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[Rezension] The monsters we deserve von Marcus Sedgwick

[Rezension] The monsters we deserve von Marcus Sedgwick

[Rezension] The monsters we deserve von Marcus Sedgwick

Zwischendurch lese ich gerne englischsprachige Bücher. Von Marcus Sedgwick hatte ich noch nie etwas gehört, aber das Cover und der Klappentext haben mich angesprochen. Also habe ich es mir spontan gekauft!


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  • Autor: Marcus Sedgwick
  • Titel: The monsters we deserve
  • Genre: Milder Horror, Schauerroman
  • 272 Seiten, gebunden 13,66€ | Taschenbuch 9,96€ | Ebook 5,40€
  • auf amazon* kaufen (Sprache: Englisch (bisher nicht auf deutsch erschienen)

 

Worum geht’s?
Ein Autor zieht sich in eine einsame Berghütte zurück, um einen neuen Gruselroman zu schreiben. Ohne Empfang, abgeschnitten von der Zivilisation und in den Weiten des endlosen Himmels grübelt er über Monster und das Böse nach. Und muss feststellen, dass er vielleicht noch nicht so allein ist, wie gedacht


Meine Meinung:

Vorneweg etwas zu den Äußerlichkeiten: Ich habe das Taschenbuch, das mit einem schwarzen Cover und einer geprägten Schrift daher kommt. Auch innen drin ziehen sich Illustrationen oder mehr Verzierungen subtil durchs Buch. Äste, Nebelschwaden, kleine Symbole. Das sieht einfach toll aus und ist atmosphärisch. Spannend war auch, dass die „Kapitel“ mit Seiten getrennt waren auf der je ein Buchstabe stand. Detektiv Babsi hat natürlich gleich fleißig mitgeschrieben. Am Ende entsteht ein Satz daraus. Welcher das ist, werde ich natürlich nicht verraten.

 

Für echte Horrorfanatiker, die es gerne blutig und rasant mögen, ist das Buch definitiv nichts. Wir begleiten den Erzähler, sind in seinem Kopf und folgen seinen Gedanken und lauschen seinen Beobachtungen. Während er versucht sein eigenes Buch zu schreiben, hat er ein Buch zum Lesen dabei, das ihn rasend macht. Dabei beginnt er seltsame Geräusche und Zeichen um sich herum zu sehen. In der kleinen Berghütte, in der er residiert, um einen neuen Horrorroman für seinen Verlag zu schreiben.

Faszinierend fand ich, dass nicht ganz klar war, ob ein Charakter oder Autor Marcus Sedgwick dieses Geschehen erlebt. Was für eine Person ist unser Protagonist, was für ein Leben führt er abseits der Hütte? Davon erfahren wir nicht viel. Das Buch ist quasi eine Auszeit mit ihm, seinen Gedanken und der überwältigenden Wildnis. Für aufmerksame Lesende gibt es viele Andeutungen, viele Nuancen. Es geht um Sprache, um das Schreiben, die Geburt von Geschichten und die Geburt von Monstern.

 

Ich habe mir viele Passagen angestrichen

So viel möchte ich gar nicht über das Buch erzählen, denn ich bin relativ unbedacht herangegangen. Und es hat mich in seinen Bann gezogen, mich miträtseln und mitgrübeln lassen. Es hat viele wunderschöne, gleichzeitig melancholische und nachdenkliche Passagen. Gleichzeitig analysiert es schriftstellerische Prozesse, Vorstellungen von Gut und Böse und zeitgenössische bzw. historische Einflüsse auf das Genre der Schauerromane bzw. des Gothic Horror.

Die vierte Mauer, die es durchbricht, die Metaebene lassen einen dabei zwischendurch über die Schulter schauen, ob nicht doch etwas mit im Zimmer sitzt… Durchaus ein bisschen nebulös, verwirrend mit vielen offenen Fragen. Aber das ist für mich die gruseligste und meine liebste Sorte von Horror.

Fazit:

Ein dunkles, schauriges Vergnügen, das vor allem Buchliebhaber*innen und Schreibenden zusätzlich Spaß macht. Ein Buch, an das man am besten ohne viele Vorinformationen herangeht. Das Lesen ist ein Erlebnis. Wer atemlose Hetzjagden und blutigen Horror erwartet, wird aber nicht fündig.

 

Weitere Meinungen:

Ich habe keine deutsche Rezension zu dem Buch gefunden. Falls ihr eine geschrieben habt, lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen!

 


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[Rezension] New York Bastards: In deiner Erinnerung von K.C. Atkin

[Rezension] New York Bastards: In deiner Erinnerung von K.C. Atkin

[Rezension] New York Bastards: In deiner Erinnerung von K.C. Atkin

Nachdem mich der erste Band um die New Yorker Gangstertruppe positiv überrascht hat, wollte ich gleich den zweiten Band lesen, in dem es um Butch und Victoria geht. Zwei Charaktere, die mir auch im ersten Buch schon gut gefallen haben. Außerdem gilt eine Spoilerwarnung für den 1. Band, da dieses Buch sich unmittelbar daran anschließt.


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  • Autorin: K.C. Atkin
  • Titel: New York Bastards: In deiner Erinnerung (2. Band der New York Bastards Reihe)
  • Verlag: LYX
  • Genre: Thriller, Romantik
  • 458 Seiten, TB: 4,99€ | Ebook: 12,90€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Nach den Ereignissen aus dem 1. Band kämpft Butch mit den körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen als ihm eines Nachts ein Mädchen vor die Füße fällt. Sie spricht kaum, wurde offensichtlich misshandelt und ist unterernährt. Butch vermutet dahinter einen Ring von Kinderhändlern – ein No Go, selbst in der Gangsterwelt von New York.

Victoria hat ebenfalls an ihrem Päckchen aus Band 1 zu knabbern, doch sie konnte ihr Arbeit als Kinderkrankenschwester wiederaufnehmen. Als ein verstörtes Mädchen eingeliefert wird, ahnt sie nicht, dass sie damit abermals in die Machenschaften der New Yorker Unterwelt verstrickt wird. Butch und Victoria müssen zusammenarbeiten, um dem Mädchen zu helfen und die Verbrecher ein für alle Mal dingfest zu machen.

  • Triggerwarnungen zum Buch: Gewalt (auch gegen Kinder), Traumata, Medikamentenmissbrauch

Meine Meinung:

Das Buch legt in Sachen ernste Themen nochmal eine Schippe oben drauf. Die Autorin K.C. Atkin studierte in Osnabrück Psychologie und man merkt, dass sie auch bei ihren Figuren auf die psychischen Folgen achtet. Butch ist ein gebrochener Mann, der psychosomatisch stark angeschlagen ist. Victoria hat ihr Trauma aus dem ersten Band therapeutisch verarbeitet, aber es wird immer wieder eingestreut, dass beide noch an ihren Erfahrungen zu knabbern haben.

„In deiner Erinnerung“ ist mehr Thriller als Band 1, die Romantik und Erotik kamen sehr kurz. Während ich in der ersten Hälfte einer erneuten Annäherung der beiden Protagonisten entgegenfieberte, wurde es im zweiten Teil sehr schnell und lieblos abgewickelt. Generell fühlte sich das letzte Drittel – die Enthüllung, das Vertiefen der Beziehung, das große Finale – total gehetzt und hingeschludert an. Anders kann ich es wirklich nicht sagen. So mühsam und langsam in der ersten Hälfte alles aufgebaut wird, so zerstört wird es durch das Tohuwabohu am Ende.

Mir gefiel der Anfang wirklich gut, der Fokus auf die individuellen Probleme der Charaktere, ihre Päckchen, ihre psychische Entwicklung. Es war klar, dass die Verarbeitung nur langsam geschah, dass Heilung Zeit braucht. Umso schöner waren ebendiese kleinen Schritte bei Butch, Victoria und dem kleinen Mädchen.

Der Schreibstil war atmosphärisch und lebhaft, es war eher das ernste Thema, das beim Lesen manchmal etwas gebremst hat

Die zweite Hälfte schwächelt…

Ich mochte Butch & Victoria in Band 1 sehr gerne und auch in diesem Buch waren die beiden sympathisch und lebensecht mit ihren Ecken und Kanten. Leider wurde so viel davon wieder kaputtgemacht. Viele Probleme, die es in der gesamten ersten Hälfte gab, waren auf einmal nichtig. Ohne, dass sie durch ein Gespräch gelöst wurden. Natürlich kann man – wenn es sehr ernst wird – merken, dass die Probleme, die man vorher mit der Beziehung hatte, vielleicht nur im Kopf waren. Aber das nicht mal nachbesprechen, sondern in stillem Einverständnis sofort heile Welt spielen?

Es ging alles nur noch um das eine Thema – die Zerschlagung des Kinderhändlerrings, alles andere fiel komplett weg und die Charakterzüge der beiden gingen fast komplett unter. Es wurde teilweise nicht mal mehr darüber geredet. Im ersten Band gefiel mir die Mischung aus Spannung und Romantik total, hier war es irgendwie im Ungleichgewicht. Dadurch fielen einige Mängel eben auf. Der Bösewicht, der aufgebaut wird, ist am Ende so unspektakulär und unbedrohlich wie nur irgend möglich. Nebencharaktere verhalten sich total unsinnig, nehmen plötzlich ganz viel Raum im Buch ein und tauchen dann quasi wieder ab. Der Funke ist nicht übergesprungen.

Es ist schade, denn in Band 1 hat die Autorin für mich eigentlich bewiesen, dass sie diese Balance zwischen Romantik, Thriller mit glaubwürdigen und liebenswürdigen Charakteren hinbekommt.

Fazit:

Viel eher mittelmäßiger Thriller, wenig Romantik bzw. Erotik. In der ersten Hälfte baut das Buch eine gute Geschichte mit spannenden Dynamiken auf, die es am Ende nicht ordentlich zum Abschluss bringen kann. Das Ende wirkt gehetzt, konstruiert und wie eine unfertige Rohfassung. Wenn ihr den ersten Band mochtet, könnt ihr es gerne versuchen. Wer einen romantischen Thriller sucht, greift lieber zum ersten Band.

Weitere Meinungen:

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[Rezension] Bin hexen: Wünscht mir Glück von Liane Mars

[Rezension] Bin hexen: Wünscht mir Glück von Liane Mars

[Rezension]  Bin hexen: Wünscht mir Glück von Liane Mars

Die entspannten Tage im Freibad im Juni wirken wie eine Ewigkeit her. Klausurenphase, dann Urlaub und jetzt ein launisch, kühler August. Aber vielleicht rappelt sich das Wetter je nochmal. Natürlich geht es bei mir nicht ohne Buch zum Baden und auf der Wiese liegen. Mit dabei war mein erstes Drachenmond Verlag Buch – „Bin hexen: Wünscht mir Glück“ von Liane Mars.


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  • Autorin: Liane Mars
  • Titel: Bin hexen – Wünscht mir Glück
  • Verlag: Drachenmond Verlag
  • Genre: Urban Fantasy, Humor
  • bisher zwei Bände, in sich stimmig abgeschlossene Geschichte
  • 280 Seiten, TB: 12,90€ | Ebook: 3,99€
  • Auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Magie ist eigensinnig und launisch. Besonders, wenn Hexe Prim sie einsetzt. Nichts scheint zu klappen und auch ihren Hexenzwilling, eine menschliche Person mit der sie auf magische Weise seit der Geburt verbunden ist, hat sie noch nicht gefunden. Doch bald findet sie ihn: Ausgerechnet Hexenjäger Liam, der die Welt von der Existenz und der Gefahr von Hexen überzeugen will. Prim fühlt, dass sie ihn kennenlernen muss. Doch sie läuft Gefahr, sich selbst und ihre liebsten dadurch in große Gefahr zu bringen. Und die Magie gerät immer mehr aus dem Ruder.


Meine Meinung:

 

Ein interessanter Gedanke und ein urkomisches Worldbuilding. Magie, die sich so gar nicht bändigen lässt, das ist ziemlich neu. In diesem Buch sorgt die Magie hauptsächlich für Chaos, seltsame Zufälle und sehr witzige Namensgebungen.

Das Thema des Buches – Hexe trifft Hexenjäger und möchte ihn davon abhalten, ihre ganze Sippe zu verhaften – ist simpel. Und doch gelingt es Liane Mars durch ihre schrulligen und lebhaften Charaktere etwas Besonderes daraus zu machen.

Quietschbunt, emotional und absolut liebenswürdig kommt unsere Chaosprotagonistin Prim daher. Hexenjäger Liam hingegen ist rational, kühl und sehr ernst. Eine explosive Mischung, aber eine Chemie, die stimmt. Das Herantasten und die Entwicklung der Beziehung der Beiden sind absolut niedlich(?) mitanzusehen und man fiebert wirklich mit. Dem Happy End stehen dabei natürlich allerlei Dinge im Weg.

Dabei gelingt es Liane Mars in den richtigen Situationen auch den richtigen Ton zu treffen. Wobei die lustigen, nicht ganz so ernsten Szenen und Gedanken überwiegen. Mir hat der Humor auf jeden Fall total gefallen, ich mochte die Situationskomik und die aberwitzigen Ideen. Es ist so herrlich viel schiefgelaufen!

Das Buch ist nicht allzu dick, die Geschichte legt also ein ordentliches Tempo vor, dass sich trotzdem nicht allzu gehetzt oder unvollständig anfühlt. Ich habe es richtig gern gelesen, viel geschmunzelt und eine gute Zeit gehabt! Einzig die Bösewichte wirkten oft etwas blass und wenig bedrohlich, da hätte ich mir noch etwas mehr Action gewünscht. Viele ernsthafte und spannende Szenen wurden zu schnell mit Humor entschärft.

Liane Mars schreibt locker-fluffig, wortgewandt und sorgt damit für noch mehr Lesespaß. Ich freue mich auch, dass es einen zweiten Band gibt, denn von dieser Autorin will ich mehr lesen.

Mein Fazit:

Eine ungewöhnliche Herangehensweise, jede Menge Witze, Situationskomik und ein wunderbar leichtes Buch für Zwischendurch. Mir hat die Mischung aus Urban Fantasy, Liebesgeschichte und Humor total gut gefallen. Auch die ernsteren Töne trifft Liane Mars gut, wenngleich an einigen Stellen die Spannung und Bedrohlichkeit ein bisschen unter der ulkigen Stimmung des Buches gelitten haben. Eine klare Empfehlung für alle Hexen und Magiefans und alle, die ein fröhliches Buch für Zwischendurch suchen.

Weitere Meinungen:

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[Rezension] Water & Air von Laura Kneidl

[Rezension] Water & Air von Laura Kneidl

[Rezension] Water & Air von Laura Kneidl

Von Laura Kneidl liegen einige Bücher auf meinem SuB und ich nehme mir eines nach dem anderen vor. Ihr „Light & Darkness“ war für mich eine solide Romantasy Geschichte, die ich gerne gelesen habe. Im Freibad habe ich mir ihr nächstes Buch vorgenommen, das thematisch perfekt zum Baden passt: Water & Air.


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  • Autorin: Laura Kneidl
  • Titel: Water & Air
  • Verlag: Carlsen
  • Genre: Dystopie, Romantik
  • 480 Seiten, TB: 12,99€ | Ebook: 9,99€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Der Meeresspiegel ist angestiegen, die Kontinente und Städte versunken. Die Menschen scharen sich in Wasser- und Luftkolonien zusammen, die nur sporadisch Handel und Kontakt pflegen. Die achtzehnjährige Kenzie hat noch nie die Sonne gesehen und sie ist das Leben in ihrer strengen Wasserkolonie leid. Als sich ihr die Möglichkeit bietet, flieht sie in eine Luftkolonie. Doch dort wird sie schnell entdeckt und als unbefugter Eindringling ist sie der perfekte Sündenbock für eine Reihe von Morden und Diebstählen in der sonst so friedlichen Luftkolonie. Nur Callum hält zu ihr, doch damit droht er seine eigene Position in der Kolonie zu gefährden.


Meine Meinung:

Das Setting hat mich total neugierig gemacht. Und da hat sich Laura Kneidl auch wirklich Gedanken gemacht. Sowohl die Wasserkolonie als auch die Luftkolonie wirkten total faszinierend auf mich und waren gut beschrieben. Wie auch in „Light & Darkness“ war der Schreibstil für mich angenehm flüssig zu lesen und gleichzeitig abwechslungsreich und richtig zum Abtauchen. Beziehungsweise Auftauchen. 😉

Kenzie ist eine abenteuerlustige Protagonistin, die Mut und Eigenständigkeit beweist. Das hat mir sehr gut gefallen.

Callum war für mich weniger gut zu fassen, er blieb lange undurchschaubar und geheimnisvoll. Seine Beweggründe machten nicht immer Sinn. Im Laufe des Buches haben wir jedoch mehr über ihn erfahren und mir gefiel, wie sein Verhalten begründet wurde und welche Facetten er dadurch bekam.

Luft und Wasser…

Die Nebenfiguren blieben etwas blass, ich hätte gerne noch mehr erfahren. Dennoch freue ich mich über die Diversität, denn Kenzies bester Freund ist homosexuell. Ich hätte mich gefreut, wenn er etwas mehr Platz im Buch bekommt. Die Interaktion zwischen den beiden war am Anfang nämlich sehr intensiv und vertraut, in der zweiten Hälfte war davon nicht mehr ganz so viel übrig.

Was für mich bei den Charakteren leider etwas gehinkt hat, war die Liebesgeschichte, die sich vor dem Hintergrund schwelender Konflikte ziemlich unmittelbar entwickelt hat. Hier hätte ich mir etwas mehr Zeit, etwas mehr Zweisamkeit und Szenen gewünscht, in denen Callum und Kenzie miteinander agieren und sprechen. Die wurden nämlich sehr oft nur angedeutet oder gekürzt. So blieben meist das gemeinsame Abenteuer, die Konflikte und der Fokus auf der Lösung der Mordfälle im Vordergrund.

Das Setting hat mir wie gesagt total gut gefallen und ich würde supergerne mehr Geschichten aus dieser dystopischen Welt lesen. Die Spannung und die Problematiken, die sich durch die begrenzten Ressourcen und das generelle Misstrauen aufgebaut haben, fühlten sich real und verständlich an.

Auch viele Themen, moralische Fragen nach Ressourcen, nach Menschlichkeit, nach Gemeinwohl wurden besprochen. Das war eine sehr gute Mischung, die sich auch wunderbar in die Geschichte eingebettet hat.

Ich war ein bisschen traurig als das Buch zu Ende war. Bisher ist es ein Einzelband und ich weiß nicht, ob da nochmal was kommen wird. Ich würde mich freuen!

Fazit:

Mir ging es mit der Romanze ein bisschen zu plötzlich, aber ansonsten überzeugte mich das Buch auf voller Linie. Angenehm zu lesen, spannend und düster, interessantes Worldbuilding und eine gute Balance zwischen actionreichen und ruhigen Szenen. Eine Empfehlung für alle, die gerne mal ein anderes Setting als klassiche Fantasy-Wälder und Zombie-Dystopie ausprobieren möchte. Laura Kneidl hat mich mit diesem Buch geangelt!

Weitere Meinungen:

 


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[Rezension] Am Horizont Schwarz von Nika Sachs

[Rezension] Am Horizont Schwarz von Nika Sachs

[Rezension] Am Horizont Schwarz von Nika Sachs

Ich bin ein totaler Nika Sachs Fan. Sie ist einfach ein wundervoller Mensch, unglaublich kreativ und feinfühlig und schreibt fantastisch! Nach „Schneepoet“ war ich hungrig auf mehr Geschichten von ihr. Umso glücklicher war ich als sie bei uns in der Buchhandlung und zuhause auf meinem Sofa direkt aus „Am Horizont schwarz“ vorgelesen hat.

Irgendwie hat es trotzdem ewig gedauert, bis ich Zeit für das Buch gefunden habe. Und wieder eine Weile bis ich die richtigen Worte finden konnte.


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  • Autorin: Nika Sachs
  • Titel: Am Horizont schwarz
  • Genre: Jugendbuch, Entwicklungsroman
  • Veröffentlicht bei: Twentysix
  • Prequel zur Luc Reihe, 1.: Schneepoet, 2.: Karmapoet, 3.: Abseitsliebe
  • 256 Seiten, TB: 9,99€ | Ebook: 6,99€
  • Auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Inga ist fünfzehn Jahre alt und seit kurzem mit ihrem Sandkastenfreund, dem drei Jahr älteren Lukas zusammen. Der nachdenkliche und eigensinnige Lukas, die Schule und die Zukunft bereiten Inga oft Sorgen. Was bringt die Zukunft? In welche Richtung geht es nach dem Schulabschluss? Die beiden verbringen die Nachmittage nach der Schule mit philosophischen Gesprächen, jeder Menge Unfug und stellen sich den Herausforderungen des Lebens. Dabei wird auch deutlich, dass Lukas einige Geheimnisse hat, die er nicht mit Inga teilen kann.


Meine Meinung:

Das Buch „Am Horizont schwarz“ spielt zeitlich zwar vor „Schneepoet“, aber ich fand es gerade spannend das Prequel erst nach Band 1 zu lesen. Man muss AHS auch nicht gelesen haben, um Schneepoet zu verstehen. Das als kleine Info vorweg.

Nika Sachs schafft etwas, was nur wenigen Autor*innen gelingt. Sie holt aus den unspektakulärsten Szenen Tiefgründigkeit und Spannung heraus. Dabei wechselt sie wunderbar zwischen Alltagskomik und Albernheit und Schwermut und Philosophie.

Ihre Charaktere sind lebendig, so leibhaftig und real. Als würde man mit ihnen bei Oma am Küchentisch hocken und sich bei Kaffee und Kuchen die Geschichte ihres Lebens erzählen lassen. Irgendwie nahbar, heimelig, zum Anfassen.

Die Fragen, die Inga beschäftigen sind so real und gut verständlich. Die Zweifel und Unsicherheit, mit der sie umgehen muss, das sind Gefühle, die uns alle in unserer Jugend und auch noch heute beschäftigen.

Inga ist schlagfertig, clever und absolut liebenswert, auch wenn sie manchmal richtig bockig sein kann. Lukas sehen wir in diesem Buch von einer ganz anderen Seite. Aus Ingas Sicht. In „Schneepoet“ haben wir so viel über ihn erfahren, dass es angenehm und spannend ist, ihn in jünger und mit Ingas Augen zu sehen. Man erahnt die Schatten, die auf seiner Seele lasten. Man beobachtet, wie er sich entwickelte und was die Beziehung für beide bedeutet.

Grufti und Hippie?

Sie sind ein wunderbar schrulliges Pärchen, unromantisch romantisch und teilen so viel miteinander und gleichzeitig so wenig.

Ich tue mich immer schwer mit Rezensionen zu Nikas Büchern, weil sie so vielschichtig, tiefgründig und auf besondere Weise einzigartig sind, dass ich dem Ganzen mit Worten kaum gerecht werden kann. Aber sie lösen in mir Gefühle aus, fesseln mich und machen mich nachdenklich.

„Am Horizont Schwarz“ ist definitiv eher ein Jugendbuch, es fühlt sich leichter an als „Schneepoet“, bei dem man durchaus oft Schlucken musste. Das ist auch mein einziger „Kritikpunkt“ – ich liebe die Reihe und vor allem ihren Tiefgang. Davon gibt es auch viel in „Am Horizont Schwarz“, dennoch ist Inga nicht ganz so nachdenklich wie Lukas. Oder auf eine andere Art und Weise. Die Grüblerei hat mir tatsächlich ein bisschen gefehlt.

Doch es ist eine wundervolle Ergänzung für die Reihe – ein neuer, interessanter Blickwinkel. Die Themen, die Inga und Lukas umtreiben, kennt wohl jeder Mensch und das macht das Lesen und die Entwicklung der Beiden so spannend und unmittelbar.

Fazit:

Eine dicke Empfehlung für alle von Nikas Büchern! Ihr einzigartiger Schreibstil, die lebensnahen Themen, die lebensechten Charaktere, die Balance zwischen Humor und Ernst. „Am Horizont Schwarz“ ist definitiv eher für eine jüngere Zielgruppe gedacht, aber wer die „Schneepoet“-Reihe liebt, der sollte definitiv auch zugreifen.

Weitere Meinungen:

 


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Kritik ist ein Geschenk – Mit Kritik umgehen

Kritik ist ein Geschenk – Mit Kritik umgehen

Kritik ist ein Geschenk – Mit Kritik umgehen

Zum Thema Kritik und Kritikfähigkeit hielt ich eine Session auf dem Literaturcamp Heidelberg 2019. Die Nachfrage nach einem Blogbeitrag dazu war groß, was mich immer total freut. Viele Themen, gerade psychologisch angehauchte Gedankengänge, sind für mich so selbstverständlich, dass ich oft fürchte, andere könnten sie für ebenso selbstverständlich oder gar öde halten. Hier also endlich der ersehnte Beitrag zu den Themen: Kritik annehmen, mit Kritik umgehen und selbst rücksichtsvoll kritisieren.

„Kritik ist ein Geschenk. Du kannst es annehmen oder in die Tonne kloppen“, sagte einst eine gute Freundin von mir. Daran denke ich immer, wenn ich Kritik bekomme, die wehtut. Obwohl die Kritik, die mich am härtesten getroffen hat, mich bisher auch am weitesten gebracht hat. Aber dazu später mehr.

Warum ist Kritik ein Geschenk?

Kritik ist…

  • In der Regel gratis
  • Ungefragt oder auf Wunsch
  • Aus dem Nichts oder zu besonderen Anlässen
  • Schön verpackt oder einfach vor den Latz geknallt
  • Ob sie einem gefällt oder nicht

 

Kritik ist dabei aber nicht immer die schicke Schmuckausgabe unseres Lieblingsbuches über das wir uns total freuen. Kritik ist oft wie ein kratziger Wollpulli in der persönlichen Hassfarbe, nicht unserem Stil, Geschmack oder Zeitgefühl entsprechend.

Aber würdet ihr der Person, die euch diesen Pulli handgestrickt hat, das gute Stück vor die Füße pfeffern, sie beleidigen oder sagen, dass sie sich ihre kratzigen Scheißpullis sonstwohin stecken kann, weil sie ja keine Ahnung hat? Wohl eher nicht (Hoffentlich). Leider reagieren manche Künstler*innen, eingeschlossen Autor*innen, aber ähnlich auf negative Meinungen zu ihren Büchern. Sie sind offensichtlich nicht oder nur bedingt kritikfähig.

Befragt man die Suchmaschinen nach Kritikfähigkeit erhält man allerlei Ergebnisse, viele Guides und Tipps und Tricks. Aber der Reihe nach:

Kritikfähigkeit – Was ist das?

 

Kritikfähigkeit bedeutet:

  • Angemessen mit Kritiker*innen umgehen
  • Nicht tagelang beleidigt/wütend/traurig sein, sich nicht alles zu Herzen nehmen
  • Wichtige Punkte aus Kritik erkennen, herausarbeiten, konkret umsetzen und für die Zukunft im Hinterkopf behalten

Warum ist das wichtig?

  • Kunstschaffende präsentieren ihre Werke und sich in der Öffentlichkeit
  • Die Öffentlichkeit bewertet, kategorisiert und gruppiert Werke
  • Meckern und Kritisieren ist eines der Lieblingshobbys der Deutschen

→ Kritik ist also unvermeidbar. Für meinen ersten Tipp zum Umgang mit Kritik müssen wir uns die Marterie genauer anschauen.

 

Kritik, die man in die Tonne hauen kann

  • Beleidigungen
  • Haterkommentare, Bashing usw.
  • Offensichtlicher Nonsens
  • Nichtssagende Kritik

  • Vorausgesetzt, man hat es nicht selbst in der Hand:
    • Kritik an Post, Lieferung, Lieferzeiten
    • Kritik an Cover, Schrift bzw. Schriftgröße
    • Kritik am Genre als Ganzes

→ Letztere Kritik sollte bzw. kann man weiterleiten, wenn sie sich häuft. Man kann sich auch stellvertretend entschuldigen, aber sonst hat man nicht so viel Einfluss darauf.

Sie trifft einen trotzdem manchmal, aber mit dieser Art von Kritik kann man nicht produktiv arbeiten. Deswegen sollten wir uns bemühen, sie nicht zu verinnerlichen. Sie ist die ekelhafte After Eight Schokolade von Onkel Hinzkunz, die – sobald er gegangen ist – heimlich entsorgt wird. Natürlich gibt es Leute, die diese Sorte mögen, aber solche Kritik sollte man nicht weiterschenken. Höchstens um sich mit Freunden darüber lustig zu machen oder gemeinsam zu ärgern. Aber das ist schon wieder fast zu viel Energie für diese unbrauchbare Kritik.

Natürlich kann man bestimmte Aspekte dieser Kritik aufgreifen und darauf antworten. Aber höflich und sachlich. Denn andere Leute lesen Kritiken und falls ihr euch im Ton vergreift, fällt das negativ auf euch zurück. Für diese Kritik müsst ihr euch aber nicht zwingend bedanken, denn jeder weiß schließlich wie ekelhaft After Eight Schokolade ist!

Negative Kritik

Manche Leute vergessen vor lauter Kritik, dass Kritik auch positiv sein kann. Negative Kritik ist nicht immer gleich „Kritik für die Tonne“. Kritik tut oft dann weh, wenn sie unsere Unsicherheiten bestärkt oder wenn sie wunde Punkte trifft von denen wir gar nichts wussten. Für den Selbstwert ist negative Kritik, egal ob hilfreich oder nicht, also erstmal eine „Bedrohung“. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Denn negative Kritik kann sehr konstruktiv sein.

  • Positive Kritik animiert, so weiterzumachen. Sie motiviert, pusht Selbstwertgefühl und gibt ein gutes Gefühl. Man kann mit ihr wachsen. Sie ist die schicke Schmuckausgabe des Lieblingsbuches.
  • Negative Kritik regt zum Nachdenken an. Sie bietet Chancen, sich weiterzuentwickeln und Veränderungen anzustreben. Man kann mit ihr wachsen. Sie ist oft ein kratziger Wollpulli.

Negative Kritik ist also der kratzige Wollpulli. Aber offensichtlich hat sich jemand Mühe gegeben, Gedanken gemacht und sich mit dem kritisierten Werk auseinandergesetzt. Hat Zeit investiert. Und dafür sollte man sich bedanken. Ihr würdet niemandem ein Geschenk, das ihr bekommt, um die Ohren hauen, nur weil es euch nicht gefällt, oder? Ihr bedankt euch und legt es beiseite.

Negative Kritik kann und darf Zeit brauchen. Sie darf eine Weile ungenutzt in der Ecke stehen. Ihr könnt euch jederzeit dazu entscheiden, euch damit auseinanderzusetzen. Vielleicht ist der Pulli ein paar Tage, Monate, Jahre später gar nicht mehr so kratzig, hässlich und unpassend. Vielleicht braucht ihr ihn dann, er kommt in Mode oder ihr fühlt euch plötzlich bereit für dicke Wollpullis? Es ist auch in Ordnung, ihn aufzutrennen, euch einzelne Stücke rauszuschneiden und daraus eine fesche Wolldecke zu stricken. Ihr könnt die Kritik und Teile daraus so nutzen, wie ihr das möchtet und könnt.

 

Ihr reagiert oft impulsiv auf Kritik?

Ihr seid Schreibende. Bevor ihr ein Buch auf den Markt bringt, lasst ihr auch Lektor*innen und Korrektor*innen drüberlesen.

  1. Bewusst Stift und Papier nehmen.
  2. Die Nachricht aufschreiben, gerne auch mit aller Wut und dem Gefühl von Ungerechtigkeit. Let it go!
  3. Diese Notiz in eine Schublade packen
  4. Social Media bzw. die Plattform für den Rest des Tages schließen
  5. Zwei bis drei Tage später die Notiz hervorholen und überprüfen. Evtl. Freunde „lektorieren“ lassen.
  6. Sich bewusst machen: „Kritik ist ein Geschenk. Es steht mir frei, sie zu ignorieren, sie zu nutzen oder sie für später beiseite schieben.“

Eure Gefühle sind in jedem Fall wichtig und sollten nicht ignoriert werden. Ihr solltet sie verarbeiten, sie akzeptieren, sie nicht wegschieben. Denn wenn ein Projekt, in das man viel Zeit, Nerven und Herzblut steckt, kritisiert wird, dann ist es in Ordnung, dass es zuerst wehtut, traurig und wütend macht. Aber ladet diese Gefühle nicht der kritisierenden Person auf, denn es sind eure Gefühle.

Wer kritistiert?

Dieser Tweet ist sicherlich ein guter Anhaltspunkt. Allerdings würde ich diesen Tipp eher für Kritik im persönlichen Bereich oder im Arbeitskontext benutzen. Denn Literaturkritik ist umfassender, öffentlicher und sich aller Kritik zu verwehren, nur, weil sie von Menschen kommt, die man nicht kennt, wäre zu einfach.

Man kann sich die kritisierende Person aber dennoch genauer anschauen. Gerade bei Buchrezensionen!

  • Ist die Person generell streng und kritisch? Lobt sie sonst alle Bücher oder Produkte?
  • Hat sie die Punkte, die sie bei mir kritisiert, an anderen Büchern auch kritisiert?
  • Gehört sie zu meiner Zielgruppe? Wird sie vielleicht nochmal Bücher von mir kaufen?
  • Gerade bei fachlichen Anmerkungen lohnt es sich genauer hinzuschauen.

Ich möchte damit kein Stalking oder Hineinsteigern ermutigen, aber manchmal ist es doch ganz sinnvoll. Gerade bei fachlichen Anmerkungen – hat diese Person mehr Erfahrung und Wissen in dem Bereich?

Achtung: Um Stil oder Förmlichkeiten zu kritisieren muss man nicht unbedingt ein Autor sein. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, denn gerade Stil oder Flüssigkeit sind sehr subjektive Dinge.

 

Attribution – Was ist das und was hat das mit Kritik zu zun?

Attribution = Ursachenzuschreibung

D.h. Wie erkläre ich mir gewisse Ereignisse, Äußerungen etc.?

Ein Beispiel: Jemand auf der anderen Straßenscheite schaut mich komisch an. Meine Gedanken?

a) „Habe ich etwas im Gesicht?“

b) „Der hat bestimmt einen schlechten Tag“

c) „Ist irgendetwas hinter mir?“

d) „Der denkt bestimmt, ich bin hässlich!“

Wie ich Situationen, Aussagen etc. „attribuiere“, also mir selbst erkläre, hat direkte Auswirkungen auf mich, meine Stimmung und langfristig auch auf meinen Selbstwert.

Hier findet ihr eine beispielhafte Tabelle. Man kann Ereignisse auf unterschiedlichen Dimensionen attribuieren. Meine Sätze sind hier nur beispielhaft gedacht und plakativ. Weniger destruktiv bei internal-distinkt wäre z.B. „Ich habe mein volles Potenzial bei diesem Buch nicht ausgeschöpft.“ Dennoch zeigen diese verschiedenen Gedanken ganz gut, welche „Ursachen“ man für Kritik finden kann. Die Wahrheit ist meistens ein Mix aus mehreren Faktoren. 

Personen mit niedrigem Selbswert attribuieren negative Ereignisse übrigens häufig internal, also auf sich selbst („Das war ja klar, ich kann das einfach nicht“), und positive Faktoren auf die Umwelt („Das war nur Glück“). Ihr erkennt euch dabei wieder? Nehmt euch ruhig diese Tabelle zuhilfe und wisst: Die Wahrheit ist ein Mix.


Do’s and don’ts bei Kritik

Wie gebe ich selbst konstruktive Kritik?

  • Ich-Botschaften („Ich finde“, „Meine Meinung“) entschärfen
  • Begründen, idealerweise mit Beispielen
  • Stell dir vor, du redest persönlich mit der Person
  • Für wen schreibe ich die Kritik?
  • Hat die Person die Kritikpunkte in der Hand?
  • Alles ist subjektiv (Nur weil ich ein Buch doof finde, ist es nicht automatisch doof. Es wird Leute geben, die es mögen und das ist okay.)

„Ich finde deinen Schreibstil noch nicht ganz rund. Meiner Meinung nach fängst du zu viele Sätze mit Ich an (siehe Seite X, Y und Z), benutzt oft Füllwörter und zu viele Adjektive.“

 

Fazit:

  • Kritik tut weh. Das ist in Ordnung. Man darf sich Zeit lassen.
  • Kritik ist kein endgültiges Gerichtsurteil, nicht das Jahreszeugnis. Kritik ist das Halbjahreszeugnis und ihr habt jederzeit die Chance, etwas zu verbessern.
  • Man wächst an Herausforderungen, mit Feedback & Erfahrungen.
  • Kritik ist eine andere Perspektive auf die eigene Arbeit.
  • Kritik kann mir nicht vorschreiben, was ich tun soll.
  • Kritik ist die Meinung einer Person.
  • Kritik ist ein Geschenk.

 

Und der Selbstwert?

Leute, die in meiner Session waren, werden vielleicht bemerken, dass ich hier nicht näher auf den Selbstwert eingegangen bin.

Personen mit niedrigem Selbstwert neigen dazu negative Ereignisse auf sich zu beziehen und sich die Schuld daran zu geben, bei positiven Ereignissen jedoch äußere Faktoren wie „Glück“ o.Ä als Ursache zu nennen. Kritik ist eine potenzielle Bedrohung für den Selbstwert. Deshalb kann ich – aus psychologischer Perspektive – nicht nur über Kritik sprechen, ohne den Selbstwert zu behandeln. Das Thema „Selbstwert“ ist aber zu groß, um es hier kurz und lieblos ans Ende zu klatschen. Deswegen wird es dazu auch einen extra Beitrag in naher Zukunft (hoffentlich, tretet mir in den Poppes) geben.

 

Du fandest diesen Beitrag super hilfreich? Dann teile ihn doch auf Social Media! Und wenn nicht? Dann darfst du mich in den Kommentaren gerne konstruktiv kritisieren. 😉


Quellen:
  • Absolventa, zuletzt abgerufen 05.07.2019
  • Wikihow, zuletzt abgerufen 05.07.2019
  • Harlich H. Stavemann: …und ständig tickt die Selbstwertbombe (Beltz, 2011)
  • Jutta & Heinz Heckhausen: Motivation und Handeln, Kapitel 15 (Springer, 2010)
  • Astrid Schütz, Martin Rüdiger, Katrin Rentzsch: Lehrbuch Persönlichkeitspsychologie, Kapitel 5 (Hogrefe, 2016)
[Rezension] The future is female von Scarlett Curtis

[Rezension] The future is female von Scarlett Curtis

[Rezension] The future is female von Scarlett Curtis

„The future is female“ schreit einen schon mit dem quietschpinken Cover direkt an. Das Buch hatte ich schon länger im Blick und durfte es nun dank dem Goldmann Verlag und dem Bloggerportal als Rezensionsexemplar lesen.


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  • Titel: The future is female – Was Frauen über Feminismus denken
  • Herausgeberin: Scarlett Curtis, übersetzt von Antje Althans, Katrin Harlaß, Elke Link, Kristin Lohmann, Johanna Ott und Sophie Zeitz
  • Genre: Sachbuch, Essay Sammlung
  • Verlag: Goldmann
  • 416 Seiten, Ebook: 9,99€ | Broschiert: 12€
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Worum geht’s?
In diesem Buch schreiben Frauen und als Frau gelesene Personen aus aller Welt ihre Gedanken, Erfahrungen und Wünsche rund um die Themen Feminismus und Weiblichkeit nieder. Von Keira Knightley über Jameela Jamil, von Emma Watson bis hin zu Karla Paul und Katrin Bauernfeind.


Meine Meinung:

Ich habe ziemlich lange gebraucht, um dieses Buch durchzulesen. Vermutlich weil es kein Roman ist, sondern sehr unterschiedliche Texte von sehr unterschiedlichen Menschen. Die Texte sind thematisch gegliedert, unterschiedlich lang und auch Gedichte finden sich darin.

 

„Sei Pippi, nicht Annika. Aber wer sagt, dass die Annikas dieser Welt – brav, fleißig, hübsch – unfeministisch und unfrei sind, wenn auch sie aktiv werden?“ (Fränzi Kühne, S. 278)

Erstmal muss ich positiv hervorheben, dass in diesem Buch nicht nur privilegierte, weiße cis Frauen zu Wort kommen, sondern auch trans Frauen und People of Color. Frauen aus allen Ecken der Welt, aus verschiedenen sozialen Schichten und mit verschiedenen kulturellen Hintergründen.

Feminismus ist auch in unserer heutigen Gesellschaft noch sehr wichtig und umso mehr wollte ich alle Texte in diesem Buch lieben. Aber manche haben in mir einfach nichts ausgelöst. Kein Gefühl von Verbundenheit, keine Wut, keine Nachdenklichkeit. Sie waren mir zu zahm, zu leise, zu konfus. Und das trübt meine Meinung des Buches leider, weil ich mich stellenweise wirklich ein bisschen zwingen musste, weiterzulesen. Auch finde ich es schade, dass es keine Infos zu den Autor*innen gab und man selbst Google bemühen musste, um mehr zu erfahren als zwei Schlagworte.

 

„Mein Gott, wir müssen schon erstaunliche Geschöpfe sein, dass wir diese ganze Scheiße überstanden haben. Sagt ihm das.“ (Jameela Jamil, S. 145)

Spread the word

Besonders gut gefallen haben mir die Texte von Jameela Jamil, Charlie Craggs, Katrin Bauernfeind, Stefanie Lohaus, Keira Knightley, Alice Wroe, Fränzi Kühne und Nimco Ali. Emma Watson hat in ihrem Text Platz gemacht für feministische Literaturempfehlungen aus aller Welt. Die Listen von Amani Al-Khatahtbeh, Jordan Hewson, Zoe Sugg und Olivia Perez sind pointiert und informativ, Texte wie von Lauren Woodhouse-Laskonis und Amika George regen zum Nachdenken an. Das Schlusswort von Scarlett Curtis rundet das Buch gut ab und macht Lust, seine eigenen Gedanken auf den letzten paar Seiten zu notieren. Da ist nämlich tatsächlich Platz dafür. Eine schöne Idee!

Perfekte Feminist*innen gibt es nicht. Der Ausdruck ist ein Widerspruch in sich. Feminist*innen leben von Unzulänglichkeiten. Sie verwandeln Schwäche in Stärke und Verletzlichkeit in Kraft. (Scarlett Curtis, S. 407)

Ich kann gar nicht so viel über dieses Buch sagen, denn es ist voller Aussagen und Dinge, die mich begeistern und mich laut „Ja!“ rufen lassen. Trotz der Kritik kann ich das Buch empfehlen. Denn ist es eben vielfältig, ganz unterschiedlich und jeder Lesende wird einen Text finden, der gefällt.

„Ich bin nicht das schwächere Geschlecht. Du bist nicht das schwächere Geschlecht. Wir sind nicht das schwächere Geschlecht.“ (Keira Knightley, S. 160)

 

Fazit:

Einige Texte waren richtig gut, inspirierend und motivierend. Andere wirkten auf mich unfertig, unrund und konnten mich weder begeistern noch zum Nachdenken anregen. Aber das zeigt mir auch, dass es vielfältig ist und vermutlich viele verschiedene Menschen ansprechen kann. Positiv hervorzuheben ist auch, dass Frauen und als Frauen gelesene Personen aus unterschiedlichsten Kulturen zu Wort kamen. Ich habe mich schon viel mit dem Thema Feminismus beschäftigt, weswegen ich mir teilweise noch tiefgründigere, informative Texte gewünscht hätte. Für Menschen, die bisher nur wenig Berührungspunkte mit Feminismus und den dazugehörigen Themen haben, sicherlich aber ein gelungener Überblick.

Weitere Meinungen:

 


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[Rezension] Kurt von Sarah Kuttner

[Rezension] Kurt von Sarah Kuttner

[Rezension] Kurt von Sarah Kuttner

The perks of being a Buchhändlerin – ich habe Zeit, in Neuerscheinungen reinzulesen, obwohl zuhause zwei volle Regale (und mehrere schiefe Türmchen in anderen Ecken) sehnsüchtig auf mich warten. Schwups, waren 100 Seiten von „Kurt“ verschluckt und schwups landete es am Ende des Arbeitstages in meinem Einkaufskörbchen. Mein erstes Buch von Sarah Kuttner war „Mängelexemplar“. Das habe ich vor zwei Jahren als Hörbuch im Krankenhaus gehört und fand es großartig. Aber heute widmen wir uns „Kurt.“


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  • Autorin: Sarah Kuttner
  • Titel: Kurt
  • Verlag: S. Fischer
  • Genre: Gegenwartsroman, Trauerbewältigung
  • 240 Seiten, gebunden: 20€ | Ebook: 16,99€
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Worum geht’s?
Lena lebt mit zwei Kurts zusammen. Ihr Lebensgefährte, der große Kurt, und dessen Sohn aus erster Ehe, der kleine Kurt. Lena und Kurt haben sich ein Haus in Brandenburg gekauft und sind noch dabei, Kartons auszupacken, den Garten zu bepflanzen und sich mit der Patchwork Routine zu arrangieren. Dann geschieht es. Der kleine Kurt stirbt bei einem Unfall. Das Schlimmste, was Eltern zustoßen kann. Lena leidet und muss mitansehen, wie der große Kurt leidet. In all der Trauer, der Verarbeitungen und den Erinnerungen fragt sie sich – darf sie auch trauern? Sie fühlt sich wie eine Fremde und auch der große Kurt entfernt sich immer weiter von ihr. Kann das Leben und kann die Liebe nach so einer Tragödie überhaupt weitergehen?

 


Meine Meinung:

Dass Sarah Kuttner auch schwermütige Thematiken wie Depression, Verlust und quälende Lebensfragen gut beantworten kann, hat sie mir schon mit Mängelexemplar bewiesen. „Kurt“ greift jedoch nochmal ein ganz anderes Thema auf. Was passiert, wenn ein Kind stirbt. Es erscheint so grausam, so unfair und ist wohl für alle Eltern die allerschlimmste Vorstellung.

Sarah Kuttners Humor und Schreibstil sind locker, frech und durchaus eigenwillig. Als Hörbuch hat mir das total gut gefallen. Ich hatte ein bisschen Sorge, dass es mich in geschriebener Form stören würde, aber das tat es gar nicht. Es war direkt und unverblümt. Mit vielen Alltagsdingen, Banalitäten und dazwischen verstreut philosophische, gehaltvollere Gedanken.

Das Buch gliedert sich in drei Teile – im ersten Teil lernen wir das Leben von Lena und den zwei Kurts genauer kennen. Das Buch wirbt damit, dass man sich in Kurt verlieben wird. Und ja, das tut man. Mit dem Beginn des zweiten Aktes ist der kleine Kurt tot. Ganz plötzlich. Es fühlt sich sinnlos an, grausam und unwirklich. Aber die Realität sickert langsam in das Bewusstsein der Figuren und der Lesenden. Ja, man hat sich verliebt in diese Figur und das Herz bricht. Ich musste während des Buches nicht weinen (das tue ich sehr selten), aber ich musste oft schwer schlucken.

Auch, wenn es Sarah Kuttner, abermals gelingt ein so trauriges und ernstes Thema relativ sanft und feinfühlig aufzuarbeiten, ist es oft ein Schlag in die Magengrube.

Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit

Mit Protagonistin Lena arbeiten wir gemeinsam auf, was geschehen ist. Oder viel weniger was danach geschah. Wie sehr man als „Außenstehende“ als die Lena sich oft sieht und fühlt, trauern darf. Wie stark sie für ihren Freund sein sollte, was sie alles schweigend über sich ergehen lassen sollte, wann man neu anfangen sollte. Wann räumt man das Kinderzimmer aus, wann darf man wieder lachen, lieben, nach vorne schauen.

Psychologisch gesehen ist Trauer sehr individuell. Von „pathologischem Trauern“ spricht man nach DSM-5 ab etwa ein Jahr anhaltender Trauer und der damit einhergehenden starken Beeinträchtigung in wichtigen Lebensbereichen. Das klingt ebenso hölzern wie die Vorschriften zu Grabpflege, Beerdigungen und vielen anderen rechtlichen Dingen, die nach einem Todesfall hinzukommen. Mitschwingt die Frage – wie viel Trauer, wie viel Leiden ist normal?

Diese Frage kann man nicht beantworten und sie wird im Buch auch nicht beantwortet. Man merkt, wie real, wie nah und wie sanft Sarah Kuttner das Thema behandelt.

Die fallen Charaktere schon ab den ersten Szenen durch ihre unbeeindruckte, normale Art und den liebevollen Umgang miteinander positiv auf. Auf den folgenden Seiten wachsen sie einem so sehr ans Herz, das man wirklich mit ihnen leidet und hofft.  Trotz all des Schwermuts, liest sich das Buch gut und schnell. Es ist an den schmerzenden Stellen nicht zu lang und an den schönen Stellen nicht zu kurz. Und so gelingt der Balance-Akt. Zwischen Trauer und Freude, Tod und Leben, Zukunft und Vergangenheit. Man besinnt sich ein bisschen mehr auf die Welt und die Menschen um sich herum. Und man beendet das Buch mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

p.s.: In Ehren an das Buch und den kleinen Kurt heißt unser Lavendel auf dem Balkon jetzt Kurt.

 

Fazit:

Ein feinfühliges Buch über das Thema Trauer. Mit Sprachwitz, einem Auge für Alltagskomik, Sensibilität in den leisen Tönen, Charakteren zum lieb haben. Sarah Kuttner beweist, dass sie alltägliche Ereignisse und Emotionen gleichzeitig mit Scharfsinn und Behutsamkeit in ein wunderbares Buch verarbeiten kann. Trotz des traurigen Themas ein schönes, hoffnungsvolles Buch. Für Sarah Kuttner Fans eine dicke Leseempfehlung! Für alle anderen, die ein nicht zu deprimierendes Buch über das Thema „Tod eines Kindes“ lesen wollen, auch.

Weitere Meinungen:

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[Rezension] Schuldig von Kanae Minato

[Rezension] Schuldig von Kanae Minato

[Rezension] Schuldig von Kanae Minato

Vor ca. 2 Jahren habe ich mein erstes Buch von Kanae Minato gelesen und war absolut begeistert von „Geständnisse“. Nun ist ihr neues Buch erschienen und ich habe es vom C. Bertelsmann Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank!


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  • Autorin: Kanae Minato, aus dem Japanischen übersetzt von Sabine Mangold
  • Titel: Schuldig
  • Verlag: C. Bertelsmann
  • Genre: Drama, Spannungsroman
  • 320 Seiten, geb.: 18€ | Ebook: 15,99€
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Worum geht’s?
Fünf Studenten wollen ein Wochenende auf einer Berghütte verbringen. Doch einer von ihnen, Hirosawa, stirbt bei einem Autounfall auf der kurvigen Bergstraße. Drei Jahre später plagen Fukase immer noch Schuldgefühle. Verstärkt werden diese nur als eines Tages ein Zettel mit den Worten „Du bist ein Mörder“ für ihn auftaucht. Fukase begibt sich auf Spurensuche. Wer war Hirosawa und war es vielleicht doch kein tragisches Unglück?


Meine Meinung:

Die Prämisse des Buches erinnert an klassische Horrorfilme: „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ oder Ähnliches. Dennoch kommt alles ganz anders als erwartet. Unser Erzähler ist einer der fünf Studenten von damals – Fukase – und ihn begleiten wir durch das Buch. Er hat den Tod seines Freundes nicht wirklich überwunden, plagt sich mit Schuldgefühlen und seiner eigenen Unsicherheit.

Fukase ist ein Charakter mit reichem Innenleben. Er grübelt und denkt sehr viel nach. Dabei beschreibt er seine Umgebung sehr genau, vor allem Essen und Trinken. Das Buch lädt wirklich zu einer Tasse Kaffe und zu Honigbroten ein. Ein Großteil des Buches spielt im bezaubernden Café Clover, in dem Fukase nachdenkt und verschiedenste Kaffeemischungen ausprobiert. Hier fühlt er sich zuhause und wird nicht ständig von Gefühlen der Unzulänglichkeit geplagt.

Denn er sieht sich als langweiligen, leeren Versager mit einem unspektakulären Leben. Die anderen haben es immer etwas besser oder leichter. Gleichzeitig schwingt eine gewisse Arroganz mit dieser Klarheit mit. Neben dem Café ist sein Lichtblick seine neue Freundin Mihoko. Doch diese präsentiert ihm eines Tages einen Zettel auf dem steht „Fukase ist ein Mörder“. Und er beginnt zu erzählen, was wirklich in dieser Nacht geschehen ist.

Doch damit ist das Buch nicht beendet. Wie auch „Geständnisse“ gliedert es sich in Abschnitte. Im zweiten Abschnitt fährt Fukase in Hirosawas Heimat um mehr über seinen verstorbenen Freund und auch den Schreiber des Briefes herauszufinden. Im dritten Akt spitzt sich alles zu und wir bekommen eine Lösung präsentiert.

Milch Kaffee und Honig

Die Biene auf dem Buch und der gelbe Schriftzug lassen vermuten: Es geht auch um Honig. Der Honig wird immer recht beiläufig erwähnt. Fukase rührt ihn sich gerne in den Kaffee – was für viele wie ein Affront wirkt – nach dem Probieren doch auch andere Charaktere im Buch begeistert. Kaffeebohnen, Honigsorten, Buchweizennudeln und Gebäck – bei dem Buch wird man hungrig und durstig. Kanae Minato beschreibt die Leckereien, ihre Zubereitung und ihre Wirkung sehr präzise. Durch ihren Charakter offenbart sie wieder einen sehr scharfen und klaren Blick auf die japanische Gesellschaft. Auf Konformität, Angepasstheit, innere Leere und zurückgestellte Träume und Gefühle.

Es ist ein Buch, dass sehr eng mit dem japanischen Wesen verknüpft ist. Denn in einem anderen Land hätte die Geschichte und auch ihre Auflösung vielleicht nicht so funktioniert. Weil es in Kanae Minatos Japan mehr Zurückhaltung, mehr Unausgesprochenes und mehr Vorbehalte gibt als vielleicht in Deutschland wo die Leute im Bus über ihren letzten Urologen-Besuch reden. Das macht es spannend und auch ein bisschen frustrierend.

Ein kleines bisschen zähflüssig…

Das Buch plätschert mir teilweise etwas zu ruhig vor sich hin. Der große Unbekannte, der Verfasser der Briefe, ist über das Buch hinweg wenig präsent. Zwar beschleicht einen immer mal wieder so ein kleiner Verdachtsmoment oder ein ungutes Gefühl – aber wirklich beklommen und ängstlich war ich selten. Anders als „Geständnisse“, dass sehr schonungslos und deutlich war, erlebt man bei „Schuldig“ eher eine dramatische Zuspitzung als eine Achterbahnfahrt. Das hat durchaus auch seinen Charme, es ist trauriger und aussichtsloser. Mehr Drama als Thriller.

Das Gemeine an dem Buch ist – es gibt quasi zwei Auflösungen. Einmal erfahren wir die Identität des Briefverfassers und einmal noch was wirklich zu Hirosawas Tod geführt hat. Mein Verdacht bezüglich des Briefschreibers formte sich schon ab der Mitte des Buches und war dann auch tatsächlich richtig. Dennoch eine schockierende Enthüllung, die einige weitere Fragen aufwarf. Die Umstände zu Hirosawas Tod werden auf der letzten Seite enthüllt und haben mich mit der Wucht eines Güterzuges umgefahren. Was für ein Schachzug am Ende!

Kanae Minato hat auch schon „Geständnisse“ mit einem Knall beendet, der genial war und im Gehirn gekitzelt hat. Sie beantwortet die wichtigsten Fragen, aber viele Details bleiben ungeklärt, das weitere Geschehen bleibt ungeklärt. Man fragt sich vieles, ist entsetzt, aufgewühlt, nachdenklich. Und doch ist es gut, dass das Buch genau hier endet. Für mich ist klar: Auch das nächste Kanae Minato Buch darf hier ohne Vorbehalte einziehen!

Fazit:

Wieder ein erzählerischer Geniestreich von Kanae Minato. „Schuldig“ ist ein spannendes Drama mit einem bombastischen Ende. Leider gelingt es nicht das ganze Buch über die Spannung und die beklemmende Stimmung aufrechtzuerhalten. Dafür spürt man die tiefe Trauer, Wehmut und auch die Reue der Charaktere. Ein nachdenkliches Buch mit vielen Fragen über das Leben, über Freundschaft und Unausgesprochenes. Es hat mir sehr gut gefallen und das Ende lässt mich einfach nicht los.

Weitere Meinungen:

 


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[Rezension] Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen von Ava Reed

[Rezension] Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen von Ava Reed

[Rezension] Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen von Ava Reed

Ich betreue in unserem Buchladen u.a. das Kinder- und Jugendbuchregal. Gerne hole ich mir dabei Inspiration von Booktube, Bookstagram und Booktwitter. Melody Of Books schaue ich schon lange, wenn auch eher unregelmäßig. In ihrem Lesemonat März stellte sie ein paar Bücher vor und eines, das ich ohnenhin schon auf dem Schirm hatte. Ihr habt es geahnt: „Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen“ von Ava Reed. Also bestellte ich es für die Buchhandlung, schmökerte rein, kaufte es und schmökerte es am selben Tag zu Ende.


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  • Titel: Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen.
  • Autorin: Ava Reed
  • Verlag: ueberreuter
  • Genre: Jugendbuch, psychische Gesundheit
  • 320 Seiten, E-Book: 14,99€ | geb.: 16,95€
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Worum geht’s?
Leni ist eine ganz normale Jugendliche, glücklich mit Freunden und auf dem Weg zum Abitur. Doch im letzten Schuljahr passiert etwas, dass Lenis Gefühle durcheinander würfelt. Plötzlich ist da Leere, Traurigkeit und jede Menge Angst. Es wird ein Spießrutenlauf bis Leni endlich die Therapie bekommt, die sie braucht. Doch die Angststörung klammert und Leni hat sich festgefahren in ihren Mustern. Erst als Matti in die Klinik kommt, beginnt Leni, sich zu verändern.


Meine Meinung:

Vorweg eine kleine Triggerwarnung, die sich auch im Buch findet: Das Buch behandelt Themen wie psychische und körperliche Erkrankungen, Depression, Panikattacken und den Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik.

Das Buch besticht zuerst natürlich durch das wundervolle Design. Die Farben, Lichter und Gestaltung ist wunderschön. Innen drin sind vereinzelt Tagebucheinträge, die von Ava Reed selbst geschrieben und illustriert wurden. Das verleiht dem Buch noch eine Spur mehr Realität. Tatsächlich ist auch Lenis Geschichte selbst so erschreckend(?) real.

Ava Reed hat Lenis Entwicklung sehr gut dargestellt. Als Leserin fühlte ich mich Leni so nah, hab mitgelitten und für sie gehofft. Angsstörungen sind neben Depressionen die am häufigsten diagnostizierten psychischen Erkrankungen. Wie auch im Buch gehen sie oft Hand in Hand, im Fachjargon nennt man das „komorbid“. Die Beschreibungen von Lenis Gefühlen und Ängsten fühlten sich sehr glaubwürdig an. Sowohl aus persönlicher Perspektive als auch mit meinem kritischen Psychologie-Studi-Blick.

Dass das Buch sehr persönlich ist, auch wenn die Geschichte von Leni erfunden ist, kann man im Nachwort lesen. Auch dieses Nachwort enthält nochmal wichtige Botschaften und ermutigt, sich Hilfe zu suchen. So eine Art Nachsorge finde ich bei Büchern zu solchen Themen unfassbar wichtig.

Lenis Spirale

Wir starten mit Leni als fröhlichem Mädchen mit Freunden und dem Weg zum Abitur. Doch dann kommt die Angst. Übel, Schwindel, Panikattacken. Ihr Umfeld ist machtlos, doch ihre Eltern sind sehr engagiert, kümmern sich aufopferungsvoll und besuchen mit ihr mehrere Ärzte. Da gab es ein paar echte Idioten, die Leni nicht ernst nahmen und mich beim Lesen so wütend gemacht haben. Doch Ava Reeds Ziel war es nicht, Ärzte oder Psychologen zu verunglimpfen. Denn es gibt sie, die Lenis Problem erkennen und sie bestärken, die sich kümmern und auskennen. Sie bekommt ihre Diagnose – und damit beginnt die zweite große Hälfte des Buches.

Leni kommt in eine Klinik, in der sie andere Jugendliche trifft, die ähnliche Probleme haben. Anna, die Depressionen hat und Philip, der an Magersucht leidet und aufgrund seiner Homosexualität starke Selbstwertproblem entwickelt hat. Beide sind für meinen Geschmack etwas kurz gekommen. Sie haben zwar wichtige Schlüsseldialoge mit Leni, wir erfahren auch am Ende wie es mit ihnen weiterging, aber mehr so im Nebensatz. Das fand ich sehr schade.

Matti hingegen kommt in die Klinik, weil er sich mit Rasierklingen geschnitten hat. Nicht, weil er sich umbringen wollte, sondern weil er an einer seltenen Erkrankung leidet. Diese lässt ihn weder Schmerz, noch Hitze und Kälte fühlen. Aus Angst, dass er sich verletzt, lässt ihn seine überfürsorgliche Mutter kaum aus dem Haus. Kaum in der Klinik will Matti endlich die Chance nutzen und die Welt erkunden. Er unternimmt einen Fluchtversuch, wird jedoch zufällig von Leni gefunden. Die beiden werden erwischt und bekommen ordentlich Ärger.

Matti sagt einige sehr unsensible Dinge zu Leni, doch in der gemeinsamen Zeit entwickeln sie mehr Verständnis füreinander. Auch wenn die Klinik nicht als Ort des Grauens dargestellt wird, wenn das behandelnde Personal nett und fürsorglich ist – Mattis Entschluss steht fest. Er will raus aus dieser Klinik. Und ein Teil von Leni möchte mit. Die Zeit in der Klinik ist durch Aufs und Abs geprägt, durch interessante Gespräche und Selbsterkenntnis.

Matti will Meer

Die Psychologin von mir und auch mein braves Ich halten das für die beschissenste Idee überhaupt. Ich hatte auch ehrlich Sorge, dass die beiden sich verlieben, diese Reise unternehmen und danach auf magische Weise geheilt sind. Doch das passiert nicht. Fettes Danke an Ava Reed. Wie das Buch weitergeht, werde ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Nur soviel: Auch, wenn einige eher unrealistische Dinge passieren, lösen sich die Krankheiten und Probleme nicht in Luft auf. Aber der Kurs steht auf Hoffnung.

Insgesamt fand ich die Geschichte unglaublich gut. Ich habe das Buch an einem Tag gelesen, das sagt auch einiges aus. Der Schreibstil ist angenehm lesbar. Die Geschichte wirkt persönlich, emotional und ist doch behutsam erzählt. Ava Reed hat mit diesem Buch ihr Fingerspitzengefühl und Emotion bewiesen. Für ein jüngeres Publikum ist dieses Buch wunderbar geeignet, um psychische Erkrankungen besser zu verstehen. Um die Angst davor zu nehmen. Um sich ermutigt zu fühlen, Hilfe zu suchen und sich seinen Freunden anzuvertrauen. Und das sind unfassbar wichtige Botschaften!

 

Fazit:

Danke, Ava Reed, für dieses Buch. Die einfühlsam erzählte Geschichte von Leni, ihrer Angsstörung und dem Weg der Besserung bieten einen tiefen Einblick in eine jugendliche Seele. Das Buch erzählt eine wichtige Geschichte auf unterhaltsame und doch sensible Art und Weise. Nicht alles an dem Buch ist total realistisch, vieles ist hoffnungsvoll und ein bisschen idealisiert worden. Doch es ist real genug, um zu berühren und zu bewegen. Und fantasievoll genug, um Hoffnung zu schenken und das schwere Thema angenehm aufzuarbeiten. Lediglich von den Nebencharakteren, die mir etwas zu sehr instrumentalisiert wurden, hätte ich mir mehr gewünscht. Von mir gibt es 4 Sterne und eine dicke Leseempfehlung!

 

Weitere Meinungen:

 


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