen. Wer ist Schuld? Nun, das ist ein Dilemma, das wie im echten Leben nicht abschließend geklärt werden kann. Die Charaktere liegen einem auf der letzten Seite sehr am Herzen und es zerreißt einen förmlich, dass man nicht sofort erfährt, wie es mit ihnen weitergeht. Manchmal möchte man auch in die Geschichte hüpfen, sie ohrfeigen, sie in den Arm nehmen oder ihnen mal die Meinung geigen.

Das Ende lässt nochmal erahnen, warum der Titel „Scherbennacht“ lautet. Der Fall wird gelöst, Friede Freude Eierkuchen ist aber weit davon entfernt. Das Buch reißt mit und wir leiden und lernen mit den Charakteren und hoffen nur, dass es sich für sie zum Guten wenden wird, auch wenn vieles auf dem Weg zur Lösung des Verbrechens angeknackst wurde. Wo Brücken gebaut wurden, wurden andere Brücken eingerissen. Ich kann gut mit dem Ende leben, aber ich möchte unbedingt wissen, wie es mit unseren Charakteren weitergeht. Um die Wartezeit auf den nächsten Band zu überbrücken, werde ich Band 1 und 2 nachlesen, um die Vorgeschichte der so lieb gewonnen Charaktere zu erfahren. Für mich ging es am Ende doch nochmal einen Funken zu schnell, da wäre noch Potenzial gewesen, die Nerven der Leser noch mehr zu spannen.

Fazit:

Für mich ein ausgesprochen positiver Ausflug ins Krimi-Genre, der mir zeigt, dass es noch interessante Ermittler gibt – und vor allem, dass es keine grausamen abgefahrene Serienkiller braucht, um Spannung und Herzklopfen beim Leser zu erzeugen. Nicole Neubauer hat mich als Leserin von ihrem Talent überzeugt, fesselnde Geschichten mit vielseitigen Charaktere zu erzählen. Hier und da hätte es meinetwegen noch ein bisschen verzwickter werden können, aber ansonsten kann ich das Buch und die Autorin sowohl Krimi-Fans als auch Krimi-Touristen, wie ich es einer bin, wärmstens ans Herz legen. Von mir gibt es vier Seesterne!

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Weitere Meinungen:


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[Rezension] Geständnisse von Kanae Minato

[Rezension] Geständnisse von Kanae Minato

Dieses Buch stand schon seit einiger Zeit auf meiner Wunschliste. Ich habe mich neu auf dem Bloggerportal von Randomhouse* angemeldet und als ich den Titel entdeckte, habe ich es direkt angefragt. Tatsächlich bekam ich es dann auch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

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Kanae Minato – Geständnisse

Worum geht’s?

Die Tochter der Lehrerin Frau Moriguchi ertrinkt im Schwimmbad der Schule. Doch das Ganze ist kein Unfall: Zwei ihrer Schüler sind verantwortlich. Und Frau Moriguchi möchte Rache. Aus mehreren Perspektiven spinnt sich eine Geschichte über die tiefen Abgründe der menschlichen Psyche zusammen, die Lage in der Klasse spitzt sich zu und es gibt weitere Tote. Das Böse und der Wahnsinn schlummern in jedem, wie wir durch die verschiedenen Kapitel aus der Sicht mehrer Personen erfahren.

  • Genre: psychologisches Drama
  • Verlag: Bertelsmann
  • gebunden*: 16,99€ |Ebook*: 13,99€

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Meine Meinung:

Das Cover ist schlicht, wirkt beinahe harmlos, lediglich der blutende Apfel lässt uns vermuten, dass das Buch nicht ganz so unschuldig ist, wie die Aufmachung es vermuten lässt. Auch wenn ich das Design mag, hätte ich mir gewünscht, dass vielleicht ein Bezug zur Geschichte hergestellt werden könnte z.B. in Form eines Häschens oder einer Milchtüte.

Kanae Minatos Schreibstil lässt sich flüssig lesen, wir sind direkt im Kopf der betreffenden Figuren und sie versteht es auch durch die Ausdrucks- und Schreibweise, den verschiedenen Charakteren Leben einzuhauchen und ihre Persönlichkeit penibel zu zeichnen. Die Übersetzung erscheint mir gut gelungen, denn die ein oder anderen japanischen Eigenarten kommen gut zur Geltung und die Formulierungen finde ich passend gewählt.

Allzu viel kann ich an dieser Stelle nicht zu viel über die Charaktere verraten, denn sie bilden das Herzstück der Geschichte. Ihre Abgründe, Motive und Entwicklungen treiben das Geschehen voran. Wer ist wirklich Schuld? Was war der Auslöser? Kleine Erfahrungen wirken wie winzige Zahnräder in einer Maschinerie und scheinbar beiläufige Begegnungen und Erlebnisse führen letztendlich zu den grausamen Geschehnissen im Buch. Wie wird jemand Böse? Warum töten jemand? Kanae Minato erzählt es uns und für den jeweiligen Charakter ergibt es Sinn. Verstörend.

Lehrerin Moriguchi, Mizuki, Shuuya, Naoki, Naokis Mutter. Alle spielen sie eine wichtige Rolle, alle sind sie Teil der Spirale des Verderbens.

Der Inhalt des Buches ist einzigartig und höchst beklemmend. Bereits nach wenigen Seiten ist klar, dass dieses Buch anders erzählt als die meisten Bücher. Die japanische Psyche, gewisse Ansichten über Pflichtgefühl, Schuld – die Geschichte funktioniert vor allem, weil sie dort spielt, wo sie spielt und weil die Charaktere so sind, wie sie sind. Als Leser findet man es unverständlich und doch ergibt es Sinn, dass es kommt wie es kommen muss. Nach und nach decken wir immer ein Stückchen mehr der Wahrheit auf und haben wir Mitleid mit den Charakteren bleibt am Ende nur eine leichte Verstörtheit zurück. Wer ist das wahre Opfer, wer ist wirklich Schuld – kann man überhaupt irgendjemanden verantwortlich machen? Diese genaue Analyse der Bösartigkeit der Menschen, der perfide Aufbau, der genaue Blick in die Psyche der Charaktere – all das fesselt ungemein. Das Buch hat zwar nur knapp 300 Seiten, dennoch war ich ungewöhnlich schnell durch, einfach weil es mich so sehr in seinen Bann gezogen hat. Ein dramatischer Thriller, bösartig und hoffnungslos.

Das Ende lässt uns schockiert zurück. Es spitzt sich zu und am Ende wissen wir nicht, ob irgendjemand in diesem Buch irgendetwas gewonnen oder erreicht hat. Wir können aufatmen, die beklemmende, spannende Geschichte ist vorbei und wir finden uns sicher in unserem gemütlichen Bett wieder. Wir haben schreckliche Dinge erfahren und zu wissen, wozu Menschen fähig sind, wenn nur viele kleine Puzzlestücke zusammenkommen, ist wahrlich beängstigend.

Mein Fazit:

Wow, was bin ich beeindruckt. Ich hatte viel Gutes über das Buch gehört und ich dachte nicht, dass es mich so fesseln kann. Ich bin ein großer Fan der japanischen Kultur, auch wenn ich einige in Japan übliche Charakterzüge und Denkweisen als ziemlich toxisch empfinde. Die Psyche und die geistige Gesundheit, das sind flatterhafte Dinge und es scheint einfach, sie zu zerreißen. Die Geständnisse der Charaktere lesen sich gleichsam spannend, wie verstörend. Das Buch ist ein düsteres, perfides Kammerspiel und ich kann es allen Fans von japanischem Horror (nicht übernatürlich) und psychologischen Krimis/Thrillern ans Herz legen. Es lässt mich frösteln, grübeln und nachdenken und ich musste mich sofort hinsetzen und diese Rezension schreiben. Dafür gibt es von mir eine klare Leseempfehlung und 5 Seesterne.

5seesterne


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