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Märchensommer: Die kleine Meerjungfrau – How it should have ended

Märchensommer: Die kleine Meerjungfrau – How it should have ended

Märchensommer: Die kleine Meerjungfrau – How it should have ended

~Dies ist eine Station der Märchensommer Märchenrallye von PoiSonPaiNter~

Vermutlich alle kennen das Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ von Hans Christian Andersen oder irgendeine Adaption z.B. die Disney Version „Arielle“. Man könnte meinen – ich als absoluter Nixen, Meerjungfrauen und Fisch-Fan – liebe dieses Märchen. Aber nein. Eigentlich finde ich das Märchen ziemlich beknackt. Die Originalfassung ist traurig und endet mit Meerschaum, während die Disney Variante natürlich ein Happy End schafft. Eine Lernkurve erkenne ich bei unserer Protagonistin in beiden Fällen nicht wirklich. Mehr Reue als eine wirkliche Erkenntnis.

Während die Meerhexe Ursula in der Disneyversion ganz klar die böse Strippenzieherin ist, spielt die namenlose Hexe in der usprünglichen Fassung eine helfende Rolle. Natürlich ist sie mächtig und furchterregend, aber sie braut der kleinen Meerjungfrau den Trank und hält sich danach aus der ganzen Sache raus. Für mich ist es Geschichte über unerwiderte Liebe, Missverständnisse und auch über kopfloses Handeln. Es gibt aber auch zahlreiche sehr tiefschürfende Interpretationen, die einen Bezug zum Autor selbst ziehen.

 

asst uns zusammenfassen:

 

 

Die kleine Meerjungfrau scheitert. Ein junges Mädchen ist verknallt in einen Jungen, den sie nicht kennt. Um ihm näher zu sein, gibt sie fast alles auf und verliert jeglichen Kontakt zu ihrer Familie und ihren Freunden. Sie beobachtet den Jungen und versucht, ihm nahe zu sein, aber er erwidert ihre Gefühle nicht. Der Preis, den sie deswegen bezahlen muss, ist ihr Leben. Und sie zahlt ihn.

Mich frustriert diese Geschichte mehr als das sie mir gefällt. Auch, wenn sie natürlich zum Nachdenken anregt. Wie viel bist du bereit für deine Träume zu opfern? Aber ich bin ja zum Glück Autorin, also kann ich mir dieses Märchen zurechtschreiben. Ganz im Stil von How it should have ended“ – auf deutsch quasi „Wie es eigentlich hätte enden sollen„.

 


Die kleine Meerjungfrau (How it should have ended)

I.

Manchmal in den frühen Morgenstunden oder wenn die Sonne gerade m Horizont verschwunden war, tauchte die kleine Meerjungfrau aus den Fluten auf. Sie schwamm an der Küste entlang und sah dem Treiben zu. Fischerbooten, die mit der Sonne aufs Meer hinausfuhren und abends mit einem reichen Fang wieder anlegten. Auf den Klippen über dem Strand sah sie die Umrisse der großen Stadt. Der Ort, an den sie den Prinzen getragen hatten, den sie vor wenigen Wochen zwischen tosenden Wellen und krachendem Donner an den Strand gezogen hatte. Er wusste nichts von ihr und sie wusste nichts von ihm. Doch die kleine Meerjungfrau wollte mehr über ihn und seine Welt wissen. Sie malte sich oft aus, während sie zwischen Steinen sehnsüchtig zur Stadt empor sah, wie sie gemeinsam am Strand sitzen und über die Welt der Menschen sprechen würden.

Als sie den jungen Mann eines Tages am Hafen sah, wollte sie ihr Glück kaum glauben. Wieder bestieg er ein prächtiges Schiff mit reichen Verzierungen und perlweißen Segeln. Die kleine Meerjungfrau folgte dem Schiff, lauschte dem gluckernden Wasser, das Gesprächsfetzen an ihr Ohr trug. Abends wurde an Bord Musik gespielt und gesungen, die Brise trug fremdartige Düfte zur Nase der kleinen Meerjungfrau. Vorsichtig steckte sie den Kopf aus dem Wasser und sah hinauf wo das Licht noch schien, obwohl es finstere Nacht war und die Wolken die Sterne verdeckten. Jemand seufzte schwer und lehnte sich über die Reling. Die kleine Meerjungfrau sank tiefer, damit sie bis zur Nasenspitze im Wasser war. Angestrengt versuchte sie in der Dunkelheit das Gesicht des Menschen auszumachen. Als ihn jemand von hinten ansprach, wandte er das Gesicht und die Laternen beleuchteten seine Gesichtszüge.

II.

Der kleinen Meerjungfrau sprang das Herz in der Brust wie ein junger Vogel. Doch als eine Frau neben ihn trat, stürzte der Vogel aus dem Nest und blieb wie tot auf der Erde liegen. Es war eine Menschenfrau mit schönem Haar und einem liebreizenden Gesicht. Ihr Lächeln erstrahlte wie die aufgehende Morgensonne. Und der Prinz sah sie mit der Hingabe an, mit der die Menschen die Sonne anbeten. Als wäre sie sein Heil, sein Lebensquell, sein Sinn. Tränen stiegen der kleinen Meerjungfrau in die Augen, ihr Herz schmerzte als wäre es schutzlos in der Mittagshitze verbrannt. Doch sie schluckte ihre bösen Gedanken hinunter. Sie fasste einen Entschluss und tauchte tief hinab. Tiefer noch als der Palast ihres Vaters, des Meereskönigs, lag. Tiefer als der Garten mit den versunkenen Schätzen und Statuen. So tief, dass die Dunkelheit nur von einzelnen Meeresgeschöpfen mit funkelnden Augen und leuchtenden Körper unterbrochen wurde. So schwarz, dass sie sich nicht sicher war, ob es noch Wasser oder schon Tinte war.

Säuselnd sangen ihr dunkle Stimmen den Weg, flüsterteten ihr zu, sie möge ihre schrecklichsten Gedanken wahr werden lassen. Doch die kleine Meerjungfrau schwamm unbeirrt weiter, folgte dem Pochen ihres Herzens, das unerbittlich weiter schlug und schmerzte, auch wenn sie es dafür verdammte. Das Wasser wurde immer dicker und schwerer, das Seegras griff mit langen dunklen Fingern nach ihr. Die leuchtenden Fische sahen nicht mehr aus wie lebende Wesen, sondern wie Gespenster, seltsam verformte und verzerrte Schatten von wirklichen Wesen. Eine Strömung erfasste die kleine Meerjungfrau und sie ließ sich treiben, tief in den Schlund eines Berges, der so finster war wie das Wasser selbst.

III.

In der Höhle der Meerhexe wuchsen sanft leuchtende Algen, die alles in ein schummriges Licht tauchte. Wahrheit und Träume schienen in den Rauchschwaden zu verschwimmen, die vom Kessel der Hexe empor stiegen.

„Du bist wieder hier. Ich weiß schon, was du willst, Liebes. Ich werde nicht weiter versuchen, dich von dieser törichten Idee abzubringen. 300 Jahre im Meer gegen die begrenzte Lebenszeit eines Menschen. Sei bereit, den Preis zu zahlen.“

Die Stimme der Meerhexe hallte von den Wänden wieder und legte sich wie Schlingpflanzen um den Hals der kleinen Meerjungfrau. Doch sie straffte die Schultern und reckte das Kinn.

„Ich habe mich umentschieden“, sagte sie mit fester Stimme. Die Meerhexe, die in die Zubereitung ihres Tranks vertieft war, sah überrascht auf. Es war das erste Mal, stellte die kleine Meerjungfrau fest, dass sie eine Regung im Gesicht des alten Wasserweibs gesehen hatte.

„Ich werde das Glück eines anderen nicht zerstören, ich werde mein Glück nicht in die Hand eines Einzelnen legen. Mein Volk weiß nichts von den Menschen und die Menschen wissen nichts von uns. Was man nicht versteht, fürchtet man oder ersehnt man. Ich will mich nicht auch nur einen Tag vor meiner Zeit in Schaum auflösen. Mein Herz ist gebrochen, aber mein Wille ist stark. Ich werde heilen und ich möchte mehr verstehen, ich möchte mehr wissen. Bitte lehre mich deine Kunst.“

IV.

Die alte Meerhexe sah sie einen Moment stumm mit ihren leuchtenden, glibbrigen Augen an. Sie blinzelte, dann warf sie den Kopf in den Nacken und lachte so laut, dass sie Seeschlangen, die sich als Schmuck um ihre Arme und ihren Hals gelegt hatten, aufgescheucht davon schwammen.

„Bist du dir wirklich sicher?“

Die kleine Meerjungfrau nickte und die Meerhexe schwamm auf sie zu, um ihr die Hand zu reichen. „So sei es.“

Und so lernte die kleine Meerjungfrau jahrzehntelang fleißig und wurde zur nächsten Meerhexe. Ihr Ruf eilte ihr über die sieben Weltmeere voraus und sie entpuppte sich als noch weiser und gescheiter als ihre Lehrmeisterin. Doch anstatt sich zurückzuziehen und sich vor ihresgleichen zu verstecken, teilte sie ihre Kunst und ihr Wissen. Als sich ihr Ende näherte gab sie ihre letzten Schätze an die nächste Generation weiter und schwamm empor zur Oberfläche, um in ihren letzten Momenten der roten Abendsonne zuzusehen. Ihr Körper löste sich auf und sie stieg als Schaum empor in den Himmel und weiter hinauf, Frieden in ihrem Herzen.

Ende.


Ich hoffe, das euch dieses kleine alternative Ende gefallen hat. 😉 Um zur nächsten Station zu gelangen, müsst ihr nur die Frage richtig beantworten:

 

Frage: Wen heiratet der Prinz am Ende der kleinen Meerjungfrau?

Die kleine Meerjungfrau

Eine fremde Prinzessin

Die Meerhexe

 

Vielen Dank an die liebe Anne vom Blog Random Poison für die Organisation!

Die Sirenen

Die Sirenen

Habt ihr mein Märchen „Die Sirenen“ schon gelesen? Diese Woche hatte ich keine Lust, mich persönlich vor die Kamera zu stellen, wollte aber trotzdem ein Video machen.

Mein letztes Vorlese-Video ist auch schon etwas angestaubt, was lag also näher, als mein selbstgeschriebenes Märchen zu vertonen? Das Einsprechen und Bearbeiten hat wie immer großen Spaß gemacht und ich hoffe, ihr habt auch viel Freude beim Anhören:

Tüdelü,

eure Babsi

[Märchen] Die Sirenen

[Märchen] Die Sirenen

Habt ihr auch schonmal spontan ein Märchen geschrieben? Nein? Ich auch nicht. Bis heute. Ups?

Als musikalische Untermalung beim Lesen empfehle ich übrigens das Lied hier.


 Die Sirenen

„Folge uns, komm zu uns, komm hinab ins Meer, steig in die Wellen, tauch ein in die Gischt und fisch mit uns nach Perlen. Das Meer ist ein schöner Ort um zu sterben.“

~*~

Es heißt, dass es einst ein junges Mädchen gab, deren Stimme klang wie das Licht der Frühlingssonne auf der Haut. Man sagt sich, dass sie singen konnte wie ein rauschender Wasserfall oder wie ein Tautropfen an einem Grashalm. Ein Mädchen mit einer Stimme so schön wie das Glitzern des Vollmondes auf frischem Schnee. Es war ein Geschenk der Götter, ein Zauber in ihrem Blut. Jeder, der ihren Gesang hörte, ward ganz vernarrt und vergaß über ihre Lieder fast, was er zu tun gedacht hatte.

Wo sie auch war, versammelten sich die Menschen, um ihrer Stimme zu lauschen. Wenn sie einen Jüngling um einen Tanz bat, so konnte er nicht ablehnen, ganz gleich ob er bereits einer anderen versprochen. Wenn sie nach dem Weg fragte, so spannten die Bauern ihre Pferde vor den Karren und fuhren sie dorthin. Doch bald wurde sie sich ihrer Macht gewahr und mit dem Alter und dem Wissen um ihren Schatz, verdarb ihre reine Seele. Bald benutzte sie ihre Stimme nicht mehr, um die Leute zu erfreuen, sondern um sie sich untertan zu machen. Sie raffte Sklaven und Schätze an. Jeder Mann und jede Frau, die sie haben wollte, die folgten ihrer Stimme wie von Sinnen. Sie hatte vergessen die Menschen und die Welt liebzuhaben.

Sie ließ sie fallen wie zerbrochenes Spielzeug und bald entbrannte ein Krieg zwischen denen, die das Mädchen haben wollten, aber sie nicht haben konnten. Die Götter betrachteten dies mit Sorge und hofften, das Mädchen würde ihre Stimme nutzen, den Krieg beizulegen. Doch sie lachte nur über deren Torheit und ihr Lachen war glockenhell, sodass sich die Soldaten mit freudigen Gesichtern das Messer in die Brust rammten. Ihr Dorf war ihr nicht genug, bald war ihr das Land nicht genug und sie wollte mit ihrer Stimme noch mehr Macht an sich reißen.

Da stieg die Göttin hinab, die dem Mädchen einst die schöne Stimme in die Wiege gelegt hatte.

„Es ist genug! Deine Stimme führt die Menschen ins Verderben! So verbanne ich dich und deine Nachkommen hinab ins tiefste Meer, wo dich niemand mehr hören kann!“

Und das Mädchen, das inzwischen eine junge Frau war, weinte fürchterlich, doch die Fluten ergriffen sie erbarmungslos an den Schenkeln und rissen sie hinab in die Dunkelheit. Ihre Tränen machten das Meer an jenen Tagen noch salziger. Die Nixen konnten ihre Stimme nicht hören, hatten jedoch Mitleid mit ihr, wie sie auf dem Sand saß, ganz allein und bitterlich weinte. Auch weil sie ein Kind im Bauche trug, das nun niemals die Sonne oder eine Menschenseele sehen würde. Die Nixen schwammen zu ihrer Mutter, der Göttin der Meere, die die Geschichte des Mädchens wohl gehört hatte. Ihr Herz wurde schwer wie ein Stein und die Göttin erbarmte sich ihrer.

„Grolle nicht länger, Mädchen. Meine Fische verkümmern ob deiner salzigen Tränen. Ich erlaube dir, wieder an die Oberfläche zu gehen, wenn du schwörst, nur mir zu dienen und zu huldigen!“

Das Mädchen wischte die Tränen hinfort und versprach der Göttin, ihr zu dienen und zu huldigen. Die Göttin der Meere sprach einen Zauber, damit das Mädchen und ihre Nachkommen den Schwur niemals brechen mögen.

„Du darfst an Land, jedoch immer nur für sieben Tage, dann musst du wieder ins Meer hinab, sonst wird dich die Kraft des Mondes in Sand verwandeln. Ebbe und Flut werden deine Körner auf ewig umwälzen!“

Das Mädchen, das ihre Liebsten schmerzlich vermisste, willigte ein und eilte sogleich zurück an Land. Oh wie glücklich war sie, ihre Liebsten nach all den Jahren wieder zu sehen. Der Krieg war vorbei, es war als wäre mit der Stimme des Mädchens der böse Schleier gegangen und die Leute waren zur Vernunft gekommen. Das Mädchen verbrachte sechs Nächte bei ihren Liebsten. Dort kam ihre erste Tochter zur Welt. Ihr Weinen war so lieblich und süß, dass Leute aus dem ganzen Dorf kamen, um ihr Geschenke zu bringen. Auch das Mädchen war ganz hingerissen und liebte ihr Kind. Am Morgen des siebten Tages ging sie brav zurück zum Strand und verschwand mit ihrem Töchterlein in den Fluten, wie sie es der Göttin des Meeres versprochen hatte.

~*~

Viele Jahre sind seither ins Land gezogen. Das Mädchen hatte viele weitere Kinder, deren Stimmen ebenso schön waren wie die ihre. Jedoch war das göttliche Blut der Kinder verdünnt, sodass nur ihr lauter Gesang, ihr Schreien oder ihr Weinen die magische Wirkung entfalten konnte. Als das Mädchen alt wurde, zog sie in den Palast der Göttin der Meere. Ihre Kinder bevölkerten die See und zollten ihr und der Göttin der Meere Respekt, indem sie mit ihrem Gesang oder ihrem Flehen einige Schiffe mit reichen Schätzen auf den dunklen Meeresgrund schickten, wo sich das Mädchen und die Göttin der funkelnden Schätze erfreuen konnten.

Ende.