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[Rezension] Hummeln fliegen auch bei Regen von Andrea Kraft

[Rezension] Hummeln fliegen auch bei Regen von Andrea Kraft

Andrea Kraft: Hummeln fliegen auch bei Regen

Ich hatte das Buch erstmals auf Facebook gesehen. Ich weiß leider nicht mehr wer, aber eine Bloggerin warb für das Buch ihrer Freundin Andrea Kraft, das ursprünglich im Selbstverlag erschien und nun bei Goldmann verlegt wurde. Als ich das Buch beim Bloggerportal entdeckt habe, habe ich es spontan angefragt und ein gratis Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank!


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  • Autorin: Andrea Kraft758_21185_178207_6.jpg
  • Titel: Hummeln fliegen auch bei Regen
  • Verlag: Goldmann
  • Genre: Entwicklunsroman, (ChicLit)
  • 416 Seiten, Taschenbuch: 10€ | Ebook:  8,99€
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Worum geht’s?
Hannah, 35, kämpft mit Depressionen und Angststörungen. Nach einem Klinikaufenthalt hat sie sich frisch von ihrem Ehemann getrennt und versucht nun, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Als sie in einem alten Traumtagebuch blättert, beschließt sie zum ersten Mal ganz alleine in den Urlaub zu fahren und hofft damit, Stück für Stück, ihr Leben zurückzugewinnen. Gelingt es ihr, mit der Vergangenheit abzuschließen?


~Videorezension folgt~

Meine Meinung:

Psychische Gesundheit und mentales Wohlbefinden sind zwei Themen, die mich nicht nur im Studium beschäftigen, sondern über die ich auch gerne lese. Ermutigende Geschichten von Leuten, die am Boden waren und sich zurückgekämpft haben. Vielleicht habe ich einfach schon zu viele Bücher aus dieser Richtung gelesen? „Hummeln fliegen auch bei Regen“ hat bei mir nämlich leider mehr für Augenrollen & Aufstöhnen, als für Aha-Momente & Schmunzeln gesorgt.

Das Buch beginnt damit, das wir einen der spannendsten Teile einfach direkt überspringen: Den Tiefpunkt von Hannahs Psyche und die darauffolgende Zeit in der Klinik. Stattdessen springen wir zu dem Zeitpunkt, an dem Hannah bereits aus der Klinik entlassen ist und sich von ihrem Mann Ben scheiden lässt. Dann fahren wir zur Selbstfindung nach Mallorca, essen Feigen und trinken Kaffee auf einer Finca.

Auch wenn die Depressionen und die Angststörung im Buch durchaus ihren Platz haben, hat man nie das Gefühl, dass Hannah wirklich am Boden oder verzweifelt ist. Wenn sie sich dann irgendwie nach langem Hin und Her doch traut, dann klappt alles eigentlich ganz gut.
Keine schlechte Botschaft! Wären viele Dinge nicht so unglaubwürdig.
Die meisten Umstände des Romans wirkten für mich zu sehr konstruiert: Die geheimnisvolle Fremde Beate, die auf ihrer Toilette sicher ein ganzes Esoterik und Lebensweisheitenbücherregal stehen haben muss. Das Erbe, das es Hannah ermöglicht, sich Auszeiten und unzählige Taxifahrten und sahnige Cappuccinos zu gönnen. Der alte Schulfreund, der super charmante Mails schreibt.

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Hannah als Protagonistin hat mich nicht für sich begeistern können. Anstatt wie 35 wirkte sie ein Teenie-Girl und wusste so gar nicht, was sie wollte oder was ihr gut tat. Sie hat keine eigene Meinung und bleibt blass, ihre Witze zünden bei mir nicht. Trotz ihrer psychischen Belastungen waren ihr Verhalten und ihre Denkweise für mich nervig und auch ihre Vergangenheit konnte bei mir keinerlei Mitgefühl auslösen. Die Konflikte hatten im Buch einfach zu wenig Platz und konnten sich nicht glaubhaft entwickeln und entfalten. Dann verhält sie sich ziemlich dumm, indem sie ihre Medikamente überdosiert und ziemlich oft zu tief ins Glas schaut. Sie möchte sich von den Männern und Fehlern ihrer Vergangeheit lösen und lässt sich mit Lukas und den Mails wieder auf den gleichen Mist rein und „verliebt“ sich natürlich direkt wieder. Es wirkt, als müsste nur, der „richtige“ Mann kommen, dann wären die Probleme wie weggewischt. Außerdem scheint sie nach ihrem Klinikaufenthalt zwar Medikamente zu nehmen, aber keine ambulante Therapie wahrzunehmen oder jemals mit einem Arzt zu sprechen.

Oma Beate war einfach nur seltsam. Sie taucht stalkermäßig an allen möglichen Orten auf, bedrängt Hannah und hält ihr dann stundenlange Vorträge mit Lebensweisheiten, die man in blumigen Geschenkbüchern nachlesen kann, die sich im ein oder anderen Haushalt auf dem Klo finden lassen. Oder bei „nachdenkliche Sprüche“ auf Facebook… Auch, wenn sie für Hannah eine gewisse Mentorenrolle übernahm, klatschte sie uns ihr „Expertenwissen“ lieblos auf den Tisch. Und dann stalkt sie auch noch die Telefonnummer. Okay…! Danke, ich lese dann mal weiter im Klo-Buch.

Hannahs Freundinnen wirkten ebenfalls blass, wie Platzhalter, die bestimmten Klischees entsprachen. Was für lockeren Humor sorgen sollte, sprudelte vor „ChicLit“-Klischees und Fremdschäm-Sitautionen. Ich komme mir selten reif und erwachsen vor mit meinen 24 Jahren – aber im Gegensatz zu diesem chaotischen Vierergespann fühle ich mich wie eine Expertin für „Erwachsenendinge“.DXxDSX0XcAA9QrB

Da ich bereits viele Bücher mit ähnlicher Prämisse gelesen habe, kann ich nicht umhin, ein bisschen zu vergleichen.
Wo „Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner für ein breites Schmunzeln gesorgt hat, war der einzige Gesichtsmuskel der sich beim Humor dieses Buch bewegte, der Muskel, der eine Augenbraue hochzieht. Wenig feinsinnig, sondern mehr im Stile von „Sex and the City“ gackert Hannah mit ihren Freundinnen wie Hühner auf der Stange. Während Matt Haig Lebensweisheiten in philosophische Geschichten einbettet, klatscht uns die Stalker Oma Beate einfach zwei Seiten Text hin, weil sie ja so viel Lebenserfahrung hat. Und eine sympathischere Protagonistin, die trotz psychischen Problemen und Hindernissen ihr Glück findet, gibt es bei „Für jede Lösung ein Problem„.

Letztlich kann ich nur den durchschnittlichen Schreibstil und das niedliche Design des Buches loben. Es lässt sich flott und gut lesen und die kleinen Hummeln am Anfang eines jeden Kapitels sind wirklich putzig. Gegen Ende habe ich die Seiten mehr überflogen als gelesen.

Da ich selbst meinen Roman überarbeite, hatte ich vermutlich ein kritischeres Auge als sonst auf den Schreibstil, aber mir sind viele unnötige Adjektive, überladene Sätze und Redundanzen aufgefallen. Und ein Logikfehler, denn als Beate und Hannah zum ersten Mal gemeinsam Essen ist es Abend und eine Stunde später Nachmittag.

Kurzum: So ziemlich alles, was das Buch transportieren will, haben andere Romane wesentlich besser gelöst. Der Roman von Andrea Kraft ist sicherlich keine schlechte Lektüre, gerade für Leute, die bisher eher weniger zum Thema gelesen haben. Aber: Für mich besitzt es kaum Erinnerungswert und nicht genug Tiefgang. Zudem leider auch nichts, was es einmalig oder besonders machen kann. Schade!

Fazit:

Auch wenn das Buch ganz nette Momente hatte und sich ganz gut lesen ließ – mich konnte es leider nicht überzeugen. Der Humor zündete nicht, die Funken sprangen nicht über. Hannah war für mich keine beeindruckende Frau, die sich mit 35 zurück ins Leben kämpft, sondern geistig auf dem Stand einer kindischen 19-Jährigen. Die Lebensweisheiten, die uns dröge hingeklatscht werden, finden sich an jedem Postkarten-Ständer am Bahnhof und auch die niedlichen Hummeln können das Buch nicht mehr retten. Für mich leider einer der schlechteren Vertreter des Genres.

2seesterne

Weitere Stimmen zum Buch:


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