Schlagwort: thriller

Ivy Lang #ProjektArbeitstitel

Ivy Lang #ProjektArbeitstitel

Ivy Lang #ProjektArbeitstitel

Aaaah so gut wie Halbzeit bei #ProjektArbeitstitel! Wie schnell die Zeit vergeht. Heute stelle ich euch eine Person vor, die mir immer ein Lächeln ins Gesicht zaubert, wenn ich sie sehe: Ivy Lang!

Hallo! Ich bin Ivy und ich schreibe Geschichten eigentlich schon seit ich schreiben kann.

Ja, ich habe schon in der Grundschule Geschichten am PC meiner Eltern geschrieben, um mir die Zeit zu vertreiben und mich in andere Welten zu träumen. Seitdem ist Schreiben für mich Entspannung, Unterhaltung und Eskapismus. Was alle meine Geschichten gemeinsam haben, ist der Kern, der immer eine Liebesgeschichte ist. Doch einfach „nur“ Romantik ist mir persönlich zu wenig. Es muss krachen, meine Figuren müssen einiges durchmachen. Die dunkle Seite der menschlichen Seele fasziniert mich einfach zu sehr. Auch die negative Kraft, die von Liebe ausgehen kann, ist bei mir immer ein Thema.

Man kann mich daher wohl am ehesten im Genre Romantic Suspense ansiedeln. Tatsächlich kombiniere ich Romance aber immer mit anderen Genres, z.B. Mystery Thriller, wie bei meinem veröffentlichten Roman „Teufelswetter“ oder einer Mafia-/Crime-Thematik, wie bei meinem aktuellen WiP „Lola“. Daneben habe ich Konzepte für Romantasy und SciFi-Romance in meiner Schublade.

 

Lola und andere Projekte

 

Welche Projekte sind gerade in Arbeit? Erzähl uns doch ein bisschen davon!
Aktuell überarbeite ich das Manuskript zu meinem WiP „Lola“ (#ProjektLola). Hier handelt ich sich um eine Romantic Suspense/ Dark Roamce-Geschichte. Die junge Lauren wird durch ihren Bruder in Mafia-Geschäfte verwickelt. Notgedrungen macht sie mit und stellt schnell fest, wie einfach sich hier Geld verdienen lässt. Daneben interessiert sie sich für Dominic, den Neffen des großen Capo, der zwar immer einen lockeren Spruch drauf hat, aber sonst so gar nicht ihrem Vorurteil eines Mafioso (Mobsters) entspricht. Das ist kein Zufall, denn Dominic ist eigentlich gar kein Mobster, sondern als Undercover-Agent in die Mafia-Strukturen eingebunden, um gegen eine Gruppe der Russenmafia vorzugehen. Beide kommen sich näher – finden ineinander jeweils das, was sie brauchen –, doch Dominics Auftrag wird bald erledigt sein und er wird aus Laurens Leben verschwinden müssen. Natürlich wird es zum Schluss ziemlich actionreich und spannend.

Wie schauen die Pläne für dein Projekt aus?
Mein Plan sah eigentlich vor, den Roman Projekt „Lola“ (Arbeitstitel „Mobster“) im Spätsommer im Selfpublishing rauszubringen. Nun habe ich eine Textprobe spontan bei einer Verlags-Challenge eingereicht, weil der Plot hier zufällig gepasst hat. Ein weiterer Verlag hat Interesse angemeldet. Sollte es mit den beiden Verlagen nicht klappen, gehe ich den Weg im Selfpublishing wie geplant weiter, allerdings dann vorrausichtlich erst etwas später im Jahr.

Magst du uns verraten, was für Ideen evtl. noch in der Schublade schlummern?
Meine Schublade ist voller Konzepte/ groben Plots und es fällt mir momentan schwer, mich für ein nächstes Projekt zu entscheiden. Erste Szenen habe ich u. A. verfasst für eine romantische SciFi-Dystopie, allerdings ist dies eigentlich ein Plot für eine ganze Reihe (mind. 4-5 Teile) und mir fehlt – realistisch betrachtet – die Zeit, um die Teile in entsprechend kurzer Frequenz fertigzustellen. Ebenfalls infrage kommen die Projekte „Flong“ (Fantasy ohne Drachen und epische Schlachten), „Bullseye“ (sehr düstere Romantik Suspense), „Kryptonite“ (New Adult Romance) oder „Loose“ (eher ein Psycho Thriller rund um die Anschläge des 11. September). Aktuell schreibe ich an Szenen für Projekt „Bullseye“ und hier flutscht es gerade sehr gut. Also, vielleicht wird das das nächste WiP. Tja, mal sehen.

Was hast du aus deinen bisherigen Veröffentlichungen gelernt?
Ich habe innerhalb kürzester Zeit so unglaublich viel Neues gelernt. Ich würde jedem, der aktuell noch zögert, ob er es wagen soll oder nicht, raten es einfach zu tun. Mit dem ersten Roman wird man eh nicht groß – er wird buchstäblich und in vielerlei Hinsicht ein Lehrstück sein. Durch die Erfahrungen mit der ersten Veröffentlichung bin ich mittlerweile definitiv besser geworden, sowohl was das Schreiben, als auch das Organisatorische angeht.

Unterscheiden werden sich die beiden Bücher natürlich im Inhalt, denn WiP „Lola“ hat keine Mystery-Elemente, wie „Teufelswetter“. Vom Umfang (Wortanzahl) her sind sie ähnlich, „Lola“ wird etwas kürzer sein. Aber natürlich hat sich auch mein Schreibstil geändert – neben den bewussten Änderungen, die dem anderen Genre geschuldet sind, bin ich nun auch etwas „erwachsener“ in meiner Sprache geworden.

 

 

Schreiballtag

 

Was ist deine größte Herausforderung im Schreibprozess?
Zeit, Zeit, Zeit. Mir fehlt als Working Mom mit einer chronischen Krankheit (Diabetes Typ 1) einfach immer die Zeit. Ich musste zu einem „Opportunistic Writer“ werden, einer Autorin, die jede Gelegenheit zum Schreiben nutzt. Leider haut das nicht immer hin. Oft ist es dann so, dass ich nicht in Schreibstimmung bin, wenn sich plötzlich unverhofft doch ein Zeitfenster öffnet. Ich denke oft: Hätte ich mehr Zeit, meine ganzen Konzepte konkret anzugehen und fertigzustellen, dann könnte ich mir z.B. für ein Projekt einen Verlag suchen, während ich das andere im Selfpublishing rausbringe usw. Im Selfpublishing ist die größte Herausforderung die mangelnde Sichtbarkeit.

Hast du eine Schreibroutine?
Meistens schreibe ich tatsächlich dann, wenn ich Zeit dafür finde. Oft ist das abends/nachts, wenn der Sohn im Bett ist. Aber ich kann es schlecht planen, denn es kann auch immer was mit dem Sohn sein oder anderes dazwischenkommen. Ich versuche allerdings, jeden Tag etwas für mein Autorenleben zu tun. Wenn es nicht schreiben ist, dann vielleicht ein Beitrag für Instagram oder basteln an der Homepage, Papierkram oder Recherche.

Welchen Tipp würdest du deinem Vergangenheits-Ich geben, das gerade mit dem Schreiben anfängt?
Vielleicht würde ich mir sagen, früher ans Veröffentlichen zu denken. Ich habe sehr lange Zeit geglaubt, das wäre völlig illusorisch – keiner würde es lesen wollen, usw. Ich würde mir also raten, mutiger zu sein und den Weg als Autorin früher bewusst ein zuschlagen.

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Motivation

 

Hast du Vorbilder bzw. Menschen, die dich inspirieren und motivieren?
Ich versuche mich natürlich an anderen Autoren zu orientieren – weniger, wenn es um den Inhalt meiner Geschichten geht, als vielmehr an ihrem Auftreten, ihrer Strategie bei Veröffentlichungen etc. Daneben finde ich die „Buchbubble“, die Menschen, die ich in den letzten Jahren im Zusammenhang mit meiner Autorentätigkeit kennengelernt habe, unglaublich inspirierend. Der Austausch mit anderen Autoren und/oder Bloggern ist sehr motivierend, weil es einfach Spaß macht. Das macht den Unterschied zwischen „Schreiben, um der Welt zu entfliehen“ und richtigem Autorenleben.

Was sind deine Wünsche und Ziele für die Zukunft?
Es wäre schön, mit dem Veröffentlichen weiterzumachen, weiter Neues dazuzulernen und den Spaß am Schreiben selbst zu erhalten.

Was war dein schönster Autor*innen-Moment bisher?
Vor Freude geweint habe ich bei den Rezensionen nach der Leserunde zu „Teufelswetter“, denn die Resonanz war so überwältigend gut, wie ich sie niemals erwartet hätte. Ich bin blutige Anfängerin, keine studierte Germanistin etc., aber das hat mir gezeigt, dass ich wohl doch in der Lage bin Geschichten gut zu erzählen. Und es ist immer noch wunderschön, das Taschenbuch in die Hand zu nehmen, sein eigenes Werk in den Händen zu halten.

 

Eine kleine Kostprobe…

Ein Auszug aus „Teufelswetter“:

Zögernd öffnete Rachel den Verschluss der kleinen Flasche. Sie fürchtete sich vor dem Ergebnis dieses Experiments, doch mehr noch besorgte sie die Tatsache, dass sie ihm nicht wehtun wollte.

Vorsichtig träufelte sie eine kleine Menge von dem Weihwasser auf Lous Hand. Zuerst geschah gar nichts und Rachel war versucht, noch etwas mehr von dem Wasser zu nehmen. Doch dann zog Lou plötzlich seine Hand zurück und starrte angewidert darauf. Nach einer Weile hob er sie hoch, sodass Rachel sie sehen konnte und seine Augen leuchteten böse.

Die Stelle, die mit dem Weihwasser in Berührung gekommen war, war stark gerötet und die Haut warf kleine Brandblasen auf. Auch Rachel verzog das Gesicht. Ob aus Ekel oder aus Mitleid hätte sie in dem Moment selbst nicht zu sagen gewusst. Lou spuckte auf seine Hand, und verrieb den Speichel; dann zog er ein Stofftaschentuch aus der Hosentasche und wickelte es sich provisorisch um die verletzte Hand.

»Das tut mir leid«, platzte Rachel heraus. »Ehrlich.«

Lou sah sie kurz an und prustete dann laut vor Lachen los. »Es tut dir ehrlich leid?! Mann! Die gewöhnliche Reaktion ist lautes Gekreische: ›Hilfe, er ist der Teufel! Gott, beschütze mich!‹« Lou äffte die Reaktionen nach, die er sonst erhielt, wenn Menschen ihn wahrhaftig als Teufel erkannten. Dann lachte er wieder, bis sein Lachen nur noch dünn und eher verzweifelt klang.

»So weit ist es schon gekommen«, murmelte er in sich hinein.

Rachel stand unschlüssig da. Ja, es war absurd, Lou zu bemitleiden. Sie dachte an Michaelas Worte: Der Teufel wird immer menschlicher. Nun stand sie hier und wusste nicht, was sie tun sollte.

Lou hatte sich wieder gefangen und war zur Fahrerseite seines Wagens gelaufen. Erwartungsvoll sah er Rachel an. »Und? Kommst du nun mit?«

»Was wird es mich kosten?«, fragte sie.

Lou, der im Begriff war, in sein Auto zu steigen, schloss die Fahrertür und stütze seine Arme auf dem Dach des Wagens ab. Er sah Rachel prüfend an und kratzte sich am Kopf, so als würde er angestrengt nachdenken.

»Ich muss nach Vegas«, begann er. »Du willst nach Vegas. Hier stehen wir und es ist nur logisch, dass du mitfährst.«

»Aber du bist der Teufel.«

»Hör zu«, sagte Lou unvermittelt, »ich will deine Seele nicht. Du kannst tun, was du willst. Diese Fahrt nach Vegas wird dich nicht deine Seele kosten. Wir fahren, wir kommen an, das war’s.«

Rachel fragte sich, ob sie ihm trauen konnte. Wahrscheinlich würde das alles noch ein böses Ende nehmen. Sie überlegte kurz, ob sie das nicht beunruhigen sollte, wenigstens ein bisschen. Aber es war ihr einfach egal.

Lou schenkte ihr ein breites Grinsen. »Natürlich werde ich nicht ›Nein‹ sagen, wenn du dich mir anbietest.«

Rachel nickte, seufzte tief und stieg in den Wagen.

 


Ivy Lang

 

Das Buch „Teufelswetter“ könnt ihr u.a. auf amazon* bestellen. Bisher sind keine weiteren Veröffentlichungen geplant.

 

 

Eine Übersicht aller Teilnehmer*innen findet ihr bei #ProjektArbeitstitel – Was ist das?


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[Rezension] Schuldig von Kanae Minato

[Rezension] Schuldig von Kanae Minato

[Rezension] Schuldig von Kanae Minato

Vor ca. 2 Jahren habe ich mein erstes Buch von Kanae Minato gelesen und war absolut begeistert von „Geständnisse“. Nun ist ihr neues Buch erschienen und ich habe es vom C. Bertelsmann Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank!


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  • Autorin: Kanae Minato, aus dem Japanischen übersetzt von Sabine Mangold
  • Titel: Schuldig
  • Verlag: C. Bertelsmann
  • Genre: Drama, Spannungsroman
  • 320 Seiten, geb.: 18€ | Ebook: 15,99€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Fünf Studenten wollen ein Wochenende auf einer Berghütte verbringen. Doch einer von ihnen, Hirosawa, stirbt bei einem Autounfall auf der kurvigen Bergstraße. Drei Jahre später plagen Fukase immer noch Schuldgefühle. Verstärkt werden diese nur als eines Tages ein Zettel mit den Worten „Du bist ein Mörder“ für ihn auftaucht. Fukase begibt sich auf Spurensuche. Wer war Hirosawa und war es vielleicht doch kein tragisches Unglück?


Meine Meinung:

Die Prämisse des Buches erinnert an klassische Horrorfilme: „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ oder Ähnliches. Dennoch kommt alles ganz anders als erwartet. Unser Erzähler ist einer der fünf Studenten von damals – Fukase – und ihn begleiten wir durch das Buch. Er hat den Tod seines Freundes nicht wirklich überwunden, plagt sich mit Schuldgefühlen und seiner eigenen Unsicherheit.

Fukase ist ein Charakter mit reichem Innenleben. Er grübelt und denkt sehr viel nach. Dabei beschreibt er seine Umgebung sehr genau, vor allem Essen und Trinken. Das Buch lädt wirklich zu einer Tasse Kaffe und zu Honigbroten ein. Ein Großteil des Buches spielt im bezaubernden Café Clover, in dem Fukase nachdenkt und verschiedenste Kaffeemischungen ausprobiert. Hier fühlt er sich zuhause und wird nicht ständig von Gefühlen der Unzulänglichkeit geplagt.

Denn er sieht sich als langweiligen, leeren Versager mit einem unspektakulären Leben. Die anderen haben es immer etwas besser oder leichter. Gleichzeitig schwingt eine gewisse Arroganz mit dieser Klarheit mit. Neben dem Café ist sein Lichtblick seine neue Freundin Mihoko. Doch diese präsentiert ihm eines Tages einen Zettel auf dem steht „Fukase ist ein Mörder“. Und er beginnt zu erzählen, was wirklich in dieser Nacht geschehen ist.

Doch damit ist das Buch nicht beendet. Wie auch „Geständnisse“ gliedert es sich in Abschnitte. Im zweiten Abschnitt fährt Fukase in Hirosawas Heimat um mehr über seinen verstorbenen Freund und auch den Schreiber des Briefes herauszufinden. Im dritten Akt spitzt sich alles zu und wir bekommen eine Lösung präsentiert.

Milch Kaffee und Honig

Die Biene auf dem Buch und der gelbe Schriftzug lassen vermuten: Es geht auch um Honig. Der Honig wird immer recht beiläufig erwähnt. Fukase rührt ihn sich gerne in den Kaffee – was für viele wie ein Affront wirkt – nach dem Probieren doch auch andere Charaktere im Buch begeistert. Kaffeebohnen, Honigsorten, Buchweizennudeln und Gebäck – bei dem Buch wird man hungrig und durstig. Kanae Minato beschreibt die Leckereien, ihre Zubereitung und ihre Wirkung sehr präzise. Durch ihren Charakter offenbart sie wieder einen sehr scharfen und klaren Blick auf die japanische Gesellschaft. Auf Konformität, Angepasstheit, innere Leere und zurückgestellte Träume und Gefühle.

Es ist ein Buch, dass sehr eng mit dem japanischen Wesen verknüpft ist. Denn in einem anderen Land hätte die Geschichte und auch ihre Auflösung vielleicht nicht so funktioniert. Weil es in Kanae Minatos Japan mehr Zurückhaltung, mehr Unausgesprochenes und mehr Vorbehalte gibt als vielleicht in Deutschland wo die Leute im Bus über ihren letzten Urologen-Besuch reden. Das macht es spannend und auch ein bisschen frustrierend.

Ein kleines bisschen zähflüssig…

Das Buch plätschert mir teilweise etwas zu ruhig vor sich hin. Der große Unbekannte, der Verfasser der Briefe, ist über das Buch hinweg wenig präsent. Zwar beschleicht einen immer mal wieder so ein kleiner Verdachtsmoment oder ein ungutes Gefühl – aber wirklich beklommen und ängstlich war ich selten. Anders als „Geständnisse“, dass sehr schonungslos und deutlich war, erlebt man bei „Schuldig“ eher eine dramatische Zuspitzung als eine Achterbahnfahrt. Das hat durchaus auch seinen Charme, es ist trauriger und aussichtsloser. Mehr Drama als Thriller.

Das Gemeine an dem Buch ist – es gibt quasi zwei Auflösungen. Einmal erfahren wir die Identität des Briefverfassers und einmal noch was wirklich zu Hirosawas Tod geführt hat. Mein Verdacht bezüglich des Briefschreibers formte sich schon ab der Mitte des Buches und war dann auch tatsächlich richtig. Dennoch eine schockierende Enthüllung, die einige weitere Fragen aufwarf. Die Umstände zu Hirosawas Tod werden auf der letzten Seite enthüllt und haben mich mit der Wucht eines Güterzuges umgefahren. Was für ein Schachzug am Ende!

Kanae Minato hat auch schon „Geständnisse“ mit einem Knall beendet, der genial war und im Gehirn gekitzelt hat. Sie beantwortet die wichtigsten Fragen, aber viele Details bleiben ungeklärt, das weitere Geschehen bleibt ungeklärt. Man fragt sich vieles, ist entsetzt, aufgewühlt, nachdenklich. Und doch ist es gut, dass das Buch genau hier endet. Für mich ist klar: Auch das nächste Kanae Minato Buch darf hier ohne Vorbehalte einziehen!

Fazit:

Wieder ein erzählerischer Geniestreich von Kanae Minato. „Schuldig“ ist ein spannendes Drama mit einem bombastischen Ende. Leider gelingt es nicht das ganze Buch über die Spannung und die beklemmende Stimmung aufrechtzuerhalten. Dafür spürt man die tiefe Trauer, Wehmut und auch die Reue der Charaktere. Ein nachdenkliches Buch mit vielen Fragen über das Leben, über Freundschaft und Unausgesprochenes. Es hat mir sehr gut gefallen und das Ende lässt mich einfach nicht los.

Weitere Meinungen:

 


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[Rezension] New York Bastards: In deinem Schatten von K.C. Atkins

[Rezension] New York Bastards: In deinem Schatten von K.C. Atkins

[Rezension] New York Bastards: In deinem Schatten von K.C. Atkins

Guilty Pleasure! Ich liebe Bösewichte mit einem guten Kern. Das ist mein liebster Literaturtrope, denn ich liebe es, wenn die rauen, fiesen Charaktere beweisen, dass sie eigentlich gar nicht so böse sind. Wenn sie die Chance bekommen, etwas Gutes zu tun und zu (Anti-)helden werden. Vermutlich auch deshalb habe ich mir vor ein paar Jahren das Ebook zu K.C. Atkins‘ New York Bastards geholt.


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  • Titel: New York Bastards: In deinem Schatten
  • Autorin: K.C. Atkins
  • Verlag: LYX
  • Genre: Thriller, Erotik
  • Band 1 von bisher 3, in sich abgeschlossen
  • 488 Seiten, Ebook: 4,99€ | TB: 12,90€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Lissiana Stafford arbeitet als Polizistin in New York. Sie ist mit ihrem Kollegen Nathan dem „Bräutigam“ auf der Spur, einem Serienmörder, der Frauen ausbluten lässt und ihnen Brautkleider anzieht. Doch er ist scheinbar ein Phantom ohne klares Muster. Sie brauchen einen Experten für die Unterwelt der Verbrecher, um ihm auf die Schliche zu kommen. Lissiana bleibt keine andere Wahl, als sich an den Mann zu wenden, den die betrogen und ins Gefängnis gebracht hat: Den ehemaligen Gangsterboss John Cohen. Ihre Gefühle für ihn waren nicht gespielt, doch der Verrat sitzt tief und es fällt ihnen anfangs schwer, wieder Vertrauen zueinander zu fassen. Doch sie müssen sich zusammenreißen und zusammenarbeiten um den Killer hinter Gitter zu bringen. Doch John hat keineswegs vor, danach wieder wie abgemacht ins Gefängnis zu gehen…


Meine Meinung:

Es ist ein Erotikthriller und meine Erwartungen waren eher niedrig. Ich erwartete eine flache Geschichte mit vielen Plotlöchern, einer Menge heißer Sexszenen und wenig Tiefgang. Und ich wurde eines Besseren belehrt! Ich suchte süße Zerstreuung und fand einen unterhaltsamen Mix aus Romantik, Humor, Thriller und Erotik. Wer hätte das gedacht?

Lissiana (ich finde diesen Namen grauenhaft und muss jedes Mal nachschauen, wie er geschrieben wird. Dabei frage ich mich auch wie die Autorin das in dem Buch hingekriegt hat.) ist eine interessante Figur. Sie ist eine überarbeitete Polizistin, mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und Biss. Aber sie hat zu knabbern. Daran, dass sie sich in den Mann verliebt hat, den sie verraten hat. John Cohen, einer der Cohen Brüder und Boss eines Verbrecher Syndikats aus New York. Undercover schmuggelte sie sich in seine Organisation und sein Herz, aber auch sie verliebte sich – und sammelte Beweise gegen ihn. Dabei fand sie auch viele Eigenschaften, die sie an ihm Schätzen lernte. Und die werden auch herausgearbeitet. Dreidimensionale! Charaktere! in! einem! Erotikbuch! Danke!

Natürlich ist John Cohen auch gutaussehend und durch seine illegalen Geschäfte reich – im Buch wird auch gut auf den moralischen Zwiespalt eingegangen, der damit einhergeht. Dazu hätte ich gerne noch mehr Gespräche von Lissiana und John gehört. Dass er „nur“ Drogenhandel, Prostitution, Schmuggel etc. betreibt und von Kinderhandel oder Missbrauch die Finger lässt, mag zwar für ihn sprechen, aber er ist dennoch ein Verbrecher und ein Mörder. Da die beiden bereits vor dem Beginn des Buches einmal ein Paar waren, hat sich Lissiana sicher ihre Gedanken dazu gemacht, aber ich hätte gerne mehr davon gelesen. Andere Figuren stellen John Cohen nämlich mehr in Frage und das zurecht. Ein bisschen hat es sich die Autorin auch „zu leicht“ gemacht, indem sie nur Andeutungen über die Machenschaften und das Ausmaß der Taten der Cohen Brüder gemacht hat. Für den legendären Ruf, den John und sein Bruder Butch haben, muss es aber Einiges sein.

Gangster, aber Gentleman

John Cohen ist ein harter Hund, nicht ganz so derb und brutal wie sien Bruder Butch, aber eben ein Mann der Straße. Dennoch behandelt er Lissiana gut und mit Respekt. Am Anfang gibt es eine Art Fluchtversuch und eine Rangelei, aber dass die beiden sich dabei eine reinhauen macht absolut Sinn. Natürlich gibt es im Buch weiterhin Konflikte zwischen den beiden, aber niemand wird handgreiflich und die Grenzen werden geachtet. Es gefällt mir, dass John Cohen eine dunkle, raue Persönlichkeit bleiben kann ohne dabei ein übergriffiger Arsch zu sein. Er ist mitfühlend, intelligent und ermutigt und stärkt Lissiana, ist bereit, ihr zu verzeihen, obwohl sie ihn hintergangen hat.

Aber auch Lissiana ist eine toughe Frau. Sie hat ihre Schwester Victoria nach dem Tod der Mutter fast alleine großgezogen und wacht mit Argusaugen über ihre Schwester. Sie glaubt an die Gerechtigkeit, an ihre Moral, aber zweifelt oft an sich selbst und ihren Entscheidungen, leidet mit Betroffenen und Opfern und ist zielstrebig.

Es wird gemordet!

Interessant waren auch die Absätze aus der Perspektive unseres Killers, der absolut nicht zurechnungsfähig, sondern besessen und brutal dargestellt wird. Dass er Lissiana und John augenscheinlich kennt und auch beobachtet, verleiht dem Buch außerdem mehr Spannung. Auch, wenn seine Denkweise als Serienkiller und sein Motiv nicht komplett neu oder außergewöhnlich waren, hat es die Geschichte gut getragen. Und das, obwohl ich Serienmörder selten wirklich stark finde.

Generell waren neben der komplizierten und vorbelasteten Beziehung zwischen Lissiana und John und den moralischen Fragen auch die Ermittlungsabschnitte und die Suche nach dem Killer zentral. Es gab actionreiche Szenen, auch brutale Szenen und somit war für mich ein gelungener Genremix geschaffen. Für ein Buch mit einem nackten Männeroberkörper auf dem Buch gab es vergleichweise wenig explizite Sexszenen – was mich nicht so gestört hat. Mehr hätte bei der Thematik und dem Tempo der Geschichte auch gestört und dadurch waren die Techtelmechtel auch etwas besonderes für Lissiana und John.

Die Ermittlungsarbeit und die Jagd nach dem Killer war etwas repetetiv und auch, wenn vieles vorhersehbar war, hat mich das Buch gut unterhalten. Ich freue mich auch, dass es im zweiten Band um Lissianas Schwester und Johns Bruder gehen wird, denn die beiden mochte ich von den Nebencharakteren am Liebsten. Die anderen auftretenden Charaktere, inklusive Lissianas Partner Nathan, waren ziemlich blass – auch, weil sie so gut wie keine großen Auftritte hatten. Auch deren absolute Loyalität und die „Gangsterehre“ vieler der Verbrecher im Buch fand ich etwas unglaubwürdig.

Ein paar Mal hat die Autorin auch in die Klischeekiste gegriffen, das aber auch im Buch in Lissianas Gedanken aufs Korn genommen z.B. den italienischen, schmierigen Mafioso.

Insgesamt hat mir das Buch also ziemlich gut gefallen und positiv überrascht. Die Autorin stammt übrigens aus Osnabrück und ist durch einen Schreibwettbewerb mit diesem Buch bei Lyx gelandet. Das habe ich erst während des Lesens herausgefunden, sonst hätte ich es vermutlich für ein amerikanisches Buch gehalten, denn das New York und die Stimmung dort fühlten sich sehr real an. Mich hat K.C. Atkins auf jeden Fall neugierig gemacht. Band 2 liegt schon auf dem E-Reader bereit.

Fazit:

Wer ein seichte Erotik sucht, muss woanders suchen. Wer einen hochkomplizierten Thriller sucht, auch. Aber die Mischung beider Genres, vereint mit sympathischen Charakteren und einem flüssigen Schreibstil haben für mich ein gutes Buch geschaffen. Ich hatte Spaß, Gefühle und Spannung beim Lesen und fand die Mischung aus allem wirklich gelungen.

Weitere Meinungen:

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[Rezension] Und dein Leben, dein Leben von Magret Kindermann

[Rezension] Und dein Leben, dein Leben von Magret Kindermann

[Rezension] Und dein Leben, dein Leben von Magret Kindermann

Dieses Buch stand schon etwas länger in meinem Regal und ganz weit oben auf meiner Leseliste, da ich Magret Kindermann persönlich kenne sehr gerne mag. Ihre Art, die Welt zu betrachten, zu sprechen und die Dinge zu sehen ist sehr besonders und ich war neugierig, ob sich das auch in ihren Büchern widerspiegelt.


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  • Titel: Und dein Leben, dein Leben
  • Autorin: Magret Kindermann
  • Genre: sanfte Psychothrillernovelle(?)
  • 107 Seiten, Ebook: 1,49€ | TB: 9,99€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Krimiautorin Carmen lebt in einem Bootshaus abseits der Zivilisation in der Nähe eines Waldes, wo sie eine Leiche gefunden hat. Sie genießt die Einsamkeit und lässt ihrer Fantasie in ihren Manuskripten freien Lauf. Einziger Begleiter ist ihr Hund, mit dem sie gerne ausgedehnte Waldspaziergänge macht. Eines Tages wird sie jedoch bewusstlos geschlagen und sitzt plötzlich in ihrem eigenen Haus gefangen einem Fremden gegenüber, der von sich sagt, er seie ein Serienmörder.


Meine Meinung:

Ich liebe das simple und doch schicke Cover mit den dunklen Wellen, die mich an den See aus der Geschichte erinnern. Dieses Buch ist eines dieser Bücher, über die ich einerseits ganz viel und gar nicht reden möchte. Es ist eine dünne Novelle, die man verschlingt und in einem Rutsch durchlesen kann und möchte. Dementsprechend kann ich auch nicht viel über den Inhalt oder die Charaktere sprechen ohne etwas vorweg zu nehmen.

Die Prämisse des Buches ist düster und bedrohlich, doch wir lassen uns ein bisschen Zeit Carmen und ihr Leben kennen zu lernen. Warum sie so lebt, wie es ihr geht und warum sie so fasziniert von Verbrechen ist. Als leidenschaftliche Zuschauerin von Aktenzeichen XY und True Crime Sendungen kann ich diese bizarre Faszination am Tod und den dunkelsten Seiten der Menschen gut nachvollziehen. Auch wenn Krimiautorin Carmen ihr täglich Brot damit verdient, jagen ihr die Tatortfotos, ihre eigenen Werke und das tiefe Abtauchen in die Materie im einsamen Bootshaus manchmal Schauer ein.

Magret Kindermann philosophiert gerne und denkt außerhalb gesellschaftlicher Konventionen und Normen. Das überträgt sie auch wunderbar auf die Geschichte. Da wir alles aus Carmens Kopf heraus betrachten und sie viel mit sich allein ist, passt das wunderbar. Wir tauchen die Zehenspitze in die düstere Gedankenwelt von Carmen, die ein Bild von einer Geschichte vor Augen hat, das sie nicht ganz fassen kann. Die Story, die ihr bestes Buch bilden soll, das sie doch nicht schreiben kann.

Schatten und Licht.

Die oberflächlichen Gespräche mit den Leuten aus dem Ort am anderen Ufer des Sees, ihre Belanglosigkeiten aber auch ihre Heiterkeit stehen im Kontrast zur düsteren Carmen.

Und dann kommt der Tag, an dem sie bewusstlos geschlagen wird und einem Fan ihrer Arbeit gegenüber sitzt. Ein Serienmörder, gelassen und doch bedrohlich. Eine Zwickmühle aus Angst, Faszination und Neugier. Wir fiebern mit Carmen und lauschen dem interessanten Austauschs einer Mörderin auf Papier und eines realen Mörders. Die Luft ist klirrend kalt und die Seiten fliegen vorbei, während man dem Spiel der beiden folgt. Kann Carmen entkommen? Wird sie überleben? Hat dieser Mann etwas mit ihr zu tun? Wir decken Geheimnisse aus Carmens Vergangenheit auf, während der Mörder ein Rätsel bleibt. Wird er sie umbringen? Was hat er vor? Warum Carmen? Nicht ganz greifbar und mit vielen Fragezeichen, aber so ein faszinierender Charakter!

Ich mochte auch die Geschichte in der Geschichte, die Carmen dem Mörder vorliest. Generell liebe ich es, wenn in Büchern über Bücher und das Schreiben gesprochen wird.

Ich kann gar nicht so genau benennen was mich so in den Bann zieht. Der melancholisch, nachdenkliche Schreibstil? Die schrulligen Figuren? Diese bedrohliche Geschichte? Vermutlich ein Mix aus allem. Und ein Mix, der Magret Kindermann wirklich gelungen ist. Etwas vom Tod klebt an der Geschichte, dunkel und schwer wie der See. Auch das Genre einzuordnen fällt mir schwer. Es ist schon ein Psychothriller, aber ohne Blut, ohne Hektik, sondern langsam und bedrohlich wie eine Schlange im Gras.

So gerne würde ich mehr über dieses Buch erzählen, aber es ist schwierig, in Worte zu fassen welche Emotionen und Gedanken das Buch in mir losgetreten hat. Fies!

 

Fazit:

Ein kleines Kunstwerk! Dieses Buch muss man einfach selbst gelesen haben, um die Magie zu verstehen. Für alle, die einen kühlen Schauer suchen. Menschliche Abgründe und Untiefen, die einen zum Nachdenken anregen. Leise Töne, interessante Gedanken statt Action und Blut. Gute Gespräche, schöne Wörter und eine Geschichte, die im Nacken kitzelt. Dafür gibt es die volle Anzahl Seesterne!

Weitere Meinungen:

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[Rezension] The Ending von Iain Reid

[Rezension] The Ending von Iain Reid

[Rezension] The Ending von Iain Reid

Diesen Thriller habe ich mir bei arvelle mitbestellt, weil ich fand, dass er interessant klang. „Du wirst dich fürchten und du wirst nicht wissen, warum“ und „Für Fans von Stephen King und Alfred Hitchcock“ hat mich neugierig gemacht. Ich war sehr überrascht, dass das Buch so dünn war, aber so habe ich es direkt an einem Tag durchlesen können.


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  • Autor: Iain Reid, übersetzt von Anke Kreutzer und Eberhardt Kreutzer
  • Titel: The Ending
  • Verlag: Droemer Knaur
  • Genre: Psychothriller
  • 240 Seiten, Broschiert: 14,99€ | Ebook: 12,99€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Jake fährt mit seiner Freundin durch verschneite Täler und Dörfer, um seine Eltern zu besuchen. Die beiden sind erst seit kurzer Zeit zusammen und die Freundin, denkt heimlich daran, Schluss mit Jake zu machen. Sie verschweigt ihm außerdem die Anrufe eines mysteriösen Stalkers. Unbehagen liegt in der Luft, doch was beide nicht wissen: Nach diesem Ausflug wird nichts mehr sein, wie zuvor.


Meine Meinung:

Das Buch liest sich aufgrund seiner Kürze sehr schnell, der Schreibstil ist flüssig. Die Kapitel sind durch kurze, kursive Gespräche unterteilt, die nach den Ereignissen des Buches spielen. Zwei unbeteiligte unterhalten sich, man erhält Andeutungen auf das, was noch geschehen wird.

Das soll die Leser*in kitzeln, reizen und locken. Weiterzulesen und weiterzustöbern. Anfangs hat das noch funktioniert, ab der zweiten Hälfte, haben mir diese Gespräche zu viel vorweggenommen.

Die Beklemmung mit jemandem im Auto zu sitzen, mit dem man Schluss machen möchte, wird uns denke ich, allen klar. Ein Pärchen, auf dem Weg zu seinen Eltern. Einsame Straßen, ländliche Einsamkeit. Eine perfekte Kulisse für eine sich zuspitzende Lage. Leider spitzt sie sich nicht zu? Ich fand die Gespräche der beiden interessant, philosophisch und nachdenklich. Ich glaube, auch hieraus kann man bereits viele Hinweise auf den Verlauf der Geschichte ziehen, wenngleich sie viel subtiler sind als die kursiven Dialoge am Ende der Kapitel.

Es endet in einer Katastrophe

Die Auflösung war denkbar unspektakulär. Was ich bereits als Lösung erahnt hatte, trat auch genau so ein. Auch die Darbietung war mir zu konfus, zu unlogisch. Das Handeln der Charaktere hat für mich keinen Sinn ergeben und deswegen wurde umso klarer, worauf es hinauslaufen wird. Ziemlich lahm – meiner Meinung nach – und nicht zeitgemäß. Es macht mich eher wütend. Ich habe extra geschaut, wann das Buch erschienen ist. 2016. Also eigentlich keine Entschuldigung für so einen unspektakulären Abschluss.

Zumal das Verhalten der Charaktere sehr unlogisch war. Das Finale sollte spannend, beklemmend sein, war aber zu konfus, zu aberwitzig, um mich zu fesseln. Ich habe die letzten fünfzig Seiten eher überflogen, um einfach zu wissen, wie es jetzt ausgeht. Wenn man googlet, scheinen auch viele Leute nicht kapiert zu haben, was geschehen ist. Trotzdem fallen viele Rezensionen zum Buch positiver aus als meine.

Iain Reid hat – in meinen Augen – bei dem Versuch einen philosophischen, für die grauen Zellen anspruchsvollen Psychothriller mit subtilem Horror zu gestalten, ziemlich versagt. Deswegen bin ich froh, dass ich das Buch vergünstigt bei arvelle gekauft habe und nicht zum vollen Preis. Denn das ist eines der wenigen Bücher, das ich lieber in die Tonne statt in den Bücherschrank stecken würde.

Um doch noch was Gutes zu sagen: Das Cover finde ich cool.

Rage-Babsi

Deswegen kommt hier ein kleiner spoilernder Rant, den ich in weißer Schrift halte. Markiert den Abschnitt, um ihn zu lesen. Wenn ihr euch nicht spoilern wollt, lest einfach unten weiter.

Spoiler Anfang:

Wow, wie lahm. Ich habe nach dem Ende direkt nach der Jahreszahl geschaut. Um vielleicht eine Entschuldigung zu finden, für die lahmste Ausrede nach „Alles war ein Traum.“ Natürlich: multiple Persönlichkeiten. Die Freundin, Jake, die Eltern, das alles existiert gar nicht wirklich, das sind alles Erinnerungen gemischt mit sich selbstständig machenden Persönlichkeiten. Um dem Wahnsinn zu entkommen, rammt er sich Kleiderbügel in den Hals. Tolles Ende. Danke für Nichts.

Am Ende als Jake ins Schulgebäude geht um den Mann zu verfolgen und die Freundin ihm folgt, ist jegliche Logik bereits auf der Strecke geblieben. Dass sie dort halten, die Verfolgung mit dem seltsamen Hausmeister, das macht keinen Sinn und das als Leser*in zu wissen, hat zumindest meine Spannung unter den Nullpunkt getrieben. Ich habe die Seiten mehr gelangweilt überflogen als es eigentlich am spannendsten bleiben sollte.

Psychische Erkrankungen als Plot Device, keine Hilfestellung, Selbstmord als „beste und einzige Lösung“. Beschisssener kann man ein Buch nicht beenden. Je mehr ich darüber nachdenke, desto wütender bin ich auf dieses Ende. Nicht mal die Umsetzung ist besonders gut gelungen. Schon beim Besuch bei den Eltern wird klar, dass eigentlich niemand in dem Buch mehr psychisch gesund ist. Wir haben eine unzuverlässige Erzählerin, die auch kaum den Anschein erwägt, eine eigenständige Person zu sein. Man ahnt es bereits. Auch die Mutter ist/war psychisch krank, alle waren irgendwie irgendwo psychisch krank und das soll den Horror des Buches bilden.

Eine wunderbare Message, oder?

Spoiler Ende.

Fazit:

Die interessanten, nachdenklichen Dialoge trösten nicht über die verpassten Chancen, die fehlende Spannung und die katastrophale Auflösung machen es nicht besser. Dieser Psychothriller hatte schlecht geliefertes „Psycho“, sehr wenig „Thriller“ und konnte mich so gar nicht überzeugen. Das unfassbar schlechte Ende reißt mich nicht vom Hocker, sondern macht mich einfach nur wütend. Reinfall!

Weitere Meinungen:


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[Rezension] Der Insasse von Sebastian Fitzek

[Rezension] Der Insasse von Sebastian Fitzek

[Rezension] Der Insasse von Sebastian Fitzek

Das Paket“ von Sebastian Fitzek hat mir ja eher solala gefallen, die alten, hochgelobten Bücher habe ich (noch) nicht gelesen. Das neue Buch weckte aber nicht nur aufgrund der Thematik mein Interesse. Vielleicht erinnert ihr euch noch an die Leseraktion, bei der Leser*innen gemeinsam mit Sebastian Fitzek in einer Psychiatrie „eingesperrt“ werden sollten. Nach haufenweise Kritik wurde das Event in ein Hotel verlegt. Nun ist das nicht Fitzeks erstes Buch rund um Psychiatrie, Psychologen und Psychopathen. Aber ich wollte es lesen, auch um mir ein Bild zu machen. Als angehende Psychologin bin ich vielleicht etwas sensibler bezüglich der Darstellung ebenjener. Weil meine Berufsgruppe nicht unbedingt den besten Ruf hat.


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  • Autor: Sebastian Fitzek
  • Titel: Der Insasse
  • Verlag: Droemer Knaur
  • Genre: Psychothriller
  • 377 Seiten, limitierte Sonderausgabe, geb.: 22,99€ | Ebook: 14,99€
  • auf amazon* kaufen

Worum geht’s?
Der Kindermörder Tramnitz plädiert auf nicht zurechnungsfähig und wird anstatt ins Gefängnis in eine forensische Psychiatrie gesperrt. Doch seinen letzten Mord am kleinen Max – und wo er dessen Leiche verscharrt hat, bleiben sein Geheimnis. Till Bentow, der Vater des Jungen, kann keine Ruhe finden, bis er weiß, was mit seinem Sohn passiert ist. Also übernimmt er die Identität eines Toten und lässt sich selbst einweisen. Doch in der Anstalt spielt jeder sein eigenes Spiel und die Türen nach draußen sind fest verschlossen.


Meine Meinung:

Die Prämisse des Buches verspricht Hochspannung in bedrohlicher, beklemmender Atmosphäre. Und die bekommt man auch!

Das Buch reißt einen von Anfang an mit. Fitzeks klarer, unverblümter Schreibstil und der gekonnte Perspektivenwechsel ziehen einen in die Geschichte. Wenn es um Kinder geht, ist es immer besonders schlimm. Vor allem die Ungewissheit, die größte Angst, das größte Unglück.

Till Bentow handelt verrückt und doch nachvollziehbar. Wir können ihn verstehen und hoffen mit ihm, dass sein aberwitziger Plan klappt.

Die dubiosen Machenschaften und Tändeleien in den Mauern der Steinklinik erschweren die Suche nach Antworten. Alle möglichen menschlichen Abgründe offenbaren sich. Es schmerzt, zu lesen und es schmerzt, die Verletzungen und Misshandlungen mitzuerleben.

Splatter kann Fitzek!

Die blutigen, gewaltsamen Beschreibungen kommen wie immer nicht zu kurz. Sebastian Fitzek zeigt, warum er Psychothriller schreibt, wobei manche Szenen für mich durchaus auch Horror-Genre-reif wären. Sie tragen zur Spannung bei, auch wenn in „Der Insasse“ auch die Geschichte überzeugt.

Während ich bei „Das Paket“ relativ gleichgültig durchblätterte, litt ich Qualen mit den Figuren. War wütend und schockiert, emotional involviert. Gewisse Dinge, z.B. Fingernägel oder Verbrennungen lösen bei mir immer eine richtige Gänsehaut aus. Für zarte Gemüter ist das Nichts!

Yay, gute Psychologen!

Was mich immer freut, ist, wenn Psycholog*innen und Psychiater*innen nicht als blutrünstige kalkulierende Teufel dargestellt werden. Mit Frau Sänger hat Sebastian Fitzek zumindest eine sympathische und kompetente Figur aus dieser Berufsgruppe, wenngleich die Ärztekollegen sich nicht mit Ruhm bekleckern.

Der Antagonist Guido Tramnitz war ein wirklich widerlicher, unmenschlicher Zeitgenosse, der sich durch sein Kalkül und seine barbarische Freude am Leid anderer, von seinen Mitpatient*innen abhob.

Auch das finde ich, im Lichte der vorherrschenden Stigmatisierung psychischer Erkrankungen, unfassbar wichtig.

Tramnitz Ränkespiel, die hohe Emotionalität der Geschichte und das Verwirrspiel taten ihre Wirkung. Das Buch war hochspannend, von der ersten bis zur letzten Seite. Vor allem das Finale hat nochmal reingehauen. Nervlich aufreibend!

Klitzekleine Kritikpunkte…

Letztlich bin ich nur nicht komplett vom Hocker gerissen, weil das Ende für mich zu simpel war. Der unzuverlässige Erzähler ist ein beliebtes Stilmittel, aber letztlich kam die Auflösung nicht sonderlich schockierend, sondern wirkte irgendwie… lahm? Zu Einfach? Es ging zu schnell und wirkte für meinen Geschmack zu sehr nach deus ex machina. Auch die Parts mit Ricarda blieben für mich unangenehm offen. Natürlich sollte es nur angedeutet werden, aber es war mir trotzdem nicht greifbar genug.

Die Aufmachung des Buches inkl. rotem Buchschnitt und Gummizellenhaptik und auch die kreative Danksagung sind aber definitiv auch noch positiv zu erwähnen. Sehr cool!

Ich denke zwar immer noch, dass man beim Marketing etwas sensibler mit dem Thema Psychiatrie hätte umgehen sollen. Auch weil die Einrichtung im Buch weit entfernt von einem Horrrorschauerpalast war.

Fazit:

Hochspannend, emotional und beklemmend hat dieses Buch alles, was einen guten Psychothriller ausmacht. Im Vergleich zu „Das Paket“ hat Fitzek mich hier weitaus mehr von sich überzeugt. Ein gelungener Pageturner mit heftiger Thematik, der durchgehend spannend ist.

4,5seesterne

Weitere Meinungen:
[Rezension] Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal (Teil I) von Robert McCammon

[Rezension] Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal (Teil I) von Robert McCammon

Dieses Ebook habe ich bei NetGalley angefragt, weil es sich ziemlich spannend anhörte. Danke an NetGalley also für dieses Schätzchen! Aus dem Klappentext wurde nicht ganz ersichtlich ob es in diesem Buch tatsächlich fantastische Elemente gibt. Und nachdem ich Teil I gelesen habe, tappen auch wir Leser noch im Dunkeln. 😉


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  • Titel: Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal Teil I
  • Autor: Robert McCammon
  • Verlag: Luzifer
  • Genre: historischer Krimi, Thriller
  • gebunden*: 19,95€ | Ebook*: 7,99€
  • Reihenfolge: Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal Teil I; Teil II. Im Englischen gibt es bereits mehrere Teile der Matthew Corbett Reihe. „Speaks the Nightbird“ (auch anfangs Teil 1 und 2, inzwischen Doppelband) wurde in Deutschland in Teil I und Teil II gespalten.

 

Worum geht’s?
Die neue Welt – Es ist noch nicht lange her, seit Amerika besiedelt wurde. Die kleinen Kolonien haben es schwer, auch wenn sich einige Hafenstädte bereits etablieren konnten. 1699: Richter Woodward und sein Gerichtsdiener Matthew Corbett werden ins düstere Fount Royal gerufen. Es gab zwei Morde, viele Brände und Missernten. Die Dorfbewohner sind sich einig: die Rachel Howarth ist schuldig, denn sie ist eine Hexe des Teufels, die das Dorf verflucht hat! Im Dorf stoßen Woodward und Corbett auf viel Aberglauben, allerlei Geheimnisse und widersprüchliche Aussagen. Auch haben die Hexenprozesse von Salem Wellen geschlagen – es herrschen in Fachkreisen viele Zweifel an der Existenz von Hexen. Doch vieles spricht gegen die junge Frau. Als der Richter krank wird, droht die Situation zu eskalieren. Matthew glaubt an Rachels Unschuld, doch das Holz für den Scheiterhaufen wird bereits gefällt…

Vorweg noch eine kleine Triggerwarnung (Bereich zwischen den Strichen markieren, um zu lesen): | In dem Buch gibt es Szenen und detaillierte Beschreibungen von den Krankheitszuständen (Beulenpest) der Menschen und Schlachtungen z.B. von Schildkröten, sowie relativ explizite Sexszenen mit „Tieren“ bzw. dem „Teufel“. |

 

Meine Meinung:

Als ich das Buch anfing war ich zuerst etwas erschlagen von den vielen Beschreibungen. Kutschen, Kleider, Umgebungen und Leute. Was anfangs noch etwas störend war, wurde jedoch immer besser in die Geschichte eingewoben. Wir befinden uns in einer anderen Zeit. In der Kolonialzeit in Amerika – noch geben sich die Indianer den englischen und spanischen Kolonialisten nicht geschlagen. Es gibt kein elektrisches Licht, keine Züge – nur Kutschen und Kerzenlicht. Und das Wetter in Fount Royal mutet so trüb an wie man sich einen regnerischen Tag in London vorstellt. Kaum kommen Matthew Corbett und Richter Woodward an ihrer ersten Wegstation an – einem Farmhaus, in dem sie vor einem Unwetter Schutz suchen wollen – hat mich die Geschichte in ihren Bann gezogen. Von da an, ging es rasant weiter, obwohl sich viel Zeit beim Erzählen gelassen wurde. Fount Royal, die verschiedenen Einwohner und die Spannung bauen sich unglaublich auf. Es dauert einige Zeit bis wir das erste Mal auf die Frau treffen, die der Hexerei beschuldigt wird. Wir bekommen vom Bürgermeister, vom Lehrer, vom Arzt und von den Dorfbewohnern bereits viele Informationsschnipsel zugeworfen. Wem kann man glauben, wer hat einfach zu tief ins Glas geschaut und wer lässt sich von der allgemeinen Panik anstecken? Den Reverend und ihren Mann soll sie ermordet haben – was niemand gesehen hat.

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Gesehen haben wollen sie nur einige Leute beim Akt mit abscheulichem Wesen und dem Teufel. Heutzutage würde man vermutlich einen Drogentest bei den Leuten machen. Aber damals war es anders. Und tatsächlich – die Geschichten decken sich auf unheimliche Weise. Aber nur aufgrund von Aussagen eine Frau zum Scheiterhaufen verteilen? Mich hat das Thema sehr berührt und aufgewühlt und ich war dankbar für Richter Woodwards kühlen Kopf und Matthews Neugier und klaren Verstand, sonst hätte ich den EReader in der Mitte zerrissen. Die Aberwitzigkeit, die Ungerechtigkeit macht uns wütend und wir fiebern mit Matthew mit und beten, dass er einen Hinweis findet, diese Frau zu entlasten. Nicht alle im Dorf sind gegen sie, aber je mehr Informationen ans Licht kommen, desto leichter fällt es zu glauben, dass es in Fount Royal wirklich nicht mit rechten Dingen zugeht. Der drohende Scheiterhaufen und die kleinen Informationskrümel, die uns teilweise neue Fragen aufwerfen, die schreiende Ungerechtigkeit und der Wunsch zu wissen, was wirklich passiert – all das verstrickt der Autor zu einem unglaublich spannenden Plot. Bei ca. 40% habe ich auf die Uhr geschaut und mich erschrocken: Es war 3:33 Uhr (kein Witz) und ich hatte ca. 3 Stunden wie gefesselt gelesen. Dann habe ich mal nachgeschaut wie viele Seiten das Buch hat. Kein Wunder, dass ich erst bei 40% war, es ist ein knapp 500 Seiten dicker Wälzer. Und trotzdem bin ich durchgeflogen wie auf einem Hexenbesen! Huiuiui!

Auch wenn mir die Beschreibung an einiger Stelle weiterhin etwas zu ausufernd waren, ich war spätestens nach den ersten beiden Kapiteln wie gefesselt, so spannend war das Buch. Teilweise ziemlich erschütternd, einfach durch die direkten, ungeschönten Beschreibungen von Krankheiten und Hygienezuständen. Matthew Corbett, der Titelheld, ist ein neugieriger Bursche. Er ist ehrenhaft und aufrichtig, beinahe schon ein wenig zu sehr. Aber er macht Fehler, vergisst Dinge und kommt zu falschen Schlüssen – was ihn umso sympathischer macht. Richter Woodward wirkt anfangs eher wie eine Witzfigur, aber wir merken, dass er ein kluger, besonnener Mann ist, der mit seinen eigenen Dämonen kämpfen muss. Dann gibt es noch den furchtbaren Bürgermeister und Gründer von Fount Royal, Bidwell, dem man einfach die Schaufel ins Gesicht kloppen möchte – aber auch er wirkt in sich stimmig. Die Charaktere sind interessant und vielfältig, nur manchmal vergaß ich bei den vielen Namen, wer gemeint war.

Janna sollte das lesen!“, hab ich mir zwischendurch gedacht. Düster und absolut spannend.

Auch das Cover ist ansprechend gestaltet. Zwar ist die englische Originalversion in einem Band gefasst, aber ich finde es nicht schlimm, dass der Luzifer Verlag die Geschichte auf zwei Teile aufgespalten hat. Nur der Cliffhanger macht eben Lust auf mehr, denn wir sind mittendrin, als Teil I endet. Nicht so, dass ich anfgefangen habe zu weinen und mein Herz aus der Brust sprang, aber so, dass ich mir direkt Teil 2 kaufen will… immer ein gutes Zeichen!

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Mein Fazit:

Was soll ich sagen: wir haben glaubwürdige Charaktere, ein interessantes, gut recherchiertes Setting, sehr viel Spannung und eine mitreißende Geschichte. Manchmal war der Schreibstil etwas ausschweifend, aber alles in allem, kann ich kaum mäkeln, weshalb ich guten Gewissens 5 Seesterne vergeben kann.

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Andere Stimmen zum Buch:

 


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[Rezension] Sebastian Fitzek – Das Paket

[Rezension] Sebastian Fitzek – Das Paket

Nach einer längeren unibedingten Leseflaute im letzten Jahr habe ich aktuell wieder richtig Spaß und Lust am Lesen. <3

Endlich habe ich mich einem besonderen Schätzchen gewidmet: „Das Paket“ von Sebastian Fitzek – der erste Fitzek, den ich gelesen habe.

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Worum gehts?

Psychiaterin Emma Stein wird Opfer des „Friseurs“, eines Serientäters: sie wird vergewaltigt und ihr werden die Haare geschoren. Mit einem Unterschied: Sie überlebt. Doch die Tat hinterlässt tiefe seelische Narben und sie traut sich nicht mehr aus dem Haus, hat Panikattacken und ein normales Leben mit ihrem Mann Philipp scheint undenkbar. Dass einige an der Wahrheit ihrer Worte zweifeln macht alles noch schlimmer. Eines Tages nimmt Emma ein Päckchen für einen Nachbarn an, dessen Namen sie nicht kennt. Und dieses Päckchen soll der Beginn einer schrecklichen Geschichte sein, bei dem sich Emma ihrem Trauma und dem verrückten Serienmörder erneut stellen muss.

Meine Meinung:

Ich weiß noch, ich war ganz verzückt als es ganz neu bei uns im Buchladen in der Lieferung war. Das Design des Buches ist on point. Der Inhalt klang auch ganz spannend, aber ich glaube die unfassbar coole Verpackung war einer der Hauptgründe für meinen Kauf. Hut ab dafür lieber Droemer-Knaur Verlag!

Als Psychologiestudentin freue ich mich immer über Personen aus meiner Berufsgruppe als Protagonisten. (Seelenbrecher von Fitzek möchte ich übrigens auch noch lesen) Einerseits weil man sich mit der Figur dadurch mehr verbunden wird, andererseits weil die Einblicke und das Verständnis der Charaktere dadurch tiefer wird. Emma weiß z.B. genau, welche Medikamente sie nimmt, was diese bewirken und was ihre Symptomatik bedeutet. Inhaltlich also eine spannende Ergänzung zur beklemmenden Atmosphäre. Natürlich macht es das umso frustrierender, dass ihre psychische Genesung nach der schrecklichen Attacke nicht so gut verläuft. Freunde und Polizei werfen ihr vor eine pathologische Lügnerin zu sein, dass sie in ihrer Kindheit bereits wegen eines eingebildeten Freundes in psychotherapeutischer Behandlung war, macht es nicht besser. Diese Selbstzweifel – bin ich wirklich verrückt, bilde ich mir das alles ein oder kann ich meinen Sinnen trauen? – ziehen sich durch das ganze Buch und tragen maßgeblich zur Spannung bei. Atemlos und ebenso vorsichtig folgen wir Emma über das dünne Eis, auf dem sie sich bewegt. Ein paar Mal werden wir auf der Suche nach dem Schuldigen auf den Holzweg geführt und erst ganz zum Schluss offenbart sich das Ausmaß dieser Enthüllung.

Das Buch hat einen starken Anfang, war in der Mitte für mich manchmal etwas vorhersehbar und hat zum Ende hin nochmal beschleunigt. Mein erster Verdacht hat sich nicht bestätigt, wobei ich gar nicht so falsch lag, aber ich war dann doch etwas überrascht. Für mich war die Auflösung in ihrer mangelnden Detailierheit etwas unbefriedigend, weil ich mich weiterhin gefragt hab: „Und wie hat er das jetzt unentdeckt, abgesehen vom Hotelzimmer, geschafft? Wie kam er da und dort hinein?“

Zum Schreibstil von Sebastian Fitzek kann ich nicht wirklich viel sagen. Er trägt einen angenehm durch die Geschichte, lässt sich gut lesen, könnte aber an der ein oder anderen Stelle für meinen Geschmack durchaus eine Schippe drauflegen. Manchmal hätte ich mir genauere Ausführungen zum Tathergang, den Details, der Psychologie o.Ä. gewünscht. Die Eingangsszenen waren sehr fesselnd, danach hat das Buch die Atmosphäre nicht mehr so beklemmend hinbekommen finde ich.

Wir bleiben das ganze Buch über beim Charakter Emma Stein, andere auftretende Personen – außer Ehemann Philipp, Paketemfpänger A. Palandt, Anwalt Konrad – kommen eher am Rande vor. Emma war verschwommen und unklar, weil sie selbst nicht genau wusste, wer sie war, was sie einst ausmachte und psychisch heftig angeschlagen war. Dennoch kämpfte sie verbissen, um Gewissheit zu bekommen und den Friseur zur Strecke zu bringen. Die anderen Charaktere verhielten sich durchaus glaubhaft, blieben aber relativ blass. Ihre Persönlichkeiten trugen auf ihre Art zur Geschichte bei.

Am Ende wurde es nochmal spannend, aber ganz zufrieden war ich mit dem Abschluss nicht. Die Enthüllung der Identität des Friseurs und das letzte Gespräch konnten für mich nicht die Tiefe und Betroffenheit erzeugen, die ich mir gewünscht hatte. Es war mir irgendwie gleichgültig. Zum zehnjährigen Autoren-Jubiläum sind hinten noch Leserbriefe abgedruckt, die sich wirklich rührend lesen. Sebastian Fitzek kommt als Mensch einfach sehr bodenständig, sympathisch rüber (Ich meine Hallo?!, er hat ein Kinderbuch namens „Pupsi & Stinki“ geschrieben!) und das finde ich unfassbar toll.

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Fazit:

Das Buch hat mich sehr gut unterhalten, war spannend und ließ sich schnell lesen. Da Sebastian Fitzek von vielen Leuten sehr gefeiert wird, war ich irgendwie etwas „underwhelmed“, also unterwältigt. Ich fand das Buch gut, aber es hat mich nicht durchgehend gepackt und wirklich emotional mitgerissen. Vielleicht liegt es einfach ein wenig am Genre, da ich nicht so der Krimi/Thriller Leser bin. Dass ich meistens schnell weiß, wo der Hase lang läuft und was wie zusammenhängt. Dennoch kann ich das Paket als spannende, gute Lektüre gerne weiterempfehlen!

Ich werde auf jeden Fall noch ein paar weitere Fitzeks lesen (Passagier 23 liegt schon im Regal, der Seelenbrecher soll noch zuziehen). Vielleicht schafft es eines seiner anderen Bücher mich komplett zu fesseln. Ich vergebe 4 Seesterne, da das Buch spannend, unterhaltsam und für mich ein Grund war, definitiv mehr von Sebastian Fitzek lesen zu wollen!

4seesterne

Weitere Stimmen zum Buch:


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