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[Rezension] Der Circle von Dave Eggers

[Rezension] Der Circle von Dave Eggers

Ich durfte Ende letzten Jahres dem bayerischen Buchclub „Bücherbrezn“ beitreten und wir haben uns für das erste Treffen 2018, unter dem Thema „Preisträger“, Der Circle von Dave Eggers vorgenommen.

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Bücherbrezn <3

(Danke an JD & Gizem, dass ich mir das Buch von euch ausleihen durfte. <3)


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Dave Eggers: Der Circle

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  • Titel: Der Circle
  • Autor: Dave Eggers | Übersetzer: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
  • Verlag: KiWi
  • Genre: nahe Zukunft, gesellschaftskritisch, Cyberdrama/SciFi (560 Seiten)
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Worum geht’s?
Mae wird beim modernen Business-Giganten „Circle“ eingestellt. Vernetzbarkeit, ständige Erreichbarkeit, Online-Bewertungen und Digitalisierung. Mit TruYou, das alle sozialen und privaten Konten vereint hat das Unternehmen den Markt erobert. Videoaufnahmen aus aller Welt werden zugänglich, Personen aufzuspüren und wird durch ständige Ortung erleichtert, Tracker messen Puls, Schlaf, Gesundheit. Alles wird „sozial“, greifbar, überwachbar, alles wird geshared, geliked, kommentiert und geteilt. Zuerst ist Mae etwas überrumpelt, aber sie braucht das Geld für ihren an MS erkrankten Vater. Ihr Exfreund Mercer zeigt ihr deutlich, dass er negativ über all diese Überwachungskultur denkt. Bald wird sie immer tiefer in den Circle verwickelt und muss sich bald fragen, ob „Circle“ alles zum Guten oder zum Schlechten verändern wird.

Meine Meinung:

Das Buch wurde hochgelobt, mit Preisen bestückt und als das „Schöne neue Welt“ als „1984“ unserer Generation gelobt. Da ich die ersten beiden – zu meinem eigenen Bedauern – noch nicht gelesen habe, kann ich darüber nicht urteilen. Aber die Thematik ist ähnlich.

Technik, soziale Medien, ständige Erreichbarkeit, gläserne Menschen – all das sind auch Themen der heutigen Zeit, mehr noch als vielleicht vor fünf Jahren. In Instastories berichten viele über ihren Alltag, auf twitter wird der Gedankenmüll abgeladen, Influencer regen uns zum Kauf von Produkten an, amazon und Google stimmen die Werbung auf uns Nutzer ab. Neue Technologie bringt viele Vorteile, macht vieles einfacher und bequemer, aber sie hat meistens auch Schattenseiten. In früheren Zeiten wurde das Fernsehen verteufelt, dann der Computer, heute die Videospiele und die Smombies. Heute liebe ich twitter, aber vor mehreren Jahren hätte ich nicht gedacht, dass aus mir mal ein Social Media Mensch wird, der im Internet einen Blog betreibt und allerlei Mist postet. Eltern, Lehrer, Gesellschaft: Immer wieder wird vor den Folgen gewarnt.
Deutschland ist sehr skeptisch und oft hintendran was neueste Technik und das Internet angeht. Ein Teil dieses Skepsis ist aber durchaus berechtigt und hätte den Charakteren von „Der Circle“ definitiv gut getan.

Zuerst wirkt das Unternehmen streng, wie jedes andere Großraumbüro. Mit Sportplätzen, Veranstaltungen und internen Kursen und Clubs wie ein modernes, reiches Unternehmen. So stellt man es sich bei Google oder Apple vor. Jedem noch so kleinen Zahnrädchen im Betrieb wird versichert, wie wichtig und wie individuell es ist. Bewertungen und Feedback halten die Motivaton oben und die Gemeinschaft wird gelebt und gefeiert. Aber Menschen sind Menschen und unterliegen menschlichen Lastern. Gier, Neid, Neugier, Wut, Eifersucht, Hass. Keine Transparenz der Welt kann diese Schattenseiten ausmerzen. Anfangs ist Protagonistin Mae überfordert von all dem „Social“ und all dem „Media“, aber sie arbeitet sich ein, freundet sich mit anderen Circlern an, gerät in den Strudel der charismatischen Chefs, die alle nur „Die drei Weisen“ nennen.

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Der Kontakt zu ihrer Familie schwindet, die Bande nach außen zerbröckeln, denn der Circle ist eine eigenen Welt und alle, die nicht in den Circle wollen oder Kritik äußern passen nicht hinein. Privatsphäre? Nö. Wozu, wenn wir alles teilen und nichts verurteilen? Aber der Circle verurteilt.
Zum Beispiel Maes Exfreund Mercer, der dem ganzen Nichts abgewinnen kann und lieber allein und offline in seiner Werkstatt Kunstwerke aus Holz anfertigt. Der Circle verurteilt Maes Freundin Annie für deren Urururururgroßvater, der einen schwarzen Sklaven hatte. Der Circle verurteilt fehlende Partizipation am Circle.

Und während Mae all das verstören sollte, beginnt sie zu einem der wichtigsten Rädchen der Geschichte zu werden. Das hat auch mit dem geheimnisvollen Kalden zu tun. Mae: Wahnsinnige oder Visionärin? Die Frage müssen wir uns als Leser*in am Ende des Buches selbst stellen. Ich persönlich habe mir ganz viele lilafarbene „WASLÄUFTNURFALSCHMITEUCH?!“-Markierungen gemacht. 😀

Protagonistin Mae macht mich persönlich so wahnsinnig, durch ihre bockige, intolerante Art. Sie glaubt, dass ihr Weg der Richtige ist, vielmehr, dass es nur schwarz und weiß gibt und will nur das Gute am Circle sehen. Jegliche Kritik, jegliche Bedenken mäht sie gnadenlos nieder, will für Offenheit stehen und ist doch verlogen und selbstdarstellerisch. Natürlich macht sie das Buch zu dem, was es ist, sorgt für den verstörenden Effekt, zeigt den Reiz und den Sog von Gemeinschaften und Anerkennung in Form von Likes, Shares etc. – aber sie ist trotzdem einfach nur grauenvoll.

Mercer und Maes Eltern sind die wenigen Charaktere außerhalb des Circles die wir kennen lernen. Sie gehören zu den Wenigen, die Kritik äußern. Fundierte Kritik und Argumente, die auf taube Ohren stoßen. Sie sind die Exempel, die uns klar machen, zu was all das im schlimmsten Fall führen kann. Weil wir sie besser verstehen als Mae oder den sektenhaften Circle, leiden wir mit ihnen.

Durch die ausufernden Beschreibungen des Circle, Maes Tätigkeiten und den Strukturen hat das Buch einige Längen. Es ist kein Buch, das besonderen Lesespaß bereitet, auch wenn es nicht schlecht geschrieben und durchaus spannend ist.

Im Vergleich zum Film ist das Ende im Buch besser gelungen, viele Momente waren eindringlicher und verstörender. Selbst Emma Watson konnte Mae nicht sympathisch machen. Die Massendynamik und die Örtlichkeiten wurden im Film gut dargestellt, ließen sich aber auch leichter mit Bildern zeigen als in Worten.

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Fazit:

Das Buch regt zum Nachdenken an, verstört und lässt uns unseren eigenen Umgang mit Daten und Social Media überdenken. Wie weit will ich andere an meinem Leben teilhaben lassen? Das Buch hat einige Längen und Hauptcharakter Maes unsympathische, intolerante Art sorgten bei mir für genervtes Aufstöhnen. Insgesamt ist das Buch jedoch sehr interessant, aktuell und definitiv einen Blick wert. Aber wirklich Freude hatte ich beim Lesen nicht. Die 3,5 Seesterne haben eher eine Tendenz zur 3.

 

3,5seesterne

 

Weitere Stimmen zum Buch:

 


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