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Babsi auf der LBM18: Meine Leipziger Buchmesse

Babsi auf der LBM18: Meine Leipziger Buchmesse

Uff. Das beschreibt ziemlich gut, wie ich mich nach vier prall gefüllten Messetagen fühle. Ich bin k.o., hab heute bis halb 12 geschlafen und von Büchern und Menschen geträumt und musste zweimal blinzeln, um zu verstehen, dass ich wieder in meinem eigenen Bett liege. Ich bin erschöpft, glücklich erschöpft.

„Glücklich erschöpft“ ist ein tolles Gefühl. Etwas, an das man gerne zurückdenkt. Etwas, das vor allem Buchmessen oder Litcamps bei mir auslösen. In diesen wenigen Tagen ist viel passiert, ich habe viel gesehen, viel geredet, viel gelernt und doch verging die Zeit wie im Flug.

Ich bin froh, wieder in meinem Bett zu schlafen, aber meine Luftmatratzenschubserin Nadja vermisse ich ein bisschen. Auch die morgendlichen „Kaffeeeeee“ Ausrufe von Kia Kahawa und das zustimmende Brummen von Flo. Was ich definitiv nicht vermisse, ist die kitschige Dekoration in unserer Messe WG, die jegliche Regeln des guten Geschmacks in meinen Augen bricht.

Ansonsten war unsere Airbnb Wohnung übrigens super. Wir mussten mit der Straßenbahn nur einmal umsteigen, um zur Messe zu gelangen. Ich war nervös – mein erstes Mal Leipzig!

Ich werde mich hier auf meine Highlights beschränken, viele bunte Bilder und Ausschnitte gibt es in meinem Messevideo.

 

Meine Leipziger Buchmesse 2018

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Nornennetz

Da ich am ersten Tag direkt Standdienst beim Nornennetz hatte, eilten Nadja und ich durch die Hallen. Sehnsüchtig erblickten wir dabei bunte Stände, die wir uns später in Ruhe anschauen wollten.

Der allererste Messe-Stand des Nornennetzes war ein absoluter Hingucker – nicht zuletzt wegen den vielen unterschiedlichen Büchern, sondern auch wegen den niedlichen Boxen von Elenor Avelle und dem Loskelch, der viele Messegänger anlockte. Außerdem traf man dort immer liebe Kolleginnen, die ein warmes Lächeln und eine Umarmung parat hatten. Die Location war super, direkt daneben war eine Wand und schräg gegenüber ein Café bei dem man kurz verschnaufen konnte. Der Geruch von frischen Crêpes wehte stetig hinüber und lockte Besucher auch zu uns.


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Lesung von Fanny Bechert

Etwas peinlich war unsere erste Begegnung am Sternensand-Stand. Ich mutmaßte anhand des Covers, das es in „Countdown to Noah“ wohl um eine Zombieapokalypse ging. Fanny stand direkt hinter Nadja und mir und belehrte uns sofort eines Besseren. Die „Noah“ in ihrem Buch sind keine verfaulenden Leichen, sondern sehr lebendig. Durch eine Substanz die ursprünglich eine besser überlebensfähige Rasse aus dem Menschen machen sollte, wurden die Noahs kreiiert, die zwar durchaus kräftiger, sportlicher, aber auch instinkgeleiteter und damit hungriger wurden. Leider kamen sie dabei auch auf den Geschmack von Menschenfleisch… Das klang extrem cool! Anders als der Walking Dead Einheitsbrei. Die Lesung stand ohnehin auf dem Plan und nach dieser kleinen Einführung mussten wir auf jeden Fall hin. Die rothaarige Fanny ist sehr nett und fröhlich und hat auch extrem gut und lebhaft vorgelesen. Letztlich ist das Buch übrigens signiert mit auf die Reise nach Hause gekommen. 😉 Danke Fanny!


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9 lesen

Ein fabelhaftes Projekt füllte den Freitag Abend. Neun unterschiedliche Autor*innen aus verschiedenen Genres,  in verschiedenen Stadien des Schreibprozesses. Veröffentlicht und unveröffentlicht. Nebeneinander lesend, 10 Minuten Einblick in verschiedene Werken. Speedlesungsdating sozusagen. Und ich war eine der Autorinnen und durfte den Abend mit einem Ausschnitt aus meinem „Save Our Souls“ beschließen. Ich war so nervös, so aufgeregt, so hibbelig. Innerhalb kürzester Zeit leerte ich mein Wasser und mein Guiness und musste ab der zweiten Lesung aufs Klo. Da ich mich um die Videoaufnahmen kümmerte und meine Kamera aufgrund der Hitze zickte, blieb ich jedoch dabei und hätte mir wirklich beinahe in die Hose gemacht… Äh ja, genug über meine Blase.

ES WAR BOMBASTISCH! Das Pub war voll, die Lesungen war spannend und trotz einiger kleiner Schwierigkeiten hat der Abend total viel Spaß gemacht. Ein nächstes 9 lesen wird von der lieben Andrea Schrader geplant und ich glaube, wir haben unser Publikum ganz gut unterhalten. Vielen Dank an alle, die dabei waren! Videos von der Lesung wird es noch geben, die findet ihr später auch auf der offiziellen Website von 9lesen. (Der Mops hat nicht gelesen, aber er ist niedlich…)


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Lesung Liza Grimm

Auch für die liebe Liza Grimm war diese Messe ein Abenteuer – die erste große Lesung aus ihrem Buch „Die Götter von Asgard“. Außerdem war ich als Teil ihres Bloggerteams als Goldener Faden unterwegs und hatte ein Goodiebag dabei – die liebe Rachel hat mich superschnell gefunden.
Liza hat ihre Lesung absolut wundervoll gemeistert. Trotz Terminen und Stress hat sie immer ein riesiges Grinsen im Gesicht, bleibt herzlich und liebevoll. Meine Messekumpanin Nadja wurde sogleich zum Fan ohne irgendwas über das Buch zu wissen – einfach weil die liebe Liza ein so wunderbarer Mensch ist. <3


Natürlich war das nicht alles, aber das sind meine persönlichen Highlights!

Wir haben noch Jacky Vellguth getroffen und mit ihr geplaudert, Lesungen und Interviews gelauscht z.B. von Neil Shusterman, Marah Woolf und Bianca Iosivoni. Bei der Seraph Verleihung haben wir uns mit Janna Ruth über ihren Preis gefreut und beim Meet and Greet blaue Drinks geschlürft. Dann gab es das Heldentreffen mit Mary Cronos, Fans und Bloggern. Wir haben Künstler und Verlage besucht, ich habe mir meinen Manga von Melanie Schober signieren lassen, einen Polstergeist von Horrorkissen gezeichnet bekommen und einige Bücher und Goodies geschenkt bekommen.

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Menschen

Ohne euch wäre die Messe nicht, was sie ist.<3

Danke Nadja, Kia, Flo, Andrea, Jana, Julia, Magret, Jana, Chris, Michael, Hannes. Auch Muchas Gracias an Nora, Anne, Ela, Nika, Stella, Nise, Bonnie, Liza, Kat, Verena, Jen, Zippi, Anke, Denise. Merci Anna, Lily, Mareike, Charline, Anja, Thorsten, Janna, Janna R., Nora B., Nadine, Jenny, Suse, Cindy, Fanny, Franzi. Danke Rachel, Mary, Sophie, Isa, Anna, Lars, Helen, Sara, Jacky, Melanie, Jenni, Kathy Vanessa, Juliana. Ich habe so viele Menschen getroffen, dass ich bestimmt jemanden hier vergessen habe.

Danke auch an alle, die ich leider zeitlich nicht mehr treffen konnte.

Zum Schluss möchte ich allen Menschen danken, die mich auf der Messe begleitet haben. Alle, die ich treffen durfte. Allen Organisatoren, Verlagen, Sicherheitsleuten, Mitwirkenden, allen Besuchern (außer denen mit Rollkoffern und denen, die mitten im Gang stehen bleiben), allen fleißigen Helferlein, allen wundervollen Menschen, die ich treffen durfte und alle, die ich gerne noch getroffen hätte und hoffentlich beim nächsten Mal sehe.

 

Ich bin noch etwas k.o., aber voller Arbeitseifer und Motivation. Bis zur nächsten Messe!

Tüdelü, eure Babsi

[Rezension] Eva-Maria Obermann – Ellas Schmetterling

[Rezension] Eva-Maria Obermann – Ellas Schmetterling

Die liebe Eva von schreibtrieb ist nicht nur eine gute Freundin, ein Vorbild und eine ganz liebe Person, sondern auch Autorin (und schreibt ihre Doktorarbeit!). Ich habe bereits ihren Urban Fantasy Roman „Zeitlose – Simeons Rückkehr“ gelesen und freue mich schon auf Band 2 davon.

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<3

Auch dieses Buch von ihr hat sie mir mit einer lieben Widmung geschenkt, ein weiteres signiertes Exemplar durfte ich zu meinem 100 Abo Special auf Youtube verlosen.

 

Eva-Maria Obermann – Ellas Schmetterlinge

Worum geht’s?

Ihrem langjährigen Freund Jan zuliebe zieht Miri mit ihm für seinen Job nach Mingheim, ein kleines idyllisches Dorf irgendwo im Nirgendwo. Ein Albtraum für die Großstädterin! Alles zurückgebliebene, konservative Spießer denkt sie. Ihre Nachbarin Ella, eine junge, schwangere Dorfmutti mit bereits einem Kind ist offen und freundlich zu Miri. Aber eigentlich will Miri nichts wie weg und versucht anfangs nicht einmal sich auf den neuen Ort und die Leute dort einzulassen. Das führt natürlich zu Konflikten mit ihrem Freund Jan und es hilft der kriselnden Beziehung nicht, dass Miri Ellas Bruder Jonathan kennenlernt, der ihr Herz wie wild flattern lässt. Womit Miri nicht rechnet: Einige Ereignisse werden ihr Leben komplett auf den Kopf stellen.

  • Genre: humorvoller Gegenwartsroman mit einer Prise Romantik
  • Verlag: bookshouse Verlag*
  • Taschenbuch**: 10,99€| Ebook**: 3,99€

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Meine Meinung

Auch wenn sie in letzter Zeit sehr oft auf Buchcovern zu sehen sind – ich mag Schattenschnitte! Die junge Frau, die mit den Schmetterlingen tanzt vermittelt Leichtigkeit und Verträumtheit und passt sehr gut zur Geschichte. Der Hintergrund ist mir ein bisschen zu bunt und vollgestopft, aber das ist ja Geschmackssache.

Ich bezeichne Eva nicht umsonst oft als Vorbild und bin so ein Fan von ihr. Ich mag ihren leichten, schwungvollen und dynamischen Schreibstil. Sie versteht es wunderbar lebendige und liebenswerte, aber auch unsympathische Charaktere zu zeichnen und schnöde Alltagssituationen ansprechend zu formulieren. Bereits bei „Zeitlose“ waren die romantischen Szenen zum Dahinschmelzen schön beschrieben und auch die Gefühle bringt sie einfach mit ihren Worten so toll rüber. Mir war nach dem Lesen wieder ganz warm und wohlig in der Magengegend.

Der Inhalt fing recht gewöhnlich an und nahm eine spannende Richtung. Es gab mehrere recht unerwartete Wendungen, viele Momente zum Schmunzeln, zum Augenvedrehen und zum glücklich-verliebt Seufzen. Auch wenn das Buch romantisch daherkommt, steht Miris Entwicklung und ihre komplizierte Beziehung zu Nachbarin Ella im Vordergrund. Mir gefallen die feinen Nuancen der Beziehungen, die vielen relevanten Themen, die Eva scheinbar beiläufig in die Geschichte hineinwebt. In knapp 200 Seiten so viele Aspekte des Lebens anzuschneiden war ziemlich cool und es wirkte nicht unabgeschlossen. Es hat einfach gepasst. Lediglich ein Punkt hat mich etwas gestört, den ich hier nicht weiter erwähne. Als oller Liebhaber von Mysterien und Geheimnissen war mir die alte, stark duftende Dame mir doch zu schnell wieder abgehandelt (diejenigen, die das Buch kennen, wissen vermutlich wovon ich rede). Ellas Schmetterlingstheorie ist auf jeden Fall etwas, woran ich noch häufig denken werde.

Die Charaktere waren wahrlich zauberhaft. Miri war schön zickig, irgendwie stürmisch aber intelligent und gewitzt. Ella war einfach Honig pur und bewunderswert in ihrer selbstsicheren Zielstrebigkeit. Jan war der etwas unverständnisvolle, aber eigentlich nette Kerl und Jonathan der etwas geheimnisvolle Retter in Not. Sehr gerne mochte ich den Bankangestellten Cem, der einfach Charme hatte. Alle Charaktere waren lebendig, liebevoll, jeder hatte seine kleinen Dämonen.

Das Ende fand ich so herrlich unkonventionell, liebevoll und zeitgemäß. Ich finde schöner hätte man dieses Buch gar nicht beenden können!

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Der Herbst kommt! Mit flauschiger Därmel (= Decke mit Ärmeln) und heißer Schokolade in Buchform aber kein Problem

Mein Fazit:

Das Buch war ein kurzes, angenehmes Lesevergnügen mit vielen kleinen Weisheiten und starken Botschaften. Die Geschichte ist teils realistisch, teils aberwitzig, aber auf jeden Fall liebenswert und süß. Es liest sich leicht und angenehm wie Schmetterlinge und hinterlässt das Gefühl als hätte man eine heiße Schokolade getrunken. Das Buch eignet sich super für Zwischendurch und alle, die eine kurzweilige Unterhaltung suchen, die nicht vor Klischees und Kitsch tropft. Von mir gibt es vier blubbernde Seesterne.

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[Rezension] The Hate U Give von Angie Thomas

[Rezension] The Hate U Give von Angie Thomas

Es wird gehyped, gehyped und gehyped. „The Hate U Give“, kurz THUG, der Debütroman von Angie Thomas, einer schwarzen Autorin aus den USA. Ist die Welle der Begeisterung gerechtfertigt?

Ich habe mir das englische Hardcover gekauft, als es kurzzeitig im Angebot war. Gelesen habe ich es zusammen mit ein paar lieben Leuten – u.a. Leseratz, Isabel, Eva, Liila, Sophia und Nise – in einer Leserunde (#readingthug)

Diese Rezension ist spoilerfrei, leichte Andeutungen konnte ich jedoch nicht vermeiden.

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Worum geht’s?

Nach einer Party wird die 16-jährige Starr von ihrem Kindheitsfreund Khalil nach Hause gefahren. Jedoch werden sie von einem weißen Officer angehalten, die Situation ist angespannt und eskaliert: Khalil wird erschossen und stirbt in Starrs Armen. Ein brisantes Thema, eine Tragödie wie viele anderen. Weißer Cop erschießt schwarzen Jugendlichen. Die Nachrichten machen schnell die Runde. In Garden Heights, Starrs Viertel, in dem hauptsächlich Schwarze wohnen, starten Proteste, die Stimmung brodelt und es wird nach Rechtssprechung gerufen.
Justice for Khalil„, schallt es durch die Straßen.
Die Medien zeichnen ein anderes Bild und nehmen den Cop in Schutz. Khalil sei ein Drogendealer, ein Gangster, ein Bandenmitglied gewesen. Inmitten all dessen ist Starr hin- und hergerissen, denn sie lebt in zwei Welten. Einmal mit ihrer Familie in Garden Heights und einmal auf der weißen Privatschule, auf die ihre Freunde und auch ihr fester Freund Chris geht. Niemand weiß, dass sie die ominöse Zeugin ist, die zum Zeitpunkt des Geschehens mit in Khalils Auto saß. Sie hat Angst vor den Konsequenzen, Angst vor den Veränderungen und Angst, ihre eigene Identität als Schwarze aufzugeben, wenn sie nicht dafür sorgt, dass Khalil Gerechtigkeit widerfährt.  Wird sie ihre Stimme erheben und damit ihr eigenes Leben, ihre Freundschaften und Beziehungen aufs Spiel setzen?

  • Genre: Jugendbuch
  • Verlag: cbt Verlag (deutsch), Walker Books Ltd. (Englisch)
  • Hardcover*: 17,99€ (deutsch) | Ebook*: 13,99€ (deutsch)| Taschenbuch*: 7,99€ (englisch)

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Meine Meinung:

Das Hardcover besticht durch sein schlichtes, aber aussagekräftiges Design. Die Taschenbuchversion wirkt unauffällig, schlicht und deswegen mag ich das gebundene Buch viel lieber. Außerdem wirkt es frischer, aktueller und jugendlicher.

Da ich das Buch auf englisch gelesen habe, kann ich nichts zur deutschen Übersetzung sagen. Ich fand das Buch ließ sich gut lesen, nur eine Slang-Ausdrücke musste ich googlen. Es war spannend und treffend geschrieben, wir begleiten Starr als Ich-Erzählerin, erhalten Einblick in die Gedankenwelt eines modernen, sechzehnjährigen Mädchens und das bringt der frische, peppige Schreibstil klar rüber. Hier und dort gab es einige Wortwiederholungen, besonders „snickered“ ist mir immer wieder aufgefallen. An sich war das aber nicht störend und der Schreibstil als Stilmittel wurde gut genutzt und steht auch eher im Hintergrund der Geschichte und ihrer Botschaft, was vollkommen in Ordnung ist. Für einen Debütroman hat Angie Thomas hier eine solide Leistung abgeliefert und uns Starrs Welt bunt, chaotisch und lebhaft gezeichnet.

Wir haben einige Charaktere in diesem Buch: Allen voran unsere Protagonistin und Erzählerin Starr, ein schwarzes Mädchen aus einer großen, liebevoll-strengen Familie, die in zwei Welten lebt. Einmal in dem Viertel Garden Heights, wo ihr Vater einen kleinen Supermarkt betreibt: ärmlich, etwas heruntergekommen, mit vielen Problemen, aber mit einer starken schwarzen Gemeinschaft. Auf der anderen Seite geht sie seit einem Vorfall in ihrer Kindheit auf eine weiße Privatschule, auf der sie fast die einzige Person mit dunkler Hautfarbe ist. Dort gibt sie sich anders und versucht mit aller Macht nicht „Ghetto“ oder „abgeranzt“ rüberzukommen, sondern wie ein cooles, schwarzes Mädchen. Auch ihre Freunde Maya, Hayley und ihr fester Freund Chris (den sie vor ihrer Familie insbes. ihrem Vater geheim hält, weil er weiß ist) besuchen diese Schule. Der Kontrast der beiden Welten wird immer wieder deutlich, in dem wie sich die Charaktere geben, was sie sagen und was sie besitzen, was sie beschäftigt. Im Verlauf der Geschichte erleben wir einige Reibereien und Freundschaften gehen zu Bruch. Maya hat chinesische Wurzeln, womit Chris und Hayley neben dem Officer die einzigen weißen Personen sind, die eine größere Rolle spielen. Chris war mir sehr sympathisch und ich mochte, wie er dargestellt wurde. Ein bisschen tollpatschig, aber lieb und herzensgut, ehrlich um Starr bemüht.

Dann gibt es noch Starrs Familie, ihren Vater Maverick, einen ehemaligen Dealer und Gangster, der es sich nach seinem Aufenthalt im Gefängnis in den Kopf gesetzt hat, auch anderen zu helfen und sich sehr für die Recht der Schwarzen und Frieden im Viertel einsetzt. Starrs Mama Lisa ist Krankenschwester und besticht durch ihre liebevolle Strenge, ihre aufmerksamen Worte und ihr großes Herz. So eine Mama kann man sich nur wünschen. Zusätzlich besteht die Familie noch aus ihre kleinen Bruder Sekani und ihrem Halbbruder Seven, dessen leibliche Mutter die Geliebte des größten Drogenbosses des Viertels ist. Ihr Onkel Carlos ist ebenfalls Polizist und zeigt uns, dass es keine „Seiten“ sondern nur Menschen gibt.

Außerdem treten noch Kenya, leibliche Tochter des Drogenbosses und DeVante, ein junger Dealer, er aus dem Geschäft aussteigen will, auf.

All diese vielen Charaktere werden durch Angie Thomas Erzählstil, ihre Gespräche und die kleinen, detailreichen Infos zu lebendigen Menschen, zu Freunden und Feinden. Auch wenn ich über Starrs Vater manchmal nur den Kopf schütteln konnte und die Begeisterung für Sneaker und Basketball nicht nachvollziehen kann – ich habe mich mit Starr wie ein Teil dieser Welt gefühlt. Wie ein Teil von Garden Heights und der schwarzen Community. Und das als weißes Mädchen, das im idyllischen Allgäu aufgewachsen ist und bis zu ihrem Grundschulalter nur eine dunkelhäutige Person kannte. Natürlich spielt dieses Geschichte in Amerika und ich weiß nicht inwiefern man überhaupt Deutschland und Amerika in dieser Hinsicht vergleichen kann. Jedoch wurde mir klar, dass es durchaus viele Unterschiede gibt, viele Dinge, die uns unverständlich erscheinen, aber auf ihre Weise bezaubernd und cool sind z.B. der gemeinschaftliche Zusammenheit, das politische Wissen & Engagement von Starrs Familie. Dinge, die einem als verwöhntes weißes Dorfkind, in dem Alter noch ganz fremd waren.

Inhaltlich ist das Buch brisant wie nie. Auf der ganzen Welt machen rechtsgesinnte Personen Lärm und es fühlt sich manchmal nicht an, als wären wir in 2017 und hätten Apartheid, Sklaverei und die schlimmste Zeit des Rassismus hinter uns. Rassismus, Tokenismus und all diese Dinge sind real und sie schmerzen. Kleine Worte, unbedachte Aussagen und die Weigerung einer großen Mehrheit der weißen, priviligierten Gesellschaft diese herrschenden Unterschiede zu sehen, führen eher dazu, dass wir uns als Gesellschaft wieder zurückentwickeln. Dabei wollen alle Menschen dasselbe: Eine liebevolle Familie, Sicherheit und das Nötigste zum Leben. Aber nicht nur Rassismus und die Frage nach Recht und Unrecht spielen in diesem Buch eine Rolle. Ich denke, The Hate U Give ist viel zeitloser, denn es geht auch um Selbstfindung, Identität, Dankbarkeit, darum toxische Freunde ziehen zu lassen, um die eigene Stimme und die Bedeutung von Mut, Familie und Liebe. All diese Themen untergebracht in einer spannenden und emotional bewegenden Geschichte, die uns mitreißt und uns betroffen, wütend und traurig macht. Angie Thomas ist es gelungen schwierige Themen in ein fesselndes Jugendbuch zu verpacken und Facetten zu zeichnen. Grautöne und kein Schwarz & Weiß. Wir haben „gute“ Cops und „böse“ Cops, wir haben „gute“ weiße und schwarze Personen und wir haben „böse“ weiße und schwarze Personen. Es ist kein Buch, das wütend mit dem Finger zeigt und beschuldigt. Es ist ein Buch, das stattdessen Doppelmoral aufdeckt, das die richtigen Fragen stellt und die richtigen Beobachtungen macht. Es zeigt, wie blauäugig und ignorant wir manchmal sind und wie wenig uns oft bewusst ist, wie es in einem anderen Teil der Gesellschaft aussieht. Es hat mich oft sehr nachdenklich gestimmt und mich über mein eigenes Verhalten nachdenken lassen.

Das Ende hat mir gut gefallen, es hat gepasst und es wirkte real und hoffnungsvoll, wenngleich nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Es war ein Ausschnitt aus Starrs Leben, den wir begleiten durften, eine Geschichte die erzählt wurde und erzählt werden musste.

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Fazit:

Für mich ist der Hype absolut gerechtfertigt. „The Hate U Give“ ist eine packende, brisante Geschichte, verpackt in eine zeitlose Geschichte mit vielen wichtigen Botschaften. Angie Thomas beweist durch ihre Erzählung und ihre Charaktere ein unfassbar hohes Maß an Sensibilität, an Beobachtungsgabe und Einfühlungsvermögen. Sie schließt nicht verbittert ab, sondern hoffnungsvoll und motivierend. Ich habe Starrs Stimme gehört und ich hoffe, dass ganz viele Leute dieses Buch lesen und auch den Ruf vernehmen, den unsere mutige Heldin Starr in die Welt hinausschreit.

Ich gebe diesem Buch 5 Seesterne. Ich könnte zwar Abzüge wegen Schreibstil und einigen klischeehaften Charakteren geben, aber das möchte ich nicht. Denn die Geschichte und die Botschaft sind das wichtige und das einzigartige an diesem Buch. Wäre ich eine Deutschlehrerin würde ich es auf jeden Fall mit in meinen Lehrplan aufnehmen. Lest es, wenn ihr die Zeit findet. Lest es.

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Weitere Meinungen zum Buch:

 


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[Rezension] Tanja Hanika – Zwietracht: Mörderische Freundschaft

[Rezension] Tanja Hanika – Zwietracht: Mörderische Freundschaft

Meine liebe BartBroAuthors Kollegin Tanja Hanika schreibt düstere, schaurige Romane und ihr neuestes Projekt hat mich sowohl vom Cover als auch von der Kurzbeschreibung neugierig gemacht.

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Das Ebook kostet 6,99€, das Taschenbuch 11,99€.

Auch diese Rezension gibt es als Video auf meinem Youtube Kanal!

Worum geht’s?
Es geht um zwei beste Freundinnen, die gemeinsam in einen Kurzurlaub in eine abgelegene Hütte im Wald fahren. Lina, eine Schriftstellerin, möchte dort ihre Schreibblockade überwinden um ihr nächstes Buch veröffentlichen zu können. Millie, die in einer Bank arbeitet aber gerne mit ihren Fotos Geld verdienen würde sucht unterdessen in der Natur nach schönen Motiven.
In der Hütte gibt es eine verschlossene Tür, die Linas Interesse weckt, vor allem nach dem sie in der ersten Nacht kratzende Geräusche von unter der Hütte wahrnimmt. Kurz darauf fällt ihr Millies Verhalten seltsam auf und bald ist sich Lina sicher, dass irgendjemand es auf sie abgesehen hat. Am Ende sogar ihre beste Freundin?

Genre: Horrorroman

 

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Design/Gestaltung:

Das Cover ist schlicht gehalten, aber genau das gefällt mir sehr gut.

Schreibstil:

Den Anfang der Geschichte fand ich mit den Formulierungen teilweise etwas holprig. Es wirkte einfach zu bemüht abwechslungsreich und anschaulich zu schreiben. Aber das hat sich dann bald verflüchtigt, Tanja hat in die Geschichte gefunden und es ließ sich flüssiger und besser lesen. Die Spannung konnte auch ohne große dramatische Formulierungen aufgebaut und durchweg gehalten werden. Ich fand es sehr fesselnd und habe es tatsächlich in einem Rutsch durchgelesen! (Was bei mir als Leseschnecke auch bei eher dünnen Büchern selten ist 😉 )

Inhalt:

Ich war sehr eingenommen von dem Buch, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht. Die erste Hälfte des Buches ist aus Linas Sicht geschrieben, die zweite aus Millies. Den ersten Twist habe ich kommen sehen, einfach weil ich unfassbar auf Horror stehe und so viele Bücher und Filme gelesen habe, dass man sich anhand kleiner Anzeichen schnell denken konnte, was los ist. Der Twist zum Ende hingegen kam etwas unerwartet aber nicht unpassend. Zu viel über den Inhalt möchte ich hier konkret gar nicht sagen, aber es spitzt sich zum Ende sehr stark zu, sodass man wirklich nicht aufhören kann zu lesen.

Charaktere:

Neben Lina und Millie gab es kaum Charaktere, die wirklich eine große Rolle gespielt haben. Stefan und Barbara – Barbara war mir allein wegen ihres Namens schon sympathisch – ich freu mich immer, wenn jemand Barbara heißt. Ich glaube, aus denen hätte man noch ein bisschen mehr machen können indem man sie noch mehr einbindet, da sie ja in der Nähe der Hütte gewohnt haben. Man hätte vielleicht auf ihrer Seite noch den ein oder anderen Zweifel setzen können, um den Leser zu verwirren. Allerdings hat es der Geschichte keinen Abbruch getan, sondern ist nur meine persönliche Meinung.
Lina war ein kleines bisschen unsympathisch. Aber ich denke gewollt. Einfach weil sie quengelig und unzufrieden war und ich ihre Paranoia zu Anfang nicht ganz verstanden habe. Ihre Neugier bezüglich der Tür und ihre Panik wegen dem Kratzen an der Hütte schon! So etwas würde mich auch ganz wuschig machen.
Millie war deutlich menschlicher und gerade in ihrem Teil hat man sie ins Herz geschlossen. Ihre Handlungen fand ich teilweise verwirrend, aber Horror funktioniert selten mit Charakteren, die nur geschickte und richtige Entscheidungen treffen. Man hat sich nicht an den Kopf gegriffen, aber das ein oder andere Mal hat man sich schon gewünscht, dass sie einfach direkt sagt, was Sache ist.
Alles in allem waren die Charaktere für so ein kurzes Buch gut ausgearbeitet und nicht zu eindimensional.
Ende

Das Ende war dann doch ein wenig überraschend, im positiven Sinne und mir hat es gut gefallen. Vor allem die letzten Szene. Es sind einige Fragen offen geblieben, aber um aus meinem meiner liebsten und ersten Horrorspiele zu zitieren.

In a horror story, the victim keeps asking „Why?“ But there can be no explanation, and there shouldn’t be one. The unanswered mystery is what stays with us the longest, and it’s what we’ll remember in the end.” – Alan Wake

Rückblickend finde ich tatsächlich die Horror Filme und Bücher, in denen einem nicht alles haarklein erzählt und vorgekaut wird, besser bzw. spannender. Manche enden zu offen, sodass es wirklich unbefriedigend ist aber Tanjas Geschichte endet akzeptabel offen.

Wenn man nun alle Einzelwertungen zusammen rechnet ergibt sich ein Ergebnis von 4 Seesternen! Eine klare Leseempefhlung für Freunde von Horror und Leute, die einen spannenden kurzen Ausflug zu einer Waldhütte machen wollen! 😉4seesterne.png