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Visual Novels – Sind das echte Bücher?

Visual Novels – Sind das echte Bücher?

Visual Novels – Sind das echte Büchter?

„Videospiele und Bücher geht nicht miteinander? Purer Frevel?“ – Tja, Pustekuchen!

Für mich können auch Games „Bücher“ sein. Videospiele, die auf Büchern basieren. Bücher, die auf Videospielen basieren. Klar, dass es auch Hybriden gibt. Videospiele sind auch nur ein Medium, um Geschichten zu transportieren. Manche tun das ohne viele Worte, dafür mit Action oder Rätseln, andere sind wortlastiger.

Und dann gibt es das Videospiel-Genre: Visual Novel.

(c) MoaCube

Aber was genau ist das?

Novel, also Buch, ist bereits im Titel enthalten. Ein Visual Novel ist ein Buch zum Durchspielen. Meist durch die Perspektive eines Protagonisten erleben wir die Geschichte aus erster Hand. Aber was ist daran Spiel? Anhand verschiedener Dialogoptionen können wir den Verlauf live beeinflussen! Ob wir uns mit bestimmten Charakteren anfreunden, ihnen durch Schmeicheleien wichtige Hinweise entlocken oder einfach nur schneller sterben, weil wir dem Killer vertrauen – Visual Novels erlauben interaktives Eintauchen in die Geschichte.

Meistens gibt es Illustrationen von Hintergründen, Schauplätzen und Charakteren. Detailgrad und Aufwändigkeit variieren von Spiel zu Spiel. Manchmal gibt es als Videos animierte Zwischensequenzen oder die Charaktere bewegen beim Sprechen die Lippen. Auch Audio, ob die Charaktere bzw. jede Textstelle vertont ist, variiert. Meistens hat der*die Protagonist*in keine eigene Stimme.

Nur mit der Maus

(c) Idea Factory

Zusätzlich verzichten sie meist komplett auf andere Spielelemente – man muss weder auf Buttons dreschen, noch Monster bekämpfen oder über gefährliche Abgründe springen. Manchmal gibt es kleine Rätsel oder Minispiele, die allerdings oft optional oder sehr einfach sind. Abzugrenzen von Visual Novels sind sog. Point and Click Adventures wie „Monkey’s Island“ oder „Edna bricht aus“ bei denen man mit der Gamewelt interagieren, Dinge finden und Rätsel lösen muss. Auch Wimmelbildspiele sind ein extra Genre, da auch hier Rätsel und eben Suchbilder auf den Spieler warten.

Verschiedenste Genres

Besonders populär sind Visual Novels vor allem in Japan, wo sie auf der PSP und auf der PS Vita immer noch häufig über die Ladentheke wandern. Lange Zeit schafften es nur wenige japanische Titel auch zu uns nach Europa, doch so langsam kommt auch der westliche Nutzer auf den Geschmack. So sind auf Steam inzwischen zahlreiche Japano Visual Novels mit englischer Übersetzung erhältlich. Deshalb findet sich bei den meisten Visual Novels auch die typische Anime-Grafik wieder, doch auch westliche Entwickler wagen sich an ihre eigenen Games (z.B. Cinders, Demonheart).

Auch die Genres sind variabel. Beliebt sind Dating Sims, wo es in der Geschichte darum geht, das Herz eines jungen Bachelors oder einer Bachelorette zu erobern. Wem das zu normal ist, der kann bei Hatoful Boyfriend Tauben daten (Ja, ehrlich!). Dabei gibt es wirklich niedliche Liebesgeschichten, aber auch eher fragwürdige und übergriffige Szenarien (z.B. Diabolik Lovers). Auch was den Detailgrad der Liebelei angeht, gibt es Unterschiede: Bei manchen wird der Bildschirm schwarz, wenn die Liebenden ins Bettchen hüpfen und bei manchen sieht man in regelrecht pornografischen Darstellungen alles.

Andere Visual Novels verknüpfen komplexe Mystery-Thriller oder historische Begebenheiten mit fantastischen Elementen und kommen komplett ohne Romanze aus.

Spieldauer

An einem 300 Seiten Buch liest man je nach Tempo und Inhalt mehrere Stunden. Die meisten Visual Novels haben eine Spieldauer von 3 Stunden aufwärts. Zusätzlich gibt es durch die Dialogoptionen diverse Routen der Geschichte, die man begehen kann. Ob alternative Enden, versteckte Easter Eggs und Grafiken – man kann sich austoben.

So habe ich bei Demonheart ca. 5 Stunden gespielt, um zumindest alle möglichen Enden zu erhalten – nicht aber alle Dialoge und Bilder. Bei Hakuoki Kyoto Winds bin ich mit 10 Stunden nur mit einem Charakter bisher an ein Ende gekommen und möchte drei weitere Charaktere auch unbedingt noch durchspielen.

Viele Visual Novels sind hochkomplex aufgebaut. Manche Dinge lassen sich nur durch bestimmte Abfolgen von Antworten freischalten.

Tsundere, Yandere, Deredere – was?

Da viele Visual Novels und viele Dating Visual Novels (auch Bishoujou oder Otome Games genannt) aus Japan kommen, hilft es, sich mit japanischer Popkultur und deren Tropes auszukennen.

  • Als Tsundere betitelte Charaktere sind kratzbürstig, kaltschnäuzig und triezen ihr Love Interest oft, aber nur um ihre wahren Gefühle zu überspielen.
  • Yandere hingegen sind auf den ersten Blick liebevoll, freundlich und zuverlässig. Aber sie verbergen ihre kontrollsüchtige, krankhaft eifersüchtige Natur. Falls ihr mit anderen Leuten redet oder euer Yandere euch wegdriften spürt, kann es sein, dass ihr in einem Käfig eingesperrt oder getötet werdet (Ich bin immer noch nicht über Touma hinweg tbh).
  • Deredere sind flirty Charaktere, die alles und jeden anbaggern. Oft haben sie gute Gründe für ihr promiskuitives Verhalten und sie wirklich zu knacken und für sich zu gewinnen, ist schwierig.
  • Kuudere sind reservierte, kühle Charaktere, die ohne viele Worte auskommen. Auch sie brauchen eine Weile zum Auftauen.

Natürlich gibt es auch weitere Charakterarchetypen, die in Visual Novels verwendet werden. Der sportliche, freundliche Typ, der hübsche Prinz oder der dämonische Bad Boy. Oft teilen sich die Charaktere auch in „S“ und „M“ ein, angelehnt an Sadismus und Masochismus, und zeigen die Dominanz des jeweiligen Charakters.

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Aber Vorsicht!

Dass einige Games mit ihren Romanzen nicht nur an der Grenze zu Missbrauch schrammen, ist leider auch dem japanischen Frauenbild bzw. dem Ideal von Beziehungen geschuldet. Deswegen ist es hilfreich, sich Infos zu holen, bevor man das Spiel kauft und eventuell angewidert wieder weglegt. So gibt es bei dem populären Diabolik Lovers kein Love Interest, dass die Grenzen der Protagonistin respektiert und sie nicht mindestens einmal ausnutzt (Shuu ist da noch der „Romantischste“ von allen). Und dann geht es euch wie mir: Ihr freut euch auf das Spiel, romanced einen Charakter, der nett wirkt und wacht im nächsten Moment in einem Käfig in seinem Zimmer auf – yay!

Aus „Fashioning Little Miss Lonesome“ (c) Kalmia8 | MangaGamer

Wenn ich den ersten Durchlauf spiele und so antworte, wie ich wirklich antworten würde sterbe ich lustigerweise überdimensional oft oder komme zu einem vorzeitigen Ende. Das ist meistens aber eher witzig als schlimm. Bei „Fashioning Little Miss Lonesome“ gibt es zahlreiche urkomische alternative Enden.

Es gibt im Internet auch einige kostenlose Visual Novels, andere sind mit bestimmten Einheiten (z.B. 5 Aktionen pro Tag) begrenzt. Auch gibt es viele Raubkopien, da Visual Novels lange Zeit überhaupt nicht im Westen erhältlich waren. Bitte kauft die Spiele auf legalem Wege!

Lohnen sich Visual Novels?

Für ein Hardcover zahlt man heute zwischen 19 bis 15€ und hat ca. 5-6 Stunden Lesezeit. Für Visual Novels zahlt man um die 20-40€ und hat oftmals mehr als 5 Stunden „Lesezeit“ plus Grafiken, verschiedene Entscheidungsmöglichkeiten und Musik/Ton. Meiner Meinung nach lohnen sich Visual Novels absolut.

Ein kleiner Wehmutstropfen: Viele Visual Novels gibt es bisher nur mit englischer Textausgabe. Eine Liste deutscher Visual Novels gibt’s bei Visual-Novel.de!

Ich würde nur, wie oben gesagt, empfehlen sich vorher genauer über die Inhalte des Spiels zu informieren. Zu manchen gibt es auch Anime-Adaptionen, die aber durchaus seltsam sind wenn z.B. in jeder neuen Folge ein anderer Charakter gedatet wird.


Falls ihr möchtet, kann ich euch die Visual Novels, die ich gespielt habe, ausführlicher vorstellen. Schreibt mir dazu gerne in die Kommentare, ob euch das interessiert!

Auf jeden Fall sind hier ein paar der Visual Novels, die ich entweder schon durchgespielt oder zumindest angespielt habe:

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Fashioning Little Miss Lonesome
  • Entwickler/Publisher: Kalmia8/Manga Gamer
  • Sprache: Japanisch (Ton) | Englisch (Text)
  • Genre: Romantische Komödie
  • explizite Sexszenen per kostenlosen DLC erhältlich und jederzeit per ON/OFF auszuschalten
  • auf Steam (22,99€)

Amnesia: Memories
  • Entwickler/Publisher: Idea Factory & Design Factory
  • Sprache: Japanisch (Ton) | Englisch (Text)
  • Genre: Mystery, Romantik
  • keine expliziten Sexszenen, aber Gewalt/Missbrauch (je nach Route)
  • auf Steam (16,79€)

Demonheart
  • Entwickler/Publisher: Rolling Crown
  • Sprache: Englisch (Ton & Text)
  • Genre: Fantasy Abenteuer
  • Romanze optional, keine expliziten Sexszenen
  • auf Steam (21,99€)

Hakuoki: Kyoto Winds & Hakuoki 2: Edo Blossoms
  • Entwickler/Publisher: Idea Factory & Design Factory
  • Sprache: Japanisch (Ton) | Englisch (Text)
  • Genre: Historisch, Fantasy, leichte Romantik
  • Romanze optional, keine expliziten Sexszenen
  • man muss Kyoto Winds nicht gespielt haben, da man am Anfang von Edo Blossoms eine Zusammenfassung erhält und sich die Entscheidungen aus Teil 1 nicht auf Teil 2 auswirken
  • auf Steam (27,99€ einzeln, 44,78€ als Bundle)

Cinders
  • Entwickler/Publisher: MoaCube
  • Sprache: Englisch (nur Musik, keine Synchronisierung)
  • Genre: Märchenadaption, Fantasy, Mystery, Romantik
  • keine expliziten Sexszenen
  • auf Steam (17,99€)

Im Titelbild: Amnesia V. Edition, Hakuoki: Edo Blossoms, Diabolik Lovers: More Blood (Idea Factory), Steins; Gate Zero (PQube)