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Julia von Rein-Hrubesch #ProjektArbeitstitel

Julia von Rein-Hrubesch #ProjektArbeitstitel

Julia von Rein-Hrubesch #ProjektArbeitstitel

Heute habe ich eine Autorin, die auf meinem Blog schon das ein oder andere Mal aufgetaucht ist. Sie ist einer meiner liebsten Buchmenschen überhaupt: Julia von Rein-Hrubesch! Ihre Bücher „Dein Paradies wächst“ und „Das Flüstern der Pappeln“ habe ich auch bereits rezensiert.

Hallo! Mein Name ist Julia. Die Frage „Wer bist du“ amüsiert mich, obwohl sie eigentlich eine sehr schwierige Frage ist. Man ist gezwungen, über sich nachzudenken und das, was man gefunden hat, auf einen Punkt zu bringen. Ich versuche das mal: Ich bin ein Mensch voller Emotionen, Kreativität und Liebe.

Angefangen zu schreiben … hm. Ich erinnere mich an Aufsätze, an denen ich die größte Freude hatte, während meine Mitschüler darüber stöhnten. Ich sollte mal eine Beschreibung eines Ölgemäldes als Hausarbeit machen, die die Lehrerin nicht benoten wollte, weil sie nicht glaubte, dass sie von mir sei. Ein Buch habe ich mit 11 Jahren angefangen zu schreiben, aber da habe ich nur den Anfang geschafft, das schien mir viel zu anstrengend. Erst mit Zwanzig habe ich das wieder aufgenommen und dann dafür gebrannt. Seitdem empfinde ich das Schreiben tatsächlich als meine Berufung. Ich habe mehrere Romane und Kurzgeschichten im Selfpublishing veröffentlicht.

 

Fallendes Wasser und andere Projekte

 

Welche Projekte sind gerade in Arbeit? Erzähl uns doch ein bisschen davon!
Zurzeit schreibe ich an „Fallendes Wasser“, eine Geschichte, in der eine junge Frau als Ferienjob in einem verlassenen Anwesen arbeitet, da dies verkauft werden soll. Als dort Türen schlagen und seltsame Dinge geschehen, ist sie wie besessen davon, herauszufinden, was in diesem Haus passiert ist. Sie ist sich sicher, dass das Anwesen und die Geister, die es bewohnen, ihr etwas mitteilen wollen. Mir gefällt der Gedanke, dass die Frau sich nicht fürchtet, wie es uns gern in diesen Geschichten erzählt wird. Sie ist neugierig und auch ein bisschen naiv, und sie bekommt Hilfe von einer sehr interessanten Figur, deren Persönlichkeit für mich eine Herausforderung ist.

Dann gibt es noch „Monster“, die Erzählung von Lise, die jeden Abend Kekse unter ihr Bett stellt. Eines Tages verschwindet der Großvater ihres besten Freundes, und sie ist sicher, dass er sich in der Welt der Monster aufhält. Diese Geschichte liegt in den letzten Zügen, sie ist bald fertig.

Und dann freue ich mich auf Hennie, eine meiner liebsten Figuren. „Das Flüstern der Pappeln“ ist mein beliebtestes und bestverkauftes Buch, was lustig ist, da ich Hennie anfangs überhaupt nicht mochte und dachte, dass es dem Leser genauso geht. Auch ist es das einzige Buch, das ich nicht an einen Verlag schickte, sondern gleich selbst herausbrachte. „Im Rauschen der Weiden“ ist die Fortsetzung von „Das Flüstern der Pappeln“. Ein Mammutprojekt, da ich den ersten Teil noch immer für mein bestes Werk halte. Es ist dicht und bringt alles auf den Punkt ohne Schmuck. Hach.

Wie schauen die Pläne für dein Projekt aus?
Ich schreibe zu jedem Projekt ein Exposé. Das mache ich sehr gern, es hilft vor allem zu sehen, ob man das, was man sagen will, auch tut. Wie ein Filter oder ein Trichter. Ich nenne es auch Bericht schreiben. Genauso wie ein Klappentext. Beides entsteht bei mir parallel zur Geschichte, ich empfinde es als Hilfsmittel. Ist das Exposé irgendwann final, schicke ich es zu Verlagen. Bisher habe ich das nicht immer gemacht, doch für die Zukunft ist das mein Plan.

Magst du uns verraten, was für Ideen evtl. noch in der Schublade schlummern?
Ähm, da bräuchte ich viel Platz. Ich bin ein Ideen-Monster. Ich habe einen ganzen Ordner voll von Entwürfen, die ich alle ganz hervorragend finde. Ich denke, nach den genannten Projekten widme ich mich der Fantasy, da habe ich was in Planung. Das ist allerdings so riesig, dass ich mich ein wenig fürchte. Ich brenne schnell, doch das Feuer stets zu halten, ist dann schwierig.

Was hast du aus deinen bisherigen Veröffentlichungen gelernt?
Es dauert. Man muss geduldig sein. Das ist schwer für mich. Ich will mich immer gleich ins nächste Projekt stürzen, da bin ich extrem lustgesteuert. Und: Setze auf Profis! Ich habe Lektorat, Satz und Cover machen lassen. Das find ich unheimlich wichtig, und das Ergebnis war so … extrem befriedigend. Es gibt nichts anderes mehr für mich.

Welche Unterschiede gibt es zwischen deinem ersten Buch und dem aktuellen Projekt?
Ich schreibe anders. Das Handwerk hat sich geändert. Weiterentwickelt. Ich möchte sagen, dass ich immer besser werde, was ja auch wichtig ist. Das Schreiben lernt man immer weiter, da ist man nie fertig. Ich schreibe langsamer, dafür sorgfältiger. Früher schrieb ich wie besessen und sortierte dann aus. Jetzt prüfe ich jeden Satz mehrmals auf seine Daseinsberechtigung, bevor ich ihn aufschreibe. Das ist anstrengender. Doch ich bin sehr zufrieden damit.

 

Schreiballtag

 

Was ist deine größte Herausforderung im Schreibprozess?
Oh, das ist einfach: Kontinuierliches Arbeiten und Marketing. Letzteres bekomme ich einfach nicht hin, ich weiß nicht, ob man dafür ein bestimmter Typ sein muss. Das kontinuierliche Arbeiten ist ein Prozess, an dem ich arbeiten kann, ich trainiere immer und immer wieder. Doch Vermarkten nicht. Das ist auch einer der Gründe, warum ich vermehrt Exposés verschicken werde.

Hast du eine Schreibroutine?
Diese Frage ist schon schwieriger zu beantworten. Das letzte Jahr habe ich damit verbracht, eine gute Routine zu finden. Überhaupt eine. Früher habe ich geschrieben, egal wie laut oder chaotisch es war. Ich erinnere mich an wuselnde Kinder und Lärm, und ich habe eine ganze Fantasy Reihe geschrieben. Heute kann ich das nicht mehr. Ich brauche Ruhe und Ordnung. Mann, klingt öde, oder? Und ich brauche einen ganzen Tag, um den Kopf frei zu kriegen. Ab September habe ich einen festen Schreibtag in der Woche. Ich bin sehr gespannt!

Welchen Tipp würdest du deinem Vergangenheits-Ich geben, das gerade mit dem Schreiben anfängt?
Mach weiter. Schreib mehr Bewerbungen. Mehr. Mehr. Mehr.

Wie ist es, gemeinsam mit anderen ein Buch zu schreiben?
Es ist toll! Als würden sich ständig Türen öffnen, die man vorher nicht sah. Die man sich nicht mal vorstellen konnte. Zusammen schreiben bereichert und bringt Wissen. Schwierig ist, wenn man eine gewisse Vorstellung vom Text oder der Figuren hat und der Co-Autor es dann anders macht. Da muss man flexibel sein und nicht steif. Auch das kann ein Lernprozess sein.

 

 

 

Motivation

 

Hast du Vorbilder bzw. Menschen, die dich inspirieren und motivieren?
Leser*innen! Wenn ich eine begeisterte Leserstimme höre, springe ich gleich auf und schreibe. Ich glaube, es wird unterschätzt, was begeistertes Lesen mit uns Autoren macht. Vor allem Hennie aus „Das Flüstern der Pappeln“ hat mich fasziniert, das tut sie noch immer. Mir erzählen Leser*innen, wie sehr sie sich mit ihr identifizieren können. Das macht mich so selig.

Autor*innen! Autor*innen, die sich gegenseitig interviewen zum Beispiel. Zusammen zu schreiben, zusammen zu planen, ist unheimlich motivierend. Gegenseitig Werke analysieren. Vor allem Magret Kindermann, Nika Sachs und Vanessa Glau möchte ich hier nennen. Sie sind meine Motivationsriege.

Echte Menschen! Ihr Leben, ihre Ansichten, ihr Handeln.

Menschen, die Kunst machen! Musik! Ich habe unzählige Kurzgeschichten, die ich nach Songs geschrieben habe, vor allem nach Wintersleep. Und ich hab einen ganzen Roman nach „Deep below the earth“ von Matthew and the atlas geschrieben. Kunst allgemein, dahinter stecken ja auch Menschen. Esther Wagner zum Beispiel, ihre Bilder erzählen Geschichten, die man sofort aufschreiben möchte. Caspar David Friedrich malt ganze Universen voller Geschichten. Mich fasziniert oft die Atmosphäre, sie ist pure Inspiration. Reisen ist ebenfalls inspirierend, sagt ja jeder, aber das ist nun mal so ;).

Vorbilder habe ich nicht wirklich. Ich bin großer Fan von King, weil er Bilder im Kopf malt wie kein zweiter. Und weil er Dialoge kann. Ich bewundere jeden Autor, der Dialoge schreibt, die man einfach so überfliegt, ohne zu stolpern. Das ist sehr schwer. Zurzeit lese ich „Geisternächte“ von André Mumot, da sind Dialoge drin, die ich mehrmals lese, weil sie vom Handwerk so gut sind. Man kann also sagen, ich habe auch „aktuelle Vorbilder“. Und ich bin großer Hesse Fan, weil ich mich von seinen Texten verstanden fühle. Matt Ruff finde ich großartig, und Joselyne Saucier. Sie zählen auch als Vorbilder.

Bäume sind zwar keine Menschen, doch die muss ich unbedingt nennen. Die Natur, die Erde, auf der wir leben, sind oft große Inspiration für mich.

Was sind deine Wünsche und Ziele für die Zukunft?
Mach weiter. Schreib mehr Bewerbungen. Mehr. Mehr. Mehr.“ – Das! Vor allem will ich das mit dem festen Schreibtag hinkriegen. Organisatorisch habe ich das bereits. Nun müssen Disziplin und Kontinuität folgen. Und ich will damit glücklich sein.

Was war dein schönster Autor*innen-Moment bisher?
Mir hat mal eine Leserin auf der Straße hinterhergerufen, was für ein wundervolles Buch „Das Flüstern der Pappeln“ doch sei. Noch heute kommt mir dieser Moment unwirklich vor, eine Begebenheit, die man sich wünscht, und wenn sie dann eintrifft, kann man es kaum glauben. Und ich habe eine Mail von einem Verlag bekommen, eines meiner Projekte betreffend. Mehr kann ich da noch nicht verraten. Das war natürlich auch ein wahnsinnig aufregend Gefühl!

 

Eine kleine Kostprobe…

Sehr gern! „Fallendes Wasser“, (Psycho)Thriller + Entwicklungsroman

Es wurde viel zu schnell dunkel.  Madeleine trug den Tee und die Gebäckstücke, die sie in der Speisekammer gefunden hatte, auf einem Tablett in das Gärtnerhaus. Ihre Laptoptasche hängte sie um.

Edda nannte es Gästehaus, doch der andere Name gefiel Madeleine besser. Sie mochte die Vorstellung, in dem Häuschen zu wohnen, in dem einst der Gärtner von Fallendes Wasser gelebt hatte, auch wenn das einige Jahre zurücklag. Und sie war gespannt auf die Dame, die sich um die Rosen kümmerte. Vor ihrem inneren Auge tat sich ein Bild auf, wie sie zusammen im Pavillon saßen und Kaffee tranken und von Fallendes Wasser schwärmten. Wie sie wohl aussehen mochte, die Gärtnerin? Sicher trug sie einen geflochtenen Hut mit breiter Krempe und einem Band darum.

Das Gärtnerhaus stand schräg hinter dem Hauptgebäude. Es zeigte sich umringt von Birken und Sträuchern, doch nicht versteckt. Weiter hinten befanden sich Stall und Scheune, auf der anderen Seite der kleine See.

Madeleine seufzte, als sie den passenden Schlüssel suchte. Dies war ein Traum. Wie konnte man diesen Ort freiwillig verlassen? Sie wusste nicht, wo die Stampsons jetzt lebten. Überhaupt hatte sie keine Informationen über den Fortgang der Familie. Bei der Recherche hatte sie nur Zeitungsartikel über Pferderennen gefunden. Die Stampsons waren passionierte Reiter gewesen. Sicher haben sie sich zerstritten, dachte Madeleine. Und dann sind sie fortgegangen, weil sie sich nicht einigen konnten, wer Fallendes Wasser bekommt. Das, oder es spukt.


Julia von Rein-Hrubesch

 

Einen Buchtrailer zu „Das Flüstern der Pappeln“ gibt es hier:

Ihre bisherigen Veröffentlichungen:
  • Das Flüstern der Pappeln, auf amazon* kaufen
  • Dein Paradies wächst, auf amazon* kaufen

Eine Übersicht aller Teilnehmer*innen findet ihr bei #ProjektArbeitstitel – Was ist das?


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Nika Sachs #ProjektArbeitstitel

Nika Sachs #ProjektArbeitstitel

Nika Sachs #ProjektArbeitstitel

Eine wahnsinnig talentierte Autorin, deren einzigartige Entwicklungsromane um ihre liebenswert angeknacksten Figuren Lukas, Inga und Silas viel mehr Aufmerksamkeit verdienen. Meine Rezension zu Schneepoet findet ihr auch hier auf dem Blog. Nika Sachs hat außerdem bereits einige Erfahrungen gesammelt, an denen sie uns heute hier teilhaben lässt.

Ich bin Nika, irgendwas knapp über 30 und Geschichtenverrückt, seit ich denken kann.

Mein erstes Buch habe ich geschrieben als ich vierzehn war. Leider fiel es einem PC-kurzschluss zum Opfer. Damals war kam mir der Gedanke noch nicht, dass ich meine Texte regelmäßig extern speichere. Nach langer Pause über mehrere Jahre begann ich mit Anfang Zwanzig wieder mit dem Schreiben und stellte 2015 mein Debut „Namenlos“ fertig. Danach war es um mich geschehen und ich schrieb in drei Jahren vier weitere Bücher. Leider ist am Ende der Zeit immer noch so viel Idee übrig.

Nach dem Buch ist vor dem Buch.

 

Schneepoet und andere Projekte

 

Welche Projekte sind gerade in Arbeit? Erzähl uns doch ein bisschen davon!
Derzeit schreibe ich am fünften Band der Reihe über meinen Protagonisten Luc und seine Familie. Da er bereits den fertigen Titel hat, kann ich noch nicht so viel verraten. Allerdings laufen meine Bücher gedanklich jederzeit als „Textbaustelle“ in meinem Hirn. Hin und wieder arbeite ich zwischendurch außerdem an einem Jugendbuch, das phantastische Elemente hat. Dieses Projekt hat in der Tat bisher keinen Arbeitstitel. Meine Projekte wachsen aus Alltagsgründen derzeit viel langsamer als bisher, aber nicht mit weniger Freude und Ideen. Eben nur ein bisschen mehr durch die Grauzone Leben ausgebremst als sonst.

Wie schauen die Pläne für dein Projekt aus?
Am liebsten würde ich bis Ende des Jahres mit dem aktuellen Luc veröffentlichen. Aber ich mag mir auch genauso viel Raum für seine aktuelle Lebensphase lassen, die mir nach den letzten drei Bänden Familienchaos sehr am Herzen liegt. Meine Protagonisten verändern sich und ich mich mit ihnen. Das erfordert immer neue Herangehensweisen beim Schreiben.

Magst du uns verraten, was für Ideen evtl. noch in der Schublade schlummern?
Tatsächlich habe ich über zehn angefangene Manuskripte im Bereich Jugendbuch bzw. Roman und Novelle. Und daneben habe ich noch ein paar weitere Ideen, die alle nach und nach reifen und sich in einen möglichen Weiterführungsprozess einreihen. Wahrscheinlich haben meine Projekte alle ein bisschen Melancholie, Philosophie und Faszination Alltagsmagie gemeinsam, da bleibe ich mir treu.

Was hast du aus deinen bisherigen Veröffentlichungen gelernt?
Dass mir ein Vertrag bei einem konventionellen Verlag nichts bedeutet, wenn ich nicht ich bleiben kann.

Welche Unterschiede gibt es zwischen deinem ersten Buch und dem aktuellen Projekt?
Ich schreibe routinierter in Bezug auf Technik des Schreibens und die Sprache der Protagonist*innen und befasse mich eigentlich direkt nur noch mit ihren Gedanken und Entwicklungen.

 

Schreiballtag

 

Was ist deine größte Herausforderung im Schreibprozess?
Der Anspruch an mich selbst. Ich will es immer und immer wieder selbst lesen können ohne mich daran zu stören. Dabei geht es mir weniger um die genaue Wortwahl, etwaige Fehler im Sprachbild oder offene Fragen, ob eine andere Option an dieser oder jener Stelle besser gewesen wäre. Ich versuche immer das Bild eines Gefühls wiederbringbar mit Worten zu „zeichnen“. Wenn ich das Gefühl, das ich beim Schreiben hatte, beim Lesen immer wieder habe, bin ich glücklich. Da ich meine Bücher bisher selbst verlege und überwiegend selbst gestalte bzw. entwerfe, bin ich unabhängig. Werbung mache ich kaum, dafür fehlt mir die Zeit. Ich hoffe immer, dass meine Geschichten gefallen und sich, wenn auch langsam, durch die Leser in der Welt verteilen.

Hast du eine Schreibroutine?
Ich schreibe entweder, wenn ich Zeit und den unausweichlichen Drang dazu habe oder wenn ich eine grobe Idee habe und in naher Zukunft einen freien Abend dazu habe. Am besten schreibe ich abends bis spät in die Nacht oder vormittags. Da ich studiere und zudem in einem Angestelltenverhältnis arbeite, bin ich derzeit nicht so flexibel wie bei den Büchern, die ich bisher veröffentlicht habe.

Welchen Tipp würdest du deinem Vergangenheits-Ich geben, das gerade mit dem Schreiben anfängt?
Noch weniger Erwartungen an Wirtschaftlichkeit der Kreativität zu stellen, dafür aber an die Qualität der Arbeit. Man kann es niemals allen recht machen und schreiben um gezielt damit zu verdienen finde ich sehr restriktiv für die Kreativität.

Wie ist es, gemeinsam mit anderen ein Buch zu schreiben?
Für den aktuell veröffentlichten Band „Abseitsliebe“ durfte ich ein ganzes Kapitel gemeinsam mit Nicole Neubauer schreiben und mir ihren Protagonisten Hannes Brandl „ausleihen“, der auf Luc trifft. Nicole ist meiner Meinung nach eine fabelhafte Krimiautorin und gegen meine Befürchtung hat das super geklappt, dass wir beim gemeinsamen Schreiben (an zwei Laptops im gleichen Raum) auch den jeweils fremden Protagonisten übernommen haben. Ich habe definitiv Lust, noch einmal ein gemeinsames Autorenprojekt anzugehen.

 

Motivation

 

Hast du Vorbilder bzw. Menschen, die dich inspirieren und motivieren?
Mich inspirieren viele Menschen, weil sie ein Netz aus Erkenntnissen, Strukturen und Konzepten in sich tragen. Aber einige haben mir so viel Anerkennung für meine Arbeit zukommen lassen, dass mich das schon sehr motiviert, weiterzuschreiben.

Was sind deine Wünsche und Ziele für die Zukunft?
Den ersten Teil von Lucs Tagebüchern als Kunstprojekt zu verfilmen. Und vielleicht noch ein paar Leser mehr, denen meine Bücher Türen zu sich selbst öffnen oder ihnen einen anderen Blickwinkel ermöglichen, um andere besser zu verstehen.

Was war dein schönster Autor*innen-Moment bisher?
Dass ich Leser*innen habe, die meine Geschichten auch im realen Leben mit sich weiterführen wollen.

 

Eine kleine Kostprobe…

Diese Szene entstammt aus dem fünften Buch um Lukas, Inga, Silas und Véro, welches sich noch in Arbeit befindet.

Das war das hässlichste Geräusch seit Langem. Dabei hat der Tag vorhin so vielversprechend begonnen. Ich werfe der zugefallenen Tür einen wehleidigen Blick zu. Post aus dem Briefkasten holen wollte ich, jetzt habe ich mich ausgesperrt. Lukas hat mir zwar letztens gesagt, wo ich den Ersatzschlüssel finde, aber weil ich ihm wie immer nur so halb zugehört habe, weiß ich es natürlich jetzt nicht mehr. Shit.

Nachdem ich im Garten die gängigen Verstecke dummer Menschen für einen Ersatzschlüssel abgeklappert habe ohne fündig zu werden, mache ich meinem eigenen Dasein als dummer Mensch alle Ehre. Ich klettere barfuß auf den Kirschbaum und von dort auf das Garagendach. Hoffentlich sieht mich niemand dabei, wie ich es jedem potenziellen Einbrecher vormache, uns zu überfallen. Mit etwas Anlauf schaffe ich es auf das flache Vordach. Von hier ist es leicht, über die Schindeln zum Badezimmerfenster rüber zu kriechen, das ich vorhin offengelassen habe. Okay, ich dachte das zumindest. Das Dach ist steiler und rutschiger als gedacht. Scheiße, scheiße, denke ich. »Drei Meter, du Muschi!«, sage ich zu mir selbst. Nach etwa zwei Metern geht mir die Kraft aus. Ich wäge ab, ob es sich ungefährlicher vom Dach rutschen lässt, oder ob ich besser ein paar Minuten warte, bis ich den Rest auch noch schaffe. Die Nachbarn mit einem Hilferuf zu mobilisieren scheint mir keine Option. Dann heißt es wieder ›Die Kartoffeln!‹

Ich entschließe mich, zu warten.

»Madame?«, ruft jemand. Das hat mir gerade noch gefehlt.

Ich drehe mich langsam um, in der Hoffnung, dass ich nicht gleich mit samt den Schindeln den Abflug mache. Mit in die Hüften gestemmten Händen steht er da und glotzt zu mir hoch, als wäre ich das einzige Problem in seinem Leben. Ich zeige langsam auf mich selbst. Bloß keine hektischen Bewegungen.

Der weißhaarige Hobbit nickt. »Qu’est-ce que vous faites là, hein?«

Ja, was mache ich hier wohl … Ich seufze und sehe mich um. Scheiße. Dann zucke ich mit den Schultern. »J’habite ici.«

»Vraiment?«

Ich nicke. Natürlich wohne ich hier!

Der Hobbit textet mich zu, aber ich verstehe nichts davon, weil er redet wie ein Wasserfall und ich seiner Sprache nicht mächtig bin. In der Hoffnung, es mir nachhaltig zu verkacken und ab sofort meine Ruhe zu haben, sage ich wehleidig die drei magischen Worte: »Je suis allmande.«

»Mon dieu!«, stöhnt er. Ich könnte gerade losprusten, so lustig finde ich sein Gesicht.

Der Hobbit flüchtet mit großen Schritten für so einen Zwerg, ich widme mich wieder der Aktion Dachfenster. Kurze Zeit später schleift etwas über unseren Steinweg.

»Attention, Foiärrrwärrr!«, ruft er mir zu. Dann stellt er die Leiter an die Hauswand und verschwindet aus meinem Sichtfeld. Ich glotze auf die Regenrinne und gehe durch, was ich gefrühstückt habe. Lukas hat mir bestimmt LSD ins Müsli gemischt. Kommt mich gerade ein bretonischer Hobbit vom Dach retten, der auf Deutsch – oder so was Ähnliches, Bestimmt hat er das im Panzerhandbuch gelernt – Feuerwehr ruft?! Okay, Leben, eins zu null für dich.


Nika Sachs

 

Worum geht’s in „Schneepoet“?
Luc ist innerlich zerissen. Zwischen seiner Identität, seiner Entscheidung die Liebe seines Lebens Inga zu verlassen, zwischen Deutschland und Frankreich. Er flüchtet sich zu seinem Zwillingsbruder Silas nach Paris, wo er Heilung und Ablenkung in Exzessen sucht. Frauen, Drogen – nichts stillt dauerhaft seinen Hunger nach Liebe. Im Kampf gegen sich selbst, seine bipolare Störunge und selbszerstörerischen Tendenzen begleiten wir Luc in Form von Tagebucheinträgen. Wir sehen die Welt mit seinen Augen, erhalten Einblick in seine verletztliche, poetische Seele.

 

Ihre bisherigen Veröffentlichungen:
  • Schneepoet (Band 1), auf amazon* kaufen, ISBN 978-374073164
  • Karmapoet (Band 2), auf amazon* kaufen, ISBN 978-3740743659
  • Abseitsliebe (Band 3), auf amazon* kaufen, ISBN 978-3740735777
  • Am Horizont Schwarz (Spin Off), auf amazon* kaufen, ISBN 978-3740734312
  • Namenlos (Novelle), auf amazon* kaufen, ISBN 978-3741205149
  • Mitheerausgeberin der Anthologie „Sehnsuchtsfluchten“, auf amzaon* kaufen, ISBN 978-3740730710

Eine Übersicht aller Teilnehmer*innen findet ihr bei #ProjektArbeitstitel – Was ist das?


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