Schlagwort: kurzgeschichte

Jessica Iser #ProjektArbeitstitel

Jessica Iser #ProjektArbeitstitel

Jessica Iser #ProjektArbeitstitel

Ich kam bereits in den Genuss eines ihrer Manuskripte testzulesen – und ich will mehr! Heute bei #ProjektArbeitstitel: Jessica Iser!

Hallo, ich heiße Jessica Iser, wurde 1991 in Südhessen geboren und schreibe schon von Kindesbeinen an – das gehörte schon immer dazu und ist fester Bestandteil meines Lebens. Bisher habe ich einige Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlicht, hoffe aber, dass auch bald der erste Roman folgt. Mein Brotjob ist Bibliothekarin, also bin ich auch dort von Büchern umgeben, das Schreiben ist und bleibt aber meine Leidenschaft.

 

Herbstprojekt und andere Projekte

 

Welche Projekte sind gerade in Arbeit? Erzähl uns doch ein bisschen davon!
Im Moment arbeite ich an einem Urban Fantasy-Roman. Viel kann ich dazu noch nicht verraten, aber die zentralen Themen sind Familie, Liebe und ein jahrhundertealter Fluch. Die Geschichte spielt hauptsächlich im Herbst und erstreckt sich über sieben Jahre. Dementsprechend ist es inzwischen schon über 150.000 Wörter stark. Ihr könnt meine Fortschritte auf Social Media unter dem Hashtag #Herbstprojekt verfolgen.

Wie schauen die Pläne für dein Projekt aus?
Aktuell schreibe ich noch an der Rohfassung. Meine selbst gelegte Deadline ist Mitte November 2019. Wenn ich das schaffe, geht es als nächstes in die Überarbeitung mit Testlesern und danach hoffe ich darauf, eine Literaturagentur und/oder einen Verlag dafür zu finden. Sollte das nicht klappen, werde ich die Veröffentlichung als Selfpublisher planen, aber das ist alles noch Zukunftsmusik. Zuerst muss es geschrieben werden!

Magst du uns verraten, was für Ideen evtl. noch in der Schublade schlummern?
Viel zu viele! Aber die Sci-Fi-Cyberpunk-Dystopie oder das Projekt, in dem es um Albträume geht, werden wohl als nächstes das Rennen machen.

Was hast du aus deinen bisherigen Veröffentlichungen gelernt?
Dass Kritik sich nicht immer anfühlen muss wie ein Rückschlag, sondern wie eine Chance. Und man muss manchmal Geduld haben – viel Geduld!

Hast du seit der ersten Veröffentlichung deine Herangehensweise geändert?
Ich finde, Kurzgeschichten sind immer eine gute Möglichkeit, mal in ein anderes Genre „hineinzuschnuppern“, daher mache ich das zwischendurch immer ganz gerne. Was die Herangehensweise betrifft: Früher habe ich kaum geplottet, das Schreiben kam immer so mit dem Flow. Inzwischen brauche ich das aber oft, zumal meine Projekte auch immer länger werden und da muss eine gute Struktur vorhanden sein, um den Überblick zu behalten und Plotholes so gut wie möglich zu vermeiden.

 

Schreiballtag

 

Was ist deine größte Herausforderung im Schreibprozess?
Es gibt immer wieder Phasen, in denen es mal weniger gut läuft mit dem Schreiben. Aber ich glaube, die größte Herausforderung ist immer noch das „Danach“. Sich in der Überarbeitung noch einmal ganz anders mit dem Projekt, an dem man jahrelang gearbeitet hat, auseinandersetzen und bei der Verlagssuche immer wieder hoffen und bangen, ohne an sich selbst zu zweifeln und aufzugeben.

Hast du eine Schreibroutine?
Ich arbeite Vollzeit, also muss ich mich abends und an den Wochenenden ransetzen. Ich bin leider gar kein Morgenmensch, aber eine Nachteule und kann am ehesten bei gemütlichem Licht und guter Musik schreiben. Jedes meiner Projekte bekommt eine eigene Playlist und eine Pinterest-Pinnwand, die sich während des Prozesses mit entwickeln. Das hilft mir, bei Blockaden meine Gedanken auch mal schweifen zu lassen und mir verschiedene Ideen wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Welchen Tipp würdest du deinem Vergangenheits-Ich geben, das gerade mit dem Schreiben anfängt?
Gib niemals auf, aber stress dich nicht so.

 

Motivation

 

Hast du Vorbilder bzw. Menschen, die dich inspirieren und motivieren?
Ein bestimmtes Vorbild gibt es nicht wirklich, ich bewundere viele Autoren für ihre Geschichten, Disziplin und Schaffenskraft. Mich inspiriert vor allem Musik, Natur und Kunst. Außerdem bin ich sehr dankbar für die Menschen, die während des Schreibprozesses „hautnah“ dabei sind, hinter mir stehen und mich immer wieder motivieren, weiterzumachen. Allen voran Lily (http://www.lily-magdalena.de/) – ich weiß gar nicht, was das #Herbstprojekt ohne ihre Unterstützung und Begeisterung jetzt wäre.

Was sind deine Wünsche und Ziele für die Zukunft?
Mein nächstes großes Ziel ist wie gesagt die Fertigstellung meines Manuskripts. Ich versuche mich erst einmal darauf zu konzentrieren, bevor ich konkrete Pläne mache.

Was war dein schönster Autor*innen-Moment bisher?
Puh, schwierig! Es gab schon so viele. Über jede Veröffentlichung habe ich mich gefreut, ebenso wie über die Rückmeldungen der Leser und Testleser. Ich glaube, besonders stolz war ich, als mir ein Lektor schrieb, dass meine Actionszenen immer spektakulär und mitreißend geschrieben seien – die schreibe ich nämlich am liebsten und durch diese Einschätzung von außen, habe ich mich noch einmal darin bestärkt gefühlt, dass ich das gut kann.

Besonders hervorheben möchte ich auch, wie viele wunderbare und talentierte Menschen ich bereits durch das Schreiben kennenlernen durfte. Der Austausch ist immer so wertvoll und zeigt, dass Schreiben kein einsames Hobby ist.

 

Eine kleine Kostprobe…

Aus #Herbstprojekt

Je tiefer Islene dem Fuchs in die Wildnis folgte, desto höher ragten die Bäume über ihr auf. Sie stellte fest, dass sie durch eine Senke lief, die mit einer raschelnden Decke aus tiefrotem und braunem Herbstlaub bedeckt war. Zu beiden Seiten ragten Hügel auf, die ebenfalls vollständig unter Blättern begraben waren. Hier und da ragte eine Baumwurzel aus der Erde und schien mit ihren knorrigen Verzweigungen nach ihr zu greifen. Vor ihr bildeten zwei sich gegenüberstehende Bäume eine Art Bogen über dem Graben. Wie versteinerte Wächter thronten sie stumm und alt über ihr, während sie darunter hindurchging.

Islene wunderte sich über die trocken knisternde Laubdecke – der Herbst schien hier schon viel weiter fortgeschritten zu sein. Noch während sie darüber nachgrübelte, stellte sie fest, dass der Fuchs verschwunden war, und blieb stehen.

„Verdammt.“ Suchend sah Islene sich um und lauschte auf ein Rascheln im Unterholz oder sonstige Geräusche, um das Tier wiederzufinden. Erst da fiel ihr auf, dass es um sie herum ungewöhnlich still war.

„Überhaupt nicht unheimlich“, murmelte sie und beschloss auf der Stelle umzukehren, bevor sie sich hier noch verlief.

Als Islene sich umwandte, sah sie sich einer Wand aus Baumwurzeln gegenüber, die sich von einer Seite der Senke zur anderen erstreckte. Islene keuchte und ein Atemwölkchen wirbelte vor ihr durch die Luft.

„Das kann doch nicht …“ Sie schüttelte ungläubig den Kopf und sah sich in alle Richtungen um, als würde vor ihr doch noch der ursprüngliche Weg auftauchen.

Sie setzte dazu an, den Hügel zu ihrer Rechten zu erklimmen, da fuhr ihr eine melodische Stimme durch Mark und Bein.

„Suchst du etwas?“


Jessica Iser

 

Jessica Iser hat mehrere Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlicht:

  • in Herzgezeiten, auf amazon* kaufen
  • in Briefe aus dem Sturm, auf amazon* kaufen
  • in Sehnsuchtsfluchten, auf amazon* kaufen
  • in Wolfstod, auf amazon* kaufen
  • in Kemet: Die Götter Ägyptens, auf amazon* kaufen
  • in Horror Cocktail, auf amazon* kaufen

 

Eine Übersicht aller Teilnehmer*innen findet ihr bei #ProjektArbeitstitel – Was ist das?


mit * gekennzeichnete Links sind affiliate Links des amazon Partnerprogramms. Falls ihr ein Produkt über den Link kauft, entstehen für euch keinerlei Mehrkosten, ich erhalte jedoch einen kleinen Anteil als Provision.

[Blogtour] Blut gegen Blut 2 von Benjamin Spang

[Blogtour] Blut gegen Blut 2 von Benjamin Spang

Herzlich Willkommen zur Blogtour zu Blut gegen Blut 2 von Benjamin Spang

Werbung unbezahlt

Hallöchen, ihr lieben Süßkekse!

Wie, ihr kennt Benjamin Spang noch nicht? Unerhört! Seine Insta-Stories und Tweets sind  zum Kaputtlachen und machen unfassbar gute Laune. Zufällig ist er auch noch ein sehr guter Autor! Aktuell findet das Crowdfunding zu seinem neuen Dark Fantasy Roman „Blut gegen Blut 2“ statt und für mich war klar: Das muss ich unbedingt auch haben, denn Blut gegen Blut 1 hat mich total begeistert!

Bei mir gibt es im Rahmen der feierlichen Blogtour nicht nur einen Teil des Gewinnspiels, sondern auch eine exklusive Kurzgeschichte!

Warum sollte man das Crowdfunding unterstützen?

Beim Crowdfunding auf startnext könnt ihr euch für euer Geld Dinge vorbestellen, z.B. den Roman als Hardcover oder als Taschenbuch. Für euren Beitrag könnt ihr euch sogenannte „Dankeschöns“ sichern, auch das Ebook, Postkarten, Notizbücher und vieles mehr. Wenn das Fundingziel erreicht wird, kann die Produktion beginnen und ihr bekommt automatisch euer Dankeschön zugesendet, sobald es fertig ist. Sollte das Fundingziel nicht erreicht werden, bekommt ihr euer Geld zurück. Wenn euch keines von den Dankeschöns zusagt oder ihr aktuell nicht so viel Geld habt, könnt ihr einen selbstgewählten Freibetrag spenden oder die Kampagne in den sozialen Netzwerken teilen, liken und verbreiten. Es gibt auch Widgets, die ihr auf euren Blog oder eure Homepage packen könnt.

Die Kampagne:

www.startnext.com/blutgegenblut2


Bruderliebe

von Benjamin Spang (Spin-Off-Geschichte zu “Blut gegen Blut 2”)

 

Ich werde auf dich aufpassen, versprochen!

Das hatte er ihr gesagt.

Aber sein Versprechen hatte er nicht gehalten. Und seit diesem Tag, an dem seine Schwester nicht mehr da war, war er innerlich zerrissen.

Rache war verpönt in der Vereinigung des Feuers, aber er sehnte sich nach ihr. So sehr, dass er den Mistkerlen, die seine Schwester vor einigen Wochen entführt hatten, in diesem Moment auflauerte.

Dryll wagte es, noch etwas mehr über den Felsen zu blicken, um zu erkennen, ob es wirklich nur diese drei Vampire waren, die da mitten im Wüstensand um ein Feuer saßen. Wenige Schritte von ihrem Lager entfernt standen drei Mok. Mit dicken Zotteln behaarte Reittiere, deren Schnauzen man vor lauter Haaren kaum erkennen konnte. Es war in etwa so groß wie ein Pferd und wurde von den Vampiren als Reit- und Zugtier verwendet. Und tatsächlich stand gleich neben den angeleinten Tieren ein Karren aus Holz. Kisten waren darauf zu sehen. Dryll machte sich keine Hoffnungen, seine Schwester dort zu finden und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die drei Vampire am Lagerfeuer.

Sie waren Handlanger von Faedora, einer gefährlichen Frau, die Jagd auf die Kinder der Vereinigung des Feuers machte. Sie hatte seine Schwester und er bekam eine Gänsehaut bei dem Gedanken. Ob sie noch lebte? Ob sie vielleicht in einem Kerker im Unterschlupf dieser Hexe gefangen war? Viel eher war sie bei irgendwelchen Experimenten mit Blutmagie gestorben.

Dryll musste es herausfinden. Er brauchte Gewissheit.

Vorsichtig verließ er seine Deckung, um hinter einen weiteren Felsen zu schleichen, der näher am Lagerfeuer war. Wenn der das Gespräch belauschen konnte, würde er vielleicht herausbekommen, was sie vorhatten.

Neben dem mit der schwarzen Kapuze auf dem Kopf saß einer mit schmalem Gesicht und kurzen, lockigen Haaren. Er zog an einer etwas dickeren Zigarette und bließ den weißen Rauch aus den Nasenlöchern. Dann blickte er zu dem dritten Vampir in der Runde. Groß, muskulös und mit einem vernarbten und entstellten Gesicht. Es sah aus, als hätte man seinen Kopf mit tausend Schwerthieben zerteilt und dann wieder, ungerade, zusammengesetzt. Der Schein des Lagerfeuers tanzte über seine schwulstigen Narben.

“Ständig müssen wir irgendeine seltsame Scheiße machen. Ich meine, was ist das bitte wieder für ein Auftrag?”

“Was genau hast du nicht verstanden?”

“Alles!”

“Wir bringen das Mädchen aus Fotosz zu ihr. Mehr ist es nicht. Also hör auf, dich zu beschweren. Der Auftrag mit den tausend Zutaten, für die wir durch das halbe Land reisen mussten, war wesentlich nerviger.”

“Hoffentlich ist sie wenigstens hübsch.”

“Wir sollen ihr kein Haar krümmen, hat sie gesagt. Also lass deine Finger bei dir, verstanden? Wir finden sie, fesseln sie und liefern sie ab. Fertig.”

Der Vampir zog noch einmal an seiner Zigarette und warf sie dann in die Flammen, bevor er den Qualm genüsslich aus dem Mund pustete.

“Gute Kräuter, muss ich schon sagen. Aus Lunis nehme ich an?”

“Ja, woher sonst? Den Mist aus den anderen Städten würde ich niemals kaufen. Minderwertig und geschmacklos.”

“Wir sollten jetzt schlafen”, unterbrach der Vampir mit der schwarzen Kapuze.

“Gute Idee, schwarzer Mann! Aber erstmal muss ich noch die Wüste bewässern. Vielleicht wächst ja durch meine Pisse hier mal ein Kraut, dass man auch rauchen kann, wer weiß?”

Der Vampir mit den Locken kehrte dem Lagerfeuer den Rücken zu und kam in Drylls Richtung, ging dann eber einige Schritte weiter entfernt hinter einen Felsen, so dass Dryll ihn von seiner Position aus beobachten konnte.

Noch einmal blickte er über die Kante zu den beiden anderen Vampiren am Lagerfeuer. Diese waren damit beschäftigt, ihren Schlafplatz herzurichten, weshalb Dryll seine Aufmerksamkeit auf den richtete, der sich gerade erleichterte. Vielleicht konnte er ihn überzeugen, ihm mehr zu verraten?

Mit bedachten Schritten über den Sand, der hier und da von steinigem Untergrund unterbrochen wurde, schlich er sich von hinten an ihn heran. Er würde einen bestimmten Griff an seine Kehle anwenden, die es seinem Opfer erlauben würde zu sprechen, einen Hilferuf jedoch unmöglich machte.

Nur noch einen Schritt war er von ihm entfernt, lockerte seine Finger, ging in die Hocke und konzentrierte sich für eine Sekunde. Dann sprang er aus dem Stand auf den Vampir, der sich in dem Moment umdrehte und Dryll mit voller Wucht den Ellbogen gegen die Schläfe rammte und ihn in eine tiefe Schwärze schickte.

“Allesamt Stopp!”

Drylls Kopf schmerzte. Er hörte weitere Stimmen, konnte aber nicht entziffern, was sie sagten. Er atmete tief ein und wieder aus. Wo war er? Seine Hände. Er konnte sie nicht bewegen. Seine Füße auch nicht. Durch seinen Mund ging ein Seil, das ihn daran hinderte zu sprechen.

Die Vampire! Die Handlanger Faedoras! Hatten sie ihn gefesselt?

“Sie ist wach, Freunde!”, rief eine Stimme. Es war der Vampir mit den schwarzen Locken, der ihm den Ellbogen gegen den Kopf gerammt hatte.

Aber wer ist Sie?

Dryll öffnete die Augen und versuchte zu realisieren, wo er sich befand. Er brauchte ein paar Sekunden, um zu begreifen, dass er auf einem Karren lag, mit Blick auf die Holzlatten der Außenwand, durch deren Lücken er auf eine grün bewachsene Landschaft blicken konnte. Wo genau sie sich befanden, konnte er nicht sagen, aber auf jeden Fall nicht mehr in der Schwarzen Wüste.

Ein Poltern unterhalb seiner Füße erklang. Dann sprang jemand auf den Karren. Dryll schloss sofort wieder die Augen.

“Finde das Messer, bevor es zu unserem Verhängnis wird!”, rief eine dunkle Stimme von hinten. “Ich traue es der Kleinen ebenso zu wie dem Gykaner neben ihr. Beide würden uns umbringen, wenn sie das Messer in die Finger bekämen!”

“Das wäre noch schön, im Vergleich zu dem, was Sie mit uns anstellen würde, wenn wir gleich mit leeren Händen ankämen”, antwortete eine kratzige Stimme.

Der Vampir ging an Dryll vorbei.

“Hier ist es nicht. Und hier habe ich es auch nicht abgelegt”, rief er. Dann eine kurze Pause. Der Vampir machte weitere Schritte.

“Ich kann euch versichern, dass es nicht hier hinten ist, okay?”, sagte er mit gereiztem Tonfall.

Wenn Dryll sich nicht täuschte, stand der Vampir jetzt genau neben ihm.

“Hey, ihr beiden!”

Er trat ihn leicht mit seinem Fuß, aber Dryll reagierte nicht.

“Ich weiß, dass du wach bist, komm schon. Hältst du mich für so dumm?”

Dryll rührte sich nicht. Solange sie dachten, er wäre nicht bei Bewusstsein, hatte er den Vorteil eines möglichen Überraschungsmoments auf seiner Seite.

“Na gut. Können wir drei uns darauf einigen, dass, wenn ihr mein Messer hier tatsächlich irgendwo hier finden solltet und ihr euch damit befreien könnt und euch in einem passenden Moment von hinten anschleicht, ihr es zuerst mir in den Rücken rammt? Ja? Das wäre sonst wirklich ungerecht meinen beiden …” er machte eine kurze Pause “… Arbeitskollegen gegenüber. “Ich hätte fast Freunde gesagt!”, rief er und lachte laut. 

Jetzt lachten auch die beiden anderen Vampire, während der Typ vom Karren hinabsprang, die Klappe schloss und wieder nach vorne ging.

“Bevor ich euch Bastarde ‘Freunde’ nenne, treibe ich es mit der Hexe!”, sagte er. Es folgte ein knappes Ächzen, was darauf deuten ließ, dass er auf sein Reittier gestiegen war.

Wer war die andere Gefangene? Er drehte sich blitzschnell, in der Hoffnung, es wäre seine Schwester. Doch dann blickte er auf den Rücken einer jungen Frau mit schwarzen, schulterlangen Haaren, die in einem schmutzigen Nachthemd steckte und an der Wand des Karrens gegenüber lag. Sofort drehte er sich wieder auf die Seite mit Blick nach außen auf die vorbeiziehende Landschaft. Wer war sie? Würde sie ihm vielleicht dabei helfen können, die Vampire zur Strecke zu bringen und seine Schwester zu finden?

Doch bevor er diesem Gedanken weiter nachging, musste er sich auf sich selbst konzentrieren. Allem anschein nach waren sie auf dem Weg zu ihr. Zu Faedora, der Bluthexe.

Drylls Pulsschlag beschleunigte. Er konnte sich nichts Schrecklicheres vorstellen, als dieser Frau gegenüberzutreten.

 

In “Blut gegen Blut 2” erfährst du, wie es mit Dryll weitergeht!

 


Gewinnspiel

Hilf Katrina, die richtigen Buchstaben zu sammeln und gewinne 2 x ein fettes “Blut gegen Blut – Paket” mit Teil 1 und Teil 2 als Hardcover sowie vielen tollen Extras!

In welche Richtung drehen sich die Zahnräder?

Gehe vom ersten Zahnrad aus und arbeite dich vor. Dreht sich das Zahnrad mit den beiden Buchstaben nach oben oder nach unten? Notiere den entsprechenden Buchstaben und besuche auch die anderen Blogs, um das Lösungswort herauszufinden!

Teilnahmebedingungen:
Hast du alle Blogs der Blogtour besucht und alle Buchstaben korrekt, ergeben diese ein Lösungswort. Sende dieses an: benjamin.spang@gmail.com. Unter allen Einsendungen wird der Gewinner ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen! Teilnahmeschluss ist der 09. September 2018.


Du willst mehr?

Weitere Kurzgeschichten, Interviews und die anderen Teile des Rätsels findest du bei den anderen der Blogtour:

Unterstütze Benjamin und Blut gegen Blut 2!

Nyktophobie vertont!

Nyktophobie vertont!

Hallo meine Lieben, um meine prüfungsbedingte Rezensionsflaute zu überbrücken, habe ich eine Kurzgeschichte von mir vertont! Ihr findet sie auch zum Selbst lesen hier.

Schaut ihr gerne Youtube Videos? Welches sind eure Lieblingskanäle?

[60 Minuten Geschichte] Nyktophobie (29.07.12)

[60 Minuten Geschichte] Nyktophobie (29.07.12)

Was sind 60 Minuten Geschichten? Nun, es ist eine Art Fingerübung, ein kleiner Marathon für die Kreativität. Es gibt einen Schreibimpuls, ein Thema, ein Bild, einen Satz und dann hat man exakt 60 Minuten Zeit etwas dazu zu schreiben. Dabei geht es nicht zwingend um Perfektion – überarbeiten kann man später – sondern um ein kleines Gehirn- und Fingerjogging. Ich lasse die Geschichten gerne so wie sie sind und korrigiere nur die Rechtschreib- und Grammatikfehler. Genau auf diese Art ist im Jahr 2012 diese Kurzgeschichte entstanden.

Nyktophobie

Ganz plötzlich wurde es kalt im Zimmer. So kalt, dass Emma zu frösteln begann.
Müde blinzelnd setzte sie sich auf. Das Fenster stand offen und der Wind ließ die Gardinen gespenstisch flattern. Schnell tastete sie nach der Nachttischlampe.
Emma war keine große Anhängerin der Dunkelheit. Man konnte nichts sehen und die Finsternis schien einen immerzu in einem bedrohlichen Griff zu halten.
Bedrängung und die Angst, dass etwas in den Schatten lauerte. Ein unbekanntes Unheil.
Meistens versuchte Emma immer so lange wach zu bleiben, dass sie nur wenige Minuten brauchte, um einzuschlafen und nicht allzu lange bewusst in einem finsteren Raum liegen musste.
Obwohl sie inzwischen erwachsen war, schaltete sie immer noch alle Lichter auf den Gängen an. Zu groß war die Angst nachts auf dem Weg zur Toilette. Dabei waren es von ihrem kleinen, aber gemütlich eingerichteten Schlafzimmer vielleicht zwei Schritte.
Manchmal kam sich Emma selbst mehr als nur lächerlich dabei vor, aber auch wenn ihr Verstand ihr all seine logischen Argumente mit Vernunft darlegte, so siegte das Gefühl der Angst, dass immer bedrohlich auf ihrer Schulter zu lauern schien, um genau im richtigen Moment seine Krallen auszufahren und sie um Emmas Hals zu legen.
Mit klopfendem Herzen tappte sie über den kalten Laminatboden hin zum offen stehenden Fenster. Sie schluckte und vermied es aus dem Fenster nach unten zu sehen. Der Wind, sagte sie sich, Der Wind muss es gewesen sein. Dabei war sie sich vollkommen im Klaren darüber, dass das laue Lüftchen, das dort draußen wehte, niemals in der Lage gewesen wäre ihr – zugegeben altes, aber noch nicht derart marodes – Fenster aufzustoßen.
Schnell schloss sie es.
Draußen raschelten die Äste der Bäume und erneut fröstelte Emma.
Ihr war bewusst, dass sie jetzt definitiv nicht sofort wieder einschlafen konnte, also schlüpfte sie in ihre warmen Hausschuhe und begab sich in die Küche.
In einem alten Kessel setzte sie das Wasser für ihren Tee auf. Um sich abzulenken und das Warten angenehmer zu gestalten, setzte Emma sich mit einer Zeitschrift an den Küchentisch und blätterte darin herum. Von ihrem Platz aus konnte sie den Mond sehen. Fast Vollmond. Immer wieder schoben sich Wolken vor den leuchtenden Himmelskörper. Wie hypnotisiert beobachtete Emma das Schauspiel ehe sie jäh aus ihrer Trance gerissen wurde.
Das eindringliche Kreischen des kochenden Wassers hatte Emma erschreckt. Sie seufzte tief, mahnte sich in Gedanken zu mehr Ruhe und altersgerechtem Verhalten – aber trotz allem, sah sie sich noch einmal in der Küche um, ehe sie das Wasser in die Tasse mit dem Teebeutel schüttete, die sie zuvor bereitgestellt hatte.

Nachdem sie ihren Tee getrunken hatte, fühlte Emma sich deutlich besser. Ein warmes Getränk war schon immer eine gute Medizin gegen alle ihre Ängste gewesen. Schon als Kind war eine heiße Milch mit Honig ihr Narkotikum nach schrecklichen Albträumen gewesen. Manchmal hatte sie auch einfach nur geschwindelt, um nachts nochmal mit ihrer Mutter kuscheln und die leckere Milch trinken können.
Die Erinnerungen an vergangene Tage stimmten Emma melancholisch und sie streckte sich ausgiebig. Ihre Mutter war nun schon seit vier Jahren tot. Oder vielmehr verschwunden. Eines Tages war sie einfach wie vom Erdboden verschluckt. Unauffindbar. Zuletzt wurde sie damals von einem Fischer an der Küste gesehen.
Emma konnte sich gut vorstellen, dass ihre Mutter ihrem Vater gefolgt war. Dieser war ein Jahr zuvor an seinem Lungenkrebs gestorben. Emma schüttelte den Kopf. Jetzt wieder ins Grübeln zu kommen, würde ihr auch nicht helfen.
Vor ihrem Schlafzimmer gähnte sie laut in Vorfreude auf ihr weiches Daunenbett, doch sie schauderte erneut. Das Fenster stand wieder offen.
Gerade war der Mond wolkenverhangen und es wurde dunkel im Zimmer. Instinktiv klammerte sich Emma an den Türrahmen und fühlte an der Wand nach dem Lichtschalter.
„Verdammtes Ding, irgendwo muss er doch sein.“, sagte sie zu sich selbst.
Ihre Stimme zitterte und die Härchen an ihren Armen stellten sich auf.
Als sie den Lichtschalter endlich fand, schoben sich auch die Wolken weiter und das Licht des Mondes fiel sanft in den Raum.
Einen kurzen Moment glaubte Emma eine Silhouette am Fenster sehen zu können und sie wich zurück. Doch der Eindruck war sofort wieder verflogen.
„Das ist doch kindisch!“, versuchte sie sich selbst zu beruhigen. Aber so sehr sie sich auch zusammenriss – selbst als das Fenster wieder geschlossen war und sie sich im Licht ihrer Nachttischlampe schlafen gelegt hatte, konnte sie einfach nicht einschlafen.
Es war mehr ein Dämmerzustand. Ab und zu sah sie das Gesicht ihrer Mutter, sah Bilder aus ihrer Kindheit. Ein Blinzeln und schon sah sie wieder ihren Nachttisch.
Die moderne kugelförmige Lampe strahlte ein warmes Licht aus.
Auf dem Digitalwecker waren Zahlen, jedoch war Emma zu müde sich zu konzentrieren und sich die Uhrzeit zu merken. Ein Roman von Agatha Christie lag daneben.
Vielleicht sollte sie nachts einfach keine Krimis mehr lesen?
Gerade als sie wieder dabei war in einen kurzen Traum zu sinken, wieder die Stimme ihrer Eltern vernahm, krachte es.
Binnen Sekunden saß Emma kerzengerade im Bett. Ängstlich starrte sie das Fenster an. Diesmal war der Wind kräftiger, blies die Gardinen höher und wilder in die Luft.
Emma öffnete die Schublade ihres Nachttisches und holte eine Taschenlampe hervor. Es war eine schwere, lange Taschenlampe. Emma umklammerte sie regelrecht, hielt sich daran fest. Wenigstens ein bisschen sicherer fühlte sie sich durch den möglichen Schlaggegenstand.
Sie musste sich jetzt zusammenreißen. Vorsichtig stand sie auf und ging barfuß zum Fenster. Diesmal warf sie einen Blick hinaus, doch unten im Garten war nichts.
Man merkte Emma die innere Unruhe an, denn sie kaute auf ihrer Lippe und tappte von einem Fuß auf den anderen. Ein weiteres Mal schloss sie das Fenster und drehte sich wieder in Richtung Bett.
Die Taschenlampe fiel zu Boden, als sie das laute Pfeifen des Wasserkessels hörte.
Was ging hier vor? Der Kessel sollte leer sein und die Herdplatte hatte sie auch sicher ausgeschaltet.
Kurz schniefte Emma. Die Angst wurde zu Panik. Rasch hob sie die Taschenlampe wieder auf und kramte ihr Handy aus ihrer Handtasche, die auf ihrer Kommode stand.
Sie wählte schon einmal die Nummer der Polizei vor.
Mit langsamen, bedachten Schritten betrat sie den Gang, hielt die Taschenlampe angriffsbereit hoch. Das unangenehme Pfeifen des Kessels hörte nicht auf, aber ansonsten war es still im Haus.
Das Herz pochte laut in Emmas Brust. Sie betrat die Küche, beeilte sich den Kessel vom Herd zu nehmen und begab sich sofort wieder in Angriffsposition.
Doch es blieb still, egal wie lange Emma wartete.
Nach einer gefühlten Ewigkeit legte sie das Handy beiseite und wischte sich über die Stirn, auf der sich Schweiß gebildet hatte. Emma atmete tief durch, schnaufte ein und aus. Und bemerkte einen seltsamen Geruch.
Würzig und seltsam vertraut. War das nicht das Parfüm ihrer Mutter?
Emma wunderte sich und dann fiel ihr etwas auf, was ihr in der Hektik und Anspannung nicht aufgefallen war. Auf dem Küchentisch stand eine Schatulle.
So eine, wie sie ihre Mutter einst gehabt hatte.
Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend trat Emma näher.
Als sie das Kästchen öffnete, kamen ihr die Tränen.
Das war der geliebte Familienschmuck, den ihre Mutter immer wie einen Goldschatz gehütet hatte.

In dieser Nacht konnte ich nicht mehr einschlafen. Wer oder was die Schatulle in der Küche abgestellt hat, habe ich nie herausgefunden. Aber ich danke demjenigen dafür.

[Kurzgeschichte] Was ich noch erledigen wollte

[Kurzgeschichte] Was ich noch erledigen wollte

Was ich noch erledigen wollte

Warnung: Diese Geschichte behandelt sensible, düstere Themen und könnte für einige Leser verstörend sein. Empfehlung ab 16 Jahren.

Genre: Horror

Auch zu lesen auf fanfiktion.de

Schon als ich heute Morgen aufgewacht bin, hatte ich das Gefühl, dass ich etwas vergessen hatte. Etwas Wichtiges, etwas, was ich noch tun wollte. Das nagende, unsichere Zwicken, das einen beschleicht, wenn man in den Urlaub fährt und sich nicht genau daran erinnern kann, ob man den Herd ausgeschaltet oder die Haustür abgesperrt hat. Entweder man fährt zurück oder man beruhigt sich und denkt, es wird schon alles gut sein. Während ich Frühstück machte, grübelte ich noch ein bisschen, aber weil es tagsüber genug zu tun gab, dachte ich bald nicht mehr daran. Heute Abend würden meine Eltern zu Besuch kommen, damit wir gemeinsam Weihnachten feiern konnten. Die meisten Vorbereitungen hatte ich bereits getroffen, den Großteil der Einkäufe erledigt. Den Vormittag über wollte ich mir Zeit nehmen, die Gans vom Metzger abzuholen, die letzten Geschenke zu verpacken und den Baum zu schmücken. Die Beilagen hatte ich bereits vorbereitet, sie mussten nur noch abgewürzt und aufgewärmt werden. Die Gans kam mit einer Würzmischung und brauchte nur im Ofen vor sich hinschmoren.

Ich ging also hinaus zu meinem Auto. Es schneite sanft, jedoch blieb der Schnee nur auf Dächern und in den Vorgärten liegen, sonst schmolz er wieder. Keine weißen Weihnachten, aber besser als nichts. Überall in der Nachbarschaft hingen Lichterketten über den Büschen und Bäumen, in den Fenstern standen Kerzen und Engelfiguren. Die Nachbarskinder tobten ausgelassen im Schnee. Sie konnten kaum erwarten, dass es Bescherung gab.

Der Metzger war sehr beschäftigt, es waren viele Kunden im Laden und die übrig gebliebenen Auslagen waren an der Hand abzählbar. Eine ältere Dame in dickem Mantel verhandelte mit einer Verkäuferin über den Weihnachtsbraten, den eine andere Kollegin im Hintergrund zubereitete.

„Das war eine Bestellung. Es tut mir sehr leid, aber wir haben weder Gans, noch Ente übrig“, entschuldigte sich die Verkäuferin. In ihrem Gesicht lag eine Spur von Bedauern, die langsam einer genervten Schnute wich.

Die ältere Dame zeterte, sprach einen derben Fluch aus und rauschte aus dem Laden. Mit einem Lächeln näherte ich mich.

„Sie wünschen?“, fragte mich die Verkäuferin, wieder ein Lächeln auf den Lippen. Es erreichte ihre Augen jedoch nicht. Sie wollte vermutlich auch nichts lieber als endlich Feierabend machen zu können. Ich sagte ihr, dass ich einen Gänsebraten bestellt hatte und sie schien zufrieden, dass ich kein nerviger Kunde war. Dankend nahm ich die Plastiktüte entgegen, bezahlte und verließ den Laden. Ich mochte Metzgereien nicht wirklich. Der Geruch von Fleisch und Blut ließ in mir immerzu Übelkeit aufsteigen. Die alte Dame von vorhin stand noch auf dem Gehsteig und fixierte die Metzgerei mit bösem Blick. Ein Taxi fuhr vor und ihr wütende Augen erreichten auch mich. Unwohlsein breitete sich in mir aus. Ohne mich aus den Augen zu lassen, stieg sie in das Taxi. Für einen Moment konnte ich mich nicht bewegen. Erst als das Taxi an der Kreuzung abgebogen war, verließ mich das Gefühl der Beklemmung.

Es war doch zu erwarten, dass man auf den letzten Drücker an Weihnachten ohne Vorbestellung nicht erwarten konnte, dass alles auf Lager war.

Zuhause setzte ich heißes Wasser für Kartoffeln auf, holte das tiefgefrorene Gemüse auf dem Tiefkühlfach und schob die Gans in den Ofen.

Ich hatte mir den Schmuck für den Weihnachtsbaum schon ausgesucht, aber die Kisten standen noch oben auf dem Dachboden. Also stieg ich hinauf ins Obergeschoss und ließ die in der Decke eingebaute Leiter nach unten fahren. Irgendwie befürchtete ich immer, die Treppe würde eines Tages einstürzen, wenn ich sie benutzte. Zwar hielt ich Ordnung auf dem Dachboden – ich lebte alleine und hatte nicht so viel Krimskrams – aber unangenehm war es trotzdem. Die Glühbirne, die den Raum mit schwachem Licht erhellte, wackelte immer, wenn man die Leiter hinunterließ oder etwas Schweres bewegte.

Die Kisten waren feinsäuberlich beschriftet. Im Sommer hatte mich der Putzfimmel gepackt und ich hatte hier oben alles sortiert, verpackt und geordnet. Obwohl ich genau wusste, was alles auf dem Dachboden lagerte, erschrak ich jedes Mal vor dem Spiegel in der Ecke, der mit einem Tuch abgedeckt war. Es war ein alter, schwerer Spiegel mit aufwändig verziertem Rahmen. Ein Erbstück meiner Großmutter, das weder zur modernen Einrichtung in meiner Wohnung passte, noch Platz an den Wänden hatte. Aus Nostalgie und in der Hoffnung, ihn vielleicht eines Tages irgendwo für einen guten Preis versteigern zu können, bewahrte ich ihn jedoch auf. Das Licht der Glühbirne flackerte gespenstisch und obwohl ich nicht abergläubisch war, beeilte ich mich die Kartons nacheinander nach unten zu tragen.

Wenn man alleine wohnt, ist man an Stille gewohnt, aber heute lag etwas Unangenehmes darin. Ich schaltete das Radio an und ließ mich von Weihnachtslieder bedudeln, während ich den grünen Tannenbaum mit roten und silbernen Kugeln schmückte. Es war ein dunkles Purpurrot, das mich an Blut erinnerte. Das Silber war kalt und eisig wie Schnee. In der undeutlichen Spiegelung der Kugeln sah ich müde und abgehalftert aus. Ich durfte nachher nicht vergessen, mich etwas zu Schminken. Sonst würden meine Eltern umfallen vor Schreck!

Da fiel mir wieder ein, an was ich mich seit dem Morgen nicht erinnern konnte. Ich lächelte in mich hinein und beeilte mich ein wenig. Die Geschenke packte ich ordentlich ein, legte sie unter den Baum. Im Wohnzimmer dimmte ich die Lichter bis nur noch die LED Kerzen am Weihnachtsbaum leuchteten. Es sah so schön und fröhlich aus. Ich zog mir hübschere Klamotten an, legte ein wenig Make Up auf und deckte den Tisch. Der Ofen piepte und verriet mir, dass die Gans fertig war. Ich nahm sie aus dem Ofen und legte sie auf einen großen Teller. Anschließend garnierte ich sie mit Petersilie und anderen Kräutern. Auch die Beilagen verteilte ich in Schüsseln auf dem Tisch, penibel darauf bedacht, dass keine Spritzer auf die weiße Tischdecke tropften. Ich dachte daran, wie seltsam es ist, Sachen zu vergessen und sich dann in bestimmten Momenten wieder daran zu erinnern. Meine Eltern würden in zehn Minuten kommen. Es blieb mir noch genug Zeit.

Ich ging zur Schublade in meinem Schlafzimmer und holte die Überraschung heraus, dann setzte ich mich an den Tisch, zündete die Kerzen an und hielt sie in meiner Hand.

Meine Eltern hatten einen Schlüssel und würden von selbst reinkommen. Ich schaltete das Licht aus und wartete gespannt im Dunkeln. Mein Herz pochte vor Aufregung bis zum Hals. Ich konnte das Grinsen nicht unterdrücken.

Da hörte ich einen Schlüssel im Schloss. Die Tür öffnete sich.

„Hallo, mein Schatz! Frohe Weihnachten!“, flötete meine Mutter fröhlich, „Oh, hier ist es aber dunkel!“

Sie schaltete das Licht an, da sie im Kerzenschein kaum etwas sehen konnte. Sie war dick eingemummelt und mein Vater, weniger warm angezogen, kam mit roten Ohren und roter Nase hinterher.
„Oh wow!“, sagte er als er den reichlich gedeckten Esstisch sah.

Ich lächelte breit und zog meine Überraschung von meinem Schoß hervor.

Das, was ich noch erledigen wollte.

„Frohe Weihnachten!“, sagte ich und schoss mir mit einer 9mm Pistole ein großes Loch in den Kopf.

[Kurzgeschichte] Der Geschmack von Zitronen

[Kurzgeschichte] Der Geschmack von Zitronen

*pustet den Staub vom Blog*

Der Welttag des Buches ist eine gute Gelegenheit, um diesen Blog wiederzubeleben! Ihr findet die Geschichte auch auf fanfiktion.de und myfanfiction.net

Diese Kurzgeschichte habe ich im Oktober 2015 für einen Schreibwettbewerb geschrieben, der die vielseitigen Schichten von menschlichen Beziehungen als Thema hatte. Leider wurde ich letztendlich nicht ausgewählt – Aber bevor ich den Text in einer Schublade vergammeln lasse, dachte ich mir, ich präsentiere ihn euch.  🙂

Trigger Warnung: Essstörung

Der Geschmack von Zitronen

Das Geräusch der Gabel, die über den Porzellanteller kratzte, ließ Tanja innerlich zusammenzucken. Sie saß ihrer Tochter Sina am Esstisch gegenüber, ihre eigene Portion Fisch mit Gemüse war bereits aufgegessen. Der Teller stand beiseitegeschoben am Rand, es waren nur noch Reste darauf. Sina hatte ihren Blick starr darauf geheftet und schien das Muster der Soße zu studieren als wäre es eine antike Schrift, die es zu entschlüsseln galt. Sie vermied es die Unterlagen für die Klinik anzusehen, die vor ihrer Mutter auf dem Tisch ausgebreitet lagen. Sina hatte sie sich vor dem Essen durchgelesen und sie wortlos zurück auf den Tisch gelegt. Keine Reaktion. Nur bitteres Schweigen. Je länger Tanja ihre Tochter beobachtete, desto mehr fielen ihr in deren Augen und Gesicht die Spuren von Abscheu und Skepsis auf. Wie Sina beim Ausatmen die Nase leicht rümpfte und die Mundwinkel von Minute zu Minute ein wenig weiter nach unten wanderten, die Lippen fest zusammengepresst, die Hand um die Gabel verkrampft.

Tanja schluckte, als sich ihre Blicke streiften und sah rasch wieder auf ihre eigenen Hände. Lange, schlanke Finger, ein bisschen runzliger als noch vor zehn Jahren. Wieder stocherte Sina in ihrem Gemüse, spießte eine Kartoffel auf, wollte die volle Gabel zum Mund führen und legte sie schließlich doch beiseite um einen winzigen Schluck Wasser zu trinken. Tanja, die unruhig ihren Daumen knetete, stieß einen ungeduldigen Seufzer aus. Sie wollte sich um Sinas Willen zusammenreißen, aber die Zeit verging und nichts passierte. Die Uhr tickte, Sinas Gabel kratzte über den Teller und ab und zu knackte der Stuhl. Sie wollte ihre Tochter nicht anstarren und diese damit noch mehr unter Druck setzen, doch ihr Blick wanderte immer wieder zu Sina zurück.

„Ich kann das nicht, Tanja“, zischte Sina ungeduldig – ihre Stimme hart und kalt – legte das Besteck beiseite und rutschte mit ihrem Stuhl ein Stück vom Tisch weg. Seit wann hatte sie wohl aufgehört „Mama“ zu sagen? Wann war diese Lücke entstanden, diese unterkühlte Distanz? Tanja schloss entnervt die Augen, fasste sich an die Stirn und seufzte erneut. Was sollte sie ihr sagen? Tanja sagte immer die falschen Dinge, gab unnütze Ratschläge und traf unwissentlich einen sensiblen Punkt. Dabei wollte sie wirklich nur das Beste für Sina, wünschte sich aus tiefstem Herzen, dass es ihr gut ging und dass sie wieder fröhlich grinsen konnte. Wie jede Mutter es für ihre Kinder gewollt hätte. Aber ihre Worte und ihr Flehen drangen nicht mehr zu Sina durch. Tanja wollte Sina einfach nur an den Schultern packen und schütteln, ihr eine Ohrfeige geben und sie auf ihr Zimmer schicken. Aber das brachte schon lange nicht mehr den gewünschten Effekt. Es gab nur noch Tränen und Schweigen, keine Versöhnung mehr. Sie konnten nicht einmal mehr streiten. Aus Tanjas kleinem, süßem Mädchen war eine junge Frau geworden, die sich längst jeglichen familiären Einflüssen entzogen hatte. Ganz langsam und unbemerkt. Sina hatte mit der Beziehung zu ihren Eltern, vielleicht sogar der ganzen Welt abgeschlossen. Es gab nichts zu sagen.

Doch Tanja hörte nicht auf zu reden und wollte es auch nicht. Denn sie hatte nicht aufgegeben. Auch, wenn es sie innerlich auffraß und ihr den Schlaf stahl. Selbst in den dunkelsten Stunden, in denen es Stimmen in ihrem Kopf gab, die ihr rieten ihre Tochter einfach dem Schicksal zu überlassen und sich um das eigene Wohl zu sorgen – ja selbst dann, fand sich ein kleines, unnachgiebiges Rufen. Sie ist deine Tochter. Du liebst sie und sie liebt dich. Heute braucht sie dich mehr als jemals zuvor. Wenn du sie jetzt alleine lässt, ist der Abschied für immer. Willst du nachher im Sterbebett liegen, zurückblicken und diesen Moment bereuen?

„Ich lass dich nicht alleine, Sina“, erwiderte Tanja.

„Ich hasse dich“, murmelte Sina und schüttelte wütend den Kopf.

„Ich liebe dich, Sina“, Tanjas Augen füllten sich mit Tränen, „Wenn du es nicht mir zu Liebe tun kannst, dann für dich selbst. Du hast doch so viele Träume, du willst studieren und nach Afrika fahren und…“

„Ich kann es nicht!“, unterbrach Sina sie fauchend und untermalte ihre Aussage indem sie jedes Wort extra betonte. Ihre Hände waren zu Fäusten geballt, die Fingerknöchel traten weiß hervor.

Ja, sie hatte Träume gehabt. Irgendwann. Aber etwas war in ihrem Kopf. Etwas, das sie von innen blockierte. Die Welt da draußen überrollte sie. Alle hatten Anforderungen, Vorstellungen, die sie erdrückten und alles aus ihr herausquetschten. Sie fühlte sich wie eine ausgepresste Zitrone. Ebenso bitter gab sie sich nach außen. Genau die Person, der sie am meisten vertrauen wollte, ihre eigene Mutter, drückte unaufhörlich weiter. Jammerte, weinte und gab sich als Opfer aus. Wer spielte denn unfair? Glaubte Tanja etwa, dass Sina nicht bemerken würde, dass sie heimlich Butter ins Essen schmuggelte oder den Tee besonders großzügig zuckerte? Das war doch der wahre Vertrauensbruch! Es machte ihr nichts aus, wenn Leute auf der Straße ihr Aussehen abfällig kommentierten. „Iss doch mal was, Mädchen!“ und „Igitt, schau mal, wie dürr die ist! Man kann ihre Rippen sehen!“

Aber im Moment saß sie ihrer eigenen Mutter gegenüber. „Du willst doch nur dein eigenes Gewissen beruhigen! Aber du kennst mich nicht! Du hast doch keine Ahnung!“, rief Sina und wurde immer lauter. Ihr Körper bebte und war heiß, als würde er gleich explodieren. Sie fühlte sich so unwohl in ihrer Haut, in diesem Leben. Sie wünschte sich, die Zeit anhalten zu können. Wie bei einem Videospiel. Pause. Abbruch. Neues Spiel starten.

„Dann rede mit mir! Erklär es mir!“, flehte Tanja, doch Sina schwieg. Darüber reden – sie hätte es gerne gewollt oder gekonnt. Aber da war dieser Kloß in ihrem Hals, eine verschlossene Tür im Kopf. Das Papier raschelte, als ihre Mutter danach griff. Sie schien sich regelrecht daran festzuhalten. Auf den Unterlagen prangte groß und fett gedruckt das Wort „Fachklinik für Essstörungen“, daneben ein Informationspamphlet mit Bildern von Zimmern mit zitronengelben Wänden und lächelnden, abgemagerten Mädchen. Es war alles zu viel, sie wollte nichts mehr davon sehen und hören. Müde stützte sie den Kopf auf ihre Hände und schloss die Augen. Tanja stieß einen frustrierten Laut aus und stand ruckartig auf.

„Schau mich an, Sina!“, rief sie, kochende Wut in ihrem Bauch und ließ ihre Fäuste auf den Tisch knallen, sodass alles wackelte. Die Gabel rutschte vom Tellerrand und fiel klirrend zu Boden. Sina zuckte nicht einmal.

„Hilf mir doch, Mama“, dachte sie und musste sich auf die Lippe beißen, um nicht laut zu schluchzen. Ihr Magen krampfte sich schmerzhaft zusammen, dabei hatte sie kaum etwas von dem Essen angerührt.

„Warum bist du nur so? Warum kannst du nicht einfach essen? Sieh dich an! Du bist Haut und Knochen! Wenn du nichts isst, wirst du sterben! Was ist nur falsch in deinem Kopf?“, schrie Tanja sie von der anderen Seite des Tisches an. Sina schniefte, wollte aufstehen und gehen, doch Tanja griff über den Tisch nach ihrer Hand. Ihre Finger zitterten und waren eiskalt. Es bedurfte all ihrer Konzentration um nicht weiter zu brüllen. Tanja holte tief Luft, ehe sie weitersprach.

„Es tut mir leid. Ich wollte nicht schreien, Sina. Es tut mir so leid“, wimmerte sie. Sina hob den Kopf und blickte direkt in Tanjas verweinte Augen. Endlich konnte Sina den Kloß in ihrem Hals herunterschlucken. Ihre Lippen bebten, als sie die Hand ihrer Mutter ergriff. Zu viele Emotionen. Sina konnte ihre Gedanken kaum ordnen. Doch inmitten des Chaos, flammte ein kleines Licht auf. Ein „Vielleicht“ inmitten all der Ablehnung und des Widerwillens.

„Ich werde die Papiere unterschreiben. Ich gehe in die Klinik“, sagte Sina.