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[Rezension] Der Insasse von Sebastian Fitzek

[Rezension] Der Insasse von Sebastian Fitzek

[Rezension] Der Insasse von Sebastian Fitzek

Das Paket“ von Sebastian Fitzek hat mir ja eher solala gefallen, die alten, hochgelobten Bücher habe ich (noch) nicht gelesen. Das neue Buch weckte aber nicht nur aufgrund der Thematik mein Interesse. Vielleicht erinnert ihr euch noch an die Leseraktion, bei der Leser*innen gemeinsam mit Sebastian Fitzek in einer Psychiatrie „eingesperrt“ werden sollten. Nach haufenweise Kritik wurde das Event in ein Hotel verlegt. Nun ist das nicht Fitzeks erstes Buch rund um Psychiatrie, Psychologen und Psychopathen. Aber ich wollte es lesen, auch um mir ein Bild zu machen. Als angehende Psychologin bin ich vielleicht etwas sensibler bezüglich der Darstellung ebenjener. Weil meine Berufsgruppe nicht unbedingt den besten Ruf hat.


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  • Autor: Sebastian Fitzek
  • Titel: Der Insasse
  • Verlag: Droemer Knaur
  • Genre: Psychothriller
  • 377 Seiten, limitierte Sonderausgabe, geb.: 22,99€ | Ebook: 14,99€
  • auf amazon* kaufen

Worum geht’s?
Der Kindermörder Tramnitz plädiert auf nicht zurechnungsfähig und wird anstatt ins Gefängnis in eine forensische Psychiatrie gesperrt. Doch seinen letzten Mord am kleinen Max – und wo er dessen Leiche verscharrt hat, bleiben sein Geheimnis. Till Bentow, der Vater des Jungen, kann keine Ruhe finden, bis er weiß, was mit seinem Sohn passiert ist. Also übernimmt er die Identität eines Toten und lässt sich selbst einweisen. Doch in der Anstalt spielt jeder sein eigenes Spiel und die Türen nach draußen sind fest verschlossen.


Meine Meinung:

Die Prämisse des Buches verspricht Hochspannung in bedrohlicher, beklemmender Atmosphäre. Und die bekommt man auch!

Das Buch reißt einen von Anfang an mit. Fitzeks klarer, unverblümter Schreibstil und der gekonnte Perspektivenwechsel ziehen einen in die Geschichte. Wenn es um Kinder geht, ist es immer besonders schlimm. Vor allem die Ungewissheit, die größte Angst, das größte Unglück.

Till Bentow handelt verrückt und doch nachvollziehbar. Wir können ihn verstehen und hoffen mit ihm, dass sein aberwitziger Plan klappt.

Die dubiosen Machenschaften und Tändeleien in den Mauern der Steinklinik erschweren die Suche nach Antworten. Alle möglichen menschlichen Abgründe offenbaren sich. Es schmerzt, zu lesen und es schmerzt, die Verletzungen und Misshandlungen mitzuerleben.

Splatter kann Fitzek!

Die blutigen, gewaltsamen Beschreibungen kommen wie immer nicht zu kurz. Sebastian Fitzek zeigt, warum er Psychothriller schreibt, wobei manche Szenen für mich durchaus auch Horror-Genre-reif wären. Sie tragen zur Spannung bei, auch wenn in „Der Insasse“ auch die Geschichte überzeugt.

Während ich bei „Das Paket“ relativ gleichgültig durchblätterte, litt ich Qualen mit den Figuren. War wütend und schockiert, emotional involviert. Gewisse Dinge, z.B. Fingernägel oder Verbrennungen lösen bei mir immer eine richtige Gänsehaut aus. Für zarte Gemüter ist das Nichts!

Yay, gute Psychologen!

Was mich immer freut, ist, wenn Psycholog*innen und Psychiater*innen nicht als blutrünstige kalkulierende Teufel dargestellt werden. Mit Frau Sänger hat Sebastian Fitzek zumindest eine sympathische und kompetente Figur aus dieser Berufsgruppe, wenngleich die Ärztekollegen sich nicht mit Ruhm bekleckern.

Der Antagonist Guido Tramnitz war ein wirklich widerlicher, unmenschlicher Zeitgenosse, der sich durch sein Kalkül und seine barbarische Freude am Leid anderer, von seinen Mitpatient*innen abhob.

Auch das finde ich, im Lichte der vorherrschenden Stigmatisierung psychischer Erkrankungen, unfassbar wichtig.

Tramnitz Ränkespiel, die hohe Emotionalität der Geschichte und das Verwirrspiel taten ihre Wirkung. Das Buch war hochspannend, von der ersten bis zur letzten Seite. Vor allem das Finale hat nochmal reingehauen. Nervlich aufreibend!

Klitzekleine Kritikpunkte…

Letztlich bin ich nur nicht komplett vom Hocker gerissen, weil das Ende für mich zu simpel war. Der unzuverlässige Erzähler ist ein beliebtes Stilmittel, aber letztlich kam die Auflösung nicht sonderlich schockierend, sondern wirkte irgendwie… lahm? Zu Einfach? Es ging zu schnell und wirkte für meinen Geschmack zu sehr nach deus ex machina. Auch die Parts mit Ricarda blieben für mich unangenehm offen. Natürlich sollte es nur angedeutet werden, aber es war mir trotzdem nicht greifbar genug.

Die Aufmachung des Buches inkl. rotem Buchschnitt und Gummizellenhaptik und auch die kreative Danksagung sind aber definitiv auch noch positiv zu erwähnen. Sehr cool!

Ich denke zwar immer noch, dass man beim Marketing etwas sensibler mit dem Thema Psychiatrie hätte umgehen sollen. Auch weil die Einrichtung im Buch weit entfernt von einem Horrrorschauerpalast war.

Fazit:

Hochspannend, emotional und beklemmend hat dieses Buch alles, was einen guten Psychothriller ausmacht. Im Vergleich zu „Das Paket“ hat Fitzek mich hier weitaus mehr von sich überzeugt. Ein gelungener Pageturner mit heftiger Thematik, der durchgehend spannend ist.

4,5seesterne

Weitere Meinungen:
[Rezension] Siege and Storm von Leigh Bardugo

[Rezension] Siege and Storm von Leigh Bardugo

[Rezension] Siege and Storm von Leigh Bardugo

Endlich habe ich den zweiten Band der Grischa Trilogie gelesen! Den ersten Band „Shadow and Bone“ habe ich bereits rezensiert und hatte nun Lust und Zeit, den zweiten Band zu lesen. Die Grischa Trilogie um Alina spielt zeitlich vor dem bekannten „Das Lied der Krähen“ und man muss die drei Bücher nicht gelesen haben, um die Krähen Dilogie zu verstehen. Allerdings gibt es einige Andeutungen und Bezüge. Außerdem ist im neuesten Grishaverse Ableger „King of Scars“ Nikolai der Protagonist, der das erste Mal in Siege and Storm auftritt.
Ich habe das Buch auf Englisch gelesen.


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  • Autorin: Leigh Bardugo
  • Titel: Siege and Storm (auf deutsch: Grischa – Eisige Wellen)
  • Genre: Jugendbuch, Fantasy
  • 416 Seiten, TB(eng): 12,22 | TB(dt): 8,99€
  • Siege and Storm auf amazon* kaufen | engl. Taschenbuch Schuber auf amazon* kaufen

Worum geht’s?
Sonnenbeschwörerin Alina ist mit ihrem Sandkastenfreund und großen Liebe Mal auf der Flucht aus Ravka. Doch bald erreichen sie schlechte Neuigkeiten: Der Dunkle hat ihre letzte Konfrontation überlebt und sucht nach Alina. Denn sie ist sein Schlüssel zu unermesslicher Macht. Gemeinsam mit dem mysteriösen Pirat Seefahrer Sturmhund befahren sie gefährliche Gewässer, hören von einem Kult um die Sonnenbeschwörerin und müssen sich dem Chaos stellen, dass ihr Gefecht mit dem Dunklen in Ravka und den umliegenden Ländern ausgelöst hat.


Meine Meinung:

Das Buch beginnt turbulent und wirft Alina und Mal gleich ins Abenteuer. Die Konfrontation mit ihren Feinden, die Schifffahrt mit dem Sturmhund und seiner Crew und die turbulente Jagd auf die Seeschlange ließen die Seiten am Anfang nur so vorbeifliegen.

So spannend und kess die Kapitel des Sturmhunds waren, mit Auftritt Nikolais und der Rückkehr zum Königshof schlief die Geschichte ein bisschen ein. Politische Entwicklungen, die religiösen Ausmaße und Alinas Kampf mit ihrer Rolle als „Erlöserin“/“Heilige“ waren interessant, zogen sich aber ein bisschen. Die mittlere Hälfte des Buches hat den frischen Wind des Anfangs verloren. Die Beziehungskriselei aufgrund mangelnder Konversation und Gespräche, die widersprüchlichen Gefühle – das war irgendwie nervig, wirkte zu unbedrohlich, um wirklich zu fesseln.

Die Gespräche und Dialoge waren aber mit Humor und Wortwitz gespickt, auch Charaktere wie Tamar und Tolya waren interessant. Leider blieben die Nebencharaktere wieder etwas zu sehr am Rand, sodass man sie nicht wirklich kennen lernen konnten. An vielen Stellen hätte ich mir mehr von Alinas Temperament gewünscht, mehr Gegenwind, mehr Schmackes.

Es flaut ab…

So dümpelte das Buch eine Weile vor sich hin, bis schließlich das Finale kam wie ein Knall. Recht plötzlich und unerwartet wurde es wieder ernst. Der Sturm brach über unsere verdatterten Charaktere herein und griff die Spannung des Anfangs wieder auf. Dennoch war mir das Ende an vielen Stellen zu schnell und schludrig beschrieben. Am Anfang war Zeit für imposante und gut choreografierte Kämpfe, am Ende wirkte alles etwas durcheinander. Nichtsdestotrotz hat das Ende mich wieder gepackt.

Es war spät, ich wollte schlafen und musste aber wissen, wie Band 2 endet. Natürlich – in Erwartung des dritten Teils – offen. Zum Glück kein Cliffhanger des Todes, aber eben doch ungeklärt genug, um mich gleich am nächsten Morgen zu Band 3 greifen zu lassen.

„Grischa 2 – Siege and Storm“ hat an einigen Stellen Fortschritte zum ersten Teil gemacht, an anderen dieselben „Fehler“ wiederholt. Zu viel Geplänkel am Hof, zu viel nervige Kabbeleien. Gut war die Charakterentwicklung, die Dynamik der Welt und dass Handlungen Konsequenzen hatten. Fehler wurden gemacht, es lief nicht immer glatt und wenn, dann so glatt, dass die Charaktere kräftig ausrutschten.

Ich bin nach wie vor begeistert von dem Taschenbuch-Schuber. Nicht nur, dass ich die Aufmachung und die beigelegte Karte total schön finde, auch das Zusatzmaterial hinten ist den Kauf definitiv wert. Eine Kurzgeschichte aus Genyas Sicht und ein interessantes Interview mit Leigh Bardugo finden sich in dieser Ausgabe der Bücher. In Band 3 werden wir den wahren Namen des Dunklen erfahren und es ist leider nicht Hubert!

Fazit:

Ein würdiger Nachfolger für den spannenden ersten Band. Politisches Ränkespiel, die lebendige Welt und ihre dynamische Entwicklung trösten über nervige Liebesquärelen und Dreiecksbeziehungen hinweg. Alinas Charakterentwicklung wird deutlicher und auch der Dunkle hat seinen Charme als interessanter Gegenspieler nicht verloren. Leigh Bardugos flüssiger Schreibstil sorgt wieder für Sogwirkung, Schmunzeln und Wortwitz. Ein gelungenes und unterhaltsames Buch, das heiß auf das Finale der Trilogie macht.

Weitere Meinungen:

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[Rezension] Lost in a Kiss von Kati Wilde

[Rezension] Lost in a Kiss von Kati Wilde

[Rezension] Lost in a Kiss von Kati Wilde

Auf jellybooks habe ich vorab eine XXL Leseprobe zu diesem Buch gelesen und war am Haken, obwohl ich „New Adult“ Büchern gegenüber sehr skeptisch bin. Auch der Klappentext klingt eigentlich nach Klischee hoch zehn. Aber die Leseprobe war gut, ich mochte den Schlagabtausch und so habe ich das Buch nach erscheinen bei Droemer Knaur angefragt und als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank!


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  • Autorin: Kati Wilde, übersetzt von Karla Lowen
  • Titel: Lost in a kiss
  • Verlag: Droemer Knaur
  • Genre: Romantik, Erotik, New Adult
  • 412 Seiten, Paperback: 12,99€ | Ebook: 9,99€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Aspen wollte eigentlich mit ihrer besten Freundin Bethany und derem unausstehlichen Bruder Bram Urlaub machen, um den Uni Abschluss zu feiern. Aber als Bethany absagt und Aspen bittet, mit Bram den Urlaub durchzuziehen und ihrem Bruder zu verschweigen, dass sie selbst in Schwierigkeiten steckt, willigt Aspen ein. Der kontrollfreudige Bram ist überhaupt nicht begeistert von Aspen und ihrem Schweigen über seine Schwester. Sie beschließen jedoch das Kriegsbeil zu begraben und Bethany mit schönen Fotos aus dem Urlaub vielleicht aus der Reserve zu locken. Dabei kämpfen Aspen und Bram immer wieder in fiesen Wortgefechten und rufen um Bethany Willen immer neue Waffenruhen aus. Doch zwei so feurige Persönlichkeiten können nicht lange auf einem Fleck sein, ohne dass Funken fliegen und sprühen…


Meine Meinung:

Vorweg – Im Englischen lautet der Titel des Buches „Going nowhere fast“ und den finde ich persönlich so viel aussagekräftiger als den „deutschen“ Titel. Es ist schade, dass hier zugunsten eines nichtssagenden Titel entschieden wurde.

Dass Aspen und Bram gemeinsam den Urlaub durchziehen, obwohl Bethany abgesprungen ist und dieses Spiel durchziehen um sie doch noch herzulocken, finde ich ziemlich aus der Luft gegriffen, aber es ist die Prämisse, ohne die die Geschichte nicht funktionieren würde. Das Buch überzeugte mich durch die kratzbürstige Dynamik der beiden Protagonisten doch davon, weiterzulesen.

Aschenputtel und der dunkle Prinz

Wie die Prämisse schon sagt ist Bram reich, dominant und mag es, die Kontrolle über die Dinge zu haben. Viele Dinge, die ihn richtig ätzend machen. Er ist kein Sympathiebolzen, auch wenn seine schnippischen und zynischen Bemerkungen ihn ziemlich witzig machen. Rührend ist auch die Liebe und Besorgnis seiner Schwester gegenüber. Auch bei Aspen wird er eher zahm, zumindest wenn es ihr schlecht geht oder sie Probleme hat.

Aspen ist eine Kämpferin aus schwierigen Familienverhältnissen. Auch sie hat ein Mundwerk wie eine Rasierklinge und würde dennoch viel ertragen für die Menschen liebt. Weswegen sie auch Bethanys Geheimnis bewahrt und damit Brams Zorn auf sich zieht. Gleichzeitig hat sie (nachvollziehbare) Vorurteile gegenüber Brams Reichtum und hält ihn für einen lackierten Schnösel – und ganz unrecht hat sie damit auch nicht. Was mir auch gut gefallen hat, war das Aspen kein Mauerblümchen war, die beim Wort „Kondom“ in Ohnmacht fällt. Sie ist in ihrer sturen Art zwar manchmal etwas kindlich, aber dennoch eine Frau, die weiß, was sie will und was sie hat. Es ist erfrischend mal eine Protagonistin zu haben, die um ihre eigenen Reize weiß und nicht ständig in Gegenwart des hübschen Kerls denkt, dass sie viel zu hässlich und fett sei.

Die Beziehung der beiden basiert auf ihrer Hassliebe, Mikroaggressionen und körperlicher Anziehung. Denn die beiden beginnen, ihre Wut gegenüber dem anderen, körperlich zu, ähm… verarbeiten. Während der Geschichte lernen sie einander besser kennen und merken, dass hinter der Fassade des anderen viel mehr steckt, als anfangs geahnt.

NACHSITZEN bei Jen und mir!

Ich weiß, die Dramatik von Liebesgeschichten basiert oft darauf, dass Dinge nicht ausreichend kommuniziert werden. Aber es ist nicht weniger zum Haare raufen. Gerade als die beiden eigentlich schon körperlich miteinander vertraut sind und beginnen liebevoll miteinander umzugehen, hören sie auf, offen miteinander zu reden. Natürlich hat Aspen ihre Gründe Bethanys Geheimnis nicht zu verraten, aber Bram könnte Aspen durch Offenheit und Ehrlichkeit so viel Schmerz ersparen. Aber nein, sie bleiben sturköpfig. Uff.

Wer Jens und meine Kommunikations-Session auf dem Litcamp Hamburg besucht hat, weiß, dass ich es hasse, wenn Charaktere nicht miteinander reden. Konflikte, die auf Schweigen aufbauen, finde ich ausgelutscht, deswegen hat mich dieser Abschnitt im Buch auch extrem genervt. Ich wollte ständig ins Buch springen und beide ohrfeigen. Die Autorin hat gezeigt, dass die beiden auch streiten können, wenn sie miteinander reden. Zum Glück gibt es von dem Miteinander reden und Konflikte haben mehr als vom Schweigen und Konflikte haben.

Die Reibereien zwischen den beiden waren umso anziehender, das schlug sich auch in den Erotik-Szenen nieder. Wenngleich mich der inflationäre Gebrauch des Wortes „pussy“ auch ein bisschen gestört hat. Gute Sexszenen zu schreiben ist eine Kunst für sich (siehe Patzer, gesammelt von Desasterotik), aber die Autorin bzw. die Übersetzerin haben das gut gemeistert.

Verschlungen!

Aber da hatte es die Autorin Kati Wilde schon geschafft. Ihr Schreibstil, ihre Art die Geschichte zu erzählen, das sanfte Einstreuen von Hinweisen auf die Geheimnisse und auch Bethanys Schicksal. Das Buch lässt sich angenehm lesen und man ist immer neugierig, was geschieht. Ob Bram und Aspen die Kurve bekommen, wie sie leidenschaftlich rumknutschen, sich wieder zerstreiten. Kanu durch Stromschnellen fahren, Motorradtour mit Aspens Cousin. Es war mächtig was los.

Meiner Meinung hätte es weniger von Brams Luxusgetue sein müssen. Denn er wird mit dem Fortschritt des Buches sympathischer. Seinen Reichtum und Einfluss weniger zu betonen, hätte seine Sympathie meiner Meinung nach geholfen. Genau wie es gereicht hätte, seinen muskulösen Körperbau ein oder zweimal zu betonen. Aber das ist eben typisch Erotik/New Adult, damit muss ich leben, wenn ich mir solche Bücher aussuche.

Mir haben auch die Nebencharaktere Bethany und Murphy gut gefallen. Murphy wegen seiner direkten, humorvollen Art und Bethany weil sie trotz wenigen direkten Auftritten im Buch für mehr Komplexität und Tiefe in der Geschichte gesorgt hat. Auch der Schluss mit seinen Wendungen und Ergebnissen hat mir gut gefallen und die Beziehungen im Buch in ein anderes Licht getaucht.

 

Fazit:

Auch wenn das Buch einige Klischees bedient – reicher Typ mit Beschützerinstink und toughes Mädchen aus armen Verhältnissen – konnte mich die Geschichte in ihren Bann ziehen. Die Wortgefechte, die Reibereien und die Dynamik des „Blechmanns“ und dem „Mädchen mit dem schlechten Einfluss“ haben mir gut gefallen. Hier und da hätte ein bisschen weniger Klischee gut getan, aber die Charakterentwicklung der beiden hat mich berührt. Letztlich gibt es zwar einige Kritikpunkte, aber das ist Kritisiern auf hohem Niveau, denn im Großen und Ganzen hat mir das Buch sehr gut gefallen.

Weitere Meinungen:

 


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[Rezension] Die Geliebte des Captains von Kresley Cole

[Rezension] Die Geliebte des Captains von Kresley Cole

[Rezension] Die Geliebte des Captains von Kresley Cole

Huch?

Was ist das denn für ein ungewohnter Anblick? Ja – auch ich habe so meine Guilty Pleasure Reads. Um dieses Buch bin ich sooo lange rumgeschlichen und als die Dilogie um die toughen Seemänner bei uns im Buchladen in der Rabattkiste auftauchte, konnte ich nicht anders als zuzuschnappen.

 


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  • Autorin: Kresley Cole, übersetzt von Barbara Först
  • Titel: Die Geliebte des Captains (Sutherland Brothers 1)
  • Verlag: LYX (Bastei Lübbe)
  • Genre: historische Romanze/Erotik
  • 416 Seiten, Taschenbuch: 9,99€ | Ebook: 8,99€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Nicole Lassiters Vater und der Erbe einer Handelsfirma und Kapitän eines großen Schiffes Derek Sutherland sind erbitterte Rivalen. Als Nicoles Vater inhaftiert wird, ist für Nicole klar, dass sie an seiner Stelle ein großes Schiffsrennen nach Sydney bestreiten wird. Das Preisgeld können sie – aber auch Derek Sutherland, der mit seiner Familie im Streit liegt – gut gebrauchen. Auf rauer See kommen sich Derek und Nicole immer wieder in die Quere, zwischen ihnen knistert und knallt es gleichermaßen. Doch jemand scheint an beiden Schiffen Sabotage zu betreiben und bald steht Nicoles Leben auf dem Spiel. Können Derek und sie sich zusammenraufen oder ist die Kluft zwischen ihnen tiefer als der Ozean?


Meine Meinung:

Titel, Aufmachung, Inhaltsangabe und Verlag lassen auf eine seichte Romanze mit Erotik-Anteilen schließen. Früher habe ich die Lyx Bücher reihenweise verschlungen, heute bin ich wählerisch geworden. Mir gehen übergriffige Machos und charakterlose Frauenzimmer auf den Senkel. Eine Romanze zwischen zwei kratzbürstigen Schiffskapitänen klingt zumindest nach ein bisschen Abwechslung!

Seichte Gewässer

Ich hatte ehrlich gesagt wenig historische Elemente oder Schifffahrtskunst erwartet – meistens steht bei solchen Büchern die Beziehung im Vordergrund. Dennoch war ich von den verschiedenen Elementen und Beschreibungen der Schiffe positiv überrascht. Für meinen Geschmack hätte es davon ruhig noch mehr geben können, schließlich wurden tolle Städte wie Kapstadt auf der Rennstrecke bereist. Was das Setting und die Rahmenhandlung anging, kratzte das Buch leider nur an der Oberfläche.

Kresley Coles Schreibstil bzw. die Übersetzung ist jedoch gut gelungen. Das Buch lässt sich locker weglesen, bietet durch die verschiedenen Perspektiven von Nicole und Derek Abwechslung und unterhaltsame Einblicke in die Köpfe der beiden. Die Schiffsmanöver, Stürme und das Leben an Bord wurden – soweit ich das beurteilen kann – glaubhaft und gut beschrieben. Man fühlte sich als wäre man mit den Protagonisten an Bord. Manchmal hätte ich mir beim Einstreuen der Informationen, Andeutungen bezüglich der Sabotagen und Schuldfragen etwas mehr Cleverness gewünscht. Einiges wirkte einfach als käme es schwuppdiwupp aus dem Nichts.

Widerborstig

Natürlich knisterte die Luft zwischen den beiden Rivalen Nicole und Derek. Es war ein Hin- und Her, ein Tauziehen und Kräftemessen. Ich mochte die Entwicklung der Beziehung der beiden. Von distanzierten Kabbeleien, hin zu vertrauten Momenten. Natürlich war die magische Anziehungskraft und Faszination von Anfang an da – aber das hätte es meiner Meinung nach gar nicht unbedingt gebraucht.

Nicole Lassiter fiel angenehm als hitzköpfige und sture Frau auf, die dem wortkargen Derek, oftmals die Leviten ließ. Auch, wenn das Buch die Rollenbilder des starken Mannes und der zarten Frau, beibehält, war Nicole auf ihre Weise eine starke Figur mit eigenen Motiven und Beweggründen.

Derek Sutherland fand ich als Charakter spannend. Trotz selbstbewusstem Auftreten und Sturkopf, besaß er eine innerliche Zerrissenheit. Einerseits zeichnete ihn seine ungesunde Beziehung zum Alkohol, andererseits seine Familienkonflikte. Dass er sich selbst als Schuft und Taugenichts sah, verlieh seinem Charakter einen interessanten Zug. Dadurch war er mehr als Sixpack und Muskeln, was mir zugegeben, ganz gut gefallen hat. Auch wenn sein Verhalten Nicole gegenüber nicht immer ganz einwandfrei war, so nahm er Rücksicht auf ihre Bedürfnisse und Wünsche.

Die erotischen Szenen waren romantisch, sinnlich und deutlich beschrieben. Manche Formulierung und gewisse Synonyme („Rute„) sorgten bei mir aber eher für Rumoren als Kribbeln im Bauch. Aber das ist nunmal Geschmackssache.

Deus ex machina

Natürlich steht die Liebesgeschichte im Vordergrund. Dennoch wurden am Ende einige Probleme derart problemlos von Autorenhand gelöst, dass man durchaus die Stirn gerunzelt hat. Da bereits vereinzelt in der Geschichte Hinweise zu streuen, würde manche plötzliche Wendungen nicht ganz so unglaubwürdig wirken lassen.

Auch die Nebencharaktere und Umstände waren oft mehr klischeehaft konstruiert und sollten das historische Setting unterstreichen, als dass sie besonders gelungen umgesetzt waren. Ich würde mir zwar Geschichten wünschen, die all das mit einer ordentlichen Liebesgeschichten und heißen Sexszenen verbinden, aber irgendwie ist das eben eher selten. Von dem her konnte ich es verschmerzen, weil ich ohnehin keine allzu hohen Erwartungen hatte.

Fazit:

Jepp, das Buch ist eine seichte Erotikromanze mit historischem Seefahrttouch. Ein ideales Badewannen oder Feierabendbuch. Wer anspruchsvollen Tiefgang und historisch ausgefeilte Abenteuer möchte, der sollte hier nicht zugreifen. Dennoch konnten mich die Charaktere, das Setting und das abenteuerliche Rennen insgesamt von sich überzeugen. Für Abwechslung und leichte Lektüre zwischendurch ist das Buch bestens geeignet. Die Kabbeleien zwischen Nicole und Derek waren erheiternd, Abenteuer und Romantik hielten sich die Waage und es knisterte beim Lesen angenehm in der Luft. Das Buch hat meine Erwartungen erfüllt und der zweite Band über Dereks Bruder Grant liegt auch schon hier.

Weitere Meinungen:


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[Rezension] Gedankenspeicher von Hannes Niederhausen

[Rezension] Gedankenspeicher von Hannes Niederhausen

[Rezension] Gedankenspeicher von Hannes Niederhausen

Gemeinsam mit dem sympathischen Hannes Niederhausen habe ich in Leipzig bei 9lesen auf der Bühne gestanden. Seine Kurzgeschichten sind amüsant, vielseitig und oft unerwartet. Als er mich fragte, ob ich seine SciFi-Krimi-Novelle lesen möchte, habe ich deswegen gleich „Ja!“ gerufen. Vielen Dank für das Printexemplar, Hannes! Wie mir sein Buch gefallen hat? Das erfahrt ihr hier!


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  • Autor: Hannes Niederhausen
  • Titel: Gedankenspeicher
  • Genre: SciFi, Krimi Noir
  • 114 Seiten, TB: 7,99€ | Ebook: 2€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Die nahe Zukunft: Ein Konzern baut auf dem Mond in Bergwerken Wasser ab, um es teuer an die Erde zu verkaufen. Sie locken mit einem hohen Preisgeld, sollte man 5 Jahre Arbeit dort durchhalten. Doch Menschen verschwinden und sterben auf seltsame Art und Weise. Detektiv Karl Panzer heuert als Kumpel undercover auf dem Mond an, um den Machenschaften des Konzerns auf den Zahn zu fühlen. Abgeschottet von der Außenwelt ermittelt er auf der Station und weiß nicht, wem er da draußen im All trauen kann.


Meine Meinung:

Hannes Niederhausen hat einen angenehmen, bildhaften und dennoch unaufgeregten Erzählstil. Die Beschreibungen der Raumstation, des Bergwerks und der technischen Gerätschaften sind interessant und leicht verständlich – auch für SciFi-Skeptiker wie mich.

Normalerweise lese ich Science Fiction nicht wirklich gerne, der kriminalistische Aspekt hat mich jedoch interessiert. Mit knapp 114 Seiten bleibt natürlich kaum Platz einen wirklich ausgeklügelten, mehrschichtigen Kriminalroman zu schreiben. Dennoch erfuhren wir mehr über Hauptcharakter Karl Panzer und seine Vergangenheit. Nun würden viele sagen: Sich alleine und ohne Rückendeckung auf den Mond in die Höhle des Löwen schießen zu lassen, ist eine ziemlich dämliche Idee. Ist es auch. Panzers Gedankengänge waren nachvollziehbar, aber seine Handlungen und seine Art zu ermitteln kamen mir doch sehr plump vor. Dazu das nicht aufgearbeitete Trauma.

Auch, wenn die Enthüllung am Ende durchaus plötzlicher und anders kam als erwartet, war für mich bereits früh abzusehen, was wirklich geschieht. Das hätte man vielleicht noch etwas geschickter verschleiern können, denn so war es keine wirkliche Überraschung. Die Idee hinter dem Geheimnis wiederum finde ich viel spannender und hätte mir gerade da noch etwas mehr Einblicke gewünscht. So blieb es leider eine recht kurzweilige Erzählung, die Potenzial für einen längeren Roman gehabt hätte.

Die Atmosphäre auf dem Mond und in der Station, das futuristische Gruseln ist sehr gut gelungen. Die Raumstation hatte etwas Beklemmendes und Feindliches und das ist sehr gut rüberkommen. Ich glaube, ich wäre nach Tag 1 abgehauen.

Fazit:

Die Geschichte bietet kurzweilige Unterhaltung, einen angenehmen Schreibstil und interessante Ideen. Fans von kurzen Kriminalgeschichten und Science Fiction Novellen dürfen beherzt zugreifen.

Weitere Meinungen:

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[Rezension] Du wolltest es doch von Louise O’Neill

[Rezension] Du wolltest es doch von Louise O’Neill

Vorneweg vielen Dank an den Carlsen Verlag, die mir dieses Buch überraschend als Rezensionsexemplar zugeschickt haben. „Du wolltest es doch“ von Louise O’Neill ist kein leichter Lesestoff. Vermutlich hat es deswegen ein bisschen gedauert, bis ich dieses Buch beenden konnte. In dem Buch geht es um Vergewaltigung und Victim Shaming, weswegen ich hier eine Triggerwarnung aussprechen möchte.

Louise O’Neill: Du wolltest es doch


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  • Titel: Du wolltest es doch (eng. Asking for it)
  • Autorin: Louise O’Neill
  • Übersetzerin: Katarina Ganslandt
  • Verlag: Carlsen Verlag
  • Genre: Jugendbuch, Drama
  • 368 Seiten, Ebook: 12,99€ | gebunden: 18€
  • auf amazon* kaufen

Worum geht’s?
Emma ist in ihrer Clique die Hübscheste, fast alle Jungs drehen sich nach ihr um. Sie und ihre Mädels feiern Partys, checken Jungs ab und versuchen das langweilige Leben in der irischen Kleinstadt spannender zu gestalten. Erwachsen werden ist nicht leicht und unter der Oberfläche brodelt es bei allen. Alkohol, Jungsgeschichten, Parties – ganz normal. Doch als Emma eines Abends von einem Kerl eine kleine weiße Pille entgegen nimmt, ändert sich alles. Am nächsten Morgen wacht sie in zerissenen Kleidern vor ihrem Elternhaus auf. Sie kann sich an nichts erinnern, doch die Fotos und Geschichte die darauf von ihr kursieren, werden nicht so schnell vergessen.


Meine Meinung:

Das Buch beginnt seicht und oberflächlich. Wir lernen Emmas Mädelsclique kennen – reiche, priviligierte Mädchen, die sich aus Langweile betrinken und Herzen brechen. So scheint es. Bald wird aber klar, dass alle von ihnen Probleme haben. Dass alle Geheimnisse haben und leiden. Und dass sie nicht wie echte Freundinnen offen darüber reden können. Emma erzählt als Ich-Erzählerin in der Gegenwart von den Ereignissen und ihrer Familie. Wir sind in ihrem Kopf und bekommen all ihre Gedanken mit. Vor allem die schlechten. Wie sie über ihre „Freundinnen“ denkt, wie berechnend und kalt sie manchmal ist.

Das mag abschreckend und unsympathisch wirken und gleichzeitig wirkt es für mich real und nah. Nicht – weil ich mich sonderlich gut mit Emma identifizieren kann. Aber weil es zeigt, was für ein zerissener Mensch sie ist. Wie sehr sie ihre Fassade wahren will und doch nicht ausbrechen kann. Sie ist das hübsche und beliebte Partygirl – das kann sie, dessen ist sie sich sicher. All ihre anderen Eigenschaften sind in den Hintergrund getreten, irgendwann bevor die Geschichte beginnt. Ausgebrannt die Träume, erschreckend leer und pessimistisch. Einiges liegt im Dunkeln, anderes ist offensichtlicher – wie die kaltschnäuzige, oberflächliche Beziehung von Emma und ihrer Mutter.

Emma hat sich angepasst und ihr Herz in sich eingesperrt. Sie ist das traurige Produkt einer oberflächlichen Gesellschaft, einer Familie, die mit zwei Maßen misst, ein Kleinstadtmädchen in einem Korsett. Von allen Seiten wird sie auf ihr Äußeres reduziert. Vielleicht setzt sie es nicht zuletzt deswegen auch als Waffe ein. Um Jungs herumzubekommen, um sich stark und selbstsicher zu fühlen. Um eine Macht oder Sicherheit zu spüren, die sie sich durch keine andere Quelle mehr holen kann.

Das Mädchen

Die zweite Hälfte spielt ein Jahr nach dem Ereignis. Und von der Emma vom Anfang des Buches ist nicht mehr viel übrig. Wir erfahren, was in der Zwischenzeit passiert ist, wie die Charaktere es unterschiedlich verarbeiten. Was es mit ihnen macht. Es ist wesentlich fesselnder, wichtiger und schmerzhafter als die erste Hälfte. Das Wort „Mitleid“ bekommt eine neue Dimension, denn beim Lesen habe ich wirklich gelitten. Und ich hätte so viel sagen und machen wollen. War enttäuscht, als es niemand gesagt oder gemacht hat. Es war berechenbar, aber doch grausam.

Mehr als die erste Hälfte, hat mich die zweite Hälfte emotional am Schopf gepackt. Meine eigene Moral hinterfragt. In meiner Teenagerzeit war ich das graue Mäuschen – ich war in dem Sinne eine Ali, und vielleicht hätte ich ebenso eklig reagiert wie manche von Emmas Klassenkameradinnen.

Ich hab mir oft gewünscht, ich wäre das schöne, begehrte Mädchen, das Drinks ausgegeben bekommt. Das angetanzt und von Jungs umschwärmt wird. „Sei doch froh über die Aufmerksamkeit“ habe ich damals gedacht. Und erst viel später gemerkt, wie eklig sich das anfühlen kann, wie widerlich es ist, als Stück Fleisch gehandelt zu werden. Die Diskussionen, die Entwicklungen auf Facebook und Twitter. Die Zeitungsbericht, die Dreistigkeit der Medien, die in dem Buch dargestellt werden. All das ist so real, dass es wehtut.

Dass die Leute zuerst hinterfragen, was es mit den Angeklagten macht, nicht mit den Opfern. Dass es darum geht, Leben zu ruinieren. „Du wolltest es doch“ – der Titel sagt es schon.

Aber es ist wichtig und nötig, dass wir uns das bewusst machen. Dass wir unsere eigene Sozialisation, unsere Urteile und Meinungen hinterfragen. Und so vielleicht dafür sorgen, dass – wie die Autorin es sich im Nachwort wünscht – keine solchen Fälle mehr gibt.

*Spoiler* (Markiere um zu lesen)

Das Ende lässt mich ziemlich zerknittert zurück. Die Geschichte fühlte sich real an und ich kann Emma am Ende der Geschichte sehr gut verstehen. Die Reaktionen der Figuren im Buch sind teilweise wirklich widerlich und es fühlt sich so real an. Weil es vermutlich so schon passiert ist.

Und es widert mich so sehr an, dass – egal ob Vergewaltigung oder nicht – scheinbar niemand den bloßen Akt diese Fotos von Emma online zu stellen, verurteilt. Die widerlichen Hassmails, das widerliche Verhalten von Emmas Eltern. Dass irgendwo auch nachvollziehbar ist? So etwas zu lesen tut weh. Es ist Fiktion, aber es tut trotzdem weh.

Ich glaube, ich hätte gerne noch eine Aussprache mit den Freundinnen gelesen. So ist es wirklich hoffnungslos und zermürbend, da niemand sich wirklich mit Emma auseinandersetzt.

*Spoiler Ende*

Mein Fazit:

Das Buch zeigt ungeschönt das Innenleben einer jungen Frau, die kaltblütig geworden ist und die unnahbar und unsympathisch wirkt. Das macht sie aber in meinen Augen echt und ehrlich, denn ihre Geschichte hat sie geformt. Es ist eine Geschichte, die es so ähnlich oft auf der Welt geben wird. Die in diesem Buch eine schreckliche Wendung erhält. Einiges bleibt im Dunkeln, vieles ungesagt. Das Buch ist für mich realistisch und dadurch umso grausamer. Auf den ersten Blick geht es vielleicht „nur“ darum, dass auch freizügige Mädchen genauso wenig Schuld an einer Vergewaltigung haben, wie graue Mäuschen.

Aber zwischen den Zeilen kann man viel mehr herauslesen, über unsere Gesellschaft und über das Heranwachsen. Es tut richtig weh, gerade die zweite Hälfte ist wie ein großer Splitter. Dieses Buch ist wichtig. Jedoch würde ich es nicht unkommentiert Jugendlichen zu lesen geben. Allerdings finde ich es – wie bereits The Hate U Give oder Dumplin‘ – sehr gut, wenn es vielleicht Einzug in den ein oder anderen Deutschunterricht hält.

So wichtig das Thema auch ist, so wichtig ich die Geschichte und Protagonistin Emma fand – den Schreibstil, die wiederholten Stilmittel und die Erzählweise fand ich stellenweise etwas zäh und langatmig. Die zweite Hälfte war fesselnder, spannender und das Ende hat zu dieser Geschichte gepasst. Wer eine leichte Lektüre, eine mutmachende Geschichte lesen möchte, der sollte dieses Buch nicht anrühren.

Weitere Meinungen:

 


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[Rezension] Zeitlose – Doras Erwachen von Eva-Maria Obermann

[Rezension] Zeitlose – Doras Erwachen von Eva-Maria Obermann

Ich respektiere die liebe Eva nicht nur als großartige Autorin und Bloggerkollegin, sondern zähle sie auch als Freundin. Nachdem ich bei einer Leserunde Band 1 der Zeitlose Reihe gelesen hatte, war klar: Ich muss wissen, wie es weitergeht! Das Buch von der lieben Eva übrigens als Rezensionsexemplar geschenkt bekommen, aber leider bin ich erst jetzt dazu gekommen, es zu lesen.
Ob es den ersten Teil übertreffen konnte? Die Leseprobe zum Buch habe ich übrigens anlässlich des Erscheinens vertont.

Eva-Maria Obermann: Zeitlose 2 – Doras Erwachen


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  • Autorin: Eva-Maria Obermann
  • Titel: Zeitlose – Doras Erwachen (Band 2 der Zeitlose Trilogie)
  • Verlag: Schwarzer Drachen Verlag
  • Genre: Urban Fantasy, Romantik
  • 314 Seiten, Taschenbuch: 14,90€ | Ebook: 6,90€
  • auf amazon* anschauen

Worum geht’s?

Dora ist nach den Ereignissen um Nathan, Fiona, Simeon und Nancea aus dem ersten Band sehr verwirrt. Sie weiß nicht mehr, was ihre Träume oder Gefühle sind und wer sie selbst ist. Oder wer sie sein möchte? Mit der Hilfe ihrer besten Freundin Anna und deren Partner Carl, versucht sie ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Doch anstatt von Nancea zu träumen sieht Dora nachts nun die Bilder und Geschichten anderer Frauen, die ebenfalls von Nancea träumten. Und die meisten von ihnen starben eines schrecklichen Todes. Dora spürt, dass es noch nicht vorbei ist und als sie den Mädchen auf den Grund geht, muss sie sich unweigerlich wieder mit Nathan auseinandersetzen. Außerdem steht Oscar vor der Tür und will eine zweite Chance. Unverhoffte Hilfe findet sie in einem kleinen mysteriösen Buchladen in den Gassen Mannheims…


 

Meine Meinung:

Der erste Band endete zwar nicht mit einem fiesen Cliffhanger, aber ich war doch sehr neugierig, wie es weitergeht. Einige Fragen blieben ungeklärt und vor allem Doras Leben war ordentlich durcheinander gewürfelt. Damit hatte sie in der ersten Hälfte auch ordentlich zu kämpfen. Panikattacken, soziale Isolation, depressive Züge – Dora hatte es nicht leicht, doch ihre liebenswerte Mitbewohnerin Anna und deren Freund Carl waren stets an ihrer Seite um Dora aufzubauen.

Nach allem, was Dora durchmachen musste, fiebert man mit ihr und wünscht sich so sehr, dass sich alles zum Guten wendet. Im ersten Teil war ich definitiv für ihren Oscar, doch im zweiten Teil merkte man deutlich, dass er aufdringlich ist und Dora nicht den Freiraum lässt, den sie braucht. Auch Nathan war keine große Hilfe, denn wenn er auftrat, brachten seine Handlungen Dora noch mehr durcheinander.

 

Turbulente Träumerei

Anstatt von Nancea und Simeon zu träumen, wurde Dora nun von anderen Visionen heimgesucht. Körperlich einnehmende und viel zu reale Träume von den Mädchen, die ihr Schicksal teilten und meist eines unglücklichen Todes starben. Mädchen, die es nicht geschafft hatten, Nancae und Simeon zu retten oder loszulassen, die von den Träumen aufgefressen oder in den Wahnsinn getrieben wurden. Dora spürt, dass diese Träume wieder etwas bedeuten, doch sie verschließt sich, will flüchten. Ihre Verletzlichkeit und ihre Erschöpfung wurde hier deutlich, jedoch hat mich in der ersten Hälfte des Buches ihr Unwillen etwas zu verändern, sich Hilfe zu holen (außer von Freundin Anna) oftmals aufseufzen lassen. Sie versank in Gedankenspiralen und Selbstmitleid, sodass es Dora selbst und mir als Leserin irgendwann ein wenig auf die Nerven ging.

Aber sobald Dora über die Schwelle von Elisabeths Buchladen stolperte, nahm das Buch Fahrt auf. Dora erwachte aus ihrer Ohnmacht und begann, endlich wieder zu forschen, zu hinterfragen und zu agieren. Die vielen Offenbarungen und neuen Erkenntnisse, die Entwicklung der Träume und ihrer Bedeutung fand ich total spannend. Immer wieder Erinnerungsschnipsel gemischt mit dem langsame Vortasten – das war superspannend. Dass dabei Doras Privatleben – also Oscar, der um eine zweite Chance bettelte; ihre Freundin Anna und deren Probleme; die Uni – nicht komplett ausgeblendet wurde, fand ich sehr gut und realistisch. Außerdem hat es die Spannung nochmal gekitzelt, wenn Dora nicht weiterforschen konnte, sondern sich anderen Dingen widmen musste.

Das Leben kommt einem eben oft dazwischen.

Das Finale war wiedereinmal grandios konstruiert – wie es sich langsam zugespitzt hat, dann die Offenbarung wie ein Knall und ein Showdown. Das Ende vom zweiten Band ist deutlich fieser als von Band 1. Denn mit all den gewonnen Erkenntnissen und den großen Schritten in die richtige Richtung ist Dora nicht nur erwacht, sondern voll in Aktion. Und das ist einfach nur cool!

Einfach traumhaft!

Evas Schreibstil ist eine angenehme Abwechslung. Sie schafft es gefühlvoll und intensiv zu schreiben, ohne Kitsch und Überdramatisierung. Auch Alltagshandlungen, Essen, Gerüche, Sinneseindrücke webt sie mit Leichtigkeit in die Geschichte ein, zeichnet lebendige Charaktere und Bilder im Kopf.

Während es in Band 1 vor allem um Nancea und Simeon ging, lernen wir in Band 2 die eigentliche Heldin Dora besser kennen. Und ihre Entwicklung ist wirklich großartig. Wie sie ihren Weg geht, sich sucht, zweifelt, liebt und auch mal schlechte Entscheidungen trifft – das fand ich großartig. Aber es wird auch klar, dass die Unterstützung guter Freunde unabdingbar ist. Und solche Freunde wie Anna und Carl kann man sich einfach nur wünschen. Deswegen hat es mich sehr gefreut, dass auch die beiden ihre Zeiten im Buch hatten. Die Probleme und Sorgen der anderen Charaktere gingen nicht unter, auch wenn Dora oft mit sich selbst beschäftigt war. Die innige Zuneigung und das Band der Freundschaft zwischen Anna und Dora wurde deutlich.

Originelle Entwicklungen

Für eine traumhafte Urban Fantasy/Romantasy Geschichte geht „Zeitlose“ neue Pfade. Mannheim und unsere Zeit als Schauplatz sind der Anker, der uns nach den traumhaften Sequenzen daran erinnert, dass wir es hier mit Menschen zu tun haben. Realen Menschen, die lieben, leiden und sterben. Dora ist eine erwachsene Frau mit Zielen, Wünschen, aber auch Verpflichtungen. Die treten keinesfalls in den Hintergrund, nur weil übersinnliche Träume oder Ereignisse sie heimsuchen. Die Arbeits- bzw. Uni-Welt hat nicht so viel Verständnis und lässt nicht so viel Zeit für Nachforschungen und Träumereien. Realistik in einem sonst verträumten Roman. Und soll ich euch was sagen? Das finde ich sehr gut. Viel zu oft läuft Urban Fantasy nach einem Schema ab, dass mit Auftreten den Love Interests oder der Schwierigkeiten alles egal wird – Arbeit, Miete, Essen, Familie, alte Freunde, Wäsche waschen. Nur, weil wir Magie haben, löst sich das Ganze in „Zeitlose“ nicht von Zauberhand auf, sondern bereitet den Charakteren eben zusätzlich Probleme. Diese Prise Realismus macht „Zeitlose“ für mich zu einer erwachsenen und besonderen Reihe.

Wer ungewöhnliche romantische Urban Fantasy Geschichten mit Träumen und Geheimnissen mag, kommt voll auf seine Kosten. Alle Fans von klischeehafter Liebe-auf-den-ersten-Blick und dem linearen Schema von Liebesgeschichten mit viel Fluff, Gepimper und Gesülze sollten lieber die Finger von „Zeitlose 2“ lassen.

Fazit:

Die erste Hälfte war durch Doras innere Konflikte ein klitzekleines Bisschen zäh, aber ab der zweiten Hälfte nahm die Geschichte wie gewohnt Fahrt auf und das rasant. Evas sanfter, malerischer Schreibstil, ihre gefühlvollen und aufmerksamen Beschreibungen machen das Buch zu einem Lesegenuss! Das Ende lässt mich neugierig und aufgekratzt zurück. Ich kann es kaum erwarten, bis Band 3 erscheint!

Weitere Meinungen:

 


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[Rezension] Ich fühle so tief ich kann von Liane Cornelius

[Rezension] Ich fühle so tief ich kann von Liane Cornelius

Ich war ziemlich überrascht, als mich die E-Mail erreichte, in dem mir „Ich fühle so tief ich kann“ von Liane Cornelius als Rezensionsexemplar angeboten wurde. Von der Autorin hatte ich nie zuvor gehört, aber sie hatte sich die Mühe gemacht meinen Blog genau anzusehen und mir eine liebe und persönliche Mail zu schreiben. Außerdem hat Liane mir Zeit gelassen, ihr Buch zu lesen und war nicht ungeduldig und unhöflich. Eine angenehme Abwechslung zu den lieblosen Massenmails à la „Lieber Blogger…“.

Außerdem klang dieses Buch wirklich interessant – ob es mir gefallen hat?

Liane Cornelius – Ich fühle so tief ich kann


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  • Autorin: Liane Cornelius
  • Titel: Ich fühle so tief ich kann (396 Seiten)
  • Genre: Entwicklungsroman
  • BOD, Taschenbuch: 15,99€ | Ebook: 11,99€
  • auf amazon*

 

Worum geht’s?
Liane „Lilly“ ist in der Mitte ihres Lebens angelangt und hat viel mitgemacht. Vier OPs braucht es noch, damit sie wieder schmerzfrei gehen kann. Als Physiotherapeut Andreas in ihr Leben tritt, ahnen beide noch nicht, dass ihre Begegnung weitreiche Folgen haben wird. Liane ist verletzt und hat Angst, fallen gelassen zu werden. Andreas hingegen ist manipulativ, sexsüchtig und eiskalt hinter seiner freundlichen Fassade. Doch der Kontakt der beiden entwickelt sich zu einem tiefgründigen Austausch und sie lernen sich tiefer kennen als ihnen lieb ist.


 

Meine Meinung:

Ich kannte aus der Mail nur den groben Inhalt, den Klappentext und die psychologischen Themen, die im Buch angeschnitten werden. Als ich das Buch dann anfing war ich vom Aufbau und der Geschichte doch recht überrascht. Auch, wenn am Ende der Hinweis kommt, dass alle handelnden Figuren frei erfunden sind, liest es sich wie eine Art Biografie, ein Tagebuch. Denn wir als Leser sind untrennbar mit Lillys Gedanken verbunden, erleben und fühlen durch sie. Der Schreibstil passt dazu und ist persönlich gefärbt und reich an Sinneseindrücken. Das fand ich schön!

Zwischen den Passagen, die ihren schwierigen Alltag behandeln, streuen sich Erinnerungen an ihre Kindheit. Spannend und sehr nah erleben wir, was Lilly mitmachen musste und wie sie die Frau wurde, die sie im Buch ist.

Nach und nach decken wir ihre Gedanken, Gefühle und Narben auf. Während Andreas zuerst unnahbar und irrational erscheint, erreicht die seltsame, beinahe magisch anmutende und ungewöhnliche Beziehung der Beiden tiefe Gefielde. Fast schon phantastisch mutet die telepathische Kommunikation an. Die Gespräche und Liebeleien finden oft nur in Lillys Kopf statt und eine Zeit lang wissen wir nicht, ob sie sich das vielleicht nur einbildet. Schließlich ist Andreas nur selten physisch so ehrlich, so offen und so ruchlos wie seine „Seele“.

Das Cover ist simpel gehalten und sieht ordentlich aus. Ich persönlich hätte die Schrift noch ein bisschen konstrastreicher gemacht. Aber das sind nur Äußerlichkeiten.

An dieser Stelle eine kleine Warnung: Das Buch spricht Themen wie Missbrauch, Suizid und psychische sowie physische Gewalt an.

Wir fühlen wirklich so tief es geht, explorieren und grübeln mit Lilly was mit ihr und Andreas los ist. Als Hobby Psychologen arbeiten wir mit den Bröckchen Interaktion, mit Gesten und wenigen Worten und versuchen herauszufinden, welche Puzzleteile Andreas erklären. Der reale Alltag um Lillys Krankheit wird damit oft zur Oase der Ruhe, aber auch zur Nebensache. Denn sie ist eigentlich glücklich mit Tony verheiratet und Andreas hat seine Freundin Laura.

Außerkörperliche Erfahrung…

Zugegeben, am Anfang wirkte die esoterische, rein geistige Beziehung der Beiden etwas abstrus, absurd auf mich. Zwei Seelenverwandte, die im Geiste miteinander kommunizieren und sich berühren und Gefühle auslösen. Das habe ich nicht erwartet und es hat ein bisschen gebraucht, mich darauf einzulassen. Einfach, weil ich dieses „phantastische“ Element nicht erwartet habe.

Die Beziehung von Andreas und Lilly – generell alle von Andreas‘ Beziehungen – scheinen im Machtgefüge etwas verrutscht, sicher nicht ideal oder gesund zu sein. Aber das stellt die Autorin auch nicht so dar. Es ist klar, dass diese Form der Kommunikation, diese Beziehung etwas Seltsames, Intensives aber auch Belastendes darstellt. Dass es sich um zwei schwer verletzte und traumatisierte Personen handelt, die sich gegenseitig mit seltsamen Methoden versuchen über Wasser zu halten.

Lässt man sich jedoch darauf ein, bekommt man als Leser*in ein spannendes Spiel serviert, ein Ringen und Zerren, ein interessantes Bild zweier Menschen und immer wieder psychologische Anekdoten und Informationen.

Liane Cornelius kann diese Form der Visualisierung wunderbar beschreiben. Wie man z.B. seine „Angst“ als Figur zeichnet und diese in die Ecke des Raumes stellt. Solche gedanklichen Bilder werden oft eingesetzt, um Genesungsprozesse zu unterstützen und komplexe Sachverhalte wie Gefühle greifbarer zu machen. Auch Entspannungsübungen und Traumreisen werden so eingesetzt und man merkt im Buch, dass Liane die richtigen Worte für solche Sachverhalte finden kann.

Wehmutstropfen

Ein größeres Manko für mich war das fehlende(?) Lektorat. Das Buch ist im Selfpublishing bei Book on Demand erschienen und man merkt leider an manchen Stellen, dass kein professionelles, umfassendes Lektorat bzw. Korrektorat stattgefunden hat. Weniger an Rechtschreib- oder Grammatikfehlern („Wochen-Ende“), sondern an Formulierungen oder einzelnen Szenen, die ich nach meinem Empfinden in so einem Durchgang gestrichen hätte. Letztlich hat es den Lesefluss nicht so sehr gestört, aber es ist eben doch hier und da aufgefallen.

Fazit:

Dieses Buch ist definitiv etwas Besonderes und hat mich an vielerlei Stellen überrascht. Wer eine seichte Liebesgeschichte oder Erotikschmonzette sucht, ist hier falsch. Viel mehr geht es mehr um Gefühle, Traumata und die Bewältigung der Erfahrungen. Die Beziehung von Lilly und Andreas ist interessant, manchmal seltsam und erschreckend. Nachdem ich mich auf den „esoterischen“ Austausch der beiden Seelen eingelassen habe, war das Buch spannend und interessant, sehr nah und sehr gefühlvoll. Von mir gibt es deshalb vier Seesterne.

Ein wirklich süßes Extra: Auf der Homepage von Liane könnt ihr einen Test machen, ob das Buch etwas für euch sein könnte! Den Test habe ich erst nach dem Lesen entdeckt, aber mir wurde die Leseprobe empfohlen. Hihihi.

Weitere Meinungen:


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[Rezension] Najaden: Das Siegel des Meeres von Heike Knauber

[Rezension] Najaden: Das Siegel des Meeres von Heike Knauber

Heike Knauber: Najaden – Das Siegel des Meeres

Najaden? Meerwesen? Count me in!
Schon als ich das Buch in der Verlagsvorschau gesehen habe, war ich richtig heiß darauf und habe es gleich als Rezensionsexemplar angefragt. Vielen Dank nochmal an den blanvalet Verlag, dass ihr es mir zugeschickt habt.
Eigentlich wollte ich das Buch bereits im Juni beendet haben. Da im Juli der Mastertest anstand, habe ich mir die letzten 50 Seiten aber für danach aufgehoben, weswegen die Rezension erst jetzt erscheint.


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  • Autorin: Heike Knauber
  • Titel: Najaden – Das Siegel des Meeres
  • Verlag: Blanvalet Verlag
  • Paperback: 15€ | Ebook: 11,99€  (608 Seiten)
  • auf amazon* kaufen

Worum geht’s?
Die Sultanssöhne Sayaf und Khayam erobern im Namen ihres Vaters Länder und Inseln. Immer auf der Suche sind sie dabei nach einem Siegel des Meeres, mit dem sie die Dürre und das Sandmeer aufhalten können, das ihre Ländereien langsam verschluckt. Sie vermuten es beim Oberhaupt einer Gilde und entführen dessen Familie, darunter auch die junge Meliaé. Gleichzeitig versucht der Fürst der Najaden (im Wasser lebende magiebegabte Gestaltwandler) sie zu retten. Doch Abu Sayaf ist ungewöhnlich sanft zu Meliaé und auch, wenn sie versucht ihn zu hassen, verspürt sie eine gewisse Faszination ihm gegenüber. Doch Meliaé verbirgt ein Geheimnis, von dem nicht einmal sie etwas weiß – und es könnte die Welt ins Chaos stürzen…


Meine Meinung:

 

Meerjungfrauen? Magie? Fantasy? Das klingt nach einer perfekten Mischung für mich! Und schaut euch mal das schöne Cover an! Bisher haben mich leider die meisten Bücher mit Thema Meerwesen, Nixen, Najaden maßlos enttäuscht. Nicht so Heike Knaubers orientalisch angehauchtes Fantasy Abenteuer!

Zugegeben, als die Geschichte beginnt ist Meliaé noch ein junges Mädchen und der Umgang mit dem älteren Abu Sayaf war etwas befremdlich. Aber zum Glück gelingt es Heike Knauber die Geschichte immer dann herumzureißen, wenn man befürchtet in ein seltsame Romantasy Klischees zu stürzen. Bevor es also pädophil gruselig werden kann, gibt es einen Zeitsprung, sodass Meliaé in der zweiten Hälfte des Buches alt genug ist.

Generell hat mir an dem Buch sehr gut gefallen, dass es zwar gewisse Klischees oder Motive aus der griechischen und orientalischen Mythologie übernimmt, z.B. die Dschinns, Zentauren oder die Najaden, aber etwas ganz Eigenes schafft. Wer zähennägelaufrollende, toxische Romanzen und ein Stockholm Syndrom erwartet, wird – der Autorin sei dank – beim Lesen eines Besseren belehrt. Denn auch wenn die Beziehung von Abu Sayaf und Meliaé sehr komplex ist und es ein schief hängendes Machtverhältnis gibt, driften wir nicht in eine missbräuchliche Richtung ab. Grenzen werden gewahrt und die Beziehung der beiden wandelt sich auf eine nachvollziehbare Weise von einer anfänglichen Feindschaft zu einer Art Zweckbündnis. Vielleicht sogar zu mehr? Immer wenn ich dachte gleich wird es romantisch-kitschig, kam etwas dazwischen – ein richtiger Kracher, der die Geschichte nochmal in eine andere Richtung gedreht hat.

Es waren keine harten Plottwists, die die Story komplett auf den Kopf stellen, aber spannende Wendungen, die man an der Stelle nicht erwartet hätte. In diesem Buch läuft vieles schief, Pläne gehen nicht auf und neue Konfliktparteien treten auf. Das hat dafür gesorgt, dass das Buch durchgehend spannend war und man auch bei 608 Seiten nicht müde geworden ist.

Schöne Sprache!

Auch Heike Knaubers Schreibstil überzeugt. Wortgewandt, mit vielen Details und liebevoll beschreibt sie ihre Welten, ihre Charaktere und zeichnet eine ganz besondere Welt. In meinem Kopf sind Schlachtschiffe und Paläste entstanden, raubeinige Krieger, reichbeschmückte Fürsten und die kämpferische Meliaé. Auch wenn meiner Meinung nach das Wort „schakalköpfig“ noch ein paar mal hätte gestrichen werden können. 😉

Sowohl die ruhigeren und romantischen Momente, als auch die grausamen und actionreichen Szenen wurden in einem passenden Tempo erzählt. Ich hatte das Gefühl, dass die Geschichte eine sehr gute Balance hatte. Ein bisschen seichte Flussfahrt, bevor die nächsten Stromschnellen kommen.

Das Ende kam dann doch etwas abrupter und obwohl es actionreich war, war es mir fast ein wenig zu chaotisch. Außerdem betrübt mich der Ausgang ein bisschen, wenngleich man ja vielleicht auf weitere Geschichten aus der Welt warten darf? Jedenfalls würde ich spoilern, wenn ich mehr dazu sage!

Kleine Meerjungfrau?

Wir lernen Meliaé als junges Mädchen kennen. Behütet, naiv, sturköpfig. Aber auch besorgt, liebevoll und emotional. Durch den Zeitsprung erfahren wir jedoch auch von der fürsorglichen, erwachsenen Meliaé, die wesentlich berechnender und entschlossener ist. Eine tolle Charakterentwicklung, auch wenn sie mir manchmal fast ein wenig ZU aufopferungsvoll und sozial gegenüber anderen war.

Abu Sayaf, der jüngere Sultanssohn, ist ein vielschichtiger Charakter, der mir sehr gut gefallen hat. Seine Verpflichtungen, seine Gefühle, seine Erziehung und viele Dinge spielen in seine Handlungen und seinen Entwicklung mit ein. Er ist durchaus wohlwollend und freundlich, kann aber auch hart und entschlossen sein. Ich mochte die Graustufen und weil ich ihn mir ein bisschen wie Jason Momoa vorgestellt habe, war ich doch ein wenig verschossen in ihn.

Miltiades, der Najaden Fürst, agiert eher im Hintergrund, ist ein kühler Kopf und wirkt sehr geheimnisvoll, da wir nicht so viel über ihn erfahren. Ich muss sagen, ich fand ihn wahnsinnig interessant und hätte gerne mehr über ihn erfahren. In anderen Situationen wollte ich ihm aber auch einen Ziegelstein über den Kopf ziehen.

Das Buch hat durchaus grausame, gewalthaltige und düstere Szenen, als auch Sex, Krankheiten und Verderben. Ich liebe „erwachsene“ Fantasy, da ich mich an den Jugendfantasybüchern mit rosaroter Kitschbrille satt gelesen habe. Dennoch sollte man wissen, dass dieses Buch kein blubberfrohes Kleine-Meerjungfrauen-Abenteuer ist, sondern durchaus düstere und ernste Themen hat.

 

Mein Fazit:

Für mich war „Najaden“ ein absoluter Glücksgriff! Leseurlaub an Bord eines Schiffes, das sowohl schöne Strände als auch gefährliche Wasser besegelt hat. Spannung, Romantik, Dramatik – alles hat sich angenehm abgewechselt, die fantastischen Elemente und Wendungen waren gut eingesetzt. Der Schreibstil war gut und ich möchte unbedingt mehr von Heike Knauber lesen! Ich bin rundum zufrieden. So schreibt man gute Meerwesen-Bücher!

Weitere Meinungen:


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[Rezension] Hanover’s Blind von Kia Kahawa (XL Leseprobe)

[Rezension] Hanover’s Blind von Kia Kahawa (XL Leseprobe)

Heute gibt es mal einen etwas anderen Beitrag – und zwar eine Rezension zu einer XL Leseprobe! Nämlich zu „Hanover’s Blind“ von Kia Kahawa.

Warum nicht zum ganzen Buch? – Weil das Buch noch gar nicht erschienen ist!


  • Autorin: Kia Kahawa
  • Titel: Hanover’s Blind

Worum geht’s?
Adam möchte seinen Platz im Leben finden. Einen ersten Schritt macht er als er alleine nach Hannover in eine fremde WG zieht. Er ist hungrig nach Leben, hungrig nach Liebe, nach Erfahrungen. Was niemand weiß: Adam hat eine Sehbehinderung und ist fast blind – das versucht Adam aber mit allen Mitteln zu verheimlichen, um nicht ausgeschlossen zu werden oder eine Sonderbehandlung zu bekommen. Aber kann das auf Dauer gut gehen?


Kia Kahawa: Hanover’s Blind

Zum ersten Mal erfuhr ich von diesem Projekt als Kia mir auf der LBM18 ihr Exposé zeigte. Und nun ist es soweit, das Buch steht in den Startlöchern – Kia ist als Selfpublisherin bereits erfahren, aber Hanover’s Blind ist etwas besonderes. Deswegen ist auch die Veröffentlichung etwas anders als bei ihren anderen Büchern. Es gibt nämlich eine große Crowdfunding Kampagne, damit das Buch sowohl als Taschenbuch als auch als Hardcover herauskommen kann – vielleicht sogar mit Illustrationen? Ich würde mich freuen, wenn ihr bei der Aktion auf startnext vorbeischaut.

Es gibt auch einen Buchtrailer:

Meine Meinung:

Das erste Kapitel beginnt an Hannovers Bahnhof – mit Adam kommen wir an, hören Geräusche und lernen ihn und die Umgebung kennen. Erste Hinweise auf seine Geschichte, seine Beweggründe und seine Persönlichkeit. Besonders schön – das Kapitel beginnt mit einem „Nein“ und endet mit einem „Ja“. Ein wundervolles kleine Detail. Kias Beschreibungen sind fließend, humorvoll und sind gut eingebettet in die Handlung. Wir werden als Leser nicht von Emotionen erschlagen und trotzdem formt sich ein Bild vor unserem inneren Auge. Ein Bild, das ein bisschen anders ist als üblich, denn wir sehen nicht durch Adams Augen – wir hören, riechen, fühlen und schmecken durch ihn.

Im zweiten Kapitel

begleiten wir Adam in die WG zu Muriel und Johanna – die auf den ersten Blick sehr liebevoll und aufgeschlossen wirken. Natürlich ist es einerseits ein bisschen doof, dass er nicht erzählt, dass er eine Sehbehinderung hat, andererseits wirken seine Motive glaubwürdig und es erzeugt natürlich Spannung und viele mögliche Fettnäpfchen, auf dich ich mich als Leserin schon diebisch freue. Locker und amüsant geht es weiter und auf Adams Weg gibt es direkt ein paar kleine Schlaglöcher.

Und Kia schafft es fabelhaft Adams gemischte Gefühle rüberzubringen. Ein Feuerwerk nur zu hören, während andere staunen. Das schmerzt. Und während ich mich jetzt auch nach Sandelholz-Karamell und einem „White Lady“ sehne, geht die XL Leseprobe zu ende.

Kias Schreibstil liest sich flüssig, es steckt viel Humor, viel Wortwitz, aber auch Sehnsucht in dieser Geschichte.

Ich möchte weiterlesen, wissen wie es weitergeht, wie Adams Weg aussieht. Insgesamt hat das Buch 180 Seiten, eine Novelle – aber allein in diesen drei Kapiteln steckte schon viel an Geschichte und Gefühlen drin, die Lust auf mehr machen!

Fun fact: Adam und mein erstes Wort als Babys stimmen überein! 😀

Ohne Augenlicht wäre mein Leben… (c) Kia Kahawa

Ich will es haben!

Ihr auch? Dann schaut bei startnext.com/hanovers-blind vorbei – ihr könnt zwischen Ebook, Taschenbuch und Hardcover wählen – denn nur, wenn wir zusammen anpacken, kann dieses besondere Projekt um Adam wirklich zum Leben erwachen! Und erzählt und teilt den Link gerne – es müssten sich (Stand 13.06) nur noch 44 Personen ein Hardcover bestellen, damit Hanover’s Blind gedruckt werden kann!

 

Weitere, spannende Beiträge zu Hanover’s Blind:

 

Vielen Dank liebe Kia, das ich bei diesem tollen Projekt mitwirken und vorab eine Leseprobe lesen durfte!