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[Rezension] 3in1 Comics & Graphic Novel – Macha, Django Unchained, Stille Wasser

[Rezension] 3in1 Comics & Graphic Novel – Macha, Django Unchained, Stille Wasser

Hallo meine Lieben!
Graphic Novels und Comics lassen sich meistens flott lesen, weil sie meistens kürzer sind als ein Buch und andere Erzählschwerpunkte setzen. Die Zeichnungen stehen im Mittelpunkt und tragen zur Stimmung bei. Deshalb dachte ich, ich mache eine 3in1 Rezension!

~Die 3in1 Rezension gibt es auch als Video auf meinem Youtube Kanal TheBlueSiren~

Kan Takahama – Stille Wasser


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  • Autorin: Kan Takahama, aus dem japanischen von Yvonne Gerstheimer
  • Titel: Stille Wasser
  • Zeichnerin: Kan Takahama
  • Genre: Kurzgeschichtensammlung, zeitgenössisch, Drama, Romantik
  • Verlag: Carlsen Graphic Novel
  • auf amazon* bestellen

Worum geht’s?
Wasser ist wandelbar – mal wild, mal sanft. Der Fluss des Lebens kann verschiedenste Wege nehmen. So erzählt es Kan Takahama auch in acht Kurzgeschichten, die von der Liebe, dem Leben und Menschen an Scheidepunkten ihres Lebens erzählen.


Meine Meinung:

Das Cover und der Titel schrien förmlich nach mir. Als Meer/Wasser(-wesen) liebende Japanophile musste dieses Graphic Novel früher oder später in meinem Bücherregal landen. Das Cover ist ein absoluter Traum! Ich war ein bisschen enttäuscht, dass die Geschichten innendrin in schwarzweiß und weniger detailliert gezeichnet sind. Obwohl alle Geschichten von Kan Takahama sind, hat sie für jede einen leicht anderen Zeichenstil gewählt, was ich sehr interessant finde. Die Geschichten waren interessante, bewegende und traurige Einblicke in die Leben verschiedener Personen.

Wirklich umgehauen oder vom Hocker gerissen, hat mich leider keine davon und bei manchen hatte ich auch nach dem zweiten Lesen noch ein Fragezeichen über den Kopf. Dennoch fühlte ich mich gut unterhalten und kann nicht sagen, dass es mir nicht gefallen hat. Der Bezug zum Wasser war nicht immer so deutlich, der Fokus lag mehr auf den Charakteren. Ich hätte mir mehr Ausdruck, mehr Tiefe und weniger seichte Tröpfchen gewünscht. Es war gut und schön zu lesen, aber bei dem wunderschönen Cover hatte ich einfach ein bisschen mehr erwartet. Deswegen gibt es von mir drei Seesterne.

 

 

Quentin Tarantino – Django Unchained


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  • Autoren: Quentin Tarantino (Drehbuch), Reginald Hudlin (Adaption), übersetzt von Dietmar Schmidt
  • Titel: Django Unchained
  • Zeichner: R.M. Guéra, Jason Latour, Denys Cowan, Danijel Zezelj, John Floyd, Giulia Brusco, Jose Villarubia, Michael Möller
  • Genre: Action, Befreiungsgeschichte, historisch
  • Verlag: Eichborn Verlag
  • bei Jokers kaufen | über amazon* bestellen

Worum geht’s?
Django wird gewaltsam von seiner Frau „Broomhilda“ getrennt und beide als Sklaven verkauft. Unverhofft stößt er auf den Zahnarzt Dr. Schultz, einen Kopfgeldjäger, der ihn das Handwerk lehrt und ihm zu neuen Stolz und Lebensmut verhilft. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach den Verantwortlichen für den Sklavenhandel und dem neuen, grausamen Besitzer von Broomhilda.


Meine Meinung:

Ich habe den Film tatsächlich noch nicht gesehen und musste gleich zugreifen, als es „Django Unchained“ als Graphic Novel günstig bei Jokers zu erstehen gab. Es ist komplett farbig und die Kapitel sind jeweils von verschiedenen Zeichnern illustriert. Bis auf ein Kapitel fand ich auch alle Zeichnung unglaublich gut und sehr gelungen. Die Stimmung, die Dynamik und die Charaktere kamen sehr gut rüber, ohne sich zu stark an den Schauspielern zu orientieren.

Die Geschichte bewegt, empört und reißt mit. Die Grausamkeit und die Ungerechtigkeit der Unterwerfung schwarzer Menschen in Amerika stoßen mir übel auf, umso genugtuunder ist Djangos Weg als Kopfgeldjäger. Die Figur des Dr. Schultz ist amüsant und sehr cool, wenngleich mich die „White Savior“-Thematik – also ein weißer, großmütiger Charakter, der als strahlender Held auftritt – ein kleines bisschen gestört hat. Ich werde mir den Film auf jeden Fall noch anschauen, da ich glaube, dass Cristoph Waltz den eiskalten Zahnarzt wunderbar verkörpern wird.

Wie üblich bei den Drehbüchern ist der Anteil an Blut, roher Gewalt und derben Szenen recht hoch, deswegen ist das Graphic Novel nichts für schwache Gemüter, wenngleich es eine gute Balance gefunden hat. Von mir gibt’s vier Seesterne für dieses rundum schicke und toll aufgemachte Graphic Novel.

 

Grimaldi & Plentzke – Macha


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  • Autorin: Flora Grimaldi, aus dem Französischen von Tanja Krämling
  • Titel: Macha – Eine Geschichte der Insel Errance
  • Zeichnerin: Maike Plentzke
  • Genre: High Fantasy
  • Verlag: Carlsen Comics
  • auf amazon* kaufen

Worum geht’s?
Naturverbundene Tierwesen, Elfen und Waldgeister bevölkern die Insel Errance. Als die Menschen kommen, lassen sie ihnen Platz zum Leben. Doch der Frieden währt nur kurz, der König der Menschen ist gierig und beginnt mit der Rodung des Waldes und der Tötung der Inselbewohner. Ein Krieg entbrennt und mittendrin sind das Fuchsmädchen Macha und ihr Geliebter Ronan, deren Liebe in diesen schwierigen Zeiten auf eine harte Probe gestellt wird.


Meine Meinung:

Dieser Comic ist gebunden und besticht durch das wundervolle, kräftige Cover. Die Zeichnungen von Maike Plentzke sind wunderschön, farbig und einfach magisch. Die Geschichte von Flora Grimaldi ist für Fantasy recht simpel – Natur gegen Mensch – und doch schaffen es die Charaktere mein Herz zu bewegen. Auch hier wird von Menschen wieder eine himmelsschreiende Ungerechtigkeit gelebt, Gier und Gewalt tränken die friedliche Insel Errance und trüben die Idylle.

Man möchte in die Geschichte hineinsteigen und manche Charaktere schütteln. Wie so oft, bahnen sich mehrere Tragödien an. Mich macht die Geschichte neugierig, denn die Verbindung zu „Bran“ – einem zweiten Comic aus der Reihe – wird bereits angedeutet. Macha als Hauptcharakter ist eine idealistische, leidenschaftliche junge Fuchsdame, mit der man leicht mitfiebern kann. Ich hätte mir gewünscht, dass die Geschichte noch ein bisschen länger gewesen wäre, dass noch die ein oder andere Frage beleuchtet wird und wir uns andere Charaktere und die Insel Errance genauer anschauen. Nichtsdestotrotz habe ich den Comic verschlungen. Von mir gibt es vier Seesterne für dieses wunderschön gezeichnete Stückchen Fantasy.

 

Was denkt ihr? Habt ihr schon einen der Comics/eines der Graphic Novels gelesen? Oder sagt euch diese Form des Mediums gar nicht zu?

 


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[Rezension] Orelios: Das Erwachen von Clemens Kiefhaber

[Rezension] Orelios: Das Erwachen von Clemens Kiefhaber

Durch eine gemeinsame Freundin erhielt ich die Gelegenheit mit Clemens Kiefhaber in Kontakt zu treten. Freundlich und sichtlich aufgeregt stellte er mir sein Debut „Orelios: Das Erwachen“ als Rezensionsexemplar zur Verfügung. Vielen lieben Dank!


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  • Autor: Clemens Kiefhaber
  • Titel: Orelios – Das Erwachen
  • Selpfublishing via Kindle Direct Publishing
  • Genre: High Fantasy, 612 Seiten
  • auf amazon* kaufen
  • Band 1 von voraussichtlich 5

Worum geht’s?
Die Länder Antaijan und Tenrack sind seit Jahrhunderten getrennt. Erzürnte Geister und ein grausamer Krieg entzweiten die beiden Länder einst. Das Überqueren der Grenze ist strengstens verboten. Einige Studenten aus Antaijan stoßen in der Bibliothek auf ein mysteriöses Tagebuch, das alle Geschichten ihres Landes auf den Kopf stellt. Im nördlichen Tenrack erscheint ein blasser Junge, der ein Dorf nach dem anderen abschlachtet. Während die Studenten die Grenze in den Norden passieren, droht im Süden ein politischer Umbruch und es scheint, als wäre die Zeit des Friedens in beiden Ländern vorbei.


Meine Meinung:

 

~Videorezension folgt~

Ein 612 Seiten starkes Debut erfordert viel Arbeit und man merkt bei Clemens Kiefhaber, dass er viel Mühe und Liebe hineingesteckt hat. Mit den Ländern Antaijan und Tenrack baut er eigene Kulturen, Religionen und Traditionen auf, zeichnet eine komplexe und reiche Fantasy-Welt abseits des Elfen-Zwerge-Einheitsbreis. Eigene Fauna, Flora, Tiere und Mythen geben dem ganzen einen wunderbaren Rahmen.

Wir begleiten allerlei Charaktere aus beiden Ländern und so ist das Charakterverzeichnis am Ende wirklich sehr hilfreich, da es zeitweise schwer ist, einen Überblick zu behalten, wer wer war. Einige Perspektiven heben sich positiv hervor, wie die der tenrackischen Jägerin Noriat oder die des Soldaten Ilfran, dessen Rolle im Gefüge noch nicht ganz klar wird. Dass alle Charaktere irgendwie zusammenhängen, wird Stück für Stück deutlich. Alle sind Zahnräder in der Geschichte einer Welt, denn wir erleben live den Umbruch zweier Länder.

Ein bunter Mix von Charakteren…

Die Kapitel mit Regotar haben mir leider am wenigstens gefallen. Es ist zwar interessant, die Steinmetzzucht und das Dorfleben kennen zu lernen und mehr über das geheimnisvolle blaue Metall zu erfahren, aber seine persönliche Geschichte und sein Charakter haben bei mir für keinerlei Interesse gesorgt. Seine Abschnitte habe ich meistens übersprungen.

Student Dargan wirkt in der altertümlichen Welt durch seine Gewieftheit und Intelligenz fast etwas fehlplatziert. Seine Handlungen und die seiner Freunde bringen jedoch die wichtigsten Steine ins Rollen und lehren uns mehr über die Welt. Manchmal waren mir seine Gedankengänge zu ausufernd und ich hoffe, er wird noch etwas menschlicher. Er ist sehr sympathisch, aber er scheint mir fast etwas zu perfekt und liebenswert? Ich würde ihn mit Sherlock Holmes vergleichen – da er noch zu wichtig und intelligent ist, fürchtet man nicht wirklich um ihn und bangt mit ihm mit.

Noriats erstes Kapitel war fesselnd und auch sonst war die tapfere Jägerin mein liebster Charakter im Buch. Sie ist hitzköpfig, liebevoll und entschlossen. Ihre verschiedenen Beziehungen zu ihrem Bruder, den anderen Jägern und Kriegern und den späteren Gefangenen sind vielschichtig und faszinieren. In ihren Kapiteln erfahren wir außerdem viele Schlüsselmomente und Informationen.

Die Kapitel von Aschandreij und Sheijan haben sich teilweise etwas gezogen, waren aber interessant und ein spannender, wenngleich weniger turbulenter Gegensatz zu Noriats und Dargans Abenteuern.

Da ist noch Luft nach oben…

Clemens Kiefhabers Schreibstil ist solide und lässt sich flüssig lesen. Dennoch sehe ich an einigen Stellen noch Verbesserungsbedarf bzw. mehr Gründlichkeit des Lektorats.

Ich musste beim Lesen oft ausufernde Beschreibungs- und Gedankenabsätze überspringen. Eine komplett eigene Welt zu erschaffen ist eine große Leistung und benötigt viele Erklärungen, jedoch fühlte ich mich manchmal von den Informationsblöcken erschlagen. Hier würde ich mir für kommende Bände mehr „Show, don’t tell“ und Selektion wünschen (Was ist jetzt für den Leser wichtig? Was spielt im folgenden Kapitel eine Rolle? Was kann ich in Dialoge oder Handlungen einweben?). Außerdem sind mir einige Redundanzen aufgefallen – Die Charaktere dachten sehr viel nach und stellten sich oft viele Fragen. Fragen, die ich mir als Leserin ohnehin stelle. Manchmal waren es auch unnötige Dopplungen und Füllwörter.

Dargan machte sich schon jetzt Sorgen um Teveij, die es selbst in einer kühlen Nacht schon zu sehr fror. Wie sollten sie die eisige Kälte von Tenrack überstehen?

Man kann dem Leser ruhig ein wenig eigene Denkleistung zumuten, denke ich.

Die erste Hälfte war teilweise etwas zäh und es dauerte bis ich in die Geschichte hineinkam und die Charaktere und ihre Bedeutung verstanden habe. Der umfangreiche Weltenbau und die vielen originellen Ideen und Verstrickungen sind jedoch definitiv Pluspunkte und für ein Debut ist das auf jeden Fall richtig gut. Außerdem gibt es eine liebevoll gestaltete Karte am Anfang!

Da das ganze erst der Auftakt zu einem epischen Abenteuer ist, würde ich mir folgende Bände ein bisschen mehr Pfeffer und Tempo wünschen. Ansonsten: Mehr von dieser Welt und ihren Geschichten!

Fazit:

Das High Fantasy Debut von Clemens Kiefhaber hat noch einige kleine Kinderkrankheiten, hat jedoch durch den tollen, einfallsreichen Weltenbau und die komplex gestrickte Geschichte eine Menge Potenzial. Für Fans von detailliertem Weltenbau und genauen Beschreibungen ein Genuss, für ungeduldige Leser aber leider etwas zu langatmig. Von mir gibt es drei Seesterne.

Weitere Meinungen:

Ihr habt eine Rezension zu diesem Buch geschrieben? Schreibt mir gerne, dann verlinke ich euch!


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[Rezension] Scream Run Die von Tanja Hanika

[Rezension] Scream Run Die von Tanja Hanika

Scream Run Die von Tanja Hanika

Nachdem ich von Tanjas Buch „Zwietracht“ begeistert war, hat sie mir auf dem Litcamp 2017 in Heidelberg ihr Buch „Scream Run Die“ geschenkt. Vielen Dank dafür und entschuldige, dass ich erst so spät dazu gekommen bin, es zu lesen und zu rezensieren.


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  • Autorin: Tanja Hanika
  • Titel: Scream Run Die
  • Genre: Horror, Slasher, blutig
  • 122 Seiten, Taschenbuch: 7,99€ | Ebook: 2,99€
  • auf amazon* kaufen

Worum geht’s?
Milton überfährt auf dem Highway eine seltsame Kreatur. Um den Unfall geheim zu halten, verstaut er das Wesen in seinem Kofferraum und fährt zu seinen Freunden, die eine Hausparty veranstalten. In der Abgeschiedenheit, provoziert von Alkohol und Langeweile, probieren sie Gläserrücken mit einem Ouija Brett aus unds müssen bald erkennen, dass sie von jemandem oder etwas verfolgt werden…


Meine Meinung

Das Buch inklusive Survival Tipps des Killers verspricht eine spannende Hetzjagd auf eine Gruppe Jugendlicher.

Leider war es für mich kein fesselndes Erlebnis. Die 122 Seiten reichen nicht, um eine emotionale Verbindung zu den Charakteren aufzubauen, man leidet und bibbert nicht mit ihnen, sondern zuckt lediglich mit den Schultern, wenn sie aufgeschlitzt werden. Manche Handlungen und Entscheidungen, sowie die Motive des Killers waren auch einfach nicht wirklich glaubwürdig und nachvollziehbar.

Tanja Hanika spielt gezielt mit einigen typischen Horrorfilmklischees – Jugendliche allein zuhaus, Gläser rücken, die durchtrennten Stromkabel, das mysteriöse Wesen im Kofferraum, der maskierte Killer. Bei mir hat das leider aber weder für ein Schmunzeln, noch für Schauer gesorgt.

Ich bin eher der Fan von psychologischem Horror, was nicht heißt, dass ich es nicht auch mal blutig und klassisch mag. Aber bei diesem Buch ist der Funke leider nicht übergesprungen, vielleicht weil ich so viel in diesem Genre unterwegs bin.

Ich hätte mir mehr Zeit gewünscht, die Charaktere kennen zu lernen, mehr Zeit für das Versteckspiel mit dem Killer, mehr von der bedrohlichen Atmosphäre und Ausweglosigkeit oder noch blutigere Kills. So bleibt das Buch leider für packenden Psychohorror zu harmlos und für einen gedärmereichen Slasher zu seicht.

Tanja Hanikas Schreibstil und ihre Ideen sind gut, womöglich hatte ich nach Zwietracht einfach etwas zu hohe Erwartungen. Die Begeisterung beim Schreiben, die Extras und die Liebe zum Detail merkt man Tanja aber absolut an. In meinem Exemplar des Buches war wirklich der Glückskeks-Spruch versteckt, der im Buch erwähnt wird und ich war richtig geflasht, als mir der beim Lesen in den Schoß gefallen ist. Die Tipps des Killers sind unterhaltsam und Pflicht für alle Horror-Neulinge.

Fazit:

Mich konnte das Buch leider nicht vollends überzeugen. Die guten Ideen sind leider durch die Kürze nicht richtig ausgenutzt worden, sodass die Spannung ihren potenziellen Gipfel nicht erreichen kann. Tanjas Schreibstil ist gut und bei Zwietracht hat sie bewiesen, dass Horror ihr liegt, aber „Scream, Run, Die“ war für mich leider kein Highlight. Ich würde das Buch eher Leser*innen empfehlen, die sich sonst nicht an Horror heranwagen und sich zur Abwechslung mal trauen möchte. Ich vergebe 2,5 bis 3 Seesterne.

 

Weitere Meinungen:


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[Rezension] Dumplin‘ von Julie Murphy

[Rezension] Dumplin‘ von Julie Murphy

Julie Murphy: Dumplin‘ – Go big or go home

Ich freute mich total als kurz nach der Buchmesse ein Paket von lovelybooks eintrudelte. Ich habe im Rahmen des Fischer Leseclubs dort ein Leseexemplar von „Dumplin'“ von Julie Murphy gewonnen! Dankeschööön. Spätestens seit Veras tollem Beitrag dazu war klar, ich MUSSTE dieses Buch lesen. Eine lange Zugfahrt kam mir entgegen und ich habe das Buch verschlungen wie ein Stückchen Schokolade. Ob es auch so gut geschmeckt hat?


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  • Autorin: Julie Murphy, übersetzt von Kattrin Stier
  • Titel: Dumplin‘
  • Fischer FJB
  • Genre: Jugendbuch, Humor
  • 397 Seiten, Gebunden: 18,99€ | Ebook: 16,99€
  • auf amazon* kaufen | über LChoice** in eine Buchhandlung in deiner Näher bestellen

Worum geht’s?
Willowdean, genannt Dumplin‘, ist eigentlich zufrieden mit sich. Ihre Mutter ist zwar im Komittee des örtlichen Schönheitswettbewerb und die dicke Will passt nicht in diese Welt, aber diese Tatsache und ihre überflüssigen Pfunde stören sie weniger. Doch alles wird anders als ihre geliebte Tante Lucy stirbt, ihre attraktiver Arbeitskollege Bo sie küsst und ihre beste Freundin El scheinbar neue, schlanke Freundinnen findet. Plötzlich fühlt sich Willowdean unwohl in ihrem Körper. Um sich selbst zu beweisen, dass man dick UND schön sein kann, meldet sie sich beim Schönheitswettbewerb an.


Meine Meinung

Ich bin selbst übergewichtig – die Kurzbeschreibung, die fröhlich wirkende Geschichte und die selbstbewusste Protagonistin haben mich sofort angesprochen. Nun bin ich nicht mehr 16 und werde in der Schule nicht von pubertierenden Typen angeblökt – aber ich konnte viele Beleidigungen, viele Probleme und viel von dem was Willowdean erlebt hat, auf mich beziehen. Dick zu sein gleicht nach wie vor einem Stigma, einem Schandfleck. Viele Vorurteile hängen damit zusammen – man sei faul, verfressen, dumm und selbst Schuld. Wenn man in Klamottenläden geht und die Hose nicht mal über ein Bein ziehen könnte. Abende, an denen man mit attraktiven Leuten unterwegs ist und abschätzige Blicke erntet. Wenn man hinaus geht und Spaß hat, wenn man in einem Fast Food oder bei einem Buffet etwas isst. Manchmal kauft man extra noch etwas Gemüse dazu, bevor man sich etwas Süßes im Supermarkt holen will. Wenn einem Glück nicht gegönnt wird.

„Aber ich will nicht, dass es mutig ist. Ich will, dass es normal ist.“ (S. 314)

Teilweise schmerzlich erinnerten mich Willowdeans Gedanken an meine eigenen Selbstzweifel, Ängste und Komplexe. Ich ziehe ungerne Bikinis an. Nicht weil ich finde, dass dicke Menschen keine anziehen sollten, sondern weil ich mich darin nackig und entblößt fühle. Weil ich nicht den Pool und die Sonne genieße, sondern ständig nur meinen blassen Schwabbel vor Augen habe. Wie den Vollmond am Himmel.
Dabei fühle ich micht nicht grundsätzlich hässlich. Ich glaube nicht, dass es mir zwingend besser geht, wenn ich zehn Kilo weniger wiege. Aber es würde viele Dinge erleichtern.
In unserer Gesellschaft wird einem ein Ideal vorgelebt, das nur wenige erfüllen können. Das führt unwillkürlich zu Frust und Essen wiederum hilft hervorragend bei Frust. Unsere Gesellschaft wird immer dicker, dennoch zeigen uns Medien stetig, wie ein Idealkörper auszusehen hat. Wie man gesünder lebt, Spaß am Sport hat und sich selbst lieben lernt – das ist das große Geheimnis. Es ist eine Profitgrube, andere verdienen Gold mit unseren Selbstzweifeln. Männern sollen groß und muskulös sein, mutig und unerschrocken. Als Frau soll man bitte schlank sein, aber trotzdem Kurven haben, aber nicht zu viel und am Besten grazil und überhaupt. Ich brauche euch nichts vorbeten – wir kennen das Ideal.

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Wenn man erwachsen wird lernt man irgendwie damit umzugehen. Aber die Zweifel, die seit Kindesbeinen an einem nagen, die einem eingeflößt werden wie Medizin, die bleiben. Umso wichtiger finde ich es, dass sich ein Jugendbuch mit einer dicken Protagonistin diesem Problem unserer Gesellschaft annimmt.

Liebenswerte Knödel & Pfirsichpos

Und die mutige, stolze Willowdean ist genau die richtige dafür! Sie fungiert als liebenswerte Erzählerin, aufmerksam, witzig, aber nicht frei von eigenen Vorurteilen. So vergleicht sie sich selbst auch mit anderen, ganz nach dem Motto „Ich könnte schlimmer aussehen„. Ja, das ist verdamm fies. Aber auch verdammt normal. Sie ist eifersüchtig auf ihre Freundin, fühlt sich zurückgelassen und verunsichert, als sich ein wunderhübscher Kerl scheinbar in sie verliebt. Auch, wenn sie ihre Schwächen gut verbirgt, brechen hier einige Emotionen hervor, die sie versteckt hat. Sie zieht voreilige Schlüsse, weil sie weiß wie schlecht manche über sie reden. Willowdean selbst kann gemein sein, sie handelt nicht immer richtig oder moralisch einwandfrei. Sie ist eine junge Frau auf der Suche nach sich selbst. Insgesamt war Willowdean für mich sehr menschlich, dreidimensional und genau die richtige Protagonistin für dieses Buch. Ihre Entwicklung hat mir sehr gut gefallen.

Bo, der attraktive Mitarbeiter von Willowdean ist hübsch, lässig und strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Er bleibt einer der blasseren Charaktere, auch wenn er Willowdean wirklich mag und nicht absichtlich böswilliges anstellt.

Ellen, Willows beste Freundin ist quirlig, lebhaft und liebevoll. Aber auch aufbrausend, nicht ganz ehrlich und dadurch sehr menschlich. Sie kämpft ebenfalls mit den Tücken des Erwachsen werdens. Sie will gemocht werden und dazugehören.

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Mein kleiner Knödel posiert (unfreiwillig) mit dem Buch. 😉

Den Konflikt von Willowdean und ihrer Mutter hätte ich gerne noch etwas ausführlicher gehabt, auch wenn er gegen Ende auf eine schöne Weise gelöst wurde. Auch Mitch hätte ein bisschen mehr Buchpräsenz verdient, denn er ist absolut liebenswert und auch mitverantwortlich für Willowdeans Weiterentwicklung.

Millie, Amanda und Hannah sind wunderbare Nebencharaktere und ich freue mich darauf, in Puddin‘ über die zuckersüße und herzensgute Milie zu lesen, die es wie Willowdean nicht leicht hat. Leider waren mir persönlich die Szenen mit Lee und Dale eine Spur zu klischeehaft und oberflächlich.

Am Ende ist klar, dass niemand frei von Objektifizierung und Oberflächlichkeiten ist. Auch die „Schönen“ müssen sich manchmal auf ihren Körper reduzieren lassen. Aber letztlich weiß man erst, wie jemand wirklich ist, wenn man ihn kennenlernt. Und dass Schönheit nur im ersten Moment etwas mit dem Aussehen zu tun hat.

Typische Jugendbuch-Liebesgeschichte?

Der Schreibstil und die Thematik des Buches sind definitiv auf eine jüngere Zielgruppe zugeschnitten. Das Buch lässt sich schnell und einfach lesen, aber hat dennoch Wortwitz und viele wichtige Botschaften – für alle Leser. Das „Coming of age“ Thema ist dennoch gegenwärtig und so verhalten sich die jugendlichen Charaktere auch. Neben dem klischeehaften Bully haben wir auch eine Mehrzahl von liebenswerten, bunten Charakteren.

Das Ende war mir ein bisschen zu flott, zu abrupt. Ein Epilog oder ein, zwei Seiten mehr hätte hier vielleicht gut getan.

Julie Murphy gelingt es viele Problematiken des Aufwachsens in das Buch zu packen, auch wenn Körpergefühl und Selbstliebe klar im Vordergrund stehen. Ich hätte mir gewünscht, dass es so ein lebensbejahendes Buch auch schon zu meiner Sweet 16 Zeit gegeben hätte. Ich hoffe, dass das Buch vielen Jugendlichen in die Hände fällt und sie ermutigt, sie selbst zu sein und sich nicht kleinreden zu lassen.

 

Fazit:

Dumplin‘ hat mich berührt und bestens unterhalten. Ich habe beim Lesen geschmunzelt, manchmal geschluckt, aber vor allem habe ich die lebhafte Geschichte genossen. Julie Muphy hat hier ein wichtiges Jugendbuch geschrieben, dass sicher an einigen Stellen noch etwas ausgereifter sein könnte. Einige Konflikte und Charaktere sind leider etwas untergegangen, aber das tut dem Lesespaß eigentlich keinen großen Abbruch. Definitiv ein Lesegenuss und ein Wohlfühlbuch! Für mich klare 4 Seesterne.

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Weitere Stimmen zum Buch:


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[Rezension] Hummeln fliegen auch bei Regen von Andrea Kraft

[Rezension] Hummeln fliegen auch bei Regen von Andrea Kraft

Andrea Kraft: Hummeln fliegen auch bei Regen

Ich hatte das Buch erstmals auf Facebook gesehen. Ich weiß leider nicht mehr wer, aber eine Bloggerin warb für das Buch ihrer Freundin Andrea Kraft, das ursprünglich im Selbstverlag erschien und nun bei Goldmann verlegt wurde. Als ich das Buch beim Bloggerportal entdeckt habe, habe ich es spontan angefragt und ein gratis Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank!


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  • Autorin: Andrea Kraft758_21185_178207_6.jpg
  • Titel: Hummeln fliegen auch bei Regen
  • Verlag: Goldmann
  • Genre: Entwicklunsroman, (ChicLit)
  • 416 Seiten, Taschenbuch: 10€ | Ebook:  8,99€
  • Buch auf amazon* kaufen | Buch über LChoice* in eine Buchhandlung in der Nähe bestellen

Worum geht’s?
Hannah, 35, kämpft mit Depressionen und Angststörungen. Nach einem Klinikaufenthalt hat sie sich frisch von ihrem Ehemann getrennt und versucht nun, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Als sie in einem alten Traumtagebuch blättert, beschließt sie zum ersten Mal ganz alleine in den Urlaub zu fahren und hofft damit, Stück für Stück, ihr Leben zurückzugewinnen. Gelingt es ihr, mit der Vergangenheit abzuschließen?


~Videorezension folgt~

Meine Meinung:

Psychische Gesundheit und mentales Wohlbefinden sind zwei Themen, die mich nicht nur im Studium beschäftigen, sondern über die ich auch gerne lese. Ermutigende Geschichten von Leuten, die am Boden waren und sich zurückgekämpft haben. Vielleicht habe ich einfach schon zu viele Bücher aus dieser Richtung gelesen? „Hummeln fliegen auch bei Regen“ hat bei mir nämlich leider mehr für Augenrollen & Aufstöhnen, als für Aha-Momente & Schmunzeln gesorgt.

Das Buch beginnt damit, das wir einen der spannendsten Teile einfach direkt überspringen: Den Tiefpunkt von Hannahs Psyche und die darauffolgende Zeit in der Klinik. Stattdessen springen wir zu dem Zeitpunkt, an dem Hannah bereits aus der Klinik entlassen ist und sich von ihrem Mann Ben scheiden lässt. Dann fahren wir zur Selbstfindung nach Mallorca, essen Feigen und trinken Kaffee auf einer Finca.

Auch wenn die Depressionen und die Angststörung im Buch durchaus ihren Platz haben, hat man nie das Gefühl, dass Hannah wirklich am Boden oder verzweifelt ist. Wenn sie sich dann irgendwie nach langem Hin und Her doch traut, dann klappt alles eigentlich ganz gut.
Keine schlechte Botschaft! Wären viele Dinge nicht so unglaubwürdig.
Die meisten Umstände des Romans wirkten für mich zu sehr konstruiert: Die geheimnisvolle Fremde Beate, die auf ihrer Toilette sicher ein ganzes Esoterik und Lebensweisheitenbücherregal stehen haben muss. Das Erbe, das es Hannah ermöglicht, sich Auszeiten und unzählige Taxifahrten und sahnige Cappuccinos zu gönnen. Der alte Schulfreund, der super charmante Mails schreibt.

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Hannah als Protagonistin hat mich nicht für sich begeistern können. Anstatt wie 35 wirkte sie ein Teenie-Girl und wusste so gar nicht, was sie wollte oder was ihr gut tat. Sie hat keine eigene Meinung und bleibt blass, ihre Witze zünden bei mir nicht. Trotz ihrer psychischen Belastungen waren ihr Verhalten und ihre Denkweise für mich nervig und auch ihre Vergangenheit konnte bei mir keinerlei Mitgefühl auslösen. Die Konflikte hatten im Buch einfach zu wenig Platz und konnten sich nicht glaubhaft entwickeln und entfalten. Dann verhält sie sich ziemlich dumm, indem sie ihre Medikamente überdosiert und ziemlich oft zu tief ins Glas schaut. Sie möchte sich von den Männern und Fehlern ihrer Vergangeheit lösen und lässt sich mit Lukas und den Mails wieder auf den gleichen Mist rein und „verliebt“ sich natürlich direkt wieder. Es wirkt, als müsste nur, der „richtige“ Mann kommen, dann wären die Probleme wie weggewischt. Außerdem scheint sie nach ihrem Klinikaufenthalt zwar Medikamente zu nehmen, aber keine ambulante Therapie wahrzunehmen oder jemals mit einem Arzt zu sprechen.

Oma Beate war einfach nur seltsam. Sie taucht stalkermäßig an allen möglichen Orten auf, bedrängt Hannah und hält ihr dann stundenlange Vorträge mit Lebensweisheiten, die man in blumigen Geschenkbüchern nachlesen kann, die sich im ein oder anderen Haushalt auf dem Klo finden lassen. Oder bei „nachdenkliche Sprüche“ auf Facebook… Auch, wenn sie für Hannah eine gewisse Mentorenrolle übernahm, klatschte sie uns ihr „Expertenwissen“ lieblos auf den Tisch. Und dann stalkt sie auch noch die Telefonnummer. Okay…! Danke, ich lese dann mal weiter im Klo-Buch.

Hannahs Freundinnen wirkten ebenfalls blass, wie Platzhalter, die bestimmten Klischees entsprachen. Was für lockeren Humor sorgen sollte, sprudelte vor „ChicLit“-Klischees und Fremdschäm-Sitautionen. Ich komme mir selten reif und erwachsen vor mit meinen 24 Jahren – aber im Gegensatz zu diesem chaotischen Vierergespann fühle ich mich wie eine Expertin für „Erwachsenendinge“.DXxDSX0XcAA9QrB

Da ich bereits viele Bücher mit ähnlicher Prämisse gelesen habe, kann ich nicht umhin, ein bisschen zu vergleichen.
Wo „Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner für ein breites Schmunzeln gesorgt hat, war der einzige Gesichtsmuskel der sich beim Humor dieses Buch bewegte, der Muskel, der eine Augenbraue hochzieht. Wenig feinsinnig, sondern mehr im Stile von „Sex and the City“ gackert Hannah mit ihren Freundinnen wie Hühner auf der Stange. Während Matt Haig Lebensweisheiten in philosophische Geschichten einbettet, klatscht uns die Stalker Oma Beate einfach zwei Seiten Text hin, weil sie ja so viel Lebenserfahrung hat. Und eine sympathischere Protagonistin, die trotz psychischen Problemen und Hindernissen ihr Glück findet, gibt es bei „Für jede Lösung ein Problem„.

Letztlich kann ich nur den durchschnittlichen Schreibstil und das niedliche Design des Buches loben. Es lässt sich flott und gut lesen und die kleinen Hummeln am Anfang eines jeden Kapitels sind wirklich putzig. Gegen Ende habe ich die Seiten mehr überflogen als gelesen.

Da ich selbst meinen Roman überarbeite, hatte ich vermutlich ein kritischeres Auge als sonst auf den Schreibstil, aber mir sind viele unnötige Adjektive, überladene Sätze und Redundanzen aufgefallen. Und ein Logikfehler, denn als Beate und Hannah zum ersten Mal gemeinsam Essen ist es Abend und eine Stunde später Nachmittag.

Kurzum: So ziemlich alles, was das Buch transportieren will, haben andere Romane wesentlich besser gelöst. Der Roman von Andrea Kraft ist sicherlich keine schlechte Lektüre, gerade für Leute, die bisher eher weniger zum Thema gelesen haben. Aber: Für mich besitzt es kaum Erinnerungswert und nicht genug Tiefgang. Zudem leider auch nichts, was es einmalig oder besonders machen kann. Schade!

Fazit:

Auch wenn das Buch ganz nette Momente hatte und sich ganz gut lesen ließ – mich konnte es leider nicht überzeugen. Der Humor zündete nicht, die Funken sprangen nicht über. Hannah war für mich keine beeindruckende Frau, die sich mit 35 zurück ins Leben kämpft, sondern geistig auf dem Stand einer kindischen 19-Jährigen. Die Lebensweisheiten, die uns dröge hingeklatscht werden, finden sich an jedem Postkarten-Ständer am Bahnhof und auch die niedlichen Hummeln können das Buch nicht mehr retten. Für mich leider einer der schlechteren Vertreter des Genres.

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Abgebrochen #1 – Bücher & Reihen, die ich nicht beenden möchte

Abgebrochen #1 – Bücher & Reihen, die ich nicht beenden möchte

Es kommt selten vor, aber es gibt sie. Die Bücher und Reihen, die ich nicht beende. Manchmal ist das Buch einfach grottig, mal packt es mich nicht, mal ist es einfach nicht meins. Ich dachte, ich zeige euch mal einige Titel. Eine Bewertung werde ich nur geben, wenn ich das Buch zumindest zur Hälfte gelesen habe.
Das ist natürlich alles nur mein persönlicher Eindruck – ich glaube fest daran, dass es für jedes Buch einen passenden Leser gibt. Wenn ich ein Buch schlecht bewerte, bedeutet das nicht, dass es automatisch schlecht ist. Vielleicht spricht euch ja eins der Bücher aus meiner Liste an?

 

Burkhard Sonntag: Wege nach Lyonesse

Worum geht’s?
Ben Whitcombe ist reicher Investmentbanker und verliert auf einmal seinen Job und direkt danach seine Frau. Er will sich auf den Weg nach London machen, um dort neu anzufangen. Ein alter Freund schickt ihn auf eine Schnitzeljagd, die ihn durch viele Städte Europas und auf die Spur einer uralten Bruderschaft führt.

41nJiqUp-rL._SX311_BO1,204,203,200_.jpgMeine Meinung:

Dieses Ebook war ein Rezensionsexemplar und es tut mir wirklich leid, es abzubrechen. Ich habe wirklich lange für die ersten 50% gebraucht und musste mich immer wieder zwingen zu diesem Buch zu greifen. Der Schreibstil liest sich flüssig und auch sprachlich ist das Buch durchaus ansprechend. Mich kann die Geschichte jedoch einfach nicht fesseln, der Protagonist Ben Whitcombe, ein Mann mittleren Alters, und sein Schicksal interessieren mich nicht. Es ist mir egal, was mit ihm passiert und auch die Schnitzeljagd auf den Spuren einer alten Bruderschaft schafft es nicht, den Funken überspringen zu lassen.

Ben ist für mich die Verkörperung eines priviligierten, reichen, weißen Mannes. Trotz allem hat er irgendwie immer noch Geld und Wohnungen und die Leute mögen ihn. Ich leider nicht – Denn ich fand ihn charakterlos, seine Absichten der Studentin gegenüber, mit der er ein Stück reist, fragwürdig und alles in allem, wäre er ein Mensch, mit dem ich im realen Leben nichts zu tun haben wollen würde.

Es bekommt von mir 2,5-3 Seesterne, da es handwerklich gut und die erste Hälfte einigermaßen interessant ist. Es ist nicht meine Geschichte, aber es wird sicherlich Leute geben, denen das Buch sehr gut gefällt.

 

 

Anna Banks: Blue Secrets 1 – Der Kuss des Meeres

  • cbt, 448 Seiten
  • Taschenbuch*: 8,99€ | Ebook*: 7,99€
  • ca. 250 Seiten gelesen, Band 2 & 3 nicht

Worum geht’s?
Emma fühlt sich sofort zum mysteriösen Galen hingezogen. Was sie nicht weiß: Er ist eine Syrena, ein Prinz der Unterwasserwelt. Auch er merkt, dass Emma etwas ganz besonderes ist, denn sie kann mit Fischen reden! Das bedeutet, dass auch in ihren Adern Syrenablut fließen muss.  Doch womöglich ist sie eine Erbin Poseidons und nicht für seine Seite bestimmt…

Meine Meinung:

Ich liebe Meerj51f5vAA-p0L._SX340_BO1,204,203,200_.jpgungfrauen, Nixen, Sirenen und Meer-Thematiken, deswegen habe ich dieses Buch auch in der Bibliothek ausgeliehen. Allerdings habe ich es innerhalb des Ausleihfrist nicht beendet und werde es vermutlich auch nie beenden.
Ich habe es zum Anfang meines Studiums, also mit 21, angelesen. Vielleicht bin ich einfach zu alt dafür, aber es war für mich ein Twilight-Abklatsch mit Meerthematik. Die Charaktere waren platt, ungalubwürdig und das Buch begann zwar mit einem spannenden Ereignis, aber alles danach war seltsam. Wir haben natürlich einen creepy, stalkerhaften männlichen Meermensch und seine zickige Schwester/Cousine/ichhabsvergessenesistmirauchegal. Kontakt zu Menschen ist verboten/böse/gefährlich und das Unterwasserkönigreich ist kompliziert/irgendwieinGefahr und eigentlich will er es retten, aber dann gibt es hier Verstrickungen und ein Zusammensein wäre schwierig und böse und blubb. 100mal so gelesen, 99mal besser. Dazu kommt eine Protagonistin, die wie ein Fisch den Mund aufmacht und es kommt nur Luft raus. Die „Chemie“ zwischen beiden ist nicht nachvollziehbar, das große Geheimnis, das hinter der Protagonistin steckt, erschließt sich ungefähr auf Seite 10 und die Nebencharaktere sind nur Instrumente für die Liebesgeschichte. Der Schreibstil war ganz gut, der Anfang hat mir auch gefallen, aber danach ging es nur bergab. Ich bin sehr enttäuscht.

Als Jugendliche, so mit 14-15, in der ich auch meine Edward & Bella Phase hatte, hätte mich das Buch vielleicht begeistern können, aber mein heutiges Ich möchte dieses Buch in die Ecke klatschen. 2 Sterne wegen einem okayen Anfang und Schreibstil.

 

 

Patricia Schröder: Meeresflüstern 1

  • Coppenrath/cbj Verlag, 416 Seiten
  • Taschenbuch: nur noch gebraucht | Ebook* 7,99€
  • komplett gelesen, Band 2 & 3 nicht

Worum geht’s?
Elodie verlässt ihre Heimat und zieht bei ihrer Tante in Guernsey ein, um den Tod ihres Vaters zu verarbeiten. Immer wieder zieht es sie zum Meer, obwohl sie eigentlich Angst vor dem Wasser hat. Kurz nach ihrer Ankunft wird ein Mädchen tot aufgefunden. Hat die Clique, der Elodie sich anschließt etwas damit zu tun? Und wer ist Gideon, der junge mit den wunderschönen Augen, der vor ihr aus dem Meer auftaucht.

Meine Meinung:51+UfP8NrLL

Ich hab mich vom Cover und dem Meer verführen lassen, das Buch zu kaufen. Es war auch nicht schlecht. Obwohl Protagonistin Elodie unentschlossen, unsympathisch und wankelmütig ist, war die Geschichte ganz interessant. Aber hier wurde zu viel vermixt. Umweltschutz, Ökologie-Thriller, fantastische Elemente, Mordserie, Romantik. Da blieb wenig Platz für Charakterentwicklung. Die Insta-Love mit Gideon war für mich der absolute Killer, denn sie liebt ihn, obwohl sie kaum ein paar Worte wechseln? Und sie verliebt sich auch ein bisschen in den Cliquen Rambo und hängt mit den Leuten ab, obwohl sie fast alle unsympathisch findet und gedanklich ablästert. Und am Ende ist der Tod ihres Vaters scheinbar vergessen, obwohl sie am Anfang noch so sehr darunter gelitten hat?

Auch dieses Buch mahnt wie Blue Secrets twilightesk an, aber während Blue Secrets eine klassische Teenie-Liebesgeschichte mit ein bisschen Fantasydrama aufbaut, wird hier alles mögliche in einen Topf geworfen, dann nur mäßig umgerührt und ich habe so gar keine Lust gehabt, Band 2 und 3 zu lesen. Ein Griff ins Klo, das von mir leider nur einen Seestern erhält.

 

 

Was lernen wir daraus? Gerade bei meinem Lieblingsthema bin ich extrem pingelig. 😂Mir persönlich fällt es immer schwer, Bücher mittendrin abzubrechen und deswegen mache ich das auch sehr selten! 😖 Bei Reihen kommt es öfter mal vor, dass ich nach dem ersten Band kein Interesse mehr habe. Wann habt ihr zuletzt ein Buch abgebrochen?

Titelbild (c) Luke Palmer / Unsplash


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[Rezension] Deutsch sein und schwarz dazu von Theodor Michael

[Rezension] Deutsch sein und schwarz dazu von Theodor Michael

Februar ist Black History Month, der Kultur und Geschichte von Menschen mit schwarzer Hautfarbe gedenkt und feiert. Ein Monat, um sich bewusst zu werden, wie wenig man als deutsche Kartoffel darüber weiß und nur ein Monat für die komplette Geschichte der Menschheit. Ich wollte diese Gelegenheit dennoch dazu nutzen, mich mehr mit dem Thema auseinander zu setzen. Dafür habe ich die Biografie eines Deutschen gelesen, der den zweiten Weltkrieg überlebt hat – wie viele andere Deutsche. Und dessen Geschichte dennoch unbekannt und unwirklich erscheint, weil wir eben über diese Seite der Geschichte kaum nachgedacht haben.

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  • Autor: Theodor Michael9783423348577
  • Titel: Deutsch sein und schwarz dazu – Erinnerungen eines Afro-Deutschen
  • Verlag: dtv
  • Genre: Biografie, Zeitzeugenbericht (224 Seiten)
  • über amazon*: Taschenbuch 9,90€ | Ebook 7,99€
  • über LChoice**: Taschenbuch vor Ort kaufen

 

Worum geht’s?
In diesem Buch beschreibt Theodor Michael sein Leben. Er wurde 1925 als Sohn eines Kameruners und einer Deutschen geboren und wuchs mit seinen Geschwistern in Berlin auf. Er hat viel erlebt, war beim Zirkus, wurde von verschiedenen Familien großgezogen und überlebte den zweiten Weltkrieg mit all seinen Schrecken und Gefahren. Theodor studierte, gründete seine eigene Familie und wirft in dieser Lektüre einen bewegenden Blick zurück als ein Zeitzeuge eines ereignisreichen und zugleich schrecklichen Jahrhunderts.

 

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Meine Katze hat sich sehr gefreut, dass ich das Buch in fast einem Rutsch durchgelesen habe, ohne mich groß zu bewegen. 😉
Meine Meinung:

Mit 224 Seiten ist das Buch wahrlich nicht dick, dennoch ist es schon länger her, dass ich ein Buch innerhalb von 24 Stunden beendet habe.

Theodor Michael beginnt ganz am Anfang bei seiner Geburt und gliedert verschiedene Aspekte und Thematiken seines Lebens in kleine Blöcke von 2-3 Seiten, die sich sehr schnell lesen lassen und trotzdem zusammenhängend sind. Durch den reflektierenden Schreibstil, ständige Andeutungen und Ausblicke auf spätere Ereignisse fliegt man durch die Seiten und möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Ehrlich, schonungslos und ohne unnötige Ausschmückungen schildert Theodor Michael seinen Werdegang, seine Probleme und seine Gedanken. Er wird in Deutschland geboren, spricht deutsch und gerade als kleiner Junge, versteht er kaum, warum er von anderen seltsam beäugt wird. Erst später schämt er sich für die demütigenden Völkerschauen, auf der dunkelhäutige Menschen in Baströckchen als unzivilisierte Wilde zur Schau gestellt werden.

Aber er muss lernen, damit umzugehen. Wie man Polizeikontrollen hinter sich bringt, wie man Situationen deeskaliert, wie man gehorsam ist und möglichst wenig auffällt. Lange muss er Wünsche und Träume zurückstellen. Was für andere selbstverständlich ist, wird ihm meist verwehrt, für vieles muss er kämpfen. Besonders bedrücken und ängstlich stimmen einen beim Lesen die Anfänge und schließlich die Hochphase des Nationalsozialismus und der zweiten Weltkrieg. Zwar entgeht Theodor dem Konzentrationslager, aber er wird in ein Arbeitslager gepfercht und leidet, funktioniert wie eine Maschine, um irgendwie zu leben. Als Leser mag man denken, dass mit dem Sieg der Aliierten der Horror vorbei ist, aber es gibt weiterhin Missgunst, Vorurteile und die harten Nachkriegsjahre hinterlassen ihre Spuren.
Zeitzeugenberichte verdeutlichen eindringlicher als jedes Geschichtsbuch die Auswirkungen großer politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen. Währungsreform, Besatzungszonen – all diese abstrakten Begriffe erwecken mit Theodor Michaels Worten zum Leben und man wird sich der Konsequenzen bewusst, die diese für die einzelnen Menschen hatte.

Theodor hat nicht aufgegeben, er reflektiert, interpretiert und kann durch den zeitlichen Abstand einen nüchternen Blick auf sein schwieriges, aber durchaus schönes Leben werfen. Er schreibt nicht verbittert, voller Hass, sondern hoffnungsvoll und mild. Mild, selbst, im Umgang mit Menschen, die grausam waren und ihm Unrecht taten. Seine Frau und er, seine Kinder und Enkel leben seine Vision. Harmonie bedeutet nicht, niemals zu streiten, sondern den anderen zu akzeptieren und gemeinsam eine Lösung zu suchen. Welche Schwierigkeiten Theodor, seine Geschwister, seine Familie und seine Mitmenschen erleben musste, welche Entbehrungen, Verluste, welche Momente des Glücks – all das bewegt und ist unglaublich interessant und man kann nicht anders, als am Ende der Lektüre vollsten Respekt vor diesem Mann und seinem Leben zu haben.

 

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Es liegt nicht an den Diskriminierten etwas gegen die Diskriminierung zu tun, sondern an den Diskriminierenden und denen, die meist nur zusehen und rumstehen, anstatt sich ein Herz zu fassen und Vorurteilen und Hass mutig entgegen zu treten.
Empathie und einander verstehen ist so wichtig. Sich mit anderen, ihren Gedanken, Schicksalen und Gefühlen auseinanderzusetzen ist nicht immer angenehm oder leicht, aber unumgänglich, wenn man sich persönlich weiterentwickeln will. Und, um zu verhindern, dass Hass, Ausgrenzung, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit erneut in dem Ausmaß um sich greifen wie zu Zeiten des Nationalsozialismus.

Das Buch fesselt durch seine Geschichte und den schmucklosen Schreibstil, jedoch wird Theodors zweite Lebenshälfte weniger ausführlich behandelt. Dabei hätte ich mir gewünscht auch davon etwas mehr zu erfahren, wie es mit den Kindern und seiner Ehefrau Friedel war. Das ist mein einziger Wermutstropfen.

 

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Fazit:

Insgesamt spreche ich für das Buch eine absolute Leseempfehlung aus. In der Schule hing mir der 2. Weltkrieg zwar zum Hals heraus, aber es ist so wichtig, sich stetig mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ehrlich, ungeschönt und dennoch mit der Weisheit eines ganzen Lebens erzählt Theodor Michael seine Geschichte, die stellvertretend für viele Schicksale steht. Auch, wenn es hauptsächlich seine Erinnerungen sind, hätte ich gerne noch etwas mehr über das Leben seiner Kinder und seiner Frau Friedel gelernt und über deren Ansichten und Gefühle. Ansonsten ist das Buch eine interessante, lehrreiche und spannende Lektüre, die sich schnell lesen lässt.

4seesterne

 

 


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[Rezension] Lillesang: Das Geheimnis der dunklen Nixe von Nina Blazon

[Rezension] Lillesang: Das Geheimnis der dunklen Nixe von Nina Blazon

Dieses Buch stand tatsächlich recht lange ungelesen in meinem Regal. Es war ein absoluter Coverkauf. Glitzerschuppen, Meer, ihr dürftet mich inzwischen gut genug kennen. Aber nun habe ich es endlich beendet. Bisher haben mich die meisten Nixen/Meerjungfrau Bücher enttäuscht.

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Konnte Nina Blazon mich mit ihrem Kinder-/Jugendbuch überzeugen? Die Rezension ist wie immer spoilerfrei. <3

  • Titel: Lillesang – Das Geheimnis der dunklen Nixe
  • Autorin: Nina Blazon
  • Verlag: cbt Verlag
  • Genre: Fantasy, Kinder-/Jugendbuch
  • Taschenbuch*: 9,99€ | Ebook*: 8,99€
  • Einzelband, 413 Seiten

 

Worum geht’s?
Die elfjährige Jo fährt mit ihren Eltern nach Dänemark um das Haus ihrer kürzlich verstorbenen Großtante auszuräumen. Von dieser Großtante wusste niemand, denn Jos Mama tut alles dafür, um ihre eigene Vergangenheit zu verschleieren. Aber die alten Fotos im Haus, das Säuseln des Meeres und die düsteren Geschichten über ein Monster in Fischgestalt, das arglose Menschen in die Tiefen des Meeres zieht gehören alle zu einem uralten Geheimnis, das Jos Familie betrifft und sie, ihre neugewonnenen Freunde und ihre ahnungslose Mutter bald in große Gefahr bringen.

 

Meine Meinung:

Nixen, Geheimnisse, das Meer – alles Elemente, die mich unglaublich glücklich machen können. Andererseits erwarte ich mir auch was, von allen Büchern, die sich mit schillernden Schuppen kleiden. Zum Glück hat mich Nina Blazon nicht enttäuscht.

Dass das Buch sich an jüngere Leser richtet merkt man am Alter der Protagonistin Jolanda, die 11 Jahre alt ist. Für eine Elfjährige ist sie aber ziemlich gewieft, trotzdem noch verletztlich und bockig, aber nicht dumm. Das ist angenehm, denn oft stört mich bei Büchern, die auf eine jüngere Zielgruppe zugeschnitten sind, wie dämlich sich die Kinder anstellen.lillesang2

Generell lässt sich das Buch auch als Erwachsener wunderbar lesen, der Schreibstil ist malerisch und fließt sanft dahin wie ein Bächlein. Manche Begriffe werden natürlich extra erklärt, aber das stört nicht weiter.

Ich fand das Buch hatte eine interessante Struktur und war nach einem etwas schleppenden Start sehr spannend. Man wurde in die Geschichte hineigesogen und Nina Blazons schöner Schreibstil sorgte für ein lebendiges Kopenhagen und malerische dänische Standhäuser. Wo man von Nixen spricht, ist auch „Die kleine Meerjungfrau“ von Hans-Christian Andersen nicht weit und das Märchen wurde auf zauberhafte Weise mit der Geschichte verknüpft. Der Plot hat mich begeistert, denn zuerst fürchtete ich, wir würden das Märchen nacherzählt bekommen, aber so war es ganz und gar nicht.
Wie ein Strudel zieht uns die Geschichte in ihren Bann und da ist es leicht, sich aufs Glatteis führen zu lassen, auch wenn man ab der Hälfte schon erkennen kann, worauf es hinauslaufen wird. Die endgültige Auflösung ist dann dennoch traurig-schön und viel wunderbarer geschrieben, als man das erwartet hätte.lillesang3

Ich dachte mir nur an manchen Stellen: „Wow für ein Kinder/Jugendbuch ganz schön düster und bedrohlich.“
Mir hat es sehr gut gefallen, aber für jüngere Leser hat das Buch bestimmt den ein oder anderen albtraumreifen Moment. Ich hab auch als Kind schon gerne gruseliges Zeug gelesen, aber das sollte man als Leser*in definitiv wissen, bevor man das Buch seinem Kind in die Hände gibt. Am Ende dachte ich mir aber, ich würde gerne mehr von Jos, Mads‘ und Julies Abenteuern lesen.

Stellenweise war es ein bisschen ungalubwürdig, was die Kinder so alleine bewerkstelligen konnten, ohne aufzufallen und verhaftet zu werden. Auch manche Dialoge wirkten etwas hölzern und erzwungen.

Ansonsten bin ich mit dem Buch aber rundum zufrieden und ich muss es einfach nochmal sagen: Es. ist. so. schön. Diese glitzernden Schuppen machen das gebundene Buch einfach zu einem meiner allerliebsten Buchschätze und es ist einfach nur schön anzuschauen. Ein verträumtes Wasserbuch, nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für alle, die mit dem Thema was anfangen können. Außerdem ist Kopenhagen auf meiner Reiseliste ein ganzes Stückchen weiter nach oben gewandert.

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Fazit:

Auch, wenn mir das Geheimnis schon relativ früh klar wurde, so finde ich nicht, dass man dem Buch Vorhersehbarkeit anlasten kann, denn es hat definitiv einige Irrungen und Wirrungen und bleibt trotzdem spannend. Außerdem ist es eben für eine jüngere Zielgruppe gedacht. Die Märchenanspielungen, die schönen Beschreibungen und der wunderbare Plot machen dieses Buch für mich zur perfekten Badewannen-Blubber-Lektüre. Einen klitzekleinen Abzug gibt es aber für ein paar kleine Ungereimtheiten.

4,5seesterne

Weitere Stimmen zum Buch:


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[Rezension] Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal (Teil I) von Robert McCammon

[Rezension] Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal (Teil I) von Robert McCammon

Dieses Ebook habe ich bei NetGalley angefragt, weil es sich ziemlich spannend anhörte. Danke an NetGalley also für dieses Schätzchen! Aus dem Klappentext wurde nicht ganz ersichtlich ob es in diesem Buch tatsächlich fantastische Elemente gibt. Und nachdem ich Teil I gelesen habe, tappen auch wir Leser noch im Dunkeln. 😉


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  • Titel: Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal Teil I
  • Autor: Robert McCammon
  • Verlag: Luzifer
  • Genre: historischer Krimi, Thriller
  • gebunden*: 19,95€ | Ebook*: 7,99€
  • Reihenfolge: Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal Teil I; Teil II. Im Englischen gibt es bereits mehrere Teile der Matthew Corbett Reihe. „Speaks the Nightbird“ (auch anfangs Teil 1 und 2, inzwischen Doppelband) wurde in Deutschland in Teil I und Teil II gespalten.

 

Worum geht’s?
Die neue Welt – Es ist noch nicht lange her, seit Amerika besiedelt wurde. Die kleinen Kolonien haben es schwer, auch wenn sich einige Hafenstädte bereits etablieren konnten. 1699: Richter Woodward und sein Gerichtsdiener Matthew Corbett werden ins düstere Fount Royal gerufen. Es gab zwei Morde, viele Brände und Missernten. Die Dorfbewohner sind sich einig: die Rachel Howarth ist schuldig, denn sie ist eine Hexe des Teufels, die das Dorf verflucht hat! Im Dorf stoßen Woodward und Corbett auf viel Aberglauben, allerlei Geheimnisse und widersprüchliche Aussagen. Auch haben die Hexenprozesse von Salem Wellen geschlagen – es herrschen in Fachkreisen viele Zweifel an der Existenz von Hexen. Doch vieles spricht gegen die junge Frau. Als der Richter krank wird, droht die Situation zu eskalieren. Matthew glaubt an Rachels Unschuld, doch das Holz für den Scheiterhaufen wird bereits gefällt…

Vorweg noch eine kleine Triggerwarnung (Bereich zwischen den Strichen markieren, um zu lesen): | In dem Buch gibt es Szenen und detaillierte Beschreibungen von den Krankheitszuständen (Beulenpest) der Menschen und Schlachtungen z.B. von Schildkröten, sowie relativ explizite Sexszenen mit „Tieren“ bzw. dem „Teufel“. |

 

Meine Meinung:

Als ich das Buch anfing war ich zuerst etwas erschlagen von den vielen Beschreibungen. Kutschen, Kleider, Umgebungen und Leute. Was anfangs noch etwas störend war, wurde jedoch immer besser in die Geschichte eingewoben. Wir befinden uns in einer anderen Zeit. In der Kolonialzeit in Amerika – noch geben sich die Indianer den englischen und spanischen Kolonialisten nicht geschlagen. Es gibt kein elektrisches Licht, keine Züge – nur Kutschen und Kerzenlicht. Und das Wetter in Fount Royal mutet so trüb an wie man sich einen regnerischen Tag in London vorstellt. Kaum kommen Matthew Corbett und Richter Woodward an ihrer ersten Wegstation an – einem Farmhaus, in dem sie vor einem Unwetter Schutz suchen wollen – hat mich die Geschichte in ihren Bann gezogen. Von da an, ging es rasant weiter, obwohl sich viel Zeit beim Erzählen gelassen wurde. Fount Royal, die verschiedenen Einwohner und die Spannung bauen sich unglaublich auf. Es dauert einige Zeit bis wir das erste Mal auf die Frau treffen, die der Hexerei beschuldigt wird. Wir bekommen vom Bürgermeister, vom Lehrer, vom Arzt und von den Dorfbewohnern bereits viele Informationsschnipsel zugeworfen. Wem kann man glauben, wer hat einfach zu tief ins Glas geschaut und wer lässt sich von der allgemeinen Panik anstecken? Den Reverend und ihren Mann soll sie ermordet haben – was niemand gesehen hat.

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Gesehen haben wollen sie nur einige Leute beim Akt mit abscheulichem Wesen und dem Teufel. Heutzutage würde man vermutlich einen Drogentest bei den Leuten machen. Aber damals war es anders. Und tatsächlich – die Geschichten decken sich auf unheimliche Weise. Aber nur aufgrund von Aussagen eine Frau zum Scheiterhaufen verteilen? Mich hat das Thema sehr berührt und aufgewühlt und ich war dankbar für Richter Woodwards kühlen Kopf und Matthews Neugier und klaren Verstand, sonst hätte ich den EReader in der Mitte zerrissen. Die Aberwitzigkeit, die Ungerechtigkeit macht uns wütend und wir fiebern mit Matthew mit und beten, dass er einen Hinweis findet, diese Frau zu entlasten. Nicht alle im Dorf sind gegen sie, aber je mehr Informationen ans Licht kommen, desto leichter fällt es zu glauben, dass es in Fount Royal wirklich nicht mit rechten Dingen zugeht. Der drohende Scheiterhaufen und die kleinen Informationskrümel, die uns teilweise neue Fragen aufwerfen, die schreiende Ungerechtigkeit und der Wunsch zu wissen, was wirklich passiert – all das verstrickt der Autor zu einem unglaublich spannenden Plot. Bei ca. 40% habe ich auf die Uhr geschaut und mich erschrocken: Es war 3:33 Uhr (kein Witz) und ich hatte ca. 3 Stunden wie gefesselt gelesen. Dann habe ich mal nachgeschaut wie viele Seiten das Buch hat. Kein Wunder, dass ich erst bei 40% war, es ist ein knapp 500 Seiten dicker Wälzer. Und trotzdem bin ich durchgeflogen wie auf einem Hexenbesen! Huiuiui!

Auch wenn mir die Beschreibung an einiger Stelle weiterhin etwas zu ausufernd waren, ich war spätestens nach den ersten beiden Kapiteln wie gefesselt, so spannend war das Buch. Teilweise ziemlich erschütternd, einfach durch die direkten, ungeschönten Beschreibungen von Krankheiten und Hygienezuständen. Matthew Corbett, der Titelheld, ist ein neugieriger Bursche. Er ist ehrenhaft und aufrichtig, beinahe schon ein wenig zu sehr. Aber er macht Fehler, vergisst Dinge und kommt zu falschen Schlüssen – was ihn umso sympathischer macht. Richter Woodward wirkt anfangs eher wie eine Witzfigur, aber wir merken, dass er ein kluger, besonnener Mann ist, der mit seinen eigenen Dämonen kämpfen muss. Dann gibt es noch den furchtbaren Bürgermeister und Gründer von Fount Royal, Bidwell, dem man einfach die Schaufel ins Gesicht kloppen möchte – aber auch er wirkt in sich stimmig. Die Charaktere sind interessant und vielfältig, nur manchmal vergaß ich bei den vielen Namen, wer gemeint war.

Janna sollte das lesen!“, hab ich mir zwischendurch gedacht. Düster und absolut spannend.

Auch das Cover ist ansprechend gestaltet. Zwar ist die englische Originalversion in einem Band gefasst, aber ich finde es nicht schlimm, dass der Luzifer Verlag die Geschichte auf zwei Teile aufgespalten hat. Nur der Cliffhanger macht eben Lust auf mehr, denn wir sind mittendrin, als Teil I endet. Nicht so, dass ich anfgefangen habe zu weinen und mein Herz aus der Brust sprang, aber so, dass ich mir direkt Teil 2 kaufen will… immer ein gutes Zeichen!

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Mein Fazit:

Was soll ich sagen: wir haben glaubwürdige Charaktere, ein interessantes, gut recherchiertes Setting, sehr viel Spannung und eine mitreißende Geschichte. Manchmal war der Schreibstil etwas ausschweifend, aber alles in allem, kann ich kaum mäkeln, weshalb ich guten Gewissens 5 Seesterne vergeben kann.

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Andere Stimmen zum Buch:

 


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[Rezension] Shadow and Bone von Leigh Bardugo

[Rezension] Shadow and Bone von Leigh Bardugo

Das Lied der Krähen“ war 2017 in aller Munde. Ich habe es auch hier liegen und möchte es unbedingt lesen. Es spielt in einer russisch-skandinavisch angehauchten Fantasywelt von Autorin Leigh Bardugo, in der es sog. „Grisha“ gibt, die magische Fäigkeiten haben. Im englischen wird dieses Universum als „Grishaverse“ bezeichnet. Zwar lässt sich die Krähen-Duologie unabhängig lesen, aber es wurde mir mehrfach empfohlen, die ursprüngliche Trilogie um Alina Starkov zu lesen. Spätestens nach dem Interview mit Leigh Bardugo bei Bookplanetarium war ich ziemlich angetan.

In der heutigen Rezension geht es um „Shadow and Bone“ von Leigh Bardugo.

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Ich habe mich selbst zu Weihnachten mit einem wunderschönen Schuber* beschenkt (Leider sind die deutschen Hardcover so gut wie vergriffen und Band 3 erschien nicht als Taschenbuch, weshalb ich zur englischen Variante gegriffen habe). Dem Schuber liegt außerdem ein Poster mit der Weltkarte bei.


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Da ich die Bücher auf Englisch gelesen habe, sind mir nicht alle deutschen Begrifflichkeiten bekannt. Ich hoffe, das ist nicht allzu schlimm.

Worum geht’s?
Eine an Russland und Skandinavien angelehnte Fantasy-Welt. Es gibt normale Menschen und die magisch begabten Grisha. Alina und ihr Freund Mal dienen in der Armee des Zars von Ravka. Alina ist Kartografin, Mal ein Fährtenleser. Gemeinsam mit ihrer Einheit sollen sie die Ödsee – ein schattenhaftes, verfluchtes Meer voller Monster – überqueren. Die Überfahrt ist gefährlich und schwächt das von Feinden umgebene Land. Dennoch wagt die Einheit einen Versuch und gerät prompt in Schwierigkeiten. Alina entdeckt in ärgster Not eine besondere Fähigkeit – könnte sie selbst eine Grisha sein? Noch dazu eine, der es gelingen könnte den Schattenriss zu verschließen. Ein mächtiger Grisha im Dienste des Zaren, den alle nur „Den Dunklen“ nennen nimmt Alina direkt mit zum Hof, um ihre Fähigkeiten zu trainieren und sie zu stärken. Zuerst ist Alina von den schillernden Veränderungen am Zarenhof und ihrem Schicksal nicht überzeugt, aber sie beginnt ihr Herz nicht nur für Veränderungen zu öffnen. Doch kann sie dem Dunklen wirklich vertrauen? Wird es ihr gelingen die Ödsee ein für alle mal zu schließen und ihr eigenes Land zu retten? Und was geschieht mit ihrem Sandkastenfreund Mal, von dem sie seit ihrer Abreise nichts mehr gehört hat?

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Meine Meinung:

Ich fühlte mich sofort in den Bann der Welt gezogen. Leigh Bardugos Schreibstil führt einen sanft in die Geschichte hinein, die Welt wird sachte aufgebaut und im Verlauf erklärt. Nur manchmal musste ich zur Karte und einer Liste mit Begriffen zurückblättern, um nachzusehen was genau gemeint war.

Die Geschichte klingt runtergebrochen unspektakulär: Mädchen, das in Jugendfreund verliebt ist, entdeckt mächtige Kräfte und wird an den Königshof gebracht, wo sie lernt und über sich hinauswachsen muss. Dort gibt es neue Bekanntschaften, Intrigen und Gefahren und einen weiteren Kandidaten, der ihr Herz stehlen könnte. Je näher die Entscheidungsschlacht rückt, desto mehr Verschwörungen tun sich auf.

Leigh Bardugo schafft es, dieses schlichte Fantasy-Setting in ein schickes Gewand zu verpacken. Dennoch ist die Grundgeschichte nicht unbedingt der stärkste Punkt des Buches, denn es bleibt anfangs zu seicht, zu „Kleine-Mädchen-Traum-wird-wahr“. Wird man am Anfang direkt mit Alina und Mal in die Ödsee geworfen und muss den schrecklichen Monstern ins Gesicht sehen, so flacht es danach stark ab. Man muss als Leser doch einige mühselige Trainingssequenzen und Hofgeschnatter, sowie Ankleidungsszenen über sich ergehen lassen, ehe es wieder actionreicher wird. Bis zum Finale hin bleibt es dann allerdings spannend und man möchte unbedingt wissen, wie es für Alina ausgehen wird. Der Plottwist war nicht komplett unvorhersehbar, aber ich fand die Umsetzung gut gemacht. Leigh Bardugo scheut jedenfalls nicht davor, ihre Charaktere auch ordentlich in den Dreck zu schubsen und leiden zu lassen. Am Ende bleiben noch einige Fragen offen, die sich hoffentlich in den nächsten Bänden klären. Ich bin jedenfalls heilfroh, den ganzen Schuber hierzuhaben, denn ich habe das Buch in einem Tag durchgesuchtet.

Alina Starkov, unsere Protagonistin, ist ein Waisenmädchen, das heimlich in ihren besten Freund Mal verliebt ist. Sie denkt, sie sei mehr als nur gewöhnlich, lässt sich aber davon nicht einschüchtern, sondern geht ihren Weg als Kartografin der Armee des Zaren. Sie ist jung und ein wenig naiv, aber weder strunzdumm, noch total überlegen, als sie ihre besonderen Kräfte entdeckt. Einfach irgendwie angenehm. Sie wird vom Dunklen, vom Zaren und vielen als Heldenfigur instrumentalisiert und findet das anfangs gar nicht so unangenehm. Vom Tellerwäscher zum Millionär, danach sehnen wir uns alle insgeheim, oder? Alina sagt meistens, was sie denkt, ist dabei aber nicht unsensibel, sondern jugendlich forsch. Zwar hatte ich bis zum Ende nicht das Gefühl, dass ich sie besonders gut kenne, aber sie ist eine Heldin, mit der sich viele junge Mädchen identifizieren können.

Maljen, Alinas Sandkastenfreund, ist ein netter, gutaussehender Kerl. Zuerst bemerkt er Alinas Schwärmerei für ihn nicht. Da er während einem Großteil des Buches nicht direkt vorkommt, bleibt auch er ein wenig blass. In der englischen Ausgabe war jedoch hinten als Extra ein Brief von ihm für Alina angehängt. Er ist ein aufrichtiger, tapferer und guter Kerl, den man gerne und schnell mag. Ich wünsche mir etwas mehr Ecken und Kanten für Band 2!

Der Dunkle ist so gesehen wohl der interessanteste Charakter. Sein Ruf, die Geschichten, die sich um ihm spinnen und die Pläne, die er schmiedet. Dadurch, dass wir nur stückchenweise erfahren, was er will und welche Ziele er verfolgt, wirkt er interessant. Er ist der dunkle, erwachsene Teil, der im Gegensatz zu Alina einen angenehmen Kontrast bildet.
Die Nebencharaktere waren  ziemlich stereotyp. So hatte man bei Hof die klassische, zickige Rivalin, das nette Dienstmädchen, einige Alibi-Freundinnen und urige Lehrmeister. Der Antagonist gefiel mir gut, so machten seine Handlungen und Ziele durchaus Sinn, sind aber moralisch fragwürdig, genau wie seine Methoden.

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Wenn man nur die Charaktere und die Grundgeschichte nimmt, dann hat man ein mittelmäßiges Buch. Aber ich möchte euch den größten Pluspunkt nicht vorenthalten: Das Setting und den Weltenbau. Die Welt ist detailreich, die Schnipsel über Magie, über Verstärker, Folklore und verschiedene Grisha-Fertigkeiten machen dieses Buch zu einem besonderen Schmankerl. Die Karten, die Topographie, die Länder – alles ist gut durchdacht und nicht nur als Kulisse für eine Liebesgeschichte hingeklatscht worden. Wir haben nicht die klassischen Elfe-Zwerge-Drache-Fantasy Welt, sondern etwas ganz Eigenes. Eine Welt, die ähnlich wie Hogwarts oder Mittelerde, einzigartig fantastisch ist und Lust auf Mehr macht. Politische Beziehungen, gesellschaftliche Phänomene wie das Verehren von Alina als Heilige aufgrund ihrer Fähigkeiten – all das sind kleine Details, die die Welt zum Leben erwecken und es so unfassbar spannend machen. Die Welt lebt und interagiert mit den Charakteren. Anders als z.B. bei „Throne of Glass“ oder „Auf immer gejagt“ hatte ich hier das Gefühl, dass die Geschichte genau in diesem Setting spielen muss, um zu funktionieren. Für mich ist das bei Fantasy ein gutes Zeichen!

„Shadow and Bone“ war Leigh Bardugos Debut und man merkt ihm sicherlich einige Kinderkrankheiten an, aber ich habe mich vor allem in die wunderbare Welt, in Ravka, die wahre See, in Fjerda und Kerch verliebt. Der Schreibstil liest sich flüssig, ist angenehm und abwechlslungsreich. Spannende Szenen und Kämpfe könnten für meinen Geschmack durchaus noch etwas knackiger werden, aber ansonsten habe ich nicht mehr viel zu meckern. Neben Sarah J Maas ist Leigh Bardugo eine der gefeierten Fantasy-Autorinnen des aktuellen Jahres – der Auftakt zu beiden Reihen hat mir gut gefallen und ich kann trotz einiger Minuspunkte bei Shadow and Bone nicht weniger Seesterne vergeben als bei Throne of Glass. Denn bisher gefällt mir Leigh Bardugos Welt und die Geschichte besser! Schnell, wo ist Band 2?

Fazit:

Die Geschichte ist eine klassische Helden-Romantasy-Reise ohne groß mit den Erwartungen zu brechen. Das Buch als Ganzes hat mich aber komplett abgeholt, was nicht zuletzt an Leigh Bardugos tollem, flüssigen Schreibstil liegt. Umgehauen hat mich die umfangreiche und liebevoll gezeichnete Fantasy-Welt, die Leigh Bardugo hier erschaffen hat. Eine Welt, die inspiriert und zum Träumen anregt. Weltenbau der ganz großen Art! Ich habe unglaublich Lust auf weitere Bücher aus dieser Welt und sehe sehr viel Potenzial für weitere Geschichten aus dem Grisha-Universum. Eine klare Leseempfehlung für Fantasy-Fans!

4,5seesterne

Weitere Stimmen zum Buch:


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