Schlagwort: horror

[Rezension] Der Cthulhu Mythos von H.P. Lovecraft (Hörbuch)

[Rezension] Der Cthulhu Mythos von H.P. Lovecraft (Hörbuch)

[Rezension] Der Cthulhu Mythos von H.P. Lovecraft (Hörbuch)

 

Dieser Beitrag ist eine Zusammenarbeit mit audible. Ich habe von audible einen Gutschein zur Verfügung gestellt bekommen – Vielen Dank! – und durfte mir ein Hörbuch/Hörspiel aus dem Sortiment aussuchen. Entschieden habe ich mich für einen der Meister des Horrors, gesprochen von David Nathan und Joachim Kerzel: Den Cthulhu Mythos von H.P. Lovecraft!


Anzeige

  • Titel: Der Cthulhu Mythos
  • Autor: H.P. Lovecraft
  • Sprecher: David Nathan & Joachim Kerzel
  • Anbieter: LPL Records
  • Spieldauer: 4 Stunden 27 Minuten
  • Preis: 16,95€
  • auf audible ansehen
  • auf amazon* kaufen

 

Worum geht’s?
H.P. Lovecraft ist neben Edgar Allan Poe wohl einer der bekanntesten Autoren von gruseliger Literatur. Mit Cthulhu, dem uralten Monster aus der See, erschuf er eine Kultgestalt und ein lebendiges Universum. Mächtig, gnadenlos und mit zahlreichen Tentakeln holt sich Cthulhu seine Opfer. In diesem Hörbuch sind einige der wichtigsten Geschichten zu Cthulhu vereint.

Folgende Geschichten sind mit dabei:

  • H. P. Lovecraft: Der Ruf des Cthulhu
  • Robert E. Howard: Der Schwarze Stein
  • H. P. Lovecraft & Lin Carter: Die Glocke im Turm
  • D. R. Smith: Warum Abdul Al Hazred dem Wahnsinn verfiel
  • H. P. Lovecraft: Dagon
  • Christian von Aster: Ein Porträt Torquemadas

 


Meine Meinung:

Auch wenn die historische Person H.P. Lovecraft durchaus umstritten ist, üben seine Geschichten eine gewisse Faszination aus. Warum seine Erzählungen so schaurig sind, habe ich in meinem Beitrag „Buchlabor: Warum Geister unheimlich sind“ genauer analysiert. Besonders schön spukig ist es natürlich, sich ins Bett verkriechen zu können und einfach zu lauschen. Ich hab mich total gefreut, dass ich mir diese Version mit dem audible Gutschein holen konnte.

Auf meinem Blog gibt es ja weniger Hörbücher, was auch damit zusammenhängt, dass ich meistens keine Geduld habe, sieben oder mehr Stunden zuzuhören. Bei der Hausarbeit oder unterwegs habe ich lieber Musik laufen. Aber kurze Hörbücher, Hörspiele oder Podcasts zwischendurch mag ich sehr gern.

Schon ganz lange steht auch diese schmucke Gesamtausgabe* aus dem Fischer Tor Verlag auf meiner Wunschliste (*affiliate Link).

Stimmig…

Joachim Jerzel, 2007 (Foto von Sven Wolter)

Bei Hörbüchern und Hörspielen achte ich auch immer auf die Sprecher*innen. Das Hörbuch wird gesprochen von David Nathan & Joachim Kerzel. Wie vermutlich viele andere mag ich David Nathan unglaublich gerne. Er spricht u.a. Christian Bale und Johny Depp. Man kennt ihn aus vielen Filmen und Produktionen. Joachim Kerzel als Hörbuchsprecher kannte ich vorher nicht. Er ist die deutsche Synchronstimme von Jack Nicholson. Joachim Kerzel und David Nathan teilen sich die Geschichten thematisch auf. Wir beginnen mit einem kurzen Einstieg über Lovecrafts Leben, ehe wir in die Cthulhu Geschichten abtauchen.

David Nathan, 2009 (Foto v. Helen Krüger)

Außerdem ist mir bei Hörbüchern eine „schöne“ Sprache wichtiger als bei gedruckten Büchern. Die poetisch-düsteren Erzählungen von H.P. Lovecraft sind perfekt um von David Nathans ruhiger, angenehmer Stimme gelesen zu werden. Joachim Kerzel hat eine dunklere, rauchigere Stimme, die perfekt zur Düsternis passt. Man schmilzt in die Geschichte hinein!

Mit seiner präziser Sprache, den lebendigen und detailierten Beschreibungen konnte mich Lovecraft schon früh begeistern. Auch in diesem Hörbuch erleben wir sprachlichen Genuss, anspruchsvoll, aber nicht zu abgehoben, um der Geschichte folgen zu können.

Autsch!

Ein Punkt, über den man sich sicherlich streiten kann, ist H.P. Lovecrafts Einstellung zu anderen Ethnien. Natürlich kann man von Autor*innen der Vergangenheit nicht denselben Level an Reflektion und political correctness erwarten wie heute. Dennoch waren manche Formulierungen und Beschreibungen für meinen Geschmack echt heftig. Voll von offensichtlicher Angst und Abscheu gegenüber anderen Kulturen, die nicht den westlichen Vorstellungen entsprechen. Das Mitanzuhören war teilweise mindestens genauso furchterregend wie die Beschreibungen der alten Götter.

Faszinierende Welten

Umso erfreulicher waren die Welten, der Mythos, den Lovecraft gesponnen hat. Die Theorie der alten Götter, die von denen Sternen kamen und unter dem Meer ruhen. So entartet, so fremdartig, dass sie anders bauten, andere Materialien verwendeten und anders kommunizierten. Das klingt ganz stark nach Aliens! Aber wer SciFi nicht mag, braucht keine Angst haben. Klar im Vordergrund steht der Schauer, die Machtlosigkeit der Figuren und die Angst vor dem Wissen, das sie aufdeckten.

Denn wer zu viel über Cthulhu weiß, der findet selten ein glückliches Ende.

Cthulhu inspiriert!

H.P. Lovecraft im Jahre 1915

Die Beschreibungen wandeln von Andeutungen über unaussprechliche Schrecken bis hin zu expliziter Gewalt in „Der schwarze Stein“ von Robert E. Howard, der durch seine Geschichte ebenfalls einen Beitrag zur Alten Götter Welt liefert. Ganz ursprüngliche Fanfiction sozusagen, die dem Original jedoch in Nichts nachsteht.

„Die Glocke im Turm“: Diese Geschichte wurde von Lin Carter nach dem Tod Lovecrafts vollendet. Tatsächlich gefällt sie mir nicht so gut wie die vorangegangenen Geschichten, denen es besser gelungen ist, den Schrecken von kosmischen, übermenschlichen Mächten zu transportieren. Sprachlich lehnt sich Carter stark an Lovecraft an, aber dennoch fehlt mir ein gewisser Funken.

„Warum Abdul Al Hazred dem Wahnsinn verfiel“ von D.R. Smith hat mir weder besonders noch besonders schlecht gefallen. Das Gedankenspiel war interessant, aber die Geschichte war skurril und hat den großen Alten vieles von ihrem Schauer genommen.

„Dagon“ ist insofern interessant als dass es ein früheres Werk von Lovecraft war, das vor dem „Ruf des Cthulhu“ entstand. Sowohl sprachlich als auch von der gruseligen Dichte ist diese Kurzgeschichte etwas ungeschliffener als die späteren Werke. Aber es erleichtert auch, zu wissen, dass selbst Lovecraft mehrere Entwürfe und Jahre brauchte, um sein phantastisches Cthulhu Werk zu schaffen.

Ein Porträt Torquemadas“ von Christian von Aster gewann einen Cthulhu Story Wettbewerb. Die moderne Verbindung mit den historischen Elementen um Cthulhu und die spanische Inquisition, bietet eine interessante Mischung. Offensichtlich orientieren sich Sprache und Geschichte an Lovecraft selbst. Leider hat mich auch diese Geschichte nicht fesseln oder das Fürchten lehren können. Meine Gedanken sind immer wieder abgeschweift und ich musste oft zurückspulen, weil ich nicht aufgepasst hatte.

Fazit:

Insgesamt hat mir das Hörbuch sehr gut gefallen, auch wenn ich lieber mehr Lovecraft Originale gehabt hätte. Die Ausführung war jedoch sehr gelungen. Die musikalischen Zwischensequenzen, die Abwechslung der beiden Sprecher. Alles in allem ein sehr gelungenes Hörerlebnis, das einem schön-schaurige Momente beschert.


mit * gekennzeichnete Links sind affiliate Links des amazon Partnerprogramms. Falls ihr ein Produkt über den Link kauft, entstehen für euch keinerlei Mehrkosten, ich erhalte jedoch einen kleinen Anteil als Provision.

 

 

 

[Rezension] Das Mädchen von Stephen King

[Rezension] Das Mädchen von Stephen King

[Rezension] Das Mädchen von Stephen King

Das letzte Buch, das ich im Jahr 2018 gelesen habe, war „Das Mädchen“ von Stephen King. Für den Meister des Horrors ist das Buch recht kurz und so konnte ich es gemütlich auf einer längeren Zugfahrt lesen.


Anzeige

  • Autor: Stephen King, übersetzt von
  • Titel: Das Mädchen
  • Verlag: Droemer Knaur (Mein Buch ist eine alte Weltbild Hardcover Ausgabe, die nur noch gebraucht erhältlich ist)
  • Genre: Horror
  • 304 Seiten, Taschenbuch: | Ebook:
  • auf amazon* kaufen

Worum geht’s?
Trisha ist neun Jahre alt und geht mit ihrer Mutter und ihrem Bruder wandern. Die beiden zanken sich ständig und Trish versucht, sich rauszuhalten. Sie will in die Büsche pinkeln gehen und dann wieder zu den beiden Streithähnen aufschließen. Doch anstatt zurück auf den Weg läuft sie immer tiefer in die Wildnis. Aber allein ist sie keinesfalls…


Videorezension folgt  

Meine Meinung:

Stephen King hat mich mit Geschichten wie „Carrie“ oder „Sie“ und auch mit seinen Kurzgeschichten bisher immer überzeugen können. „Das Mädchen“ gehört zu seinen dünneren Büchern und spielt mit einer realistischen Angst. Sich im Wald zu verlaufen. Das ist in Amerika mit riesigen unbewohnten Wäldern sicherlich nochmal viel realistischer als in Deutschland, zumal wir kaum Bären, Wölfe oder Pumas haben, die ihren Hunger mit Menschenfleisch stillen möchten.

Ich muss leider sagen, dass mich das Buch nicht wirklich begeistern konnte. Es war ganz spannend, aber normalerweise habe ich nach dem Lesen eines Buches sofort das Bedürfnis, meine Gedanken mit der Welt zu teilen. Bei diesem Buch habe ich die Rezension aber vor mir hergeschoben. Schreibstil und Idee sind gut, keine Frage. Aber ich habe keine wirkliche Beziehung aufbauen können. Weder zu Trisha, noch zum Setting noch zu der ganzen Geschichte.

Mich hat der „Gott der Verirrten“, bei dem man nicht wirklich weiß, ob er übernatürlich ist oder nicht, nicht wirklich gruseln können.

Dabei waren wirklich wieder tolle Sätze und Formulierungen mit dabei:

Die Welt hatte Zähne, und sie konnte damit zubeißen, wann immer sie wollte.

Mit Baseball habe ich nichts am Hut

Eine der Quellen, die unserer Protagonistin immer wieder Kraft gegeben hat, war ihre Leidenschaft zum Baseball. Mit ihrem Walkman hat sie über Radio die Spiele ihrer Lieblingsmannschaft gehört und sich vorgestellt, ihr liebster Spieler wäre bei ihr. Ich bin kein Sportfan, wenn ich mal im Fernsehen Sport schaue, dann aus Zufall oder purer Langeweile. Besondere Sympathien gegenüber Mannschaften habe ich auch nicht. Die vielen Vergleiche, Metaphern und Beschreibungen waren für mich öde und unverständlich.

In den USA ist Baseball ebenso populär wie hierzulande Fußball – dennoch war die Ikonisierung dieses Spielers für mich schwer nachzuvollziehen. Ich hatte als Kind keine „realen“ Helden, meine stammten aus Büchern oder Serien. Während ich Trishs Gedanken und Hoffnungen verstehen konnte, blieb mir doch so der Zugang zu ihr und ihrer Motivation verwehrt.

Konstruktion?

Zwischendurch gab es ein paar Szenen, in denen wir wieder zu den Suchtrupps und Trishas Eltern geschwenkt sind. Diese Szenen waren aber zu kurz, zu lieblos. Sie hätten Potenzial gehabt, die Spannung des Buches zu erhöhen, aber das hat nicht stattgefunden. Stephen King schaut eigentlich gerne tief in die Seelen seiner Charaktere. Hier hat er das aber nur bei Trish getan, die sich abgelenkt hat, um in der Wildnis nicht wahnsinnig zu werden. Ihre kindliche Sichtweise hat einen Filter über die Bedrohung gelegt, die sie leider auch für mich als Leserin gemindert hat.

Fazit:

Dieses Buch von Stephen King ist nicht schlecht. Es lässt sich gut lesen, hat seine Spannung, aber konnte mich nicht fesseln oder nachhaltig zum Nachdenken bringen. Es einmal zu lesen hat gereicht und auch in meinen Gedanken hat das Buch keinen wirklichen Platz eingenommen. Von allen Büchern, die ich von Stephen King bisher gelesen habe, war das hier für mich das Schwächste.

Weitere Meinungen:

 


mit * gekennzeichnete Links sind affiliate Links des amazon Partnerprogramms. Falls ihr ein Produkt über den Link kauft, entstehen für euch keinerlei Mehrkosten, ich erhalte jedoch einen kleinen Anteil als Provision.

[Rezension] Scream Run Die von Tanja Hanika

[Rezension] Scream Run Die von Tanja Hanika

Scream Run Die von Tanja Hanika

Nachdem ich von Tanjas Buch „Zwietracht“ begeistert war, hat sie mir auf dem Litcamp 2017 in Heidelberg ihr Buch „Scream Run Die“ geschenkt. Vielen Dank dafür und entschuldige, dass ich erst so spät dazu gekommen bin, es zu lesen und zu rezensieren.


Anzeige51iq+U8kQAL

  • Autorin: Tanja Hanika
  • Titel: Scream Run Die
  • Genre: Horror, Slasher, blutig
  • 122 Seiten, Taschenbuch: 7,99€ | Ebook: 2,99€
  • auf amazon* kaufen

Worum geht’s?
Milton überfährt auf dem Highway eine seltsame Kreatur. Um den Unfall geheim zu halten, verstaut er das Wesen in seinem Kofferraum und fährt zu seinen Freunden, die eine Hausparty veranstalten. In der Abgeschiedenheit, provoziert von Alkohol und Langeweile, probieren sie Gläserrücken mit einem Ouija Brett aus unds müssen bald erkennen, dass sie von jemandem oder etwas verfolgt werden…


Meine Meinung

Das Buch inklusive Survival Tipps des Killers verspricht eine spannende Hetzjagd auf eine Gruppe Jugendlicher.

Leider war es für mich kein fesselndes Erlebnis. Die 122 Seiten reichen nicht, um eine emotionale Verbindung zu den Charakteren aufzubauen, man leidet und bibbert nicht mit ihnen, sondern zuckt lediglich mit den Schultern, wenn sie aufgeschlitzt werden. Manche Handlungen und Entscheidungen, sowie die Motive des Killers waren auch einfach nicht wirklich glaubwürdig und nachvollziehbar.

Tanja Hanika spielt gezielt mit einigen typischen Horrorfilmklischees – Jugendliche allein zuhaus, Gläser rücken, die durchtrennten Stromkabel, das mysteriöse Wesen im Kofferraum, der maskierte Killer. Bei mir hat das leider aber weder für ein Schmunzeln, noch für Schauer gesorgt.

Ich bin eher der Fan von psychologischem Horror, was nicht heißt, dass ich es nicht auch mal blutig und klassisch mag. Aber bei diesem Buch ist der Funke leider nicht übergesprungen, vielleicht weil ich so viel in diesem Genre unterwegs bin.

Ich hätte mir mehr Zeit gewünscht, die Charaktere kennen zu lernen, mehr Zeit für das Versteckspiel mit dem Killer, mehr von der bedrohlichen Atmosphäre und Ausweglosigkeit oder noch blutigere Kills. So bleibt das Buch leider für packenden Psychohorror zu harmlos und für einen gedärmereichen Slasher zu seicht.

Tanja Hanikas Schreibstil und ihre Ideen sind gut, womöglich hatte ich nach Zwietracht einfach etwas zu hohe Erwartungen. Die Begeisterung beim Schreiben, die Extras und die Liebe zum Detail merkt man Tanja aber absolut an. In meinem Exemplar des Buches war wirklich der Glückskeks-Spruch versteckt, der im Buch erwähnt wird und ich war richtig geflasht, als mir der beim Lesen in den Schoß gefallen ist. Die Tipps des Killers sind unterhaltsam und Pflicht für alle Horror-Neulinge.

Fazit:

Mich konnte das Buch leider nicht vollends überzeugen. Die guten Ideen sind leider durch die Kürze nicht richtig ausgenutzt worden, sodass die Spannung ihren potenziellen Gipfel nicht erreichen kann. Tanjas Schreibstil ist gut und bei Zwietracht hat sie bewiesen, dass Horror ihr liegt, aber „Scream, Run, Die“ war für mich leider kein Highlight. Ich würde das Buch eher Leser*innen empfehlen, die sich sonst nicht an Horror heranwagen und sich zur Abwechslung mal trauen möchte. Ich vergebe 2,5 bis 3 Seesterne.

 

Weitere Meinungen:


mit * gekennzeichnete Links sind affiliate Links des amazon Partnerprogramms. Falls ihr ein Produkt über den Link kauft, entstehen für euch keinerlei Mehrkosten, ich erhalte jedoch einen kleinen Anteil als Provision.

Unabhängige & kleine Verlage – diese Perlen solltet ihr kennen!

Unabhängige & kleine Verlage – diese Perlen solltet ihr kennen!

Vielfalt ist wichtig. In den letzten Wochen gab es viele Aktionen für unabhängige Buchhandlungen, da diese ob den großen Konkurrenten oftmals aus den Städten vertrieben werden. Damit will ich keinesfalls sagen, dass ich Ketten schlecht finde oder nicht gerne auch dort stöbere – aber für mich gehört zu einem ausgewogenen Stadtbild eben auch mehr: Kleine Läden zum Stöbern, moderne und wirklich alte Antiquariate, Läden von Menschen, die Bücher lieben und selbst mit an der Gestaltung des Sortiments beteiligt sind. Das ermöglicht einerseits Schwerpunktsetzung und gibt auch Titeln abseits von Bestsellerlisten und großen Verlagen eine Chance.

Genauso wichtig sind auch kleine Verlage – denn sie decken oftmals geschmackliche Nischen ab oder geben kleineren, lokale Autor*innen eine Chance. Nebst den großen Verlagen sind sie ebenfalls eine Bereicherung für den Buchmarkt, die unterstützt werden sollten (Eine umfangreiche Liste von Independent Verlagen findet ihr bei Autorenwelt).

Marketing und Werbung wird komplexer – viele Menschen haben keinen Bock mehr auf Frontalwerbung, haben einen Adblocker und setzen Scheuklappen auf. Durch Blogger und Influencer wird versucht, Produkte zu präsentieren und so das Zielpublikum zu erreichen. Es geht wie immer um das leidige Thema Geld und Umsatz. Große Verlage setzen auf kritikerprobte und bekannte Namen, um das Einkommen und die Arbeitsplätze aller Mitarbeiter zu sichern. Damit ermöglichen sie auch mittelgroßen und kleineren Autoren Projekte. Zu sehen an der Entwicklung zahlreicher (Ebook)-Imprints z.B. Midnight & Forever von Ullstein.

Ein unabhängiger Verlag (synonym zu Kleinverlag und Independent Verlag) hat meist weder bekannte Autoren noch großes Kapital um zu experimentieren oder Autoren aufzubauen. Alle Titel sollten sich einigermaßen gut verkaufen, Flops kann man sich meist nicht leisten. Dabei schöpfen diese Verlage oftmals Perlen ab, die große Verlage in der Flut von Bewerbungen nicht sehen können. Aber auch die Buchbranche lebt nicht von Liebe, Luft und Leidenschaft. „Gute Bücher„, ohnehin subjektiv, müssen sich nicht zwangsläufig gut verkaufen. Einige Verlagszweige oder ganze Verlage, genau wie einige unabhängige Buchhandlungen, gehen in dem Konkurrenzkampf unter.

Auch das von seinen Fans heißgeliebte Königskinder Imprint muss seine Pforten schließen (hier ein FAZ Artikel dazu). Dabei steht dahinter der etablierte Carlsen Verlag.

Was passiert dann mit den Mitarbeitern, den Büchern und den Autor*innen? Bei einem großen Verlag gibt es Hoffnung, bei einem Kleinverlag – oftmals von Privatpersonen gestemmt – steht schlimmstenfalls die private Insolvenz an.

„Natürliche Selektion der freien Marktwirtschaft“ mögen einige jetzt sagen. Klar, man kann nicht alle retten, manche Projekte sollen wohl einfach nicht sein. Was wir als Blogger*innen & Leser*innen aber können, ist bewusst unser Auge auf kleinere Verlage zu richten und uns auch deren Programme anzuschauen, geliebte Bücher weiterzuempfehlen und so einen bunten Buchmarkt am Leben zu erhalten. Ich fände es schade, wenn Kleinverlage nach und nach untergehen.

Deshalb möchte ich euch heute mal ein paar Perlen vorstellen!

 

  • Schwarzer Drachen Verlag – der magische Verlag

Zur Verlagshomepage, gegründet Januar 2016

Der Schwarzer Drachen Verlag wurde von Michael und Sandra Schwarzer ins Leben gerufen und verlegt vor allem fantastische und magische Bücher. Der Verlag besticht durch sein kleines, aber feines Programm und die liebevoll gestalteten Cover.

Gelesen: Eva-Maria Obermann – Zeitlose: Simeons Rückkehr
Der Auftakt zu einer verträumten, magischen Trilogie. Wunderbar geschrieben und sehr berührend.hannya

Wunschliste:

Dieter R. Fuchs – Hannya: Im Bann der Dämonin
Japanische Mythologie? Oh yes! Eine alte japanische Holzschnitzerei macht nicht nur einem älteren Mann zu schaffen.

 


  • Sternensand Verlag

zur Verlagshomepage, gegründet im September 2015

Der Sternensand Verlag beherbergt vor allem Jugendbücher aus den Genres Romantik, Fantasy und Abenteuer. Auch an romantischen und erotischen Büchern für eine ältere Zielgruppe werde gearbeitet, so steht es auf der Homepage. Der Sternensand Verlag ist mir persönlich zum ersten Mal auf der FBM aufgefallen, weil mich die Cover angesprochen haben. „Sternensand“ – Der Name allein klingt schon ganz zauberhaft.

Gelesen: Bisher noch nichts 🙁

Wunschliste:

Nadine Roth – Bloody Mary: Du darfst dich nicht verliebenbloodymary
Mary wurde grausam ermordet und wartet hinter den Spiegeln darauf, Rache an den Lebenden zu nehmen. Avian glaubt nicht an den urbanen Mythos der Bloody Mary und ist umso schockierter als da wirklich ein junges Mädchen vor ihm steht. Er möchte ihr unbedingt helfen, aber damit setzt er sein Leben aufs Spiel.

cmspoerriC.M. Spoerri – Die Greifen Saga: Die Ratten von Chakas
Mica kämpft sich mit ihrem Bruder Faím auf den Straßen durch. Ihre langsam erwachenden magischen Kräfte helfen ihr dabei. Aber als sie von ihrem Bruder getrennt und in eine Diebesgilde mitgenommen wird, ändert sich alles. Voneinander getrennt müssen die Geschwister zuerst um ihr eigenes Leben kämpfen in der Hoffnung sich irgendwann wiederzusehen.

 


  • Festa Verlag

zur Verlagshomepage, gegründet im April 2001

Der Festa Verlag ist ein gutes Beispiel für eine erfolgreich gefundene Nische. Sehr blutige, extrem gruselige und verstörende Bücher sind wahrlich Nichts fürs die Allgemeinheit – aber der Festa Verlag hat ein festes Publikum und hat sich erfolgreich in seinen Genres etabliert. Sie werben in ihrer Sparte „Extrem“ sogar mit dem Ausschluss aus dem Buchhandel, denn die dortige Literatur spricht eine bestimmte, erwachsene Zielgruppe an. Für zarte Gemüter sind aber vermutlich die wenigsten Bücher des Verlags gedacht.

Der Festa Verlag verlegt leider keine deutschen Autoren. (Als olle Horrorliebhaberin musste ich ihn jedoch einfach erwähnen!)

Gelesen: Bisher noch nichts 🙁

Wunschliste: Die Cthulhu Buchstützen Da gibt es mehrere, ich picke mal zwei raus!
keene

Brian Keene – Eine Versammlung von Krähen
Brinkley Springs ist eine ruhige Kleinstadt. Und sie ist dem Untergang geweiht, denn uralte Kreaturen sollen schon bald Grauen und Blutvergießen über den Ort bringen.

S.slgreyL. Grey – Das Labyrinth der Puppen
Er ist Angestellter in einem kleinen Buchladen im Einkaufszentrum. Eine drogensüchtige Frau zwingt ihn mit vorgehaltenem Messer ihr bei der Suche nach dem Kind zu helfen, dass sie babysitten sollte. Es geht hinab in den Keller voller Schaufensterpuppen aber der Aufzug macht nicht auf der untersten Etage halt, sondern fährt noch tiefer.

 


  • Drachenmond Verlag

Zur Verlagshomepage, gegründet 1996

Fantasy, Romance, Historisches, Zeitgenössisches, sogar Sachbücher. Der Drachenmond Verlag besticht durch ein vielseitiges Programm und wunderschöne Cover. Die Signierschlangen am FBM Stand sind lang und einige hauseigene Namen können bereits eine große Fangemeinschaft vorweisen z.B. Nicole Godzek und Marie Graßhoff.

Gelesen: Bisher noch nichts 🙁

Wunschliste:

animantcrumbs

Lin Rina – Animant Crumbs Staubchronik
England, 1890. Junge Damen sollten schnell unter die Haube. Animant hingegen liebt Bücher und möchte sich den Wünschen ihrer Mutter nicht fügen. Ein Monat in London, die Arbeit in einer Bibliothek und eine vollautomatische Suchmaschine: Animant findet mehr als sie erwartet hätte.

binhexen

 

Liane Mars – Bin hexen, wünscht mir Glück
Hexe Prim hasst Magie, denn sie ist maximal unbegabt im Zaubern. Aber was muss das muss. Chaotisch wird es als der schnuckelige Hexenjäger Liam sich in ihr Leben schleicht und Prim verhindern muss, dass die Zauberwelt untergeht.

 


  • Voodoo Press

Zur Verlagshomepage, gegründet 2008

Der Name lässt es bereits vermuten, Voodoo Press‘ Schwerpunkt liegt bei Titeln aus den Genres Horror, Mystery, SciFi, Apokalypse und „Bizarro Fiction“. Was ist Bizarro Fiction? Nun ich denke Titel wie „The Haunted Vagina“ lassen es so ein bisschen erahnen. Ich bin auch unschlüssig! Ich bin erst durch die Recherche für diesen Beitrag auf den Verlag gestoßen, das Angebot klingt jedoch auf jeden Fall genau nach meinem Geschmack!

Gelesen: Bisher noch nichts 🙁

Wunschliste:

thehauntedvagina

Carlton Mellick III – The Haunted Vagina
Macht euch der Titel nicht neugierig? Mich macht der Titel neugierig! Lest euch die Kurzbeschreibung durch und schaut auch das Autorenfoto an.
Stacy & Steve sind ein glückliches Paar. Nur manchmal kommen aus Stacys Intimgegend seltsame Geräusche. Stacy meint, dass ihre Vagina verflucht ist und als eines Tages nach dem gemeinsamen Beischlaf ein Skelett herauskrabbelt ist klar, dass Steve etwas dagegen unternehmen muss. Das klingt so bizarr, ich muss das unbedingt lesen.

dietreppeimseeRonald Malfi – Die Treppe im See
Ein Ehepaar zieht in ein idyllisches Haus am See. Doch bald geschehen seltsame, übernatürliche Dinge und die beiden werden mit der schaurigen Vergangenheit des Hauses konfrontiert.

 

 


  • Cross Cult Verlag

Zur Verlagshomepage, gegründet 2001

Das Grafikstudio Amigo Grafik veröffentlicht unter dem Label Cross Cult Comics, Graphic Novels, Mangas und auch Titel aus dem Fantasy und Science Fiction Bereich. Populär sind vor allem die Comics zur TV Serie The Walking Dead, Doctor Who oder Avatar.

Gelesen: The Walking Dead Comics Band 1 und 2

Wunschliste: Sehr lang. Ich picke ein paar Titel heraus.

Nnedi Okorafor – Wer fürchtet den Tod
nnediokorafor(Die Autorin ist Bombe! Sie engagiert sich für mehr Diversität und die Sichtbarkeit von Frauen und People of Color auf dem Buchmarkt. Hier ein Interview!) In diesem fantastisch-postapokalyptischen Buch werden dunkelhäutige Menschen (Okeke) von den hellhäutigen Nuru unterdrückt. Ein Mädchen, dessen Mutter vergewaltigt und getötet wird, begibt sich auf die gefährliche Reise sich am Peiniger ihrer Mutter, ihrem Vater und zugleich einem mächtigen Magier zu rächen.

Comics
Die Comicreihe zu den „Dragon Age“ Videospielen, die Comics zur TV Serie „Avatar – Der Herr der Elemente“, „Monstress“ von Marjorie Liu und Sana Takeda…

 


  • Papierfresserchen MTM und Herzsprung Verlag

zur Verlagshomepage, gegründet im März 2007

Papierfresserchen MTM ist vor allem für Kinder- und Jugenbücher gedacht und soll jungen Autor*innen den Weg in die Buchwelt ebnen. 2014 kam Herzsprung dazu, der sich auf Lyrik, Belletristik und Sachbuch für Erwachsene konzentriert. Die Cover wirken vereinzelt nicht ganz so professionell, da sie teils von den jungen Autor*innen selbst angefertigt wurden, aber der Verlag besticht durch die Liebe zum Detail und die vielen Schreibprojekte und -wettbewerbe für die ganz jungen Schreiberlinge.

Gelesen: M. Meier – Solang das Rad der Zeit sich dreht
In dieser Anthologie geht es um das schwierige Thema Tod unsolangdasradd Vergänglichkeit. Kurzgeschichten, Gedichte und Texte verschiedenster Autor*innen beschreiben Erfahrungen und Gedanken mit dem großen Unbekannten. Vorsicht, Schleichwerbung: Von mir ist auch eine Geschichte mit drin, die ich in der elften Klasse geschrieben habe.

Wunschliste:

luzifer

Stella Tack – Luzifer: Des Teufels Sünden
Als Evening einer sprechenden, gehörnten Katze begegnet wird sie in einen uralten Kampf zwischen Gut und Böse hineingezogen und muss feststellen, dass all die Monster der Nacht real sind.

 


 

So, es gibt natürlich noch jede Menge andere kleine, unabhängige Independent Verlage, aber um die alle vorzustellen fehlt mir leider die Zeit. Auch sind einige Themen so spezifisch und ich interessiere mich leider einfach nicht für das Sortiment.

Ich hoffe, ich konnte euch den ein oder anderen Titel schmackhaft machen. Falls ihr auch Social Media-Mensch oder Blogger*in seid, fühlt euch gerne eingeladen selbst einen Beitrag zu schreiben, indem ihr mir eure liebsten Indie-Verlage vorstellt. Ich wünschte, ich hätte jetzt einen schicken Hashtag parat. Vielleicht sowas wie #wirlesenindie ? Schreibt mir gernen einen Kommentar, falls ihr weitere Ideen und Anmerkungen habt (oder einen coolen Hashtag)!

Tüdelü, eure Babsi

Fun fact: Mit diesem Beitrag wanderten insgesamt über zwölf neue Titel auf meine Wunschliste. Argh!

[Kurzrezension] Haruki Murakami & Stephen King

[Kurzrezension] Haruki Murakami & Stephen King

Hallo meine Lieben, normalerweise habe ich zu jedem Buch eine Menge zu sagen – aber bei manchen Werken kommt es vor, dass ich nicht weiß, was ich schreiben soll oder beispielsweise bei Geschichtensammlungen zu jeder Geschichte einzeln etwas zu erzählen wüsste. Deshalb bekommt ihr heute, kurz & knackig, zwei Rezensionen von mir präsentiert.

Anzeige

20171105_114539

Haruki Murakami – Die unheimliche Bibliothek

  • Dumont Verlag
  • illustriert von Kat Menschik, Kurzgeschichte; Genre: ?, übernatürlich
  • TB*: 9,99€ | Ebook: 7,99€

Inhalt: Es geht um einen Jungen, der eigentlich nur ein Buch in der Bücherei zurückgeben will und dabei in ein dunkles Verließ stolpert.

Diese Kurzgeschichte von Haruki Murakami lässt sich in unter einer Stunde lesen, die unheimlichen und meist in schwarzweiß gehaltenen Illustrationen von Kat Menschik, die mit kleinen Farbakzenten auskommen untermalen die poetische, sprachlich klangvolle Geschichte. Während des Lesens und nach dem Lesen ist man verwirrt. Was ist das für eine bizarre Geschichte mit bizarren Figuren? Kafkaesk – das trifft es wohl ziemlich gut. „Hä? Wtf?“ – meine Gedanken waren recht geistreich. Dabei war ich durchaus amüsiert und fühlte mich gut unterhalten. Dennoch weiß ich nicht recht, was ich über diese bizarre und merkwürdige Geschichte sagen kann. Allerdings sorgte dieses Fehlen von Logik auch für Komik und macht irgendwie den Charme der Geschichte aus. Die Sprache war sehr malerisch und mir gefielen die Zeichnungen sehr gut, ich denke als Graphic Novel hätte mir das Buch noch mehr zugesagt, denn es ist einfach sehr sehr kurz.

Mein liebstes Zitat:

jaichauch

Das Buch haben ich mit der Lesegruppe der Bücherbrezn für den Oktober unter dem Thema „Bücher über Bücher“ gelesen. Es stand neben „Der Schatten des Windes“(das ich auch noch lesen will) zur Auswahl.

3seesterne

 

20171105_114556

Stephen King – Sunset

Inhalt: In 13 Kurzgeschichten zeigt der Meister des Schreckens, dass er auch mit wenigen Worten spannende und unheimliche Geschichten schreiben kann. Nicht alle davon sind übernatürlich.

Die Geschichten sind vielfältig und teilweise grundverschieden. Einerseits haben wir es mit übernatürlichen Kreaturen zu tun, die Lovecraftsche Gänsehaut auslösen andererseits bekommen es manche Protagonisten mit Monstern in Menschenform zu tun. Aber auch leise Töne gibt es, z.B. in „Hinterlassenschaften“ oder „Die New York Times zum Vorzugspreis“, die weniger unheimlich sind, sondern emotional und berührend. Mir hat diese Kurzgeschichtensammlung sehr gut gefallen, auch wenn ich sie immer nur nebenbei gelesen habe. Meistens war ich so gefesselt, dass ich die Geschichte direkt durchlesen musste. Gut, dass ich mir dabei keine Blasenentzündung zugezogen habe. (Das Buch lag in meinem Elternhaus auf der Toilette *räusper*)

Mir haben die schaurigen Kurzgeschichten sehr gut gefallen und ich bin froh noch die „alte“ Taschenbuchvariante ergattert zu haben, denn die untermalt die Stimmung sehr gut. In der Kürze liegt die Würze und auch wenn ich den Schinken „Misery“ liebe, fand ich diese Kurzgeschichten sehr, sehr gut und würde mich über mehr kurze Schnipsel dieses großartigen Autors freuen.

Zu meinen liebsten Geschichten gehören „N.“, „Willa“, „Die New York Times zum Vorzugspreis“ und „Hinterlassenschaften“.

5seesterne

Das wars für heute mit meinen Kurzrezensionen! Wie gefallen euch diese knackigen Zusammenfassungen im Gegensatz zu meinen umfangreicheren Rezensionen?

Tüdelü,

eure Babsi

 


mit * gekennzeichnete Links sind affiliate Links des amazon Partnerprogramms, die ich freiwillig angebe. Für euch entstehen keinerlei Kosten, falls ihr den Link anklickt oder ein Produkt darüber kauft, aber ihr unterstützt damit meine Arbeit am Blog, da ich eine kleine Marge bekomme.

Buchlabor: Warum sind Geister unheimlich?

Buchlabor: Warum sind Geister unheimlich?

Halloween ist vorbei, aber ich als alte Spuk- und Horrorfanatikerin beschäftige ich mich gerne ganzjährig mit dem Paranormalen. Umso besser, dass das erste Thema des „Buchlabors“ sich mit Geistern in der Literatur beschäftigt. Ich fürchte ich bin ein bisschen ins psychologische abgedriftet und am Ende habe ich mehr Film- als Buchbeispiele, aber ich hoffe, was ich sagen möchte, kommt rüber!

Was ist das Buchlabor?
Das Buchlabor entstand nach einem Vortrag von Eva-Maria Obermann auf dem Litcamp 2017 über Buchblogger und Literaturwissenschaft. Zwar wird die Buchblog-Szene vom Feuilleton oftmals belächelt, aber viele Blogger und Blogger*innen betreiben aufwändige Analysen, die weit über normale Kreisch-Rezensionen hinausgehen. Viele Blogger*innen studieren, beschäftigen sich eigentlich auch gerne tiefer mit der Literaturwissenschaft, aber schreiben kaum solche Beiträge. Daraus entstand der Plan ein bisschen mehr Wissenschaft in die Literaturszene der Blogger zu bringen. So kam es zu „Buchlabor„. Auf twitter auch unter dem Hashtag #litwipunk zu finden. Interessierte dürfen sich gerne auch an Eva wenden, wir freuen uns über weitere „Forscher“.

  • Eva beleuchtet auf Schreibtrieb einige Spukgestalten *klick*
  • Marit von gedankenglas hat sich auch Gedanken gemacht *klick*

Geister! Geister! Geister!

Geister in der Literatur sind kein neuzeitliches Phänomen und nicht gebunden an fantastische Werke. Sie treten auch in Alltagserzählungen auf, an Orten, an denen man sie manchmal gar nicht erwartet. Manchmal wird lediglich angedeutet, dass man es als Leser*in mit einem Gespenst zu tun hatte. Warum sind Geister eigentlich unheimlich?

Buch auf amazon*

Oftmals spielen Geister gar keine zentrale Rolle, aber in Oscar Wildes „Das Gespenst von Canterville„oder in Charles Dickens „Eine Weihnachtsgeschichte“ sind sie tatsächlich wichtige Akteure und keine blasse Andeutung. So sucht der Geist von Jacob Marley seinen ehemaligen Geschäftspartner, den wohl liebsten grantigen alten Mann der Geschichte, Ebenezer Scrooge heim und warnt ihn vor der Ankunft weiterer Geister. Und nach dieser spukreichen Nacht ist Scrooge wie verwandelt und krempelt sein Leben um, um nicht ebenfalls als Schreckensgestalt der Nacht seine Sünden als schwere Ketten durch die dunklen Gassen zu schleifen.

Geister, die den Lebenden den Weg weisen oder mahnend zeigen, was passiert, wenn man den rechten Weg verlässt – ein beliebtes Motiv.

Auch wenn sie als gruseliges Element genutzt werden, so kommen sie meist mit guten Absichten oder mit einer scheinbar göttlichen Mission. Manchmal auch, um sich das eigenes Gewissen reinzuwaschen. Das Gespenst von Canterville, respektive Sir Simon, wird erlöst, als die aufrichtige und gutherzige Virginia für sein Seelenheil betet. Alles halb so wild, also?
An den Tagen um Halloween und Allerheiligen gedenkt man der Toten, ehrt sie mit Blumen, Gebeten, verkleidet sich um böse Geister zu vertreiben und zündet Laternen an, die verlorenen Seelen den Weg weisen sollen. Der Glaube an Gut und Böse, die Angst vor bösen Geistern und das Gedenken an gute Geister zeigt diesen Zwiespalt.

Nun berichtet die Literatur nämlich auch von bösartigen, gefährlichen Geistern, die die Lebenden nicht etwa auf eine friedvolle Art heimsuchen und sich nicht mit einem einfachen Schrecken zufrieden geben.

Die Legende von Sleepy Hollow“ von Washington Irving präsentiert uns einen solchen boshaften Geist, nämlich den kopflosen Reiter, der arglose Wanderer durch einen finsteren Wald jagt um seinen eigenen Kopf zu finden. In „Das Wrack„, einer Kurzgeschichte von Helmuth M. Backhaus werden die goldgierigen Geister von Plünderern schließlich dem Leuchtturmwärter zum Verhängnis. Es sind auch die Geschichten von Edgar Allan Poe und H.P. Lovecraft, die sich mehr auf die bösen, düsteren Geister beziehen. So wird in Lovecrafts „Träume im Hexenhaus“ der bösartige Geist einer alten Frau sichtbar, die kleine Kinder entführt, dem Teufel opfert und schließlich auch den neugierigen Studenten, der in ihrem Zimmer schläft, ein schlimmes Schicksal beschert.

toa-heftiba-143568

Beides Mal sind die Gespenster auch zu Lebzeiten bereits schlecht, böse und mörderisch unterwegs und führen ihr Schreckenswerk nach dem Tode fort; wobei die alte Hexe nicht wie der kopflose Reiter nach Erlösung sucht, sondern in den Diensten ihres schrecklichen Meisters steht (Ich schätze, wenn man die Wahl hat, nach dem Tod von cthulhuesken Monster auseinanderklamüsert zu werden, würden sich einige dafür entscheiden, lieber mit einer Ratte mit Menschengesicht zusammenzuarbeiten).

Die Hoffnung, auch wenn man zu Lebzeiten ein sündiger Scharlatan und Verbrecher war, im Tod irgendwie durch Beten und Buße Vergebung zu finden, wird durch H.P. Lovecraft zumeist zerschlagen – und das trägt wohl zum dem ungewöhnlichen und unangenehmen Gefühl bei, das einen beschleicht, wenn man seine Geschichten liest. Wahrer Horror kennt kein Hintertürchen. Es gibt keine zweite Chance, keine Erlösung, keine Hilfe von göttlichen, barmherzigen Mächten. Die Angst vor dem Tod bleibt ungebrochen, die Hoffnung auf Gnade und Verzeihung wird zerschmettert. Einmal begangene Fehler lassen sich nicht ausbügeln, selbst unbedarfte Menschen werden in den Sog der bösen Geister gezogen und sind dem Untergang geweiht, egal wie aufrecht, gut und gottesfürchtig sie sind. Etwas, das man vermehrt auch im asiatischen Horror vorfindet. Im Film „Ju On – Der Fluch„(2003) werden alle, die das Haus betreten, in den Tod getrieben – egal, was für Menschen sie sind (selbst die Katze!1!elf!).

Ju-On auf amazon*


Es gibt keine Lösung, kein Entrinnen, keine Hoffnung. Nicht einmal im Tod finden die Gepeinigten Frieden, nein, sie werden oftmals selbst zu Marionetten des Bösen. Viele Horrorfans, aber auch Gelegenheits-Zuschauer geben an, dass von vielen asiatischen Horrorgeschichten ein ganz besonders ekelhaftes Gefühl, ein Schauer zurückbleibt, der irgendwie anders als bei westlichen Büchern und Filmen ist. Auch wenn viele Horrorfilme wie „Drag me to hell„(2009) letztlich schlecht ausgehen, so liegt das oftmals nicht daran, dass es keine Lösung, kein Entrinnen gab, sondern dass die Protagonisten einen Fehler begingen oder zu langsam waren. Die Hintertür wird zwar nicht erreicht, aber sie ist da. H.P. Lovecraft und asiatischer Horror sind da gnadenloser. Man hat einfach von vornherein keine Chance und das macht es umso schwerer, dem Kampf der handelnden Figuren zuzuschauen, denn wir hoffen mit ihnen. Liegt der besondere Grusel vielleicht also ebendiesem verweigerten Licht am Ende des Tunnels?

Eine so vernichtend klare und aussichtslose Antwort ist verunsichernd und erschüttert bis in Mark und Bein. Hat doch niemand eine Antwort auf die so drängende und vielgestellte, philosophische Frage „Was kommt nach dem Tod?“. Wir können nur glauben und hoffen – wissen können wir es nicht. Da das Leben genug zermürbende und schreckliche Ereignisse für uns bereithält, lesen wir heitere Geschichten oder suchen in diesen Boten des Todes irgendeinen Sinn, eine Botschaft, weil wir etwas anderes nur schwer ertragen.

Charles Dickens mochte es, Geistern oder geisterhaften Erscheinungen eine Botschaft mit auf den Weg zu geben. Sie symbolisieren etwas. So ist die schattenhafte Gestalt, die der Bahnwärter in „Der Bahnwärter“ sieht letztlich eine Prophezeiung, eine Vorwarnung auf dessen eigenen Tod. Teils ist diese Erscheinung wohl verantwortlich am Tod des Mannes, denn Geister kommunizieren nicht immer so klar wie es die Geister der Weihnacht tun. In Fantasy Geschichten treten Geister unter anderem als handelnde Figuren, Berater, Sidekicks oder lustige Weggefährten auf.

toa-heftiba-148643

Das ist alles nur in meinem Kopf~“, singt Andreas Bourani in seinem Lied und beschreibt damit die Wendung, die viele Bücher nehmen. „Es war gar kein Spuk, die Person ist nur psychisch krank!“.  Dieses Motiv, der psychologische Twist, ist nach wie vor sehr beliebt, wenngleich es wenigen Geschichten gelingt, diese Waage zu halten. Meist ist einem als Leser oder Zuschauer schnell klar, was wirklich Sache ist. Zumindest mir ging das bei „Black Swan„(2010) so, weswegen ich den Film ziemlich einschläfernd fand. Es ist abgenudelt und eigentlich gibt es ja dann meist keine Geister, sie sind lediglich ein Sinnbild für den einsetzenden Wahnsinn der Figuren. In der modernen Literatur werden all diese Motive und Verwendungszwecke wiederaufgegriffen. Wir finden Geister sowohl als handelnde Figuren, Berater, Sidekicks oder Nebenfiguren auf. In „Moana„(2016) eilen Großmutter und die Ahnen zu Hilfe, als Moana in ihrer größten persönlichen Krise steckt. Es ist eine beruhigende und keineswegs gruselige Vorstellung, wenn wir daran denken, dass irgendwo jemand wacht und auf uns aufpasst.

toa-heftiba-95459

Sind also nur böse Geister unheimlich? – Jein, Geister sind durchaus vielfältiger als man denken mag. Eine geisterhafte Wendung der besonderen Art gab es bei Filmen wie „The Sixth Sense“ (1999) und „The Others“ (2001). Im herzzereißenden Drama „The lovely bones„, dt. „In meinem Himmel“, von Alice Seybold erzählt die ermordete und vergewaltigte Suzie aus ihrem Platz im Jenseits wie die Suche nach dem Mörder und das Leben ihrer Freunde und Angehörigen weiterverläuft. Hier sind es die Geschichten, der Rahmen, in dem nur ein Geist als Figur funktioniert, die uns die Bettdecke höher ziehen lassen. Oftmals ist es die Tragik, die uns Angst einjagt. Das schreckliche Schicksal, das die Geister erleben mussten und das viel angsteinflößender ist, als die bloße Existenz eines unsichtbaren Wesens. Demnach muss nicht unbedingt das Übernatürliche an Sich unheimlich sein, die Geschichte kann ebenso dazu beitragen.


Logo: Eva-Maria Obermann, Fotos: Toa Heftiba auf Unsplash

mit * gekennzeichnete Links/Bilder sind affiliate Links des amazon Partnerprogramms. Für euch entstehen keine Kosten, falls ihr auf den Link klickt oder ein Produkt über amazon kauft.

Halloween Special

Halloween Special

Ein schönschauriges Hui-Buh an alle da draußen!

Ich hoffe ihr habt ein wunderbares Halloween und könnt den Tag genießen. Ich spüre noch die Nachwehen der gestrigen Vorlesenacht mit Halsweh, Müdigkeit und Erkältungssymptomen und kuschele mich deswegen heute mit Horrorfilmen & -büchern ins Bettchen. Mit dabei, die zweite Staffel Stranger Things, Hemlock Grove, Conjuring 2, We are not alone und Büchern von Stephen King, H.P. Lovecraft und Tanja Hanika.

Ihr wisst noch nicht, was ihr anschauen oder lesen sollt?

Von 19 bis 21 Uhr gibt es auf meinem Kanal die ein oder andere Gruselgeschichte für euch, haltet also die Augen offen. Für alle, denen das zu spooky ist, habe ich ihr einen etwas heiteren Tag für euch:

 

Fröhliches Gruseln und Happy Halloween!

 

  • 19 Uhr – Wir starten mit einem Klassiker

  • 20 Uhr – Eine Geschichte extra für Bücherwürmer. Eine geheime Bibliothek zu finden klingt traumhaft… oder eher albtraumhaft?

  • 21 Uhr – Ein mysteriöses Klavier mitten im Wald

[Neuzugänge] Jede Menge Mangas bei arvelle

[Neuzugänge] Jede Menge Mangas bei arvelle

Arvelle.de hat tolle Angebote. Und seit einiger Zeit versorgt Carlsen die Seite auch mit Mängelexemplaren von Mangas. Da rutscht einem doch glatt der Geldbeutel aus!

Ein paar Mangas waren sogar vergriffen als ich eine Stunde nachdem ich gestöbert hatte, endlich bestellt habe. *schnüff*

Im Video Erwähnte Bücher:*

Julie Kagawa – Unsterblich: Tor der Dämmerung
http://amzn.to/2whlBcv

Aya Shouoto – The Demon Prince
http://amzn.to/2wun6n1

Hazuki Matcha – One Week Friends
http://amzn.to/2wgDo3z

KOHSKE – Gangsta. Band 6
http://amzn.to/2wug9ST

Ichigo Takano – Orange Bd. 3
http://amzn.to/2wgS17e

Taro Nogizaka – Ghost Tower
http://amzn.to/2wuImJw

Yoshimurakana – Murciélago
http://amzn.to/2wuqsGJ

Junji Ito – Uzumaki: Spiral into Horror
http://amzn.to/2v8tv89

MAYBE – To the Abandoned Sacred Beasts
http://amzn.to/2ub3SSJ


* via Affiliate-Link über das amazon Partnerprogramm, den ich freiwillig angebe. Für euch entstehen keine Mehrkosten, falls ihr ein Produkt über den Link kauft. Ich bekomme lediglich eine kleine Gutschrift, wenn ihr über diesen Link auf amazon geht und etwas kauft. Falls ihr meine Inhalte mögt und mir auf diese Weise einen Kaffee spendieren möchtet, gerne, fühlt euch aber bitte nicht dazu verüflichtet.

3 gruselige Spiele mit Geistern

3 gruselige Spiele mit Geistern

Let’s get creepy!

Dieses Video zu machen hat so viel Spaß gemacht! (Von der Bildersuche nach Puppen zum zweiten Spiel habe ich immer noch Albträume.) Brrr 😀

Neulich habe ich übrigens „Dead Silence“ gesehen, in dem es um Bauchredner Puppen ging. Den fand ich aber total ungruselig und irgendwie lächerlich…

Für diejenigen, die eher wegen Büchern hier sind – Sorry, Ich liebe Horror & Grusel einfach. :-*