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[Rezension] The monsters we deserve von Marcus Sedgwick

[Rezension] The monsters we deserve von Marcus Sedgwick

[Rezension] The monsters we deserve von Marcus Sedgwick

Zwischendurch lese ich gerne englischsprachige Bücher. Von Marcus Sedgwick hatte ich noch nie etwas gehört, aber das Cover und der Klappentext haben mich angesprochen. Also habe ich es mir spontan gekauft!


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  • Autor: Marcus Sedgwick
  • Titel: The monsters we deserve
  • Genre: Milder Horror, Schauerroman
  • 272 Seiten, gebunden 13,66€ | Taschenbuch 9,96€ | Ebook 5,40€
  • auf amazon* kaufen (Sprache: Englisch (bisher nicht auf deutsch erschienen)

 

Worum geht’s?
Ein Autor zieht sich in eine einsame Berghütte zurück, um einen neuen Gruselroman zu schreiben. Ohne Empfang, abgeschnitten von der Zivilisation und in den Weiten des endlosen Himmels grübelt er über Monster und das Böse nach. Und muss feststellen, dass er vielleicht noch nicht so allein ist, wie gedacht


Meine Meinung:

Vorneweg etwas zu den Äußerlichkeiten: Ich habe das Taschenbuch, das mit einem schwarzen Cover und einer geprägten Schrift daher kommt. Auch innen drin ziehen sich Illustrationen oder mehr Verzierungen subtil durchs Buch. Äste, Nebelschwaden, kleine Symbole. Das sieht einfach toll aus und ist atmosphärisch. Spannend war auch, dass die „Kapitel“ mit Seiten getrennt waren auf der je ein Buchstabe stand. Detektiv Babsi hat natürlich gleich fleißig mitgeschrieben. Am Ende entsteht ein Satz daraus. Welcher das ist, werde ich natürlich nicht verraten.

 

Für echte Horrorfanatiker, die es gerne blutig und rasant mögen, ist das Buch definitiv nichts. Wir begleiten den Erzähler, sind in seinem Kopf und folgen seinen Gedanken und lauschen seinen Beobachtungen. Während er versucht sein eigenes Buch zu schreiben, hat er ein Buch zum Lesen dabei, das ihn rasend macht. Dabei beginnt er seltsame Geräusche und Zeichen um sich herum zu sehen. In der kleinen Berghütte, in der er residiert, um einen neuen Horrorroman für seinen Verlag zu schreiben.

Faszinierend fand ich, dass nicht ganz klar war, ob ein Charakter oder Autor Marcus Sedgwick dieses Geschehen erlebt. Was für eine Person ist unser Protagonist, was für ein Leben führt er abseits der Hütte? Davon erfahren wir nicht viel. Das Buch ist quasi eine Auszeit mit ihm, seinen Gedanken und der überwältigenden Wildnis. Für aufmerksame Lesende gibt es viele Andeutungen, viele Nuancen. Es geht um Sprache, um das Schreiben, die Geburt von Geschichten und die Geburt von Monstern.

 

Ich habe mir viele Passagen angestrichen

So viel möchte ich gar nicht über das Buch erzählen, denn ich bin relativ unbedacht herangegangen. Und es hat mich in seinen Bann gezogen, mich miträtseln und mitgrübeln lassen. Es hat viele wunderschöne, gleichzeitig melancholische und nachdenkliche Passagen. Gleichzeitig analysiert es schriftstellerische Prozesse, Vorstellungen von Gut und Böse und zeitgenössische bzw. historische Einflüsse auf das Genre der Schauerromane bzw. des Gothic Horror.

Die vierte Mauer, die es durchbricht, die Metaebene lassen einen dabei zwischendurch über die Schulter schauen, ob nicht doch etwas mit im Zimmer sitzt… Durchaus ein bisschen nebulös, verwirrend mit vielen offenen Fragen. Aber das ist für mich die gruseligste und meine liebste Sorte von Horror.

Fazit:

Ein dunkles, schauriges Vergnügen, das vor allem Buchliebhaber*innen und Schreibenden zusätzlich Spaß macht. Ein Buch, an das man am besten ohne viele Vorinformationen herangeht. Das Lesen ist ein Erlebnis. Wer atemlose Hetzjagden und blutigen Horror erwartet, wird aber nicht fündig.

 

Weitere Meinungen:

Ich habe keine deutsche Rezension zu dem Buch gefunden. Falls ihr eine geschrieben habt, lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen!

 


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[Rezension] New York Bastards: In deiner Erinnerung von K.C. Atkin

[Rezension] New York Bastards: In deiner Erinnerung von K.C. Atkin

[Rezension] New York Bastards: In deiner Erinnerung von K.C. Atkin

Nachdem mich der erste Band um die New Yorker Gangstertruppe positiv überrascht hat, wollte ich gleich den zweiten Band lesen, in dem es um Butch und Victoria geht. Zwei Charaktere, die mir auch im ersten Buch schon gut gefallen haben. Außerdem gilt eine Spoilerwarnung für den 1. Band, da dieses Buch sich unmittelbar daran anschließt.


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  • Autorin: K.C. Atkin
  • Titel: New York Bastards: In deiner Erinnerung (2. Band der New York Bastards Reihe)
  • Verlag: LYX
  • Genre: Thriller, Romantik
  • 458 Seiten, TB: 4,99€ | Ebook: 12,90€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Nach den Ereignissen aus dem 1. Band kämpft Butch mit den körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen als ihm eines Nachts ein Mädchen vor die Füße fällt. Sie spricht kaum, wurde offensichtlich misshandelt und ist unterernährt. Butch vermutet dahinter einen Ring von Kinderhändlern – ein No Go, selbst in der Gangsterwelt von New York.

Victoria hat ebenfalls an ihrem Päckchen aus Band 1 zu knabbern, doch sie konnte ihr Arbeit als Kinderkrankenschwester wiederaufnehmen. Als ein verstörtes Mädchen eingeliefert wird, ahnt sie nicht, dass sie damit abermals in die Machenschaften der New Yorker Unterwelt verstrickt wird. Butch und Victoria müssen zusammenarbeiten, um dem Mädchen zu helfen und die Verbrecher ein für alle Mal dingfest zu machen.

  • Triggerwarnungen zum Buch: Gewalt (auch gegen Kinder), Traumata, Medikamentenmissbrauch

Meine Meinung:

Das Buch legt in Sachen ernste Themen nochmal eine Schippe oben drauf. Die Autorin K.C. Atkin studierte in Osnabrück Psychologie und man merkt, dass sie auch bei ihren Figuren auf die psychischen Folgen achtet. Butch ist ein gebrochener Mann, der psychosomatisch stark angeschlagen ist. Victoria hat ihr Trauma aus dem ersten Band therapeutisch verarbeitet, aber es wird immer wieder eingestreut, dass beide noch an ihren Erfahrungen zu knabbern haben.

„In deiner Erinnerung“ ist mehr Thriller als Band 1, die Romantik und Erotik kamen sehr kurz. Während ich in der ersten Hälfte einer erneuten Annäherung der beiden Protagonisten entgegenfieberte, wurde es im zweiten Teil sehr schnell und lieblos abgewickelt. Generell fühlte sich das letzte Drittel – die Enthüllung, das Vertiefen der Beziehung, das große Finale – total gehetzt und hingeschludert an. Anders kann ich es wirklich nicht sagen. So mühsam und langsam in der ersten Hälfte alles aufgebaut wird, so zerstört wird es durch das Tohuwabohu am Ende.

Mir gefiel der Anfang wirklich gut, der Fokus auf die individuellen Probleme der Charaktere, ihre Päckchen, ihre psychische Entwicklung. Es war klar, dass die Verarbeitung nur langsam geschah, dass Heilung Zeit braucht. Umso schöner waren ebendiese kleinen Schritte bei Butch, Victoria und dem kleinen Mädchen.

Der Schreibstil war atmosphärisch und lebhaft, es war eher das ernste Thema, das beim Lesen manchmal etwas gebremst hat

Die zweite Hälfte schwächelt…

Ich mochte Butch & Victoria in Band 1 sehr gerne und auch in diesem Buch waren die beiden sympathisch und lebensecht mit ihren Ecken und Kanten. Leider wurde so viel davon wieder kaputtgemacht. Viele Probleme, die es in der gesamten ersten Hälfte gab, waren auf einmal nichtig. Ohne, dass sie durch ein Gespräch gelöst wurden. Natürlich kann man – wenn es sehr ernst wird – merken, dass die Probleme, die man vorher mit der Beziehung hatte, vielleicht nur im Kopf waren. Aber das nicht mal nachbesprechen, sondern in stillem Einverständnis sofort heile Welt spielen?

Es ging alles nur noch um das eine Thema – die Zerschlagung des Kinderhändlerrings, alles andere fiel komplett weg und die Charakterzüge der beiden gingen fast komplett unter. Es wurde teilweise nicht mal mehr darüber geredet. Im ersten Band gefiel mir die Mischung aus Spannung und Romantik total, hier war es irgendwie im Ungleichgewicht. Dadurch fielen einige Mängel eben auf. Der Bösewicht, der aufgebaut wird, ist am Ende so unspektakulär und unbedrohlich wie nur irgend möglich. Nebencharaktere verhalten sich total unsinnig, nehmen plötzlich ganz viel Raum im Buch ein und tauchen dann quasi wieder ab. Der Funke ist nicht übergesprungen.

Es ist schade, denn in Band 1 hat die Autorin für mich eigentlich bewiesen, dass sie diese Balance zwischen Romantik, Thriller mit glaubwürdigen und liebenswürdigen Charakteren hinbekommt.

Fazit:

Viel eher mittelmäßiger Thriller, wenig Romantik bzw. Erotik. In der ersten Hälfte baut das Buch eine gute Geschichte mit spannenden Dynamiken auf, die es am Ende nicht ordentlich zum Abschluss bringen kann. Das Ende wirkt gehetzt, konstruiert und wie eine unfertige Rohfassung. Wenn ihr den ersten Band mochtet, könnt ihr es gerne versuchen. Wer einen romantischen Thriller sucht, greift lieber zum ersten Band.

Weitere Meinungen:

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[Rezension] Bin hexen: Wünscht mir Glück von Liane Mars

[Rezension] Bin hexen: Wünscht mir Glück von Liane Mars

[Rezension]  Bin hexen: Wünscht mir Glück von Liane Mars

Die entspannten Tage im Freibad im Juni wirken wie eine Ewigkeit her. Klausurenphase, dann Urlaub und jetzt ein launisch, kühler August. Aber vielleicht rappelt sich das Wetter je nochmal. Natürlich geht es bei mir nicht ohne Buch zum Baden und auf der Wiese liegen. Mit dabei war mein erstes Drachenmond Verlag Buch – „Bin hexen: Wünscht mir Glück“ von Liane Mars.


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  • Autorin: Liane Mars
  • Titel: Bin hexen – Wünscht mir Glück
  • Verlag: Drachenmond Verlag
  • Genre: Urban Fantasy, Humor
  • bisher zwei Bände, in sich stimmig abgeschlossene Geschichte
  • 280 Seiten, TB: 12,90€ | Ebook: 3,99€
  • Auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Magie ist eigensinnig und launisch. Besonders, wenn Hexe Prim sie einsetzt. Nichts scheint zu klappen und auch ihren Hexenzwilling, eine menschliche Person mit der sie auf magische Weise seit der Geburt verbunden ist, hat sie noch nicht gefunden. Doch bald findet sie ihn: Ausgerechnet Hexenjäger Liam, der die Welt von der Existenz und der Gefahr von Hexen überzeugen will. Prim fühlt, dass sie ihn kennenlernen muss. Doch sie läuft Gefahr, sich selbst und ihre liebsten dadurch in große Gefahr zu bringen. Und die Magie gerät immer mehr aus dem Ruder.


Meine Meinung:

 

Ein interessanter Gedanke und ein urkomisches Worldbuilding. Magie, die sich so gar nicht bändigen lässt, das ist ziemlich neu. In diesem Buch sorgt die Magie hauptsächlich für Chaos, seltsame Zufälle und sehr witzige Namensgebungen.

Das Thema des Buches – Hexe trifft Hexenjäger und möchte ihn davon abhalten, ihre ganze Sippe zu verhaften – ist simpel. Und doch gelingt es Liane Mars durch ihre schrulligen und lebhaften Charaktere etwas Besonderes daraus zu machen.

Quietschbunt, emotional und absolut liebenswürdig kommt unsere Chaosprotagonistin Prim daher. Hexenjäger Liam hingegen ist rational, kühl und sehr ernst. Eine explosive Mischung, aber eine Chemie, die stimmt. Das Herantasten und die Entwicklung der Beziehung der Beiden sind absolut niedlich(?) mitanzusehen und man fiebert wirklich mit. Dem Happy End stehen dabei natürlich allerlei Dinge im Weg.

Dabei gelingt es Liane Mars in den richtigen Situationen auch den richtigen Ton zu treffen. Wobei die lustigen, nicht ganz so ernsten Szenen und Gedanken überwiegen. Mir hat der Humor auf jeden Fall total gefallen, ich mochte die Situationskomik und die aberwitzigen Ideen. Es ist so herrlich viel schiefgelaufen!

Das Buch ist nicht allzu dick, die Geschichte legt also ein ordentliches Tempo vor, dass sich trotzdem nicht allzu gehetzt oder unvollständig anfühlt. Ich habe es richtig gern gelesen, viel geschmunzelt und eine gute Zeit gehabt! Einzig die Bösewichte wirkten oft etwas blass und wenig bedrohlich, da hätte ich mir noch etwas mehr Action gewünscht. Viele ernsthafte und spannende Szenen wurden zu schnell mit Humor entschärft.

Liane Mars schreibt locker-fluffig, wortgewandt und sorgt damit für noch mehr Lesespaß. Ich freue mich auch, dass es einen zweiten Band gibt, denn von dieser Autorin will ich mehr lesen.

Mein Fazit:

Eine ungewöhnliche Herangehensweise, jede Menge Witze, Situationskomik und ein wunderbar leichtes Buch für Zwischendurch. Mir hat die Mischung aus Urban Fantasy, Liebesgeschichte und Humor total gut gefallen. Auch die ernsteren Töne trifft Liane Mars gut, wenngleich an einigen Stellen die Spannung und Bedrohlichkeit ein bisschen unter der ulkigen Stimmung des Buches gelitten haben. Eine klare Empfehlung für alle Hexen und Magiefans und alle, die ein fröhliches Buch für Zwischendurch suchen.

Weitere Meinungen:

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[Rezension] Water & Air von Laura Kneidl

[Rezension] Water & Air von Laura Kneidl

[Rezension] Water & Air von Laura Kneidl

Von Laura Kneidl liegen einige Bücher auf meinem SuB und ich nehme mir eines nach dem anderen vor. Ihr „Light & Darkness“ war für mich eine solide Romantasy Geschichte, die ich gerne gelesen habe. Im Freibad habe ich mir ihr nächstes Buch vorgenommen, das thematisch perfekt zum Baden passt: Water & Air.


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  • Autorin: Laura Kneidl
  • Titel: Water & Air
  • Verlag: Carlsen
  • Genre: Dystopie, Romantik
  • 480 Seiten, TB: 12,99€ | Ebook: 9,99€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Der Meeresspiegel ist angestiegen, die Kontinente und Städte versunken. Die Menschen scharen sich in Wasser- und Luftkolonien zusammen, die nur sporadisch Handel und Kontakt pflegen. Die achtzehnjährige Kenzie hat noch nie die Sonne gesehen und sie ist das Leben in ihrer strengen Wasserkolonie leid. Als sich ihr die Möglichkeit bietet, flieht sie in eine Luftkolonie. Doch dort wird sie schnell entdeckt und als unbefugter Eindringling ist sie der perfekte Sündenbock für eine Reihe von Morden und Diebstählen in der sonst so friedlichen Luftkolonie. Nur Callum hält zu ihr, doch damit droht er seine eigene Position in der Kolonie zu gefährden.


Meine Meinung:

Das Setting hat mich total neugierig gemacht. Und da hat sich Laura Kneidl auch wirklich Gedanken gemacht. Sowohl die Wasserkolonie als auch die Luftkolonie wirkten total faszinierend auf mich und waren gut beschrieben. Wie auch in „Light & Darkness“ war der Schreibstil für mich angenehm flüssig zu lesen und gleichzeitig abwechslungsreich und richtig zum Abtauchen. Beziehungsweise Auftauchen. 😉

Kenzie ist eine abenteuerlustige Protagonistin, die Mut und Eigenständigkeit beweist. Das hat mir sehr gut gefallen.

Callum war für mich weniger gut zu fassen, er blieb lange undurchschaubar und geheimnisvoll. Seine Beweggründe machten nicht immer Sinn. Im Laufe des Buches haben wir jedoch mehr über ihn erfahren und mir gefiel, wie sein Verhalten begründet wurde und welche Facetten er dadurch bekam.

Luft und Wasser…

Die Nebenfiguren blieben etwas blass, ich hätte gerne noch mehr erfahren. Dennoch freue ich mich über die Diversität, denn Kenzies bester Freund ist homosexuell. Ich hätte mich gefreut, wenn er etwas mehr Platz im Buch bekommt. Die Interaktion zwischen den beiden war am Anfang nämlich sehr intensiv und vertraut, in der zweiten Hälfte war davon nicht mehr ganz so viel übrig.

Was für mich bei den Charakteren leider etwas gehinkt hat, war die Liebesgeschichte, die sich vor dem Hintergrund schwelender Konflikte ziemlich unmittelbar entwickelt hat. Hier hätte ich mir etwas mehr Zeit, etwas mehr Zweisamkeit und Szenen gewünscht, in denen Callum und Kenzie miteinander agieren und sprechen. Die wurden nämlich sehr oft nur angedeutet oder gekürzt. So blieben meist das gemeinsame Abenteuer, die Konflikte und der Fokus auf der Lösung der Mordfälle im Vordergrund.

Das Setting hat mir wie gesagt total gut gefallen und ich würde supergerne mehr Geschichten aus dieser dystopischen Welt lesen. Die Spannung und die Problematiken, die sich durch die begrenzten Ressourcen und das generelle Misstrauen aufgebaut haben, fühlten sich real und verständlich an.

Auch viele Themen, moralische Fragen nach Ressourcen, nach Menschlichkeit, nach Gemeinwohl wurden besprochen. Das war eine sehr gute Mischung, die sich auch wunderbar in die Geschichte eingebettet hat.

Ich war ein bisschen traurig als das Buch zu Ende war. Bisher ist es ein Einzelband und ich weiß nicht, ob da nochmal was kommen wird. Ich würde mich freuen!

Fazit:

Mir ging es mit der Romanze ein bisschen zu plötzlich, aber ansonsten überzeugte mich das Buch auf voller Linie. Angenehm zu lesen, spannend und düster, interessantes Worldbuilding und eine gute Balance zwischen actionreichen und ruhigen Szenen. Eine Empfehlung für alle, die gerne mal ein anderes Setting als klassiche Fantasy-Wälder und Zombie-Dystopie ausprobieren möchte. Laura Kneidl hat mich mit diesem Buch geangelt!

Weitere Meinungen:

 


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[Rezension] Kurt von Sarah Kuttner

[Rezension] Kurt von Sarah Kuttner

[Rezension] Kurt von Sarah Kuttner

The perks of being a Buchhändlerin – ich habe Zeit, in Neuerscheinungen reinzulesen, obwohl zuhause zwei volle Regale (und mehrere schiefe Türmchen in anderen Ecken) sehnsüchtig auf mich warten. Schwups, waren 100 Seiten von „Kurt“ verschluckt und schwups landete es am Ende des Arbeitstages in meinem Einkaufskörbchen. Mein erstes Buch von Sarah Kuttner war „Mängelexemplar“. Das habe ich vor zwei Jahren als Hörbuch im Krankenhaus gehört und fand es großartig. Aber heute widmen wir uns „Kurt.“


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  • Autorin: Sarah Kuttner
  • Titel: Kurt
  • Verlag: S. Fischer
  • Genre: Gegenwartsroman, Trauerbewältigung
  • 240 Seiten, gebunden: 20€ | Ebook: 16,99€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Lena lebt mit zwei Kurts zusammen. Ihr Lebensgefährte, der große Kurt, und dessen Sohn aus erster Ehe, der kleine Kurt. Lena und Kurt haben sich ein Haus in Brandenburg gekauft und sind noch dabei, Kartons auszupacken, den Garten zu bepflanzen und sich mit der Patchwork Routine zu arrangieren. Dann geschieht es. Der kleine Kurt stirbt bei einem Unfall. Das Schlimmste, was Eltern zustoßen kann. Lena leidet und muss mitansehen, wie der große Kurt leidet. In all der Trauer, der Verarbeitungen und den Erinnerungen fragt sie sich – darf sie auch trauern? Sie fühlt sich wie eine Fremde und auch der große Kurt entfernt sich immer weiter von ihr. Kann das Leben und kann die Liebe nach so einer Tragödie überhaupt weitergehen?

 


Meine Meinung:

Dass Sarah Kuttner auch schwermütige Thematiken wie Depression, Verlust und quälende Lebensfragen gut beantworten kann, hat sie mir schon mit Mängelexemplar bewiesen. „Kurt“ greift jedoch nochmal ein ganz anderes Thema auf. Was passiert, wenn ein Kind stirbt. Es erscheint so grausam, so unfair und ist wohl für alle Eltern die allerschlimmste Vorstellung.

Sarah Kuttners Humor und Schreibstil sind locker, frech und durchaus eigenwillig. Als Hörbuch hat mir das total gut gefallen. Ich hatte ein bisschen Sorge, dass es mich in geschriebener Form stören würde, aber das tat es gar nicht. Es war direkt und unverblümt. Mit vielen Alltagsdingen, Banalitäten und dazwischen verstreut philosophische, gehaltvollere Gedanken.

Das Buch gliedert sich in drei Teile – im ersten Teil lernen wir das Leben von Lena und den zwei Kurts genauer kennen. Das Buch wirbt damit, dass man sich in Kurt verlieben wird. Und ja, das tut man. Mit dem Beginn des zweiten Aktes ist der kleine Kurt tot. Ganz plötzlich. Es fühlt sich sinnlos an, grausam und unwirklich. Aber die Realität sickert langsam in das Bewusstsein der Figuren und der Lesenden. Ja, man hat sich verliebt in diese Figur und das Herz bricht. Ich musste während des Buches nicht weinen (das tue ich sehr selten), aber ich musste oft schwer schlucken.

Auch, wenn es Sarah Kuttner, abermals gelingt ein so trauriges und ernstes Thema relativ sanft und feinfühlig aufzuarbeiten, ist es oft ein Schlag in die Magengrube.

Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit

Mit Protagonistin Lena arbeiten wir gemeinsam auf, was geschehen ist. Oder viel weniger was danach geschah. Wie sehr man als „Außenstehende“ als die Lena sich oft sieht und fühlt, trauern darf. Wie stark sie für ihren Freund sein sollte, was sie alles schweigend über sich ergehen lassen sollte, wann man neu anfangen sollte. Wann räumt man das Kinderzimmer aus, wann darf man wieder lachen, lieben, nach vorne schauen.

Psychologisch gesehen ist Trauer sehr individuell. Von „pathologischem Trauern“ spricht man nach DSM-5 ab etwa ein Jahr anhaltender Trauer und der damit einhergehenden starken Beeinträchtigung in wichtigen Lebensbereichen. Das klingt ebenso hölzern wie die Vorschriften zu Grabpflege, Beerdigungen und vielen anderen rechtlichen Dingen, die nach einem Todesfall hinzukommen. Mitschwingt die Frage – wie viel Trauer, wie viel Leiden ist normal?

Diese Frage kann man nicht beantworten und sie wird im Buch auch nicht beantwortet. Man merkt, wie real, wie nah und wie sanft Sarah Kuttner das Thema behandelt.

Die fallen Charaktere schon ab den ersten Szenen durch ihre unbeeindruckte, normale Art und den liebevollen Umgang miteinander positiv auf. Auf den folgenden Seiten wachsen sie einem so sehr ans Herz, das man wirklich mit ihnen leidet und hofft.  Trotz all des Schwermuts, liest sich das Buch gut und schnell. Es ist an den schmerzenden Stellen nicht zu lang und an den schönen Stellen nicht zu kurz. Und so gelingt der Balance-Akt. Zwischen Trauer und Freude, Tod und Leben, Zukunft und Vergangenheit. Man besinnt sich ein bisschen mehr auf die Welt und die Menschen um sich herum. Und man beendet das Buch mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

p.s.: In Ehren an das Buch und den kleinen Kurt heißt unser Lavendel auf dem Balkon jetzt Kurt.

 

Fazit:

Ein feinfühliges Buch über das Thema Trauer. Mit Sprachwitz, einem Auge für Alltagskomik, Sensibilität in den leisen Tönen, Charakteren zum lieb haben. Sarah Kuttner beweist, dass sie alltägliche Ereignisse und Emotionen gleichzeitig mit Scharfsinn und Behutsamkeit in ein wunderbares Buch verarbeiten kann. Trotz des traurigen Themas ein schönes, hoffnungsvolles Buch. Für Sarah Kuttner Fans eine dicke Leseempfehlung! Für alle anderen, die ein nicht zu deprimierendes Buch über das Thema „Tod eines Kindes“ lesen wollen, auch.

Weitere Meinungen:

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[Rezension] Schuldig von Kanae Minato

[Rezension] Schuldig von Kanae Minato

[Rezension] Schuldig von Kanae Minato

Vor ca. 2 Jahren habe ich mein erstes Buch von Kanae Minato gelesen und war absolut begeistert von „Geständnisse“. Nun ist ihr neues Buch erschienen und ich habe es vom C. Bertelsmann Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank!


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  • Autorin: Kanae Minato, aus dem Japanischen übersetzt von Sabine Mangold
  • Titel: Schuldig
  • Verlag: C. Bertelsmann
  • Genre: Drama, Spannungsroman
  • 320 Seiten, geb.: 18€ | Ebook: 15,99€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Fünf Studenten wollen ein Wochenende auf einer Berghütte verbringen. Doch einer von ihnen, Hirosawa, stirbt bei einem Autounfall auf der kurvigen Bergstraße. Drei Jahre später plagen Fukase immer noch Schuldgefühle. Verstärkt werden diese nur als eines Tages ein Zettel mit den Worten „Du bist ein Mörder“ für ihn auftaucht. Fukase begibt sich auf Spurensuche. Wer war Hirosawa und war es vielleicht doch kein tragisches Unglück?


Meine Meinung:

Die Prämisse des Buches erinnert an klassische Horrorfilme: „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ oder Ähnliches. Dennoch kommt alles ganz anders als erwartet. Unser Erzähler ist einer der fünf Studenten von damals – Fukase – und ihn begleiten wir durch das Buch. Er hat den Tod seines Freundes nicht wirklich überwunden, plagt sich mit Schuldgefühlen und seiner eigenen Unsicherheit.

Fukase ist ein Charakter mit reichem Innenleben. Er grübelt und denkt sehr viel nach. Dabei beschreibt er seine Umgebung sehr genau, vor allem Essen und Trinken. Das Buch lädt wirklich zu einer Tasse Kaffe und zu Honigbroten ein. Ein Großteil des Buches spielt im bezaubernden Café Clover, in dem Fukase nachdenkt und verschiedenste Kaffeemischungen ausprobiert. Hier fühlt er sich zuhause und wird nicht ständig von Gefühlen der Unzulänglichkeit geplagt.

Denn er sieht sich als langweiligen, leeren Versager mit einem unspektakulären Leben. Die anderen haben es immer etwas besser oder leichter. Gleichzeitig schwingt eine gewisse Arroganz mit dieser Klarheit mit. Neben dem Café ist sein Lichtblick seine neue Freundin Mihoko. Doch diese präsentiert ihm eines Tages einen Zettel auf dem steht „Fukase ist ein Mörder“. Und er beginnt zu erzählen, was wirklich in dieser Nacht geschehen ist.

Doch damit ist das Buch nicht beendet. Wie auch „Geständnisse“ gliedert es sich in Abschnitte. Im zweiten Abschnitt fährt Fukase in Hirosawas Heimat um mehr über seinen verstorbenen Freund und auch den Schreiber des Briefes herauszufinden. Im dritten Akt spitzt sich alles zu und wir bekommen eine Lösung präsentiert.

Milch Kaffee und Honig

Die Biene auf dem Buch und der gelbe Schriftzug lassen vermuten: Es geht auch um Honig. Der Honig wird immer recht beiläufig erwähnt. Fukase rührt ihn sich gerne in den Kaffee – was für viele wie ein Affront wirkt – nach dem Probieren doch auch andere Charaktere im Buch begeistert. Kaffeebohnen, Honigsorten, Buchweizennudeln und Gebäck – bei dem Buch wird man hungrig und durstig. Kanae Minato beschreibt die Leckereien, ihre Zubereitung und ihre Wirkung sehr präzise. Durch ihren Charakter offenbart sie wieder einen sehr scharfen und klaren Blick auf die japanische Gesellschaft. Auf Konformität, Angepasstheit, innere Leere und zurückgestellte Träume und Gefühle.

Es ist ein Buch, dass sehr eng mit dem japanischen Wesen verknüpft ist. Denn in einem anderen Land hätte die Geschichte und auch ihre Auflösung vielleicht nicht so funktioniert. Weil es in Kanae Minatos Japan mehr Zurückhaltung, mehr Unausgesprochenes und mehr Vorbehalte gibt als vielleicht in Deutschland wo die Leute im Bus über ihren letzten Urologen-Besuch reden. Das macht es spannend und auch ein bisschen frustrierend.

Ein kleines bisschen zähflüssig…

Das Buch plätschert mir teilweise etwas zu ruhig vor sich hin. Der große Unbekannte, der Verfasser der Briefe, ist über das Buch hinweg wenig präsent. Zwar beschleicht einen immer mal wieder so ein kleiner Verdachtsmoment oder ein ungutes Gefühl – aber wirklich beklommen und ängstlich war ich selten. Anders als „Geständnisse“, dass sehr schonungslos und deutlich war, erlebt man bei „Schuldig“ eher eine dramatische Zuspitzung als eine Achterbahnfahrt. Das hat durchaus auch seinen Charme, es ist trauriger und aussichtsloser. Mehr Drama als Thriller.

Das Gemeine an dem Buch ist – es gibt quasi zwei Auflösungen. Einmal erfahren wir die Identität des Briefverfassers und einmal noch was wirklich zu Hirosawas Tod geführt hat. Mein Verdacht bezüglich des Briefschreibers formte sich schon ab der Mitte des Buches und war dann auch tatsächlich richtig. Dennoch eine schockierende Enthüllung, die einige weitere Fragen aufwarf. Die Umstände zu Hirosawas Tod werden auf der letzten Seite enthüllt und haben mich mit der Wucht eines Güterzuges umgefahren. Was für ein Schachzug am Ende!

Kanae Minato hat auch schon „Geständnisse“ mit einem Knall beendet, der genial war und im Gehirn gekitzelt hat. Sie beantwortet die wichtigsten Fragen, aber viele Details bleiben ungeklärt, das weitere Geschehen bleibt ungeklärt. Man fragt sich vieles, ist entsetzt, aufgewühlt, nachdenklich. Und doch ist es gut, dass das Buch genau hier endet. Für mich ist klar: Auch das nächste Kanae Minato Buch darf hier ohne Vorbehalte einziehen!

Fazit:

Wieder ein erzählerischer Geniestreich von Kanae Minato. „Schuldig“ ist ein spannendes Drama mit einem bombastischen Ende. Leider gelingt es nicht das ganze Buch über die Spannung und die beklemmende Stimmung aufrechtzuerhalten. Dafür spürt man die tiefe Trauer, Wehmut und auch die Reue der Charaktere. Ein nachdenkliches Buch mit vielen Fragen über das Leben, über Freundschaft und Unausgesprochenes. Es hat mir sehr gut gefallen und das Ende lässt mich einfach nicht los.

Weitere Meinungen:

 


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[Rezension] Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen von Ava Reed

[Rezension] Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen von Ava Reed

[Rezension] Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen von Ava Reed

Ich betreue in unserem Buchladen u.a. das Kinder- und Jugendbuchregal. Gerne hole ich mir dabei Inspiration von Booktube, Bookstagram und Booktwitter. Melody Of Books schaue ich schon lange, wenn auch eher unregelmäßig. In ihrem Lesemonat März stellte sie ein paar Bücher vor und eines, das ich ohnenhin schon auf dem Schirm hatte. Ihr habt es geahnt: „Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen“ von Ava Reed. Also bestellte ich es für die Buchhandlung, schmökerte rein, kaufte es und schmökerte es am selben Tag zu Ende.


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  • Titel: Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen.
  • Autorin: Ava Reed
  • Verlag: ueberreuter
  • Genre: Jugendbuch, psychische Gesundheit
  • 320 Seiten, E-Book: 14,99€ | geb.: 16,95€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Leni ist eine ganz normale Jugendliche, glücklich mit Freunden und auf dem Weg zum Abitur. Doch im letzten Schuljahr passiert etwas, dass Lenis Gefühle durcheinander würfelt. Plötzlich ist da Leere, Traurigkeit und jede Menge Angst. Es wird ein Spießrutenlauf bis Leni endlich die Therapie bekommt, die sie braucht. Doch die Angststörung klammert und Leni hat sich festgefahren in ihren Mustern. Erst als Matti in die Klinik kommt, beginnt Leni, sich zu verändern.


Meine Meinung:

Vorweg eine kleine Triggerwarnung, die sich auch im Buch findet: Das Buch behandelt Themen wie psychische und körperliche Erkrankungen, Depression, Panikattacken und den Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik.

Das Buch besticht zuerst natürlich durch das wundervolle Design. Die Farben, Lichter und Gestaltung ist wunderschön. Innen drin sind vereinzelt Tagebucheinträge, die von Ava Reed selbst geschrieben und illustriert wurden. Das verleiht dem Buch noch eine Spur mehr Realität. Tatsächlich ist auch Lenis Geschichte selbst so erschreckend(?) real.

Ava Reed hat Lenis Entwicklung sehr gut dargestellt. Als Leserin fühlte ich mich Leni so nah, hab mitgelitten und für sie gehofft. Angsstörungen sind neben Depressionen die am häufigsten diagnostizierten psychischen Erkrankungen. Wie auch im Buch gehen sie oft Hand in Hand, im Fachjargon nennt man das „komorbid“. Die Beschreibungen von Lenis Gefühlen und Ängsten fühlten sich sehr glaubwürdig an. Sowohl aus persönlicher Perspektive als auch mit meinem kritischen Psychologie-Studi-Blick.

Dass das Buch sehr persönlich ist, auch wenn die Geschichte von Leni erfunden ist, kann man im Nachwort lesen. Auch dieses Nachwort enthält nochmal wichtige Botschaften und ermutigt, sich Hilfe zu suchen. So eine Art Nachsorge finde ich bei Büchern zu solchen Themen unfassbar wichtig.

Lenis Spirale

Wir starten mit Leni als fröhlichem Mädchen mit Freunden und dem Weg zum Abitur. Doch dann kommt die Angst. Übel, Schwindel, Panikattacken. Ihr Umfeld ist machtlos, doch ihre Eltern sind sehr engagiert, kümmern sich aufopferungsvoll und besuchen mit ihr mehrere Ärzte. Da gab es ein paar echte Idioten, die Leni nicht ernst nahmen und mich beim Lesen so wütend gemacht haben. Doch Ava Reeds Ziel war es nicht, Ärzte oder Psychologen zu verunglimpfen. Denn es gibt sie, die Lenis Problem erkennen und sie bestärken, die sich kümmern und auskennen. Sie bekommt ihre Diagnose – und damit beginnt die zweite große Hälfte des Buches.

Leni kommt in eine Klinik, in der sie andere Jugendliche trifft, die ähnliche Probleme haben. Anna, die Depressionen hat und Philip, der an Magersucht leidet und aufgrund seiner Homosexualität starke Selbstwertproblem entwickelt hat. Beide sind für meinen Geschmack etwas kurz gekommen. Sie haben zwar wichtige Schlüsseldialoge mit Leni, wir erfahren auch am Ende wie es mit ihnen weiterging, aber mehr so im Nebensatz. Das fand ich sehr schade.

Matti hingegen kommt in die Klinik, weil er sich mit Rasierklingen geschnitten hat. Nicht, weil er sich umbringen wollte, sondern weil er an einer seltenen Erkrankung leidet. Diese lässt ihn weder Schmerz, noch Hitze und Kälte fühlen. Aus Angst, dass er sich verletzt, lässt ihn seine überfürsorgliche Mutter kaum aus dem Haus. Kaum in der Klinik will Matti endlich die Chance nutzen und die Welt erkunden. Er unternimmt einen Fluchtversuch, wird jedoch zufällig von Leni gefunden. Die beiden werden erwischt und bekommen ordentlich Ärger.

Matti sagt einige sehr unsensible Dinge zu Leni, doch in der gemeinsamen Zeit entwickeln sie mehr Verständnis füreinander. Auch wenn die Klinik nicht als Ort des Grauens dargestellt wird, wenn das behandelnde Personal nett und fürsorglich ist – Mattis Entschluss steht fest. Er will raus aus dieser Klinik. Und ein Teil von Leni möchte mit. Die Zeit in der Klinik ist durch Aufs und Abs geprägt, durch interessante Gespräche und Selbsterkenntnis.

Matti will Meer

Die Psychologin von mir und auch mein braves Ich halten das für die beschissenste Idee überhaupt. Ich hatte auch ehrlich Sorge, dass die beiden sich verlieben, diese Reise unternehmen und danach auf magische Weise geheilt sind. Doch das passiert nicht. Fettes Danke an Ava Reed. Wie das Buch weitergeht, werde ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Nur soviel: Auch, wenn einige eher unrealistische Dinge passieren, lösen sich die Krankheiten und Probleme nicht in Luft auf. Aber der Kurs steht auf Hoffnung.

Insgesamt fand ich die Geschichte unglaublich gut. Ich habe das Buch an einem Tag gelesen, das sagt auch einiges aus. Der Schreibstil ist angenehm lesbar. Die Geschichte wirkt persönlich, emotional und ist doch behutsam erzählt. Ava Reed hat mit diesem Buch ihr Fingerspitzengefühl und Emotion bewiesen. Für ein jüngeres Publikum ist dieses Buch wunderbar geeignet, um psychische Erkrankungen besser zu verstehen. Um die Angst davor zu nehmen. Um sich ermutigt zu fühlen, Hilfe zu suchen und sich seinen Freunden anzuvertrauen. Und das sind unfassbar wichtige Botschaften!

 

Fazit:

Danke, Ava Reed, für dieses Buch. Die einfühlsam erzählte Geschichte von Leni, ihrer Angsstörung und dem Weg der Besserung bieten einen tiefen Einblick in eine jugendliche Seele. Das Buch erzählt eine wichtige Geschichte auf unterhaltsame und doch sensible Art und Weise. Nicht alles an dem Buch ist total realistisch, vieles ist hoffnungsvoll und ein bisschen idealisiert worden. Doch es ist real genug, um zu berühren und zu bewegen. Und fantasievoll genug, um Hoffnung zu schenken und das schwere Thema angenehm aufzuarbeiten. Lediglich von den Nebencharakteren, die mir etwas zu sehr instrumentalisiert wurden, hätte ich mir mehr gewünscht. Von mir gibt es 4 Sterne und eine dicke Leseempfehlung!

 

Weitere Meinungen:

 


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[Rezension] Und dein Leben, dein Leben von Magret Kindermann

[Rezension] Und dein Leben, dein Leben von Magret Kindermann

[Rezension] Und dein Leben, dein Leben von Magret Kindermann

Dieses Buch stand schon etwas länger in meinem Regal und ganz weit oben auf meiner Leseliste, da ich Magret Kindermann persönlich kenne sehr gerne mag. Ihre Art, die Welt zu betrachten, zu sprechen und die Dinge zu sehen ist sehr besonders und ich war neugierig, ob sich das auch in ihren Büchern widerspiegelt.


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  • Titel: Und dein Leben, dein Leben
  • Autorin: Magret Kindermann
  • Genre: sanfte Psychothrillernovelle(?)
  • 107 Seiten, Ebook: 1,49€ | TB: 9,99€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Krimiautorin Carmen lebt in einem Bootshaus abseits der Zivilisation in der Nähe eines Waldes, wo sie eine Leiche gefunden hat. Sie genießt die Einsamkeit und lässt ihrer Fantasie in ihren Manuskripten freien Lauf. Einziger Begleiter ist ihr Hund, mit dem sie gerne ausgedehnte Waldspaziergänge macht. Eines Tages wird sie jedoch bewusstlos geschlagen und sitzt plötzlich in ihrem eigenen Haus gefangen einem Fremden gegenüber, der von sich sagt, er seie ein Serienmörder.


Meine Meinung:

Ich liebe das simple und doch schicke Cover mit den dunklen Wellen, die mich an den See aus der Geschichte erinnern. Dieses Buch ist eines dieser Bücher, über die ich einerseits ganz viel und gar nicht reden möchte. Es ist eine dünne Novelle, die man verschlingt und in einem Rutsch durchlesen kann und möchte. Dementsprechend kann ich auch nicht viel über den Inhalt oder die Charaktere sprechen ohne etwas vorweg zu nehmen.

Die Prämisse des Buches ist düster und bedrohlich, doch wir lassen uns ein bisschen Zeit Carmen und ihr Leben kennen zu lernen. Warum sie so lebt, wie es ihr geht und warum sie so fasziniert von Verbrechen ist. Als leidenschaftliche Zuschauerin von Aktenzeichen XY und True Crime Sendungen kann ich diese bizarre Faszination am Tod und den dunkelsten Seiten der Menschen gut nachvollziehen. Auch wenn Krimiautorin Carmen ihr täglich Brot damit verdient, jagen ihr die Tatortfotos, ihre eigenen Werke und das tiefe Abtauchen in die Materie im einsamen Bootshaus manchmal Schauer ein.

Magret Kindermann philosophiert gerne und denkt außerhalb gesellschaftlicher Konventionen und Normen. Das überträgt sie auch wunderbar auf die Geschichte. Da wir alles aus Carmens Kopf heraus betrachten und sie viel mit sich allein ist, passt das wunderbar. Wir tauchen die Zehenspitze in die düstere Gedankenwelt von Carmen, die ein Bild von einer Geschichte vor Augen hat, das sie nicht ganz fassen kann. Die Story, die ihr bestes Buch bilden soll, das sie doch nicht schreiben kann.

Schatten und Licht.

Die oberflächlichen Gespräche mit den Leuten aus dem Ort am anderen Ufer des Sees, ihre Belanglosigkeiten aber auch ihre Heiterkeit stehen im Kontrast zur düsteren Carmen.

Und dann kommt der Tag, an dem sie bewusstlos geschlagen wird und einem Fan ihrer Arbeit gegenüber sitzt. Ein Serienmörder, gelassen und doch bedrohlich. Eine Zwickmühle aus Angst, Faszination und Neugier. Wir fiebern mit Carmen und lauschen dem interessanten Austauschs einer Mörderin auf Papier und eines realen Mörders. Die Luft ist klirrend kalt und die Seiten fliegen vorbei, während man dem Spiel der beiden folgt. Kann Carmen entkommen? Wird sie überleben? Hat dieser Mann etwas mit ihr zu tun? Wir decken Geheimnisse aus Carmens Vergangenheit auf, während der Mörder ein Rätsel bleibt. Wird er sie umbringen? Was hat er vor? Warum Carmen? Nicht ganz greifbar und mit vielen Fragezeichen, aber so ein faszinierender Charakter!

Ich mochte auch die Geschichte in der Geschichte, die Carmen dem Mörder vorliest. Generell liebe ich es, wenn in Büchern über Bücher und das Schreiben gesprochen wird.

Ich kann gar nicht so genau benennen was mich so in den Bann zieht. Der melancholisch, nachdenkliche Schreibstil? Die schrulligen Figuren? Diese bedrohliche Geschichte? Vermutlich ein Mix aus allem. Und ein Mix, der Magret Kindermann wirklich gelungen ist. Etwas vom Tod klebt an der Geschichte, dunkel und schwer wie der See. Auch das Genre einzuordnen fällt mir schwer. Es ist schon ein Psychothriller, aber ohne Blut, ohne Hektik, sondern langsam und bedrohlich wie eine Schlange im Gras.

So gerne würde ich mehr über dieses Buch erzählen, aber es ist schwierig, in Worte zu fassen welche Emotionen und Gedanken das Buch in mir losgetreten hat. Fies!

 

Fazit:

Ein kleines Kunstwerk! Dieses Buch muss man einfach selbst gelesen haben, um die Magie zu verstehen. Für alle, die einen kühlen Schauer suchen. Menschliche Abgründe und Untiefen, die einen zum Nachdenken anregen. Leise Töne, interessante Gedanken statt Action und Blut. Gute Gespräche, schöne Wörter und eine Geschichte, die im Nacken kitzelt. Dafür gibt es die volle Anzahl Seesterne!

Weitere Meinungen:

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[Rezension] milk and honey + the sun and her flowers von Rupi Kaur

[Rezension] milk and honey + the sun and her flowers von Rupi Kaur

[Rezension] milk and honey + the sun and her flowers von Rupi Kaur

Heute gibt es eine Doppelrezension! Und zwar zu den wunderschönen Gedichtbänden „Milk and honey“ und „The sun and her flower“ von Rupi Kaur. Ich habe die beiden Gedichtbände auf Englisch gelesen. Es gibt die beiden Bücher auf mit deutscher Übersetzung, allerdings mag ich es – gerade bei Gedichten – in der Originalsprache zu lesen. Beide Bücher habe ich dieses Jahr zum Geburtstag geschenkt bekommen.


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  • Titel: Milk and Honey
  • Autorin: Rupi Kaur
  • Verlag: Simon + Schuster
  • Genre: Gedichte
  • 208 Seiten, Ebook: 7,49€ | TB: 9,36€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
In „milk and honey“ finden sich verschiedene Gedichte rund um die Themen Feminismus, Weiblichkeit, Liebe, Selbstbestimmung. Sie sind in vier Abschnitte gegliedert:  the hurting, the loving, the breaking, the healing. Die meisten Gedichte sind kurz, ein paar wenige Zeilen, andere sind länger.

 

  • Titel: The sun and her flowers
  • Autorin: Rupi Kaur
  • Verlag: Simon + Schuster
  • Genre: Gedichte
  • 248 Seiten, Ebook: 7,73€ | TB: 10,71€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
In „the sun and her flowers“ finden sich verschiedene Gedichte rund um die Themen Feminismus, Weiblichkeit, Selbstbestimmung und das Wachsen. Sie sind in fünf Abschnitte gegliedert:  wilting, falling, rooting, rising, blooming. Die meisten Gedichte sind kurz, ein paar wenige Zeilen, andere sind länger.


Meine Meinung:

Ich bin bei (modernen) Gedichten und Lyrik eher schwer zu begeistern. Vieles davon wirkt auf mich zu gewollt, zu konstruiert. Die Emotion kommt nicht bei mir an, die Bedeutung ist zu nebulös oder zu offensichtlich. Ganz anders bei Autorin und Poetin Rupi Kaur.

Ihre Gedichte haben nicht viele Worte, nicht viele Reime oder komplexe Versmaße, aber sie berühren, kitzeln etwas in mir und bringen mich zum Nachdenken. Rupi Kaur schreibt über ihr Leben. Sie schneidet unfassbar viele Themen an, aber eines kommt immer rüber – Emotionen.

(c) Rupi Kaur

Egal ob sie über Missbrauch und Vergewaltigung, Trauma, schmerzhafte Trennungen, ihre Mutter, ihre Erfahrungen, ihr Wachstum oder über die Liebe schreibt – man fühlt mit ihr.

Ihre Erfahrungen, ihr Leben, ihr Leid, ihre Liebe mit Worten auf Papier gebrannt. Und sie brennen wirklich. Mal wie eine Wunde, dann wieder entfachen sie die eigene Leidenschaft, bestärken und bekräftigen. Dann lassen sie etwas in mir zerbrechen. Viele Gedichte haben mich traurig gemacht, andere haben mich laut rufen lassen „YES GIRL!“, haben mir Mut gegeben, mich an meine Talente und Kräfte erinnert. Rupi Kaur schreibt für sich und für andere Mädchen und Frauen. Viele Gedichte drehen sich um feministische Themen, Selbstbestimmung und Rollenbilder. Aber ich würde ihre Werke dennoch jedem ans Herz legen, auch wenn man sich nicht mit dem weiblichen Geschlecht identifiziert. Denn in ihnen stecken viele Lebensweisheiten, positive und lebensbejahende Botschaften.

Gefühle pur

Gerade die Liebesgedichte waren so schön, melodisch und sehnsüchtig. Und sie haben dafür gesorgt, dass ich mich gefragt habe „Habe ich je so intensiv geliebt?„. Meine Gefühle sind weitaus weniger aufschäumend, weniger bunt und farbig wie die von Rupi Kaur. Aber ihre Worte haben bunte Pfotenabdrücke auf meiner Seele hinterlassen. Und ich hoffe, dass ein bisschen davon abfärbt. Leben ist eine stetige Entwicklung. Ein wiederholter Kreislauf aus Welken, Fallen, Verwurzeln, Auferstehen und Blühen. So sind auch ihre Gedichte in Wellen. Manche sind wie ein Sturm, andere ruhig, manche direkt, manche mit verstecktem Humor und Biss.

Ich wollte, musste, einige der Gedichte laut vorlesen. Sie waren kraftvoll und mutig, sanft und leise, wunderschön und hässlich, aber auch liebevoll und zart. Facettenreich. Wie Rupi Kaur selbst. Ich kann nur empfehlen, ihr auf Instagram zu folgen, denn ich finde sie und ihr Schaffen unglaublich inspirierend.

Dazu sind die Gedichte teilweise von ihr illustriert. Auf eine sehr einfache und doch schöne Art. Wie ihre Gedichte: einfache Linien, aber kraftvolle Bilder. Es gibt sie, diese Bücher, denen man mit Worten nicht gerecht werden kann. Bücher, die man lesen muss, um zu verstehen, wie sie auf einen wirken.

Gedanken, die bleiben und nachhallen.

(c) Rupi Kaur

Fazit:

Wer viel Wert auf lyrische Konventionen steht, wird mit diesen beiden Büchern vielleicht nicht glücklich. Dennoch haben sie mich berührt, bewegt und begeistert. Inspirierende, moderne Lyrik. Worte, zum inhalieren. Einfach großartig.

Weitere Meinungen:

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[Rezension] Splitter der Nacht von Katrin Ils

[Rezension] Splitter der Nacht von Katrin Ils

[Rezension] Splitter der Nacht von Katrin Ils

Die liebe Katrin Ils hat mit ihr Buch „Splitter der Nacht“ samt geheimnisvollem Kristall als Rezensionsexemplar zugeschickt. Vielen Dank dafür! Das Buch spielt im „Unstern-Universum“, hat aber zumindest bisher nichts mit der Hauptgeschichte zu tun. Wie ich „Unstern“ fand, könnt ihr in dieser Rezension nachlesen.


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  • Autorin: Katrin Ils
  • Titel: Splitter der Nacht
  • Genre: Dark Fantasy
  • 210 Seiten, TB: 9€ | Ebook: 2,99€
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
Schattenmagierin Jara arbeitet für einen freien Magierzirkel. Frei ist das in ihrer Stadt aber nicht wirklich. Per Eidzauber ist sie an ihren Zirkelmeister gebunden, die freien Zirkel liefern sich untereinander blutige Kämpfe und der Bund der reinen Sonne macht ihnen das Leben schwer. Nach einem missglückten Raub liegt Jara im Kerker des verhassten Bundes. Ihr Meister ist mit ein paar Zauberern und der Beute – einem Kristall namens „Splitter der Nacht“ entkommen. Der Bund möchte den Splitter um jeden Preis zurückbekommen. Jara wird vor die Wahl gestellt – qualvoll sterben oder ihren Meister töten und den Kristall zurückbekommen. Jara fackelt nicht lange…


Meine Meinung:

Auch wenn es für die Geschichte keine riesengroße Rolle spielt, möchte ich erwähnen, dass Jara lesbisch ist. Es ist ein kleines, aber schönes Detail und die Unaufgeregtheit mit der alle Buchcharaktere das hinnehmen würde ich mir für unsere reale Welt auch wünschen. Jaras Herz gehört einer Zirkelkollegin, diese Liebe bleibt jedoch unerwidert. Aber es sind diese scheinbar winzigen Details, die auch für mich eine Geschichte aufbessern und mir zeigen, dass die Autorin eine wirklich lebendige Welt mit lebendigen Figuren im Kopf hat.

Jara ist eine sehr interessante Protagonistin. Während es in ihrem Inneren oft brodelt, schafft sie es, sich immer wieder zu Gelassenheit zu mahnen. Sie ist eine sehr fähige und mächtige Magierin, bleibt aber trotzdem vorsichtig und lieber im Hintergrund. Ihr Leben bisher war alles andere als leicht, das hat sie stark gemacht, aber die Wunden der Vergangenheit schmerzen noch. Diese Mischung macht Jara für mich sehr lebendig und auch glaubwürdig. Während sie durchaus kaltblütig und entschlossen vorgeht, ist da noch etwas Menschlichkeit in ihr. Etwas Weiches in all der Härte. Ich würde unglaublich gerne noch mehr von Jara lesen, da ich sie aufgrund der vielen liebevollen Details fast noch ein bisschen lieber als Unstern Protagonistin Kerra mochte.

Die spielerische, selbstständige und lebendige Magie in der Unstern Welt gefällt mir sehr gut. In diesem Buch erfahren wir auch mehr über die Dämonen und ihr Reich, was ich sehr cool finde. Dämonen, Düsternis und schwarze Magie – das liebe ich in Büchern einfach. Katrin hat durch ihre eigene Lore, ihre eigene Dämonologie und ihr Magiekonzept der Dark Fantasy Welt einen besonderen Touch gegeben. Auch, wenn wir uns in Unstern bisher nur in der Stadt Alat und auch in Splitter der Nacht in Städten befinden, lassen diese Details erahnen, dass da wirklich eine ganze Galaxie in Katrins Kopf existiert.

Katrins Schreibstil ist magisch!

Präzise, detailreich und dennoch flüssig und angenehm zu lesen. Zwischen knallharten Kämpfen und blutigen Ritualen, scheinen sanfte Zeilen und Gedanken durch. Besonders gut haben mir in diesem Buch die Beschreibungen von Jaras Magie, den Elementaren und den Dämonen gefallen. Dieses Buch war absolut verdient auf der Longlist des Seraph 2019 und ich hätte es gerne auch auf der Shortlist gesehen. Wer auf schöne Sprache wert legt, der kann bei Katrins Büchern nichts falsch machen.

Das Genre der Unstern Reihe lässt sich in Dark Fantasy einordnen – dennoch ist Splitter der Nacht in punkto Brutalität, Blutigkeit und auch bei traumatischen Erfahrungen wesentlich expliziter. Folter, körperliche und psychische Gewalt. Und alles nochmal etwas derber als in Unstern. Wenn euch das stört, solltet ihr bei „Splitter der Nacht“ vorsichtig sein. Nichtsdestotrotz wirkt die Gewalt nicht unverhältnismäßig oder deplatziert. Der Ton in diesem Buch ist einfach etwas rauer und schrecklicher. Und wie ihr von meinem bisherigen Lesegeschmack wisst – ich mag es düster und blutig.

Diese Rezension fällt leider recht kurz aus – aus dem einfach Grund, dass mir dieses Buch rundum gefallen hat. Ich habe sogar ein Fanart von Jara gezeichnet!

Fazit:

Mit „Splitter der Nacht“ hat Katrin Ils wieder bewiesen, dass sie Dark Fantasy drauf hat – und Schreiben generell. Spannung, Action und Charaktertiefe zeichnen auch dieses Buch aus. Jara ist mir sogar noch ein bisschen sympathischer als Kerra. Die vielseitige Welt, die liebevollen Details und die interessanten Charaktere ziehen einen direkt in ihren Bann. Katrins Schreibstil hat mir auch wieder unglaublich gut gefallen. Wer sich von viel Blut und Gewalt nicht abschrecken lässt, darf beherzt bei diesem Dark Fantasy Schmankerl zugreifen.

Weitere Meinungen:

 


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