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[Rezension] Schuldig von Kanae Minato

[Rezension] Schuldig von Kanae Minato

[Rezension] Schuldig von Kanae Minato

Vor ca. 2 Jahren habe ich mein erstes Buch von Kanae Minato gelesen und war absolut begeistert von „Geständnisse“. Nun ist ihr neues Buch erschienen und ich habe es vom C. Bertelsmann Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank!


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  • Autorin: Kanae Minato, aus dem Japanischen übersetzt von Sabine Mangold
  • Titel: Schuldig
  • Verlag: C. Bertelsmann
  • Genre: Drama, Spannungsroman
  • 320 Seiten, geb.: 18€ | Ebook: 15,99€
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Worum geht’s?
Fünf Studenten wollen ein Wochenende auf einer Berghütte verbringen. Doch einer von ihnen, Hirosawa, stirbt bei einem Autounfall auf der kurvigen Bergstraße. Drei Jahre später plagen Fukase immer noch Schuldgefühle. Verstärkt werden diese nur als eines Tages ein Zettel mit den Worten „Du bist ein Mörder“ für ihn auftaucht. Fukase begibt sich auf Spurensuche. Wer war Hirosawa und war es vielleicht doch kein tragisches Unglück?


Meine Meinung:

Die Prämisse des Buches erinnert an klassische Horrorfilme: „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ oder Ähnliches. Dennoch kommt alles ganz anders als erwartet. Unser Erzähler ist einer der fünf Studenten von damals – Fukase – und ihn begleiten wir durch das Buch. Er hat den Tod seines Freundes nicht wirklich überwunden, plagt sich mit Schuldgefühlen und seiner eigenen Unsicherheit.

Fukase ist ein Charakter mit reichem Innenleben. Er grübelt und denkt sehr viel nach. Dabei beschreibt er seine Umgebung sehr genau, vor allem Essen und Trinken. Das Buch lädt wirklich zu einer Tasse Kaffe und zu Honigbroten ein. Ein Großteil des Buches spielt im bezaubernden Café Clover, in dem Fukase nachdenkt und verschiedenste Kaffeemischungen ausprobiert. Hier fühlt er sich zuhause und wird nicht ständig von Gefühlen der Unzulänglichkeit geplagt.

Denn er sieht sich als langweiligen, leeren Versager mit einem unspektakulären Leben. Die anderen haben es immer etwas besser oder leichter. Gleichzeitig schwingt eine gewisse Arroganz mit dieser Klarheit mit. Neben dem Café ist sein Lichtblick seine neue Freundin Mihoko. Doch diese präsentiert ihm eines Tages einen Zettel auf dem steht „Fukase ist ein Mörder“. Und er beginnt zu erzählen, was wirklich in dieser Nacht geschehen ist.

Doch damit ist das Buch nicht beendet. Wie auch „Geständnisse“ gliedert es sich in Abschnitte. Im zweiten Abschnitt fährt Fukase in Hirosawas Heimat um mehr über seinen verstorbenen Freund und auch den Schreiber des Briefes herauszufinden. Im dritten Akt spitzt sich alles zu und wir bekommen eine Lösung präsentiert.

Milch Kaffee und Honig

Die Biene auf dem Buch und der gelbe Schriftzug lassen vermuten: Es geht auch um Honig. Der Honig wird immer recht beiläufig erwähnt. Fukase rührt ihn sich gerne in den Kaffee – was für viele wie ein Affront wirkt – nach dem Probieren doch auch andere Charaktere im Buch begeistert. Kaffeebohnen, Honigsorten, Buchweizennudeln und Gebäck – bei dem Buch wird man hungrig und durstig. Kanae Minato beschreibt die Leckereien, ihre Zubereitung und ihre Wirkung sehr präzise. Durch ihren Charakter offenbart sie wieder einen sehr scharfen und klaren Blick auf die japanische Gesellschaft. Auf Konformität, Angepasstheit, innere Leere und zurückgestellte Träume und Gefühle.

Es ist ein Buch, dass sehr eng mit dem japanischen Wesen verknüpft ist. Denn in einem anderen Land hätte die Geschichte und auch ihre Auflösung vielleicht nicht so funktioniert. Weil es in Kanae Minatos Japan mehr Zurückhaltung, mehr Unausgesprochenes und mehr Vorbehalte gibt als vielleicht in Deutschland wo die Leute im Bus über ihren letzten Urologen-Besuch reden. Das macht es spannend und auch ein bisschen frustrierend.

Ein kleines bisschen zähflüssig…

Das Buch plätschert mir teilweise etwas zu ruhig vor sich hin. Der große Unbekannte, der Verfasser der Briefe, ist über das Buch hinweg wenig präsent. Zwar beschleicht einen immer mal wieder so ein kleiner Verdachtsmoment oder ein ungutes Gefühl – aber wirklich beklommen und ängstlich war ich selten. Anders als „Geständnisse“, dass sehr schonungslos und deutlich war, erlebt man bei „Schuldig“ eher eine dramatische Zuspitzung als eine Achterbahnfahrt. Das hat durchaus auch seinen Charme, es ist trauriger und aussichtsloser. Mehr Drama als Thriller.

Das Gemeine an dem Buch ist – es gibt quasi zwei Auflösungen. Einmal erfahren wir die Identität des Briefverfassers und einmal noch was wirklich zu Hirosawas Tod geführt hat. Mein Verdacht bezüglich des Briefschreibers formte sich schon ab der Mitte des Buches und war dann auch tatsächlich richtig. Dennoch eine schockierende Enthüllung, die einige weitere Fragen aufwarf. Die Umstände zu Hirosawas Tod werden auf der letzten Seite enthüllt und haben mich mit der Wucht eines Güterzuges umgefahren. Was für ein Schachzug am Ende!

Kanae Minato hat auch schon „Geständnisse“ mit einem Knall beendet, der genial war und im Gehirn gekitzelt hat. Sie beantwortet die wichtigsten Fragen, aber viele Details bleiben ungeklärt, das weitere Geschehen bleibt ungeklärt. Man fragt sich vieles, ist entsetzt, aufgewühlt, nachdenklich. Und doch ist es gut, dass das Buch genau hier endet. Für mich ist klar: Auch das nächste Kanae Minato Buch darf hier ohne Vorbehalte einziehen!

Fazit:

Wieder ein erzählerischer Geniestreich von Kanae Minato. „Schuldig“ ist ein spannendes Drama mit einem bombastischen Ende. Leider gelingt es nicht das ganze Buch über die Spannung und die beklemmende Stimmung aufrechtzuerhalten. Dafür spürt man die tiefe Trauer, Wehmut und auch die Reue der Charaktere. Ein nachdenkliches Buch mit vielen Fragen über das Leben, über Freundschaft und Unausgesprochenes. Es hat mir sehr gut gefallen und das Ende lässt mich einfach nicht los.

Weitere Meinungen:

 


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[Rezension] Geständnisse von Kanae Minato

[Rezension] Geständnisse von Kanae Minato

Dieses Buch stand schon seit einiger Zeit auf meiner Wunschliste. Ich habe mich neu auf dem Bloggerportal von Randomhouse* angemeldet und als ich den Titel entdeckte, habe ich es direkt angefragt. Tatsächlich bekam ich es dann auch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

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Kanae Minato – Geständnisse

Worum geht’s?

Die Tochter der Lehrerin Frau Moriguchi ertrinkt im Schwimmbad der Schule. Doch das Ganze ist kein Unfall: Zwei ihrer Schüler sind verantwortlich. Und Frau Moriguchi möchte Rache. Aus mehreren Perspektiven spinnt sich eine Geschichte über die tiefen Abgründe der menschlichen Psyche zusammen, die Lage in der Klasse spitzt sich zu und es gibt weitere Tote. Das Böse und der Wahnsinn schlummern in jedem, wie wir durch die verschiedenen Kapitel aus der Sicht mehrer Personen erfahren.

  • Genre: psychologisches Drama
  • Verlag: Bertelsmann
  • gebunden*: 16,99€ |Ebook*: 13,99€

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Meine Meinung:

Das Cover ist schlicht, wirkt beinahe harmlos, lediglich der blutende Apfel lässt uns vermuten, dass das Buch nicht ganz so unschuldig ist, wie die Aufmachung es vermuten lässt. Auch wenn ich das Design mag, hätte ich mir gewünscht, dass vielleicht ein Bezug zur Geschichte hergestellt werden könnte z.B. in Form eines Häschens oder einer Milchtüte.

Kanae Minatos Schreibstil lässt sich flüssig lesen, wir sind direkt im Kopf der betreffenden Figuren und sie versteht es auch durch die Ausdrucks- und Schreibweise, den verschiedenen Charakteren Leben einzuhauchen und ihre Persönlichkeit penibel zu zeichnen. Die Übersetzung erscheint mir gut gelungen, denn die ein oder anderen japanischen Eigenarten kommen gut zur Geltung und die Formulierungen finde ich passend gewählt.

Allzu viel kann ich an dieser Stelle nicht zu viel über die Charaktere verraten, denn sie bilden das Herzstück der Geschichte. Ihre Abgründe, Motive und Entwicklungen treiben das Geschehen voran. Wer ist wirklich Schuld? Was war der Auslöser? Kleine Erfahrungen wirken wie winzige Zahnräder in einer Maschinerie und scheinbar beiläufige Begegnungen und Erlebnisse führen letztendlich zu den grausamen Geschehnissen im Buch. Wie wird jemand Böse? Warum töten jemand? Kanae Minato erzählt es uns und für den jeweiligen Charakter ergibt es Sinn. Verstörend.

Lehrerin Moriguchi, Mizuki, Shuuya, Naoki, Naokis Mutter. Alle spielen sie eine wichtige Rolle, alle sind sie Teil der Spirale des Verderbens.

Der Inhalt des Buches ist einzigartig und höchst beklemmend. Bereits nach wenigen Seiten ist klar, dass dieses Buch anders erzählt als die meisten Bücher. Die japanische Psyche, gewisse Ansichten über Pflichtgefühl, Schuld – die Geschichte funktioniert vor allem, weil sie dort spielt, wo sie spielt und weil die Charaktere so sind, wie sie sind. Als Leser findet man es unverständlich und doch ergibt es Sinn, dass es kommt wie es kommen muss. Nach und nach decken wir immer ein Stückchen mehr der Wahrheit auf und haben wir Mitleid mit den Charakteren bleibt am Ende nur eine leichte Verstörtheit zurück. Wer ist das wahre Opfer, wer ist wirklich Schuld – kann man überhaupt irgendjemanden verantwortlich machen? Diese genaue Analyse der Bösartigkeit der Menschen, der perfide Aufbau, der genaue Blick in die Psyche der Charaktere – all das fesselt ungemein. Das Buch hat zwar nur knapp 300 Seiten, dennoch war ich ungewöhnlich schnell durch, einfach weil es mich so sehr in seinen Bann gezogen hat. Ein dramatischer Thriller, bösartig und hoffnungslos.

Das Ende lässt uns schockiert zurück. Es spitzt sich zu und am Ende wissen wir nicht, ob irgendjemand in diesem Buch irgendetwas gewonnen oder erreicht hat. Wir können aufatmen, die beklemmende, spannende Geschichte ist vorbei und wir finden uns sicher in unserem gemütlichen Bett wieder. Wir haben schreckliche Dinge erfahren und zu wissen, wozu Menschen fähig sind, wenn nur viele kleine Puzzlestücke zusammenkommen, ist wahrlich beängstigend.

Mein Fazit:

Wow, was bin ich beeindruckt. Ich hatte viel Gutes über das Buch gehört und ich dachte nicht, dass es mich so fesseln kann. Ich bin ein großer Fan der japanischen Kultur, auch wenn ich einige in Japan übliche Charakterzüge und Denkweisen als ziemlich toxisch empfinde. Die Psyche und die geistige Gesundheit, das sind flatterhafte Dinge und es scheint einfach, sie zu zerreißen. Die Geständnisse der Charaktere lesen sich gleichsam spannend, wie verstörend. Das Buch ist ein düsteres, perfides Kammerspiel und ich kann es allen Fans von japanischem Horror (nicht übernatürlich) und psychologischen Krimis/Thrillern ans Herz legen. Es lässt mich frösteln, grübeln und nachdenken und ich musste mich sofort hinsetzen und diese Rezension schreiben. Dafür gibt es von mir eine klare Leseempfehlung und 5 Seesterne.

5seesterne


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