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[Rezension] Lillesang: Das Geheimnis der dunklen Nixe von Nina Blazon

[Rezension] Lillesang: Das Geheimnis der dunklen Nixe von Nina Blazon

Dieses Buch stand tatsächlich recht lange ungelesen in meinem Regal. Es war ein absoluter Coverkauf. Glitzerschuppen, Meer, ihr dürftet mich inzwischen gut genug kennen. Aber nun habe ich es endlich beendet. Bisher haben mich die meisten Nixen/Meerjungfrau Bücher enttäuscht.

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Konnte Nina Blazon mich mit ihrem Kinder-/Jugendbuch überzeugen? Die Rezension ist wie immer spoilerfrei. <3

  • Titel: Lillesang – Das Geheimnis der dunklen Nixe
  • Autorin: Nina Blazon
  • Verlag: cbt Verlag
  • Genre: Fantasy, Kinder-/Jugendbuch
  • Taschenbuch*: 9,99€ | Ebook*: 8,99€
  • Einzelband, 413 Seiten

 

Worum geht’s?
Die elfjährige Jo fährt mit ihren Eltern nach Dänemark um das Haus ihrer kürzlich verstorbenen Großtante auszuräumen. Von dieser Großtante wusste niemand, denn Jos Mama tut alles dafür, um ihre eigene Vergangenheit zu verschleieren. Aber die alten Fotos im Haus, das Säuseln des Meeres und die düsteren Geschichten über ein Monster in Fischgestalt, das arglose Menschen in die Tiefen des Meeres zieht gehören alle zu einem uralten Geheimnis, das Jos Familie betrifft und sie, ihre neugewonnenen Freunde und ihre ahnungslose Mutter bald in große Gefahr bringen.

 

Meine Meinung:

Nixen, Geheimnisse, das Meer – alles Elemente, die mich unglaublich glücklich machen können. Andererseits erwarte ich mir auch was, von allen Büchern, die sich mit schillernden Schuppen kleiden. Zum Glück hat mich Nina Blazon nicht enttäuscht.

Dass das Buch sich an jüngere Leser richtet merkt man am Alter der Protagonistin Jolanda, die 11 Jahre alt ist. Für eine Elfjährige ist sie aber ziemlich gewieft, trotzdem noch verletztlich und bockig, aber nicht dumm. Das ist angenehm, denn oft stört mich bei Büchern, die auf eine jüngere Zielgruppe zugeschnitten sind, wie dämlich sich die Kinder anstellen.lillesang2

Generell lässt sich das Buch auch als Erwachsener wunderbar lesen, der Schreibstil ist malerisch und fließt sanft dahin wie ein Bächlein. Manche Begriffe werden natürlich extra erklärt, aber das stört nicht weiter.

Ich fand das Buch hatte eine interessante Struktur und war nach einem etwas schleppenden Start sehr spannend. Man wurde in die Geschichte hineigesogen und Nina Blazons schöner Schreibstil sorgte für ein lebendiges Kopenhagen und malerische dänische Standhäuser. Wo man von Nixen spricht, ist auch „Die kleine Meerjungfrau“ von Hans-Christian Andersen nicht weit und das Märchen wurde auf zauberhafte Weise mit der Geschichte verknüpft. Der Plot hat mich begeistert, denn zuerst fürchtete ich, wir würden das Märchen nacherzählt bekommen, aber so war es ganz und gar nicht.
Wie ein Strudel zieht uns die Geschichte in ihren Bann und da ist es leicht, sich aufs Glatteis führen zu lassen, auch wenn man ab der Hälfte schon erkennen kann, worauf es hinauslaufen wird. Die endgültige Auflösung ist dann dennoch traurig-schön und viel wunderbarer geschrieben, als man das erwartet hätte.lillesang3

Ich dachte mir nur an manchen Stellen: „Wow für ein Kinder/Jugendbuch ganz schön düster und bedrohlich.“
Mir hat es sehr gut gefallen, aber für jüngere Leser hat das Buch bestimmt den ein oder anderen albtraumreifen Moment. Ich hab auch als Kind schon gerne gruseliges Zeug gelesen, aber das sollte man als Leser*in definitiv wissen, bevor man das Buch seinem Kind in die Hände gibt. Am Ende dachte ich mir aber, ich würde gerne mehr von Jos, Mads‘ und Julies Abenteuern lesen.

Stellenweise war es ein bisschen ungalubwürdig, was die Kinder so alleine bewerkstelligen konnten, ohne aufzufallen und verhaftet zu werden. Auch manche Dialoge wirkten etwas hölzern und erzwungen.

Ansonsten bin ich mit dem Buch aber rundum zufrieden und ich muss es einfach nochmal sagen: Es. ist. so. schön. Diese glitzernden Schuppen machen das gebundene Buch einfach zu einem meiner allerliebsten Buchschätze und es ist einfach nur schön anzuschauen. Ein verträumtes Wasserbuch, nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für alle, die mit dem Thema was anfangen können. Außerdem ist Kopenhagen auf meiner Reiseliste ein ganzes Stückchen weiter nach oben gewandert.

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Fazit:

Auch, wenn mir das Geheimnis schon relativ früh klar wurde, so finde ich nicht, dass man dem Buch Vorhersehbarkeit anlasten kann, denn es hat definitiv einige Irrungen und Wirrungen und bleibt trotzdem spannend. Außerdem ist es eben für eine jüngere Zielgruppe gedacht. Die Märchenanspielungen, die schönen Beschreibungen und der wunderbare Plot machen dieses Buch für mich zur perfekten Badewannen-Blubber-Lektüre. Einen klitzekleinen Abzug gibt es aber für ein paar kleine Ungereimtheiten.

4,5seesterne

Weitere Stimmen zum Buch:


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Bücherregaltour #2 – Meine liebsten Schätze

Bücherregaltour #2 – Meine liebsten Schätze

Im zweiten Teil meiner Bücherregaltour widmen wir uns nun meinem „richtigen“ Bücherregal, das vollgestopft ist mit allerlei bunten und wild durchgemischten Titeln aus allerlei Verlagen und Genres.

Bücher*

  1. Diana Wynne Jones – Die Ingary Trilogie
    Howl’s moving castle: Das Buch auf dem der bekannte Ghibli Film basiert. Sophie wird durch den Fluch einer Hexe in eine alte Frau verwandelt und sucht den Zauberer Howl auf, von dem man sagt, er fresse die Herzen junger Mädchen. Sophie ist ja jetzt alt – was soll also passieren?
    (auf amazon)
    Castle in the air: In seinen Träumen ist der arme Abdullah der Sohn eines vergessenen Königs. Als er eines Tages einen fliegenden Teppich erhandelt trifft er auf die Tochter des Sultans. Doch Banditen und Dschinns stehen den Glück im Wege.
    (auf amazon )
    House of many ways: Charmaine ist bei ihrem Onkel einem großen Zauberer und dessen verrückten, magischen Haus. Eine Tür führt sie an einen Ort, an dem sie eigentlich nicht sein sollte. Dabei trifft sie auf die Zauberin Sophie.
    (auf amazon )
  2. Nina C. Hasse – Ersticktes Matt
    Ein außergewöhnlicher Steampunk-Krimi. Ein Serienmörder treibt sein Unwesen. Scheinbar zusammenhangslos sterben verschiedene Menschen. In ihren Händen finden sich Schachfiguren. Gesichtsanalytiker Remy Lafayatte wird unsanft in den Fall hineingezogen als es persönlich wird. Meine Rezension findet ihr hier. (auf amazon)

  3. Ransom Riggs – Peculiar Children Trilogie
    Die Insel der besonderen Kinder: Die Geschichten von Jacobs Großvater über besondere Kinder mit außergewöhnlichen Fähigkeiten scheinen zu aberwitzig um wahr zu sein. Als Großvater jedoch auf ungewöhnliche Weise umkommt, geht Jacob auf Spurensuche und purzelt in eine andere Zeit und das Abenteuer seines Lebens. (auf amazon | beim Verlag)
    Die Stadt der besonderen Kinder: Durch das kriegsgebeutelte London müssen die besonderen Kinder sich kämpfen, um die Hollows aufzuhalten.
    (auf amazon| beim Verlag )
    Die Bibliothek der besonderen Kinder: Es geht hinab nach Hell’s Acre, den Ort an dem die ausgestoßenen Besonderen leben. Der letzte Showdown, der alles entscheidet.
    (auf amazon| beim Verlag)
    Meine Reihenvorstellung findet ihr hier.
  4. Sarah J. Maas
    Throne of Glass 1: Die Erwählte – Assassinin Celaena Sardothien erhält nach Gefangenschaft in den Salzminen die Chance auf Freiheit. Wenn sie für den Prinzen Dorian im Tournier seines Vaters, des Königs, gewinnt kann sie dessen Champion werden. Doch im Schloss wartet mehr als ein Tournier auf Celaena…
    Meine Rezension findet ihr hier.
    (auf amazon | beim Verlag)
    Throne of Glass 2: Kriegerin im Schatten – Die Ereignisse aus Band 1 klingen nach und nichts ist wie es scheint. Wem kann Celaena vertrauen und kann sie gegenüber einem grausamen König loyal bleiben?
    (auf amazon | beim Verlag)
    Das Reich der sieben Höfe 1: Dornen und Rosen – Die Jägerin Feyre wird ins Reich der magischen Fae entführt, nichts ist wie es scheint. Um die Welt zu retten, muss sie auch ihre Liebe retten. Alle Teile lehnen lose an verschiedenen Märchen an.
    (auf amazon | beim Verlag)
  5. Lynn Raven: Seelenkuss
    Prinzessin Darejan flieht aus dem Verließ ihrer eigenen Schwester, der Königin. Sie flieht mit einem mysteriösen Gefangenen und versucht, das Königreich zu retten.
    (auf amazon | beim Verlag )

 

Na, was lest ihr gerade? Und wo stehen eure Lieblingstitel im Regal?

 


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[Rezension] Victoria Scott – Dante Walker: Seelensammler

[Rezension] Victoria Scott – Dante Walker: Seelensammler

Kennt ihr die Videospielreihe „Devil May Cry“ um den weißhaarigen und coolen Halbdämon Dante? Nein?

Dann habt ihr was verpasst. Ich bin nahezu konditioniert alles was nach Dante und Dämon klingt zu inspizieren. So oder so ähnlich landete auch „Dante Walker“ auf meiner Wunschliste und ich konnte ein Exemplar über tauschticket ergattern!

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Victoria Scott – Dante Walker: Seelensammler

Worum geht’s?

Dante Walker, ein cooler, abgebrühter ehemals 17-Jähriger ist Seelensammler des Teufels. Für den Big Boss in der Hölle stempelt er Seelen ab, verführt und verleitet die Menschen zum Sündigen. Und er ist gut in seinem Job. Sein nächster Auftrag könnte ihn an die Spitze seiner Karriere katapultieren, doch der Fall erweist sich als schwierig. Die siebzehnjährige Charlie Cooper, ein unschuldiges Mauerblümchen mit einem Herz aus Gold. Knapp neun Tage bleiben ihm, um ihre Seele in den Besitz der Hölle zu bringen. Doch das Leben, das Charlie ihm zeigt, bringt seinen Entschluss ins Wanken. Und warum ist der Teufel an einem so unscheinbaren Mädchen interessiert? Bald muss Dante erkennen, dass er es mit Himmel und Hölle aufnehmen muss, wenn er sich und Charlie beschützen will.

Band 2 „Dante Walker – Seelenretter“ ist bereits erschienen.

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Meine Meinung:

Das Cover wirkt cool und düster, passend zu höllischen Dämonen. Für mich wirkt es jedoch wesentlich erwachsener und dunkler als der eigentliche Inhalt des Buches. Dennoch finde ich die Gestaltung gelungen, die Farben würden Dante jedenfalls sehr gut gefallen.

Der Schreibstil ist locker, jugendlich und frech. Die Autorin lässt Dante aus der Ich-Perspektive erzählen. Seine Kommentare sind bissig, seine Gedanken manchmal fies-gemein bis niedlich. Das Buch liest sich locker und angenehm, manchmal war es mir jedoch ein wenig zu langatmig. Dennoch mochte ich Dantes Sarkasmus, seine Kommentare und seine seltsame Gehirnwelt.

Vom Inhalt hatte ich mir etwas anderes erwartet. Das Buch wirkt in seiner Aufmachung sehr erwachsen, der Klappentext verspricht eine außergewöhnliche Geschichte. Stattdessen bekommen wir eine Teenie-Romanze. Bad Boy trifft engelgleiches Mädchen, sie schafft es durch ihre reine, fehlerfreie Art ihn zum Nachdenken anzuregen. Hölle, Teufel, Dämonen? Das Element gibt der Geschichte zwar einen interessanten Twist und bringt Spannung, war für meinen Geschmack aber zu öde, zu wenig böse, zu wenig Hölle.

Die Charaktere haben mir solala gefallen.

  • Erzähler Dante Walker ist ein cooler Bad Boy und mit fünfzehn wäre ich sicher auf ihn abgefahren. Heute möchte ich ihn manchmal tätscheln, manchmal liebevoll ohrfeigen, weil er sich aufführt wie ein pubertierender Idiot. Sein Schicksal konnte mich jedoch nicht so mitreißen, dennoch war er mir der liebste Charakter im Buch. Und „cool“ ist er für mich leider nicht wirklich, dazu reichen schnieke Klamotten und rote Chucks nicht. Sorry, da nehme ich lieber den Devil May Cry Dante.  Positiv merke ich jedoch an, dass er als Kerl echt in Ordnung ist und ehrlich um Charlie bemüht. Da habe ich schon wesentlich ekligere Love Interests gehabt.
  • Zielobjekt Charlie hingegen bleibt blass, unerreichbar. Sie ist so naiv und rein und unschuldig, dass man mehrfach die Augen verdrehte. An ihr ist scheinbar nichts Schlechtes, keine Grautöne. Sie wird als graue Maus beschrieben, die am Ende durch innere Schönheit strahlt und die bei genauem Hinsehen glatt ein Engel sein konnte. Aber ihre Einzigartigkeit und Freundlichkeit, ihre reine Seele ist es, die Dante zum Nachdenken bringt… *Gähn*
  • Die Nebencharaktere Annabelle, Blue und die Ziehmutter von Charlie sowie Dantes Kumpel Max wirken austauschbar. Zwar hat man hier und da den ein oder anderen Charakterzug, aber sonst bleiben sie klischeehaft und dienen nur dem Zweck. Eine beste Freundin, die immer den Schubs in die Richtung gibt. Ein Kumpel, der als Liebesrivale auftritt. Ein paar Dilemmata und fertig.

Das Ende. Nun ja, ich denke, ich empfand es als sehr weit hergeholt. Es war klar, dass es so oder so ähnlich enden würde. Ein paar Probleme beseitigt, ein paar Neue kommen hinzu. Für mich wirkte es sehr generisch und konstruiert, deus ex machina. Es gibt keinen bösen Cliffhanger aber dennoch ist die Geschichte um Charlie und Dante noch nicht zu Ende.

Mein Fazit:

Meh. Das Buch ist für mich weder besonders schlecht noch besonders gut. Ich habe etwas anderes erwartet und war deshalb ein wenig enttäuscht, nur eine klischeehafte Teenie-Romanze vorzufinden. Die Charaktere sind blass und öde. Dante wirkt nur etwas lebendiger, weil wir die Geschichte durch seine Augen erleben. Zwar ließ sich das Buch gut und schnell lesen, aber mehr als eine kurzweilige Unterhaltung konnte es nicht bieten. Ich glaube aber, dass mein jüngeres Ich das Buch gut gefunden hätte. Für jüngere Leser oder Fans von unspektakulären übernatürlichen Romanzen ist die Geschichte dennoch zu empfehlen. Von mir gibt es drei Seesterne.

Werde ich Band 2 lesen? Vielleicht.

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Weitere Stimmen zum Buch:


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[Rezension] The Hate U Give von Angie Thomas

[Rezension] The Hate U Give von Angie Thomas

Es wird gehyped, gehyped und gehyped. „The Hate U Give“, kurz THUG, der Debütroman von Angie Thomas, einer schwarzen Autorin aus den USA. Ist die Welle der Begeisterung gerechtfertigt?

Ich habe mir das englische Hardcover gekauft, als es kurzzeitig im Angebot war. Gelesen habe ich es zusammen mit ein paar lieben Leuten – u.a. Leseratz, Isabel, Eva, Liila, Sophia und Nise – in einer Leserunde (#readingthug)

Diese Rezension ist spoilerfrei, leichte Andeutungen konnte ich jedoch nicht vermeiden.

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Worum geht’s?

Nach einer Party wird die 16-jährige Starr von ihrem Kindheitsfreund Khalil nach Hause gefahren. Jedoch werden sie von einem weißen Officer angehalten, die Situation ist angespannt und eskaliert: Khalil wird erschossen und stirbt in Starrs Armen. Ein brisantes Thema, eine Tragödie wie viele anderen. Weißer Cop erschießt schwarzen Jugendlichen. Die Nachrichten machen schnell die Runde. In Garden Heights, Starrs Viertel, in dem hauptsächlich Schwarze wohnen, starten Proteste, die Stimmung brodelt und es wird nach Rechtssprechung gerufen.
Justice for Khalil„, schallt es durch die Straßen.
Die Medien zeichnen ein anderes Bild und nehmen den Cop in Schutz. Khalil sei ein Drogendealer, ein Gangster, ein Bandenmitglied gewesen. Inmitten all dessen ist Starr hin- und hergerissen, denn sie lebt in zwei Welten. Einmal mit ihrer Familie in Garden Heights und einmal auf der weißen Privatschule, auf die ihre Freunde und auch ihr fester Freund Chris geht. Niemand weiß, dass sie die ominöse Zeugin ist, die zum Zeitpunkt des Geschehens mit in Khalils Auto saß. Sie hat Angst vor den Konsequenzen, Angst vor den Veränderungen und Angst, ihre eigene Identität als Schwarze aufzugeben, wenn sie nicht dafür sorgt, dass Khalil Gerechtigkeit widerfährt.  Wird sie ihre Stimme erheben und damit ihr eigenes Leben, ihre Freundschaften und Beziehungen aufs Spiel setzen?

  • Genre: Jugendbuch
  • Verlag: cbt Verlag (deutsch), Walker Books Ltd. (Englisch)
  • Hardcover*: 17,99€ (deutsch) | Ebook*: 13,99€ (deutsch)| Taschenbuch*: 7,99€ (englisch)

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Meine Meinung:

Das Hardcover besticht durch sein schlichtes, aber aussagekräftiges Design. Die Taschenbuchversion wirkt unauffällig, schlicht und deswegen mag ich das gebundene Buch viel lieber. Außerdem wirkt es frischer, aktueller und jugendlicher.

Da ich das Buch auf englisch gelesen habe, kann ich nichts zur deutschen Übersetzung sagen. Ich fand das Buch ließ sich gut lesen, nur eine Slang-Ausdrücke musste ich googlen. Es war spannend und treffend geschrieben, wir begleiten Starr als Ich-Erzählerin, erhalten Einblick in die Gedankenwelt eines modernen, sechzehnjährigen Mädchens und das bringt der frische, peppige Schreibstil klar rüber. Hier und dort gab es einige Wortwiederholungen, besonders „snickered“ ist mir immer wieder aufgefallen. An sich war das aber nicht störend und der Schreibstil als Stilmittel wurde gut genutzt und steht auch eher im Hintergrund der Geschichte und ihrer Botschaft, was vollkommen in Ordnung ist. Für einen Debütroman hat Angie Thomas hier eine solide Leistung abgeliefert und uns Starrs Welt bunt, chaotisch und lebhaft gezeichnet.

Wir haben einige Charaktere in diesem Buch: Allen voran unsere Protagonistin und Erzählerin Starr, ein schwarzes Mädchen aus einer großen, liebevoll-strengen Familie, die in zwei Welten lebt. Einmal in dem Viertel Garden Heights, wo ihr Vater einen kleinen Supermarkt betreibt: ärmlich, etwas heruntergekommen, mit vielen Problemen, aber mit einer starken schwarzen Gemeinschaft. Auf der anderen Seite geht sie seit einem Vorfall in ihrer Kindheit auf eine weiße Privatschule, auf der sie fast die einzige Person mit dunkler Hautfarbe ist. Dort gibt sie sich anders und versucht mit aller Macht nicht „Ghetto“ oder „abgeranzt“ rüberzukommen, sondern wie ein cooles, schwarzes Mädchen. Auch ihre Freunde Maya, Hayley und ihr fester Freund Chris (den sie vor ihrer Familie insbes. ihrem Vater geheim hält, weil er weiß ist) besuchen diese Schule. Der Kontrast der beiden Welten wird immer wieder deutlich, in dem wie sich die Charaktere geben, was sie sagen und was sie besitzen, was sie beschäftigt. Im Verlauf der Geschichte erleben wir einige Reibereien und Freundschaften gehen zu Bruch. Maya hat chinesische Wurzeln, womit Chris und Hayley neben dem Officer die einzigen weißen Personen sind, die eine größere Rolle spielen. Chris war mir sehr sympathisch und ich mochte, wie er dargestellt wurde. Ein bisschen tollpatschig, aber lieb und herzensgut, ehrlich um Starr bemüht.

Dann gibt es noch Starrs Familie, ihren Vater Maverick, einen ehemaligen Dealer und Gangster, der es sich nach seinem Aufenthalt im Gefängnis in den Kopf gesetzt hat, auch anderen zu helfen und sich sehr für die Recht der Schwarzen und Frieden im Viertel einsetzt. Starrs Mama Lisa ist Krankenschwester und besticht durch ihre liebevolle Strenge, ihre aufmerksamen Worte und ihr großes Herz. So eine Mama kann man sich nur wünschen. Zusätzlich besteht die Familie noch aus ihre kleinen Bruder Sekani und ihrem Halbbruder Seven, dessen leibliche Mutter die Geliebte des größten Drogenbosses des Viertels ist. Ihr Onkel Carlos ist ebenfalls Polizist und zeigt uns, dass es keine „Seiten“ sondern nur Menschen gibt.

Außerdem treten noch Kenya, leibliche Tochter des Drogenbosses und DeVante, ein junger Dealer, er aus dem Geschäft aussteigen will, auf.

All diese vielen Charaktere werden durch Angie Thomas Erzählstil, ihre Gespräche und die kleinen, detailreichen Infos zu lebendigen Menschen, zu Freunden und Feinden. Auch wenn ich über Starrs Vater manchmal nur den Kopf schütteln konnte und die Begeisterung für Sneaker und Basketball nicht nachvollziehen kann – ich habe mich mit Starr wie ein Teil dieser Welt gefühlt. Wie ein Teil von Garden Heights und der schwarzen Community. Und das als weißes Mädchen, das im idyllischen Allgäu aufgewachsen ist und bis zu ihrem Grundschulalter nur eine dunkelhäutige Person kannte. Natürlich spielt dieses Geschichte in Amerika und ich weiß nicht inwiefern man überhaupt Deutschland und Amerika in dieser Hinsicht vergleichen kann. Jedoch wurde mir klar, dass es durchaus viele Unterschiede gibt, viele Dinge, die uns unverständlich erscheinen, aber auf ihre Weise bezaubernd und cool sind z.B. der gemeinschaftliche Zusammenheit, das politische Wissen & Engagement von Starrs Familie. Dinge, die einem als verwöhntes weißes Dorfkind, in dem Alter noch ganz fremd waren.

Inhaltlich ist das Buch brisant wie nie. Auf der ganzen Welt machen rechtsgesinnte Personen Lärm und es fühlt sich manchmal nicht an, als wären wir in 2017 und hätten Apartheid, Sklaverei und die schlimmste Zeit des Rassismus hinter uns. Rassismus, Tokenismus und all diese Dinge sind real und sie schmerzen. Kleine Worte, unbedachte Aussagen und die Weigerung einer großen Mehrheit der weißen, priviligierten Gesellschaft diese herrschenden Unterschiede zu sehen, führen eher dazu, dass wir uns als Gesellschaft wieder zurückentwickeln. Dabei wollen alle Menschen dasselbe: Eine liebevolle Familie, Sicherheit und das Nötigste zum Leben. Aber nicht nur Rassismus und die Frage nach Recht und Unrecht spielen in diesem Buch eine Rolle. Ich denke, The Hate U Give ist viel zeitloser, denn es geht auch um Selbstfindung, Identität, Dankbarkeit, darum toxische Freunde ziehen zu lassen, um die eigene Stimme und die Bedeutung von Mut, Familie und Liebe. All diese Themen untergebracht in einer spannenden und emotional bewegenden Geschichte, die uns mitreißt und uns betroffen, wütend und traurig macht. Angie Thomas ist es gelungen schwierige Themen in ein fesselndes Jugendbuch zu verpacken und Facetten zu zeichnen. Grautöne und kein Schwarz & Weiß. Wir haben „gute“ Cops und „böse“ Cops, wir haben „gute“ weiße und schwarze Personen und wir haben „böse“ weiße und schwarze Personen. Es ist kein Buch, das wütend mit dem Finger zeigt und beschuldigt. Es ist ein Buch, das stattdessen Doppelmoral aufdeckt, das die richtigen Fragen stellt und die richtigen Beobachtungen macht. Es zeigt, wie blauäugig und ignorant wir manchmal sind und wie wenig uns oft bewusst ist, wie es in einem anderen Teil der Gesellschaft aussieht. Es hat mich oft sehr nachdenklich gestimmt und mich über mein eigenes Verhalten nachdenken lassen.

Das Ende hat mir gut gefallen, es hat gepasst und es wirkte real und hoffnungsvoll, wenngleich nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Es war ein Ausschnitt aus Starrs Leben, den wir begleiten durften, eine Geschichte die erzählt wurde und erzählt werden musste.

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Fazit:

Für mich ist der Hype absolut gerechtfertigt. „The Hate U Give“ ist eine packende, brisante Geschichte, verpackt in eine zeitlose Geschichte mit vielen wichtigen Botschaften. Angie Thomas beweist durch ihre Erzählung und ihre Charaktere ein unfassbar hohes Maß an Sensibilität, an Beobachtungsgabe und Einfühlungsvermögen. Sie schließt nicht verbittert ab, sondern hoffnungsvoll und motivierend. Ich habe Starrs Stimme gehört und ich hoffe, dass ganz viele Leute dieses Buch lesen und auch den Ruf vernehmen, den unsere mutige Heldin Starr in die Welt hinausschreit.

Ich gebe diesem Buch 5 Seesterne. Ich könnte zwar Abzüge wegen Schreibstil und einigen klischeehaften Charakteren geben, aber das möchte ich nicht. Denn die Geschichte und die Botschaft sind das wichtige und das einzigartige an diesem Buch. Wäre ich eine Deutschlehrerin würde ich es auf jeden Fall mit in meinen Lehrplan aufnehmen. Lest es, wenn ihr die Zeit findet. Lest es.

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Weitere Meinungen zum Buch:

 


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