[Rezension] Shadow and Bone von Leigh Bardugo

[Rezension] Shadow and Bone von Leigh Bardugo

Das Lied der Krähen“ war 2017 in aller Munde. Ich habe es auch hier liegen und möchte es unbedingt lesen. Es spielt in einer russisch-skandinavisch angehauchten Fantasywelt von Autorin Leigh Bardugo, in der es sog. „Grisha“ gibt, die magische Fäigkeiten haben. Im englischen wird dieses Universum als „Grishaverse“ bezeichnet. Zwar lässt sich die Krähen-Duologie unabhängig lesen, aber es wurde mir mehrfach empfohlen, die ursprüngliche Trilogie um Alina Starkov zu lesen. Spätestens nach dem Interview mit Leigh Bardugo bei Bookplanetarium war ich ziemlich angetan.

In der heutigen Rezension geht es um „Shadow and Bone“ von Leigh Bardugo.

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Ich habe mich selbst zu Weihnachten mit einem wunderschönen Schuber* beschenkt (Leider sind die deutschen Hardcover so gut wie vergriffen und Band 3 erschien nicht als Taschenbuch, weshalb ich zur englischen Variante gegriffen habe). Dem Schuber liegt außerdem ein Poster mit der Weltkarte bei.


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Da ich die Bücher auf Englisch gelesen habe, sind mir nicht alle deutschen Begrifflichkeiten bekannt. Ich hoffe, das ist nicht allzu schlimm.

Worum geht’s?
Eine an Russland und Skandinavien angelehnte Fantasy-Welt. Es gibt normale Menschen und die magisch begabten Grisha. Alina und ihr Freund Mal dienen in der Armee des Zars von Ravka. Alina ist Kartografin, Mal ein Fährtenleser. Gemeinsam mit ihrer Einheit sollen sie die Ödsee – ein schattenhaftes, verfluchtes Meer voller Monster – überqueren. Die Überfahrt ist gefährlich und schwächt das von Feinden umgebene Land. Dennoch wagt die Einheit einen Versuch und gerät prompt in Schwierigkeiten. Alina entdeckt in ärgster Not eine besondere Fähigkeit – könnte sie selbst eine Grisha sein? Noch dazu eine, der es gelingen könnte den Schattenriss zu verschließen. Ein mächtiger Grisha im Dienste des Zaren, den alle nur „Den Dunklen“ nennen nimmt Alina direkt mit zum Hof, um ihre Fähigkeiten zu trainieren und sie zu stärken. Zuerst ist Alina von den schillernden Veränderungen am Zarenhof und ihrem Schicksal nicht überzeugt, aber sie beginnt ihr Herz nicht nur für Veränderungen zu öffnen. Doch kann sie dem Dunklen wirklich vertrauen? Wird es ihr gelingen die Ödsee ein für alle mal zu schließen und ihr eigenes Land zu retten? Und was geschieht mit ihrem Sandkastenfreund Mal, von dem sie seit ihrer Abreise nichts mehr gehört hat?

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Meine Meinung:

Ich fühlte mich sofort in den Bann der Welt gezogen. Leigh Bardugos Schreibstil führt einen sanft in die Geschichte hinein, die Welt wird sachte aufgebaut und im Verlauf erklärt. Nur manchmal musste ich zur Karte und einer Liste mit Begriffen zurückblättern, um nachzusehen was genau gemeint war.

Die Geschichte klingt runtergebrochen unspektakulär: Mädchen, das in Jugendfreund verliebt ist, entdeckt mächtige Kräfte und wird an den Königshof gebracht, wo sie lernt und über sich hinauswachsen muss. Dort gibt es neue Bekanntschaften, Intrigen und Gefahren und einen weiteren Kandidaten, der ihr Herz stehlen könnte. Je näher die Entscheidungsschlacht rückt, desto mehr Verschwörungen tun sich auf.

Leigh Bardugo schafft es, dieses schlichte Fantasy-Setting in ein schickes Gewand zu verpacken. Dennoch ist die Grundgeschichte nicht unbedingt der stärkste Punkt des Buches, denn es bleibt anfangs zu seicht, zu „Kleine-Mädchen-Traum-wird-wahr“. Wird man am Anfang direkt mit Alina und Mal in die Ödsee geworfen und muss den schrecklichen Monstern ins Gesicht sehen, so flacht es danach stark ab. Man muss als Leser doch einige mühselige Trainingssequenzen und Hofgeschnatter, sowie Ankleidungsszenen über sich ergehen lassen, ehe es wieder actionreicher wird. Bis zum Finale hin bleibt es dann allerdings spannend und man möchte unbedingt wissen, wie es für Alina ausgehen wird. Der Plottwist war nicht komplett unvorhersehbar, aber ich fand die Umsetzung gut gemacht. Leigh Bardugo scheut jedenfalls nicht davor, ihre Charaktere auch ordentlich in den Dreck zu schubsen und leiden zu lassen. Am Ende bleiben noch einige Fragen offen, die sich hoffentlich in den nächsten Bänden klären. Ich bin jedenfalls heilfroh, den ganzen Schuber hierzuhaben, denn ich habe das Buch in einem Tag durchgesuchtet.

Alina Starkov, unsere Protagonistin, ist ein Waisenmädchen, das heimlich in ihren besten Freund Mal verliebt ist. Sie denkt, sie sei mehr als nur gewöhnlich, lässt sich aber davon nicht einschüchtern, sondern geht ihren Weg als Kartografin der Armee des Zaren. Sie ist jung und ein wenig naiv, aber weder strunzdumm, noch total überlegen, als sie ihre besonderen Kräfte entdeckt. Einfach irgendwie angenehm. Sie wird vom Dunklen, vom Zaren und vielen als Heldenfigur instrumentalisiert und findet das anfangs gar nicht so unangenehm. Vom Tellerwäscher zum Millionär, danach sehnen wir uns alle insgeheim, oder? Alina sagt meistens, was sie denkt, ist dabei aber nicht unsensibel, sondern jugendlich forsch. Zwar hatte ich bis zum Ende nicht das Gefühl, dass ich sie besonders gut kenne, aber sie ist eine Heldin, mit der sich viele junge Mädchen identifizieren können.

Maljen, Alinas Sandkastenfreund, ist ein netter, gutaussehender Kerl. Zuerst bemerkt er Alinas Schwärmerei für ihn nicht. Da er während einem Großteil des Buches nicht direkt vorkommt, bleibt auch er ein wenig blass. In der englischen Ausgabe war jedoch hinten als Extra ein Brief von ihm für Alina angehängt. Er ist ein aufrichtiger, tapferer und guter Kerl, den man gerne und schnell mag. Ich wünsche mir etwas mehr Ecken und Kanten für Band 2!

Der Dunkle ist so gesehen wohl der interessanteste Charakter. Sein Ruf, die Geschichten, die sich um ihm spinnen und die Pläne, die er schmiedet. Dadurch, dass wir nur stückchenweise erfahren, was er will und welche Ziele er verfolgt, wirkt er interessant. Er ist der dunkle, erwachsene Teil, der im Gegensatz zu Alina einen angenehmen Kontrast bildet.
Die Nebencharaktere waren  ziemlich stereotyp. So hatte man bei Hof die klassische, zickige Rivalin, das nette Dienstmädchen, einige Alibi-Freundinnen und urige Lehrmeister. Der Antagonist gefiel mir gut, so machten seine Handlungen und Ziele durchaus Sinn, sind aber moralisch fragwürdig, genau wie seine Methoden.

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Wenn man nur die Charaktere und die Grundgeschichte nimmt, dann hat man ein mittelmäßiges Buch. Aber ich möchte euch den größten Pluspunkt nicht vorenthalten: Das Setting und den Weltenbau. Die Welt ist detailreich, die Schnipsel über Magie, über Verstärker, Folklore und verschiedene Grisha-Fertigkeiten machen dieses Buch zu einem besonderen Schmankerl. Die Karten, die Topographie, die Länder – alles ist gut durchdacht und nicht nur als Kulisse für eine Liebesgeschichte hingeklatscht worden. Wir haben nicht die klassischen Elfe-Zwerge-Drache-Fantasy Welt, sondern etwas ganz Eigenes. Eine Welt, die ähnlich wie Hogwarts oder Mittelerde, einzigartig fantastisch ist und Lust auf Mehr macht. Politische Beziehungen, gesellschaftliche Phänomene wie das Verehren von Alina als Heilige aufgrund ihrer Fähigkeiten – all das sind kleine Details, die die Welt zum Leben erwecken und es so unfassbar spannend machen. Die Welt lebt und interagiert mit den Charakteren. Anders als z.B. bei „Throne of Glass“ oder „Auf immer gejagt“ hatte ich hier das Gefühl, dass die Geschichte genau in diesem Setting spielen muss, um zu funktionieren. Für mich ist das bei Fantasy ein gutes Zeichen!

„Shadow and Bone“ war Leigh Bardugos Debut und man merkt ihm sicherlich einige Kinderkrankheiten an, aber ich habe mich vor allem in die wunderbare Welt, in Ravka, die wahre See, in Fjerda und Kerch verliebt. Der Schreibstil liest sich flüssig, ist angenehm und abwechlslungsreich. Spannende Szenen und Kämpfe könnten für meinen Geschmack durchaus noch etwas knackiger werden, aber ansonsten habe ich nicht mehr viel zu meckern. Neben Sarah J Maas ist Leigh Bardugo eine der gefeierten Fantasy-Autorinnen des aktuellen Jahres – der Auftakt zu beiden Reihen hat mir gut gefallen und ich kann trotz einiger Minuspunkte bei Shadow and Bone nicht weniger Seesterne vergeben als bei Throne of Glass. Denn bisher gefällt mir Leigh Bardugos Welt und die Geschichte besser! Schnell, wo ist Band 2?

Fazit:

Die Geschichte ist eine klassische Helden-Romantasy-Reise ohne groß mit den Erwartungen zu brechen. Das Buch als Ganzes hat mich aber komplett abgeholt, was nicht zuletzt an Leigh Bardugos tollem, flüssigen Schreibstil liegt. Umgehauen hat mich die umfangreiche und liebevoll gezeichnete Fantasy-Welt, die Leigh Bardugo hier erschaffen hat. Eine Welt, die inspiriert und zum Träumen anregt. Weltenbau der ganz großen Art! Ich habe unglaublich Lust auf weitere Bücher aus dieser Welt und sehe sehr viel Potenzial für weitere Geschichten aus dem Grisha-Universum. Eine klare Leseempfehlung für Fantasy-Fans!

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Weitere Stimmen zum Buch:


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[…] Ich denke schon! So geht es mir jedenfalls mit Leigh Bardugos Büchern. Bisher habe ich nur den ersten Teil der Grischa Trilogie gelesen. „Das Lied der Krähen“ dümpelt auf dem SuB und wartet darauf, dass […]

[…] Bardugo – Shadow & Bone Trilogie (auf amazon*) – Rezension Shadow & Bone Band 1 Das Märchenbuch zum Grischa Universum und die ursprüngliche Trilogie im Schuber. Alina entdeckt […]

[…] Leigh Bardugo: Shadow & Bone […]

Ich liiiiiiiebe Leigh Bardugo 😀 Hab Crooked Kingdom noch hier liegen und Ruin and Rising angefangen, aber noch nicht fertig. Obwohl ich – speziell im ersten Teil – bei Alina teilweise die Augen verdreht hab, hab ichs ebenfalls durchgesuchtet XD

Ich habe mir den Schuber auch zu Weihnachten selbst geschenkt 🤣 Habe aber erst Kapitel 1 gelesen. Ich fand auch schön, das eine Karte mit dabei war ^^
Nach deiner Rezension hab ich jetzt um so mehr Lust auf das Buch 😀
LG 🌹

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