[Rezension] Nina C. Hasse – Ersticktes Matt

[Rezension] Nina C. Hasse – Ersticktes Matt

Das Ebook habe ich von meiner lieben BartBroAuthors Kollegin Nina C. Hasse als Rezensionsexemplar zur VerfĂŒgung gestellt bekommen. Es hat leider ein bisschen gedauert, aber hier ist endlich die versprochene Rezension.

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(Spoiler: Es war so gut, ich musste mir die Taschenbuchversion kaufen 🙂 )
Das Ebook kostet 3,99€, das Taschenbuch 14,90€.

 

Worum geht’s?

In einer grĂ¶ĂŸtenteils ĂŒberfluteten Welt in einem alternativen New York in dem Dampfmaschinen, Luftschiffe und U-Boote den Alltag bestimmen, gibt es eine Elendssiedlung, die sog. Floodlands. Diese wurden auf PfĂ€hlen in den East River gebaut und sie werden von einer erschreckenden Mordserie heimgesucht. Der TĂ€ter hinterlĂ€sst bei seinen jungen, weiblichen Opfern Schachfiguren. Doch warum? Dieser Frage nimmt sich die ein Team des Police Departments um Gesichtsanalytiker Remy Lafayette und Madeline VĂ©zer an. UnterstĂŒtzung bekommen sie dafĂŒr von einem raffinierten Schachexperten. Als klar wird, dass der TĂ€ter auch in Europa gemordet hat, schaltet sich auch ein britisches Ermittlerduo ein. Das Phantom macht es ihnen jedoch nicht leicht und die beiden mĂŒssen sich auch ihren eigen Ängsten stellen.

Eine verzwickte Jagd auf den Mörder beginnt, ebenso komplex und spannend wie eine gute Partie Schach.

Genre: Steampunk-Krimi

Design/Gestaltung:

Das Cover ist monochrom in schwarz-weiß und ich liebe es. Es ist unfassbar schön und detailliert ohne verschnörkelt und aufdringlich zu sein. Und nach dem Lesen sieht man es in einem anderen Licht.

Schreibstil:

Es ist beeindruckend. Ich hĂ€tte nicht erwartet, dass ich auf dem Selfpublisher Markt im Krimi-Genre so einen fein ausgeklĂŒgelte, detaillierte und anspruchsvoller Sprache finden wĂŒrde. Das soll jetzt keine anderen Selfpublisher beleidigen, aber es ist eben nicht zu leugnen, dass viel Schrott auf dem Markt existiert, seit es relativ einfach geworden ist, BĂŒcher zu veröffentlichen. Nina hat mehr SprachgefĂŒhl und Wortgewandheit als manche Autoren, die tatsĂ€chlich bei einem Verlag untergekommen sind. Jedes Mal, wenn ich angefangen habe zu lesen, wurde ich tief in das Steampunk-New York entfĂŒhrt und ich fand es immer schwer, es wegzulegen, auch wenn sich das Lesen so lange hinausgezögert hat. Es ist kein Buch zum einfach von der Stelle weglesen, es ist spannend, klug und auf einem hohen Niveau ohne gestochen zu wirken.

Inhalt:

Ich mag Krimis nicht so gerne. Steampunk hingegen finde ich ziemlich cool und da ich die Books&Braun BĂŒcher sehr gerne mochte, dachte ich mir ich möchte das auf jeden Fall lesen.  Das erste Opfer, eine junge Dame aus den Elendsvierteln in den Floodlands fĂŒhrt das Ermittlerteam zunĂ€chst auf keine wirklich ergiebige FĂ€hrte. Die Dinge kommen jedoch schneller ins Rollen als es allen lieb ist und bald gibt es mehr Opfer. Da die scheinbar einzige Gemeinsamkeit der Toten die Schachfiguren sind ziehen die beiden Experten der Schachliga zu Rate. FĂŒr sie abgestellt wird jedoch nicht der erwartete alte Herr, sondern ein aufmĂŒpfiger Junge im Rollstuhl. Dennoch erweist sich die Jagd als schwierig und anscheinend gibt es auch Opfer in Europa. Deswegen machen sich die Ermittler Engels, genannt “Fox” und Loyd aus London ebenfalls auf den Weg. Remy wird tiefer in die Sache hineingezogen als es ihm lieb ist und er muss sich den Schatten seiner Vergangenheit stellen. Der Weg, den Mörder zu fassen, ist selbst Ă€hnlich verstrickt und komplex wie eine Partie Schach. Und leider fordert sie auch Opfer.
Es war wirklich durchgehend spannend. Kaum hatte man das GefĂŒhl, es ging ein wenig voran, flatterte die nĂ€chste Leiche oder ein Detail ins Haus, das alles wieder durcheinander brachte. Man fĂŒhlte sich mit den Charakteren frustriert und hilflos, weil  keine Lösung in Sicht war. Dennoch wurde es nicht langweilig, denn es passierte immer etwas.
An Krimis stört mich oft die monotone, abgewrackte Ermittlerfigur, die repetetiven ErmittlungsablĂ€ufe und dass ich – sobald der Mörder im Buch auftaucht – weiß, dass er der Schuldige ist. In Ninas Buch habe ich es jedoch wirklich nicht gemerkt bis kurz vor Schluss. Nur ganz kurz bevor es offensichtlich wurde. Das war cool, denn diesen Charakter hatte ich wirklich nicht im Visier!

Charaktere:

Remy Lafayette, Gesichtsanalytiker, ist ein sympathischer Zeitgenosse. Er ist Gentleman, zielstrebig und ehrlich, ohne abgehobene MoralansprĂŒche an sich selbst zu haben. Er greift auch gerne mal zu nicht ganz legalen Mitteln und das ist sehr sympathisch. Seine Entwicklung durch das Buch hindurch fand ich sehr gut. Er hat sich im Grunde seines Herzens nicht stark verĂ€ndert, aber er ist gewachsen.

Madeline VezĂ©r mochte ich mit am liebsten. Sie ist eine toughe Polizistin, die mit mĂŒtterlicher Strenge versuchte, den Fall zu lösen und ihre Liebsten zu beschĂŒtzen. Sie war zielstrebig, entschlossen und doch war sie nie emotionskalt, obwohl sie professionell handelte, merkte man ihr oft an, dass es Selbstkontrolle bedurfte.

Nathaniel, der junge Schachexperte, der an den Rollstuhl gefesselt ist, ist ein Goldschatz. Ein besserwisserischer, intelligenter und neugieriger Junge mit einer frechen Schnautze und viel Einfallsreichtum. Dennoch hat seine Kindlichkeit oft etwas Lockerung und Charme in die sonst so dĂŒstere Geschichte gebracht. Man möchte ihn knuddeln und irgendwie in die Nase kneifen zugleich.

Heimlich hoffe ich darauf, dass Nathaniels Mutter mit Remy zusammenkommt. Sie war  mein liebster Charakter, auch wenn sie nicht sprechen konnte. Sie wirkt sehr geheimnisvoll und ich hoffe sehr, dass wir mehr von ihr erfahren!
Ermeline Engels, „Fox“, war mir ein bisschen zu pathetisch-dramatisch. Ihre aufwallenden GefĂŒhle, verschiedenfarbige Augen, ein Handicap, dazu noch die stĂ€ndigen Selbstzweifel – das war mir alles ein bisschen zu viel. Vor allem, weil sie immer bewiesen hat, dass sie viel kann, wenn sie will. Sie hat sich ebenfalls entwickelt, auch wenn ihre Einsicht, dass sie doch keine Versagerin ist, ziemlich ĂŒberfĂ€llig war, denn sie war cool und mutig!

Ihren Kollegen Loyd fand ich sehr sympathisch, aber leider war er mehr ein Mittel zum Zweck und um Fox inneren Konflikt besser zu beleuchten.

Die anderen Charaktere waren gut ausgearbeitet und man hat einfach gemerkt, dass Nina sich sehr viele Gedanken gemacht hat. Die Welt hat sich sehr lebendig angefĂŒhlt und die meisten Charaktere bedienten keine Stereotypen sondern wirkten wirklich wie lebendige Wesen.

Ende:

Das Ende war cool. Ich mochte es und ich mochte, dass es abgeschlossen war und wir trotzdem darauf hoffen dĂŒrfen, dass die Geschichte weitergeht. Ich habe wirklich erst spĂ€t bemerkt, wer der Mörder war aber es war kein deus ex machina, sondern hat Sinn ergeben. All die kleinen Symbole und Hinweise, ein Puzzle das sich langsam zusammengesetzt hat. Wirklich grandios und ich möchte es nochmal lesen mit dem Wissen von jetzt und sehen, was ich vielleicht beim ersten Lesen noch nicht gemerkt habe.

Mein Fazit: Dieses Buch ist handwerklich, storytechnisch und vom Schreibstil und Detailgrad einfach faszinierend genial. Es steht den großen Namen da draußen in absolut nichts nach. Und es wird einen festen Platz in meinem Regal bekommen, weil ich es durch und durch toll fand.
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Bald erscheint außerdem Ninas neuer Roman “KrĂ€henherz”, der von der ersten Begegnung von VezĂ©r und Lafayette erzĂ€hlen wird!

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[…] nicht möglich. Und ich kann alle drei gelesenen BĂŒcher nur empfehlen: Nina C. Hasse: „Ersticktes Matt“, J.M. Volckmann: „Neunundneunzig Namen“ und „Weil wir lĂ€ngst woanders sind“ von […]

[…] wird unsanft in den Fall hineingezogen als es persönlich wird. Meine Rezension findet ihr hier. (auf […]

[…] Ihr wisst das. Naaaaw.  Der rote Tiger ist Holmes und der graue ist Watson. Ninas Buch „Ersticktes Matt“ ist große Klasse, als Mensch ist sie unfassbar lieb und engagiert. Wie wird man noch […]

[…] die ich hier auch mit 4,5 oder 5 Sternen bewerte wie 99 Namen von Jens-Michael Volckmann oder Ersticktes Matt von Nina C. […]

Klingt nach einem sehr guten Buch – Steampunk finde ich auch immer sehr cool und in der Kombination mit einem Krimi sicherlich eine spannende Mischung 🙂

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