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Problematisches Verhalten in Büchern

Problematisches Verhalten in Büchern

Die Diskussion ist spätestens seit Shades of Grey von E.L. James am köcheln, vor allem die Popularität von Büchern wie „Paper Princess“ oder „Trinity“ hat sie jedoch nochmal richtig angeheizt.

(Auf die Gefahr hin, dass es der 100. Beitrag zu dieser Diskussion ist, es war mir ein inneres Bedürfnis auch was dazu zu sagen.)

Worum geht es?

Es geht um Inhalte in Büchern, die mehr als nur streitbar sind. Es geht um ein fragliches Frauenbild und missbräuchliche, toxische Beziehungen in denen das Machtverhältnis schief hängt. Das hat nichts mit Dominanz oder BDSM zu tun – bei solchen Sexualpraktiken sind Regeln und Safewörter wichtig. Wohin sich die Dominanz des Partners ausbreitet und wann sie aufhört ist klar geregelt. Dafür benötigt es aber Erfahrung und vor allem ein klares Bild davon, was man selbst im Beziehungsleben möchte und erwartet.

Viele diese Bücher scheinen jedoch offensichtlich an diesen Rahmen und Safewörtern zu scheitern und darüber hinaus Übergriffe, Bedrängung, Nachstellung und grenzwertiges Verhalten seitens der „männlichen starken“ Typen zu glorifizieren. Bis hin zu Vergewaltigung oder dem Zwang zum Sex. Nun bin ich der Meinung, dass man ruhig über solche Themen schreiben darf. Worauf man jedoch achten sollte ist der Umgangston, die Gedankenwelt der Protagonisten und was danach geschieht.

Keine Frau, der sich ein Kerl aufzwingt oder sie vergewaltigt, wird sich im Verlauf des Geschlechtsverkehr toll fühlen oder zum „Geilsten Orgamus ihres Lebens“ kommen. Die psychischen Folgen nach so einem Gewaltakt sind meist verheerend und stellen eine enorme Belastung für die seelische Gesundheit dar. Außerdem sind sie wohl ein Schlag ins Gesicht vieler Frauen, die eine Vergewaltigung durchleben mussten, in einer gewalttätigen Beziehung stecken oder einen Partner haben, der unter Kontrollsucht und krankhafter Eifersucht leidet. Klar davon abzugrenzen sind „Spiele“, die jedoch vorher von beiden Partner abgesprochen werden. Kerstin und Janna haben auf ihrem Blog berechtigterweise Dampf zu diesem Thema abgelassen.

Was vereint all diese Buchtypen? Meist, dass sie als gutaussehend und wohlhabend beschrieben werden. Das gibt ihnen scheinbar das Recht sich über alle Zweifel zu erheben. Wäre es ein untersetzter, verschwitzter Mann in seinen 40ern würde die Szene im Buch vermutlich ganz anders aussehen.

Nina Hasse hat in ihrem Beitrag sehr schön aufgezeichnet, dass solche Storys ziemlich pseudo-romantisch daherkommen.

Natürlich gibt es nicht erst seit SoG viele Bücher mit fragwürdigen Weltbildern. Viele Klassiker haben auch ein Frauenbild von vor hundert Jahren, unter anderem weil sie eben vor hundert Jahren geschrieben worden sind.

Sowohl als Autor als auch Leser sollte man darüber reflektieren, was für Botschaften in Büchern enthalten sind. Niemand muss sich schämen, wenn er/sie gerne Erotikliteratur mit dominanten Figuren liest – aber man sollte vielleicht schon hinterfragen was solche Bücher bei Lesern ausrichten können, die vielleicht noch jünger, unerfahrener oder noch nicht so gefestigt sind?  „Nur weil es mich nicht beeinflusst, beinflusst es andere auch nicht“ – ihr merkt selbst, das funktioniert nicht!

Whitty Novels hat, wie ich finde ein sehr gutes Video dazu gemacht:

Klar, als Teenager wird man irgendwie immer das in die Finger bekommen, was man unbedingt ausprobieren will. Ich habe auch mit 14 Filme ab 18 geschaut ohne dass meine Eltern davon wussten. Man kann Menschen nicht wirklich vor allen negativen Einflüssen und Erfahrungen beschützen. Und das wäre vielleicht auch gar nicht gut.

Jedoch wäre ein gewisser Warnhinweis oder eine Altersempfehlung bei solchen Büchern meiner Meinung nach angebracht.

Ebenso wie bei „Tote Mädchen lügen nicht„, das durch seine explizite Darstellung von Suizid für Furore gesorgt hat, obwohl es am Anfang der Folgen durchaus Warnungen gab. (Der Beitrag von TWLOHA, den ich euch verlinkt habe, sagt das Wichtigste)

Manche Themen sind sensibel – dazu gehören für mich sexuelle Gewalt, Suizid u.Ä. – und sollten nicht einfach in den Raum geworfen werden.

Wichtig ist, solche Themen reflektiert anzugehen, darüber zu diskutieren und auch Hilfe aufzuzeigen: Für diejenigen, die betroffen sind als auch für die, die durch den Konsum des Mediums bedrückt sind oder schlimmstenfalls getriggered werden. Denn ohne Diskussion, ohne Nachwort werden einem viele Inhalte als Tatsachen hingeworfen.

Dass Hannah in „Tote Mädchen lügen nicht“ sich so entschieden hat, ist tragisch und sie hätte sicherlich Hilfe finden können, wenn sie weiter gesucht hätte. Außerdem haben ihre Kassetten schlimme Konsequenzen für diejenigen, die sie anhören, über die Hannah wohl auch kaum reflektiert hat.

Dass sich eine Frau in einen problematischen Typen verliebt und bis zum Ende nicht einsieht, was für ein Arsch er ist, könnte man in manchen Fällen Stockholm Syndrom oder Abhängigkeitsstörung bezeichnen, auf jeden Fall als psychisch nicht ganz einwandfrei.

Schockierendes verkauft sich gut.

Aber ich möchte alle, die diesen Beitrag lesen – Autoren, Leser, Verlage – bitten: Hinterfragt kritisch.

Ist ein Inhalt sensibel, dann schadet eine kleine Warnung am Anfang nicht. Auch Altersempfehlungen schaden nicht. Auf Zigaretten steht ja auch, dass der Komsum schädlich sein kann.

Es wird genug Leute geben, die sich dennoch bewusst für solche Bücher entscheiden. Die können über solche Hinweise hinweglesen, wenn sie es denn möchten. Es wird Leute geben, die das Buch als reine Fiktion ansehen und sich gar nicht mehr daraus machen. Aber es wird sicher auch Leute geben, die eben negativ beeinflusst werden und es wäre töricht, gefährlich und egoistisch, nicht auch auf diese Gruppe Rücksicht zu nehmen.

So, das waren meine 5 Cent zu dem Thema!

Tüdelü,

Babsi