[Rezension] Dumplin‘ von Julie Murphy

Julie Murphy: Dumplin‘ – Go big or go home

Ich freute mich total als kurz nach der Buchmesse ein Paket von lovelybooks eintrudelte. Ich habe im Rahmen des Fischer Leseclubs dort ein Leseexemplar von „Dumplin'“ von Julie Murphy gewonnen! Dankeschööön. Spätestens seit Veras tollem Beitrag dazu war klar, ich MUSSTE dieses Buch lesen. Eine lange Zugfahrt kam mir entgegen und ich habe das Buch verschlungen wie ein Stückchen Schokolade. Ob es auch so gut geschmeckt hat?


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  • Autorin: Julie Murphy, übersetzt von Kattrin Stier
  • Titel: Dumplin‘
  • Fischer FJB
  • Genre: Jugendbuch, Humor
  • 397 Seiten, Gebunden: 18,99€ | Ebook: 16,99€
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Worum geht’s?
Willowdean, genannt Dumplin‘, ist eigentlich zufrieden mit sich. Ihre Mutter ist zwar im Komittee des örtlichen Schönheitswettbewerb und die dicke Will passt nicht in diese Welt, aber diese Tatsache und ihre überflüssigen Pfunde stören sie weniger. Doch alles wird anders als ihre geliebte Tante Lucy stirbt, ihre attraktiver Arbeitskollege Bo sie küsst und ihre beste Freundin El scheinbar neue, schlanke Freundinnen findet. Plötzlich fühlt sich Willowdean unwohl in ihrem Körper. Um sich selbst zu beweisen, dass man dick UND schön sein kann, meldet sie sich beim Schönheitswettbewerb an.


Meine Meinung

Ich bin selbst übergewichtig – die Kurzbeschreibung, die fröhlich wirkende Geschichte und die selbstbewusste Protagonistin haben mich sofort angesprochen. Nun bin ich nicht mehr 16 und werde in der Schule nicht von pubertierenden Typen angeblökt – aber ich konnte viele Beleidigungen, viele Probleme und viel von dem was Willowdean erlebt hat, auf mich beziehen. Dick zu sein gleicht nach wie vor einem Stigma, einem Schandfleck. Viele Vorurteile hängen damit zusammen – man sei faul, verfressen, dumm und selbst Schuld. Wenn man in Klamottenläden geht und die Hose nicht mal über ein Bein ziehen könnte. Abende, an denen man mit attraktiven Leuten unterwegs ist und abschätzige Blicke erntet. Wenn man hinaus geht und Spaß hat, wenn man in einem Fast Food oder bei einem Buffet etwas isst. Manchmal kauft man extra noch etwas Gemüse dazu, bevor man sich etwas Süßes im Supermarkt holen will. Wenn einem Glück nicht gegönnt wird.

„Aber ich will nicht, dass es mutig ist. Ich will, dass es normal ist.“ (S. 314)

Teilweise schmerzlich erinnerten mich Willowdeans Gedanken an meine eigenen Selbstzweifel, Ängste und Komplexe. Ich ziehe ungerne Bikinis an. Nicht weil ich finde, dass dicke Menschen keine anziehen sollten, sondern weil ich mich darin nackig und entblößt fühle. Weil ich nicht den Pool und die Sonne genieße, sondern ständig nur meinen blassen Schwabbel vor Augen habe. Wie den Vollmond am Himmel.
Dabei fühle ich micht nicht grundsätzlich hässlich. Ich glaube nicht, dass es mir zwingend besser geht, wenn ich zehn Kilo weniger wiege. Aber es würde viele Dinge erleichtern.
In unserer Gesellschaft wird einem ein Ideal vorgelebt, das nur wenige erfüllen können. Das führt unwillkürlich zu Frust und Essen wiederum hilft hervorragend bei Frust. Unsere Gesellschaft wird immer dicker, dennoch zeigen uns Medien stetig, wie ein Idealkörper auszusehen hat. Wie man gesünder lebt, Spaß am Sport hat und sich selbst lieben lernt – das ist das große Geheimnis. Es ist eine Profitgrube, andere verdienen Gold mit unseren Selbstzweifeln. Männern sollen groß und muskulös sein, mutig und unerschrocken. Als Frau soll man bitte schlank sein, aber trotzdem Kurven haben, aber nicht zu viel und am Besten grazil und überhaupt. Ich brauche euch nichts vorbeten – wir kennen das Ideal.

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Wenn man erwachsen wird lernt man irgendwie damit umzugehen. Aber die Zweifel, die seit Kindesbeinen an einem nagen, die einem eingeflößt werden wie Medizin, die bleiben. Umso wichtiger finde ich es, dass sich ein Jugendbuch mit einer dicken Protagonistin diesem Problem unserer Gesellschaft annimmt.

Liebenswerte Knödel & Pfirsichpos

Und die mutige, stolze Willowdean ist genau die richtige dafür! Sie fungiert als liebenswerte Erzählerin, aufmerksam, witzig, aber nicht frei von eigenen Vorurteilen. So vergleicht sie sich selbst auch mit anderen, ganz nach dem Motto „Ich könnte schlimmer aussehen„. Ja, das ist verdamm fies. Aber auch verdammt normal. Sie ist eifersüchtig auf ihre Freundin, fühlt sich zurückgelassen und verunsichert, als sich ein wunderhübscher Kerl scheinbar in sie verliebt. Auch, wenn sie ihre Schwächen gut verbirgt, brechen hier einige Emotionen hervor, die sie versteckt hat. Sie zieht voreilige Schlüsse, weil sie weiß wie schlecht manche über sie reden. Willowdean selbst kann gemein sein, sie handelt nicht immer richtig oder moralisch einwandfrei. Sie ist eine junge Frau auf der Suche nach sich selbst. Insgesamt war Willowdean für mich sehr menschlich, dreidimensional und genau die richtige Protagonistin für dieses Buch. Ihre Entwicklung hat mir sehr gut gefallen.

Bo, der attraktive Mitarbeiter von Willowdean ist hübsch, lässig und strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Er bleibt einer der blasseren Charaktere, auch wenn er Willowdean wirklich mag und nicht absichtlich böswilliges anstellt.

Ellen, Willows beste Freundin ist quirlig, lebhaft und liebevoll. Aber auch aufbrausend, nicht ganz ehrlich und dadurch sehr menschlich. Sie kämpft ebenfalls mit den Tücken des Erwachsen werdens. Sie will gemocht werden und dazugehören.

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Mein kleiner Knödel posiert (unfreiwillig) mit dem Buch. 😉

Den Konflikt von Willowdean und ihrer Mutter hätte ich gerne noch etwas ausführlicher gehabt, auch wenn er gegen Ende auf eine schöne Weise gelöst wurde. Auch Mitch hätte ein bisschen mehr Buchpräsenz verdient, denn er ist absolut liebenswert und auch mitverantwortlich für Willowdeans Weiterentwicklung.

Millie, Amanda und Hannah sind wunderbare Nebencharaktere und ich freue mich darauf, in Puddin‘ über die zuckersüße und herzensgute Milie zu lesen, die es wie Willowdean nicht leicht hat. Leider waren mir persönlich die Szenen mit Lee und Dale eine Spur zu klischeehaft und oberflächlich.

Am Ende ist klar, dass niemand frei von Objektifizierung und Oberflächlichkeiten ist. Auch die „Schönen“ müssen sich manchmal auf ihren Körper reduzieren lassen. Aber letztlich weiß man erst, wie jemand wirklich ist, wenn man ihn kennenlernt. Und dass Schönheit nur im ersten Moment etwas mit dem Aussehen zu tun hat.

Typische Jugendbuch-Liebesgeschichte?

Der Schreibstil und die Thematik des Buches sind definitiv auf eine jüngere Zielgruppe zugeschnitten. Das Buch lässt sich schnell und einfach lesen, aber hat dennoch Wortwitz und viele wichtige Botschaften – für alle Leser. Das „Coming of age“ Thema ist dennoch gegenwärtig und so verhalten sich die jugendlichen Charaktere auch. Neben dem klischeehaften Bully haben wir auch eine Mehrzahl von liebenswerten, bunten Charakteren.

Das Ende war mir ein bisschen zu flott, zu abrupt. Ein Epilog oder ein, zwei Seiten mehr hätte hier vielleicht gut getan.

Julie Murphy gelingt es viele Problematiken des Aufwachsens in das Buch zu packen, auch wenn Körpergefühl und Selbstliebe klar im Vordergrund stehen. Ich hätte mir gewünscht, dass es so ein lebensbejahendes Buch auch schon zu meiner Sweet 16 Zeit gegeben hätte. Ich hoffe, dass das Buch vielen Jugendlichen in die Hände fällt und sie ermutigt, sie selbst zu sein und sich nicht kleinreden zu lassen.

 

Fazit:

Dumplin‘ hat mich berührt und bestens unterhalten. Ich habe beim Lesen geschmunzelt, manchmal geschluckt, aber vor allem habe ich die lebhafte Geschichte genossen. Julie Muphy hat hier ein wichtiges Jugendbuch geschrieben, dass sicher an einigen Stellen noch etwas ausgereifter sein könnte. Einige Konflikte und Charaktere sind leider etwas untergegangen, aber das tut dem Lesespaß eigentlich keinen großen Abbruch. Definitiv ein Lesegenuss und ein Wohlfühlbuch! Für mich klare 4 Seesterne.

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Liebe Babsi,

eine wirklich tolle Rezension! Ich kann mich deiner Begeisterung, wie auch deinen kleinen Kritikpunkten nur anschließen und freue mich schon sehr hoffentlich bald mehr von der Autorin zu lesen 😉

Liebste Grüße <3 Jill

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