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[Rezension] Deutsch sein und schwarz dazu von Theodor Michael

[Rezension] Deutsch sein und schwarz dazu von Theodor Michael

Februar ist Black History Month, der Kultur und Geschichte von Menschen mit schwarzer Hautfarbe gedenkt und feiert. Ein Monat, um sich bewusst zu werden, wie wenig man als deutsche Kartoffel darüber weiß und nur ein Monat für die komplette Geschichte der Menschheit. Ich wollte diese Gelegenheit dennoch dazu nutzen, mich mehr mit dem Thema auseinander zu setzen. Dafür habe ich die Biografie eines Deutschen gelesen, der den zweiten Weltkrieg überlebt hat – wie viele andere Deutsche. Und dessen Geschichte dennoch unbekannt und unwirklich erscheint, weil wir eben über diese Seite der Geschichte kaum nachgedacht haben.

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  • Autor: Theodor Michael9783423348577
  • Titel: Deutsch sein und schwarz dazu – Erinnerungen eines Afro-Deutschen
  • Verlag: dtv
  • Genre: Biografie, Zeitzeugenbericht (224 Seiten)
  • über amazon*: Taschenbuch 9,90€ | Ebook 7,99€
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Worum geht’s?
In diesem Buch beschreibt Theodor Michael sein Leben. Er wurde 1925 als Sohn eines Kameruners und einer Deutschen geboren und wuchs mit seinen Geschwistern in Berlin auf. Er hat viel erlebt, war beim Zirkus, wurde von verschiedenen Familien großgezogen und überlebte den zweiten Weltkrieg mit all seinen Schrecken und Gefahren. Theodor studierte, gründete seine eigene Familie und wirft in dieser Lektüre einen bewegenden Blick zurück als ein Zeitzeuge eines ereignisreichen und zugleich schrecklichen Jahrhunderts.

 

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Meine Katze hat sich sehr gefreut, dass ich das Buch in fast einem Rutsch durchgelesen habe, ohne mich groß zu bewegen. 😉
Meine Meinung:

Mit 224 Seiten ist das Buch wahrlich nicht dick, dennoch ist es schon länger her, dass ich ein Buch innerhalb von 24 Stunden beendet habe.

Theodor Michael beginnt ganz am Anfang bei seiner Geburt und gliedert verschiedene Aspekte und Thematiken seines Lebens in kleine Blöcke von 2-3 Seiten, die sich sehr schnell lesen lassen und trotzdem zusammenhängend sind. Durch den reflektierenden Schreibstil, ständige Andeutungen und Ausblicke auf spätere Ereignisse fliegt man durch die Seiten und möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Ehrlich, schonungslos und ohne unnötige Ausschmückungen schildert Theodor Michael seinen Werdegang, seine Probleme und seine Gedanken. Er wird in Deutschland geboren, spricht deutsch und gerade als kleiner Junge, versteht er kaum, warum er von anderen seltsam beäugt wird. Erst später schämt er sich für die demütigenden Völkerschauen, auf der dunkelhäutige Menschen in Baströckchen als unzivilisierte Wilde zur Schau gestellt werden.

Aber er muss lernen, damit umzugehen. Wie man Polizeikontrollen hinter sich bringt, wie man Situationen deeskaliert, wie man gehorsam ist und möglichst wenig auffällt. Lange muss er Wünsche und Träume zurückstellen. Was für andere selbstverständlich ist, wird ihm meist verwehrt, für vieles muss er kämpfen. Besonders bedrücken und ängstlich stimmen einen beim Lesen die Anfänge und schließlich die Hochphase des Nationalsozialismus und der zweiten Weltkrieg. Zwar entgeht Theodor dem Konzentrationslager, aber er wird in ein Arbeitslager gepfercht und leidet, funktioniert wie eine Maschine, um irgendwie zu leben. Als Leser mag man denken, dass mit dem Sieg der Aliierten der Horror vorbei ist, aber es gibt weiterhin Missgunst, Vorurteile und die harten Nachkriegsjahre hinterlassen ihre Spuren.
Zeitzeugenberichte verdeutlichen eindringlicher als jedes Geschichtsbuch die Auswirkungen großer politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen. Währungsreform, Besatzungszonen – all diese abstrakten Begriffe erwecken mit Theodor Michaels Worten zum Leben und man wird sich der Konsequenzen bewusst, die diese für die einzelnen Menschen hatte.

Theodor hat nicht aufgegeben, er reflektiert, interpretiert und kann durch den zeitlichen Abstand einen nüchternen Blick auf sein schwieriges, aber durchaus schönes Leben werfen. Er schreibt nicht verbittert, voller Hass, sondern hoffnungsvoll und mild. Mild, selbst, im Umgang mit Menschen, die grausam waren und ihm Unrecht taten. Seine Frau und er, seine Kinder und Enkel leben seine Vision. Harmonie bedeutet nicht, niemals zu streiten, sondern den anderen zu akzeptieren und gemeinsam eine Lösung zu suchen. Welche Schwierigkeiten Theodor, seine Geschwister, seine Familie und seine Mitmenschen erleben musste, welche Entbehrungen, Verluste, welche Momente des Glücks – all das bewegt und ist unglaublich interessant und man kann nicht anders, als am Ende der Lektüre vollsten Respekt vor diesem Mann und seinem Leben zu haben.

 

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Es liegt nicht an den Diskriminierten etwas gegen die Diskriminierung zu tun, sondern an den Diskriminierenden und denen, die meist nur zusehen und rumstehen, anstatt sich ein Herz zu fassen und Vorurteilen und Hass mutig entgegen zu treten.
Empathie und einander verstehen ist so wichtig. Sich mit anderen, ihren Gedanken, Schicksalen und Gefühlen auseinanderzusetzen ist nicht immer angenehm oder leicht, aber unumgänglich, wenn man sich persönlich weiterentwickeln will. Und, um zu verhindern, dass Hass, Ausgrenzung, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit erneut in dem Ausmaß um sich greifen wie zu Zeiten des Nationalsozialismus.

Das Buch fesselt durch seine Geschichte und den schmucklosen Schreibstil, jedoch wird Theodors zweite Lebenshälfte weniger ausführlich behandelt. Dabei hätte ich mir gewünscht auch davon etwas mehr zu erfahren, wie es mit den Kindern und seiner Ehefrau Friedel war. Das ist mein einziger Wermutstropfen.

 

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Fazit:

Insgesamt spreche ich für das Buch eine absolute Leseempfehlung aus. In der Schule hing mir der 2. Weltkrieg zwar zum Hals heraus, aber es ist so wichtig, sich stetig mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ehrlich, ungeschönt und dennoch mit der Weisheit eines ganzen Lebens erzählt Theodor Michael seine Geschichte, die stellvertretend für viele Schicksale steht. Auch, wenn es hauptsächlich seine Erinnerungen sind, hätte ich gerne noch etwas mehr über das Leben seiner Kinder und seiner Frau Friedel gelernt und über deren Ansichten und Gefühle. Ansonsten ist das Buch eine interessante, lehrreiche und spannende Lektüre, die sich schnell lesen lässt.

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Leseliste zum Black History Month

Leseliste zum Black History Month

Leseliste zum Black History Month

Was ist der Black History Month? In vielen anderen Ländern wird im Februar der Kultur und Geschichte von PoCs (=people of color) gedacht. In Deutschland gibt es kleinere Veranstaltungen z.B. in Hamburg.

Vorweg: Ich bin eine Kartoffel aus einem richtig kartoffeligen Dorf im Allgäu – viel Erfahrung zum Thema Rassismus kann ich also nicht vorweisen. Ich weiß nur, dass ich bis zur Mittelstufe nur eine dunkelhäutige Person kannte. Dass ich kaum etwas über die Kultur und die Geschichte außerhalb von Deutschland und Mitteleuropa in der Schule gelernt habe. Dass ich nicht erahnen kann, wie sich jemand fühlen muss, der in einem urbayerischen Dorf voller Konservativer schräg angeschaut, angepöbelt und beleidigt wird.
Es ist mir egal, welche Hautfarbe jemand hat“ – Nein, es ist nicht egal, solange jemand dadurch benachteiligt und diskriminiert wird.

Ich hoffe, dass es vielleicht irgendwann mal egal sein wird wie wir aussehen. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. Jeder von uns hat irgendwelche Vorurteile und nur, wenn wir uns bewusst und aktiv damit auseinandersetzen, können wir Rassismus besser bekämpfen.

Black History Month

Für den Februar, den Black History Month, habe ich mir gezielt ein paar Bücher von PoC Autoren herausgesucht, die ich diesen Monat lesen möchte. Denn die Vielfalt in der Literatur hängt auch immer davon ab, welche Bücher gekauft werden. Habt ihr gerade ein Buch von PoC Autor*in zur Hand? Nein? Vielleicht inspiriert euch dann dieser Blogeintrag… Hier findet ihr eine Liste von Büchern, die ich irgendwann noch lesen möchte. Ich möchte meinen Horizont erweitern. Leuten zuhören, die Erfahrungen direkt gemacht haben. Autobiografisch, politisch, gesellschaftskritisch, witzig, ernst, fantastisch. Es ist alles dabei.

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Meine Leseliste für den Februar:

Theodor Michael – Deutsch sein und schwarz dazu (deutsch)* [Biografie]
9783423348577Theodor Michael wird 1925 als Sohn eines Deutschen und einer Kamerunerin geboren. Er überlebt das Arbeitslager, studiert, arbeitet am Theater, hat eine Familie. Er ist in Deutschland geboren und aufgewachsen – und bleibt doch für viele aufgrund seiner Hautfarbe ein Außenseiter. Theodor erzählt die Geschichte seines Lebens.

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Nnedi Okofaror – Wer fürchtet den Tod (deutsch)* [Dystopische Fantasy/SciFi]
Die dunkelhäutigen Okeke werden von den hellhäutigen Nuru untedrückt. Onyesonwu macht sich auf, sich am Vergewaltiger ihrer Mutter zu rächen. Dieser ist aber ein mächtiger Zauberer namens Daibu und außerdem ihr Vater.

 


Weitere Leseempfehlungen:

    • Nic Stone – Dear Martin (engl.)* [Jugendbuch]
      Justyce ist Klassenbester, ein ordentlicher Junge. Aber das ist den Cops und den Medien egal, die ihn und seinen Kumpel Manny für eine Schießerei verantwortlich machen.
    • Angie Thomas – The Hate U Give (engl. | deutsch)* [Jugendbuch]
      Meine Rezension
      Starr ist dabei, als ihr Kumpel ungerechtfertigterweise von einem weißen Cop erschossen wird. Sie ist hin- und hergerissen, denn sie hat Angst auszusagen, Angst, ihrer Wut Luft zu machen und als „wütende Schwarze“ abgestempelt zu werden. Wird sie im Prozess aussagen und ihre Stimme erheben?
    • Margot Lee Shetterly – Hidden Figures (Unbekannte Heldinnen) (deutsch)* [Erzählung, wahre Geschichte]
      1943 werden erstmals afroamerikanische Frauen bei der NASA eingestellt. Trotz Diskriminierung und Skepsis setzen sich die brillianten Mathematikerinnen durch.
    • Reni Eddo-Lodge – Why I’m no longer talking to white people about race (engl.)* [Sachbuch, Gesellschaftsbuch]
      Die Diskussion über Rassismus, was beleidigend ist und was nicht, wird oft von solchen Leuten geführt, die keine Ahnung davon haben. PoCs hingegen müssen sich oft rechtfertigen, wenn sie sich aufgrund einer Bezeichnung schlecht fühlen. Die Journalistin Reni Eddo-Lodge wirft einen ungeschönten, direkten Blick auf unsere Gesellschaft.
    • Trevor Noah – Farbenblind (deutsch)* [biografische Kurzgeschichten, Humor]
      Trevor kam 1984 als Sohn einer Xhosa und eines Schweizers zur Welt. Das südafrikanische Apartheidssystem stellte „gemischtrassige“ Beziehungen zu dieser Zeit noch unter Strafe. Wie es für Trevor war unter diesen Bedingungen aufzuwachsen erzählt der heutige Comedian in 18 Kurzgeschichten.
    • Lori Hewett – Coming of Age (engl.)* [Jugendbuch]
      Vier Jugendliche erleben die Hochs und Tiefs der Highschool. Sie kämpfen um Liebe, Respekt und ihre Zukunft. (Ich habe das Buch in der 9. oder 10. Klasse als Lektüre im Englischunterricht gelesen)
    • Rosa Parks – My Story (engl.)* [Biografie]
      Rosa Parks ist vielen bekannt als die Frau aus dem Bus. Aber ihr Leben hat so viel mehr Spannendes, Aufrüttelndes und Wichtiges.
    • Martin Luther King Jr. – Autobiography (engl.)* [Biografie]
      „I have a dream.“ – Strahlende Figur der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, erschossen von politischen Gegner. Warum seine Worte bis heute bewegen und welchen Einfluss sie haben.
    • Barack Obama – Dreams from my father (deutsch| engl.)* [Biografie]
      In seiner Biografie erzählt der ehemalige Präsident der Vereignigten Staaten von Amerika über seine Kindheit, Jugend und was ihn geprägt hat.
    • Hans J. Massaquoi – „Neger, Neger, Schornsteinfeger!“: Meine Kindheit in Deutschland (deutsch)* [Biografie]
      Hans beschreibt seine Jugend als Kind einer weißen Mutter und seines schwarzen Vaters zu Zeiten des Nationalsozialismus.
    • Noah Sow – Deutschland Schwarz Weiß (deutsch)* [Essays/Sachbuch]
      Rassismus gegen Schwarze – das ist doch kein Problem in Deutschland. Alles ganz harmlos. Vom N-Kuss und „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann“ und anderen offensichtlichen Dingen mal abgesehen. Der Rassismus ist in unserer Gesellschaft tief verankert.

Blogbeiträge:

  • Ein Blog gegen Rassismus, der nicht müde wird, aufzuklären.
  • African Book Addict stellt 56 englischsprachige Neuerscheinungen diverser Autoren und Autorinnen vor. Schaut bei ihr vorbei!
  • Bücher, Musik, Medien und vieles mehr findet ihr auch bei Yasmin!

Videos:

Leute, denen ihr folgen solltet:

Weitere Leselisten:

Hinterlasst mir gerne weitere Buch-, Serien- oder Blogbeitragsempfehlungen in den Kommentaren. Vielleicht gibt es ja in eurer Stadt eine Veranstaltung zum #BlackHistoryMonth, die ihr unterstützen könnt? Auf jeden Fall sollten wir nicht am 28.02 damit aufhören, kulturelle Vielfalt zu feiern und uns für andere Leute zu interessieren.

Tüdelü, eure Babsi

p.s.: Ich will mit diesem Beitrag niemanden angreifen oder beleidigen. Ist es dreist und vermessen, dass ich als weiße Nicht-Betroffene über dieses Thema schreibe? Ich weiß es nicht. Ich möchte aber auch nicht dazu schweigen. Ich möchte diverser lesen, ich möchte „own voices“ unterstützen und ich möchte mehr Vielfalt in meiner Literaturblase.


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