Schlagwort: entwicklungsroman

Julia von Rein-Hrubesch #ProjektArbeitstitel

Julia von Rein-Hrubesch #ProjektArbeitstitel

Julia von Rein-Hrubesch #ProjektArbeitstitel

Heute habe ich eine Autorin, die auf meinem Blog schon das ein oder andere Mal aufgetaucht ist. Sie ist einer meiner liebsten Buchmenschen überhaupt: Julia von Rein-Hrubesch! Ihre Bücher „Dein Paradies wächst“ und „Das Flüstern der Pappeln“ habe ich auch bereits rezensiert.

Hallo! Mein Name ist Julia. Die Frage „Wer bist du“ amüsiert mich, obwohl sie eigentlich eine sehr schwierige Frage ist. Man ist gezwungen, über sich nachzudenken und das, was man gefunden hat, auf einen Punkt zu bringen. Ich versuche das mal: Ich bin ein Mensch voller Emotionen, Kreativität und Liebe.

Angefangen zu schreiben … hm. Ich erinnere mich an Aufsätze, an denen ich die größte Freude hatte, während meine Mitschüler darüber stöhnten. Ich sollte mal eine Beschreibung eines Ölgemäldes als Hausarbeit machen, die die Lehrerin nicht benoten wollte, weil sie nicht glaubte, dass sie von mir sei. Ein Buch habe ich mit 11 Jahren angefangen zu schreiben, aber da habe ich nur den Anfang geschafft, das schien mir viel zu anstrengend. Erst mit Zwanzig habe ich das wieder aufgenommen und dann dafür gebrannt. Seitdem empfinde ich das Schreiben tatsächlich als meine Berufung. Ich habe mehrere Romane und Kurzgeschichten im Selfpublishing veröffentlicht.

 

Fallendes Wasser und andere Projekte

 

Welche Projekte sind gerade in Arbeit? Erzähl uns doch ein bisschen davon!
Zurzeit schreibe ich an „Fallendes Wasser“, eine Geschichte, in der eine junge Frau als Ferienjob in einem verlassenen Anwesen arbeitet, da dies verkauft werden soll. Als dort Türen schlagen und seltsame Dinge geschehen, ist sie wie besessen davon, herauszufinden, was in diesem Haus passiert ist. Sie ist sich sicher, dass das Anwesen und die Geister, die es bewohnen, ihr etwas mitteilen wollen. Mir gefällt der Gedanke, dass die Frau sich nicht fürchtet, wie es uns gern in diesen Geschichten erzählt wird. Sie ist neugierig und auch ein bisschen naiv, und sie bekommt Hilfe von einer sehr interessanten Figur, deren Persönlichkeit für mich eine Herausforderung ist.

Dann gibt es noch „Monster“, die Erzählung von Lise, die jeden Abend Kekse unter ihr Bett stellt. Eines Tages verschwindet der Großvater ihres besten Freundes, und sie ist sicher, dass er sich in der Welt der Monster aufhält. Diese Geschichte liegt in den letzten Zügen, sie ist bald fertig.

Und dann freue ich mich auf Hennie, eine meiner liebsten Figuren. „Das Flüstern der Pappeln“ ist mein beliebtestes und bestverkauftes Buch, was lustig ist, da ich Hennie anfangs überhaupt nicht mochte und dachte, dass es dem Leser genauso geht. Auch ist es das einzige Buch, das ich nicht an einen Verlag schickte, sondern gleich selbst herausbrachte. „Im Rauschen der Weiden“ ist die Fortsetzung von „Das Flüstern der Pappeln“. Ein Mammutprojekt, da ich den ersten Teil noch immer für mein bestes Werk halte. Es ist dicht und bringt alles auf den Punkt ohne Schmuck. Hach.

Wie schauen die Pläne für dein Projekt aus?
Ich schreibe zu jedem Projekt ein Exposé. Das mache ich sehr gern, es hilft vor allem zu sehen, ob man das, was man sagen will, auch tut. Wie ein Filter oder ein Trichter. Ich nenne es auch Bericht schreiben. Genauso wie ein Klappentext. Beides entsteht bei mir parallel zur Geschichte, ich empfinde es als Hilfsmittel. Ist das Exposé irgendwann final, schicke ich es zu Verlagen. Bisher habe ich das nicht immer gemacht, doch für die Zukunft ist das mein Plan.

Magst du uns verraten, was für Ideen evtl. noch in der Schublade schlummern?
Ähm, da bräuchte ich viel Platz. Ich bin ein Ideen-Monster. Ich habe einen ganzen Ordner voll von Entwürfen, die ich alle ganz hervorragend finde. Ich denke, nach den genannten Projekten widme ich mich der Fantasy, da habe ich was in Planung. Das ist allerdings so riesig, dass ich mich ein wenig fürchte. Ich brenne schnell, doch das Feuer stets zu halten, ist dann schwierig.

Was hast du aus deinen bisherigen Veröffentlichungen gelernt?
Es dauert. Man muss geduldig sein. Das ist schwer für mich. Ich will mich immer gleich ins nächste Projekt stürzen, da bin ich extrem lustgesteuert. Und: Setze auf Profis! Ich habe Lektorat, Satz und Cover machen lassen. Das find ich unheimlich wichtig, und das Ergebnis war so … extrem befriedigend. Es gibt nichts anderes mehr für mich.

Welche Unterschiede gibt es zwischen deinem ersten Buch und dem aktuellen Projekt?
Ich schreibe anders. Das Handwerk hat sich geändert. Weiterentwickelt. Ich möchte sagen, dass ich immer besser werde, was ja auch wichtig ist. Das Schreiben lernt man immer weiter, da ist man nie fertig. Ich schreibe langsamer, dafür sorgfältiger. Früher schrieb ich wie besessen und sortierte dann aus. Jetzt prüfe ich jeden Satz mehrmals auf seine Daseinsberechtigung, bevor ich ihn aufschreibe. Das ist anstrengender. Doch ich bin sehr zufrieden damit.

 

Schreiballtag

 

Was ist deine größte Herausforderung im Schreibprozess?
Oh, das ist einfach: Kontinuierliches Arbeiten und Marketing. Letzteres bekomme ich einfach nicht hin, ich weiß nicht, ob man dafür ein bestimmter Typ sein muss. Das kontinuierliche Arbeiten ist ein Prozess, an dem ich arbeiten kann, ich trainiere immer und immer wieder. Doch Vermarkten nicht. Das ist auch einer der Gründe, warum ich vermehrt Exposés verschicken werde.

Hast du eine Schreibroutine?
Diese Frage ist schon schwieriger zu beantworten. Das letzte Jahr habe ich damit verbracht, eine gute Routine zu finden. Überhaupt eine. Früher habe ich geschrieben, egal wie laut oder chaotisch es war. Ich erinnere mich an wuselnde Kinder und Lärm, und ich habe eine ganze Fantasy Reihe geschrieben. Heute kann ich das nicht mehr. Ich brauche Ruhe und Ordnung. Mann, klingt öde, oder? Und ich brauche einen ganzen Tag, um den Kopf frei zu kriegen. Ab September habe ich einen festen Schreibtag in der Woche. Ich bin sehr gespannt!

Welchen Tipp würdest du deinem Vergangenheits-Ich geben, das gerade mit dem Schreiben anfängt?
Mach weiter. Schreib mehr Bewerbungen. Mehr. Mehr. Mehr.

Wie ist es, gemeinsam mit anderen ein Buch zu schreiben?
Es ist toll! Als würden sich ständig Türen öffnen, die man vorher nicht sah. Die man sich nicht mal vorstellen konnte. Zusammen schreiben bereichert und bringt Wissen. Schwierig ist, wenn man eine gewisse Vorstellung vom Text oder der Figuren hat und der Co-Autor es dann anders macht. Da muss man flexibel sein und nicht steif. Auch das kann ein Lernprozess sein.

 

 

 

Motivation

 

Hast du Vorbilder bzw. Menschen, die dich inspirieren und motivieren?
Leser*innen! Wenn ich eine begeisterte Leserstimme höre, springe ich gleich auf und schreibe. Ich glaube, es wird unterschätzt, was begeistertes Lesen mit uns Autoren macht. Vor allem Hennie aus „Das Flüstern der Pappeln“ hat mich fasziniert, das tut sie noch immer. Mir erzählen Leser*innen, wie sehr sie sich mit ihr identifizieren können. Das macht mich so selig.

Autor*innen! Autor*innen, die sich gegenseitig interviewen zum Beispiel. Zusammen zu schreiben, zusammen zu planen, ist unheimlich motivierend. Gegenseitig Werke analysieren. Vor allem Magret Kindermann, Nika Sachs und Vanessa Glau möchte ich hier nennen. Sie sind meine Motivationsriege.

Echte Menschen! Ihr Leben, ihre Ansichten, ihr Handeln.

Menschen, die Kunst machen! Musik! Ich habe unzählige Kurzgeschichten, die ich nach Songs geschrieben habe, vor allem nach Wintersleep. Und ich hab einen ganzen Roman nach „Deep below the earth“ von Matthew and the atlas geschrieben. Kunst allgemein, dahinter stecken ja auch Menschen. Esther Wagner zum Beispiel, ihre Bilder erzählen Geschichten, die man sofort aufschreiben möchte. Caspar David Friedrich malt ganze Universen voller Geschichten. Mich fasziniert oft die Atmosphäre, sie ist pure Inspiration. Reisen ist ebenfalls inspirierend, sagt ja jeder, aber das ist nun mal so ;).

Vorbilder habe ich nicht wirklich. Ich bin großer Fan von King, weil er Bilder im Kopf malt wie kein zweiter. Und weil er Dialoge kann. Ich bewundere jeden Autor, der Dialoge schreibt, die man einfach so überfliegt, ohne zu stolpern. Das ist sehr schwer. Zurzeit lese ich „Geisternächte“ von André Mumot, da sind Dialoge drin, die ich mehrmals lese, weil sie vom Handwerk so gut sind. Man kann also sagen, ich habe auch „aktuelle Vorbilder“. Und ich bin großer Hesse Fan, weil ich mich von seinen Texten verstanden fühle. Matt Ruff finde ich großartig, und Joselyne Saucier. Sie zählen auch als Vorbilder.

Bäume sind zwar keine Menschen, doch die muss ich unbedingt nennen. Die Natur, die Erde, auf der wir leben, sind oft große Inspiration für mich.

Was sind deine Wünsche und Ziele für die Zukunft?
Mach weiter. Schreib mehr Bewerbungen. Mehr. Mehr. Mehr.“ – Das! Vor allem will ich das mit dem festen Schreibtag hinkriegen. Organisatorisch habe ich das bereits. Nun müssen Disziplin und Kontinuität folgen. Und ich will damit glücklich sein.

Was war dein schönster Autor*innen-Moment bisher?
Mir hat mal eine Leserin auf der Straße hinterhergerufen, was für ein wundervolles Buch „Das Flüstern der Pappeln“ doch sei. Noch heute kommt mir dieser Moment unwirklich vor, eine Begebenheit, die man sich wünscht, und wenn sie dann eintrifft, kann man es kaum glauben. Und ich habe eine Mail von einem Verlag bekommen, eines meiner Projekte betreffend. Mehr kann ich da noch nicht verraten. Das war natürlich auch ein wahnsinnig aufregend Gefühl!

 

Eine kleine Kostprobe…

Sehr gern! „Fallendes Wasser“, (Psycho)Thriller + Entwicklungsroman

Es wurde viel zu schnell dunkel.  Madeleine trug den Tee und die Gebäckstücke, die sie in der Speisekammer gefunden hatte, auf einem Tablett in das Gärtnerhaus. Ihre Laptoptasche hängte sie um.

Edda nannte es Gästehaus, doch der andere Name gefiel Madeleine besser. Sie mochte die Vorstellung, in dem Häuschen zu wohnen, in dem einst der Gärtner von Fallendes Wasser gelebt hatte, auch wenn das einige Jahre zurücklag. Und sie war gespannt auf die Dame, die sich um die Rosen kümmerte. Vor ihrem inneren Auge tat sich ein Bild auf, wie sie zusammen im Pavillon saßen und Kaffee tranken und von Fallendes Wasser schwärmten. Wie sie wohl aussehen mochte, die Gärtnerin? Sicher trug sie einen geflochtenen Hut mit breiter Krempe und einem Band darum.

Das Gärtnerhaus stand schräg hinter dem Hauptgebäude. Es zeigte sich umringt von Birken und Sträuchern, doch nicht versteckt. Weiter hinten befanden sich Stall und Scheune, auf der anderen Seite der kleine See.

Madeleine seufzte, als sie den passenden Schlüssel suchte. Dies war ein Traum. Wie konnte man diesen Ort freiwillig verlassen? Sie wusste nicht, wo die Stampsons jetzt lebten. Überhaupt hatte sie keine Informationen über den Fortgang der Familie. Bei der Recherche hatte sie nur Zeitungsartikel über Pferderennen gefunden. Die Stampsons waren passionierte Reiter gewesen. Sicher haben sie sich zerstritten, dachte Madeleine. Und dann sind sie fortgegangen, weil sie sich nicht einigen konnten, wer Fallendes Wasser bekommt. Das, oder es spukt.


Julia von Rein-Hrubesch

 

Einen Buchtrailer zu „Das Flüstern der Pappeln“ gibt es hier:

Ihre bisherigen Veröffentlichungen:
  • Das Flüstern der Pappeln, auf amazon* kaufen
  • Dein Paradies wächst, auf amazon* kaufen

Eine Übersicht aller Teilnehmer*innen findet ihr bei #ProjektArbeitstitel – Was ist das?


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[Rezension] Ich fühle so tief ich kann von Liane Cornelius

[Rezension] Ich fühle so tief ich kann von Liane Cornelius

Ich war ziemlich überrascht, als mich die E-Mail erreichte, in dem mir „Ich fühle so tief ich kann“ von Liane Cornelius als Rezensionsexemplar angeboten wurde. Von der Autorin hatte ich nie zuvor gehört, aber sie hatte sich die Mühe gemacht meinen Blog genau anzusehen und mir eine liebe und persönliche Mail zu schreiben. Außerdem hat Liane mir Zeit gelassen, ihr Buch zu lesen und war nicht ungeduldig und unhöflich. Eine angenehme Abwechslung zu den lieblosen Massenmails à la „Lieber Blogger…“.

Außerdem klang dieses Buch wirklich interessant – ob es mir gefallen hat?

Liane Cornelius – Ich fühle so tief ich kann


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  • Autorin: Liane Cornelius
  • Titel: Ich fühle so tief ich kann (396 Seiten)
  • Genre: Entwicklungsroman
  • BOD, Taschenbuch: 15,99€ | Ebook: 11,99€
  • auf amazon*

 

Worum geht’s?
Liane „Lilly“ ist in der Mitte ihres Lebens angelangt und hat viel mitgemacht. Vier OPs braucht es noch, damit sie wieder schmerzfrei gehen kann. Als Physiotherapeut Andreas in ihr Leben tritt, ahnen beide noch nicht, dass ihre Begegnung weitreiche Folgen haben wird. Liane ist verletzt und hat Angst, fallen gelassen zu werden. Andreas hingegen ist manipulativ, sexsüchtig und eiskalt hinter seiner freundlichen Fassade. Doch der Kontakt der beiden entwickelt sich zu einem tiefgründigen Austausch und sie lernen sich tiefer kennen als ihnen lieb ist.


 

Meine Meinung:

Ich kannte aus der Mail nur den groben Inhalt, den Klappentext und die psychologischen Themen, die im Buch angeschnitten werden. Als ich das Buch dann anfing war ich vom Aufbau und der Geschichte doch recht überrascht. Auch, wenn am Ende der Hinweis kommt, dass alle handelnden Figuren frei erfunden sind, liest es sich wie eine Art Biografie, ein Tagebuch. Denn wir als Leser sind untrennbar mit Lillys Gedanken verbunden, erleben und fühlen durch sie. Der Schreibstil passt dazu und ist persönlich gefärbt und reich an Sinneseindrücken. Das fand ich schön!

Zwischen den Passagen, die ihren schwierigen Alltag behandeln, streuen sich Erinnerungen an ihre Kindheit. Spannend und sehr nah erleben wir, was Lilly mitmachen musste und wie sie die Frau wurde, die sie im Buch ist.

Nach und nach decken wir ihre Gedanken, Gefühle und Narben auf. Während Andreas zuerst unnahbar und irrational erscheint, erreicht die seltsame, beinahe magisch anmutende und ungewöhnliche Beziehung der Beiden tiefe Gefielde. Fast schon phantastisch mutet die telepathische Kommunikation an. Die Gespräche und Liebeleien finden oft nur in Lillys Kopf statt und eine Zeit lang wissen wir nicht, ob sie sich das vielleicht nur einbildet. Schließlich ist Andreas nur selten physisch so ehrlich, so offen und so ruchlos wie seine „Seele“.

Das Cover ist simpel gehalten und sieht ordentlich aus. Ich persönlich hätte die Schrift noch ein bisschen konstrastreicher gemacht. Aber das sind nur Äußerlichkeiten.

An dieser Stelle eine kleine Warnung: Das Buch spricht Themen wie Missbrauch, Suizid und psychische sowie physische Gewalt an.

Wir fühlen wirklich so tief es geht, explorieren und grübeln mit Lilly was mit ihr und Andreas los ist. Als Hobby Psychologen arbeiten wir mit den Bröckchen Interaktion, mit Gesten und wenigen Worten und versuchen herauszufinden, welche Puzzleteile Andreas erklären. Der reale Alltag um Lillys Krankheit wird damit oft zur Oase der Ruhe, aber auch zur Nebensache. Denn sie ist eigentlich glücklich mit Tony verheiratet und Andreas hat seine Freundin Laura.

Außerkörperliche Erfahrung…

Zugegeben, am Anfang wirkte die esoterische, rein geistige Beziehung der Beiden etwas abstrus, absurd auf mich. Zwei Seelenverwandte, die im Geiste miteinander kommunizieren und sich berühren und Gefühle auslösen. Das habe ich nicht erwartet und es hat ein bisschen gebraucht, mich darauf einzulassen. Einfach, weil ich dieses „phantastische“ Element nicht erwartet habe.

Die Beziehung von Andreas und Lilly – generell alle von Andreas‘ Beziehungen – scheinen im Machtgefüge etwas verrutscht, sicher nicht ideal oder gesund zu sein. Aber das stellt die Autorin auch nicht so dar. Es ist klar, dass diese Form der Kommunikation, diese Beziehung etwas Seltsames, Intensives aber auch Belastendes darstellt. Dass es sich um zwei schwer verletzte und traumatisierte Personen handelt, die sich gegenseitig mit seltsamen Methoden versuchen über Wasser zu halten.

Lässt man sich jedoch darauf ein, bekommt man als Leser*in ein spannendes Spiel serviert, ein Ringen und Zerren, ein interessantes Bild zweier Menschen und immer wieder psychologische Anekdoten und Informationen.

Liane Cornelius kann diese Form der Visualisierung wunderbar beschreiben. Wie man z.B. seine „Angst“ als Figur zeichnet und diese in die Ecke des Raumes stellt. Solche gedanklichen Bilder werden oft eingesetzt, um Genesungsprozesse zu unterstützen und komplexe Sachverhalte wie Gefühle greifbarer zu machen. Auch Entspannungsübungen und Traumreisen werden so eingesetzt und man merkt im Buch, dass Liane die richtigen Worte für solche Sachverhalte finden kann.

Wehmutstropfen

Ein größeres Manko für mich war das fehlende(?) Lektorat. Das Buch ist im Selfpublishing bei Book on Demand erschienen und man merkt leider an manchen Stellen, dass kein professionelles, umfassendes Lektorat bzw. Korrektorat stattgefunden hat. Weniger an Rechtschreib- oder Grammatikfehlern („Wochen-Ende“), sondern an Formulierungen oder einzelnen Szenen, die ich nach meinem Empfinden in so einem Durchgang gestrichen hätte. Letztlich hat es den Lesefluss nicht so sehr gestört, aber es ist eben doch hier und da aufgefallen.

Fazit:

Dieses Buch ist definitiv etwas Besonderes und hat mich an vielerlei Stellen überrascht. Wer eine seichte Liebesgeschichte oder Erotikschmonzette sucht, ist hier falsch. Viel mehr geht es mehr um Gefühle, Traumata und die Bewältigung der Erfahrungen. Die Beziehung von Lilly und Andreas ist interessant, manchmal seltsam und erschreckend. Nachdem ich mich auf den „esoterischen“ Austausch der beiden Seelen eingelassen habe, war das Buch spannend und interessant, sehr nah und sehr gefühlvoll. Von mir gibt es deshalb vier Seesterne.

Ein wirklich süßes Extra: Auf der Homepage von Liane könnt ihr einen Test machen, ob das Buch etwas für euch sein könnte! Den Test habe ich erst nach dem Lesen entdeckt, aber mir wurde die Leseprobe empfohlen. Hihihi.

Weitere Meinungen:


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[Rezension] Das Flüstern der Pappeln von Julia von Rein-Hrubesch

[Rezension] Das Flüstern der Pappeln von Julia von Rein-Hrubesch

Lange schon wollte ich dieses Buch endlich mein Eigen nennen. Bei #9lesen habe ich mir endlich ein Exemplar gekauft und es gleich von Julia signieren lassen. Dankeschön für die liebe Widmung und die tolle Lesung! <3 Gemeinsam mit Janna von KejasBlogbuch und Wörterkatze habe ich das Buch dann letztendlich gelesen.


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  • Autorin: Julia von Rein-Hrubesch
  • Titel: Das Flüstern der Pappeln
  • Genre: Entwicklungsroman
  • Selfpublish (CreateSpace), Ebook: 1,99€ | TB: 5,99€ (166 Seiten)
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Hennie kehrt nach dem Studium und einigen Jobs im Ausland wieder zurück auf den elterlichen Hof in der Einöde. Ihre Oma Hedi ist bettlägerig und kann sich kaum noch artikulieren. Das Verhältnis mit der Mutter ist schwierig. Doch dann erfährt Hennie von Briefen, die zurückgeschickt wurden. Briefe, die vermuten lassen, dass ihre Großmutter ihrem Mann untreu war. Während sie wöchentlich die Briefe mit ihrer Großmutter liest, beginnt sich auch in Hennie etwas zu verändern.


 

Meine Meinung:

Ich weiß gar nicht so richtig, was ich schreiben kann. Denn das, was das Buch mit mir gemacht hat, lässt sich schwer beschreiben.

Zuersteinmal beschreibt uns die Geschichte eine Situation, die vielen bekannt vorkommen dürfte: Eine junge Frau kommt aus dem Ausland zurück zu ihren Eltern und der schwerkranken Großmutter und weiß nicht so recht, was sie will und wie es weitergehen soll. Henriette, genannt Hennie, legt dabei fast schon depressiv anmutende Züge vermuten. Wir werden direkt in die Geschichte hineingeworfen, zu einem Zeitpunk, bei dem bereits etwas passiert ist. Die Briefe, die zurückkommen und die sie jede Woche von der Post holt, um sie Oma Hedi vorzulesen. Briefe aus einer anderen Zeit, einem anderen Leben – enthalten sind Gefühle, Erlebnisse und Erinnerungen, die nur angedeutet werden und auch für Henni schwer greifbar sind.

Das Briefe lesen wird zur Therapie

Mit den Briefen arbeitet es in Hennie, zusätzlich wirft ihr Leben Konflikte auf, unausgesprochene Holzsplitter, die inzwischen zu tief unter der Haut sind, um sie schmerzlos zu entfernen. Der Konflikt mit der Mutter, der Vater zwischen den Stühlen, die Orientierungslosigkeit und den scheinbaren Verlust von wahrer Freude und Hennis Kreativität. Die Briefe sind die Steine, die die ruhige Seeoberfläche in Bewegung bringen und so etwas lostreten.

Diese kleine Momentaufnahme einer Familie, einer Weiterentwicklung ist Julia von Rein-Hrubesch meisterlich gelungen. Durch die Kürze wirken die Grüblereien nicht erschlagend, sondern philosophisch. Sie regen auch bei mir etwas an, vielleicht weil ich gerade in einer ähnlichen Situation wie Henni stecke. DacPGZ0W4AAILDa

„Ich erwarte nichts von dir. Das habe ich nie.“

 

Auch die Bilder, die Metaphern, die leisen Andeutungen und das Ende wirken nach, bleiben im Gedächtnis, wecken Sehnsucht. Ein bisschen schmerzt das Gefühl von Vergänglichkeit, als das Buch vorbei ist und man sich auch als Leser nach den Pappeln zurücksehnt. Das Ende hat mich überrascht, aber aus irgendeinem Grund hat es sich nicht so befreiend angefühlt, wie ich erhofft hatte. Wie gesagt, meine Gefühle für dieses Buch lassen sich schwer einordnen.

Der Schreibstil ist kraftvoll, nachdenklich, bildgewaltig und schafft es dennoch, auf dem Punkt zu bleiben und nicht in ein nerviges Gefasel abzudriften. Ich möchte mehr von Julias Gedanken, mehr von ihren Worten und Erzählungen und bin schon sehr gespannt, welchen Ton weitere Geschichten von ihr anschlagen werden.

Die Geschichte hat etwas in mir ins Rollen gebracht und ich habe auch in den Lesepausen oft darüber nachgedacht. Das bewerte ich als ziemlich positiv, denn ich liebe es, wenn Bücher mich bewegen, wenn sie mich rühren und wenn sie eine Bereicherung für mich sind.

 

Fazit:

Das Buch ist Poesie in Geschichtenform, Lebensweisheiten und Philosophie so leicht wie eine Sommerbrise. Gleichzeitig erreichen wir in den knapp 160 Seiten eine ungewöhnlich berührende Tiefe. Für mich ist das Buch Kunst. Der Inbegriff von guter Gegenwartsliteratur und Entwicklungserzählung. Ich kann nicht benennen, was es war, aber am Ende hat mir irgendetwas gefehlt, weshalb ich einen halben Seestern abziehe.4,5seesterne

Weitere Meinungen:

 


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[Rezension] Hummeln fliegen auch bei Regen von Andrea Kraft

[Rezension] Hummeln fliegen auch bei Regen von Andrea Kraft

Andrea Kraft: Hummeln fliegen auch bei Regen

Ich hatte das Buch erstmals auf Facebook gesehen. Ich weiß leider nicht mehr wer, aber eine Bloggerin warb für das Buch ihrer Freundin Andrea Kraft, das ursprünglich im Selbstverlag erschien und nun bei Goldmann verlegt wurde. Als ich das Buch beim Bloggerportal entdeckt habe, habe ich es spontan angefragt und ein gratis Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank!


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  • Autorin: Andrea Kraft758_21185_178207_6.jpg
  • Titel: Hummeln fliegen auch bei Regen
  • Verlag: Goldmann
  • Genre: Entwicklunsroman, (ChicLit)
  • 416 Seiten, Taschenbuch: 10€ | Ebook:  8,99€
  • Buch auf amazon* kaufen | Buch über LChoice* in eine Buchhandlung in der Nähe bestellen

Worum geht’s?
Hannah, 35, kämpft mit Depressionen und Angststörungen. Nach einem Klinikaufenthalt hat sie sich frisch von ihrem Ehemann getrennt und versucht nun, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Als sie in einem alten Traumtagebuch blättert, beschließt sie zum ersten Mal ganz alleine in den Urlaub zu fahren und hofft damit, Stück für Stück, ihr Leben zurückzugewinnen. Gelingt es ihr, mit der Vergangenheit abzuschließen?


~Videorezension folgt~

Meine Meinung:

Psychische Gesundheit und mentales Wohlbefinden sind zwei Themen, die mich nicht nur im Studium beschäftigen, sondern über die ich auch gerne lese. Ermutigende Geschichten von Leuten, die am Boden waren und sich zurückgekämpft haben. Vielleicht habe ich einfach schon zu viele Bücher aus dieser Richtung gelesen? „Hummeln fliegen auch bei Regen“ hat bei mir nämlich leider mehr für Augenrollen & Aufstöhnen, als für Aha-Momente & Schmunzeln gesorgt.

Das Buch beginnt damit, das wir einen der spannendsten Teile einfach direkt überspringen: Den Tiefpunkt von Hannahs Psyche und die darauffolgende Zeit in der Klinik. Stattdessen springen wir zu dem Zeitpunkt, an dem Hannah bereits aus der Klinik entlassen ist und sich von ihrem Mann Ben scheiden lässt. Dann fahren wir zur Selbstfindung nach Mallorca, essen Feigen und trinken Kaffee auf einer Finca.

Auch wenn die Depressionen und die Angststörung im Buch durchaus ihren Platz haben, hat man nie das Gefühl, dass Hannah wirklich am Boden oder verzweifelt ist. Wenn sie sich dann irgendwie nach langem Hin und Her doch traut, dann klappt alles eigentlich ganz gut.
Keine schlechte Botschaft! Wären viele Dinge nicht so unglaubwürdig.
Die meisten Umstände des Romans wirkten für mich zu sehr konstruiert: Die geheimnisvolle Fremde Beate, die auf ihrer Toilette sicher ein ganzes Esoterik und Lebensweisheitenbücherregal stehen haben muss. Das Erbe, das es Hannah ermöglicht, sich Auszeiten und unzählige Taxifahrten und sahnige Cappuccinos zu gönnen. Der alte Schulfreund, der super charmante Mails schreibt.

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Hannah als Protagonistin hat mich nicht für sich begeistern können. Anstatt wie 35 wirkte sie ein Teenie-Girl und wusste so gar nicht, was sie wollte oder was ihr gut tat. Sie hat keine eigene Meinung und bleibt blass, ihre Witze zünden bei mir nicht. Trotz ihrer psychischen Belastungen waren ihr Verhalten und ihre Denkweise für mich nervig und auch ihre Vergangenheit konnte bei mir keinerlei Mitgefühl auslösen. Die Konflikte hatten im Buch einfach zu wenig Platz und konnten sich nicht glaubhaft entwickeln und entfalten. Dann verhält sie sich ziemlich dumm, indem sie ihre Medikamente überdosiert und ziemlich oft zu tief ins Glas schaut. Sie möchte sich von den Männern und Fehlern ihrer Vergangeheit lösen und lässt sich mit Lukas und den Mails wieder auf den gleichen Mist rein und „verliebt“ sich natürlich direkt wieder. Es wirkt, als müsste nur, der „richtige“ Mann kommen, dann wären die Probleme wie weggewischt. Außerdem scheint sie nach ihrem Klinikaufenthalt zwar Medikamente zu nehmen, aber keine ambulante Therapie wahrzunehmen oder jemals mit einem Arzt zu sprechen.

Oma Beate war einfach nur seltsam. Sie taucht stalkermäßig an allen möglichen Orten auf, bedrängt Hannah und hält ihr dann stundenlange Vorträge mit Lebensweisheiten, die man in blumigen Geschenkbüchern nachlesen kann, die sich im ein oder anderen Haushalt auf dem Klo finden lassen. Oder bei „nachdenkliche Sprüche“ auf Facebook… Auch, wenn sie für Hannah eine gewisse Mentorenrolle übernahm, klatschte sie uns ihr „Expertenwissen“ lieblos auf den Tisch. Und dann stalkt sie auch noch die Telefonnummer. Okay…! Danke, ich lese dann mal weiter im Klo-Buch.

Hannahs Freundinnen wirkten ebenfalls blass, wie Platzhalter, die bestimmten Klischees entsprachen. Was für lockeren Humor sorgen sollte, sprudelte vor „ChicLit“-Klischees und Fremdschäm-Sitautionen. Ich komme mir selten reif und erwachsen vor mit meinen 24 Jahren – aber im Gegensatz zu diesem chaotischen Vierergespann fühle ich mich wie eine Expertin für „Erwachsenendinge“.DXxDSX0XcAA9QrB

Da ich bereits viele Bücher mit ähnlicher Prämisse gelesen habe, kann ich nicht umhin, ein bisschen zu vergleichen.
Wo „Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner für ein breites Schmunzeln gesorgt hat, war der einzige Gesichtsmuskel der sich beim Humor dieses Buch bewegte, der Muskel, der eine Augenbraue hochzieht. Wenig feinsinnig, sondern mehr im Stile von „Sex and the City“ gackert Hannah mit ihren Freundinnen wie Hühner auf der Stange. Während Matt Haig Lebensweisheiten in philosophische Geschichten einbettet, klatscht uns die Stalker Oma Beate einfach zwei Seiten Text hin, weil sie ja so viel Lebenserfahrung hat. Und eine sympathischere Protagonistin, die trotz psychischen Problemen und Hindernissen ihr Glück findet, gibt es bei „Für jede Lösung ein Problem„.

Letztlich kann ich nur den durchschnittlichen Schreibstil und das niedliche Design des Buches loben. Es lässt sich flott und gut lesen und die kleinen Hummeln am Anfang eines jeden Kapitels sind wirklich putzig. Gegen Ende habe ich die Seiten mehr überflogen als gelesen.

Da ich selbst meinen Roman überarbeite, hatte ich vermutlich ein kritischeres Auge als sonst auf den Schreibstil, aber mir sind viele unnötige Adjektive, überladene Sätze und Redundanzen aufgefallen. Und ein Logikfehler, denn als Beate und Hannah zum ersten Mal gemeinsam Essen ist es Abend und eine Stunde später Nachmittag.

Kurzum: So ziemlich alles, was das Buch transportieren will, haben andere Romane wesentlich besser gelöst. Der Roman von Andrea Kraft ist sicherlich keine schlechte Lektüre, gerade für Leute, die bisher eher weniger zum Thema gelesen haben. Aber: Für mich besitzt es kaum Erinnerungswert und nicht genug Tiefgang. Zudem leider auch nichts, was es einmalig oder besonders machen kann. Schade!

Fazit:

Auch wenn das Buch ganz nette Momente hatte und sich ganz gut lesen ließ – mich konnte es leider nicht überzeugen. Der Humor zündete nicht, die Funken sprangen nicht über. Hannah war für mich keine beeindruckende Frau, die sich mit 35 zurück ins Leben kämpft, sondern geistig auf dem Stand einer kindischen 19-Jährigen. Die Lebensweisheiten, die uns dröge hingeklatscht werden, finden sich an jedem Postkarten-Ständer am Bahnhof und auch die niedlichen Hummeln können das Buch nicht mehr retten. Für mich leider einer der schlechteren Vertreter des Genres.

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Weitere Stimmen zum Buch:


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[Rezension] Schneepoet von Nika Sachs

[Rezension] Schneepoet von Nika Sachs

Ich habe das Ebook als Rezensionsexemplar vorab von der lieben und fantastischen Nika zur Verfügung gestellt bekommen! Vielen lieben Dank.

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Nika Sachs – Schneepoet

Worum geht’s?

Luc ist innerlich zerissen. Zwischen seiner Identität, seiner Entscheidung die Liebe seines Lebens Inga zu verlassen, zwischen Deutschland und Frankreich. Er flüchtet sich zu seinem Zwillingsbruder Silas nach Paris, wo er Heilung und Ablenkung in Exzessen sucht. Frauen, Drogen – nichts stillt dauerhaft seinen Hunger nach Liebe. Im Kampf gegen sich selbst, seine bipolare Störunge und selbszerstörerischen Tendenzen begleiten wir Luc in Form von Tagebucheinträgen. Wir sehen die Welt mit seinen Augen, erhalten Einblick in seine verletztliche, poetische Seele. „Schneepoet“ bildet den Auftakt zu Lucs Geschichte.

Genre: tragisch-komisch-romantisch-erotischer Entwicklungsroman
Verlag: TWENTYSIX
Taschebuch: 10,99€*|Ebook: erscheint noch

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Meine Meinung:

Die Aufmachung ist toll. Das Cover hat Nika selbst gestaltet, der Strommast-Eiffelturm ist selbstgezeichnet! Für mich spiegelt das Cover wunderbar die Stimmung wieder. Wolken, ein grauer Himmel und eine Stromtrasse, die scheinbar in die Unendlichkeit verläuft. Es wirkt professionell und zeitlos.

Nikas Schreibstil ist für mich einzigartig und fesselnd. Ab Seite Eins steigen wir in Lucs Gedankenkarussell ein. Wir drehen uns im Kreis, sehen durch seine Augen, unverfälscht, ironisch, nachdenklich. Die Geschichte wirkt keinesfalls abgehackt oder bruchstückhaft, durch die verschiedenen Einträge erhalten wir ein klares Bild, Luc, der die Ereignisse reflektiert. Mit Wortwitz, tollen Formulierungen und zahlreichen klasse Wortspielereien, die ich gerne mit einem Textmarker angemalt hätte (Auf dem E-Reader geht das nur nicht so gut). Ich war überrascht wie fesselnd, turbulent und emotional die Sprache die Geschichte transportierte. Ich will mehr lesen, was Nikas Fingern und Hirn entsprungen ist. Mehr von diesem Erzählstil, mehr von diesem mühelos wirkenden Wortwitz, der Selbstironie.

Die Charaktere bilden natürlich das Herzstück der Geschichte.

  • Luc, unser Erzähler, unser kaputter Philosoph, den man einfach in den Arm nehmen möchte. Ein junger Mann, der seine Entscheidungen trifft, der sich in Abenteuer und Liebschaften stürzt, der dennoch sympathisch und liebevoll wirkt. Er wirkt im Leben immer ein bisschen deplatziert, ein bisschen fehl am Platz. Seine Suche nach einem emotionalen Zuhause ist spannend und er liegt mir als Leserin unfassbar am Herzen.
  • Sein Zwillingsbruder Silas ist anders und doch ähnlich. Der schroffe, intelligente Raucher, der Luc gegenüber kein Blatt vor den Mund nimmt und sich dennoch sorgt. Man könnte meinen, dass die beiden kaum verschiedener sein könnten und doch suchen sie beide nach einem sicheren Hafen. Silas bewältigt sein Leben jedoch ein wenig geschickter als Luc. Silas wirkt auf seine eigene Weise anziehend, verrucht und deutlich erwachsener als Luc. Ich hab ihn zwischendurch ein bisschen angeschmachtet.
  • Inga, Lucs Exfreundin, die im Buch nie selbst agiert. Wir erleben sie nur in Lucs Erinnerung und dort wirkt sie wie ein warmer Sonnentag, ein unperfekter, aber liebevoller Mensch. Kreativ, forsch und selbstbestimmt. Und wir leiden mit Luc, der seine alte Liebe nicht aus dem Kopf bekommt. Ich freue mich schon sehr auf das „Prequel“ zu Schneepoet, das aus Ingas Sicht geschrieben sein wird.
  • Veró, Lou, Niri – Frauen, die sowohl in Lucs als auch in Silas‘ Leben durchaus wichtige Rollen übernehmen. Starke Frauenfiguren, die ihre eigenen Dämonen mit sich herumtragen. Niri, Lucs Mitbewohnerin, ist mir so unfassbar sympathisch und ich liebe ihre Gespräche mit Luc zu Anfang des Buchs. Verónique war mir etwas unsympathischer. Sie gab die starke Löwin, die verbotene Frucht und war doch selbst so unglaublich zerbrechlich. Sie erschien mir weniger greifbar, weniger real und doch verstand ich die unwirkliche Faszination, die sie auf unsere Zwillinge gewirkt hat. Lou, eine intelligente, junge Frau war wichtig für Lucs Entwicklung und mir gefiel ihre teils kompromisslose, direkte Art.
  • Oma Hanni – so eine Oma wünscht sich jeder.

Die Charaktere waren vielfältig und unfassbar facettenreich. Ich wurde oft überrascht und habe wirklich zu jedem Charakter eine Bindung aufgebaut. Manchmal mit zwiespältigen Gefühlen, doch immer emotional. Es gab für mich kaum Charaktere im Buch, die unwichtig oder überflüssig waren. Und alle wirkten real und lebending, als existierten sie wirklich irgendwo da draußen in den Straßen von Paris.

Inhaltlich ist das Buch schonungslos, besonders und dreckig. Nika wie Luc nehmen kein Blatt vor den Mund, nennen die Kinder beim Namen und das auf eine sehr philosophische Art und Weise. Mir gefiel die Entwicklung, die Einblicke in Lucs Psyche. Seine innere Aufgewühltheit und seine Beobachtungen. Die Fahrt in Lucs „Gedankenkarussell“ war mitreißend und voller Eindrücke. Man landete mit Luc im Rausch auf dem Zimmerboden, fühlte die Extase seiner Beziehungen. Streit, Liebschaften, Höhen und Tiefen waren so real und schmerzhaft, als wären wir eines der kleinen Männchen auf Lucs Schulter. Die Konsequenzen jedes Verhaltens, die Zufälle, die bewusst begangenen Fehler – Luc wurde zu einer wirklichen Person und sein Leben ist spannend und ungeschönt. Das Buch will kein exzesshafter Erotikroman sein, es erzählt Lucs Leben mit allen, wirklich allen, Facetten.

Das „Ende„, die letzte Seite wirft uns zunächst grob vom Gedankenkarussell, dabei sind wir noch gar nicht fertig all die Eindrücke und Details zu verarbeiten. Ich möchte nochmal fahren. Davor vielleicht aber ein paar Schokofrüchte und ein Glas Gin Tonic für die Nerven. Der zweite Teil erscheint 2018, die Vorgeschichte aus Ingas Sicht im Dezember.

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Mein Fazit:

Ich habe ein Stück meines Herzens verloren. An Luc, an Silas, an Inga und an Nikas geniales Buch. Es ist vielleicht nicht jedermanns Sache, Lukas bei seiner Achterbahnfahrt zu begleiten, aber für mich war es fesselnd, spannend und emotional. Ich möchte mehr lesen, mehr von der Ehrlichkeit, der schmutzig-ironischen Poesie, mehr von diesem Lebensgefühl. Ich bin sehr gespannt auf die folgenden Geschichten aus diesem Universum. „Schneepoet“ war für mich eine bisher einzigartige Leseerfahrung und deswegen kann ich nicht anders, als die volle Punktzahl von fünf Seesternen zu vergeben. Eine klare Leseempfehlung für alle, die keine Angst vor den schonungslosen und düsteren Seiten des Lebens haben.

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