Schlagwort: feminismus

[Lesechallenge] Wir lesen Frauen

[Lesechallenge] Wir lesen Frauen

[Lesechallenge] Wir lesen Frauen

Wie viele Autorinnen stehen bei euch im Regal? Greift ihr bewusst eher zu Autoren eines bestimmten Geschlechts? Achtet ihr überhaupt nicht darauf? Meidet ihr z.B. Krimis von Personen mit weiblichem Namen?
Egal welcher Fraktion ihr angehört, Frauen sind in der Literatur sind unterrepräsentiert. Literaturpreise, Feuilleton, Lehrplan, Literaturlisten – hauptsächlich Männer. Und Spoiler: Das liegt nicht daran, dass Männer besser schreiben.

Die #WirLesenFrauen Challenge, die Eva-Maria Obermann am 8. Februar ausgerufen hat, richtet das Augenmerk besonders auf Autorinnen. Und das ist großartig! Alle Infos über die Challenge, Inspiration, Ideen und Hintergrundwissen gibt es bei Evas Blog Schreibtrieb!

(Titelbild (c) Eva-Maria Obermann)


Wir lesen Frauen

(Ich werde alle Bücher von Autorinnen mitzählen, die ich von Februar 2019 bis Dezember 2019 gelesen habe und die Liste fleißig updaten!)

  • Sachbuch zum Thema Feminismus

Scarlett Curtis: The future is female (Rezension folgt)

 

  • Buch aus einer Autorinnenvereinigung

Katrin Ils: Splitter der Nacht

 

  • Buch einer WoC

Rupi Kaur: milk and honey & the sun and her flowers

 

  • Essayband einer Autorin

 

  • Buch einer deutschsprachigen Autorin

K.C. Atkins: New York Bastards – In deinem Schatten
Ava Reed: Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen
Laura Kneidl: Water & Air (Rezension folgt)

 

  • Buch einer nicht-europäischen und nicht-amerikanischen Autorin

Kanae Minato: Schuldig

 

  • Sachbuch einer Autorin
  • Preisgekröntes Buch einer Autorin  –

 

  • Buch einer SP-Autorin

Magret Kindermann: Und dein Leben, dein Leben

 

  • Literaturklassiker einer Autorin

 

  • Gegenwartsroman einer Autorin

Sarah Kuttner: Kurt

 

  • Buch über eine trans Frau, geschrieben von einer (trans) Frau

(c) Chris Murray // Unsplash

Vielen Dank liebe Eva für diese tolle Challenge! Welche tollen Menschen noch alle mitmachen, seht ihr auf der Übersichtsseite.

 

 

[Rezension] milk and honey + the sun and her flowers von Rupi Kaur

[Rezension] milk and honey + the sun and her flowers von Rupi Kaur

[Rezension] milk and honey + the sun and her flowers von Rupi Kaur

Heute gibt es eine Doppelrezension! Und zwar zu den wunderschönen Gedichtbänden „Milk and honey“ und „The sun and her flower“ von Rupi Kaur. Ich habe die beiden Gedichtbände auf Englisch gelesen. Es gibt die beiden Bücher auf mit deutscher Übersetzung, allerdings mag ich es – gerade bei Gedichten – in der Originalsprache zu lesen. Beide Bücher habe ich dieses Jahr zum Geburtstag geschenkt bekommen.


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  • Titel: Milk and Honey
  • Autorin: Rupi Kaur
  • Verlag: Simon + Schuster
  • Genre: Gedichte
  • 208 Seiten, Ebook: 7,49€ | TB: 9,36€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
In „milk and honey“ finden sich verschiedene Gedichte rund um die Themen Feminismus, Weiblichkeit, Liebe, Selbstbestimmung. Sie sind in vier Abschnitte gegliedert:  the hurting, the loving, the breaking, the healing. Die meisten Gedichte sind kurz, ein paar wenige Zeilen, andere sind länger.

 

  • Titel: The sun and her flowers
  • Autorin: Rupi Kaur
  • Verlag: Simon + Schuster
  • Genre: Gedichte
  • 248 Seiten, Ebook: 7,73€ | TB: 10,71€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
In „the sun and her flowers“ finden sich verschiedene Gedichte rund um die Themen Feminismus, Weiblichkeit, Selbstbestimmung und das Wachsen. Sie sind in fünf Abschnitte gegliedert:  wilting, falling, rooting, rising, blooming. Die meisten Gedichte sind kurz, ein paar wenige Zeilen, andere sind länger.


Meine Meinung:

Ich bin bei (modernen) Gedichten und Lyrik eher schwer zu begeistern. Vieles davon wirkt auf mich zu gewollt, zu konstruiert. Die Emotion kommt nicht bei mir an, die Bedeutung ist zu nebulös oder zu offensichtlich. Ganz anders bei Autorin und Poetin Rupi Kaur.

Ihre Gedichte haben nicht viele Worte, nicht viele Reime oder komplexe Versmaße, aber sie berühren, kitzeln etwas in mir und bringen mich zum Nachdenken. Rupi Kaur schreibt über ihr Leben. Sie schneidet unfassbar viele Themen an, aber eines kommt immer rüber – Emotionen.

(c) Rupi Kaur

Egal ob sie über Missbrauch und Vergewaltigung, Trauma, schmerzhafte Trennungen, ihre Mutter, ihre Erfahrungen, ihr Wachstum oder über die Liebe schreibt – man fühlt mit ihr.

Ihre Erfahrungen, ihr Leben, ihr Leid, ihre Liebe mit Worten auf Papier gebrannt. Und sie brennen wirklich. Mal wie eine Wunde, dann wieder entfachen sie die eigene Leidenschaft, bestärken und bekräftigen. Dann lassen sie etwas in mir zerbrechen. Viele Gedichte haben mich traurig gemacht, andere haben mich laut rufen lassen „YES GIRL!“, haben mir Mut gegeben, mich an meine Talente und Kräfte erinnert. Rupi Kaur schreibt für sich und für andere Mädchen und Frauen. Viele Gedichte drehen sich um feministische Themen, Selbstbestimmung und Rollenbilder. Aber ich würde ihre Werke dennoch jedem ans Herz legen, auch wenn man sich nicht mit dem weiblichen Geschlecht identifiziert. Denn in ihnen stecken viele Lebensweisheiten, positive und lebensbejahende Botschaften.

Gefühle pur

Gerade die Liebesgedichte waren so schön, melodisch und sehnsüchtig. Und sie haben dafür gesorgt, dass ich mich gefragt habe „Habe ich je so intensiv geliebt?„. Meine Gefühle sind weitaus weniger aufschäumend, weniger bunt und farbig wie die von Rupi Kaur. Aber ihre Worte haben bunte Pfotenabdrücke auf meiner Seele hinterlassen. Und ich hoffe, dass ein bisschen davon abfärbt. Leben ist eine stetige Entwicklung. Ein wiederholter Kreislauf aus Welken, Fallen, Verwurzeln, Auferstehen und Blühen. So sind auch ihre Gedichte in Wellen. Manche sind wie ein Sturm, andere ruhig, manche direkt, manche mit verstecktem Humor und Biss.

Ich wollte, musste, einige der Gedichte laut vorlesen. Sie waren kraftvoll und mutig, sanft und leise, wunderschön und hässlich, aber auch liebevoll und zart. Facettenreich. Wie Rupi Kaur selbst. Ich kann nur empfehlen, ihr auf Instagram zu folgen, denn ich finde sie und ihr Schaffen unglaublich inspirierend.

Dazu sind die Gedichte teilweise von ihr illustriert. Auf eine sehr einfache und doch schöne Art. Wie ihre Gedichte: einfache Linien, aber kraftvolle Bilder. Es gibt sie, diese Bücher, denen man mit Worten nicht gerecht werden kann. Bücher, die man lesen muss, um zu verstehen, wie sie auf einen wirken.

Gedanken, die bleiben und nachhallen.

(c) Rupi Kaur

Fazit:

Wer viel Wert auf lyrische Konventionen steht, wird mit diesen beiden Büchern vielleicht nicht glücklich. Dennoch haben sie mich berührt, bewegt und begeistert. Inspirierende, moderne Lyrik. Worte, zum inhalieren. Einfach großartig.

Weitere Meinungen:

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Babsi taucht ab (März 2019)

Babsi taucht ab (März 2019)

Babsi taucht ab (März 2019)

Schwupps, der März ist vorbei. Und Leute, er war voll! Freunde besuchen, Lernen, Umzugshelferin, ein Junggesellinenabschied (nicht meiner) und die Leipziger Buchmesse. Ui ui ui. Und zusätzlich gab es zahlreiche, wahnsinnig spannende und tolle Beiträge.

Blogbeiträge

Diesen Monat war viel los…

Gelesene Bücher

Videos

Ein großartiges Video – falls ihr englisch sprecht – ist dieses Video von John Oliver über Public Shaming. Anschauen!

Im März ist der neueste Ableger eines meiner liebsten Videospiele erschienen. Devil May Cry 5! Bis ich mir dieses Schätzchen hole, wird noch etwas Zeit vergehen, denn vor meiner Klausur im April gibt’s für mich keine neuen Zeitfresserchen. Aber euch sollte das nicht abhalten! Tommy hat das Game getestet und sagt euch, ob das überhaupt Bock macht:

Ich bin ein großer Fan von myuus Musik. Gruselige Klavierstücke und schaurig schöne Instrumentals. Sein neuestes Werk „Skeleton Dance“ klingt ein bisschen verspielt. Hört mal rein!

Privates

So, ihr Lieben! Und wieder ein Monat vorbei. Irgendwie habe ich im März sehr viel geschafft, aber wenig für den Blog oder meine Hobbys… Arbeit, Lernen, einer Freundin beim Umzug helfen, Freunde besuchen, einen Junggesellinnenabschied miterleben. Und natürlich die Leipziger Buchmesse mit dem Nornentalk, 9lesen und mehr.

Anfang des Monats habe ich eine Freundin in Ulm besucht und wir sind gemeinsam auf eine Lesung von Liza Grimm und Julia Lange gegangen. Es war ein total schöner Abend und natürlich habe ich signierte Bücher abgestaubt. Am nächsten Abend gab es einen Poetry Slam mit wirklich fabelhaften Texten und Leuten aus ganz Deutschland. Mein Favorit – ein Text über Lucifers Freundin und Dickpics – hat es leider nicht ins Finale geschafft.

Eine Klausur steht übrigens direkt Anfang April auch noch an, weshalb sich die Rezensionen vezögern.

Dann fand eines der ersten großen Buchevents des Jahres statt – Die LBM! Meinen Rückblick auf die Leipziger Buchmesse findet ihr hier.

Außerdem habe ich noch eine kleine Ankündigung in eigener Sache. Die Anthologie „Herzgezeiten“ ist erschienen! Mit dabei ein Beitrag von mir. Das Ebook gibt es zum Einführungspreis von 1,99€ für 12,99,€ erhaltet ihr die prallgefüllte, 440 Seiten starke Taschenbuchversion.

Tüdelü, eure Babsi

Babsi taucht ab (November 2018)

Babsi taucht ab (November 2018)

Babsi taucht ab (November 2018)

Blogbeiträge:

  • Charline von Sternenbrise interviewt Laura Kneidl zu ihrem neuesten Fantasy Buch „Die Krone der Dunkelheit“
  • Rezensionen können einem Flops ersparen. Nicht nur bei Büchern, sondern auch bei Serien. Was Nise von Kitsunebooks zu „Switched“ sagt und warum ich die Serie von meiner Watchlist kicken werde, lest ihr *hier*.
  • Erfahrungen macht man am Besten selbst. Aber manchmal hilft es auch, die Weisheiten zu berücksichtigen, die andere bereits gesammelt haben. Zum Beispiel Anabelle von Stehlblüten in 3 Monaten Irland und ihrem Fazit nach fast einem Jahr.
  • Es gibt haufenweise Adaptionen von Sherlock Holmes – ob die Filme von Guy Ritchie, die BBC Serie oder Elementary mit einer weiblichen Watson. Sabine von Antiheldin und Karo von Fiktion fetzt haben die drei Kandidaten im knallharten Battle gegeneinander antreten lassen. Obwohl ich die BBC Serie klasse finde, mochte ich die Filme mit Jude Law und Robert Downey Jr. unglaublich gerne. Und ihr?
  • Ich durfte bei der lieben Tamara von Leuchtturmwärterin meine 5 liebsten Buchschätze vorstellen!
  • Die fabelhafte Karla Paul steht bei Timo von Rainbookworld Rede und Antwort zum Thema Feminismus und ihrem Essay für das Buch „The future is female“
  • Wow, einfach nur wow! Ein deutscher Manga wird zu einem Anime. Wenn das mal kein Ritterschlag für Nana Yaa und ihren Manga „Goldfisch“ ist.

Diskussionsstoff und Zunder

  • Marie Grasshoff hat mit einem Blogbeitrag auf die Kontroverse um einen Kleinverlag und sein rassistisches Cover reagiert. Sie zeigt Möglichkeiten auf, wie man divers und vor allem angemessen schreiben kann.
  • Auch Kat hat auf Stürmische Seiten ein Plädoyer für Divers Schreiben geschrieben. Unbedingt lesen!
  • Die Videospielszene ist kunterbunt, wie auch die Bücherszene. Dass sich aber leider noch viele Gamer herumtreiben, die von Menschen- und vor allem Frauenrechten („Iiih Frauen sollten keine Videospiele spielen!“) keine Ahnung und keinen Respekt davor haben. Gewalthaltige Videospiele sind oft in der Kritik, die Frage nach Ethik und Moral taucht immer wieder auf. Einen ausführlichen Beitrag mit einem aktuellen Beispiel hat Anna vom Blog „Von Hinten wie von vorne“ geschrieben.
  • Bad Boys – ein immer wieder diskutiertes Thema. Wo hört Selbstbewusstsein auf, wo fängt Arroganz an? Wo hören sich Sorgen machen und Wortgefechte auf und wo fängt missbräuchliches Verhalten an? Ali nimmt auf Skepsiswerke Bad Boys kritisch unter die Lupe. 

Morgen, Kinder, wirds was geben!

Und zwar habe ich am 01. Dezember die Ehre, den Selfpublishing Adventskalender zu eröffnen! Unter #SPbuch-Kalender gibt es bis Weihnachten jeden Tag auf einem anderen Blog eine*n tolle*n Selfpublisher*in!

Alles Infos und wer wo dabei ist, findet ihr bei KeJas Blogbuch.

Gelesene Bücher:

Visual Novels:
  • Hakuoki Kyoto Winds
  • Hakuoki Edo Blossoms

Privat:

Im November hatte ich irgendwie viel zu tun und irgendwie doch nicht. Blockseminar, einige Arbeiten und Beiträge für Podcast und Blog vorplanen. Dann ein Wochenende zuhause, an dem ich abschalten wollte und nicht so richtig konnte. Ich habe ausgiebig die beiden Hakuoki Visual Novels gezockt und fast alle möglichen Routen durchgespielt. Die Geschichte ist interessant und auch die Junggesellen sind durchaus ganz reizend. Allerdings habe ich da mal wieder gemerkt, dass mich Bücher aufbauen, dass Lesen mir gut tut.

Die letzten Tage hat mich eine fiese Erkältung gepackt, zum Glück habe ich einiges vorbereitet, sodass ihr euch nicht über ausbleibende Beiträge fürchten müsst. Eher im Gegenteil!

Wir sehen uns im Dezember!

Tüdelü, eure Babsi


Beitragsbild von Jeremy Bishop / Unsplash

[Rezension] Du wolltest es doch von Louise O’Neill

[Rezension] Du wolltest es doch von Louise O’Neill

Vorneweg vielen Dank an den Carlsen Verlag, die mir dieses Buch überraschend als Rezensionsexemplar zugeschickt haben. „Du wolltest es doch“ von Louise O’Neill ist kein leichter Lesestoff. Vermutlich hat es deswegen ein bisschen gedauert, bis ich dieses Buch beenden konnte. In dem Buch geht es um Vergewaltigung und Victim Shaming, weswegen ich hier eine Triggerwarnung aussprechen möchte.

Louise O’Neill: Du wolltest es doch


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  • Titel: Du wolltest es doch (eng. Asking for it)
  • Autorin: Louise O’Neill
  • Übersetzerin: Katarina Ganslandt
  • Verlag: Carlsen Verlag
  • Genre: Jugendbuch, Drama
  • 368 Seiten, Ebook: 12,99€ | gebunden: 18€
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Worum geht’s?
Emma ist in ihrer Clique die Hübscheste, fast alle Jungs drehen sich nach ihr um. Sie und ihre Mädels feiern Partys, checken Jungs ab und versuchen das langweilige Leben in der irischen Kleinstadt spannender zu gestalten. Erwachsen werden ist nicht leicht und unter der Oberfläche brodelt es bei allen. Alkohol, Jungsgeschichten, Parties – ganz normal. Doch als Emma eines Abends von einem Kerl eine kleine weiße Pille entgegen nimmt, ändert sich alles. Am nächsten Morgen wacht sie in zerissenen Kleidern vor ihrem Elternhaus auf. Sie kann sich an nichts erinnern, doch die Fotos und Geschichte die darauf von ihr kursieren, werden nicht so schnell vergessen.


Meine Meinung:

Das Buch beginnt seicht und oberflächlich. Wir lernen Emmas Mädelsclique kennen – reiche, priviligierte Mädchen, die sich aus Langweile betrinken und Herzen brechen. So scheint es. Bald wird aber klar, dass alle von ihnen Probleme haben. Dass alle Geheimnisse haben und leiden. Und dass sie nicht wie echte Freundinnen offen darüber reden können. Emma erzählt als Ich-Erzählerin in der Gegenwart von den Ereignissen und ihrer Familie. Wir sind in ihrem Kopf und bekommen all ihre Gedanken mit. Vor allem die schlechten. Wie sie über ihre „Freundinnen“ denkt, wie berechnend und kalt sie manchmal ist.

Das mag abschreckend und unsympathisch wirken und gleichzeitig wirkt es für mich real und nah. Nicht – weil ich mich sonderlich gut mit Emma identifizieren kann. Aber weil es zeigt, was für ein zerissener Mensch sie ist. Wie sehr sie ihre Fassade wahren will und doch nicht ausbrechen kann. Sie ist das hübsche und beliebte Partygirl – das kann sie, dessen ist sie sich sicher. All ihre anderen Eigenschaften sind in den Hintergrund getreten, irgendwann bevor die Geschichte beginnt. Ausgebrannt die Träume, erschreckend leer und pessimistisch. Einiges liegt im Dunkeln, anderes ist offensichtlicher – wie die kaltschnäuzige, oberflächliche Beziehung von Emma und ihrer Mutter.

Emma hat sich angepasst und ihr Herz in sich eingesperrt. Sie ist das traurige Produkt einer oberflächlichen Gesellschaft, einer Familie, die mit zwei Maßen misst, ein Kleinstadtmädchen in einem Korsett. Von allen Seiten wird sie auf ihr Äußeres reduziert. Vielleicht setzt sie es nicht zuletzt deswegen auch als Waffe ein. Um Jungs herumzubekommen, um sich stark und selbstsicher zu fühlen. Um eine Macht oder Sicherheit zu spüren, die sie sich durch keine andere Quelle mehr holen kann.

Das Mädchen

Die zweite Hälfte spielt ein Jahr nach dem Ereignis. Und von der Emma vom Anfang des Buches ist nicht mehr viel übrig. Wir erfahren, was in der Zwischenzeit passiert ist, wie die Charaktere es unterschiedlich verarbeiten. Was es mit ihnen macht. Es ist wesentlich fesselnder, wichtiger und schmerzhafter als die erste Hälfte. Das Wort „Mitleid“ bekommt eine neue Dimension, denn beim Lesen habe ich wirklich gelitten. Und ich hätte so viel sagen und machen wollen. War enttäuscht, als es niemand gesagt oder gemacht hat. Es war berechenbar, aber doch grausam.

Mehr als die erste Hälfte, hat mich die zweite Hälfte emotional am Schopf gepackt. Meine eigene Moral hinterfragt. In meiner Teenagerzeit war ich das graue Mäuschen – ich war in dem Sinne eine Ali, und vielleicht hätte ich ebenso eklig reagiert wie manche von Emmas Klassenkameradinnen.

Ich hab mir oft gewünscht, ich wäre das schöne, begehrte Mädchen, das Drinks ausgegeben bekommt. Das angetanzt und von Jungs umschwärmt wird. „Sei doch froh über die Aufmerksamkeit“ habe ich damals gedacht. Und erst viel später gemerkt, wie eklig sich das anfühlen kann, wie widerlich es ist, als Stück Fleisch gehandelt zu werden. Die Diskussionen, die Entwicklungen auf Facebook und Twitter. Die Zeitungsbericht, die Dreistigkeit der Medien, die in dem Buch dargestellt werden. All das ist so real, dass es wehtut.

Dass die Leute zuerst hinterfragen, was es mit den Angeklagten macht, nicht mit den Opfern. Dass es darum geht, Leben zu ruinieren. „Du wolltest es doch“ – der Titel sagt es schon.

Aber es ist wichtig und nötig, dass wir uns das bewusst machen. Dass wir unsere eigene Sozialisation, unsere Urteile und Meinungen hinterfragen. Und so vielleicht dafür sorgen, dass – wie die Autorin es sich im Nachwort wünscht – keine solchen Fälle mehr gibt.

*Spoiler* (Markiere um zu lesen)

Das Ende lässt mich ziemlich zerknittert zurück. Die Geschichte fühlte sich real an und ich kann Emma am Ende der Geschichte sehr gut verstehen. Die Reaktionen der Figuren im Buch sind teilweise wirklich widerlich und es fühlt sich so real an. Weil es vermutlich so schon passiert ist.

Und es widert mich so sehr an, dass – egal ob Vergewaltigung oder nicht – scheinbar niemand den bloßen Akt diese Fotos von Emma online zu stellen, verurteilt. Die widerlichen Hassmails, das widerliche Verhalten von Emmas Eltern. Dass irgendwo auch nachvollziehbar ist? So etwas zu lesen tut weh. Es ist Fiktion, aber es tut trotzdem weh.

Ich glaube, ich hätte gerne noch eine Aussprache mit den Freundinnen gelesen. So ist es wirklich hoffnungslos und zermürbend, da niemand sich wirklich mit Emma auseinandersetzt.

*Spoiler Ende*

Mein Fazit:

Das Buch zeigt ungeschönt das Innenleben einer jungen Frau, die kaltblütig geworden ist und die unnahbar und unsympathisch wirkt. Das macht sie aber in meinen Augen echt und ehrlich, denn ihre Geschichte hat sie geformt. Es ist eine Geschichte, die es so ähnlich oft auf der Welt geben wird. Die in diesem Buch eine schreckliche Wendung erhält. Einiges bleibt im Dunkeln, vieles ungesagt. Das Buch ist für mich realistisch und dadurch umso grausamer. Auf den ersten Blick geht es vielleicht „nur“ darum, dass auch freizügige Mädchen genauso wenig Schuld an einer Vergewaltigung haben, wie graue Mäuschen.

Aber zwischen den Zeilen kann man viel mehr herauslesen, über unsere Gesellschaft und über das Heranwachsen. Es tut richtig weh, gerade die zweite Hälfte ist wie ein großer Splitter. Dieses Buch ist wichtig. Jedoch würde ich es nicht unkommentiert Jugendlichen zu lesen geben. Allerdings finde ich es – wie bereits The Hate U Give oder Dumplin‘ – sehr gut, wenn es vielleicht Einzug in den ein oder anderen Deutschunterricht hält.

So wichtig das Thema auch ist, so wichtig ich die Geschichte und Protagonistin Emma fand – den Schreibstil, die wiederholten Stilmittel und die Erzählweise fand ich stellenweise etwas zäh und langatmig. Die zweite Hälfte war fesselnder, spannender und das Ende hat zu dieser Geschichte gepasst. Wer eine leichte Lektüre, eine mutmachende Geschichte lesen möchte, der sollte dieses Buch nicht anrühren.

Weitere Meinungen:

 


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