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Nomen est omen? Die wunderbare Welt der Namen

Nomen est omen? Die wunderbare Welt der Namen

Barbara

Am 4. Dezember war „Barbara-Tag„. Man gedenkt der Märtyrerin Barbara von Nikomedien, die trotz vieler Verehrer und Drängen ihres Vaters keinen Mann heiraten wollte. Sie wollte lieber Christin sein, auch das war verwerflich. Daraufhin wurde sie in einen Turm eingesperrt. Sie wurde misshandelt, gefoltert und schließlich getötet. Später wird sie von der katholischen Kirche heiliggesprochen und als Schutzpatronin von Bauarbeitern, Bergleuten und Architekten verehrt.

Ein kaum noch wirklich bekannter Brauch ist, am 4.12 ein paar Zweige von einem Baum oder Strauch (z.B. Apfel, Forsythie) zu schneiden und diese in einen Krug mit Wasser zu stellen. Bis zum Heiligabend sollen diese Zweige blühen und die kalte Jahreszeit erhellen. Dann gibt es noch das „Bärbeletreiben“ – Frauen verkleiden sich als alte Greisinnnen, hauen Leute mit Weidenruten und verteilen Nüsse und Obst. Das erinnert fern an Klausentreiben oder den Krampusbrauch.

Warum weiß ich sowas? Weil ich auch Barbara heiße und meine Großeltern mir jeden Namenstag ein bisschen Schokolade geschenkt und mir gratuliert haben. Außerdem haben wir in der Familie immer Zweige abgeschnitten und manchmal haben sie sogar geblüht.

Der Name Barbara geht vermutlich auf das lateinische „barbarus“ für Barbaren zurück, da die Römer nur „Blablabla“ verstanden, wenn die wilden Nordmänner redeten. Es wird mit „Fremder, Ausländer“ übersetzt oder mit „bärtig“. Nach der Bedeutung sind meine Eltern jedenfalls nicht gegangen als sie meinen Namen ausgesucht haben. 😉

bartbro
Ich bin goldrichtig bei den BartBroAuthors!

Namen und ihre Bedeutung für die Literatur

Bella & Edward, Elisabeth & Darcy, Romeo & Julia – diese Namen pflanzen uns in Kombination sofort ein Bild in den Kopf. Kevin, Chantalle, Jerome, Jacqueline – auch diese Namen lösen sofort etwas aus. Lilith, Lucian, Caleb oder Dawn wollen uns vielleicht nachts bei Vollmond in eine fantastisch-düstere Welt entführen und uns das Blut aussaugen. Bei häufig vorkommenden Namen wie Anna, Lisa oder Lucas sind die Assoziationen vielleicht nicht so stark. Und dann gibt es noch die Namen, die wohl noch Jahre vor allem mit einem bestimmten Charakter assoziiert werden wie Alice, Hermine oder Edward.

Namen sind Schall und Rauch? Namen als Stigma? Nomen est omen? Sind Namen wichtig?

Wenn die Geschichte passt, sind Namen nicht so wichtig. Aber sie können auch ganz wunderbare Stilmittel sein, um Charakterzüge zu unterstreichen oder dem Charakter durch ihre Bedeutung in ein ganz neues Licht zu tauchen.

Fantasy ist ein gutes Beispiel. Ein Elf namens „Horst„, eine Zwergin namens „Caroline“ und ein Drache namens „Kerstin“ – Passt nicht so gut, oder? Melodias, Gundrid, Saphira – das passt schon ein bisschen besser. Natürlich spielen Namen gerne mit Stereotypen oder äußerlichen Merkmalen der Charaktere. Gerne kommen auch Namen aus der Mythologie zum Einsatz „Hades“, „Lilith“, „Eva“ oder „Pandora“. Manche erfinden Namen höchstselbst oder kreieren sie: Gwendocian, Markamas, Truphiosa, Klerangina, Jestovizius.

Es gibt strahlende Heldinnen wie Light, Hope, Stella oder Grace. Toughe Kämpferinnen nennt man vielleicht eher Raven oder Cat. Mysteriöse Typen können auf keinen Fall Sven oder Karl heißen, es muss irgendwie besonders klingen wie Jace, Caleb, Vincent oder zumindest Luke. Will man einen alten Charakter benennen, sucht man einfach einen längst aus der Mode gekommenen, früher üblichen Namen, wie Holger, Helga, Gertrude oder Wolfgang aus. Manche Namen werden auch aufgrund ihrer Bedeutung ausgesucht. Ein schönes Detail um einen Twist anzudeuten, ein Merkmal des Charakters zu unterstreichen oder eine Kontroverse des Charakters darzustellen:

Sophie, altgriech. Weisheit. Alexander, Beschützer. Lucia, die Lichtbringerin. Leo, der Löwe. Charlotte, die Anmutige. Gizem, die Geheimnisvolle. Felix, Glück. Marina, am Meer lebend. Alina, die Edle, die Erhabene.

Ich finde z.B. die Namen in Harry Potter sehr gelungen. Severus Snape, Draco Malfoy, Ron Weasley, Sirius Black, Bellatrix Lestrange – Das sind sprechende Namen!
Auch, wenn man keine Ahnung von Harry Potter hat wird man sich unter diesen Namen etwas vorstellen können. Die Gesinnung, das Gemüt entspricht irgendwie dem Klang der Namen. In Kinderbüchern wird das viel häufiger und noch offensichtlicher gemacht, man denke nur an „Frau Knüppelkuh“ und „Fräulein Honig“ aus Matilda von Roald Dahl.

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Natürlich kann man nach dem Klang gehen, wenn man seine Charaktere benennt. Aber ich finde es immer wieder faszinierend, wenn Namen zu mir sprechen oder ich herausfinde, dass der Name eine Bedeutung hat, die mit der Geschichte oder eine Charaktereigenschaft zu tun hat. Es gibt auf jeden Fall viele Namen, die eher selten verwendet werden und dennoch wunderschön sind. Bei vorname.com findet ihr allemöglichen Formen der Sortierung um den passenden Namen für eure Schöpfungen zu finden.

Wisst ihr, was euer Name bedeutet? Worauf achtet ihr bei der Namenssuche für eure Charaktere? Was ist euer Fantasie-Name?

Tüdelü,
eure Babsi

Babsis ungewöhnlicher Charakterfragebogen

Babsis ungewöhnlicher Charakterfragebogen

Viele haben sich gewünscht, dass ich ein bisschen mehr Inhalte & Erfahrungen aus meinem Psychologie Studium einbinde und diese mit dem Schreiben verknüpfe. Ich möchte später wahrscheinlich eine therapeutische Laufbahn einschlagen, am liebsten eine eigene Praxis. Heimelig, gemütlich, vielleicht keine Couch, aber ein Sessel. Wohlfühlatmosphäre in der man sorglos und offen reden kann. Nun gehört zu dem Job aber natürlich nicht nur gutes Zureden und kluge Ratschläge – es geht auch darum,  nachzufragen, zu hinterfragen und auch unangenehme Fragen zu stellen.

Das dient vor allem der Exploration des Problems. Denn: Je besser man seine Situation kennt, je genauer man die eigenen Mechanismen, Impulse und Automatiken versteht, desto besser kann man handeln.

Ein fiktives Beispiel um das anschaulicher zu machen:

Frau XY berichtet von negativer Stimmung und Niedergeschlagenheit.

So. Das ist scheiße. Nun reicht diese Information aber nicht, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Wir haken also nach. Wie äußert sich das? In welchen Situationen tritt das Gefühl auf? Gibt es Auslöser? Was denkt Frau XY warum sie sich so fühlt? Wann fühlt sie sich nicht so?

Dadurch erfahren wir, dass Frau XY sich in Gesellschaft fremder Personen unwohl und unsicher fühlt und im Nachhinein ins Grübeln gerät. Sie ist überzeugt, dass andere Personen sie für hässlich, unlustig und dumm halten müssen und steigert sich in diese Selbstzweifel hinein. Ist sie jedoch unter Freunden, die sie lange kennt, kann sie ungezwungen und glücklich sein und hinterfragt danach auch nicht so  sehr, was die anderen wohl über sie denken.

Allein dadurch, das wir also viele Fragen gestellt haben, nachgebohrt haben und uns nicht mit einem Blickwinkel und einer Theorie zufrieden geben, erhalten wir ein detailiertes Bild. Damit ist es aber nicht getan. Wir fragen weiter: Warum fühlt sie sich bei ihren Freunden wohl? Warum denkt sie, dass fremde Personen schlecht über sie denken? Hat sie negative Erfahrungen gemacht? Hat sie positive Erfahrung gemacht? usw.

Erst, wenn das Problem möglichst umfassend beleuchtet wurde, wird versucht, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. Im Falle von Frau XY würde man vielleicht versuchen, am Selbstwertgefühl zu arbeiten, Gesprächssituationen zu üben und ihr Selbtsbewusstsein zu stärken.


Aber mit möglichen Therapie- und Beratungsgesprächen will ich mich heute gar nicht lange aufhalten. Das ist kompliziert, umfangreich und sehr individuell. Mir geht es heute um die Fragen. Ich bin überzeugt davon, dass gut ausgearbeitete Charaktere eine Bereicherung für Bücher sind. Tolle Charaktere können einen gewöhnlichen, unspektakulären Plot aufmischen; Schlechte Charaktere können hingegen fantastische Welten und spannende Abenteuer zerstören.

Es gibt zahlreiche Vorlagen und tolle Steckbriefe für die Charakter-Erstellung. Sehr umfangreich und meiner Meinung nach eine sehr gute Hilfe bietet der Charakterbogen von Jacqueline Vellguth. Generell hat sie tolle Beiträge zur Charakterentwicklung und auch sie hat eine Kollektion von Fragen, die man seinen Charakteren stellen kann.

Aber genug Vorgeplänkel, hier kommt nun mein ganz eigener Interview-Leitfaden für intensiven Austausch mit den eigenen Buchcharakteren. Man kann nie genug Fragen stellen! (Nicht alle Fragen sind immer 1 zu 1 auf jedes Gerne, jeden Charakter und jede Zeitperiode zu übertragen, aber es kann auch interessant zu sein, sich zu fragen, was wäre, wenn…)

Babsis ungewöhnlicher Charakterfragebogen

  1. Wovon bekommst du kalte Füße?
  2. Wie lange brauchst du um einzuschlafen?
  3. Was macht einen guten Morgen für dich aus?
  4. Worauf bist du in deinem Leben stolz?
  5. Was liegt neben deinem Bett/auf deinem Nachttisch?
  6. Wenn etwas schief geht, woran liegt das/wen machst du dafür verantwortlich?
  7. Was für Buch/Filmgenres magst du gerne?
  8. Bist du offen gegenüber neuen technischen Errungenschaften?
  9. Wenn dir jemand leidenschaftlich von einer Idee erzählt, wie reagierst du darauf?
  10. Welche Körperstelle berührst du am häufigsten?
  11. Welchen Feiertag magst du am liebsten/wenigsten?
  12. Eine Situation ist neu und unbekannt. Wie verhältst du dich?
  13. Wenn du einer unwissenden Person etwas erklärst, bist du geduldig?
  14. Jemand provoziert/beleidigt dich. Wie reagierst du?
  15. Wenn etwas schiefläuft, gibst du dir die Schuld?
  16. Du erhältst negative Kritik. Wie gehst du damit um?
  17. Du siehst etwas Niedliches/Ergreifendes. Deine Reaktion?
  18. Warum gibt es das Böse?
  19. Wofür lohnt es sich zu leben?
  20. Hast du eine Morgenroutine?
  21. Wenn niemand dich beobachtet, was tust du dann? (z.B. in der Nase popeln?)
  22. Wie reagierst du auf detailierte Gespräche über Körperflüssigkeiten, medizinische Eingriffe oder Exkremente?
  23. Wann ist eine Person bei dir unten durch?
  24. Wie viele Chancen verdient eine Person?
  25. Wofür entschuldigst du dich am meisten?
  26. Welche Shows/Serien schaust du auf Youtube/Streaming-Seiten/im Fernsehen?
  27. Wenn ein Wunder geschieht und alle Probleme sich lösen, wie würde das aussehen? Woran würdest du das merken?
  28. Jemand hat einen Popel/Fleck im Gesicht/Klopapier am Schuh. Was tust du?
  29. Wie würdest du beim Marshmallow Test abschneiden?
  30. Ist die Bindung zu anderen Charakteren eher sicher oder unsicher?
  31. Was würdest du dir nie verzeihen?
  32. Bestellst du lieber Nachtisch oder ein zweites Getränk?
  33. Welche Social Media Plattform würdest du verstärkt nutzen/welche nutzt du am häufigsten?
  34. Gibt es ein/en Anblick/Geruch/Geräusch, bei dem du tiefen, inneren Frieden verspürst?
  35. Welche Alltagsaufgabe/Hausarbeit empfindest du als besonders lästig?
  36. Wo hast du deine Soße am Liebsten? Mitten drauf, daneben, verteilt, gar keine Soße?
  37. Wenn du ein Tier wärst, welches Tier wärst du?
  38. Welches Wort benutzt du am häufigsten?
  39. Was für einen Urlaub möchtest du machen? Strandurlaub, Städtereise, Erlebnisreise, Wellness?
  40. Glaubst du an Horoskope, Sternzeichen, Mondkalender, Prophezeihungen etc.?
  41. Was ist dein „guilty pleasure„?
  42. Was findest du gut/schlecht, obwohl die Mehrheit einer anderen Meinung ist?
  43. Wenn dich jemand um Rat fragt, du aber nicht weiterweißt, was tust du?
  44. Liest du das Kleingedruckte bei Verträgen bzw. die AGB?
  45. Was stört dich an dir selbst am meisten?
  46. In welcher Zeit würdest du gerne leben?
  47. Was macht einen Menschen für dich sofort sympathisch?
  48. Was muss jemand mitbringen, um kompetent zu wirken?
  49. Stöberst du gerne im Supermarkt oder rauscht du gleich zur Kasse?
  50. Stören dich ungerade Zahlen, Eselsohren, Knitterfalten in Klamotten, schief hängende Bilder?
  51. Kontrollierst du vor dem Verlassen des Hauses, ob der Herd aus ist oder ob du den Schlüssel eingesteckt hast?
  52. Welche Eigenschaft an dir würdest du gerne ändern?
  53. Was findest du wirklich ungerecht?
  54. Grüßt du die Putzfrau?
  55. Denkst du, irgendeine gesellschaftliche Gruppe ist weniger wert?
  56. Warum entstehen Krankheiten?
  57. Du musst/kannst einen ganzen Tag im Bett verbringen. Wie findest du das und womit beschäftigst du dich?
  58. Ohne welchen Gegenstand verlässt du niemals das Haus?
  59. Welche Geschäfte & Läden magst du am liebsten?
  60. Bist du experimentierfreudig?
  61. Lebst du deine Sexualität aus?
  62. Was ist für dich ein Hindernis, das du überwinden willst?
  63. Hörst du üblicherweise auf die Ratschläge anderer?
  64. Rechfertigst du dich häufig?
  65. Was ist deine Art Stress abzubauen?
  66. Du bist für einen Tag in einer unbekannten Stadt und betreibst Sightseeing. Lieber eine Attraktion weniger sehen und dafür eine Kaffeepause einlegen?
  67. Eine lärmende Kindergartengruppe betritt dasselbe Zugabteil wie du. Was tust/denkst du?
  68. Jemand lächelt dich an. Lächelst du zurück?
  69. Was bedeutet für dich „in Würde altern“ bzw „in Würde sterben“?
  70. Interessierst du dich für Kunst?
  71. Welchen Stellenwert hat Gesundheit für dich?
  72. Eine Person auf der Straße starrt dich an. Warum?
  73. Welcher Beruf ist deiner Meinung nach völlig unterbezahlt und welcher völlig überbezahlt?
  74. Ein dicker Junge isst einen Hamburger. Was ist dein erster Gedanke?
  75. Glaubst du an das Gute im Menschen?
  76. Was ist für dich das Schlimmste, das ein Mensch tun kann?
  77. Vor welcher Todesart fürchtest du dich am meisten?
  78. Das Internet funktioniert nicht, die Technik streikt. Was tust du?
  79. Was für ein Körperteil findest du besonders anziehend?
  80. Änderst du oft deine Meinung?
  81. Wie wichtig sind Traditionen und Rituale für dich?
  82. Wie viel Zeit steckst du in dein Äußeres?
  83. Womit belohnst du dich für eine gute Leistung?
  84. Du steckst im Aufzug fest. Was tust du?
  85. Du hörst seltsame Geräusche vom Dachboden. Denkst du schnell an Geister?
  86. Was findest du absolut lächerlich?
  87. Du spielst „Die Sims“. Was machst du hauptsächlich? Baust du Häuser, zeugst du Kinder, löscht du die Leiter aus dem Pool?
  88. Glaubst du, dass Träume wahr werden können?
  89. Kann man alles lernen bzw. meistern, wenn man nur hart genug dafür übt und kämpft?
  90. Wann betrachtest du einen Kampf/Streit als verloren?
  91. Wirst du eher wütend oder eher traurig?
  92. Spülst du das Geschirr gleich nach dem Essen ab oder lässt du es stehen?
  93. Was sammelst du bzw. was kannst du nur schwer weggeben oder wegwerfen?
  94. Bei welcher Aktivität/Person vergeht die Zeit wie im Flug?
  95. Die neue Staffel deiner Lieblingsserie ist nur illegal im Internet zu sehen. Schaust du trotzdem oder wartest du auf die legale Veröffentlichung?
  96. Glaubst du daran, dass eine höhere Macht oder Organisation dich beobachtet?
  97. Lachst du, wenn Leute hinfallen oder ausrutschen?
  98. Lieber Schulmedizin oder Naturheilkunde?
  99. Machst du öfter mal krank obwohl du gar nicht krank bist?
  100. Welches ist die Knabberei deiner Wahl beim Filme schauen?

 

[Rezension] Laura Kneidl – Light & Darkness

[Rezension] Laura Kneidl – Light & Darkness

Hallo ihr Lieben!

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Heute präsentiere ich euch die Rezension zu „Light & Darkness“ von Laura Kneidl. Das Buch ist im Carlsen Verlag erschienen, kostet als Taschenbuch 8,99€ und als Ebook 3,99€.

Die Viderezension findet ihr hier.

Genre: Jugendbuch Fantasy

Kauft Light & Darkness* auf amazon! 🙂

Worum geht’s?

Light macht die Ausbildung zu einer Delegierten. Delegierte bekommen ein zu ihnen passendes übernatürliches Wesen zugeteilt und bestreiten gemeinsam den Alltag. Das soll die Differenzen zwischen Menschen und Wesen verkleinern und für ein friedliches Miteinander sorgen. Alle erwarten, dass die engelsgleiche, tüchtige Light eine Fee oder Elfe zugeteilt bekommt, jedoch gibt es einen Fehler im System und sie bekommt den männlichen Dämon Dante an die Seite, der so gar keine Lust auf das Delegationssystem oder Light hat. Light nimmt ihren Job jedoch sehr ernst und möchte alles dafür tun, dass es dem geheimnisvollen Dante gut geht, auch wenn er sich dagegen sträubt.

Jedoch hat Dante ein dunkles Geheimnis, das die wackelige Beziehung der beiden schon bald auf eine harte Probe stellt.

Design:

Das Cover finde ich okay. Mir gefällt, dass die Personen darauf zu Light und Dante im Buch passen. Die Schrift und die schnörkeligen Blätter finde ich nicht so schön, aber die Farbgebung gefällt mir gut.

Schreibstil:

Das Buch ließ sich wirklich sehr flüssig lesen, die Sprache ist einfach gehalten, war aber dennoch passend und abwechslungsreich. Für ein Jugendbuch absolut angemessen.

Inhalt:

Wir befinden uns in einer Welt ein wenig in der Zukunft, die unserer Welt gleicht. Jedoch weiß dort jeder, dass es Vampire, Furien, Dämonen, Lykanthropen etc. gibt. Um die besonderen Wesen in die Gesellschaft zu integrieren, vorherrschende Differenzen zwischen Menschen und Wesen zu überbrücken und für ein friedliches Miteinander zu sorgen gibt es das System der Delegierten. Einem Menschen wird dabei ein Wesen, das speziell durch psychologische Tests ausgewählt wurde, zugewiesen und die beiden begleiten und leben miteinander. Normalerweise sind Delegierter und Wesen vom selben Geschlecht. Bei Light macht das System allerdings einen Fehler und sie bekommt den männlichen Dämon Dante. Bis zu einem Revisionsverfahren und einer neuen Auswahl müssen die beiden miteinander leben und klar kommen.

Lights Familie und vor allem der Vampir Kane, das Wesen ihres älteren Bruders, der in Light verliebt ist, reagieren abweisend und negativ. Die gutherzige Light ist sauer, dass alle so gemein zu dem Dämon sind und will versuchen, so offen und freundlich wie möglich zu sein. Dante macht es ihr jedoch nicht so leicht, ihn zu mögen und versucht mit allen Mitteln Light zu sabotieren. Dennoch beginnt Light damit, wider aller Vernunft Gefühle für Dante zu entwickeln.

Im gemeinsamen Alltag merken die beiden, dass sie sie eigentlich ganz gut riechen können, doch Dantes dunkle Vergangenheit holt die beiden schließlich ein.

Die Impia und die Censio, zwei extreme Gruppen machen die Welt mit Terroranschlägen unsicher. Die Impia wollen alle Wesen vernichten, die Censio wollen die Herrschaft der Wesen über den schwächeren Menschen durchsetzen. Auch Light und Dante werden mit in die Sache hineingezogen. Ob ihre Beziehung dem Stand hält und ob die beiden durch die anstehende Neuverteilung der Wesen getrennt werden, müsst ihr selbst lesen.

Ich fand das Setting interessant und die rigide Systematik der Welt amüsant. Für mich war am Anfang ein bisschen zu viel Alltagsgeplänkel, aber ansonsten fühlte ich mich gut unterhalten.

Charaktere:

Light unsere fleißige und gutherzige Protagonistin wirkte auf mich sehr lebendig und dreidimensional. Ihre Handlungen waren nachvollziehbar und ihre Geduld und Offenheit waren sehr vorbildlich. Dennoch hat Laura Kneidl es geschafft, sie durch einige Eigenheiten zu einer realistischen Person zu machen. An Macken hätte es noch ein bisschen mehr sein können, aber insgesamt konnte ich gut mit Light.

Dante war schnuckelig. Man hat ihm von der ersten Sekunde nicht wirklich abgenommen, dass er so böse ist. Er war zwar frech und rebellisch, aber hatte doch einen weichen Kern. Dennoch hat er ein, zwei Aktionen gebracht, die Light berechtigterweise ausrasten ließen. Gegen Ende fand ich sein Verhalten etwas verwirrend, weil mir seine Gefühle nicht ganz klar waren bzw. der Übergang von der einen zur anderen Phase. Ohne zu spoilern kann ich hier nicht ganz so viel sagen, aber mir hat da noch ein Knackpunkt oder Gedankengang gefehlt.

Jude, Lights Bruder und sein Wesen Kane, fand ich interessant und sympathisch. Im Verlauf der Geschichte hatte ich jedoch das Gefühl, dass sie von ihrem Charakter abrückten und mehr Mittel zu Zweck wurden. Schachfiguren, die nur da sind, um die Geschichte voranzutreiben. Wie Kane, der in Light verliebt war, am Ende gehandelt hat, war für mich nicht nachvollziehbar. Gar nicht. Und für jemanden, der bereits 150 Jahre alt ist, hat er sich nicht so ganz angemessen verhalten.

Crispin, der Bösewicht der Geschichte, ist für mich auch eher durchgefallen. Er sollte der geniale, brutale Boss der Terrorgruppe Censio sein. Aber die ganze Gruppe war chaotisch und in ihrem Vorgehen etwas wirr. Mir hat es hier an Konsequenz gefehlt und ich hatte von Anfang an den Eindruck, dass er nicht auf Versöhnung aus ist. Für mich war er schlichtweg nicht gut genug ausgearbeitet.

Die Nebencharaktere hatten genug Charakter um eine eigene Persönlichkeit zu haben, aber keine Chance sich weiter zu entwickeln, weil sie keine so große Rolle gespielt haben.

Die beiden Hauptcharaktere haben mir ganz gut gefallen, die anderen Personen waren jedoch durch ihr irrationales Verhalten manchmal etwas mechanisch und unrealistisch. An dieser Stelle hätte ich persönlich nochmal den Rotstift in die Hand genommen und überarbeitet, weil Potenzial da ist, das nicht genutzt wurde.

Ende:

Das Ende fand ich irgendwie frisch und mir gefiel, dass die Geschichte abgeschlossen, aber nicht zu Ende war. Es hat mich glücklich und neugierig gemacht, wie es mit der Welt weitergeht.

Die Gesamtwertung:

Ich mochte das Setting sehr gerne! Mir gefiel die Welt und der Schreibstil und ich fände es toll, noch mehr Geschichten aus der Welt der Delegierten zu lesen. Gerne auch mit anderen Charakteren. Ein paar Abzüge gibt es für mich bei den Charakteren. Alles andere sind eher kleine Kritikpunkte, die dem Lesevergnügen keinen Abbruch tun.

Ergibt insgesamt also 3,5 Seesterne!3,5seesterne.png


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Warum ich Psychologie studiere und wie es mich beim Schreiben beeinflusst

Warum ich Psychologie studiere und wie es mich beim Schreiben beeinflusst

Ich studiere Psychologie im 5. Semester Bachelor. Warum? Weil mich Menschen und ihre Beweggründe faszinieren. Weil ich finde, dass seelische Wunden oft schwerer behandelbar sind und leichter übersehen werden, aber oft länger schmerzen als körperliche Verletzungen. Und weil ich mit ca. 15 Jahren nach einem Nervenzusammenbruch bei einer Psychologin war, deren Unfähigkeit und mangelnde Sensibilität bis zum Himmel stank. Nach drei Sitzungen habe ich beschlossen, so eine kompetenzfreie Person nicht mit Zeit und Geld würdigen zu wollen. Ich war fertig, aber ich habe auch gemerkt, dass in schwierigen Zeiten wahre Freunde und meine Familie zu mir stehen. Etwas hat „Klick“ gemacht und ich konnte mich selber am Kragen packen und aus der Grube ziehen. Es fing an als „trotziger“ Gedanke.

Das kann doch jeder besser als diese Zimtziege„, habe ich gedacht, „Das kann ich besser!

Ich kannte nun das dunkle Loch, in das Menschen fallen können und im Laufe meines Lebens habe ich auch viele andere hineinfallen sehen. Die Überlegung war lange vorher da, aber – und dafür muss ich dieser inkompetenten Frau wohl danken – der Entschluss, Psychologie zu studieren fiel in dieser Zeit. Bis es dann soweit war, vergingen einige Jahre und ich machte auch ein Frewilliges Soziales Jahr in einer psychiatrischen Klinik (um sicherzugehen, dass ich mit psychisch kranken Menschen wirklich umgehen und ihnen helfen kann). Heute bin ich hier, schreibe bald meine Bachelorarbeit und arbeite an meinem ersten Buch.

Psychologie und Schreiben – wie hängt das zusammen?

Ich habe schon immer gerne anderen zugehört und geholfen, ich sage zu selten Nein und denke manchmal erst zuletzt an bzw. zu negativ über mich. Ich denke aber generell viel nach, habe Fantasie und frage mich, was andere Menschen erleben und denken. Das sind wichtige Mermale für Psychologen und alle, die mit Menschen arbeiten wollen. Aber auch für Autoren.

Psychologie ist nicht, wie viele denken, begrenzt auf psychische Erkrankungen und Kliniken. Und Sigmund Freuds Theorien sind längst überholt und stark überarbeitete Elemente sind nur rudimentär in der heutigen Tiefenpsychologie zu finden. Aber: Psychologie ist überall. Im Supermarkt wenn die günstigen Sachen unten stehen, in Autocockpits mit neuer Benutzeroberfläche, in der Neurologie, in Werbeanzeigen, in Bewerbungsverfahren, in Coachings, in Konflikten, in unserer täglichen Wahrnehmung. Grundlegende Modelle zu Sender-Empfänger, Stressentstehung oder Aufmerksamkeit werden der Psychologie zugerechnet. Im Bachelorstudium lernt man deswegen vor allem Grundlagen. Wie funktioniert Wahrnehmung, wie Informationsverarbeitung, was sind Gründe für Fehler in diesen Systemen, warum verwenden Menschen Heuristiken, was reguliert die Amygdala, ab welchem Alter entwickeln Kinder die Theory of mind, welche Diagnostik-Verfahren gibt es etc. etc. … – praktisch Relevantes habe ich im „reinen“ Studium, also durch Vorlesungen, bisher weniger gelernt. Das Wissen kommt vor allem aus den dazugehörigen Praktika und anwendungsbezogenen Seminaren.

Gedanken lesen, Leute analysieren und ihr ganzes Leben auseinander nehmen kann kein Psychologe, den ich kenne. Wenn jemand drei Stück Zucker in seinen Kaffee tut, weiß ich nicht ob seine Eltern ihn vernachlässigt haben, ob seine Geschmacksnerven verkümmert sind oder ob er ein süßes Schleckermaul ist. Ich weiß nur, dass er drei Stück Zucker in seinen Kaffee gibt und dafür wahrscheinlich einen Grund hat (und dass ich das widerlich finde). Vielmehr geht es in der Psychologie, meiner Erfahrung nach, darum, die richtigen Fragen zu stellen. Gibt es auch Momente, in denen Sie sich nicht traurig fühlen? Warum stört Sie die Interaktion mit XY, können sie mir dafür ein konkretes Beispiel geben? Was tut Ihnen gut? Was müsste sich ändern, damit Sie sich besser fühlen?

Wenn ich Bücher lese, dann sind neben der Geschichte und dem Schreibstil für mich vor allem die Charaktere wichtig. Sie müssen Motive, Gründe haben und sollten dreidimensional sein, keine platten Konstrukte auf Papier. Sie können silbernes Haar haben, das im Licht wie Mondschein glitzert, aber wenn sie die emotionale und logische Reichweite einer Erdnuss haben hilft das alles nicht. Ich versuche in meinen Büchern großen Wert darauf zu legen, dass jeder Charakter seine eigene Geschichte hat. Frei nach dem Motto „Der Antagonist ist der Held in seiner eigenen Geschichte“. Das gilt aber auch für die beste Freundin der Heldin oder den Bruder oder den Typ von nebenan. Wenn ein Charakter eine gewisse Rolle spielt, braucht er in meinem Kopf neben einem Gesicht auch Eigenschaften, die ihn charakterisieren. Natürlich baue ich gerne Erfahrungen aus meinem Studium und den Praktika mit ein.

Wie verhält sich jemand mit einer posttraumatischen Belastungsstörung, welche Symptome können sich wann zeigen und wodurch ausgelöst werden? Wie denkt jemand, der eine Essstörung hat? Wie nimmt jemand die Welt wahr, wenn er an Depressionen leidet?

Dafür muss man nicht unbedingt Psychologie studieren, es gibt genug Fachbücher, die einem das Wissen vermitteln können. Was am meisten hilft, ist: Menschen um sich herum beobachten und wahrnehmen. Gespräche führen, Dinge und Einstellungen zu hinterfragen. Offen gegenüber Menschen und Interessen zu sein, die einem selbst fremd, dumm oder schlichtweg gleichgültig sind. Ist die oberflächliche Tussi mit den gemachten Fingernägeln wirklich einfach ein gemeiner, zickiger Mensch oder wurde sie in der Vergangenheit verletzt und gibt sich nun wie eine Löwin? Sind die feierwütigen Nachbarn wirklich nur laute, nervige Menschen oder führen sie im Rausch bei Rotwein und Gras auch tiefe, philosophische Gespräche? Was für Träume und Ziele haben sie? Warum lieben sie das, was sie lieben? Warum mag ich das vielleicht nicht? Was macht uns gleich und was unterscheidet uns?

Ich stelle Fragen, bleibe neugierig und versuche jeden Menschen losgelöst mit der größtmöglichen Offenheit gegenüber all seinen Eigenarten zu betrachten.

Einfühlungsvermögen, Fantasie, Offenheit, Interesse, Flexibilität.

Das sollte ein guter Psychologe meiner Meinung nach mitbringen. Stempel reichen nicht aus und wer blind nach Lehrbuch sein Manual runterspult wird den Menschen nie auf die Art helfen können, wie jemand der tiefer blickt.

Für einen Autor sind diese Eigenschaften ebenso wichtig, wenn er ein Buch schreiben möchte, das tiefgründig, bunt und vielschichtig ist.

Es spielt ineinander und sich mit der menschlichen Psyche und ihrer Geschichte auseinanderzusetzen bereichert nicht nur ein mögliches Buch, sondern auch einen selbst.

[Leseprobe] Antagonist Nr. 1

[Leseprobe] Antagonist Nr. 1

Ich schreibe selbst. Eine Urban Fantasy Geschichte, ein Genre-Mix aus Mystery, Horror mit Humor-Elementen. Leider habe ich oft nicht so viel Zeit und Muße, wie ich gerne hätte. Aber die Rohversion wird bald fertig sein. (Übrigens: Habt ihr schon meine Leseprobe gelesen?)

Wenn ich nicht schreibe, überarbeite ich gerne die ersten Kapitel, die im NaNoWriMo 2015 entstanden sind. Dabei bin ich auch über den allerersten Auftritt eines Antagonisten gestolpert.

Die treibende Kraft der Geschichte, der eigentliche Grund, warum meine Protagonisten sich zusammenschließen ist ein Wesen, das im ganzen Text nichts sagt. Eine scheußliche Kreatur, die selbst die Hölle in Aufruhr versetzt:

Das Biest

Es nahm alle Wärme, alles Leben aus dem Raum hinfort, es war als würde es die Zeit trinken. Die Leere breitet sich aus wie Nebel. Die leise Panik verwandelte sich in Leere. Victorias Herz schien still zu stehen, so langsam schlug es. Auch Dawn fühlte ein Gewicht auf ihrer Brust, in ihren Gliedern, das jede Muskelbewegung zu einem Kraftakt werden ließ. Vics Finger zitterten, obwohl sie keine Angst verspürte. Als hätte sie jemand von ihrem Körper und ihren Gefühlen abgetrennt. Rational wusste sie, dass etwas Seltsames, vermutlich Gefährliches vorging, aber die kalte, surrende Energie betäubte sie. Es wurde immer schwerer klar zu denken, so als versinke man langsam mit dem Gesicht im Kissen und mit dem Geist im Land der Träume. Dawn entglitt ihre Waffe und landete mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden. Victoria konnte einen seltsamen Fuß im Türrahmen sehen, wie ein Huf, aber viel zu dünn. Wie eine Wolke schob sich das Etwas in den Hausflur. Umgeben von einer schwarzen, wabernden Substanz, die wie zotteliges Fell den Körper des Wesens überzog. Es hatte einen Schädel aus bleichen Knochen, eine Form, wie sie weder Dawn noch Victoria je zuvor gesehen hatten. Sowohl menschliche Züge, dennoch gleich einer Ziege und mit Stoßzähnen, die verschnörkelt waren. Dort wo die Augen hätten sitzen sollen waren lediglich zwei unförmige Löcher, aus denen ein leichtes Licht zu scheinen schien. Es mochte unlogisch sein, aber es schien Victoria fast als ob die Finsternis an dieser Stelle glühte. Das Wesen machte kein einziges Geräusch und es besaß keinen Schatten. Vielmehr war es selbst kaum mehr als ein absonderlich geformter Schädel und eine verdichtete Dunkelheit. So stellte sie sich ein schwarzes Loch vor, das alles Licht und selbst die Sterne verschluckte.

  • Auszug aus „Save Our Souls“ (Arbeitstitel)

Was denkt ihr darüber? Läuft es euch eiskalt den Nacken hinunter oder zuckt ihr nur unbeeindruckt mit den Schultern? Was ist für euch die Essenz eines guten Bösewichts?